Kapitel 267: jīvasya dehāntaragamana-sāṃkhyavicāraḥ
Nārada und Asita Devala über Elemente, Sinne, Geist und Wanderung des Verkörperten
Lehrgespräch zwischen Nārada und Asita Devala über die fünf Elemente, die Sinne und Geistesorgane sowie den Wechsel der Körper; einordnend eine frühe Sāṃkhya-Darstellung.
Asita sprach: „Aus denen, aus welchen die Zeit, vom Werden angetrieben, die Wesen erschafft – diese nennen die Erforscher der Wesen ‚die fünf großen Elemente‘.“
Wort für Wort
asita uvāca
Asita sprach
yebhyaḥ sṛjati bhūtāni
aus denen sie erschafft die Wesen (Abl.; 3.Sg.Präs.)
kālaḥ bhāva-pracoditaḥ
die Zeit, vom Werden angetrieben (Nom./Part.)
mahābhūtāni pañca iti
große Elemente, fünf, so (Nom.)
tāni āhuḥ bhūta-cintakāḥ
diese nennen sie die Erforscher der Wesen (3.Pl.Perf.)
„Aus ihnen erschafft die Zeit, vom Selbst angetrieben, die Wesen. Wer über diese hinaus etwas Höheres behauptete, würde zweifellos Unwahres behaupten.“
nopapattyā na vā yuktyā tv asad brūyād asaṃśayam; vettha tān abhinirvṛttān ṣaḍ ete yasya rāśayaḥ
„Weder durch Herleitung noch durch Folgerichtigkeit [kann man Anderes erweisen]; wer es behauptet, sagt zweifellos Unwahres. Du kennst sie als entstanden – diese sechs sind die Massen dessen [das aus ihnen besteht] [?].“
Wort für Wort
na upapattyā na vā yuktyā
nicht durch Herleitung noch durch Schlüssigkeit (Instr.)
tu asat brūyāt asaṃśayam
dennoch Unwahres sagt/sagte er, zweifellos (Opt.)
vettha tān abhinirvṛttān
du kennst sie als entstanden (2.Sg.Perf./Akk.Part.)
abhāvād bhāviteṣv eva tebhyaś ca prabhavanty api; vinaṣṭo 'pi ca tāny eva jantur bhavati pañcadhā
„Aus dem Nichtsein heraus, in Gewordenem selbst, und aus ihnen entstehen sie auch; auch nach dem Untergang wird das Lebewesen wieder eben diese, fünffach.“
Wort für Wort
abhāvāt bhāviteṣu eva
aus dem Nichtsein, in Gewordenem eben (Abl.; Lok.) [?]
tebhyaḥ ca prabhavanti api
und aus ihnen entstehen auch (3.Pl.Präs.)
vinaṣṭaḥ api ca
und auch zugrunde gegangen (Part./Nom.)
tāni eva jantuḥ bhavati pañcadhā
eben diese wird das Lebewesen, fünffach (3.Sg.Präs.)
„Sein Körper besteht aus Erde, das Gehör ist aus dem Raum entstanden, die Sonne ist das Auge, der Lebenshauch der Wind, aus den Wassern aber [stammt] das Blut.“
Wort für Wort
tasya bhūmi-mayaḥ dehaḥ
sein Körper, aus Erde bestehend (Gen.; Nom.)
śrotram ākāśa-saṃbhavam
das Gehör, aus dem Raum entstanden (Nom.)
sūryaḥ cakṣuḥ asuḥ vāyuḥ
Sonne [ist] Auge, Lebenshauch Wind (Nom.)
adbhyaḥ tu khalu śoṇitam
aus den Wassern aber wahrlich das Blut (Abl.Pl.; Nom.)
„Form, Geruch, Geschmack, Berührung und Laut – das sind deren Eigenschaften; sie werden durch die Sinne wahrgenommen, fünffach die fünf durch die fünf.“
Wort für Wort
rūpaṃ gandhaḥ rasaḥ sparśaḥ
Form, Geruch, Geschmack, Berührung (Nom.)
śabdaḥ ca eva atha tad-guṇāḥ
und Laut, und so deren Eigenschaften (Nom.)
indriyaiḥ upalabhyante
durch die Sinne werden wahrgenommen (Instr.; 3.Pl.Pass.)
