Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 267: jīvasya dehāntaragamana-sāṃkhyavicāraḥ Nārada und Asita Devala über Elemente, Sinne, Geist und Wanderung des Verkörperten

Lehrgespräch zwischen Nārada und Asita Devala über die fünf Elemente, die Sinne und Geistesorgane sowie den Wechsel der Körper; einordnend eine frühe Sāṃkhya-Darstellung.

bhīṣma uvāca; atraivodāharantīmam itihāsaṃ purātanam; nāradasya ca saṃvādaṃ devalasyāsitasya ca

Bhīṣma sprach: Hierzu führt man diese alte Erzählung an, das Gespräch zwischen Nārada und Devala Asita.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atra eva udāharanti imam
hierzu eben führen sie an diese (3.Pl.Präs./Akk.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.)
nāradasya ca saṃvādam
und das Gespräch des Nārada (Gen./Akk.)
devalasya asitasya ca
und des Devala, des Asita (Gen.)

āsīnaṃ devalaṃ vṛddhaṃ buddhvā buddhimatāṃ varaḥ; nāradaḥ paripapraccha bhūtānāṃ prabhavāpyayam

Als Nārada, der Beste der Verständigen, den greisen Devala sitzen sah, fragte er ihn nach Ursprung und Vergehen der Wesen.

Wort für Wort
āsīnaṃ devalaṃ vṛddham
sitzend, Devala, greis (Akk.)
buddhvā buddhimatāṃ varaḥ
erkannt habend, der Beste der Verständigen (Abs./Nom.)
nāradaḥ paripapraccha
Nārada fragte (3.Sg.Perf.)
bhūtānāṃ prabhava-apyayam
der Wesen Entstehung und Vergehen (Gen./Akk.)

kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvaṃ brahman sthāvarajaṅgamam; pralaye ca kam abhyeti tad bhavān prabravītu me

„Woher ist dieses All geschaffen, Brahmane, das Unbewegliche wie das Bewegliche? Und zu wem geht es in der Auflösung? Das möge Er mir sagen.“

Wort für Wort
kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvam
woher geschaffen dieses All (Part./Nom.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
sthāvara-jaṅgamam
Unbewegliches und Bewegliches (Nom.)
pralaye ca kam abhyeti
und in der Auflösung zu wem geht es hin (Lok.; 3.Sg.Präs.)
tad bhavān prabravītu me
das möge Er sagen mir (3.Sg.Imp./Dat.)

asita uvāca; yebhyaḥ sṛjati bhūtāni kālo bhāvapracoditaḥ; mahābhūtāni pañceti tāny āhur bhūtacintakāḥ

Asita sprach: „Aus denen, aus welchen die Zeit, vom Werden angetrieben, die Wesen erschafft – diese nennen die Erforscher der Wesen ‚die fünf großen Elemente‘.“

Wort für Wort
asita uvāca
Asita sprach
yebhyaḥ sṛjati bhūtāni
aus denen sie erschafft die Wesen (Abl.; 3.Sg.Präs.)
kālaḥ bhāva-pracoditaḥ
die Zeit, vom Werden angetrieben (Nom./Part.)
mahābhūtāni pañca iti
große Elemente, fünf, so (Nom.)
tāni āhuḥ bhūta-cintakāḥ
diese nennen sie die Erforscher der Wesen (3.Pl.Perf.)

tebhyaḥ sṛjati bhūtāni kāla ātmapracoditaḥ; etebhyo yaḥ paraṃ brūyād asad brūyād asaṃśayam

„Aus ihnen erschafft die Zeit, vom Selbst angetrieben, die Wesen. Wer über diese hinaus etwas Höheres behauptete, würde zweifellos Unwahres behaupten.“

Wort für Wort
tebhyaḥ sṛjati bhūtāni
aus ihnen erschafft sie die Wesen
kālaḥ ātma-pracoditaḥ
die Zeit, vom Selbst angetrieben (Nom.)
etebhyaḥ yaḥ param brūyāt
wer über diese hinaus [etwas] sagte (Abl.; Opt.)
asat brūyāt asaṃśayam
Unwahres würde sagen, zweifellos (Opt./Adv.)

viddhi nārada pañcaitāñ śāśvatān acalān dhruvān; mahatas tejaso rāśīn kālaṣaṣṭhān svabhāvataḥ

