Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 238: putrānuśāsana-adhyātmopadeśa Vyāsas Unterweisung an seinen Sohn über das Selbst und die Rangfolge der Prinzipien

Vyāsa beginnt die Lehre an Śuka: Stufenfolge von Sinnen bis zum Unentfalteten, Weg der Meditation, und wem diese Geheimlehre mitgeteilt werden darf.

vyāsa uvāca; prakṛtes tu vikārā ye kṣetrajñas taiḥ pariśritaḥ; te cainaṃ na prajānanti sa tu jānāti tān api

Vyāsa sprach: „Die Umwandlungen der Urnatur, die es gibt – von ihnen ist der Feldkenner umhüllt; sie aber erkennen ihn nicht, er dagegen erkennt sie sogar.“

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom. / 3.Sg.Perf.)
prakṛteḥ tu vikārāḥ ye
die Umwandlungen der Urnatur aber, welche (Gen.Sg. / Nom.Pl.)
kṣetrajñaḥ taiḥ pariśritaḥ
der Feldkenner ist von ihnen umgeben (Nom.Sg. / Instr.Pl. / Part.Pass.)
te ca enaṃ na prajānanti
und sie erkennen ihn nicht (3.Pl.Präs.)
sa tu jānāti tān api
er aber erkennt sie sogar (3.Sg.Präs. / Akk.Pl.)

taiś caiṣa kurute kāryaṃ manaḥṣaṣṭhair ihendriyaiḥ; sudāntair iva saṃyantā dṛḍhaiḥ paramavājibhiḥ

Mit ihnen, den Sinnen, deren sechster das Denkorgan ist, verrichtet dieser hier sein Werk, wie ein Wagenlenker mit gut gezähmten, festen, vortrefflichen Rossen.

Wort für Wort
taiḥ ca eṣaḥ kurute kāryam
und mit diesen verrichtet dieser das Werk (Instr.Pl. / 3.Sg.Med.Präs. / Akk.Sg.)
manaḥṣaṣṭhaiḥ iha indriyaiḥ
mit den Sinnen, deren sechster das Manas ist, hier (Instr.Pl., Bahuvrīhi)
sudāntaiḥ iva saṃyantā
wie ein Lenker mit gut gezähmten (Instr.Pl. / Nom.Sg.)
dṛḍhaiḥ paramavājibhiḥ
mit festen, vortrefflichen Rossen (Instr.Pl.)

indriyebhyaḥ parā hy arthā arthebhyaḥ paramaṃ manaḥ; manasas tu parā buddhir buddher ātmā mahān paraḥ

Höher als die Sinne sind ja die Objekte, höher als die Objekte das Denkorgan; höher als das Denkorgan aber die Erkenntniskraft, höher als die Erkenntniskraft das große Selbst.

Wort für Wort
indriyebhyaḥ parāḥ hi arthāḥ
höher als die Sinne sind ja die Objekte (Abl.Pl. / Nom.Pl.)
arthebhyaḥ paramaṃ manaḥ
höher als die Objekte das Denkorgan (Abl.Pl. / Nom.Sg.n.)
manasaḥ tu parā buddhiḥ
höher als das Denkorgan aber die Erkenntniskraft (Abl.Sg. / Nom.Sg.f.)
buddheḥ ātmā mahān paraḥ
höher als die Erkenntniskraft das große Selbst (Abl.Sg. / Nom.Sg.m.)

mahataḥ param avyaktam avyaktāt parato 'mṛtam; amṛtān na paraṃ kiṃ cit sā kāṣṭhā sā parā gatiḥ

Höher als das Große ist das Unentfaltete, jenseits des Unentfalteten das Unsterbliche; jenseits des Unsterblichen ist nichts: Das ist die Grenze, das ist der höchste Weg.

Wort für Wort
mahataḥ param avyaktam
höher als das Große das Unentfaltete (Abl.Sg. / Nom.Sg.n.)
avyaktāt parataḥ amṛtam
jenseits des Unentfalteten das Unsterbliche (Abl.Sg. / Adv. / Nom.Sg.n.)
amṛtāt na param kiṃ cit
jenseits des Unsterblichen nichts (Abl.Sg. / Nom.Sg.n.)
sā kāṣṭhā
das ist die Grenze/das Ziel (Nom.Sg.f.)
sā parā gatiḥ
das ist der höchste Weg (Nom.Sg.f.)

evaṃ sarveṣu bhūteṣu gūḍho ''tmā na prakāśate; dṛśyate tvagryayā buddhyā sūkṣmayā tattvadarśibhiḥ

So ist in allen Wesen das Selbst verborgen und leuchtet nicht hervor; es wird gesehen mit spitzer, feiner Erkenntniskraft von denen, die die Wahrheit schauen.

