Kapitel 122: daṇḍotpatti
Vasuhoma erzählt Māndhātar vom Ursprung der Strafgewalt und ihrer Weitergabe
Der König Vasuhoma belehrt Māndhātar über die Entstehung der Daṇḍa (Strafgewalt) aus Mahādeva nach dem Verschwinden beim Opfer Brahmās. Das Kapitel umfasst die Schöpfung der Daṇḍanīti, die Einsetzung der Herren und die Überlieferung des Daṇḍa bis zu Manu.
sa tatra bahubhir yuktaḥ sadā śrutimayair guṇaiḥ; brāhmaṇānām anumato devarṣisadṛśo 'bhavat
Dort war er stets mit vielen aus der Offenbarung [Veda] stammenden Vorzügen ausgestattet, von den Brahmanen gebilligt, und wurde einem göttlichen Seher gleich.
Wort für Wort
sa tatra bahubhir yuktaḥ
er dort mit vielen versehen (Nom.; Instr.Pl.; Part.Pass.)
sadā śrutimayair guṇaiḥ
stets mit aus Überlieferung bestehenden Eigenschaften (Instr.Pl.)
brāhmaṇānām anumataḥ
von den Brahmanen gebilligt (Gen.Pl.; Nom.Part.Pass.)
devarṣisadṛśaḥ abhavat
einem göttlichen Seher gleich wurde er (Nom.; Impf. 3.Sg.)
Vasuhoma sprach: Höre, König, wie die Strafgewalt entstand, das Zusammenhaltsmittel der Welt, zum Schutz und zur Zucht der Geschöpfe, das ewige Wesen des Dharma.
tasmin pravṛtte satre tu brahmaṇaḥ pārthivarṣabha; hṛṣṭarūpapracāratvād daṇḍaḥ so 'ntarhito 'bhavat
Als aber Brahmās Opfersitzung begonnen hatte, Bester der Fürsten, verschwand die Strafgewalt, weil die [Beteiligten] sich freudig [dem Opfer] widmeten.
Wort für Wort
tasmin pravṛtte satre tu
als diese Sitzung begonnen hatte aber (Lok.abs.)
brahmaṇaḥ pārthivarṣabha
des Brahmā, Stier der Fürsten (Gen.; Vok.)
hṛṣṭarūpapracāratvāt
wegen des Verhaltens in freudiger Gestalt (Abl.; Abstraktum)
daṇḍaḥ so 'ntarhitaḥ abhavat
die Strafgewalt verschwunden wurde (Nom.; Part.Pass.)
tasminn antarhite cātha prajānāṃ saṃkaro 'bhavat; naiva kāryaṃ na cākāryaṃ bhojyābhojyaṃ na vidyate
Als sie verschwunden war, entstand eine Vermischung unter den Geschöpfen: Es gab weder Tun noch Nichttun, [kein Unterschied von] Essbarem und Nichtessbarem.
Wort für Wort
tasmin antarhite ca atha
und als jene verschwunden war da (Lok.abs.)
prajānāṃ saṃkaraḥ abhavat
der Geschöpfe Vermischung entstand (Gen.Pl.; Impf. 3.Sg.)
na eva kāryaṃ na ca akāryam
weder Zutuendes noch Nichtzutuendes (Nom.)
bhojyābhojyaṃ na vidyate
Essbares-Nichtessbares gibt es nicht (Nom.; Pass. 3.Sg.)
peyāpeyaṃ kutaḥ siddhir hiṃsanti ca parasparam; gamyāgamyaṃ tadā nāsīt parasvaṃ svaṃ ca vai samam
[Auch] Trinkbares und Nichttrinkbares [gab es nicht]; woher [dann] Erfolg? Sie verletzten einander. Erlaubter und unerlaubter Beischlaf bestand damals nicht, fremdes und eigenes Gut waren wahrlich gleich.
devadevo mahādevaḥ kāraṇaṃ jagataḥ param; brahmaviṣṇvindrasahitaḥ sarvaiś ca sa surāsuraiḥ; lokasaṃdhāraṇārthaṃ ca lokasaṃkaranāśanam
Der Gott der Götter, Mahādeva, die höchste Ursache der Welt, [gemeinsam] mit Brahmā, Viṣṇu und Indra und mit allen Göttern und Asuras, [schuf] zur Stützung der Welt und zur Vernichtung der Weltvermischung.