„Wisse, Nārada, diese fünf als ewig, unbewegt, beständig, als Massen großer Glut, von Natur aus mit der Zeit als sechster.“

Wort für Wort
viddhi nārada
wisse, Nārada (Imp./Vok.)
pañca etān
diese fünf (Akk.)
śāśvatān acalān dhruvān
ewige, unbewegte, feste (Akk.)
mahataḥ tejasaḥ rāśīn
Massen großer Glut (Gen./Akk.)
kāla-ṣaṣṭhān svabhāvataḥ
die Zeit als sechste habend, von Natur aus (Akk./Abl.-Adv.)

āpaś caivāntarikṣaṃ ca pṛthivī vāyupāvakau; asiddhiḥ param etebhyo bhūtebhyo muktasaṃśayam

„Wasser, Luftraum, Erde, Wind und Feuer; ein Höheres als diese Elemente ist unerwiesen – frei von Zweifel [ist dies] [?].“

Wort für Wort
āpaḥ ca eva antarikṣaṃ ca
Wasser und Luftraum (Nom.)
pṛthivī vāyu-pāvakau
Erde, Wind und Feuer (Nom.)
asiddhiḥ param etebhyaḥ
Nichterwiesensein eines Höheren als diese (Nom./Abl.)
bhūtebhyaḥ mukta-saṃśayam
als die Elemente; frei von Zweifel [?] (Abl.; Akk./Adv.)

[Anm.: muktasaṃśayam am Versende syntaktisch unsicher.]

nopapattyā na vā yuktyā tv asad brūyād asaṃśayam; vettha tān abhinirvṛttān ṣaḍ ete yasya rāśayaḥ

„Weder durch Herleitung noch durch Folgerichtigkeit [kann man Anderes erweisen]; wer es behauptet, sagt zweifellos Unwahres. Du kennst sie als entstanden – diese sechs sind die Massen dessen [das aus ihnen besteht] [?].“

Wort für Wort
na upapattyā na vā yuktyā
nicht durch Herleitung noch durch Schlüssigkeit (Instr.)
tu asat brūyāt asaṃśayam
dennoch Unwahres sagt/sagte er, zweifellos (Opt.)
vettha tān abhinirvṛttān
du kennst sie als entstanden (2.Sg.Perf./Akk.Part.)
ṣaṭ ete yasya rāśayaḥ
sechs sind diese, dessen Massen (Nom.Pl.; Gen.)

[Anm.: Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; Wiedergabe unsicher.]

pañcaiva tāni kālaś ca bhāvābhāvau ca kevalau; aṣṭau bhūtāni bhūtānāṃ śāśvatāni bhavāpyayau

„Fünf sind jene, und die Zeit, und Sein und Nichtsein allein: acht sind die Prinzipien der Wesen, ewig, [Ursachen von] Entstehen und Vergehen.“

Wort für Wort
pañca eva tāni
fünf eben sind jene (Nom.)
kālaḥ ca
und die Zeit (Nom.)
bhāva-abhāvau ca kevalau
und Sein und Nichtsein, allein (Nom.Du.)
aṣṭau bhūtāni bhūtānām
acht Elemente/Prinzipien der Wesen (Nom./Gen.)
śāśvatāni bhava-apyayau
ewige; Entstehen und Vergehen (Nom.; Nom.Du.)

abhāvād bhāviteṣv eva tebhyaś ca prabhavanty api; vinaṣṭo 'pi ca tāny eva jantur bhavati pañcadhā

„Aus dem Nichtsein heraus, in Gewordenem selbst, und aus ihnen entstehen sie auch; auch nach dem Untergang wird das Lebewesen wieder eben diese, fünffach.“

Wort für Wort
abhāvāt bhāviteṣu eva
aus dem Nichtsein, in Gewordenem eben (Abl.; Lok.) [?]
tebhyaḥ ca prabhavanti api
und aus ihnen entstehen auch (3.Pl.Präs.)
vinaṣṭaḥ api ca
und auch zugrunde gegangen (Part./Nom.)
tāni eva jantuḥ bhavati pañcadhā
eben diese wird das Lebewesen, fünffach (3.Sg.Präs.)

