Kapitel 208: mokṣasādhanopadeśaḥ
Der Lehrer über Zügelung von Rede, Geist und Sinnen als Weg zur Erlösung
Fortsetzung der Unterweisung des Lehrers: Genügsamkeit, Wahrhaftigkeit und Sinnes- und Geistzügelung führen über Yoga-Übung und Wissen zum unvergänglichen Brahman. Die Zusatzverse (mit *) sind teils stark verderbt.
gurur uvāca; duranteṣv indriyārtheṣu saktāḥ sīdanti jantavaḥ; ye tv asaktā mahātmānas te yānti paramāṃ gatim
Der Lehrer sprach: „An die schlimm endenden Sinnesobjekte gebunden, versinken die Wesen; die Hochgesinnten aber, die ungebunden sind, gehen zum höchsten Ziel.“
Wort für Wort
guruḥ uvāca
der Lehrer sprach (Nom.Sg.; Perf. 3.Sg.)
duranteṣu indriyārtheṣu
in/an den schlimm endenden Sinnesobjekten (Lok.Pl.; Kompositum)
saktāḥ sīdanti jantavaḥ
[daran] gebunden versinken die Wesen (Nom.Pl.; Präs. 3.Pl.)
ye tu asaktāḥ mahātmānaḥ
die aber, die ungebunden sind, die Hochgesinnten (Nom.Pl.)
te yānti paramāṃ gatim
sie gehen zum höchsten Ziel (Präs. 3.Pl.; Akk.Sg.)
Durch Geburt, Tod, Alter und Leid, durch Krankheiten und Erschöpfungen des Geistes – wenn der Verständige diese Welt fortwährend [davon durchdrungen] sieht, soll er sich um die Erlösung bemühen.
Wort für Wort
janma-mṛtyu-jarā-duḥkhaiḥ
durch Geburt, Tod, Alter und Leid (Instr.Pl.; Kompositum)
vyādhibhiḥ manasaḥ klamaiḥ
durch Krankheiten, durch Erschöpfungen des Geistes (Instr.Pl.; Gen.Sg.)
dṛṣṭvā imaṃ saṃtataṃ lokam
gesehen habend diese fortwährend [davon erfüllte] Welt (Absolutiv; Akk.Sg.)
ghaṭet mokṣāya buddhimān
er soll sich bemühen um Erlösung, der Verständige (Opt. 3.Sg.; Dat.; Nom.Sg.)
Mit Rede, Geist und Körper soll er rein und frei von Ichbezogenheit sein; friedvoll, wissend, als Bettelmönch soll er ohne Erwartung glücklich umherziehen.
Wort für Wort
vāc-manobhyāṃ śarīreṇa
mit Rede und Geist, mit dem Körper (Instr.Du.; Instr.Sg.)
śuciḥ syāt anahaṃkṛtaḥ
rein soll er sein, ohne Ichbezogenheit (Opt. 3.Sg.; Nom.Sg.)
praśāntaḥ jñānavān
friedvoll, wissend (Nom.Sg.)
bhikṣuḥ nirapekṣaḥ caret sukham
der Bettelmönch, ohne Erwartung, soll umherziehen, glücklich (Nom.Sg.; Opt. 3.Sg.; Adv.)
Die Zügelungen [?] sind für die nach Erlösung Strebenden Fesseln; ihre Gestalt ist [nur] anzeigend [?]. Obwohl er [sie] als schwer fassbar sieht, meint er dann, verblendet, [sie zu begreifen]. So [ist] das Selbst, das man gesehen hat, in Verwandten [nur] bedacht [?]; nicht der Wirklichkeit gemäß erkenne ich [es], es besteht in der Gestalt der Getrenntheit.