Wort für Wort
evaṃ sarveṣu bhūteṣu
so in allen Wesen (Lok.Pl.)
gūḍhaḥ ātmā na prakāśate
das Selbst, verborgen, leuchtet nicht hervor (Part.Pass. / Nom.Sg. / 3.Sg.Med.Präs.)
dṛśyate tu agryayā buddhyā
es wird gesehen mit spitzer Erkenntniskraft (3.Sg.Pass. / Instr.Sg.f.)
sūkṣmayā tattvadarśibhiḥ
mit feiner, von den Wahrheitsschauern (Instr.Sg.f. / Instr.Pl.)

antarātmani saṃlīya manaḥṣaṣṭhāni medhayā; indriyāṇīndriyārthāṃś ca bahu cintyam acintayan

Nachdem man die Sinne, deren sechster das Denkorgan ist, mit Einsicht im inneren Selbst hat aufgehen lassen, die Sinne und die Sinnesobjekte, und Vieles, das zu bedenken wäre, nicht mehr bedenkt …

Wort für Wort
antarātmani saṃlīya
im inneren Selbst aufgegangen/verschmolzen (Lok.Sg. / Absolutiv)
manaḥṣaṣṭhāni medhayā
[die Sinne] mit dem Manas als sechstem, mit Einsicht (Akk.Pl.n. / Instr.Sg.)
indriyāṇi indriyārthān ca
die Sinne und die Sinnesobjekte (Akk.Pl.)
bahu cintyam acintayan
Vieles Bedenkenswerte nicht bedenkend (Akk.Sg.n. / Part.Präs. Nom.Sg.m.)

Satzbau über Vers 6–7 hinweg; die Konstruktion des Nominativs acintayan ist als Partizip gefasst [?].

dhyānoparamaṇaṃ kṛtvā vidyāsaṃpāditaṃ manaḥ; anīśvaraḥ praśāntātma tato 'rchaty amṛtaṃ padam

Hat er das Zur-Ruhe-Kommen der Meditation vollzogen, [ist] der Geist durch Wissen zubereitet, [ist er] ohne Herrschaft [über sich] und im Selbst befriedet, so gelangt er dann zur unsterblichen Stätte.

Wort für Wort
dhyānoparamaṇaṃ kṛtvā
das Zur-Ruhe-Kommen der Meditation vollzogen habend (Akk.Sg. / Absolutiv)
vidyāsaṃpāditaṃ manaḥ
der durch Wissen zubereitete Geist (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
anīśvaraḥ praśāntātmā
ohne Gebieter, mit befriedetem Selbst (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi) [?]
tataḥ ṛcchati amṛtaṃ padam
dann gelangt er zur unsterblichen Stätte (Adv. / 3.Sg.Präs. / Akk.Sg.)

anīśvaraḥ mehrdeutig (ohne Herrn/unabhängig von Fremdbestimmung); ’rchati = ṛcchati gelesen.

indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ vaśyātmā calitasmṛtiḥ; ātmanaḥ saṃpradānena martyo mṛtyum upāśnute

Wer aber allen Sinnen unterworfen ist und dessen Erinnerung wankt, der Sterbliche gelangt durch die Hingabe seiner selbst zum Tod.

Wort für Wort
indriyāṇām tu sarveṣām
aber allen Sinnen (Gen.Pl.)
vaśyātmā
dessen Selbst unterworfen ist (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
calitasmṛtiḥ
mit wankender Erinnerung (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
ātmanaḥ saṃpradānena
durch die Hingabe seiner selbst (Gen.Sg. / Instr.Sg.)
martyaḥ mṛtyum upāśnute
der Sterbliche gelangt zum Tod (Nom.Sg. / Akk.Sg. / 3.Sg.Med.Präs.)

hitvā tu sarvasaṃkalpān sattve cittaṃ niveśayet; sattve cittaṃ samāveśya tataḥ kālaṃjaro bhavet

Hat er aber alle Vorsätze aufgegeben, so soll er den Geist auf Sattva richten; hat er den Geist in Sattva versenkt, dann wird er zum Bezwinger der Zeit.

