Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 329: brāhmaṇamāhātmyam Von der Erhabenheit der Brahmanen und dem Ursprung Agnis und Somas

Arjuna fragt Kṛṣṇa nach dem gemeinsamen Ursprung von Agni und Soma; die Antwort entfaltet sich zu einer Lehrerzählung über die Vormachtstellung der Brahmanen, die durch zahlreiche mythologische Beispiele veranschaulicht wird (u. a. Viśvarūpa, Dadhīci, Vṛtra, später Nahuṣa).

arjuna uvāca; agnīṣomau kathaṃ pūrvam ekayonī pravartitau; eṣa me saṃśayo jātas taṃ chindhi madhusūdana

Arjuna sprach: Wie sind Agni und Soma einst aus einem gemeinsamen Ursprung hervorgebracht worden? Dieser Zweifel ist in mir entstanden; zerschneide ihn, o Madhusūdana.

Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
agnīṣomau kathaṃ
Agni und Soma, wie (Nom.Dual/Interrog.Adv.)
pūrvam ekayonī
einst aus einem Ursprung (Adv./Nom.Dual Adj.)
pravartitau
wurden hervorgebracht (Nom.Dual, Partiz.Perf.Pass.)
eṣa me saṃśayo jātaḥ
dieser Zweifel ist mir entstanden (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
taṃ chindhi
zerschneide ihn (Akk.Sg./Imp.2.Sg.)
madhusūdana
o Madhusūdana [Vok.]

śrībhagavān uvāca; hanta te vartayiṣyāmi purāṇaṃ pāṇḍunandana; ātmatejodbhavaṃ pārtha śṛṇuṣvaikamanā mama

Der erhabene Herr sprach: Wohlan, ich will dir die alte Geschichte erzählen, o Sohn des Pāṇḍu – entstanden aus meiner eigenen Glutkraft, o Sohn der Pṛthā. Höre sie von mir mit gesammeltem Geist.

Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
Der erhabene Herr sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
hanta te vartayiṣyāmi
wohlan, ich werde dir erzählen (1.Sg.Fut.)
purāṇaṃ pāṇḍunandana
die alte Geschichte, o Sohn des Pāṇḍu (Akk./Vok.)
ātmatejodbhavaṃ
aus eigener Glutkraft entstanden (Akk., Adj.)
pārtha śṛṇuṣva
o Sohn der Pṛthā, höre (Vok./Imp.2.Sg.Med.)
ekamanāḥ mama
mit gesammeltem Geist, von mir (Nom.Adj./Abl.)

saṃprakṣālanakāle 'tikrānte caturthe yugasahasrānte; avyakte sarvabhūtapralaye sthāvarajaṅgame; jyotirdharaṇivāyurahite 'ndhe tamasi jalaikārṇave loke; tama ity evābhibhūte 'saṃjñake 'dvitīye pratiṣṭhite; naiva rātryāṃ na divase na sati nāsati na vyakte nāvyakte vyavasthite; etasyām avasthāyāṃ nārāyaṇaguṇāśrayād akṣayād ajarād anindriyād agrāhyād asaṃbhavāt satyād ahiṃsrāl lalāmād vividhapravṛttiviśeṣāt; akṣayād ajarāmarād amūrtitaḥ sarvavyāpinaḥ sarvakartuḥ śāśvatāt tamasaḥ puruṣaḥ prādurbhūto harir avyayaḥ

Als die Zeit der großen Reinigung angebrochen war, am Ende des vierten Jahrtausends der Weltzeitalter, in der unentfalteten Auflösung aller Wesen, der beweglichen wie der unbeweglichen, in einer Welt, die frei war von Licht, Erde und Wind, in blinder Finsternis, ein einziger Ozean von Wasser, als alles, nur „Finsternis“ genannt, überwältigt, bewusstlos, ohne ein Zweites, feststand – in einer Zeit, die weder Nacht noch Tag war, weder Seiendes noch Nicht-Seiendes, weder Manifestes noch Unmanifestes: in diesem Zustand erschien aus der Finsternis – die der Hort der Eigenschaften Nārāyaṇas, unvergänglich, alterlos, sinnenlos, unfassbar, ungeworden, wahrhaft, gewaltlos, herrlich, von mannigfacher besonderer Hervorbringung, [wiederum] unvergänglich, alterslos-unsterblich, gestaltlos, alldurchdringend, allbewirkend und ewig war – der Puruṣa, der unvergängliche Hari.

Wort für Wort
saṃprakṣālanakāle 'tikrānte
als die Zeit der kosmischen Reinigung eingetreten war (Lok.Abs.)
caturthe yugasahasrānte
am Ende des vierten Jahrtausends der Weltzeitalter [?] (Lok.)
avyakte sarvabhūtapralaye
in der unentfalteten Auflösung aller Wesen (Lok.)
sthāvarajaṅgame
der beweglichen und unbeweglichen [Wesen] (Lok.Adj.)
jyotirdharaṇivāyurahite 'ndhe tamasi
in blinder Finsternis, frei von Licht, Erde und Wind (Lok.)
jalaikārṇave loke
in der Welt, die ein einziger Wasserozean war (Lok.)
tama ity eva
nur eben „Finsternis“ genannt (Nom./Zitatpartikel)
abhibhūte 'saṃjñake
überwältigt, bewusstlos (Lok.Partiz./Adj.)
'dvitīye pratiṣṭhite
ohne ein Zweites, feststehend (Lok.Adj./Partiz.)
naiva rātryāṃ na divase
weder in der Nacht noch am Tag (Lok.)
na sati nāsati
weder im Seienden noch im Nicht-Seienden (Lok.)
na vyakte nāvyakte
weder im Manifesten noch im Unmanifesten (Lok.)
vyavasthite
bestehend, befindlich (Lok.Partiz.)
etasyām avasthāyāṃ
in diesem Zustand (Lok.)
nārāyaṇaguṇāśrayād akṣayād
aus dem Hort der Eigenschaften Nārāyaṇas, dem Unvergänglichen (Abl.)
ajarād anindriyād
dem Alterslosen, dem Sinnenlosen (Abl.)
agrāhyād asaṃbhavāt
dem Unfassbaren, dem Ungewordenen (Abl.)
satyād ahiṃsrāl
dem Wahrhaften, dem Gewaltlosen (Abl.)
lalāmād vividhapravṛttiviśeṣāt
dem Herrlichen, dem von mannigfacher besonderer Hervorbringung (Abl.)
akṣayād ajarāmarād
dem Unvergänglichen, dem Alterslos-Unsterblichen (Abl.)
amūrtitaḥ sarvavyāpinaḥ
dem Gestaltlosen, dem Alldurchdringenden (Abl.)
sarvakartuḥ śāśvatāt
dem Allbewirkenden, dem Ewigen (Abl.)
tamasaḥ puruṣaḥ
aus der Finsternis der Puruṣa (Abl./Nom.)
prādurbhūto harir avyayaḥ
erschien, der unvergängliche Hari (3.Sg.Perf./Nom.)

Stark komprimierter, kompositionsreicher philosophischer Satz; die Datierungsformel „am Ende des vierten Jahrtausends der Weltzeitalter“ ist unsicher gedeutet.

nidarśanam api hy atra bhavati; nāsīd aho na rātrir āsīt; na sad āsīn nāsad āsīt; tama eva purastād abhavad viśvarūpam; sā viśvasya jananīty evam asyārtho 'nubhāṣyate

Auch hierzu gibt es nämlich ein Beispiel: Es gab keinen Tag, und es gab keine Nacht; es gab weder das Seiende noch das Nicht-Seiende. Nur die Finsternis allein war zuvor da, allgestaltig. „Sie ist die Mutter des Alls“ – so wird der Sinn davon erklärt.

Wort für Wort
nidarśanam api hy atra
auch hierzu gibt es nämlich ein Beispiel (Nom.)
bhavati
es gibt (3.Sg.Präs.)
nāsīd aho
es gab keinen Tag (3.Sg.Impf./Nom.)
na rātrir āsīt
und keine Nacht gab es (3.Sg.Impf.)
na sad āsīt
es gab nicht das Seiende (3.Sg.Impf.)
nāsad āsīt
es gab nicht das Nicht-Seiende (3.Sg.Impf.)
tama eva purastād abhavat
nur Finsternis war zuvor da (Nom./Adv./3.Sg.Impf.)
viśvarūpam
allgestaltig (Nom.Adj.)
sā viśvasya jananī iti
„sie ist die Mutter des Alls“ (Nom./Gen./Zitat)
evam asya arthaḥ anubhāṣyate
so wird ihr Sinn erklärt (Adv./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

tasyedānīṃ tamaḥsaṃbhavasya puruṣasya padmayoner brahmaṇaḥ prādurbhāve sa puruṣaḥ prajāḥ sisṛkṣamāṇo netrābhyām agnīṣomau sasarja; tato bhūtasarge pravṛtte prajākramavaśād brahmakṣatram upātiṣṭhat; yaḥ somas tad brahma yad brahma te brāhmaṇāḥ; yo 'gnis tat kṣatraṃ kṣatrād brahma balavattaram; kasmād iti lokapratyakṣaguṇam etat tad yathā; brāhmaṇebhyaḥ paraṃ bhūtaṃ notpannapūrvam; dīpyamāne 'gnau juhotīti kṛtvā bravīmi; bhūtasargaḥ kṛto brahmaṇā bhūtāni ca pratiṣṭhāpya trailokyaṃ dhāryata iti

Als nun jener aus der Finsternis entstandene Puruṣa – Brahma, der Lotosgeborene – erschienen war, da erschuf dieser Puruṣa, der Geschöpfe hervorbringen wollte, mit seinen beiden Augen Agni und Soma. Danach, als die Erschaffung der Geschöpfe im Gange war, entstand durch die Abfolge der Geschöpfe der Unterschied von Brahman und Kṣatra. Was Soma ist, das ist Brahman; was Brahman ist, das sind die Brahmanen. Was Agni ist, das ist Kṣatra; stärker als Kṣatra ist Brahman. Weshalb? Dies ist eine der Welt offenkundige Eigenschaft, und zwar so: Kein Wesen, das höher wäre als die Brahmanen, ist je zuvor entstanden. Ich sage dies im Hinblick darauf, dass man ins entflammte Feuer opfert. Die Erschaffung der Geschöpfe wurde von Brahman vollzogen, und, nachdem er die Geschöpfe eingesetzt hat, wird die dreifache Welt von ihm getragen.

Wort für Wort
tasyedānīṃ tamaḥsaṃbhavasya
von jenem, jetzt aus der Finsternis entstandenen (Gen.)
puruṣasya padmayoner
Puruṣa, des Lotosgeborenen (Gen.)
brahmaṇaḥ prādurbhāve
als Brahma erschienen war (Gen./Lok.Abs.)
sa puruṣaḥ prajāḥ
dieser Puruṣa, die Geschöpfe (Nom./Akk.)
sisṛkṣamāṇo netrābhyām
erschaffen wollend, mit den beiden Augen (Nom.Partiz./Instr.Dual)
agnīṣomau sasarja
erschuf Agni und Soma (Akk.Dual/3.Sg.Perf.)
tato bhūtasarge pravṛtte
danach, als die Wesenserschaffung im Gange war (Lok.Abs.)
prajākramavaśād brahmakṣatram
kraft der Abfolge der Geschöpfe, Brahman und Kṣatra (Abl./Akk.)
upātiṣṭhat
trat hervor (3.Sg.Impf.)
yaḥ somas tad brahma
was Soma ist, das ist Brahman (Nom.)
yad brahma te brāhmaṇāḥ
was Brahman ist, das sind die Brahmanen (Nom.)
yo 'gnis tat kṣatraṃ
was Agni ist, das ist Kṣatra (Nom.)
kṣatrād brahma balavattaram
stärker als Kṣatra ist Brahman (Abl./Nom.Komp.)
kasmād iti
weshalb? (Abl.Frage)
lokapratyakṣaguṇam etat tad yathā
dies ist eine der Welt sichtbare Eigenschaft, und zwar so (Nom.)
brāhmaṇebhyaḥ paraṃ bhūtaṃ
ein den Brahmanen übergeordnetes Wesen (Abl./Nom.)
notpannapūrvam
ist nicht zuvor entstanden (Nom.Adj.)
dīpyamāne 'gnau juhoti iti
man opfert ins brennende Feuer (Lok.Abs./3.Sg.Präs./Zitat)
kṛtvā bravīmi
im Hinblick darauf sage ich dies (Abs./1.Sg.Präs.)
bhūtasargaḥ kṛto brahmaṇā
die Erschaffung der Geschöpfe wurde von Brahman vollzogen (Nom./Nom.Partiz.Perf.Pass./Instr.)
bhūtāni ca pratiṣṭhāpya
und, nachdem er die Geschöpfe eingesetzt hatte (Akk./Abs.)
trailokyaṃ dhāryata iti
wird die dreifache Welt getragen (Nom./3.Sg.Präs.Pass./Zitat)

mantravādo 'pi hi bhavati; tvam agne yajñānāṃ hotā viśveṣām; hito devebhir mānuṣe jane iti; nidarśanaṃ cātra bhavati; viśveṣām agne yajñānāṃ hoteti; hito devair mānuṣair jagata iti; agnir hi yajñānāṃ hotā kartā; sa cāgnir brahma

Es gibt nämlich auch einen Ausspruch der Mantras: „Du, o Agni, bist der Opferpriester aller Opfer, eingesetzt von den Göttern unter den Menschen.“ Und hierzu gibt es eine Erläuterung: Das bedeutet: „O Agni, du bist der Opferpriester aller Opfer, eingesetzt von den Göttern und den Menschen der Welt.“ Agni ist nämlich der Opferpriester und Vollzieher der Opfer. Und dieser Agni ist Brahman.