Wort für Wort
devadevo mahādevaḥ
der Götter Gott, Mahādeva (Nom.)
kāraṇaṃ jagataḥ param
Ursache der Welt, höchste (Akk./Nom.; Gen.)
brahmaviṣṇvindrasahitaḥ
mit Brahmā, Viṣṇu und Indra versehen (Nom.; Kompositum)
sarvaiḥ ca sa surāsuraiḥ
und mit allen samt Göttern und Asuras (Instr.Pl.)
lokasaṃdhāraṇārthaṃ ca
und zum Zweck der Erhaltung der Welt (Adv.)
lokasaṃkaranāśanam
Weltvermischung-Vernichtung (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Halbvers-Abfolge unklar: das Prädikat folgt in 28; ergänzt wurde ‚[schuf]‘ nur sinngemäß [?].
Und aus ihr schuf er die Leitlinie, die dem Dharma folgt, die Göttin Sarasvatī; sie, die Daṇḍanīti [Politik der Strafgewalt], ist in den drei Welten berühmt.
yayāsau nīyate daṇḍaḥ satataṃ pāpakāriṣu; daṇḍasya nayanāt sā hi daṇḍanītir ihocyate; bhūyaḥ sa bhagavān dhyātvā ciraṃ śūladharaḥ prabhuḥ; asṛjat sarvaśāstrāṇi mahādevo maheśvaraḥ; daṇḍanīteḥ prayogārthaṃ pramāṇāni ca sarvaśaḥ; vidyāś catasraḥ kūṭasthās tāsāṃ bhedavikalpanāḥ; aṅgāni vedāś catvāro mīmāṃsā nyāyavistaraḥ; purāṇaṃ dharmaśāstraṃ ca vidyā hy etāś caturdaśa; āyurvedo dhanurvedo gāndharvaś ceti te trayaḥ; arthaśāstraṃ caturthaṃ tu vidyā hy aṣṭādaśaiva tu; daśa cāṣṭau ca vikhyātā etā dharmasya saṃhitāḥ; etāsām eva vidyānāṃ vyāsam āha maheśvaraḥ; śatāni trīṇi śāstrāṇām āha tantrāṇi saptatim; vyāsa eva tu vidyānāṃ mahādevena kīrtitaḥ; tantraṃ pāśupataṃ nāma pāñcarātraṃ ca viśrutam; yogaśāstraṃ ca sāṃkhyaṃ ca tantraṃ lokāyataṃ tathā; tantraṃ brahmatulā nāma tarkavidyā divaukasām; sukhaduḥkhārthajijñāsā kārakaṃ ceti viśrutam; tarkavidyās tathā cāṣṭau sa cokto nyāyavistaraḥ; daśa cāṣṭau ca vijñeyāḥ paurāṇā yajñasaṃhitāḥ; purāṇāś ca praṇītāś ca tāvad eva hi saṃhitāḥ; dharmaśāstrāṇi tadvac ca ekārthānīti nānyathā; ekārthāni purāṇāni vedāś caikārthasaṃhitāḥ; nānārthāni ca sarvāṇi tarkaśāstrāṇi śaṃkaraḥ; provāca bhagavān devaḥ kālajñānāni yāni ca; catuḥṣaṣṭipramāṇāni āyurvedaṃ ca sottaram; aṣṭādaśa vikalpāntāṃ daṇḍanītiṃ ca śāśvatīm; gāndharvam itihāsaṃ ca nānāvistaram uktavān; ity etāḥ śaṃkaraproktā vidyāḥ śabdārthasaṃyutāḥ; punar bhedasahasraṃ ca tāsām eva tu vistaraḥ; ṛṣibhir devagandharvaiḥ savikalpaḥ savistaraḥ; śaśvad abhyasyate loke veda eva ca sarvaśaḥ; vidyāś catasraḥ saṃkṣiptā vedavādāś ca te smṛtāḥ; etāsāṃ pārago yaś ca sa cokto vedapāragaḥ; vedānāṃ pārago rudro viṣṇur indro bṛhaspatiḥ; śukraḥ svāyaṃbhuvaś caiva manuḥ paramadharmavit; brahmā ca paramo devaḥ sadā sarvaiḥ surāsuraiḥ; śarvasyānugrahāc caiva vyāso vai vedapāragaḥ; ahaṃ śāṃtanavo bhīṣmaḥ prasādān mādhavasya ca; śaṃkarasya prasādāc ca brahmaṇaś ca kurūdvaha; vedapāraga ity ukto yājñavalkyaś ca sarvaśaḥ; kalpe kalpe mahābhāgair ṛṣibhis tattvadarśibhiḥ; ṛṣiputrair ṛṣīkaiś ca bhidyante miśrakair api; śivena brahmaṇā caiva viṣṇunā ca vikalpitaḥ; ādikalpe punaś caiva bhidyante sādhubhiḥ punaḥ; idānīm api vidvadbhir bhidyante ca vikalpakaiḥ; pūrvajanmānusāreṇa bahudheyaṃ sarasvatī