[Anm.: Erster Halbvers dunkel.]

tasya bhūmimayo dehaḥ śrotram ākāśasaṃbhavam; sūryaś cakṣur asur vāyur adbhyas tu khalu śoṇitam

„Sein Körper besteht aus Erde, das Gehör ist aus dem Raum entstanden, die Sonne ist das Auge, der Lebenshauch der Wind, aus den Wassern aber [stammt] das Blut.“

Wort für Wort
tasya bhūmi-mayaḥ dehaḥ
sein Körper, aus Erde bestehend (Gen.; Nom.)
śrotram ākāśa-saṃbhavam
das Gehör, aus dem Raum entstanden (Nom.)
sūryaḥ cakṣuḥ asuḥ vāyuḥ
Sonne [ist] Auge, Lebenshauch Wind (Nom.)
adbhyaḥ tu khalu śoṇitam
aus den Wassern aber wahrlich das Blut (Abl.Pl.; Nom.)

cakṣuṣī nāsikākarṇau tvag jihveti ca pañcamī; indriyāṇīndriyārthānāṃ jñānāni kavayo viduḥ

„Augen, Nase, Ohren, Haut und Zunge als fünfte: [dies sind] die Sinne; die Weisen wissen, [dass sie] Erkenntnismittel für die Sinnesobjekte [sind].“

Wort für Wort
cakṣuṣī nāsikā-karṇau
die Augen, Nase, Ohren (Nom.Du.)
tvak jihvā iti ca pañcamī
Haut, Zunge, so, als fünfte (Nom.)
indriyāṇi indriya-arthānām
die Sinne; der Sinnesobjekte (Nom.; Gen.)
jñānāni kavayaḥ viduḥ
Erkenntnismittel, die Weisen wissen (Nom.; 3.Pl.Perf.)

darśanaṃ śravaṇaṃ ghrāṇaṃ sparśanaṃ rasanaṃ tathā; upapattyā guṇān viddhi pañca pañcasu pañcadhā

„Sehen, Hören, Riechen, Tasten und ebenso Schmecken: Erkenne durch Ableitung die Eigenschaften, fünf in fünf, fünffach.“

Wort für Wort
darśanaṃ śravaṇaṃ ghrāṇam
Sehen, Hören, Riechen (Nom.)
sparśanaṃ rasanaṃ tathā
Tasten, Schmecken, ebenso (Nom.)
upapattyā guṇān viddhi
durch Herleitung die Eigenschaften erkenne (Instr.; Imp.)
pañca pañcasu pañcadhā
fünf in fünfen, fünffach (Akk./Lok./Adv.)

rūpaṃ gandho rasaḥ sparśaḥ śabdaś caivātha tadguṇāḥ; indriyair upalabhyante pañcadhā pañca pañcabhiḥ

„Form, Geruch, Geschmack, Berührung und Laut – das sind deren Eigenschaften; sie werden durch die Sinne wahrgenommen, fünffach die fünf durch die fünf.“

Wort für Wort
rūpaṃ gandhaḥ rasaḥ sparśaḥ
Form, Geruch, Geschmack, Berührung (Nom.)
śabdaḥ ca eva atha tad-guṇāḥ
und Laut, und so deren Eigenschaften (Nom.)
indriyaiḥ upalabhyante
durch die Sinne werden wahrgenommen (Instr.; 3.Pl.Pass.)
pañcadhā pañca pañcabhiḥ
fünffach fünf durch fünf (Adv.; Nom.; Instr.)

rūpaṃ gandhaṃ rasaṃ sparśaṃ śabdaṃ caitāṃs tu tadguṇān; indriyāṇi na budhyante kṣetrajñas tais tu budhyate

„Form, Geruch, Geschmack, Berührung und Laut, diese ihre Eigenschaften, erkennen die Sinne nicht; der Feldkenner aber erkennt durch sie.“

Wort für Wort
rūpaṃ gandhaṃ rasaṃ sparśam
Form, Geruch, Geschmack, Berührung (Akk.)
śabdaṃ ca etān tu tad-guṇān
und Laut, diese, ihre Eigenschaften (Akk.)
indriyāṇi na budhyante
die Sinne erkennen nicht (3.Pl.Präs.Med.)
kṣetrajñaḥ taiḥ tu budhyate
der Feldkenner aber durch sie erkennt (Nom.; Instr.; 3.Sg.)