Wort für Wort
mantravādo 'pi hi bhavati
es gibt nämlich auch einen Ausspruch der Mantras (Nom./3.Sg.Präs.)
tvam agne
du, o Agni (Nom./Vok.)
yajñānāṃ hotā viśveṣām
der Opferpriester aller Opfer (Gen.Pl./Nom./Gen.Pl.)
hito devebhir
eingesetzt von den Göttern (Nom.Partiz.Perf.Pass./Instr.)
mānuṣe jane iti
unter den Menschen [Zitatende] (Lok.)
nidarśanaṃ cātra bhavati
und hierzu gibt es eine Erläuterung (Nom./3.Sg.Präs.)
viśveṣām agne yajñānāṃ hoteti
[bedeutet:] „o Agni, du bist der Opferpriester aller Opfer“ (Zitat)
hito devair mānuṣair
eingesetzt von Göttern und Menschen (Instr.)
jagata iti
der Welt [Zitatende] (Gen.)
agnir hi yajñānāṃ
Agni ist ja der der Opfer (Nom./Gen.Pl.)
hotā kartā
Opferpriester und Vollzieher (Nom.)
sa cāgnir brahma
und dieser Agni ist Brahman (Nom.)

na hy ṛte mantrād dhavanam asti; na vinā puruṣaṃ tapaḥ saṃbhavati; havir mantrāṇāṃ saṃpūjā vidyate devamanuṣyāṇām anena tvaṃ hoteti niyuktaḥ; ye ca mānuṣā hotrādhikārās te ca; brāhmaṇasya hi yājanaṃ vidhīyate na kṣatravaiśyayor dvijātyoḥ; tasmād brāhmaṇā hy agnibhūtā yajñān udvahanti; yajñā devāṃs tarpayanti devāḥ pṛthivīṃ bhāvayanti

Denn ohne Mantra gibt es keine Opferspende; ohne einen Menschen kommt keine Opferhandlung zustande. Die Opfergabe ist die durch die Mantras vollzogene Verehrung der Götter und Menschen; durch dieses Mantra wirst du als „du bist der Opferpriester“ eingesetzt – und auch für jene Menschen, die zum Priesteramt berechtigt sind, gilt dies. Denn das Opfern für andere ist dem Brahmanen vorgeschrieben, nicht den beiden zweimal geborenen Ständen Kṣatriya und Vaiśya. Deshalb sind es die Brahmanen, die, zu Agni geworden, die Opfer vollbringen; die Opfer erfreuen die Götter, und die Götter lassen die Erde gedeihen.

Wort für Wort
na hy ṛte mantrād
denn ohne Mantra (Abl.)
dhavanam asti
gibt es kein Opfergießen (Nom./3.Sg.Präs.)
na vinā puruṣaṃ
nicht ohne einen Menschen (Akk.)
tapaḥ saṃbhavati
kommt die Opferhandlung zustande (Nom./3.Sg.Präs.)
havir mantrāṇāṃ saṃpūjā
die Opfergabe ist die Verehrung der Mantras [?] (Nom./Gen.Pl./Nom.)
vidyate devamanuṣyāṇām
gibt es, der Götter und Menschen (3.Sg.Präs./Gen.Pl.)
anena tvaṃ hoteti niyuktaḥ
durch dieses [Mantra] bist du als Opferpriester eingesetzt (Instr./Nom.Partiz.)
ye ca mānuṣā hotrādhikārās
und diejenigen Menschen, die zum Priesteramt berechtigt sind (Nom.Pl.)
te ca
auch für sie (Nom.Pl.)
brāhmaṇasya hi yājanaṃ vidhīyate
denn das Opfern für andere ist dem Brahmanen vorgeschrieben (Gen./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
na kṣatravaiśyayor dvijātyoḥ
nicht den beiden zweimal geborenen Kṣatriya und Vaiśya (Gen.Dual)
tasmād brāhmaṇā hy agnibhūtā
deshalb sind es die Brahmanen, zu Agni geworden (Abl./Nom.Pl.)
yajñān udvahanti
die vollbringen die Opfer (Akk./3.Pl.Präs.)
yajñā devāṃs tarpayanti
die Opfer erfreuen die Götter (Nom./Akk./3.Pl.Präs.)
devāḥ pṛthivīṃ bhāvayanti
die Götter lassen die Erde gedeihen (Nom./Akk./3.Pl.Präs.)

Die Wendung „havir mantrāṇāṃ saṃpūjā“ ist syntaktisch knapp und leicht unsicher gedeutet.

śatapathe hi brāhmaṇaṃ bhavati; agnau samiddhe sa juhoti yo vidvān brāhmaṇamukhe dānāhutiṃ juhoti; evam apy agnibhūtā brāhmaṇā vidvāṃso 'gniṃ bhāvayanti; agnir viṣṇuḥ sarvabhūtāny anupraviśya prāṇān dhārayati; api cātra sanatkumāragītāḥ ślokā bhavanti

Im Śatapatha-Brāhmaṇa gibt es nämlich einen Ausspruch: Wenn das Feuer entzündet ist, opfert wahrhaft derjenige, der als Wissender die Gabenopferung ins Antlitz des Brahmanen – das heißt als Gabe an einen Brahmanen – vollzieht. Ebenso lassen auch die zu Agni gewordenen, kundigen Brahmanen das Feuer gedeihen. Agni ist Viṣṇu; er durchdringt alle Geschöpfe und erhält ihren Lebenshauch. Und hierzu gibt es auch von Sanatkumāra gesungene Verse:

Wort für Wort
śatapathe hi brāhmaṇaṃ bhavati
im Śatapatha gibt es nämlich einen Ausspruch (Lok./Nom./3.Sg.Präs.)
agnau samiddhe
wenn das Feuer entzündet ist (Lok.Abs.)
sa juhoti yo vidvān
der opfert, der als Wissender (Nom./3.Sg.Präs./Nom.)
brāhmaṇamukhe dānāhutiṃ juhoti
die Gabenopferung ins Antlitz des Brahmanen vollzieht (Lok./Akk./3.Sg.Präs.)
evam apy agnibhūtā brāhmaṇā
ebenso auch die zu Agni gewordenen Brahmanen (Adv./Nom.Pl.)
vidvāṃso 'gniṃ bhāvayanti
die kundigen lassen das Feuer gedeihen (Nom.Pl./Akk./3.Pl.Präs.)
agnir viṣṇuḥ
Agni ist Viṣṇu (Nom.)
sarvabhūtāny anupraviśya
nachdem er in alle Wesen eingedrungen ist (Akk.Pl./Abs.)
prāṇān dhārayati
erhält ihren Lebenshauch (Akk.Pl./3.Sg.Präs.)
api cātra sanatkumāragītāḥ ślokā bhavanti
und hierzu gibt es auch von Sanatkumāra gesungene Verse (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

viśvaṃ brahmāsṛjat pūrvaṃ sarvādir niravaskaram; brahmaghoṣair divaṃ tiṣṭhanty amarā brahmayonayaḥ

Das All erschuf Brahman zuerst, der Anfang von allem, makellos; durch die Klänge des Brahman verweilen die Unsterblichen, aus Brahman entsprungen, im Himmel.

Wort für Wort
viśvaṃ brahmāsṛjat
das All erschuf Brahman (Akk./3.Sg.Impf.)
pūrvaṃ sarvādir
zuerst, der Anfang von allem (Adv./Nom.)
niravaskaram
makellos (Akk.Adj.)
brahmaghoṣair divaṃ tiṣṭhanty
durch die Klänge des Brahman verweilen sie im Himmel (Instr./Akk./3.Pl.Präs.)
amarā brahmayonayaḥ
die Unsterblichen, aus Brahman entsprungen (Nom.Pl.)

brāhmaṇānāṃ matir vākyaṃ karma śraddhā tapāṃsi ca; dhārayanti mahīṃ dyāṃ ca śaityād vāry amṛtaṃ yathā

Der Brahmanen Denken, Wort, Werk, Glaube und Askesen tragen die Erde und den Himmel, wie das Wasser durch seine Kühle gleich dem Nektar wirkt.

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ matir vākyaṃ
der Brahmanen Denken, Wort (Gen.Pl./Nom.)
karma śraddhā tapāṃsi ca
Werk, Glaube und Askesen (Nom.)
dhārayanti mahīṃ dyāṃ ca
tragen die Erde und den Himmel (3.Pl.Präs./Akk.)
śaityād vāry
durch seine Kühle, das Wasser (Abl./Nom.)
amṛtaṃ yathā
wie der Nektar (Akk./Vergleichspartikel)

nāsti satyāt paro dharmo nāsti mātṛsamo guruḥ; brāhmaṇebhyaḥ paraṃ nāsti pretya ceha ca bhūtaye

Es gibt keine höhere Pflicht als die Wahrheit, es gibt keinen der Mutter gleichen Lehrer; es gibt nichts Höheres als die Brahmanen für das Wohlergehen, im Jenseits wie auch hier.

Wort für Wort
nāsti satyāt paro dharmo
es gibt keine höhere Pflicht als die Wahrheit (Abl./Nom.)
nāsti mātṛsamo guruḥ
es gibt keinen der Mutter gleichen Lehrer (Nom.)
brāhmaṇebhyaḥ paraṃ nāsti
es gibt nichts Höheres als die Brahmanen (Abl./Nom.)
pretya ceha ca
im Jenseits und auch hier (Abs./Adv.)
bhūtaye
für das Wohlergehen (Dat.)

naiṣām ukṣā vardhate nota vāhā; na gargaro mathyate saṃpradāne; apadhvastā dasyubhūtā bhavanti; yeṣāṃ rāṣṭre brāhmaṇā vṛttihīnāḥ

Deren Stier gedeiht nicht, noch das Zugtier, kein Butterquirl wird gerührt für rituelle Gaben; verworfen, zu Räubern geworden sind die Leute, in deren Reich die Brahmanen ohne Auskommen sind.

Wort für Wort
naiṣām ukṣā vardhate
deren Stier gedeiht nicht (Gen.Pl./Nom./3.Sg.Präs.)
nota vāhā
und auch nicht das Zugtier (Nom.)
na gargaro mathyate
kein Butterquirl wird gerührt (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
saṃpradāne
für rituelle Gaben (Lok.)
apadhvastā dasyubhūtā bhavanti
sie werden verworfen, zu Räubern geworden (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
yeṣāṃ rāṣṭre
in deren Reich (Gen.Pl./Lok.)
brāhmaṇā vṛttihīnāḥ
die Brahmanen ohne Auskommen sind (Nom.Pl.)

vedapurāṇetihāsaprāmāṇyān nārāyaṇamukhodgatāḥ sarvātmānaḥ sarvakartāraḥ sarvabhāvanāś ca brāhmaṇāḥ; vāksamakālaṃ hi tasya devasya varapradasya brāhmaṇāḥ prathamaṃ prādurbhūtā brāhmaṇebhyaś ca śeṣā varṇāḥ prādurbhūtāḥ; itthaṃ ca surāsuraviśiṣṭā brāhmaṇā yadā mayā brahmabhūtena purā svayam evotpāditāḥ surāsuramaharṣayo bhūtaviśeṣāḥ sthāpitā nigṛhītāś ca

Auf Grund der Autorität von Veden, Purāṇas und Itihāsas gilt: Die Brahmanen, aus dem Mund Nārāyaṇas hervorgegangen, sind die Seele von allem, die Bewirker von allem und die Erzeuger von allem. Denn zugleich mit der Rede jenes Gottes, des Gewährers von Gaben, sind die Brahmanen zuerst entstanden, und aus den Brahmanen sind die übrigen Stände entstanden. Und so wurden, als die Brahmanen – ausgezeichnet vor Göttern und Dämonen – einst von mir selbst, der zu Brahman geworden war, hervorgebracht wurden, zusammen mit den Göttern, Dämonen und großen Weisen, den besonderen Wesensklassen, diese eingesetzt und in Schranken gehalten.

Wort für Wort
vedapurāṇetihāsaprāmāṇyān
auf Grund der Autorität von Veden, Purāṇas und Itihāsas (Abl.)
nārāyaṇamukhodgatāḥ
aus dem Mund Nārāyaṇas hervorgegangen (Nom.Pl.)
sarvātmānaḥ sarvakartāraḥ
die Seele von allem, die Bewirker von allem (Nom.Pl.)
sarvabhāvanāś ca brāhmaṇāḥ
und die Erzeuger von allem sind die Brahmanen (Nom.Pl.)
vāksamakālaṃ hi tasya devasya
denn zugleich mit der Rede jenes Gottes (Adv./Gen.)
varapradasya
des Gewährers von Gaben (Gen.)
brāhmaṇāḥ prathamaṃ prādurbhūtā
sind die Brahmanen zuerst entstanden (Nom.Pl./Adv./Nom.Pl.Partiz.)
brāhmaṇebhyaś ca śeṣā varṇāḥ
und aus den Brahmanen die übrigen Stände (Abl./Nom.Pl.)
prādurbhūtāḥ
sind entstanden (Nom.Pl.Partiz.)
itthaṃ ca surāsuraviśiṣṭā brāhmaṇā
und so die Brahmanen, ausgezeichnet vor Göttern und Dämonen (Adv./Nom.Pl.)
yadā mayā brahmabhūtena
als von mir, der zu Brahman geworden war (Instr.)
purā svayam evotpāditāḥ
einst selbst hervorgebracht wurden (Adv./Nom.Pl.Partiz.Perf.Pass.)
surāsuramaharṣayo bhūtaviśeṣāḥ
die Götter, Dämonen und großen Weisen, die besonderen Wesensklassen (Nom.Pl.)
sthāpitā nigṛhītāś ca
eingesetzt und in Schranken gehalten (Nom.Pl.Partiz.)

Der letzte Satz ist syntaktisch sehr dicht (mehrfache Apposition); Kṛṣṇa spricht hier von sich selbst in der Rolle Brahmans.

ahalyādharṣaṇanimittaṃ hi gautamād dhariśmaśrutām indraḥ prāptaḥ; kauśikanimittaṃ cendro muṣkaviyogaṃ meṣavṛṣaṇatvaṃ cāvāpa; aśvinor grahapratiṣedhodyatavajrasya puraṃdarasya cyavanena stambhito bāhuḥ; kratuvadhaprāptamanyunā ca dakṣeṇa bhūyas tapasā cātmānaṃ saṃyojya netrākṛtir anyā lalāṭe rudrasyotpāditā

Wegen der Schändung der Ahalyā erlangte Indra ja von Gautama den Fluch eines goldbraunen Bartes; und wegen Kauśika erlitt Indra den Verlust der Hoden und erlangte Widderhoden. Dem Puraṃdara, der den Vajra erhoben hatte, um den Trankanteil der beiden Aśvins zu verhindern, wurde von Cyavana der Arm gelähmt. Und Dakṣa, der durch die Vernichtung seines Opfers in Zorn geraten war, brachte, nachdem er sich selbst wiederum mit Askese verbunden hatte, eine weitere Augengestalt auf der Stirn Rudras hervor.