„Das Denken steht über der Sinnesgesamtheit, höher als dieses ist das Manas; höher als das Manas aber die Buddhi, höher als die Buddhi der Feldkenner.“
Wort für Wort
cittam indriya-saṃghātāt param
das Citta höher als die Sinnesgesamtheit (Nom.; Abl.)
„Zuerst nimmt das Lebewesen durch die Sinne die Gegenstände einzeln wahr; nachdem es sie mit dem Manas erwogen hat, entscheidet es danach mit der Buddhi; [derjenige aber,] der alle durch die Sinne erfassten Gegenstände beurteilt, [...] [?]“
Wort für Wort
pūrvaṃ cetayate jantuḥ
zuerst nimmt wahr das Lebewesen (3.Sg.Präs.Med.)
indriyaiḥ viṣayān pṛthak
durch die Sinne die Objekte einzeln (Instr.; Akk.; Adv.)
vicārya manasā paścāt
erwogen habend mit dem Manas danach (Abs.; Instr.)
atha buddhyā vyavasyati
dann mit der Buddhi entscheidet es (3.Sg.Präs.)
indriyaiḥ upalabdha-arthān sarvān
die durch die Sinne erfassten Gegenstände, alle (Akk.)
yaḥ tu adhyavasyati
der aber beurteilt/bestimmt (Nom.; 3.Sg.Präs.)
[Anm.: Der letzte Pāda (yas tv adhyavasyati) ist ohne Hauptsatz überliefert; Satz bricht ab.]
cittam indriyasaṃghātaṃ mano buddhiṃ tathāṣṭamīm; aṣṭau jñānendriyāṇy āhur etāny adhyātmacintakāḥ
„Das Citta, die Sinnesgesamtheit, das Manas, die Buddhi und ebenso die achte [Größe]: acht Erkenntnisorgane nennen diese die Erforscher des Selbstbezugs.“
Wort für Wort
cittam indriya-saṃghātam
das Citta, die Sinnesgesamtheit (Akk.)
manaḥ buddhiṃ tathā aṣṭamīm
das Manas, die Buddhi, ebenso die achte (Akk.)
aṣṭau jñāna-indriyāṇi āhuḥ
acht Erkenntnisorgane nennen sie (Akk.; 3.Pl.Perf.)
etāni adhyātma-cintakāḥ
diese, die Erforscher des Selbstbezugs (Akk.; Nom.)
pāyūpasthau visargārtham indriye tulyakarmaṇī; visarge ca purīṣasya visarge cābhikāmike
„Ausscheidungs- und Zeugungsorgan dienen der Entleerung, zwei Organe gleicher Verrichtung: bei der Entleerung des Kots und bei der Entleerung des Begehrten.“
Wort für Wort
pāyu-upasthau visarga-artham
Ausscheidungs- und Zeugungsorgan zur Entleerung (Nom.Du.; Adv.)
„Die Kraft ist das sechste; diese sechs sind von mir mit der Rede richtig, wie es überliefert ist, aufgezählt: alle Eigenschaften der Erkenntnis- und Tätigkeitsorgane.“
Wort für Wort
balaṃ ṣaṣṭham
die Kraft als sechstes (Nom.)
ṣaṭ etāni
sechs diese (Nom.)
vācā samyak yathā-āgamam
mit der Rede richtig, gemäß der Überlieferung (Instr.; Adv.)
jñāna-ceṣṭa-indriya-guṇāḥ sarve
alle Eigenschaften der Erkenntnis- und Tätigkeitsorgane (Nom.)
„Bei den Lebewesen, in irgendeinem einzelnen, so [auch] die Zustände, die der Ordnung folgen; bei beiden Zuständen ist das Gewünschte stets, bei beiden die unmittelbare Erfahrung [?].“
Wort für Wort
jantuṣu ekatameṣu eva
bei den Lebewesen, in einem von ihnen eben (Lok.)
evaṃ bhāvāḥ ye vidhim āsthitāḥ
so die Zustände, die der Ordnung folgen (Nom.; Akk.; Part.)
bhāvayoḥ īpsitaṃ nityam
bei beiden Zuständen das Gewünschte stets (Lok.Du.; Nom.)
pratyakṣa-gamanaṃ dvayoḥ
die unmittelbare Erfahrung bei beiden (Nom.; Lok.Du.)