cittam indriyasaṃghātāt paraṃ tasmāt paraṃ manaḥ; manasas tu parā buddhiḥ kṣetrajño buddhitaḥ paraḥ

„Das Denken steht über der Sinnesgesamtheit, höher als dieses ist das Manas; höher als das Manas aber die Buddhi, höher als die Buddhi der Feldkenner.“

Wort für Wort
cittam indriya-saṃghātāt param
das Citta höher als die Sinnesgesamtheit (Nom.; Abl.)
tasmāt param manaḥ
höher als dieses das Manas (Abl.; Nom.)
manasaḥ tu parā buddhiḥ
höher als das Manas aber die Buddhi (Abl.; Nom.)
kṣetrajñaḥ buddhitaḥ paraḥ
der Feldkenner höher als die Buddhi (Nom.; Abl.)

pūrvaṃ cetayate jantur indriyair viṣayān pṛthak; vicārya manasā paścād atha buddhyā vyavasyati; indriyair upalabdhārthān sarvān yas tv adhyavasyati

„Zuerst nimmt das Lebewesen durch die Sinne die Gegenstände einzeln wahr; nachdem es sie mit dem Manas erwogen hat, entscheidet es danach mit der Buddhi; [derjenige aber,] der alle durch die Sinne erfassten Gegenstände beurteilt, [...] [?]“

Wort für Wort
pūrvaṃ cetayate jantuḥ
zuerst nimmt wahr das Lebewesen (3.Sg.Präs.Med.)
indriyaiḥ viṣayān pṛthak
durch die Sinne die Objekte einzeln (Instr.; Akk.; Adv.)
vicārya manasā paścāt
erwogen habend mit dem Manas danach (Abs.; Instr.)
atha buddhyā vyavasyati
dann mit der Buddhi entscheidet es (3.Sg.Präs.)
indriyaiḥ upalabdha-arthān sarvān
die durch die Sinne erfassten Gegenstände, alle (Akk.)
yaḥ tu adhyavasyati
der aber beurteilt/bestimmt (Nom.; 3.Sg.Präs.)

[Anm.: Der letzte Pāda (yas tv adhyavasyati) ist ohne Hauptsatz überliefert; Satz bricht ab.]

cittam indriyasaṃghātaṃ mano buddhiṃ tathāṣṭamīm; aṣṭau jñānendriyāṇy āhur etāny adhyātmacintakāḥ

„Das Citta, die Sinnesgesamtheit, das Manas, die Buddhi und ebenso die achte [Größe]: acht Erkenntnisorgane nennen diese die Erforscher des Selbstbezugs.“

Wort für Wort
cittam indriya-saṃghātam
das Citta, die Sinnesgesamtheit (Akk.)
manaḥ buddhiṃ tathā aṣṭamīm
das Manas, die Buddhi, ebenso die achte (Akk.)
aṣṭau jñāna-indriyāṇi āhuḥ
acht Erkenntnisorgane nennen sie (Akk.; 3.Pl.Perf.)
etāni adhyātma-cintakāḥ
diese, die Erforscher des Selbstbezugs (Akk.; Nom.)

[Anm.: Die Zählung der acht ist unklar.]

pāṇipādaṃ ca pāyuś ca mehanaṃ pañcamaṃ mukham; iti saṃśabdyamānāni śṛṇu karmendriyāṇy api

„Hand und Fuß, das Ausscheidungsorgan, das Zeugungsglied, als fünftes der Mund: so aufgezählt – höre nun auch [von] den Handlungsorganen.“

Wort für Wort
pāṇi-pādaṃ ca pāyuḥ ca
Hand und Fuß und das Ausscheidungsorgan (Nom.)
mehanaṃ pañcamaṃ mukham
Zeugungsglied, als fünftes der Mund (Nom.)
iti saṃśabdyamānāni
so aufgezählt werdend (Part.Pass.)
śṛṇu karma-indriyāṇi api
höre die Handlungsorgane auch (Imp.; Akk.)

jalpanābhyavahārārthaṃ mukham indriyam ucyate; gamanendriyaṃ tathā pādau karmaṇaḥ karaṇe karau

„Zum Sprechen und Essen wird der Mund Organ genannt; ebenso sind die Füße das Organ der Fortbewegung, die Hände [Organe] zum Ausführen der Tat.“