Wort für Wort
ahalyādharṣaṇanimittaṃ hi
wegen der Schändung der Ahalyā nämlich (Akk./Adv.)
gautamād dhariśmaśrutām
von Gautama den Fluch des goldbraunen Bartes [?] (Abl./Akk.)
indraḥ prāptaḥ
erlangte Indra (Nom./3.Sg.Perf.Partiz.)
kauśikanimittaṃ cendro
und wegen Kauśika Indra (Akk./Nom.)
muṣkaviyogaṃ meṣavṛṣaṇatvaṃ cāvāpa
den Verlust der Hoden und die Widderhoden erlangte (Akk./3.Sg.Perf.)
aśvinor grahapratiṣedhodyatavajrasya
des Indra, der den Vajra erhoben hatte, um den Trankanteil der Aśvins zu verhindern (Gen.Dual/Gen.)
puraṃdarasya cyavanena
des Puraṃdara, von Cyavana (Gen./Instr.)
stambhito bāhuḥ
wurde der Arm gelähmt (Nom.Partiz.Pass./Nom.)
kratuvadhaprāptamanyunā ca dakṣeṇa
und von Dakṣa, der durch die Vernichtung des Opfers Zorn erlangt hatte (Instr.)
bhūyas tapasā cātmānaṃ saṃyojya
nachdem er sich selbst wiederum mit Askese verbunden hatte (Adv./Instr./Akk./Abs.)
netrākṛtir anyā lalāṭe rudrasyotpāditā
wurde eine weitere Augengestalt auf der Stirn Rudras hervorgebracht (Nom./Nom.Adj./Lok./Nom.Partiz.Pass.)

Der genaue Sinn von „hariśmaśrutā“ (goldbrauner Bart) als Fluchfolge der Ahalyā-Episode ist unsicher.

tripuravadhārthaṃ dīkṣām abhyupagatasya rudrasyośanasā śiraso jaṭā utkṛtya prayuktāḥ; tataḥ prādurbhūtā bhujagāḥ; tair asya bhujagaiḥ pīḍyamānaḥ kaṇṭho nīlatām upanītaḥ; pūrve ca manvantare svāyaṃbhuve nārāyaṇahastabandhagrahaṇān nīlakaṇṭhatvam eva vā

Von Rudra, der sich zum Zweck der Tötung Tripuras der Weihe unterzogen hatte, wurden von Uśanas die Locken des Hauptes abgeschnitten und verwendet; daraus entstanden Schlangen. Durch diese seine Schlangen bedrängt, wurde sein Hals blau. Oder aber schon im früheren Manvantara, dem des Svāyaṃbhuva, entstand die Blauhalsigkeit eben durch das Ergreifen an einer Handfessel Nārāyaṇas.

Wort für Wort
tripuravadhārthaṃ dīkṣām abhyupagatasya
der sich zum Zweck der Tötung Tripuras der Weihe unterzogen hatte (Akk./Akk./Gen.)
rudrasyośanasā
Rudras, von Uśanas (Gen./Instr.)
śiraso jaṭā utkṛtya
nachdem er die Locken des Hauptes abgeschnitten hatte (Gen./Akk.Pl./Abs.)
prayuktāḥ
wurden verwendet (Nom.Pl.Partiz.Pass.)
tataḥ prādurbhūtā bhujagāḥ
daraus entstanden Schlangen (Adv./Nom.Pl.Partiz./Nom.Pl.)
tair asya bhujagaiḥ pīḍyamānaḥ
durch diese seine Schlangen bedrängt (Instr.Pl./Nom.Partiz.Pass.)
kaṇṭho nīlatām upanītaḥ
wurde der Hals in Blauheit versetzt (Nom./Akk./Nom.Partiz.Pass.)
pūrve ca manvantare svāyaṃbhuve
und im früheren Manvantara, dem des Svāyaṃbhuva (Lok.)
nārāyaṇahastabandhagrahaṇān nīlakaṇṭhatvam eva vā
durch das Ergreifen an einer Handfessel Nārāyaṇas eben die Blauhalsigkeit (Abl./Akk.)

amṛtotpādane puraścaraṇatām upagatasyāṅgiraso bṛhaspater upaspṛśato na prasādaṃ gatavatyaḥ kilāpaḥ; atha bṛhaspatir apāṃ cukrodha; yasmān mamopaspṛśataḥ kaluṣībhūtā na prasādam upagatās tasmād adyaprabhṛti jhaṣamakaramatsyakacchapajantusaṃkīrṇāḥ kaluṣībhavateti; tadāprabhṛty āpo yādobhiḥ saṃkīrṇāḥ saṃvṛttāḥ

Als Bṛhaspati, der Sohn des Aṅgiras, der beim Hervorbringen des Nektars die vorbereitende Rolle übernommen hatte, die rituelle Berührung vollzog, wurden die Wasser, wie es heißt, nicht klar. Da wurde Bṛhaspati den Wassern gegenüber zornig: „Weil ihr, während ich die Berührung vollzog, trüb geworden seid und nicht zur Klarheit gekommen seid, sollt ihr von heute an, vermischt mit den Geschöpfen Hai, Krokodil, Fisch und Schildkröte, trüb sein!“ Seit jener Zeit sind die Wasser, mit Wassertieren vermischt, so geblieben.

Wort für Wort
amṛtotpādane puraścaraṇatām upagatasya
der beim Hervorbringen des Nektars die vorbereitende Rolle übernommen hatte (Lok./Akk./Gen.)
āṅgiraso bṛhaspater
des Aṅgiras-Sohnes Bṛhaspati (Gen.)
upaspṛśato
der die rituelle Berührung vollzog (Gen.Partiz.)
na prasādaṃ gatavatyaḥ kilāpaḥ
wurden die Wasser, wie es heißt, nicht klar (Akk./Nom.Pl.Partiz.Perf./Nom.Pl.)
atha bṛhaspatir apāṃ cukrodha
da wurde Bṛhaspati den Wassern gegenüber zornig (Nom./Gen.Pl./3.Sg.Perf.)
yasmān mamopaspṛśataḥ
weil, während ich Berührung vollzog (Abl./Gen.Partiz.)
kaluṣībhūtā na prasādam upagatās
trüb geworden und nicht zur Klarheit gekommen (Nom.Pl.)
tasmād adyaprabhṛti
deshalb von heute an (Abl./Adv.)
jhaṣamakaramatsyakacchapajantusaṃkīrṇāḥ
mit den Geschöpfen Hai, Krokodil, Fisch und Schildkröte vermischt (Nom.Pl.Adj.)
kaluṣībhavateti
sollt ihr trüb sein (2.Pl.Imp./Zitatende)
tadāprabhṛty āpo yādobhiḥ saṃkīrṇāḥ
seit jener Zeit die Wasser, mit Wassertieren vermischt (Adv./Nom.Pl./Instr.Pl./Nom.Pl.)
saṃvṛttāḥ
sind geworden (Nom.Pl.Partiz.)

viśvarūpo vai tvāṣṭraḥ purohito devānām āsīt svasrīyo 'surāṇām; sa pratyakṣaṃ devebhyo bhāgam adadat parokṣam asurebhyaḥ

Viśvarūpa, der Sohn des Tvaṣṭṛ, war nämlich der Hauspriester der Götter und der Schwestersohn der Asuras. Er gab den Göttern offen ihren Anteil, den Asuras aber insgeheim.

Wort für Wort
viśvarūpo vai tvāṣṭraḥ
Viśvarūpa, der Sohn des Tvaṣṭṛ, nämlich (Nom.)
purohito devānām āsīt
war der Hauspriester der Götter (Nom./Gen.Pl./3.Sg.Impf.)
svasrīyo 'surāṇām
der Schwestersohn der Asuras (Nom./Gen.Pl.)
sa pratyakṣaṃ devebhyo
er, offen, den Göttern (Nom./Adv./Dat.Pl.)
bhāgam adadat
gab ihren Anteil (Akk./3.Sg.Impf.)
parokṣam asurebhyaḥ
heimlich, den Asuras (Adv./Dat.Pl.)

atha hiraṇyakaśipuṃ puraskṛtya viśvarūpamātaraṃ svasāram asurā varam ayācanta; he svasar ayaṃ te putras tvāṣṭro viśvarūpas triśirā devānāṃ purohitaḥ pratyakṣaṃ devebhyo bhāgam adadat parokṣam asmākam; tato devā vardhante vayaṃ kṣīyāmaḥ; tad enaṃ tvaṃ vārayitum arhasi tathā yathāsmān bhajed iti

Da baten die Asuras, mit Hiraṇyakaśipu an der Spitze, ihre Schwester, die Mutter Viśvarūpas, um eine Gunst: „O Schwester, dieser dein Sohn, der dreiköpfige Viśvarūpa, Sohn des Tvaṣṭṛ, der Hauspriester der Götter, gibt den Göttern offen ihren Anteil, uns aber nur heimlich. Deshalb wachsen die Götter, während wir schwinden. Darum solltest du ihn davon abhalten, so dass er uns ebenso zuteilwerden lässt.“

Wort für Wort
atha hiraṇyakaśipuṃ puraskṛtya
da, mit Hiraṇyakaśipu an der Spitze (Akk./Abs.)
viśvarūpamātaraṃ svasāram asurā varam ayācanta
baten die Asuras ihre Schwester, die Mutter Viśvarūpas, um eine Gunst (Akk./Akk./Nom.Pl./Akk./3.Pl.Impf.)
he svasar
o Schwester (Vok.)
ayaṃ te putras tvāṣṭro viśvarūpas triśirā
dieser dein Sohn, der dreiköpfige Viśvarūpa, Sohn des Tvaṣṭṛ (Nom.)
devānāṃ purohitaḥ
der Hauspriester der Götter (Gen.Pl./Nom.)
pratyakṣaṃ devebhyo bhāgam adadat
gibt offen den Göttern ihren Anteil (Adv./Dat.Pl./Akk./3.Sg.Präs.)
parokṣam asmākam
heimlich, uns nur (Adv./Gen.Pl.)
tato devā vardhante
deshalb wachsen die Götter (Adv./Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
vayaṃ kṣīyāmaḥ
wir schwinden (Nom./1.Pl.Präs.)
tad enaṃ tvaṃ vārayitum arhasi
darum solltest du ihn davon abhalten (Adv./Akk./Nom./Inf./2.Sg.Präs.)
tathā yathāsmān bhajed iti
so, dass er uns zuteilwerden lässt (Adv./Akk./3.Sg.Opt./Zitatende)

atha viśvarūpaṃ nandanavanam upagataṃ mātovāca; putra kiṃ parapakṣavardhanas tvaṃ mātulapakṣaṃ nāśayasi; nārhasy evaṃ kartum iti; sa viśvarūpo mātur vākyam anatikramaṇīyam iti matvā saṃpūjya hiraṇyakaśipum agāt

Da sprach die Mutter zu Viśvarūpa, als er zum Nandana-Garten gekommen war: „Mein Sohn, warum lässt du, indem du die feindliche Seite stärkst, die Seite deiner Onkel zugrunde gehen? Du solltest so nicht handeln.“ Da dachte Viśvarūpa: „Das Wort der Mutter ist nicht zu übertreten“, und, nachdem er ihr Ehre erwiesen hatte, ging er zu Hiraṇyakaśipu.

Wort für Wort
atha viśvarūpaṃ nandanavanam upagataṃ
da, als Viśvarūpa zum Nandana-Garten gekommen war (Akk./Akk./Akk.Partiz.)
mātovāca
sprach die Mutter (Nom./3.Sg.Perf.)
putra kiṃ parapakṣavardhanas
mein Sohn, warum, die feindliche Seite stärkend (Vok./Interrog./Nom.)
tvaṃ mātulapakṣaṃ nāśayasi
lässt du die Seite deiner Onkel zugrunde gehen (Nom./Akk./2.Sg.Präs.)
nārhasy evaṃ kartum iti
du solltest so nicht handeln (2.Sg.Präs./Adv./Inf./Zitatende)
sa viśvarūpo mātur vākyam
Viśvarūpa, der Mutter Wort (Nom./Gen./Akk.)
anatikramaṇīyam iti matvā
für nicht zu übertreten haltend (Akk.Adj./Zitatende/Abs.)
saṃpūjya hiraṇyakaśipum agāt
nachdem er sie geehrt hatte, ging er zu Hiraṇyakaśipu (Abs./Akk./3.Sg.Impf.)

hairaṇyagarbhāc ca vasiṣṭhād dhiraṇyakaśipuḥ śāpaṃ prāptavān; yasmāt tvayānyo vṛto hotā tasmād asamāptayajñas tvam apūrvāt sattvajātād vadhaṃ prāpsyasīti; tacchāpadānād dhiraṇyakaśipuḥ prāptavān vadham

Und von Vasiṣṭha, dem Sohn des Hiraṇyagarbha, erhielt Hiraṇyakaśipu einen Fluch: „Weil von dir ein anderer als Opferpriester erwählt wurde, wirst du deshalb, mit unvollendetem Opfer, durch ein zuvor nie gewesenes Wesen den Tod finden.“ Wegen der Verhängung dieses Fluches erlangte Hiraṇyakaśipu den Tod.

Wort für Wort
hairaṇyagarbhāc ca vasiṣṭhād
und von Vasiṣṭha, dem Sohn des Hiraṇyagarbha (Abl.)
hiraṇyakaśipuḥ śāpaṃ prāptavān
erhielt Hiraṇyakaśipu einen Fluch (Nom./Akk./Nom.Perf.Partiz.)
yasmāt tvayānyo vṛto hotā
weil von dir ein anderer als Opferpriester gewählt wurde (Abl./Instr./Nom./Nom.Partiz.Pass./Nom.)
tasmād asamāptayajñas tvam
deshalb wirst du, mit unvollendetem Opfer (Abl./Nom.Adj./Nom.)
apūrvāt sattvajātād vadhaṃ prāpsyasīti
durch ein zuvor nie gewesenes Wesen den Tod erlangen (Abl./Akk./2.Sg.Fut./Zitatende)
tacchāpadānād hiraṇyakaśipuḥ
wegen der Verhängung dieses Fluches Hiraṇyakaśipu (Abl./Nom.)
prāptavān vadham
erlangte den Tod (Nom.Perf.Partiz./Akk.)

viśvarūpo mātṛpakṣavardhano 'tyarthaṃ tapasy abhavat; tasya vratabhaṅgārtham indro bahvīḥ śrīmatyo 'psaraso niyuyoja; tāś ca dṛṣṭvā manaḥ kṣubhitaṃ tasyābhavat tāsu cāpsaraḥsu nacirād eva sakto 'bhavat; saktaṃ cainaṃ jñātvāpsarasa ūcur gacchāmahe vayaṃ yathāgatam iti

Viśvarūpa, der die Seite seiner Mutter stärkte, widmete sich danach übermäßig der Askese. Zum Zweck des Bruchs seines Gelübdes setzte Indra viele schöne Apsaras ein. Als er sie sah, wurde sein Geist erregt, und er wurde bald von diesen Apsaras gefesselt. Als die Apsaras erkannten, dass er gefesselt war, sagten sie: „Lasst uns gehen, so wie wir gekommen sind.“