Wort für Wort
hitvā tu sarvasaṃkalpān
alle Vorsätze aber aufgegeben habend (Absolutiv / Akk.Pl.)
sattve cittaṃ niveśayet
auf Sattva den Geist richten soll er (Lok.Sg. / Akk.Sg. / 3.Sg.Opt.Kaus.)
sattve cittaṃ samāveśya
in Sattva den Geist versenkt habend (Absolutiv)
tataḥ kālaṃjaraḥ bhavet
dann werde er ein Zeitbezwinger (Adv. / Nom.Sg. / 3.Sg.Opt.)

kālaṃjara: wörtlich etwa ‚der die Zeit altern lässt‘.

cittaprasādena yatir jahāti hi śubhāśubham; prasannātmātmani sthitvā sukham ānantyam aśnute

Durch Klarheit des Geistes lässt der Asket Gutes wie Schlechtes hinter sich; mit klarem Selbst im Selbst verharrend erlangt er unendliches Glück.

Wort für Wort
cittaprasādena yatiḥ
durch Klarheit des Geistes der Asket (Instr.Sg. / Nom.Sg.)
jahāti hi śubhāśubham
lässt ja Gutes und Schlechtes zurück (3.Sg.Präs. / Akk.Sg.n.)
prasannātmā ātmani sthitvā
mit klarem Selbst im Selbst verharrend (Nom.Sg. / Lok.Sg. / Absolutiv)
sukham ānantyam aśnute
erlangt Glück ohne Ende (Akk.Sg. / Akk.Sg. / 3.Sg.Med.Präs.)

lakṣaṇaṃ tu prasādasya yathā tṛptaḥ sukhaṃ svapet; nivāte vā yathā dīpo dīpyamāno na kampate

Das Kennzeichen der Klarheit aber [ist]: wie ein Gesättigter glücklich schläft, oder wie eine Lampe an einem windstillen Ort brennend nicht flackert.

Wort für Wort
lakṣaṇaṃ tu prasādasya
das Kennzeichen aber der Klarheit (Nom.Sg.n. / Gen.Sg.)
yathā tṛptaḥ sukhaṃ svapet
wie ein Gesättigter glücklich schlafen mag (Nom.Sg. / Adv. / 3.Sg.Opt.)
nivāte vā yathā dīpaḥ
oder wie an windstillem Ort eine Lampe (Lok.Sg.n. / Nom.Sg.)
dīpyamānaḥ na kampate
brennend nicht zittert (Part.Präs.Med. / 3.Sg.Präs.)

evaṃ pūrvāpare rātre yuñjann ātmānam ātmanā; sattvāhāraviśuddhātmā paśyaty ātmānam ātmani

So sieht er, wenn er in der ersten und der letzten Nachtwache sich durch sich selbst versenkt und sein Selbst durch reine Nahrung [bzw. Sattva und Nahrung] geläutert ist, das Selbst im Selbst.

Wort für Wort
evaṃ pūrvāpare rātre
so in der ersten und der letzten Nacht[wache] (Lok.Du.)
yuñjan ātmānam ātmanā
sich versenkend/übend, das Selbst durch das Selbst (Part.Präs. / Akk.Sg. / Instr.Sg.)
sattvāhāraviśuddhātmā
dessen Selbst durch Sattva und Nahrung / reine Nahrung geläutert ist (Nom.Sg., Bahuvrīhi) [?]
paśyati ātmānam ātmani
sieht das Selbst im Selbst (3.Sg.Präs. / Akk.Sg. / Lok.Sg.)

rahasyaṃ sarvavedānām anaitihyam anāgamam; ātmapratyayikaṃ śāstram idaṃ putrānuśāsanam

Das Geheimnis aller Veden, nicht auf Hörensagen, nicht auf Überlieferung beruhend, eine Lehre, die auf Selbsterfahrung gründet: dies ist die Belehrung des Sohnes.

Wort für Wort
rahasyaṃ sarvavedānām
das Geheimnis aller Veden (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.)
anaitihyam anāgamam
nicht auf Hörensagen, nicht auf Überlieferung [beruhend] (Nom.Sg.n.)
ātmapratyayikaṃ śāstram
Lehre, die auf dem Selbst als Gewissheit beruht (Nom.Sg.n.)
idaṃ putrānuśāsanam
dies [ist] die Unterweisung des Sohnes (Nom.Sg.n.)

dharmākhyāneṣu sarveṣu satyākhyāneṣu yad vasu; daśedam ṛk sahasrāṇi nirmathyāmṛtam uddhṛtam

In allen Darlegungen des Dharma und der Wahrheit, was darin der Schatz ist: Zehntausend Verse sind, den Unsterblichkeitstrank aufgequirlt, herausgezogen worden.