Durch sie wird die Strafe stets gegen die Übeltäter geführt; weil sie die Strafe führt, heißt sie hier Daṇḍanīti. Wiederum sann jener ehrwürdige Herr, der Dreizackträger, lange nach; Mahādeva Maheśvara schuf alle Lehrschriften und alle Maßstäbe zur Anwendung der Daṇḍanīti. Vier Wissenschaften stehen fest; deren Untergliederungen und Abwandlungen [sind vielfältig]. Die [Veda-]Glieder, die vier Veden, die Mīmāṃsā, die Ausführung der Nyāya, das Purāṇa und das Dharmaśāstra: das sind die vierzehn Wissenschaften. Ayurveda, Bogenkunst und Gandharva[-Kunst], das sind diese drei; die Arthaśāstra ist die vierte: so sind es genau achtzehn Wissenschaften. Zehn und acht sind diese als Sammlungen des Dharma berühmt. Von eben diesen Wissenschaften nannte Maheśvara eine Ausführung (Vyāsa); dreihundert Lehrschriften und siebzig Lehrsysteme nannte er. Doch eine [solche] Ausführung der Wissenschaften wurde von Mahādeva selbst verkündet: das Lehrsystem namens Pāśupata, ebenso das berühmte Pāñcarātra, das Yogaśāstra und das Sāṃkhya, so auch das Lokāyata-System; das System namens Brahmatulā, die Denkwissenschaft der Himmelsbewohner; das Erforschen von Glück, Leid und Zweck sowie das ‚Kāraka‘: so ist es berühmt. Ebenso [gibt es] acht Denkwissenschaften, und dies wird als die Ausführung der Nyāya genannt. Zehn und acht sind als Purāṇa-Opfersammlungen zu kennen; Purāṇas und Verfasstes [gibt es] ebenso viele Sammlungen. Ebenso die Dharmaśāstras: sie haben einen einzigen Sinn, nicht anders. Einen Sinn haben die Purāṇas, und die Veden sind Sammlungen eines Sinnes; vielfältigen Sinnes aber sind alle Denkschriften. Śaṃkara, der ehrwürdige Gott, verkündete auch die Zeitkenntnisse, die es gibt, vierundsechzig Maßstäbe, und die Heilkunde samt Nachtrag, die ewige Daṇḍanīti mit achtzehn Abwandlungen, das Gandharva[-Wissen] und die Itihāsa in vielfacher Ausführung. So sind diese von Śaṃkara verkündeten Wissenschaften mit Wort und Sinn verbunden; abermals gibt es tausend Unterteilungen und deren Ausführung. Von Sehern, Göttern und Gandharvas werden sie mit Abwandlungen und Ausführung stets in der Welt studiert, und ebenso überall der Veda. Die vier Wissenschaften sind zusammengefasst, und jene gelten als Veda-Lehren. Wer diese ganz durchdringt, von dem heißt es, er habe den Veda durchdrungen. Den Veda durchdrungen haben Rudra, Viṣṇu, Indra, Bṛhaspati, Śukra und Svāyaṃbhuva Manu, der den höchsten Dharma kennt, und Brahmā, der höchste Gott, stets zusammen mit allen Göttern und Asuras. Und durch Śarvas Gnade hat Vyāsa den Veda durchdrungen; ich, Bhīṣma, Śaṃtanus Sohn, durch die Gnade Mādhavas, und durch die Gnade Śaṃkaras und Brahmās, Kuru-Stier, [ich ebenfalls]; und Yājñavalkya wird überall als Veda-Kundiger genannt. In jedem Weltalter werden sie von hochgesegneten, wahrheitsschauenden Sehern, von Sehersöhnen und Ṛṣīkas und Gemischten unterteilt; von Śiva, Brahmā und Viṣṇu wurde [es] gegliedert; im ersten Weltalter werden sie von den Guten wiederum unterteilt; und auch jetzt werden sie von den Gelehrten und Zergliedernden unterteilt. Entsprechend der früheren Geburt [wird] diese Sarasvatī [vielfach gestaltet].