Wort für Wort
viśvarūpo mātṛpakṣavardhano
Viśvarūpa, der die Seite seiner Mutter stärkte (Nom.)
'tyarthaṃ tapasy abhavat
widmete sich übermäßig der Askese (Adv./Lok./3.Sg.Impf.)
tasya vratabhaṅgārtham indro
zum Zweck des Bruchs seines Gelübdes Indra (Gen./Akk./Nom.)
bahvīḥ śrīmatyo 'psaraso niyuyoja
setzte viele schöne Apsaras ein (Akk.Pl./Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
tāś ca dṛṣṭvā
und als er sie sah (Akk.Pl./Abs.)
manaḥ kṣubhitaṃ tasyābhavat
wurde sein Geist erregt (Nom./Nom.Adj./3.Sg.Impf.)
tāsu cāpsaraḥsu nacirād eva
und an diesen Apsaras bald (Lok.Pl./Adv.)
sakto 'bhavat
wurde er gefesselt (Nom.Partiz./3.Sg.Impf.)
saktaṃ cainaṃ jñātvā
und als sie erkannten, dass er gefesselt war (Akk./Abs.)
apsarasa ūcur
sprachen die Apsaras (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
gacchāmahe vayaṃ yathāgatam iti
lasst uns gehen, so wie wir gekommen sind (1.Pl.Präs./Nom./Adv./Zitatende)

tās tvāṣṭra uvāca; kva gamiṣyatha āsyatāṃ tāvan mayā saha śreyo bhaviṣyatīti; tās tam abruvan; vayaṃ devastriyo 'psarasa indraṃ varadaṃ purā prabhaviṣṇuṃ vṛṇīmaha iti

Zu ihnen sprach der Tvāṣṭra: „Wohin wollt ihr gehen? Bleibt doch einstweilen bei mir – Gutes wird euch zuteilwerden.“ Sie sprachen zu ihm: „Wir, die Apsaras, Frauen der Götter, haben von jeher Indra, den Gabenspender, den Mächtigen, erwählt.“

Wort für Wort
tās tvāṣṭra uvāca
zu ihnen sprach der Tvāṣṭra (Akk.Pl./Nom./3.Sg.Perf.)
kva gamiṣyatha
wohin wollt ihr gehen (Interrog./2.Pl.Fut.)
āsyatāṃ tāvan mayā saha
bleibt doch einstweilen bei mir (3.Sg.Imp.Pass./Adv./Instr.)
śreyo bhaviṣyatīti
es wird Gutes zuteilwerden (Nom./3.Sg.Fut./Zitatende)
tās tam abruvan
sie sprachen zu ihm (Nom.Pl./Akk./3.Pl.Impf.)
vayaṃ devastriyo 'psarasa
wir, die Frauen der Götter, Apsaras (Nom.Pl.)
indraṃ varadaṃ purā prabhaviṣṇuṃ
Indra, den Gabenspender, von jeher, den Mächtigen (Akk.)
vṛṇīmaha iti
haben wir erwählt (1.Pl.Perf./Zitatende)

atha tā viśvarūpo 'bravīd adyaiva sendrā devā na bhaviṣyantīti; tato mantrāñ jajāpa; tair mantraiḥ prāvardhata triśirāḥ; ekenāsyena sarvalokeṣu dvijaiḥ kriyāvadbhir yajñeṣu suhutaṃ somaṃ papāv ekenāpa ekena sendrān devān; athendras taṃ vivardhamānaṃ somapānāpyāyitasarvagātraṃ dṛṣṭvā cintām āpede

Da sprach Viśvarūpa zu ihnen: „Noch heute werden die Götter samt Indra nicht mehr sein.“ Danach murmelte er Mantras; durch diese Mantras wuchs der Dreiköpfige. Mit einem Antlitz trank er den in allen Welten von den ritualkundigen Brahmanen bei den Opfern wohlgespendeten Soma, mit einem anderen die Wasser, mit einem dritten die Götter samt Indra [Anm.: das Verb ist beim dritten Glied im Text nicht ausgedrückt]. Da geriet Indra, als er ihn so wachsen sah, an allen Gliedern durch den Somatrunk gestärkt, in Sorge.

Wort für Wort
atha tā viśvarūpo 'bravīt
da sprach Viśvarūpa zu ihnen (Adv./Akk.Pl./Nom./3.Sg.Impf.)
adyaiva sendrā devā na bhaviṣyantīti
noch heute werden die Götter samt Indra nicht mehr sein (Adv./Nom.Pl./3.Pl.Fut./Zitatende)
tato mantrāñ jajāpa
danach murmelte er Mantras (Adv./Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
tair mantraiḥ prāvardhata triśirāḥ
durch diese Mantras wuchs der Dreiköpfige (Instr.Pl./3.Sg.Impf./Nom.)
ekenāsyena
mit einem Antlitz (Instr.)
sarvalokeṣu dvijaiḥ kriyāvadbhir yajñeṣu
in allen Welten von den ritualkundigen Brahmanen bei den Opfern (Lok./Instr.Pl./Lok.Pl.)
suhutaṃ somaṃ papāv
trank er den wohlgespendeten Soma (Akk.Adj./Akk./3.Sg.Perf.)
ekenāpa
mit einem anderen die Wasser (Instr./Akk.)
ekena sendrān devān
mit einem dritten die Götter samt Indra (Instr./Akk.)
athendras taṃ vivardhamānaṃ
da sah Indra ihn wachsend (Nom./Akk./Akk.Partiz.)
somapānāpyāyitasarvagātraṃ dṛṣṭvā
an allen Gliedern durch den Somatrunk gestärkt, als er ihn sah (Akk.Adj./Abs.)
cintām āpede
geriet in Sorge (Akk./3.Sg.Perf.)

Die dritte Handlung (gegenüber den Göttern) bleibt grammatisch elliptisch; sinngemäß ergänzt.

devāś ca te sahendreṇa brahmāṇam abhijagmur ūcuś ca; viśvarūpeṇa sarvayajñeṣu suhutaḥ somaḥ pīyate; vayam abhāgāḥ saṃvṛttāḥ; asurapakṣo vardhate vayaṃ kṣīyāmaḥ; tad arhasi no vidhātuṃ śreyo yad anantaram iti

Und jene Götter gingen mit Indra zu Brahman und sprachen: „Von Viśvarūpa wird der bei allen Opfern wohlgespendete Soma aufgetrunken. Wir sind anteillos geworden; die Seite der Asuras wächst, wir schwinden. Darum solltest du für uns festlegen, was als Nächstes heilsam ist.“

Wort für Wort
devāś ca te sahendreṇa
und jene Götter mit Indra (Nom.Pl./Instr.)
brahmāṇam abhijagmur
gingen zu Brahman (Akk./3.Pl.Perf.)
ūcuś ca
und sprachen (3.Pl.Perf.)
viśvarūpeṇa sarvayajñeṣu
von Viśvarūpa, bei allen Opfern (Instr./Lok.Pl.)
suhutaḥ somaḥ pīyate
wird der wohlgespendete Soma getrunken (Nom./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
vayam abhāgāḥ saṃvṛttāḥ
wir sind anteillos geworden (Nom./Nom.Adj./Nom.Partiz.)
asurapakṣo vardhate
die Seite der Asuras wächst (Nom./3.Sg.Präs.)
vayaṃ kṣīyāmaḥ
wir schwinden (Nom./1.Pl.Präs.)
tad arhasi no vidhātuṃ
darum solltest du für uns anordnen (Adv./2.Sg.Präs./Dat.Pl./Inf.)
śreyo yad anantaram iti
was als Nächstes heilsam ist (Nom./Nom.Rel./Adv./Zitatende)

tān brahmovāca ṛṣir bhārgavas tapas tapyate dadhīcaḥ; sa yācyatāṃ varaṃ yathā kalevaraṃ jahyāt; tasyāsthibhir vajraṃ kriyatām iti

Zu ihnen sprach Brahman: „Der Bhārgava-Weise Dadhīci übt Askese. Er soll darum gebeten werden, seinen Leib aufzugeben. Aus seinen Knochen soll der Vajra gemacht werden.“

Wort für Wort
tān brahmovāca
zu ihnen sprach Brahman (Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
ṛṣir bhārgavas tapas tapyate dadhīcaḥ
der Bhārgava-Seher Dadhīci übt Askese (Nom./Nom./Akk./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)
sa yācyatāṃ varaṃ
er soll um eine Gunst gebeten werden (Nom./3.Sg.Imp.Pass./Akk.)
yathā kalevaraṃ jahyāt
dass er seinen Körper aufgebe (Adv./Akk./3.Sg.Opt.)
tasyāsthibhir vajraṃ kriyatām iti
aus seinen Knochen soll der Vajra gemacht werden (Instr.Pl./Akk./3.Sg.Imp.Pass./Zitatende)

devās tatrāgacchan yatra dadhīco bhagavān ṛṣis tapas tepe; sendrā devās tam abhigamyocur bhagavaṃs tapasaḥ kuśalam avighnaṃ ceti; tān dadhīca uvāca svāgataṃ bhavadbhyaḥ kiṃ kriyatām; yad vakṣyatha tat kariṣyāmīti; te tam abruvañ śarīraparityāgaṃ lokahitārthaṃ bhagavān kartum arhatīti; atha dadhīcas tathaivāvimanāḥ sukhaduḥkhasamo mahāyogī ātmānaṃ samādhāya śarīraparityāgaṃ cakāra

Die Götter kamen dorthin, wo der erhabene Weise Dadhīci Askese übte. Die Götter mit Indra traten zu ihm und sprachen: „Erhabener, ist deine Askese wohl und ungestört?“ Zu ihnen sprach Dadhīci: „Willkommen euch! Was soll getan werden? Was ihr sagen werdet, das werde ich tun.“ Sie sprachen zu ihm: „Der Erhabene sollte um des Wohls der Welt willen seinen Körper aufgeben.“ Da vollzog Dadhīci, ebenso ungetrübten Sinnes, Freud und Leid gleichermaßen aufnehmend, der große Yogin, nachdem er sich gesammelt hatte, die Aufgabe seines Körpers.

Wort für Wort
devās tatrāgacchan
die Götter kamen dorthin (Nom.Pl./3.Pl.Impf.)
yatra dadhīco bhagavān ṛṣis tapas tepe
wo der erhabene Weise Dadhīci Askese übte (Adv./Nom./Nom./Nom./Akk./3.Sg.Perf.)
sendrā devās tam abhigamya
die Götter mit Indra, zu ihm tretend (Nom.Pl./Akk./Abs.)
ūcur bhagavaṃs tapasaḥ kuśalam avighnaṃ ceti
sprachen: Erhabener, ist deine Askese wohl und ungestört? (3.Pl.Perf./Vok./Gen./Nom./Nom./Zitatende)
tān dadhīca uvāca
zu ihnen sprach Dadhīci (Akk.Pl./Nom./3.Sg.Perf.)
svāgataṃ bhavadbhyaḥ
willkommen euch (Nom./Dat.Pl.)
kiṃ kriyatām
was soll getan werden (Interrog./3.Sg.Imp.Pass.)
yad vakṣyatha tat kariṣyāmīti
was ihr sagen werdet, das werde ich tun (Akk.Rel./2.Pl.Fut./Akk./1.Sg.Fut./Zitatende)
te tam abruvañ
sie sprachen zu ihm (Nom.Pl./Akk./3.Pl.Impf.)
śarīraparityāgaṃ lokahitārthaṃ
die Aufgabe des Körpers, um des Weltwohls willen (Akk./Akk.)
bhagavān kartum arhatīti
der Erhabene sollte tun (Nom./Inf./3.Sg.Präs./Zitatende)
atha dadhīcas tathaivāvimanāḥ
da vollzog Dadhīci, ebenso ungetrübten Sinnes (Nom./Adv./Nom.Adj.)
sukhaduḥkhasamo mahāyogī
Freud und Leid gleich, der große Yogin (Nom.Adj./Nom.)
ātmānaṃ samādhāya
nachdem er sich selbst gesammelt hatte (Akk./Abs.)
śarīraparityāgaṃ cakāra
vollzog die Aufgabe des Körpers (Akk./3.Sg.Perf.)

evam ukto dadhīcas tān abravīt |1| sahasraṃ varṣāṇām; aindraṃ padam avāpyate mayā yadi jahyām |2| tathety uktvendraḥ; svasthānaṃ dattvā tapasvy abhavat |3| indro dadhīco 'bhavat |4|; tāvat pūrṇe sendrā devā āgaman kālo 'yaṃ dehanyāsāyeti |5|

So angesprochen, sagte Dadhīci zu ihnen [1]: „Tausend Jahre – der Rang Indras werde von mir erlangt, falls ich [den Leib] aufgebe“ [2]. „So sei es“, sprach Indra, und, nachdem er ihm seine eigene Stellung gegeben hatte, wurde er selbst zum Asketen [3]. Dadhīci wurde Indra [4]. Als jene Zeit erfüllt war, kamen die Götter mit Indra und sprachen: „Dies ist die Zeit, den Leib abzulegen“ [5].

Wort für Wort
evam ukto dadhīcas tān abravīt
so angesprochen, sagte Dadhīci zu ihnen (Adv./Nom.Partiz./Nom./Akk.Pl./3.Sg.Impf.)
sahasraṃ varṣāṇām
tausend Jahre (Akk./Gen.Pl.)
aindraṃ padam avāpyate mayā
der Rang Indras werde von mir erlangt (Akk.Adj./Akk./3.Sg.Präs.Pass./Instr.)
yadi jahyām
falls ich den Leib aufgebe (Konj./1.Sg.Opt.)
tathety uktvendraḥ
„so sei es“, sprach Indra (Zitatende/Abs./Nom.)
svasthānaṃ dattvā
nachdem er ihm seine Stellung gegeben hatte (Akk./Abs.)
tapasvy abhavat
wurde er selbst zum Asketen (Nom./3.Sg.Impf.)
indro dadhīco 'bhavat
Dadhīci wurde Indra (Nom./Nom./3.Sg.Impf.)
tāvat pūrṇe
als jene Zeit erfüllt war (Adv./Lok.Abs.)
sendrā devā āgaman kālo 'yaṃ dehanyāsāyeti
kamen die Götter mit Indra: „Dies ist die Zeit, den Leib abzulegen“ (Nom.Pl./3.Pl.Impf./Nom./Dat./Zitatende)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (star); die Ziffern [1]–[5] geben die im Sanskrit markierten Abschnitte wieder. Die Wendung „sendrā devā āgaman“ im letzten Abschnitt ist nicht ganz eindeutig, da Indra zu diesem Zeitpunkt selbst als Asket lebt.

śrutir apy atra bhavati | indro dadhīco 'sthibhiḥ kṛtam; (Ṛv. 1.84.13a) iti |

Auch eine Śruti-Stelle gibt es hierzu: „Indra, mit den Knochen des Dadhīci vollbracht [Anm.: Versfragment, Zitat aus Ṛgveda 1.84.13a]“.