Wort für Wort
vaśāḥ mokṣavatām pāśāḥ
die Zügelungen/Gewalten [?] sind für die Erlösungsstrebenden Fesseln (Nom.Pl.; Gen.Pl.)
tāsāṃ rūpaṃ pradarśakam
deren Gestalt ist anzeigend (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
durgraham paśyamānaḥ api manyate mohitaḥ tadā
obwohl er es als schwer fassbar sieht, meint er dann verblendet (Part.Med.; Präs. 3.Sg.; Part.Pass.)
evaṃ paśyantam ātmānam anudhyātam hi bandhuṣu
so das sehende/gesehene Selbst, bedacht in Verwandten (Akk.Sg.; Part.Pass.; Lok.Pl.)
ayathātvena jānāmi bhedarūpeṇa saṃsthitam
nicht der Wirklichkeit gemäß erkenne ich es, in Gestalt der Getrenntheit bestehend (Instr.; Präs. 1.Sg.; Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text erkennbar verderbt und syntaktisch unklar, die Wiedergabe ist unsicher.
Oder er soll aus Mitleid mit den Wesen die Anhaftung des Geistes betrachten; auch hierin soll er Gleichmut üben, in dem Wissen, dass die Welt Frucht des Handelns ist.
Wort für Wort
atha vā manasaḥ saṅgam
oder die Anhaftung des Geistes (Gen.Sg.; Akk.Sg.)
paśyet bhūta-anukampayā
er soll betrachten aus Mitleid mit den Wesen (Opt. 3.Sg.; Instr.Sg.)
atra api upekṣāṃ kurvīta
auch hierin soll er Gleichmut üben (Opt. Med. 3.Sg.; Akk.Sg.)
jñātvā karma-phalam jagat
erkannt habend, dass die Welt Frucht des Handelns ist (Absolutiv; Akk.Sg.n.)
anakṣasādhyaṃ tad brahma nirmalaṃ jagataḥ param; svātmaprakāśam agrāhyam ahetukam acañcalam; vivekajñānavācistho hy āśurūpeṇa saṃsthitaḥ; vaikārikāt pradṛśyete gairike madhudhāravat
Jenes Brahman ist durch Sinnesorgane nicht zu erreichen, makellos, jenseits der Welt; selbstleuchtend, unfassbar, ohne Grund, unbewegt. In Unterscheidungswissen und Rede [?] weilend, besteht es in rascher [?] Gestalt; aus dem Veränderlichen [?] tritt es hervor, wie ein Honigstrom in Ockerfarbenem [?].
Wort für Wort
anakṣa-sādhyam tat brahma
nicht durch Sinnesorgane erreichbar, jenes Brahman (Nom.Sg.n.)
nirmalaṃ jagataḥ param
makellos, jenseits der Welt (Nom.Sg.n.; Abl./Gen.Sg.)
sva-ātma-prakāśam agrāhyam
selbstleuchtend, unfassbar (Nom.Sg.n.)
ahetukam acañcalam
ohne Grund, unbewegt (Nom.Sg.n.)
viveka-jñāna-vāci-sthaḥ hi āśu-rūpeṇa saṃsthitaḥ
in Unterscheidungswissen und Rede weilend [?], in rascher Gestalt bestehend [?] (Nom.Sg.m.)
vaikārikāt pradṛśyete gairike madhu-dhāra-vat
aus dem Veränderlichen [?] werden sie sichtbar, wie ein Honigstrom in Ockerfarbenem [?] (Abl.; Präs. Pass. 3.Du.; Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text sehr wahrscheinlich verderbt (Zeilen 3-4), Wiedergabe unsicher.
tasmāt samāhitaṃ buddhyā mano bhūteṣu dhārayet; nāpadhyāyen na spṛhayen nābaddhaṃ cintayed asat
Darum soll er den durch den Verstand gesammelten Geist auf die Wesen richten; er soll nicht [Böses] sinnen, nicht begehren, nicht Unzusammenhängendes [und] Unwirkliches denken.
Wort für Wort
tasmāt samāhitaṃ buddhyā manaḥ
darum den gesammelten Geist durch den Verstand (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.)
bhūteṣu dhārayet
er soll [ihn] auf die Wesen richten (Lok.Pl.; Opt. Kaus. 3.Sg.)
na apadhyāyet na spṛhayet
er soll nicht Böses sinnen, nicht begehren (Opt. 3.Sg.)
na abaddhaṃ cintayet asat
nicht Unzusammenhängendes denken, Unwirkliches (Akk.Sg.n.; Opt. 3.Sg.)