Wort für Wort
jalpana-abhyavahāra-artham
zum Sprechen und Verzehren (Akk./Adv.)
mukham indriyam ucyate
der Mund, Organ, wird genannt (Nom.; 3.Sg.Pass.)
gamana-indriyaṃ tathā pādau
Fortbewegungsorgan ebenso die Füße (Nom.)
karmaṇaḥ karaṇe karau
zur Ausführung der Tat die Hände (Gen.; Lok.; Nom.Du.)

pāyūpasthau visargārtham indriye tulyakarmaṇī; visarge ca purīṣasya visarge cābhikāmike

„Ausscheidungs- und Zeugungsorgan dienen der Entleerung, zwei Organe gleicher Verrichtung: bei der Entleerung des Kots und bei der Entleerung des Begehrten.“

Wort für Wort
pāyu-upasthau visarga-artham
Ausscheidungs- und Zeugungsorgan zur Entleerung (Nom.Du.; Adv.)
indriye tulya-karmaṇī
zwei Organe gleicher Tätigkeit (Nom.Du.)
visarge ca purīṣasya
und bei der Entleerung des Kots (Lok.; Gen.)
visarge ca abhikāmike
und bei der Entleerung des Begehrten (Lok.; Lok.)

balaṃ ṣaṣṭhaṃ ṣaḍ etāni vācā samyag yathāgamam; jñānaceṣṭendriyaguṇāḥ sarve saṃśabditā mayā

„Die Kraft ist das sechste; diese sechs sind von mir mit der Rede richtig, wie es überliefert ist, aufgezählt: alle Eigenschaften der Erkenntnis- und Tätigkeitsorgane.“

Wort für Wort
balaṃ ṣaṣṭham
die Kraft als sechstes (Nom.)
ṣaṭ etāni
sechs diese (Nom.)
vācā samyak yathā-āgamam
mit der Rede richtig, gemäß der Überlieferung (Instr.; Adv.)
jñāna-ceṣṭa-indriya-guṇāḥ sarve
alle Eigenschaften der Erkenntnis- und Tätigkeitsorgane (Nom.)
saṃśabditāḥ mayā
aufgezählt von mir (Part.; Instr.)

indriyāṇāṃ svakarmabhyaḥ śramād uparamo yadā; bhavatīndriyasaṃnyāsād atha svapiti vai naraḥ

„Wenn den Sinnen von ihren Tätigkeiten aus Ermüdung Ruhe eintritt, dann schläft der Mensch wahrlich durch die Aufgabe der Sinne.“

Wort für Wort
indriyāṇām sva-karmabhyaḥ
der Sinne, von den eigenen Tätigkeiten (Gen.; Abl.)
śramāt uparamaḥ yadā
aus Ermüdung Ruhe, wenn (Abl.; Nom.)
bhavati indriya-saṃnyāsāt
es tritt ein durch die Aufgabe der Sinne (3.Sg.Präs.; Abl.)
atha svapiti vai naraḥ
dann schläft wahrlich der Mensch (3.Sg.Präs.)

indriyāṇāṃ vyuparame mano 'nuparataṃ yadi; sevate viṣayān eva tad vidyāt svapnadarśanam

„Wenn bei Ruhe der Sinne das Manas nicht zur Ruhe kommt und dennoch die Objekte genießt, so möge man das als Traumsehen erkennen.“

Wort für Wort
indriyāṇām vyuparame
bei der Ruhe der Sinne (Gen.; Lok.)
manaḥ anuparatam yadi
das Manas nicht zur Ruhe gekommen, wenn (Nom.)
sevate viṣayān eva
genießt die Objekte eben (3.Sg.Präs.Med.)
tat vidyāt svapna-darśanam
das möge man erkennen als Traumsehen (Opt.)

sāttvikāś caiva ye bhāvās tathā rājasatāmasāḥ; karmayuktān praśaṃsanti sāttvikān itarāṃs tathā

„Die sattvischen Zustände und ebenso die rajasischen und tamasischen: Die an Handlung Gebundenen preisen die sattvischen und ebenso die anderen [?].“

Wort für Wort
sāttvikāḥ ca eva ye bhāvāḥ
und die sattvischen, die Zustände (Nom.)
tathā rājasa-tāmasāḥ
ebenso die rajasischen und tamasischen (Nom.)
karma-yuktān praśaṃsanti
die an Handlung Gebundenen preisen sie (Akk.; 3.Pl.Präs.)
sāttvikān itarān tathā
die sattvischen, die anderen ebenso (Akk.)