Wort für Wort
śrutir apy atra bhavati
auch eine Śruti-Stelle gibt es hierzu (Nom./3.Sg.Präs.)
indro dadhīco 'sthibhiḥ
Indra, mit den Knochen des Dadhīci (Nom./Instr.Pl.)
kṛtam
vollbracht [Anm.: Versfragment] (Nom.Partiz.Perf.Pass.)
iti
[Zitatende]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); es handelt sich um ein knappes, unvollständiges Zitat aus dem Ṛgveda.

tasya paramātmany avasṛte tāny asthīni dhātā saṃgṛhya vajram akarot; tena vajreṇābhedyenāpradhṛṣyeṇa brahmāsthisaṃbhūtena viṣṇupraviṣṭenendro viśvarūpaṃ jaghāna; śirasāṃ cāsya chedanam akarot; tasmād anantaraṃ viśvarūpagātramathanasaṃbhavaṃ tvaṣṭrotpāditam evāriṃ vṛtram indro jaghāna

Als er in die höchste Seele eingegangen war, nahm der Schöpfer jene Knochen und machte daraus den Vajra. Mit diesem Vajra – unzerbrechlich, unangreifbar, aus den Knochen des Brahmanen entstanden, von Viṣṇu durchdrungen – erschlug Indra Viśvarūpa und trennte auch dessen Häupter ab. Unmittelbar danach erschlug Indra den Feind Vṛtra, der, aus der Zermalmung des Leibes Viśvarūpas entstanden, von Tvaṣṭṛ hervorgebracht worden war.

Wort für Wort
tasya paramātmany avasṛte
als er in die höchste Seele eingegangen war (Gen./Lok./Lok.Abs.)
tāny asthīni dhātā saṃgṛhya
nachdem der Schöpfer jene Knochen genommen hatte (Akk.Pl./Akk.Pl./Nom./Abs.)
vajram akarot
machte er den Vajra (Akk./3.Sg.Impf.)
tena vajreṇābhedyenāpradhṛṣyeṇa
mit diesem Vajra, unzerbrechlich, unangreifbar (Instr.)
brahmāsthisaṃbhūtena viṣṇupraviṣṭena
aus den Knochen des Brahmanen entstanden, von Viṣṇu durchdrungen (Instr.)
indro viśvarūpaṃ jaghāna
erschlug Indra Viśvarūpa (Nom./Akk./3.Sg.Perf.)
śirasāṃ cāsya chedanam akarot
und vollzog die Abtrennung seiner Häupter (Gen.Pl./Akk./3.Sg.Impf.)
tasmād anantaraṃ
unmittelbar danach (Abl./Adv.)
viśvarūpagātramathanasaṃbhavaṃ
aus der Zermalmung des Leibes Viśvarūpas entstanden (Akk.Adj.)
tvaṣṭrotpāditam
von Tvaṣṭṛ hervorgebracht (Akk.Partiz.Pass.)
evāriṃ vṛtram indro jaghāna
erschlug Indra eben den Feind Vṛtra (Akk./Akk./Nom./3.Sg.Perf.)

„Brahman-Knochen“ bezeichnet hier die Knochen des Brahmanen Dadhīci, nicht den Schöpfergott.

takṣṇā yajñapaśoḥ śiras te dadāmīty uktvā

Nachdem er gesagt hatte: „Ich gebe dir das vom Zimmermann [abgetrennte] Haupt des Opfertieres“ [Anm.: Satz bricht ab, Sprecher und Fortsetzung im überlieferten Text nicht erhalten].

Wort für Wort
takṣṇā
durch den Zimmermann (Instr. Sg.)
yajñapaśoḥ
des Opfertieres (Gen. Sg.)
śiras
das Haupt (Akk. Sg.)
te dadāmi
gebe ich dir (1.Sg.Präs. + Dat.)
iti uktvā
so gesprochen habend (Absolutiv)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Kurzes, offenkundig abgebrochenes Fragment einer Zusatzpassage; Bezug unklar, evtl. zu einem Ersatzhaupt-Ritual im Zusammenhang mit der Brahmanenmord-Schuld.

tasyāṃ dvaidhībhūtāyāṃ brahmavadhyāyāṃ bhayād indro devarājyaṃ parityajya apsu saṃbhavāṃ śītalāṃ mānasasarogatāṃ nalinīṃ prapede; tatra caiśvaryayogād aṇumātro bhūtvā bisagranthiṃ praviveśa

Als sich jene Blutschuld für den Brahmanenmord verdoppelt hatte, gab Indra aus Furcht die Königsherrschaft der Götter auf und begab sich zu dem kühlen, im Wasser entstandenen Lotusteich im Mānasa-See; dort wurde er kraft seiner Herrschermacht winzig wie ein Stäubchen und drang in den Knoten eines Lotusstängels ein.

Wort für Wort
tasyāṃ dvaidhībhūtāyāṃ brahmavadhyāyāṃ
als jene Brahmanenmord-Schuld sich verdoppelt hatte (Lok. Absolut.)
bhayād
aus Furcht (Abl.)
indro devarājyaṃ parityajya
Indra, die Götterherrschaft aufgebend (Ger.)
apsu saṃbhavāṃ śītalāṃ
die im Wasser entstandene, kühle (Akk. Fem. Attrib.)
mānasasarogatāṃ nalinīṃ
im Mānasa-See befindliche Lotusteich (Akk. Fem.)
prapede
begab sich (3.Sg.Perf.)
tatra caiśvaryayogād aṇumātro bhūtvā
und dort, kraft seiner Herrschermacht winzig geworden (Ger./Abl.)
bisagranthiṃ praviveśa
drang in den Lotusstängel-Knoten ein (3.Sg.Perf.)

atha brahmavadhyābhayapranaṣṭe trailokyanāthe śacīpatau jagad anīśvaraṃ babhūva; devān rajas tamaś cāviveśa; mantrā na prāvartanta maharṣīṇām; rakṣāṃsi prādurabhavan; brahma cotsādanaṃ jagāma; anindrāś cābalā lokāḥ supradhṛṣyā babhūvuḥ

Als Indra, der Herr der drei Welten, der Gemahl der Śacī, aus Furcht vor der Blutschuld des Brahmanenmordes verschwunden war, wurde die Welt herrenlos; Leidenschaft und Dunkelheit befielen die Götter; die Zaubersprüche der großen Weisen wirkten nicht mehr; Unholde traten hervor; die heilige Macht [Brahman] geriet in Verfall; und die Welten, ohne Indra, kraftlos, wurden leicht angreifbar.

Wort für Wort
atha brahmavadhyābhayapranaṣṭe
als [er] aus Furcht vor der Brahmanenmord-Schuld verschwunden war (Lok. Absolut.)
trailokyanāthe śacīpatau
der Herr der drei Welten, Śacīs Gemahl (Lok. Absolut., = Indra)
jagad anīśvaraṃ babhūva
die Welt wurde herrenlos (3.Sg.Perf.)
devān rajas tamaś cāviveśa
Leidenschaft und Dunkelheit befielen die Götter (3.Sg.Impf.)
mantrā na prāvartanta maharṣīṇām
die Zaubersprüche der großen Weisen wirkten nicht (3.Pl.Impf.)
rakṣāṃsi prādurabhavan
Unholde traten hervor (3.Pl.Impf.)
brahma cotsādanaṃ jagāma
und die heilige Macht geriet in Verfall (3.Sg.Perf.)
anindrāś cābalā lokāḥ supradhṛṣyā babhūvuḥ
und die Welten, ohne Indra, kraftlos, wurden leicht bezwingbar (3.Pl.Perf.)

atha devā ṛṣayaś cāyuṣaḥ putraṃ nahuṣaṃ nāma devarājatve 'bhiṣiṣicuḥ; nahuṣaḥ pañcabhiḥ śatair jyotiṣāṃ lalāṭe jvaladbhiḥ sarvatejoharais triviṣṭapaṃ pālayāṃ babhūva; atha lokāḥ prakṛtim āpedire svasthāś ca babhūvuḥ

Da weihten die Götter und Seher den Sohn des Āyus namens Nahuṣa zur Königsherrschaft der Götter; Nahuṣa beschützte den Himmel mit fünfhundert auf seiner Stirn lodernden Lichtern, die alle [fremde] Glut in sich aufnahmen; da kehrten die Welten in ihren natürlichen Zustand zurück und wurden wohlbehalten.

Wort für Wort
devā ṛṣayaś ca
die Götter und die Seher (Nom. Pl.)
āyuṣaḥ putraṃ nahuṣaṃ nāma
den Sohn des Āyus, namens Nahuṣa (Akk.)
devarājatve 'bhiṣiṣicuḥ
weihten zur Götterkönigsherrschaft (3.Pl.Perf.)
nahuṣaḥ pañcabhiḥ śatair jyotiṣāṃ lalāṭe
Nahuṣa, mit fünfhundert Lichtern auf der Stirn (Instr./Lok.)
jvaladbhiḥ sarvatejoharais
lodernden, alle Glut raubenden (Instr. Part.)
triviṣṭapaṃ pālayāṃ babhūva
beschützte den Himmel (Akk./3.Sg.Perf.periphr.)
atha lokāḥ prakṛtim āpedire
da kehrten die Welten zu ihrem natürlichen Zustand zurück (3.Pl.Aor.)
svasthāś ca babhūvuḥ
und wurden wohlbehalten (3.Pl.Perf.)

athovāca nahuṣaḥ; sarvaṃ māṃ śakropabhuktam upasthitam ṛte śacīm iti; sa evam uktvā śacīsamīpam agamad uvāca cainām; subhage 'ham indro devānāṃ bhajasva mām iti; taṃ śacī pratyuvāca; prakṛtyā tvaṃ dharmavatsalaḥ somavaṃśodbhavaś ca; nārhasi parapatnīdharṣaṇaṃ kartum iti

Da sprach Nahuṣa: „Alles, was Śakra genoss, ist mir zugefallen, nur Śacī nicht.“ So gesprochen, ging er zu Śacī und sprach zu ihr: „Holde, ich bin der Indra der Götter; wähle mich!“ Śacī erwiderte ihm: „Von Natur aus bist du dem Recht ergeben und der Mondlinie entstammend; du solltest dich nicht an der Frau eines anderen vergehen.“

Wort für Wort
athovāca nahuṣaḥ
da sprach Nahuṣa (3.Sg.Impf.)
sarvaṃ māṃ śakropabhuktam upasthitam ṛte śacīm
alles von Śakra Genossene ist mir zugefallen, außer Śacī (Nom./Akk., Ausnahme-Konstr.)
sa evam uktvā śacīsamīpam agamad
er, so gesprochen habend, ging zu Śacī (Ger./3.Sg.Impf.)
subhage 'ham indro devānāṃ
Holde, ich bin der Indra der Götter (Vok./Nom.)
bhajasva mām iti
wähle mich! (2.Sg.Imp.Med.)
taṃ śacī pratyuvāca
ihm erwiderte Śacī (3.Sg.Impf.)
prakṛtyā tvaṃ dharmavatsalaḥ somavaṃśodbhavaś ca
von Natur bist du rechtliebend und aus der Mondlinie entstammend (Nom.)
nārhasi parapatnīdharṣaṇaṃ kartum
du darfst nicht die Vergewaltigung der Frau eines anderen begehen (2.Sg.Präs. + Inf.)

tām athovāca nahuṣaḥ; aindraṃ padam adhyāsyate mayā; aham indrasya rājyaratnaharo nātrādharmaḥ kaś cit tvam indrabhukteti; sā tam uvāca; asti mama kiṃ cid vratam aparyavasitam; tasyāvabhṛthe tvām upagamiṣyāmi kaiś cid evāhobhir iti; sa śacyaivam abhihito nahuṣo jagāma

Da sprach Nahuṣa zu ihr: „Den Rang Indras werde ich einnehmen; ich bin der, der Indras Königreich und Kleinod [Śacī] an sich genommen hat; darin liegt kein Unrecht, da du [ja bereits] von Indra genossen wurdest.“ Sie erwiderte ihm: „Ich habe noch ein Gelübde, das nicht abgeschlossen ist; bei dessen Abschlussbad werde ich in wenigen Tagen zu dir kommen.“ So von Śacī angesprochen, ging Nahuṣa fort.

Wort für Wort
tām athovāca nahuṣaḥ
da sprach Nahuṣa zu ihr (3.Sg.Impf.)
aindraṃ padam adhyāsyate mayā
der Rang Indras wird von mir eingenommen werden (3.Sg.Fut.Pass.)
aham indrasya rājyaratnaharo nātrādharmaḥ kaś cit
ich bin der Räuber des Königreich-Kleinods Indras, hierin ist kein Unrecht (Nom.)
tvam indrabhukteti
da du von Indra genossen wurdest [so sprach er] (Nom.Fem.)
sā tam uvāca; asti mama kiṃ cid vratam aparyavasitam
sie sprach zu ihm: ich habe ein noch nicht abgeschlossenes Gelübde (3.Sg.Impf./Präs.)
tasyāvabhṛthe tvām upagamiṣyāmi
bei dessen Abschlussbad werde ich zu dir kommen (Lok./1.Sg.Fut.)
kaiś cid evāhobhir iti
in wenigen Tagen [so sprach sie] (Instr.)
sa śacyaivam abhihito nahuṣo jagāma
so von Śacī angesprochen, ging Nahuṣa fort (Nom.Part.Perf.Pass./3.Sg.Impf.)

atha śacī duḥkhaśokārtā bhartṛdarśanalālasā nahuṣabhayagṛhītā bṛhaspatim upāgacchat; sa ca tām abhigatāṃ dṛṣṭvaiva dhyānaṃ praviśya bhartṛkāryatatparāṃ jñātvā bṛhaspatir uvāca; anenaiva vratena tapasā cānvitā devīṃ varadām upaśrutim āhvaya; sā tavendraṃ darśayiṣyatīti

Da näherte sich Śacī, von Schmerz und Kummer gequält, voll Sehnsucht, ihren Gemahl zu sehen, von Furcht vor Nahuṣa erfasst, Bṛhaspati. Kaum hatte er sie kommen sehen, versank er in Meditation und erkannte, dass sie ganz auf die Sache ihres Gemahls bedacht war; da sprach Bṛhaspati: „Rufe, versehen mit diesem selben Gelübde und dieser Askese, die wunscherfüllende Göttin Upaśruti an; sie wird dir Indra zeigen.“

Wort für Wort
atha śacī duḥkhaśokārtā
da [kam] Śacī, von Schmerz und Kummer gequält (Nom.)
bhartṛdarśanalālasā nahuṣabhayagṛhītā
voll Sehnsucht, den Gemahl zu sehen, von Nahuṣa-Furcht erfasst (Nom. Attrib.)
bṛhaspatim upāgacchat
näherte sich Bṛhaspati (3.Sg.Impf.)
sa ca tām abhigatāṃ dṛṣṭvaiva dhyānaṃ praviśya
und er, kaum sie gekommen gesehen, in Meditation eintretend (Ger.)
bhartṛkāryatatparāṃ jñātvā
erkennend, dass sie auf die Sache ihres Gemahls bedacht war (Ger./Akk.)
bṛhaspatir uvāca
sprach Bṛhaspati (3.Sg.Impf.)
anenaiva vratena tapasā cānvitā devīṃ varadām upaśrutim āhvaya
rufe, mit diesem Gelübde und dieser Askese versehen, die wunscherfüllende Göttin Upaśruti an (2.Sg.Imp.)
sā tavendraṃ darśayiṣyatīti
sie wird dir Indra zeigen (3.Sg.Fut.)

sātha mahāniyamam āsthitā devīṃ varadām upaśrutiṃ mantrair āhvayat; sopaśrutiḥ śacīsamīpam agāt; uvāca cainām iyam asmi tvayopahūtopasthitā; kiṃ te priyaṃ karavāṇīti; tāṃ mūrdhnā praṇamyovāca śacī bhagavaty arhasi me bhartāraṃ darśayituṃ tvaṃ satyā matā ceti; saināṃ mānasaṃ saro 'nayat; tatrendraṃ bisagranthigatam adarśayat

Sie nun, ein großes Gelübde befolgend, rief mit Zaubersprüchen die wunscherfüllende Göttin Upaśruti an; jene Upaśruti kam zu Śacī und sprach zu ihr: „Ich bin hier, von dir gerufen, erschienen; was Liebes soll ich dir tun?“ Śacī verneigte sich mit dem Haupt vor ihr und sprach: „Erhabene, du solltest mir meinen Gemahl zeigen; man hält dich für wahrhaftig.“ Sie führte sie zum Mānasa-See; dort zeigte sie ihr Indra, der sich im Knoten eines Lotusstängels befand.