Wort für Wort
yayā asau nīyate daṇḍaḥ; satataṃ pāpakāriṣu; daṇḍasya nayanāt sā hi
durch welche dieser Stab geführt wird (Instr.; Pass. 3.Sg.); stets gegen Übeltäter (Lok.Pl.); wegen des Führens der Strafe sie ja (Abl.)
daṇḍanītiḥ iha ucyate; bhūyaḥ sa bhagavān dhyātvā ciraṃ
Daṇḍanīti hier wird sie genannt (Pass.); wiederum jener Ehrwürdige, nachgedacht habend lange (Abs.)
‚Veda-Kundiger‘ so genannt Yājñavalkya auch überall (Part.Pass.); in jedem Weltalter von hochgesegneten, wahrheitsschauenden Sehern (Lok.; Instr.Pl.)
ṛṣiputraiḥ ṛṣīkaiḥ ca bhidyante miśrakaiḥ api
von Sehersöhnen, Ṛṣīkas und Gemischten werden sie unterteilt (Pass. 3.Pl.)
śivena brahmaṇā ca eva viṣṇunā ca vikalpitaḥ; ādikalpe punaḥ ca eva bhidyante sādhubhiḥ punaḥ
von Śiva, Brahmā, Viṣṇu gegliedert (Instr.; Part.Pass.); im ersten Weltalter wieder werden sie von den Guten unterteilt (Lok.; Pass.)
idānīm api vidvadbhiḥ bhidyante ca vikalpakaiḥ
auch jetzt von Gelehrten und Zergliedernden unterteilt (Instr.Pl.)
pūrvajanmānusāreṇa bahudhā iyaṃ sarasvatī
nach früherer Geburt vielfach diese Sarasvatī (Instr.; Adv.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr langer Zusatztext (Stern); Teile syntaktisch und inhaltlich unsicher: z. B. ‚Vyāsa‘ (Ausführung/Zusammenfassung), ‚kārakam‘, ‚sottaram‘, ‚ṛṣīkaiḥ‘, ‚miśrakaiḥ‘, das Ende (Sarasvatī ‚bahudhā‘) [?].
apāṃ rājye surāṇāṃ ca vidadhe varuṇaṃ prabhum; mṛtyuṃ prāṇeśvaram atho tejasāṃ ca hutāśanam
Über die Herrschaft der Gewässer und der Götter setzte er den Herrn Varuṇa ein, den Tod als Herrn der Lebenshauche, und über die Glanzkräfte den Opferverzehrer Agni.