Aus dem Einsatz eines Sprachlosigkeit-Yoga [?] kommt Ansprechendes zustande; oder wer sprechen will und das feine Dharma bedenkt, soll ein gutes Wort sagen: wahre, nicht verletzende und nicht schmähende Rede.
Wort für Wort
avāc-yoga-prayogeṇa
durch Einsatz der Übung der Sprachlosigkeit [?] (Instr.Sg.)
vākprabuddho hi saṃrāgād virāgād vyāhared yadi; buddhyā hy anigṛhītena manasā karma tāmasam; rajobhūtair hi karaṇaiḥ karmaṇā pratipadyate
Wenn einer, durch die Rede aufgeregt [?], aus Leidenschaft oder aus Abneigung spricht – dann ist das Handeln finster [tamasisch], da der Geist vom Verstand nicht gezügelt ist; mit zu Rajas gewordenen Organen gerät er durch [sein] Handeln [dorthin] [?].
Wort für Wort
vāk-prabuddhaḥ hi saṃrāgāt
durch die Rede aufgeregt [?], aus Leidenschaft (Nom.Sg.; Abl.)
virāgāt vyāharet yadi
aus Abneigung, wenn er spricht (Abl.; Opt. 3.Sg.)
buddhyā hi anigṛhītena manasā
da durch den Verstand nicht gezügelt der Geist (Instr.Sg.)
karma tāmasam
Handeln, finsteres (Nom.Sg.n.)
rajobhūtaiḥ hi karaṇaiḥ
mit zu Rajas gewordenen Organen (Instr.Pl.)
karmaṇā pratipadyate
durch Handeln gerät/gelangt er [?] (Instr.Sg.; Präs. Med. 3.Sg.)
Wie eine zerstreute Schaflast [?] von Räubern in verkehrter Richtung fortgetragen wird, so [treiben] die Unwissenden im Kreislauf der Wiedergeburt, die die verkehrte Richtung [dafür] halten [?].
Wort für Wort
prakīrṇa-meṣa-bhāraḥ hi
eine zerstreute Last von Schafen [?] (Nom.Sg.m.)
yadvat dhāryeta dasyubhiḥ
wie sie getragen/getrieben würde von Räubern (Opt. Pass. 3.Sg.; Instr.Pl.)
pratilomāṃ diśaṃ buddhvā
die verkehrte Richtung erkannt/angenommen habend [?] (Akk.Sg.f.; Absolutiv)
saṃsāram abudhāḥ tathā
so [gehen] im Saṃsāra die Unwissenden (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
Stelle verderbt bzw. elliptisch; Wiedergabe unsicher.
tān eva ca yathā dasyūn kṣiptvā gacchec chivāṃ diśam; tathā rajastamaḥkarmāṇy utsṛjya prāpnuyāt sukham
Und wie man, jene Räuber selbst vertreibend, in die glückverheißende Richtung ginge, so soll man Handlungen aus Rajas und Tamas aufgeben und Glück erlangen.
Wort für Wort
tān eva ca yathā dasyūn
und wie jene Räuber eben (Akk.Pl.)
kṣiptvā gacchet śivāṃ diśam
vertrieben habend, ginge er in die glückverheißende Richtung (Absolutiv; Opt. 3.Sg.; Akk.Sg.f.)
tathā rajas-tamaḥ-karmāṇi
so die Handlungen aus Rajas und Tamas (Akk.Pl.)
utsṛjya prāpnuyāt sukham
aufgegeben habend, soll er erlangen Glück (Absolutiv; Opt. 3.Sg.)
jñānadagdhaparikleśaḥ prayogaratir ātmavān; niṣpracāreṇa manasā paraṃ tad adhigacchati
– dessen Leiden durch Wissen verbrannt sind, der an der Übung Freude hat, selbstbeherrscht: mit einem Geist, der nicht umherschweift, erreicht er jenes Höchste.