Wort für Wort
sātha mahāniyamam āsthitā
sie, ein großes Gelübde befolgend (Nom. Fem. Part.)
devīṃ varadām upaśrutiṃ mantrair āhvayat
rief die wunscherfüllende Göttin Upaśruti mit Zaubersprüchen an (3.Sg.Impf.)
sopaśrutiḥ śacīsamīpam agāt
jene Upaśruti ging zu Śacī (3.Sg.Impf.)
uvāca cainām iyam asmi tvayopahūtopasthitā
sie sprach zu ihr: ich bin, von dir gerufen, erschienen (3.Sg.Impf./Nom.)
kiṃ te priyaṃ karavāṇīti
was Liebes soll ich dir tun? (1.Sg.Opt.)
tāṃ mūrdhnā praṇamyovāca śacī
vor ihr mit dem Haupt sich verneigend, sprach Śacī (Ger./3.Sg.Impf.)
bhagavaty arhasi me bhartāraṃ darśayituṃ tvaṃ satyā matā ceti
Erhabene, du solltest mir den Gemahl zeigen, man hält dich für wahrhaftig (Vok./2.Sg.Präs. + Inf.)
saināṃ mānasaṃ saro 'nayat; tatrendraṃ bisagranthigatam adarśayat
sie führte sie zum Mānasa-See; dort zeigte sie Indra, im Lotusknoten befindlich (3.Sg.Impf.)

tām indraḥ patnīṃ kṛśāṃ glānāṃ ca dṛṣṭvā cintayāṃ babhūva; aho mama mahad duḥkham idam adyopagatam; naṣṭaṃ hi mām iyam anviṣyopāgamad duḥkhārteti; tām indra uvāca kathaṃ vartayasīti; sā tam uvāca; nahuṣo mām āhvayati; kālaś cāsya mayā kṛta iti

Als Indra seine Gemahlin abgemagert und erschöpft sah, dachte er nach: „Ach, dieses große Leid von mir ist ihr heute widerfahren; denn sie, von Leid gequält, ist mich, den Verschwundenen, suchend, hergekommen.“ Indra sprach zu ihr: „Wie ergeht es dir?“ Sie sprach zu ihm: „Nahuṣa ruft mich; und ich habe ihm eine Frist gesetzt.“

Wort für Wort
tām indraḥ patnīṃ kṛśāṃ glānāṃ ca dṛṣṭvā
als Indra [seine] Gemahlin abgemagert und erschöpft sah (Ger.)
cintayāṃ babhūva
dachte er nach (3.Sg.Perf.periphr.)
aho mama mahad duḥkham idam adyopagatam
ach, dieses große Leid ist mir heute zugekommen (Nom./3.Sg.Perf.Part.)
naṣṭaṃ hi mām iyam anviṣyopāgamad duḥkhārteti
denn sie, leidgequält, kam, mich Verschwundenen suchend (Akk./Ger./3.Sg.Impf.)
tām indra uvāca kathaṃ vartayasīti
Indra sprach zu ihr: wie ergeht es dir? (3.Sg.Impf./2.Sg.Präs.)
sā tam uvāca
sie sprach zu ihm (3.Sg.Impf.)
nahuṣo mām āhvayati
Nahuṣa ruft mich (3.Sg.Präs.)
kālaś cāsya mayā kṛta iti
und die Frist ist von mir für ihn gesetzt (Nom./Part.Perf.Pass.)

tām indra uvāca; gaccha; nahuṣas tvayā vācyo 'pūrveṇa mām ṛṣiyuktena yānena tvam adhirūḍha udvahasva; indrasya hi mahānti vāhanāni manasaḥ priyāṇy adhirūḍhāni mayā; tvam anyenopayātum arhasīti; saivam uktā hṛṣṭā jagāma; indro 'pi bisagranthim evāviveśa bhūyaḥ

Indra sprach zu ihr: „Geh; du sollst Nahuṣa sagen: ‚Komme zu mir, bestiegen auf einem noch nie gebrauchten, von Sehern gezogenen Fahrzeug; denn Indras große, dem Herzen liebe Fahrzeuge sind bereits von mir bestiegen worden; du solltest mit einem anderen kommen.‘“ So angewiesen, ging sie erfreut fort; Indra aber verbarg sich wieder im Knoten des Lotusstängels.

Wort für Wort
tām indra uvāca; gaccha
Indra sprach zu ihr: geh (3.Sg.Impf./2.Sg.Imp.)
nahuṣas tvayā vācyaḥ
Nahuṣa ist von dir zu sagen [ihm sollst du sagen] (Nom. Ger.)
'pūrveṇa mām ṛṣiyuktena yānena
auf einem noch nie da gewesenen, von Sehern gezogenen Fahrzeug zu mir (Instr.)
tvam adhirūḍha udvahasva
besteige es und komm (Nom. Part./2.Sg.Imp.Med.)
indrasya hi mahānti vāhanāni manasaḥ priyāṇy adhirūḍhāni mayā
denn Indras große, dem Sinn liebe Fahrzeuge sind von mir [bereits] bestiegen (Gen./Nom.Part.Perf.Pass.)
tvam anyenopayātum arhasīti
du solltest mit einem anderen kommen (2.Sg.Präs. + Inf.)
saivam uktā hṛṣṭā jagāma
so angewiesen, ging sie erfreut fort (Nom.Part.Perf.Pass./3.Sg.Impf.)
indro 'pi bisagranthim evāviveśa bhūyaḥ
Indra aber drang wieder in den Lotusknoten ein (3.Sg.Impf.)

athendrāṇīm abhyāgatāṃ dṛṣṭvovāca nahuṣaḥ pūrṇaḥ sa kāla iti; taṃ śacy abravīc chakreṇa yathoktam; sa maharṣiyuktaṃ vāhanam adhirūḍhaḥ śacīsamīpam upāgacchat

Als Nahuṣa Indrāṇī [Śacī] kommen sah, sprach er: „Jene Frist ist erfüllt.“ Śacī sagte ihm, was Śakra ihr aufgetragen hatte. Da bestieg er ein von großen Sehern gezogenes Fahrzeug und näherte sich Śacī.

Wort für Wort
athendrāṇīm abhyāgatāṃ dṛṣṭvovāca nahuṣaḥ
als Nahuṣa Indrāṇī gekommen sah, sprach er (Ger./3.Sg.Impf.)
pūrṇaḥ sa kāla iti
jene Frist ist erfüllt (Nom.)
taṃ śacy abravīc chakreṇa yathoktam
Śacī sagte ihm, was von Śakra gesagt worden war (3.Sg.Impf./Instr./Part.)
sa maharṣiyuktaṃ vāhanam adhirūḍhaḥ
er, ein von großen Sehern gezogenes Fahrzeug bestiegen habend (Nom.Part.Perf.)
śacīsamīpam upāgacchat
näherte sich Śacī (3.Sg.Impf.)

atha maitrāvaruṇiḥ kumbhayonir agastyo maharṣīn vikriyamāṇāṃs tān nahuṣeṇāpaśyat; padbhyāṃ ca tenāspṛśyata; tataḥ sa nahuṣam abravīd akāryapravṛtta pāpa patasva mahīm; sarpo bhava yāvad bhūmir girayaś ca tiṣṭheyus tāvad iti; sa maharṣivākyasamakālam eva tasmād yānād avāpatat

Da sah Agastya, der Sohn von Mitra und Varuṇa, aus einem Krug entstanden, jene großen Seher, die von Nahuṣa gequält wurden; und er selbst wurde von ihm mit dem Fuß berührt. Da sprach er zu Nahuṣa: „Du Sünder, der Unrechtes tut, falle zur Erde! Werde eine Schlange, solange Erde und Berge bestehen werden!“ Im selben Augenblick, da der große Seher dies sprach, stürzte er von jenem Fahrzeug herab.

Wort für Wort
atha maitrāvaruṇiḥ kumbhayonir agastyo
da Agastya, der Mitra-Varuṇa-Sohn, aus dem Krug entstanden (Nom.)
maharṣīn vikriyamāṇāṃs tān nahuṣeṇāpaśyat
sah jene großen Seher, von Nahuṣa gequält (Akk.Part.Pass./3.Sg.Impf.)
padbhyāṃ ca tenāspṛśyata
und wurde von ihm mit den Füßen berührt (Instr./3.Sg.Impf.Pass.)
tataḥ sa nahuṣam abravīd
da sprach er zu Nahuṣa (3.Sg.Impf.)
akāryapravṛtta pāpa patasva mahīm
Sünder, der Unrechtes tut, falle zur Erde (Vok./2.Sg.Imp.Med.)
sarpo bhava yāvad bhūmir girayaś ca tiṣṭheyus tāvad iti
werde eine Schlange, solange Erde und Berge bestehen werden (2.Sg.Imp./3.Pl.Opt.)
sa maharṣivākyasamakālam eva tasmād yānād avāpatat
er stürzte im selben Augenblick des Seherworts von jenem Fahrzeug (3.Sg.Impf.)

athānindraṃ punas trailokyam abhavat; tato devā ṛṣayaś ca bhagavantaṃ viṣṇuṃ śaraṇam indrārthe 'bhijagmuḥ; ūcuś cainaṃ bhagavann indraṃ brahmavadhyābhibhūtaṃ trātum arhasīti; tataḥ sa varadas tān abravīd aśvamedhaṃ yajñaṃ vaiṣṇavaṃ śakro 'bhiyajatu; tataḥ svaṃ sthānaṃ prāpsyatīti

Da wurden die drei Welten wieder ohne Indra. Da wandten sich die Götter und Seher um Indras willen schutzsuchend an den erhabenen Viṣṇu und sprachen zu ihm: „Erhabener, du solltest Indra, der von der Blutschuld des Brahmanenmordes überwältigt ist, erretten.“ Da sprach er, der Wunschgewährende, zu ihnen: „Śakra soll das dem Viṣṇu geweihte Roßopfer, den Aśvamedha, vollziehen; dann wird er seinen Platz wiedererlangen.“

Wort für Wort
athānindraṃ punas trailokyam abhavat
da wurden die drei Welten wieder indralos (3.Sg.Impf.)
tato devā ṛṣayaś ca bhagavantaṃ viṣṇuṃ śaraṇam indrārthe 'bhijagmuḥ
da suchten die Götter und Seher um Indras willen bei Viṣṇu Schutz (3.Pl.Perf.)
ūcuś cainaṃ bhagavann indraṃ brahmavadhyābhibhūtaṃ trātum arhasīti
sie sprachen zu ihm: Erhabener, du sollst den von der Brahmanenmordschuld bedrängten Indra retten (3.Pl.Perf./2.Sg.Präs.+Inf.)
tataḥ sa varadas tān abravīd
da sprach er, der Wunschgewährer, zu ihnen (3.Sg.Impf.)
aśvamedhaṃ yajñaṃ vaiṣṇavaṃ śakro 'bhiyajatu
Śakra soll das Viṣṇu-Roßopfer vollziehen (3.Sg.Imp.)
tataḥ svaṃ sthānaṃ prāpsyatīti
dann wird er seinen Platz erlangen (3.Sg.Fut.)

tato devā ṛṣayaś cendraṃ nāpaśyan yadā tadā śacīm ūcur gaccha subhage indram ānayasveti; sā punas tat saraḥ samabhyagacchat; indraś ca tasmāt sarasaḥ samutthāya bṛhaspatim abhijagāma; bṛhaspatiś cāśvamedhaṃ mahākratuṃ śakrāyāharat; tataḥ kṛṣṇasāraṅgaṃ medhyam aśvam utsṛjya vāhanaṃ tam eva kṛtvā indraṃ marutpatiṃ bṛhaspatiḥ svasthānaṃ prāpayām āsa

Als die Götter und Seher Indra nicht [mehr] sahen, sprachen sie zu Śacī: „Geh, Holde, und bringe Indra her.“ Sie ging wieder zu jenem See; und Indra, sich aus jenem See erhebend, ging zu Bṛhaspati; Bṛhaspati aber beschaffte für Śakra das große Opfer, das Roßopfer; dann, ein schwarzgeflecktes, opferfähiges Pferd freilassend und es selbst zum Reittier machend, ließ Bṛhaspati Indra, den Herrn der Maruts, seinen [eigenen] Platz wiedererlangen.