Wort für Wort
apāṃ rājye surāṇāṃ ca
in der Herrschaft der Wasser und der Götter (Lok./Gen.Pl.)
vidadhe varuṇaṃ prabhum
setzte ein Varuṇa, den Herrn (3.Sg.Perf.Med./Akk.)
mṛtyuṃ prāṇeśvaram
den Tod als Herrn der Lebenshauche (Akk.Sg., Tatpuruṣa)
atho tejasāṃ ca hutāśanam
und ferner der Glanzkräfte Agni, den Opferverzehrer (Gen.Pl./Akk.Sg.)
daśa caikaṃ ca ye rudrās tasyaite mūrtisaṃbhavāḥ; nānārūpadharo devaḥ sa eva bhagavāñ śivaḥ
Die elf Rudras, die es gibt, sind Erscheinungsformen eben von ihm; vielfältige Gestalten tragend ist der Gott, er ist der erhabene Śiva selbst.
Wort für Wort
daśa caikaṃ ca ye rudrāḥ
zehn und einer, die Rudras (Nom.Pl.)
tasyaite mūrtisaṃbhavāḥ
seine sind diese, aus Gestalten entstanden (Gen./Nom.Pl., Tatpuruṣa)
nānārūpadharo devaḥ
vielfältige Gestalten tragend, der Gott (Nom.Sg.)
sa eva bhagavāñ śivaḥ
er ist der erhabene Śiva (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
Vasiṣṭha [setzte er] als Herrn der Brahmanen [ein], Agni als [Herrn] der Vasus; unter den Glanzkräften machte er die Sonne, unter den Sternbildern den Nachtmacher [den Mond] [zum Herrn].
Wort für Wort
vasiṣṭham īśaṃ viprāṇām
Vasiṣṭha als Herrn der Brahmanen (Akk.Sg./Gen.Pl.)
vasūnāṃ jātavedasam
der Vasus Jātavedas [Agni] (Gen.Pl./Akk.Sg.)
tejasāṃ bhāskaraṃ cakre
der Glanzkräfte den Lichtmacher [Sonne] machte er (Gen.Pl./Akk./3.Sg.Perf.)
nakṣatrāṇāṃ niśākaram
der Sternbilder den Nachtmacher [Mond] (Gen.Pl./Akk.Sg.)
vīrudhām aṃśumantaṃ ca bhūtānāṃ ca prabhuṃ varam; kumāraṃ dvādaśabhujaṃ skandaṃ rājānam ādiśat
Über die Pflanzen [setzte er] den Strahlenträger [Soma], über die Wesen den vortrefflichen Herrn; den Kumāra Skanda mit zwölf Armen bestimmte er zum König.
Wort für Wort
vīrudhām aṃśumantaṃ ca
und der Gewächse den Strahlenträger (Gen.Pl./Akk.Sg.)
bhūtānāṃ ca prabhuṃ varam
und der Wesen den Herrn, den vortrefflichen (Gen.Pl./Akk.Sg.)
kumāraṃ dvādaśabhujam
den Knaben, zwölfarmig (Akk.Sg.)
skandaṃ rājānam ādiśat
Skanda zum König wies er an (Akk./3.Sg.Impf.)
Der „Strahlenträger“ ist vermutlich der Mond bzw. Soma; das Verb (vidadhe/cakre) ist aus dem Vorvers zu ergänzen.
kālaṃ sarveśam akarot saṃhāravinayātmakam; mṛtyoś caturvibhāgasya duḥkhasya ca sukhasya ca
Die Zeit machte er zum Herrn über alles, deren Wesen Vernichtung und Zügelung ist, [auch zum Herrn] über den vierfach gegliederten Tod, über das Leid und das Glück.
Wort für Wort
kālaṃ sarveśam akarot
die Zeit, Herrn von allem, machte er (Akk./3.Sg.Impf.)
saṃhāravinayātmakam
dessen Wesen Vernichtung und Zügelung ist (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
mṛtyoś caturvibhāgasya
des vierfach geteilten Todes (Gen.Sg.)
duḥkhasya ca sukhasya ca
und des Leids und des Glücks (Gen.Sg.)
Die Wiedergabe von „caturvibhāgasya“ als „vierfach gegliedert“ ist unsicher.