[Anm.: Verderbter oder sehr knapper Text; Wiedergabe unsicher.]
atha vā saṃnipāto 'yaṃ śarīraṃ pāñcabhautikam; ekaś ca daśa cāṣṭau ca guṇāḥ saha śarīriṇām; ūṣmaṇā saha viṃśo vā saṃghātaḥ pāñcabhautikaḥ
„Oder dieser Körper ist eine Verbindung, aus den fünf Elementen bestehend; eins und zehn und acht Eigenschaften gehören mit den Verkörperten [dazu], oder zwanzig mit der Wärme: eine Verbindung aus den fünf Elementen.“
„Wie etwas entsteht, so geht es in die Fünfheit [den Tod] ein; am Ende der Vernichtung von Verdienst und Schuld tritt er, von Verdienst und Schuld getrieben, mit der Zeit in einen Körper ein; dieser [Körper] ist dann aus Tat entstanden.“
Wort für Wort
yathā eva utpadyate kiṃ cit
wie eben entsteht irgendetwas (3.Sg.Präs.)
pañcatvaṃ gacchate tathā
in die Fünfheit geht es so (Akk.; 3.Sg.Präs.)
puṇya-pāpa-vināśa-ante
am Ende der Vernichtung von Verdienst und Schuld (Lok.)
puṇya-pāpa-samīritam
von Verdienst und Schuld getrieben (Part./Akk.)
deham viśati kālena
in einen Körper tritt er ein mit der Zeit (Akk.; 3.Sg.Präs.; Instr.)
tataḥ ayaṃ karma-saṃbhavam
dann dieser, aus Tat entstanden (Adv.; Nom.)
[Anm.: Der Vers ist knapp und teilweise mehrdeutig.]
„Immer wieder verlässt dieser [den Körper] und geht von Körper zu Körper, sich eine Bleibe nehmend, von der Zeit getrieben, der Feldinhaber, wie aus einem zerfallenen Haus in ein [neues] Haus.“
Wort für Wort
hitvā hitvā hi ayam praiti
immer wieder verlassend, dieser geht (Abs.; 3.Sg.Präs.)
dehāt deham kṛta-āśrayaḥ
von Körper zu Körper, Bleibe genommen habend (Abl.; Akk.; Nom.)
kāla-saṃcoditaḥ kṣetrī
von der Zeit getrieben, der Feldinhaber (Nom.)
viśīrṇāt vā gṛhāt gṛham
wie aus einem zerfallenen Haus in ein Haus (Abl.; Akk.)
„Den aus Verdienst und Schuld bestehenden Körper aufzehrend, infolge der Anhäufung der Werke, gelangt der mit aufgezehrtem Körper wieder Verkörperte zum Brahman-Sein [?].“
Wort für Wort
puṇya-pāpa-mayaṃ deham
den aus Verdienst und Schuld bestehenden Körper (Akk.)
kṣapayan karma-saṃcayāt
aufzehrend, infolge der Anhäufung der Werke (Part.; Abl.)
kṣīṇa-dehaḥ punar dehī
mit erschöpftem Körper, wieder Verkörperter (Nom.)
brahmatvam upagacchati
zum Brahman-Sein gelangt (Akk.; 3.Sg.Präs.)
[Anm.: kṣapayan karmasaṃcayāt syntaktisch mehrdeutig; kṣīṇadehaḥ punar dehī wörtlich: der mit erschöpftem Körper, wieder Verkörperte.]
puṇyapāpakṣayārthaṃ ca sāṃkhyaṃ jñānaṃ vidhīyate; tatkṣaye hy asya paśyanti brahmabhāve parāṃ gatim
„Zur Vernichtung von Verdienst und Schuld wird das Sāṃkhya-Wissen verordnet; bei deren Schwinden sehen sie für diesen im Brahman-Sein das höchste Ziel.“
Wort für Wort
puṇya-pāpa-kṣaya-artham ca
und zur Vernichtung von Verdienst und Schuld (Adv.)
sāṃkhyaṃ jñānaṃ vidhīyate
das Sāṃkhya-Wissen wird verordnet (Nom.; 3.Sg.Pass.)
tat-kṣaye hi asya paśyanti
bei deren Schwinden nämlich für diesen sehen sie (Lok.; Gen.; 3.Pl.Präs.)