Wort für Wort
tato devā ṛṣayaś cendraṃ nāpaśyan
als die Götter und Seher Indra nicht sahen (3.Pl.Impf.)
yadā tadā śacīm ūcur
da sprachen sie zu Śacī (3.Pl.Perf.)
gaccha subhage indram ānayasveti
geh, Holde, bringe Indra (2.Sg.Imp.)
sā punas tat saraḥ samabhyagacchat
sie ging wieder zu jenem See (3.Sg.Impf.)
indraś ca tasmāt sarasaḥ samutthāya bṛhaspatim abhijagāma
und Indra, aus jenem See sich erhebend, ging zu Bṛhaspati (Ger./3.Sg.Perf.)
bṛhaspatiś cāśvamedhaṃ mahākratuṃ śakrāyāharat
Bṛhaspati beschaffte für Śakra das große Roßopfer (3.Sg.Impf.)
tataḥ kṛṣṇasāraṅgaṃ medhyam aśvam utsṛjya vāhanaṃ tam eva kṛtvā
dann, ein schwarzgeflecktes opferfähiges Pferd freilassend und es zum Reittier machend (Ger.)
indraṃ marutpatiṃ bṛhaspatiḥ svasthānaṃ prāpayām āsa
ließ Bṛhaspati Indra, den Herrn der Maruts, seinen Platz erreichen (3.Sg.Perf.periphr.)

tataḥ sa devarāḍ devair ṛṣibhiḥ stūyamānas triviṣṭapastho niṣkalmaṣo babhūva; brahmavadhyāṃ caturṣu sthāneṣu vanitāgnivanaspatigoṣu vyabhajat; evam indro brahmatejaḥprabhāvopabṛṃhitaḥ śatruvadhaṃ kṛtvā svasthānaṃ prāpitaḥ

Da wurde jener Götterkönig, von Göttern und Sehern gepriesen, im Himmel weilend, schuldfrei; er verteilte die Brahmanenmord-Schuld auf vier Orte: Frauen, Feuer, Bäume und Kühe. So erlangte Indra, gestärkt durch die Macht der Brahman-Glut, nach vollbrachter Tötung des Feindes seinen [eigenen] Platz zurück.

Wort für Wort
tataḥ sa devarāḍ devair ṛṣibhiḥ stūyamānas
da wurde jener Götterkönig von Göttern und Sehern gepriesen (Nom.Part.Pass.)
triviṣṭapastho niṣkalmaṣo babhūva
im Himmel weilend, wurde er schuldfrei (Nom./3.Sg.Perf.)
brahmavadhyāṃ caturṣu sthāneṣu vanitāgnivanaspatigoṣu vyabhajat
er verteilte die Brahmanenmordschuld auf vier Orte: Frauen, Feuer, Bäume, Kühe (3.Sg.Impf.)
evam indro brahmatejaḥprabhāvopabṛṃhitaḥ
so Indra, durch die Macht der Brahman-Glut gestärkt (Nom.Part.)
śatruvadhaṃ kṛtvā svasthānaṃ prāpitaḥ
nach der Tötung des Feindes zu seinem Platz gebracht (Ger./Nom.Part.Perf.Pass.)

vanitāsu rajaḥ | vṛkṣeṣu niryāsaḥ | giriṣu śambaḥ |; pṛthivyām ūṣarāḥ |1| te 'spṛśyāḥ |2| tasmād dhavir alavaṇaṃ; pacyate |3||

In den Frauen [wohnt seither] die Reinigungsblutung, in den Bäumen der Harzausfluss, in den Bergen ein Makel [śamba; Bed. unsicher] [?], in der Erde die salzigen Ödflächen. Diese [vier] sind unberührbar. Deshalb wird die Opferspeise ungesalzen zubereitet.

Wort für Wort
vanitāsu rajaḥ
in den Frauen die Reinigungsblutung (Lok./Nom.)
vṛkṣeṣu niryāsaḥ
in den Bäumen der Harzausfluss (Lok./Nom.)
giriṣu śambaḥ
in den Bergen ein Makel [?] (Lok./Nom., Bed. unsicher)
pṛthivyām ūṣarāḥ
in der Erde die salzigen Ödflächen (Lok./Nom.Pl.)
te 'spṛśyāḥ
diese sind unberührbar (Nom.Pl.)
tasmād dhavir alavaṇaṃ pacyate
deshalb wird die Opferspeise ungesalzen gekocht (Abl./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „śamba“ ist ein seltenes Wort mit unsicherer Bedeutung; hier vorsichtig als „Makel/Fehlstelle“ wiedergegeben.

nahuṣasya śāpamokṣanimittaṃ devair ṛṣibhir yācyamāno 'gastyaḥ; prāha |; yāvat svakulajaḥ śrīmān dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ; kathayitvā svakān praśnān svaṃ bhīmaṃ ca vimokṣyate |

Von Göttern und Sehern gebeten, ihn [Nahuṣa] von dem Fluch zu erlösen, sprach Agastya: „Erst wenn der glückhafte Dharmarāja Yudhiṣṭhira, aus edlem Geschlecht entsprossen, [dessen] Rätsel beantwortet hat, wird er ihn selbst und Bhīma befreien.“

Wort für Wort
nahuṣasya śāpamokṣanimittaṃ
zum Zweck der Erlösung von Nahuṣas Fluch (Gen./Akk. Zweck)
devair ṛṣibhir yācyamāno 'gastyaḥ
von Göttern und Sehern gebeten, Agastya (Instr.Pl./Nom.Part.Pass.)
prāha
sprach (3.Sg.Perf.)
yāvat svakulajaḥ śrīmān dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
bis der glückhafte Dharmarāja Yudhiṣṭhira, aus edlem Geschlecht entsprossen (Nom.)
kathayitvā svakān praśnān
nachdem er dessen eigene Rätsel beantwortet hat (Ger./Akk.)
svaṃ bhīmaṃ ca vimokṣyate
wird er ihn selbst und Bhīma befreien (Akk./3.Sg.Fut.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Vorausverweis auf die spätere Erzählung von Yudhiṣṭhira, der Riesenschlange und Bhīma (vgl. Āraṇyakaparva); „svakulajaḥ“ (‚aus eigenem Geschlecht entsprossen‘) hier unsicher übersetzt.

ākāśagaṅgāgataś ca purā bharadvājo maharṣir upāspṛśaṃs trīn kramān kramatā viṣṇunābhyāsāditaḥ; sa bharadvājena sasalilena pāṇinorasi tāḍitaḥ salakṣaṇoraskaḥ saṃvṛttaḥ

Und einst, als der große Seher Bharadvāja zur Himmelsgaṅgā gegangen war und dort die rituelle Wasserberührung vollzog, wurde er von Viṣṇu erreicht, der [gerade] seine drei Schritte tat; und dieser [Viṣṇu] wurde von Bharadvāja mit wassernasser Hand auf die Brust geschlagen, und erhielt [dadurch] ein Mal auf der Brust.

Wort für Wort
ākāśagaṅgāgataś ca purā bharadvājo maharṣir
und einst, zur Himmelsgaṅgā gegangen, der große Seher Bharadvāja (Nom.)
upāspṛśaṃs
die rituelle Wasserberührung vollziehend (Nom.Part.Präs.)
trīn kramān kramatā viṣṇunābhyāsāditaḥ
wurde von Viṣṇu, der drei Schritte tat, erreicht (Akk./Instr.Part./Nom.Part.Perf.Pass.)
sa bharadvājena sasalilena pāṇinorasi tāḍitaḥ
er wurde von Bharadvāja mit wassernasser Hand auf die Brust geschlagen (Instr./Lok./Nom.Part.Perf.Pass.)
salakṣaṇoraskaḥ saṃvṛttaḥ
und wurde brustgezeichnet (Nom./3.Sg.Perf.)

Ätiologische Erklärung eines Brustmerkmals Viṣṇus im Zusammenhang mit dessen drei Schritten (Trivikrama).

bhṛguṇā maharṣiṇā śapto 'gniḥ sarvabhakṣatvam upanītaḥ

Von dem großen Seher Bhṛgu verflucht, wurde Agni [das Feuer] dazu gebracht, alles [ohne Unterschied] zu verzehren.

Wort für Wort
bhṛguṇā maharṣiṇā śapto
von dem großen Seher Bhṛgu verflucht (Instr./Nom.Part.Perf.Pass.)
'gniḥ
Agni (Nom.)
sarvabhakṣatvam upanītaḥ
wurde zum Allesverzehrer gemacht (Akk./Nom.Part.Perf.Pass.)

aditir vai devānām annam apacad etad bhuktvāsurān haniṣyantīti; tatra budho vratacaryāsamāptāv āgacchat; aditiṃ cāvocad bhikṣāṃ dehīti; tatra devaiḥ pūrvam etat prāśyaṃ nānyenety aditir bhikṣāṃ nādāt; atha bhikṣāpratyākhyānaruṣitena budhena brahmabhūtena vivasvato dvitīye janmany aṇḍasaṃjñitasyāṇḍaṃ māritam adityāḥ; sa mārtaṇḍo vivasvān abhavac chrāddhadevaḥ

Aditi kochte für die Götter eine Speise, [in der Absicht]: „Haben sie diese gegessen, werden sie die Asuras erschlagen.“ Da kam Budha zum Abschluss ihres Gelübdes und sprach zu Aditi: „Gib mir eine Gabe.“ Aditi aber gab ihm keine Gabe, [denn sie dachte]: „Dies ist zuerst von den Göttern zu essen, von keinem anderen.“ Da tötete der über die verweigerte Gabe erzürnte, mit Brahmans Macht ausgestattete Budha das Ei der Aditi, das in der zweiten Geburt des Vivasvat Aṇḍa [„Ei“] genannt wurde. Dieses [Wesen] wurde zu Mārtaṇḍa, dem Vivasvat, dem Śrāddhadeva [Ahnenopfergott].

Wort für Wort
aditir vai devānām annam apacad
Aditi kochte für die Götter eine Speise (Nom./3.Sg.Impf.)
etad bhuktvāsurān haniṣyantīti
[in der Absicht] nach deren Verzehr werden sie die Asuras erschlagen (Ger./3.Pl.Fut.)
tatra budho vratacaryāsamāptāv āgacchat
da kam Budha bei Abschluss des Gelübdes (Nom./Lok./3.Sg.Impf.)
aditiṃ cāvocad bhikṣāṃ dehīti
und sprach zu Aditi: gib eine Gabe (3.Sg.Impf./2.Sg.Imp.)
tatra devaiḥ pūrvam etat prāśyaṃ nānyenety aditir bhikṣāṃ nādāt
da dies zuerst von den Göttern zu essen sei, nicht von einem anderen, gab Aditi keine Gabe (Instr./Gerundiv/3.Sg.Impf.)
atha bhikṣāpratyākhyānaruṣitena budhena brahmabhūtena
da [tötete] der über die verweigerte Gabe erzürnte, zu Brahman gewordene Budha (Instr.Part.)
vivasvato dvitīye janmany aṇḍasaṃjñitasyāṇḍaṃ māritam adityāḥ
das Ei der Aditi, in Vivasvats zweiter Geburt Aṇḍa genannt, wurde getötet (Gen./Lok./Akk./Nom.Part.Perf.Pass.)
sa mārtaṇḍo vivasvān abhavac chrāddhadevaḥ
dieser wurde zu Mārtaṇḍa, dem Vivasvat, dem Śrāddhadeva (Nom./3.Sg.Impf.)

Ätiologie des Namens Mārtaṇḍa (etwa „aus dem toten Ei“) für die Sonne/Vivasvat als Vater des Manu (Śrāddhadeva).

aditiḥ śaptā aditer udare bhaviṣyati vyathā

Aditi wurde verflucht: „In Aditis Leib wird Schmerz sein.“

Wort für Wort
aditiḥ śaptā
Aditi wurde verflucht (Nom.Part.Perf.Pass.)
aditer udare
in Aditis Leib (Gen./Lok.)
bhaviṣyati vyathā
wird Schmerz sein (3.Sg.Fut./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

dakṣasya vai duhitaraḥ ṣaṣṭir āsan; tābhyaḥ kaśyapāya trayodaśa prādād daśa dharmāya daśa manave saptaviṃśatim indave; tāsu tulyāsu nakṣatrākhyāṃ gatāsu somo rohiṇyām abhyadhikāṃ prītim akarot; tatas tāḥ śeṣāḥ patnya īrṣyāvatyaḥ pituḥ samīpaṃ gatvemam arthaṃ śaśaṃsuḥ; bhagavann asmāsu tulyaprabhāvāsu somo rohiṇīm adhikaṃ bhajatīti; so 'bravīd yakṣmainam āvekṣyatīti

Dakṣa hatte sechzig Töchter; von ihnen gab er dreizehn dem Kaśyapa, zehn dem Dharma, zehn dem Manu, siebenundzwanzig dem Indu [Soma, dem Mond]. Obwohl sie [alle] gleich waren und den Rang von Mondhäusern [Nakṣatras] erlangt hatten, empfand Soma für Rohiṇī übermäßige Zuneigung. Da gingen die übrigen Gattinnen, von Neid erfüllt, zum Vater und berichteten diese Sache: „Erhabener, obwohl wir gleiche Macht haben, bevorzugt Soma Rohiṇī.“ Er sprach: „Schwindsucht [Yakṣma] wird ihn befallen.“

Wort für Wort
dakṣasya vai duhitaraḥ ṣaṣṭir āsan
Dakṣa hatte sechzig Töchter (Gen./Nom./3.Pl.Impf.)
tābhyaḥ kaśyapāya trayodaśa prādād
von ihnen gab er dreizehn dem Kaśyapa (Dat./Akk./3.Sg.Perf.)
daśa dharmāya daśa manave saptaviṃśatim indave
zehn dem Dharma, zehn dem Manu, siebenundzwanzig dem Indu (Dat./Akk.)
tāsu tulyāsu nakṣatrākhyāṃ gatāsu
als sie, gleichrangig, den Namen der Nakṣatras erhalten hatten (Lok. Absolut.)
somo rohiṇyām abhyadhikāṃ prītim akarot
empfand Soma für Rohiṇī übermäßige Zuneigung (Nom./Lok./Akk./3.Sg.Impf.)
tatas tāḥ śeṣāḥ patnya īrṣyāvatyaḥ pituḥ samīpaṃ gatvemam arthaṃ śaśaṃsuḥ
da gingen die übrigen, neidischen Gattinnen zum Vater und meldeten dies (Nom./Ger./3.Pl.Perf.)
bhagavann asmāsu tulyaprabhāvāsu somo rohiṇīm adhikaṃ bhajatīti
Erhabener, obwohl wir gleichmächtig sind, bevorzugt Soma Rohiṇī (Vok./Lok./Nom./3.Sg.Präs.)
so 'bravīd yakṣmainam āvekṣyatīti
er sprach: Schwindsucht wird ihn befallen (3.Sg.Impf./3.Sg.Fut.)

dakṣaśāpāt somaṃ rājānaṃ yakṣmāviveśa; sa yakṣmaṇāviṣṭo dakṣam agamat; dakṣaś cainam abravīn na samaṃ vartasa iti; tatrarṣayaḥ somam abruvan kṣīyase yakṣmaṇā; paścimasyāṃ diśi samudre hiraṇyasarastīrtham; tatra gatvātmānam abhiṣecayasveti; athāgacchat somas tatra hiraṇyasarastīrtham; gatvā cātmanaḥ snapanam akarot; snātvā cātmānaṃ pāpmano mokṣayām āsa; tatra cāvabhāsitas tīrthe yadā somas tadāprabhṛti tīrthaṃ tat prabhāsam iti nāmnā khyātaṃ babhūva; tacchāpād adyāpi kṣīyate somo 'māvāsyāntarasthaḥ; paurṇamāsīmātre 'dhiṣṭhito meghalekhāpraticchannaṃ vapur darśayati; meghasadṛśaṃ varṇam agamat tad asya śaśalakṣma vimalam abhavat

Durch Dakṣas Fluch befiel Schwindsucht den König Soma; von der Schwindsucht ergriffen, ging er zu Dakṣa; und Dakṣa sprach zu ihm: „Du verhältst dich nicht gerecht.“ Da sprachen die Seher zu Soma: „Du schwindest an der Schwindsucht; im Westen, im Ozean, [liegt] die Furt Hiraṇyasaras; geh dorthin und weihe dich [mit Wasser].“ Da kam Soma zur Furt Hiraṇyasaras; dort angekommen, vollzog er sein Bad; nach dem Baden befreite er sich von seiner Sünde. Und weil Soma dort an der Furt erstrahlte, wurde jene Furt von da an mit dem Namen „Prabhāsa“ [die Strahlende] bekannt. Wegen jenes Fluches schwindet Soma noch heute, wenn er sich dem Neumond nähert; nur zur Zeit des Vollmonds zeigt er eine von einem Wolkenstreifen verhüllte Gestalt; er nahm eine wolkenähnliche Farbe an, und dadurch wurde sein Hasenzeichen [im Mond] deutlich [und] rein [?].