Wort für Wort
jñāna-dagdha-parikleśaḥ
dessen Leiden durch Wissen verbrannt sind (Nom.Sg.; Kompositum)
prayoga-ratiḥ ātmavān
an der Übung sich erfreuend, selbstbeherrscht (Nom.Sg.)
niṣpracāreṇa manasā
mit nicht umherschweifendem Geist (Instr.Sg.)
param tat adhigacchati
jenes Höchste erreicht er (Akk.Sg.n.; Präs. 3.Sg.)
dhṛtimān ātmavān buddhiṃ nigṛhṇīyād asaṃśayam; mano buddhyā nigṛhṇīyād viṣayān manasātmanaḥ
Standhaft und selbstbeherrscht soll er zweifellos den Verstand zügeln; den Geist soll er durch den Verstand zügeln, die Objekte durch den eigenen Geist.
Wort für Wort
dhṛtimān ātmavān
standhaft, selbstbeherrscht (Nom.Sg.)
buddhiṃ nigṛhṇīyāt asaṃśayam
den Verstand soll er zügeln, zweifellos (Akk.Sg.; Opt. 3.Sg.; Adv.)
manaḥ buddhyā nigṛhṇīyāt
den Geist soll er durch den Verstand zügeln (Akk.Sg.; Instr.Sg.)
viṣayān manasā ātmanaḥ
die Objekte durch den Geist des Selbst/seinen eigenen (Akk.Pl.; Instr.Sg.; Gen.Sg.)
yojayitvā manas tatra niścalaṃ paramātmani; yogābhisaṃdhiyuktasya brahma tat saṃprakāśate; aikāntyaṃ tad idaṃ viddhi sarvavastvantarasthitiḥ; viśeṣahīnaṃ gṛhṇanti viśeṣāṃ kāraṇātmikām; atha vā na prabhus tatra paramātmani vartitum; āgāmitattvaṃ yogātmā yogatantram upakramet
Nachdem er den Geist dort unbewegt auf das höchste Selbst gerichtet hat: Für den, der sich dem Yoga-Vorsatz widmet, leuchtet jenes Brahman auf. Wisse: dies ist die Ausschließlichkeit, das Bestehen im Innern aller Dinge [?]. Sie fassen das der Besonderheit Entbehrende [und] die Besonderheit, die auf einer Ursache beruht [?]. Oder [wenn] er dort nicht vermag, im höchsten Selbst zu verweilen [?], soll der Yoga-Selbst [Yogin] das kommende Wesen [?] [und] die Yoga-Lehre angehen.
Wort für Wort
yojayitvā manaḥ tatra niścalaṃ paramātmani
den Geist dort unbewegt auf das höchste Selbst gerichtet habend (Absolutiv; Lok.Sg.)
yoga-abhisaṃdhi-yuktasya brahma tat saṃprakāśate
für den dem Yoga-Vorsatz Ergebenen leuchtet jenes Brahman auf (Gen.Sg.; Präs. Med. 3.Sg.)
aikāntyaṃ tat idaṃ viddhi
dies ist Ausschließlichkeit, wisse [es] (Akk./Nom.Sg.n.; Imp. 2.Sg.)
sarva-vastu-antara-sthitiḥ
das Bestehen im Innern aller Dinge [?] (Nom.Sg.f.)
viśeṣa-hīnaṃ gṛhṇanti viśeṣām kāraṇa-ātmikām
sie fassen das der Besonderheit Entbehrende, die auf Ursache beruhende Besonderheit [?] (Akk.; Präs. 3.Pl.)
atha vā na prabhuḥ tatra paramātmani vartitum
oder er vermag dort nicht, im höchsten Selbst zu verweilen (Nom.Sg.; Inf.)
āgāmi-tattvaṃ yoga-ātmā yoga-tantram upakramet
das kommende Wesen [?], der Yoga-Selbst, die Yoga-Lehre soll angehen (Akk.; Nom.Sg.; Opt. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text stellenweise verderbt (Zeilen 3-4, 6), Wiedergabe unsicher.
atha vā na pravarteta yogatantrair upakramet; yena tantramayaṃ tantraṃ vṛttiḥ syāt tat tad ācaret
Oder er soll [darauf] nicht [weiter] eingehen und mit Yoga-Lehren vorgehen; wodurch sein Lebensunterhalt dem [Lehr-]System gemäß wäre [?], das soll er jeweils ausüben.