[Anm.: Bezug von itarān unsicher.]

ānandaḥ karmaṇāṃ siddhiḥ pratipattiḥ parā gatiḥ; sāttvikasya nimittāni bhāvān saṃśrayate smṛtiḥ

„Freude, Gelingen der Werke, Erlangen, höchstes Ziel – [dies sind] Kennzeichen des Sattvischen; das Gedächtnis hält sich an die Zustände.“

Wort für Wort
ānandaḥ karmaṇām siddhiḥ
Freude, Gelingen der Werke (Nom.; Gen.)
pratipattiḥ parā gatiḥ
Erlangen, höchstes Ziel (Nom.)
sāttvikasya nimittāni
des Sattvischen Kennzeichen (Gen.; Nom.)
bhāvān saṃśrayate smṛtiḥ
die Zustände stützt sich auf das Gedächtnis (Akk.; 3.Sg.Präs.; Nom.)

jantuṣv ekatameṣv evaṃ bhāvā ye vidhim āsthitāḥ; bhāvayor īpsitaṃ nityaṃ pratyakṣagamanaṃ dvayoḥ

„Bei den Lebewesen, in irgendeinem einzelnen, so [auch] die Zustände, die der Ordnung folgen; bei beiden Zuständen ist das Gewünschte stets, bei beiden die unmittelbare Erfahrung [?].“

Wort für Wort
jantuṣu ekatameṣu eva
bei den Lebewesen, in einem von ihnen eben (Lok.)
evaṃ bhāvāḥ ye vidhim āsthitāḥ
so die Zustände, die der Ordnung folgen (Nom.; Akk.; Part.)
bhāvayoḥ īpsitaṃ nityam
bei beiden Zuständen das Gewünschte stets (Lok.Du.; Nom.)
pratyakṣa-gamanaṃ dvayoḥ
die unmittelbare Erfahrung bei beiden (Nom.; Lok.Du.)

[Anm.: Verderbter oder sehr knapper Text; Wiedergabe unsicher.]

indriyāṇi ca bhāvāś ca guṇāḥ saptadaśa smṛtāḥ; teṣām aṣṭādaśo dehī yaḥ śarīre sa śāśvataḥ

„Sinne und Zustände gelten als siebzehn Eigenschaften; ihr achtzehnter ist der Verkörperte, der im Körper ewig ist.“

Wort für Wort
indriyāṇi ca bhāvāḥ ca
die Sinne und die Zustände (Nom.)
guṇāḥ saptadaśa smṛtāḥ
Eigenschaften, siebzehn, gelten (Nom.; Part.)
teṣām aṣṭādaśaḥ dehī
von ihnen der achtzehnte der Verkörperte (Gen.; Nom.)
yaḥ śarīre saḥ śāśvataḥ
der im Körper, der [ist] ewig (Nom.; Lok.)

atha vā saśarīrās te guṇāḥ sarve śarīriṇām; saṃśritās tadviyoge hi saśarīrā na santi te

„Oder aber: Alle diese Eigenschaften sind bei den Verkörperten an den Körper gebunden; in der Trennung von ihm sind sie nicht mehr körperlich.“

Wort für Wort
atha vā saśarīrāḥ te guṇāḥ sarve
oder: körperlich diese Eigenschaften alle (Nom.)
śarīriṇām saṃśritāḥ
der Verkörperten angehaftet (Gen.; Part.)
tad-viyoge hi
in der Trennung von ihm nämlich (Lok.)
saśarīrāḥ na santi te
körperlich nicht sind sie (Nom.; 3.Pl.Präs.)

atha vā saṃnipāto 'yaṃ śarīraṃ pāñcabhautikam; ekaś ca daśa cāṣṭau ca guṇāḥ saha śarīriṇām; ūṣmaṇā saha viṃśo vā saṃghātaḥ pāñcabhautikaḥ