Wort für Wort
dakṣaśāpāt somaṃ rājānaṃ yakṣmāviveśa
durch Dakṣas Fluch befiel Schwindsucht den König Soma (Abl./Akk./Nom./3.Sg.Impf.)
sa yakṣmaṇāviṣṭo dakṣam agamat; dakṣaś cainam abravīn na samaṃ vartasa iti
von der Schwindsucht ergriffen ging er zu Dakṣa; Dakṣa sprach: du verhältst dich nicht gerecht (Nom.Part./3.Sg.Impf.)
tatrarṣayaḥ somam abruvan kṣīyase yakṣmaṇā
da sprachen die Seher zu Soma: du schwindest an der Schwindsucht (3.Pl.Impf./2.Sg.Präs.Pass.)
paścimasyāṃ diśi samudre hiraṇyasarastīrtham; tatra gatvātmānam abhiṣecayasveti
im Westen im Ozean [liegt] die Furt Hiraṇyasaras; geh dorthin und weihe dich (Lok./Ger./2.Sg.Imp.Med.)
athāgacchat somas tatra hiraṇyasarastīrtham; gatvā cātmanaḥ snapanam akarot; snātvā cātmānaṃ pāpmano mokṣayām āsa
da kam Soma zur Furt Hiraṇyasaras, badete und befreite sich von seiner Sünde (3.Sg.Impf./Ger./3.Sg.Perf.)
tatra cāvabhāsitas tīrthe yadā somas tadāprabhṛti tīrthaṃ tat prabhāsam iti nāmnā khyātaṃ babhūva
und weil Soma dort erstrahlte, wurde jene Furt von da an ‚Prabhāsa‘ genannt (Nom.Part./3.Sg.Perf.)
tacchāpād adyāpi kṣīyate somo 'māvāsyāntarasthaḥ
wegen jenes Fluches schwindet Soma noch heute bis zum Neumond hin (Abl./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)
paurṇamāsīmātre 'dhiṣṭhito meghalekhāpraticchannaṃ vapur darśayati; meghasadṛśaṃ varṇam agamat tad asya śaśalakṣma vimalam abhavat
nur zum Vollmond zeigt er eine wolkenverhüllte Gestalt; er nahm wolkenartige Farbe an, dadurch wurde sein Hasenzeichen [?] deutlich (Lok./3.Sg.Präs./Nom.)

Ätiologie des Ortsnamens Prabhāsa (Tīrtha am Meer) sowie der Mondphasen und des ‚Hasenzeichens‘ im Mond; der letzte Kausalzusammenhang (Wolkenfarbe → Hasenzeichen) ist im Text knapp und mit [?] markiert.

sthūlaśirā maharṣir meroḥ prāguttare digbhāge tapas tepe; tasya tapas tapyamānasya sarvagandhavahaḥ śucir vāyur vivāyamānaḥ śarīram aspṛśat; sa tapasā tāpitaśarīraḥ kṛśo vāyunopavījyamāno hṛdayaparitoṣam agamat; tatra tasyānilavyajanakṛtaparitoṣasya sadyo vanaspatayaḥ puṣpaśobhāṃ na darśitavanta iti sa etāñ śaśāpa na sarvakālaṃ puṣpavanto bhaviṣyatheti

Der große Seher Sthūlaśiras übte Askese im nordöstlichen Gebiet des [Berges] Meru. Während er die Askese vollzog, berührte ihn ein reiner, alle Düfte tragender, wehender Wind. Er, durch die Askese erhitzten Leibes, abgemagert, vom Wind angefächelt, erlangte Herzensfrieden. Da aber zeigten die Bäume, obwohl ihm dieser Friede durch das Wehen des Windes zuteil geworden war, plötzlich keine Blütenpracht; da verfluchte er sie: „Ihr sollt nicht zu jeder Zeit blühen!“

Wort für Wort
sthūlaśirā maharṣir meroḥ prāguttare digbhāge tapas tepe
der große Seher Sthūlaśiras übte im Nordosten des Meru Askese (Nom./Gen./Lok./3.Sg.Perf.)
tasya tapas tapyamānasya
während er Askese übte (Gen.Absolut./Part.Präs.)
sarvagandhavahaḥ śucir vāyur vivāyamānaḥ śarīram aspṛśat
ein reiner, alle Düfte tragender, wehender Wind berührte [seinen] Leib (Nom./Part./3.Sg.Impf.)
sa tapasā tāpitaśarīraḥ kṛśo vāyunopavījyamāno hṛdayaparitoṣam agamat
er, von der Askese erhitzt, abgemagert, vom Wind angefächelt, erlangte Herzensfrieden (Instr./Nom.Part./Akk./3.Sg.Impf.)
tatra tasyānilavyajanakṛtaparitoṣasya sadyo vanaspatayaḥ puṣpaśobhāṃ na darśitavanta iti
da zeigten die Bäume, trotz des ihm durch den Wind bereiteten Wohlgefühls, plötzlich keine Blütenpracht (Gen./Nom./Akk./3.Pl.Perf.Part.)
sa etāñ śaśāpa na sarvakālaṃ puṣpavanto bhaviṣyatheti
er verfluchte sie: ihr werdet nicht zu jeder Zeit blühen (3.Sg.Perf./2.Pl.Fut.)

Ätiologische Erklärung dafür, dass Bäume nicht ständig blühen.

nārāyaṇo lokahitārthaṃ vaḍavāmukho nāma maharṣiḥ purābhavat; tasya merau tapas tapyataḥ samudra āhūto nāgataḥ; tenāmarṣitenātmagātroṣmaṇā samudraḥ stimitajalaḥ kṛtaḥ; svedaprasyandanasadṛśaś cāsya lavaṇabhāvo janitaḥ; uktaś cāpeyo bhaviṣyasi; etac ca te toyaṃ vaḍavāmukhasaṃjñitena pīyamānaṃ madhuraṃ bhaviṣyati; tad etad adyāpi vaḍavāmukhasaṃjñitenānuvartinā toyaṃ sāmudraṃ pīyate

Nārāyaṇa wurde einst, zum Wohl der Welt, ein großer Seher namens Vaḍavāmukha [„Stutenmaul“]. Während er auf dem Meru Askese übte, kam der Ozean, obwohl gerufen, nicht [zu ihm]. Von ihm, dem darüber Erzürnten, wurde durch die Glut seines eigenen Leibes das Meer starrwässrig gemacht; und ihm wurde eine dem Ausfließen von Schweiß ähnliche Salzigkeit eingepflanzt. Und [dem Meer] wurde gesagt: „Du wirst untrinkbar sein; doch dieses dein Wasser wird, vom [Feuer] namens Vaḍavāmukha getrunken, süß werden.“ Deshalb wird noch heute das Meerwasser von dem fortwährend [wirkenden], Vaḍavāmukha genannten [Feuer] getrunken.

Wort für Wort
nārāyaṇo lokahitārthaṃ vaḍavāmukho nāma maharṣiḥ purābhavat
Nārāyaṇa wurde einst zum Weltenwohl ein Seher namens Vaḍavāmukha (Nom./3.Sg.Impf.)
tasya merau tapas tapyataḥ samudra āhūto nāgataḥ
während er auf dem Meru Askese übte, kam der [gerufene] Ozean nicht (Gen.Absolut./Nom./Nom.Part./3.Sg.Impf.)
tenāmarṣitenātmagātroṣmaṇā samudraḥ stimitajalaḥ kṛtaḥ
von ihm, dem Erzürnten, wurde durch die Leibesglut das Meer starrwässrig gemacht (Instr./Nom./Nom.Part.Perf.Pass.)
svedaprasyandanasadṛśaś cāsya lavaṇabhāvo janitaḥ
und ihm wurde eine schweißartige Salzigkeit erzeugt (Nom./Nom.Part.Perf.Pass.)
uktaś cāpeyo bhaviṣyasi
und [ihm] wurde gesagt: du wirst untrinkbar sein (Nom.Part.Perf.Pass./2.Sg.Fut.)
etac ca te toyaṃ vaḍavāmukhasaṃjñitena pīyamānaṃ madhuraṃ bhaviṣyati
doch dieses dein Wasser wird, von Vaḍavāmukha getrunken, süß werden (Nom./Instr./Nom.Part./3.Sg.Fut.)
tad etad adyāpi vaḍavāmukhasaṃjñitenānuvartinā toyaṃ sāmudraṃ pīyate
deshalb wird noch heute das Meerwasser vom fortwährenden Vaḍavāmukha getrunken (Instr./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

Mythos vom submarinen Feuer Vaḍavāmukha als Erklärung für den Salzgehalt des Meeres.

punar umā dakṣakopād dhimavato girer duhitā babhūva

Wiederum wurde Umā, infolge des Zorns Dakṣas, die Tochter des Berges Himavat.

Wort für Wort
punar umā
wiederum Umā (Nom.)
dakṣakopād
infolge Dakṣas Zorn (Abl.)
himavato girer duhitā babhūva
wurde die Tochter des Berges Himavat (Gen./Nom./3.Sg.Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

himavato girer duhitaram umāṃ rudraś cakame; bhṛgur api ca maharṣir himavantam āgamyābravīt kanyām umāṃ me dehīti; tam abravīd dhimavān abhilaṣito varo rudra iti; tam abravīd bhṛgur yasmāt tvayāhaṃ kanyāvaraṇakṛtabhāvaḥ pratyākhyātas tasmān na ratnānāṃ bhavān bhājanaṃ bhaviṣyatīti; adyaprabhṛty etad avasthitam ṛṣivacanam

Rudra begehrte Umā, die Tochter des Berges Himavat. Auch der große Seher Bhṛgu kam zu Himavat und sprach: „Gib mir die Jungfrau Umā.“ Da sprach Himavat zu ihm: „Rudra ist der erwünschte Bräutigam.“ Da sprach Bhṛgu zu ihm: „Da ich, der ich mich entschlossen hatte, um [deine] Tochter zu werben, von dir zurückgewiesen wurde, wirst du fortan kein Behältnis von Kleinodien sein.“ Von jenem Tag an gilt dieses Wort des Sehers.

Wort für Wort
himavato girer duhitaram umāṃ rudraś cakame
Rudra begehrte Umā, die Tochter des Berges Himavat (Gen./Akk./Nom./3.Sg.Perf.)
bhṛgur api ca maharṣir himavantam āgamyābravīt
auch der große Seher Bhṛgu kam zu Himavat und sprach (Nom./Akk./Ger./3.Sg.Impf.)
kanyām umāṃ me dehīti
gib mir die Jungfrau Umā (Akk./2.Sg.Imp.)
tam abravīd dhimavān abhilaṣito varo rudra iti
Himavat sprach zu ihm: Rudra ist der erwünschte Bräutigam (3.Sg.Impf./Nom.)
tam abravīd bhṛgur yasmāt tvayāhaṃ kanyāvaraṇakṛtabhāvaḥ pratyākhyātas
Bhṛgu sprach zu ihm: da ich, um die Tochter zu werben entschlossen, von dir zurückgewiesen wurde (3.Sg.Impf./Instr./Nom.Part.Perf.Pass.)
tasmān na ratnānāṃ bhavān bhājanaṃ bhaviṣyatīti
deshalb wirst du kein Behältnis der Kleinodien sein (Gen./Nom./3.Sg.Fut.)
adyaprabhṛty etad avasthitam ṛṣivacanam
von diesem Tag an gilt dieses Wort des Sehers (Nom.Part.Perf./Nom.)

Ätiologie dafür, dass der Berg Himavat (im Unterschied zu anderen Bergen) keine Edelsteine hervorbringt.

tad evaṃvidhaṃ māhātmyaṃ brāhmaṇānām; kṣatram api śāśvatīm avyayāṃ pṛthivīṃ patnīm abhigamya bubhuje; tad etad brahmāgnīṣomīyam; tena jagad dhāryate

So groß ist die Erhabenheit der Brahmanen. Auch das Kṣatram [die Kriegermacht] näherte sich der ewigen, unvergänglichen Erde als [seiner] Gemahlin und genoss sie. Dies eben ist jenes Brahma-Agni-Soma-Verhältnis; durch dieses wird die Welt getragen.

Wort für Wort
tad evaṃvidhaṃ māhātmyaṃ brāhmaṇānām
so ist die Erhabenheit der Brahmanen (Nom./Gen.)
kṣatram api śāśvatīm avyayāṃ pṛthivīṃ patnīm abhigamya bubhuje
auch das Kṣatram näherte sich der ewigen, unvergänglichen Erde als Gemahlin und genoss sie (Nom./Akk./Ger./3.Sg.Perf.)
tad etad brahmāgnīṣomīyam
dies ist jenes Brahma-Agni-Soma-Verhältnis (Nom.)
tena jagad dhāryate
durch dieses wird die Welt getragen (Instr./3.Sg.Präs.Pass.)

Schlussvers, der auf die Eingangsfrage des Kapitels nach Agni und Soma zurückverweist (Brahmanen = Soma, Kṣatriyas = Agni).

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