Wort für Wort
atha vā na pravarteta
oder er soll nicht [darauf] eingehen (Opt. Med. 3.Sg.)
yoga-tantraiḥ upakramet
mit Yoga-Lehren soll er vorgehen (Instr.Pl.; Opt. 3.Sg.)
yena tantra-mayaṃ tantram
wodurch das System, aus [Lehr-]System bestehend [?] (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
vṛttiḥ syāt tat tat ācaret
[dadurch] Lebensweise sein soll, das jeweils soll er üben (Nom.Sg.f.; Opt. 3.Sg.)
Körnerbruch, Ölkuchen, Kulmāṣa-Brei, Gemüse, Gerstenschleim und Gerstenmehl, ebenso Wurzeln, Früchte [und] erbettelte Speise soll er abwechselnd verwenden.
Wort für Wort
kaṇa-piṇyāka-kulmāṣa
Körnerbruch, Ölkuchen, Kulmāṣa-Brei (Kompositum)
śāka-yāvaka-saktavaḥ
Gemüse, Gerstenschleim, Gerstenmehl (Nom.Pl.)
tathā mūla-phalaṃ bhaikṣam
ebenso Wurzeln und Früchte, erbettelte Speise (Nom./Akk.Sg.n.)
paryāyeṇa upayojayet
abwechselnd soll er verwenden (Instr.Sg.; Opt. Kaus. 3.Sg.)
Das Nichtwissen, das das Wissen zum Sitz hat, beherrscht die drei Welten; das vom Erkennen [Vijñāna] begleitete Wissen wird vom Nichtwissen abgezogen [?].
Wort für Wort
jñāna-adhiṣṭhānam ajñānam
das Nichtwissen, das Wissen zum Sitz habend (Nom.Sg.n.)
trīn lokān adhitiṣṭhati
die drei Welten beherrscht es (Akk.Pl.; Präs. 3.Sg.)
vijñāna-anugataṃ jñānam
das von Erkennen begleitete Wissen (Nom.Sg.n.)
ajñānāt apakṛṣyate
vom Nichtwissen wird es abgezogen [?] (Abl.; Präs. Pass. 3.Sg.)
pṛthaktvāt saṃprayogāc ca nāsūyur veda śāśvatam; sa tayor apavargajño vītarāgo vimucyate
Wegen der Getrenntheit und wegen der Verbindung [beider] ist er nicht missgünstig [und] kennt das Ewige; er, der die Lösung der beiden voneinander kennt, frei von Leidenschaft, wird erlöst.
Wort für Wort
pṛthaktvāt saṃprayogāt ca
wegen Getrenntheit und wegen Verbindung (Abl.Sg.)
na asūyuḥ veda śāśvatam
nicht missgünstig kennt er das Ewige (Nom.Sg.; Perf. 3.Sg.; Akk.Sg.n.)
sa tayoḥ apavarga-jñaḥ
er, der Kenner der Lösung der beiden (Gen.Du.; Nom.Sg.)
vīta-rāgaḥ vimucyate
leidenschaftsfrei wird er erlöst (Nom.Sg.; Präs. Pass. 3.Sg.)
Der Bezug von „der beiden“ (Wissen und Nichtwissen bzw. Ewiges und Vergängliches) ist im Text nicht ausdrücklich.
vayotīto jarāmṛtyū jitvā brahma sanātanam; amṛtaṃ tad avāpnoti yat tad akṣaram avyayam
Wer über das Alter hinaus ist, Alter und Tod besiegt und das ewige Brahman [erkannt hat], der erlangt jenes Unsterbliche, das jenes Unvergängliche, Unwandelbare ist.
Wort für Wort
vayaḥ-atītaḥ jarā-mṛtyū
über das Alter hinaus, Alter und Tod (Nom.Sg.; Akk.Du.)
jitvā brahma sanātanam
besiegt habend, [und] das ewige Brahman (Absolutiv; Akk.Sg.n.)
amṛtaṃ tat avāpnoti
das Unsterbliche, jenes erlangt er (Akk.Sg.n.; Präs. 3.Sg.)
yat tat akṣaram avyayam
was jenes Unvergängliche, Unwandelbare ist (Nom.Sg.n.)