„Oder dieser Körper ist eine Verbindung, aus den fünf Elementen bestehend; eins und zehn und acht Eigenschaften gehören mit den Verkörperten [dazu], oder zwanzig mit der Wärme: eine Verbindung aus den fünf Elementen.“

Wort für Wort
atha vā saṃnipātaḥ ayam
oder eine Verbindung dieser (Nom.)
śarīraṃ pāñcabhautikam
Körper, aus fünf Elementen bestehend (Nom.)
ekaḥ ca daśa ca aṣṭau ca guṇāḥ
eins und zehn und acht Eigenschaften (Nom.)
saha śarīriṇām
mit den Verkörperten (Instr.-Adv.; Gen.)
ūṣmaṇā saha viṃśaḥ vā
mit der Wärme zwanzig oder (Instr.; Nom.)
saṃghātaḥ pāñcabhautikaḥ
Verbindung, aus fünf Elementen (Nom.)

[Anm.: Zählung: 1+10+8 = 19, mit Wärme 20.]

mahān saṃdhārayaty etac charīraṃ vāyunā saha; tasyāsya bhāvayuktasya nimittaṃ dehabhedane

„Der Große hält diesen Körper zusammen mit dem Wind zusammen; für ihn, den mit dem Zustand Verbundenen, liegt die Ursache beim Auflösen des Körpers.“

Wort für Wort
mahān saṃdhārayati etat
der Große hält zusammen dieses (Nom.; 3.Sg.Präs.)
śarīraṃ vāyunā saha
den Körper mit dem Wind (Akk.; Instr.)
tasya asya bhāva-yuktasya
von diesem, dem mit Zustand Verbundenen (Gen.)
nimittaṃ deha-bhedane
Ursache beim Zerspalten des Körpers (Nom.; Lok.)

[Anm.: Bezug von mahān und tasya asya unsicher.]

yathaivotpadyate kiṃ cit pañcatvaṃ gacchate tathā; puṇyapāpavināśānte puṇyapāpasamīritam; dehaṃ viśati kālena tato 'yaṃ karmasaṃbhavam

„Wie etwas entsteht, so geht es in die Fünfheit [den Tod] ein; am Ende der Vernichtung von Verdienst und Schuld tritt er, von Verdienst und Schuld getrieben, mit der Zeit in einen Körper ein; dieser [Körper] ist dann aus Tat entstanden.“

Wort für Wort
yathā eva utpadyate kiṃ cit
wie eben entsteht irgendetwas (3.Sg.Präs.)
pañcatvaṃ gacchate tathā
in die Fünfheit geht es so (Akk.; 3.Sg.Präs.)
puṇya-pāpa-vināśa-ante
am Ende der Vernichtung von Verdienst und Schuld (Lok.)
puṇya-pāpa-samīritam
von Verdienst und Schuld getrieben (Part./Akk.)
deham viśati kālena
in einen Körper tritt er ein mit der Zeit (Akk.; 3.Sg.Präs.; Instr.)
tataḥ ayaṃ karma-saṃbhavam
dann dieser, aus Tat entstanden (Adv.; Nom.)

[Anm.: Der Vers ist knapp und teilweise mehrdeutig.]

hitvā hitvā hy ayaṃ praiti dehād dehaṃ kṛtāśrayaḥ; kālasaṃcoditaḥ kṣetrī viśīrṇād vā gṛhād gṛham

„Immer wieder verlässt dieser [den Körper] und geht von Körper zu Körper, sich eine Bleibe nehmend, von der Zeit getrieben, der Feldinhaber, wie aus einem zerfallenen Haus in ein [neues] Haus.“

Wort für Wort
hitvā hitvā hi ayam praiti
immer wieder verlassend, dieser geht (Abs.; 3.Sg.Präs.)
dehāt deham kṛta-āśrayaḥ
von Körper zu Körper, Bleibe genommen habend (Abl.; Akk.; Nom.)
kāla-saṃcoditaḥ kṣetrī
von der Zeit getrieben, der Feldinhaber (Nom.)
viśīrṇāt vā gṛhāt gṛham
wie aus einem zerfallenen Haus in ein Haus (Abl.; Akk.)

tatra naivānutapyante prājñā niścitaniścayāḥ; kṛpaṇās tv anutapyante janāḥ saṃbandhimāninaḥ