Wort für Wort
dharmākhyāneṣu sarveṣu
in allen Darlegungen des Dharma (Lok.Pl.)
satyākhyāneṣu yat vasu
in den Darlegungen der Wahrheit, was Schatz ist (Lok.Pl. / Nom.Sg.n.)
daśa idam ṛk sahasrāṇi
zehn Tausend dieser Verse (Nom.Pl.n.)
nirmathya amṛtam uddhṛtam
aufgequirlt, das Unsterbliche herausgezogen (Absolutiv / Akk.Sg. / Part.Pass.)

idam ṛk: Text schwierig; ‚daśedam ṛk sahasrāṇi‘ als ‚zehntausend Verse‘ gefasst [?].

navanītaṃ yathā dadhnaḥ kāṣṭhād agnir yathaiva ca; tathaiva viduṣāṃ jñānaṃ putrahetoḥ samuddhṛtam; snātakānām idaṃ śāstraṃ vācyaṃ putrānuśāsanam

Wie Butter aus Dickmilch und wie Feuer aus Holz, so ist das Wissen der Kundigen um des Sohnes willen herausgezogen worden; den Snātakas ist diese Lehre, die Unterweisung des Sohnes, mitzuteilen.

Wort für Wort
navanītaṃ yathā dadhnaḥ
wie Butter aus Dickmilch (Nom.Sg.n. / Abl.Sg.)
kāṣṭhāt agniḥ yathā eva ca
und wie Feuer aus Holz (Abl.Sg. / Nom.Sg.)
tathā eva viduṣām jñānam
ebenso das Wissen der Kundigen (Gen.Pl. / Nom.Sg.n.)
putrahetoḥ samuddhṛtam
um des Sohnes willen herausgezogen (Abl./Gen.Sg. / Part.Pass.)
snātakānām idaṃ śāstraṃ vācyam
den Snātakas ist diese Lehre zu sagen (Gen.Pl. / Nom.Sg.n. / Gerundiv)
putrānuśāsanam
die Unterweisung des Sohnes (Nom.Sg.n.)

tad idaṃ nāpraśāntāya nādāntāyātapasvine; nāvedaviduṣe vācyaṃ tathā nānugatāya ca

Dies ist nicht dem Unberuhigten, nicht dem Ungezähmten, nicht dem, der keine Askese übt, nicht dem, der die Veden nicht kennt, und ebenso nicht dem Unergebenen mitzuteilen.

Wort für Wort
tat idaṃ na apraśāntāya
dies nicht dem Unberuhigten (Dat.Sg.)
na adāntāya atapasvine
nicht dem Ungezähmten, nicht dem Asketenlosen (Dat.Sg.)
na avedaviduṣe vācyam
nicht dem Veda-Unkundigen zu sagen (Dat.Sg. / Gerundiv)
tathā na anugatāya ca
und ebenso nicht dem Nichtergebenen (Dat.Sg.)

nāsūyakāyānṛjave na cānirdiṣṭakāriṇe; na tarkaśāstradagdhāya tathaiva piśunāya ca

Nicht dem Missgünstigen, nicht dem Unaufrichtigen, nicht dem, der nicht nach Weisung handelt, nicht dem, der von der Streitlehre [Tarka] verbrannt ist, und ebenso nicht dem Verleumder.

Wort für Wort
na asūyakāya anṛjave
nicht dem Missgünstigen, dem Unaufrichtigen (Dat.Sg.)
na ca anirdiṣṭakāriṇe
und nicht dem, der nicht nach Weisung handelt (Dat.Sg.)
na tarkaśāstradagdhāya
nicht dem von der Streit-/Vernunftlehre Verbrannten (Dat.Sg.)
tathā eva piśunāya ca
und ebenso dem Verleumder (Dat.Sg.)

ślāghate ślāghanīyāya praśāntāya tapasvine; idaṃ priyāya putrāya śiṣyāyānugatāya ca; rahasyadharmaṃ vaktavyaṃ nānyasmai tu kathaṃ cana

Man rühme [es] dem Rühmenswerten, dem Beruhigten, dem Asketen; dem lieben Sohn und dem ergebenen Schüler ist die Geheimlehre des Dharma zu sagen, keinem anderen in keiner Weise.