īśvaraś cetanaḥ kartā puruṣaḥ kāraṇaṃ śivaḥ; viṣṇur brahmā śaśī sūryaḥ śakro devāś ca sānvayāḥ; jñānātmakaḥ śivo hy eva eteṣām api kāraṇam; sṛjate grasate caiva tamobhūtam idaṃ yathā; aprajñātaṃ jagat sarvaṃ tadā hy eko maheśvaraḥ
Īśvara ist der Bewusste, der Täter, der Puruṣa, die Ursache, Śiva; Viṣṇu, Brahmā, Mond, Sonne, Śakra und die Götter mit ihren Geschlechtern [sind seine Formen]. Śiva, dessen Wesen Erkenntnis ist, ist auch für diese die Ursache. Wie er dieses [Weltall] als finstergewordenes erschafft und verschlingt – dann ist die ganze Welt unerkennbar, und einzig der Maheśvara [bleibt].
Wort für Wort
īśvaraś cetanaḥ kartā
Īśvara, der Bewusste, der Täter (Nom.Sg.)
puruṣaḥ kāraṇaṃ śivaḥ
Puruṣa, Ursache, Śiva (Nom.Sg.)
viṣṇur brahmā śaśī sūryaḥ
Viṣṇu, Brahmā, Mond, Sonne (Nom.Sg.)
śakro devāś ca sānvayāḥ
Śakra und die Götter samt Geschlechtern (Nom.Sg./Nom.Pl.)
jñānātmakaḥ śivo hy eva
dessen Wesen Erkenntnis ist, Śiva ja eben (Nom.Sg.)
eteṣām api kāraṇam
auch dieser Ursache (Gen.Pl./Nom.Sg.)
sṛjate grasate caiva
er erschafft und verschlingt (3.Sg.Präs.Med.)
tamobhūtam idaṃ yathā
dieses [All] finstergeworden, wie (Akk.Sg.)
aprajñātaṃ jagat sarvam
unerkennbar die ganze Welt (Nom.Sg.)
tadā hy eko maheśvaraḥ
dann [ist] eben einzig der große Herr (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzbau des zweiten Teils („sṛjate grasate caiva tamobhūtam idaṃ yathā“) unsicher, Deutung unsicher [?].
kṣupas tu manave prādād ādityatanayāya ca; putrebhyaḥ śrāddhadevas tu sūkṣmadharmārthakāraṇāt; taṃ dadau sūryaputras tu manur vai rakṣaṇātmakam
Kṣupa aber gab ihn Manu, dem Sohn des Āditya. Śrāddhadeva [Manu] aber [gab ihn] seinen Söhnen wegen der Feinheit von Dharma und Nutzen; der Sonnensohn Manu gab ihn, der auf Schutz beruht.
Wort für Wort
kṣupas tu manave prādāt
Kṣupa aber gab dem Manu (Nom./Dat./3.Sg.Aor.)
ādityatanayāya ca
dem Sohn des Āditya (Dat.Sg.)
putrebhyaḥ śrāddhadevas tu
den Söhnen, Śrāddhadeva aber (Dat.Pl./Nom.Sg.)
sūkṣmadharmārthakāraṇāt
wegen der Feinheit von Dharma und Artha (Abl.Sg., Kompositum)
taṃ dadau sūryaputras tu
ihn gab der Sonnensohn (Akk./3.Sg./Nom.)
manur vai rakṣaṇātmakam
Manu ja, der auf Schutz beruht [ist er] (Nom./Akk.Sg.)
Der Vers ist metrisch überladen (drei Pādas); „sūkṣmadharmārthakāraṇāt“ und „rakṣaṇātmakam“ sind unsicher [?].
Nach Unterscheidung ist der Stab dem Dharma gemäß einzusetzen, nicht nach Willkür: [als Strafen gelten] Schelten, Zurückhaltung, Fesselung, Geldbuße [und] Ausstoßung.
Wort für Wort
vibhajya daṇḍaḥ kartavyaḥ
nach Unterscheidung ist die Strafe anzuwenden (Abs./Nom.Sg.Gerundiv)
dharmeṇa na yadṛcchayā
gemäß dem Dharma, nicht nach Zufall/Willkür (Instr.Sg.)
vyaṅgatvaṃ ca śarīrasya vadho vā nālpakāraṇāt; śarīrapīḍās tās tās tu dehatyāgo vivāsanam
Verstümmelung des Körpers, oder Tötung – nicht aus geringem Anlass; die verschiedenen Körperqualen, das Verlassen des Körpers [Hinrichtung] und Verbannung.