„Darüber grämen sich die Weisen nicht, fest im Entschluss; Erbärmliche aber grämen sich, die Leute, die sich auf Verwandtschaft etwas einbilden.“

Wort für Wort
tatra na eva anutapyante
darüber nicht eben grämen sie sich (3.Pl.Präs.Pass./Med.)
prājñāḥ niścita-niścayāḥ
die Weisen, fest im Entschluss (Nom.)
kṛpaṇāḥ tu anutapyante
die Erbärmlichen aber grämen sich (Nom.)
janāḥ saṃbandhi-māninaḥ
Leute, auf Verwandte sich etwas einbildend (Nom.)

na hy ayaṃ kasya cit kaś cin nāsya kaś cana vidyate; bhavaty eko hy ayaṃ nityaṃ śarīre sukhaduḥkhabhāk

„Denn dieser gehört keinem, und keiner gehört ihm; allein ist dieser stets im Körper und erfährt Freud und Leid.“

Wort für Wort
na hi ayaṃ kasya cit
denn nicht dieser [gehört] irgendwem (Nom.; Gen.)
kaḥ cit na asya kaḥ cana vidyate
irgendwer nicht, seiner irgendwer ist da (Nom.; Gen.; 3.Sg.Pass.)
bhavati ekaḥ hi ayaṃ nityam
ist allein dieser stets (3.Sg.Präs.; Nom.)
śarīre sukha-duḥkha-bhāk
im Körper an Freud und Leid teilhabend (Lok.; Nom.)

naiva saṃjāyate jantur na ca jātu vipadyate; yāti deham ayaṃ bhuktvā kadā cit paramāṃ gatim

„Nie wird das Lebewesen geboren, und nie geht es zugrunde; dieser geht, nachdem er genossen hat, mitunter zum höchsten Ziel.“

Wort für Wort
na eva saṃjāyate jantuḥ
nie wird geboren das Lebewesen (3.Sg.Präs.)
na ca jātu vipadyate
und niemals geht es zugrunde (3.Sg.Präs.)
yāti deham ayaṃ bhuktvā
geht in den Körper dieser, genossen habend (3.Sg.Präs.; Akk.; Abs.)
kadā cit paramām gatim
zuweilen zum höchsten Ziel (Adv.; Akk.)

puṇyapāpamayaṃ dehaṃ kṣapayan karmasaṃcayāt; kṣīṇadehaḥ punar dehī brahmatvam upagacchati

„Den aus Verdienst und Schuld bestehenden Körper aufzehrend, infolge der Anhäufung der Werke, gelangt der mit aufgezehrtem Körper wieder Verkörperte zum Brahman-Sein [?].“

Wort für Wort
puṇya-pāpa-mayaṃ deham
den aus Verdienst und Schuld bestehenden Körper (Akk.)
kṣapayan karma-saṃcayāt
aufzehrend, infolge der Anhäufung der Werke (Part.; Abl.)
kṣīṇa-dehaḥ punar dehī
mit erschöpftem Körper, wieder Verkörperter (Nom.)
brahmatvam upagacchati
zum Brahman-Sein gelangt (Akk.; 3.Sg.Präs.)

[Anm.: kṣapayan karmasaṃcayāt syntaktisch mehrdeutig; kṣīṇadehaḥ punar dehī wörtlich: der mit erschöpftem Körper, wieder Verkörperte.]

puṇyapāpakṣayārthaṃ ca sāṃkhyaṃ jñānaṃ vidhīyate; tatkṣaye hy asya paśyanti brahmabhāve parāṃ gatim

„Zur Vernichtung von Verdienst und Schuld wird das Sāṃkhya-Wissen verordnet; bei deren Schwinden sehen sie für diesen im Brahman-Sein das höchste Ziel.“

Wort für Wort
puṇya-pāpa-kṣaya-artham ca
und zur Vernichtung von Verdienst und Schuld (Adv.)
sāṃkhyaṃ jñānaṃ vidhīyate
das Sāṃkhya-Wissen wird verordnet (Nom.; 3.Sg.Pass.)
tat-kṣaye hi asya paśyanti
bei deren Schwinden nämlich für diesen sehen sie (Lok.; Gen.; 3.Pl.Präs.)
brahma-bhāve parām gatim
im Brahman-Sein das höchste Ziel (Lok.; Akk.)

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