Wort für Wort
ślāghate ślāghanīyāya
er rühmt/soll rühmen, dem Rühmenswerten (3.Sg.Med.Präs. / Dat.Sg.) [?]
praśāntāya tapasvine
dem Beruhigten, dem Asketen (Dat.Sg.)
idaṃ priyāya putrāya
dies dem lieben Sohn (Dat.Sg.)
śiṣyāya anugatāya ca
und dem ergebenen Schüler (Dat.Sg.)
rahasyadharmaṃ vaktavyam
die Geheimlehre ist zu sagen (Akk.Sg. / Gerundiv)
na anyasmai tu kathaṃ cana
keinem anderen aber irgendwie (Dat.Sg.)

Der erste Halbvers ist syntaktisch schwierig (ślāghate mit Dativ); Wiedergabe unsicher.

yady apy asya mahīṃ dadyād ratnapūrṇām imāṃ naraḥ; idam eva tataḥ śreya iti manyeta tattvavit

Auch wenn ein Mann ihm diese mit Juwelen gefüllte Erde schenkte, so würde der Wahrheitskenner denken: Eben dies [Wissen] ist besser.

Wort für Wort
yadi api asya mahīṃ dadyāt
auch wenn er ihm die Erde gäbe (Konj. / Gen./Dat. / Akk.Sg. / 3.Sg.Opt.)
ratnapūrṇām imām naraḥ
diese mit Juwelen gefüllte, ein Mann (Akk.Sg.f. / Nom.Sg.)
idam eva tataḥ śreyaḥ
eben dies ist besser als das (Nom.Sg.n. / Adv. / Nom.Sg.n.)
iti manyeta tattvavit
so würde der Wahrheitskenner meinen (Zitatpartikel / 3.Sg.Opt.Med. / Nom.Sg.)

asya bleibt unbestimmt (‚ihm‘ = dem Lehrer/Wissenden [?]).

ato guhyatarārthaṃ tad adhyātmam atimānuṣam; yat tan maharṣibhir dṛṣṭaṃ vedānteṣu ca gīyate; tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi

Darum: Das ist von noch geheimerem Sinn, das Höhere-Selbst-Wissen, übermenschlich, das von den großen Sehern geschaut und in den Vedānta-Texten gesungen wird; das werde ich dir vortragen, worüber du mich befragst.

Wort für Wort
ataḥ guhyatarārtham tat
daher von noch geheimerem Sinn, dies (Adv. / Nom.Sg.n.)
adhyātmam atimānuṣam
Selbstlehre, übermenschlich (Nom.Sg.n.)
yat tat maharṣibhiḥ dṛṣṭam
was von den großen Sehern geschaut wurde (Instr.Pl. / Part.Pass.)
vedānteṣu ca gīyate
und in den Vedānta-Texten gesungen wird (Lok.Pl. / 3.Sg.Pass.)
tat te aham saṃpravakṣyāmi
das werde ich dir verkünden (Dat.Sg. / 1.Sg.Fut.)
yat mām tvam paripṛcchasi
was du mich fragst (Akk.Sg. / 2.Sg.Präs.)

yac ca te manasi vartate paraṃ; yatra cāsti tava saṃśayaḥ kva cit; śrūyatām ayam ahaṃ tavāgrataḥ; putra kiṃ hi kathayāmi te punaḥ

Und was dir im Geist als Höheres liegt und worin dir irgendein Zweifel besteht – das soll gehört werden; hier bin ich vor dir. Sohn, was soll ich dir denn noch sagen?

Wort für Wort
yat ca te manasi vartate param
und was dir im Geist Höheres besteht (Nom.Sg.n. / Gen./Dat. / Lok.Sg. / 3.Sg.Med.Präs.)
yatra ca asti tava saṃśayaḥ kva cit
und worin irgendein Zweifel dir ist (Lok. / 3.Sg.Präs. / Nom.Sg.)
śrūyatām ayam aham tava agrataḥ
es werde gehört; ich, hier, vor dir (3.Sg.Imp.Pass. / Nom.Sg.)
putra kiṃ hi kathayāmi te punaḥ
Sohn, was denn soll ich dir noch sagen (Vok. / 1.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Bezug des ersten Halbverses unsicher.

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