Wort für Wort
vyaṅgatvaṃ ca śarīrasya
und Verstümmelung des Körpers (Nom.Sg./Gen.Sg.)
vadho vā nālpakāraṇāt
oder Tötung, nicht aus geringem Grund (Nom.Sg./Abl.Sg.)
Von den Göttern her wachen die Brahmanen in der Welt – das merke dir; von den Brahmanen her schützen die Rājanyas [Kṣatriyas] die Welten dem Dharma gemäß; das Unbewegliche und das Bewegliche, das Ewige, [ist] von den Kṣatriyas her.
Wort für Wort
devebhyo brāhmaṇā loke
von den Göttern her die Brahmanen in der Welt (Abl.Pl./Nom.Pl./Lok.)
jāgratīty upadhāraya
wachen, so begreife (3.Pl.Präs./2.Sg.Imp.)
brāhmaṇebhyaś ca rājanyāḥ
und von den Brahmanen her die Rājanyas (Abl.Pl./Nom.Pl.)
lokān rakṣanti dharmataḥ
die Welten schützen sie dem Dharma gemäß (Akk.Pl./3.Pl.Präs./Adv.)
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ caiva
das Unbewegliche und das Bewegliche (Nom.Sg.n.)
kṣatriyebhyaḥ sanātanam
von den Kṣatriyas her, das Ewige (Abl.Pl./Nom.Sg.)
Der Vers hat drei Pādas; der letzte Halbvers ist syntaktisch knapp (Verb zu ergänzen) [?].
So ist dieser Stab bekannt: am Anfang, in der Mitte und ebenso am Ende. Der Erdenhüter, der den Dharma kennt, soll nach der Gerechtigkeit mit ihm verfahren.
Wort für Wort
ity eṣa daṇḍo vikhyātaḥ
so ist dieser Stab bekannt (Nom.Sg.Ptz.)
ādau madhye tathāvare
am Anfang, in der Mitte, ebenso am Ende (Lok.)
bhūmipālo yathānyāyam
der Erdhüter [König] dem Recht gemäß (Nom.Sg./Adv.)
vartetānena dharmavit
soll verfahren mit diesem, der Dharma-Kenner (3.Sg.Opt./Instr./Nom.)
iti te sarvam ākhyātaṃ yo daṇḍo manujarṣabha; niyantā sarvalokasya dharmākrāntasya bhārata
So ist dir alles erzählt worden, was der Stab ist, Stier unter den Menschen: der Lenker der ganzen Welt, wenn sie vom Dharma überschritten wird, Bhārata.
Wort für Wort
iti te sarvam ākhyātam
so ist dir alles erzählt (Dat./Nom.Sg.Ptz.)
yo daṇḍo manujarṣabha
welcher der Stab [ist], Stier unter den Menschen (Nom./Vok.)
niyantā sarvalokasya
Lenker der ganzen Welt (Nom.Sg./Gen.Sg.)
dharmākrāntasya bhārata
der vom Dharma überschrittenen [Welt], Bhārata (Gen.Sg./Vok.)
„dharmākrāntasya“ ist unsicher: eher „wenn sie den Dharma übertritt“ als „vom Dharma erfüllt“ [?].
Von der Vasuhoma-Lehre wurde dies einst vom König Māndhātar, dem Erdenträger, gehört; auch von mir wurde [es] erzählt, die heilige Geschichte, [die] so berühmt [ist].
Wort für Wort
vasuhomāc chrutaṃ rājñā
von Vasuhoma gehört von dem König (Abl./Ptz./Instr.)
māndhātrā bhūbhṛtā purā
von Māndhātar, dem Erdenträger, einst (Instr./Instr./Adv.)
mayāpi kathitaṃ puṇyam
auch von mir erzählt, heilig (Instr./Ptz./Nom.n.)
ākhyānaṃ prathitaṃ tathā
die Erzählung, berühmt, ebenso (Nom.Sg./Ptz./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.