Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 209: svapnanirūpaṇam Vom Wesen des Traums, den Guṇas und dem Weg zum höchsten Brahman

Der Lehrer belehrt über das Meiden des Schlafes für den Keuschheitsübenden und erklärt den Traum als Wirken des Geistes bei ruhenden Sinnen; danach folgt die Einordnung der drei Guṇas als göttlich bzw. asurisch und der Hinweis auf das erkennbare Brahman.

gurur uvāca; niṣkalmaṣaṃ brahmacaryam icchatā carituṃ sadā; nidrā sarvātmanā tyājyā svapnadoṣān avekṣatā

Der Lehrer sprach: „Wer stets makellose Keuschheit (brahmacarya) zu üben wünscht, muss den Schlaf mit seinem ganzen Wesen aufgeben, indem er die Fehler des Traums bedenkt.“

Wort für Wort
gurur uvāca
der Lehrer sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
niṣkalmaṣaṃ brahmacaryam
makellose Keuschheit/Brahmacarya (Akk.Sg.n.)
icchatā carituṃ sadā
vom Wünschenden, [sie] stets zu üben (Instr.Sg.Part.; Inf.)
nidrā sarvātmanā tyājyā
der Schlaf ist mit ganzem Wesen aufzugeben (Nom.Sg.f.; Instr.; Gerundiv)
svapnadoṣān avekṣatā
vom die Fehler des Traums Beachtenden (Akk.Pl.; Instr.Sg.Part.)

svapne hi rajasā dehī tamasā cābhibhūyate; dehāntaram ivāpannaś caraty apagatasmṛtiḥ

Im Traum nämlich wird der Verkörperte von Rajas und Tamas überwältigt; wie in einen anderen Körper gelangt, wandelt er umher, der Erinnerung beraubt.

Wort für Wort
svapne hi
im Traum nämlich (Lok.Sg.)
rajasā dehī tamasā ca
vom Rajas und vom Tamas [wird] der Verkörperte (Instr.; Nom.Sg.)
abhibhūyate
überwältigt (Pass.3.Sg.)
dehāntaram ivāpannaḥ
wie in einen anderen Körper gelangt (Akk.Sg.n.; Part.Perf.Pass. Nom.)
caraty apagatasmṛtiḥ
wandelt er umher, erinnerungslos (3.Sg.Präs.; Bahuvrīhi Nom.Sg.)

jñānābhyāsāj jāgarato jijñāsārtham anantaram; vijñānābhiniveśāt tu jāgaraty aniśaṃ sadā

Wer durch Übung des Wissens wach ist, [ist es] sodann zum Zweck des Erforschens; aus der Hingabe an die Erkenntnis aber ist er unaufhörlich, allezeit wach.

Wort für Wort
jñānābhyāsāj jāgarataḥ
durch Übung des Wissens vom Wachenden (Abl.Sg.; Gen.Sg.Part.)
jijñāsārtham anantaram
zum Zweck des Erkennenwollens, unmittelbar danach (Adv.; Adv.)
vijñānābhiniveśāt tu
aber aus der Hinwendung/Versenkung in die Erkenntnis (Abl.Sg.)
jāgaraty aniśaṃ sadā
ist er wach, unaufhörlich, allezeit (3.Sg.Präs.; Adv.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch nicht eindeutig; Subjekt und Verhältnis der beiden Halbverse sind ergänzt.

atrāha ko nv ayaṃ bhāvaḥ svapne viṣayavān iva; pralīnair indriyair dehī vartate dehavān iva

Hierzu [fragt man]: „Was ist dieser Zustand im Traum, der gleichsam Sinnesobjekte hat? Während die Sinne aufgelöst sind, weilt der Verkörperte gleichsam körperhaft.“

Wort für Wort
atrāha
hierzu spricht [man] (3.Sg.Perf.)
ko nv ayaṃ bhāvaḥ
was ist wohl dieser Zustand (Nom.Sg.m.)
svapne viṣayavān iva
im Traum gleichsam mit Sinnesobjekten (Lok.; Nom.Sg.m.)
pralīnair indriyair
bei aufgelösten Sinnen (Instr.Pl.; Abl.abs.-artig)
dehī vartate dehavān iva
der Verkörperte weilt gleichsam körperhaft (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)

atrocyate yathā hy etad veda yogeśvaro hariḥ; tathaitad upapannārthaṃ varṇayanti maharṣayaḥ

Hierzu wird gesagt: So, wie Hari, der Herr der Yogis, dies weiß, so legen es die großen Seher als in der Sache stimmig dar.

Wort für Wort
atrocyate
hierzu wird gesagt (Pass.3.Sg.)
yathā hy etad veda
wie er dies nämlich weiß (3.Sg.Perf.)
yogeśvaro hariḥ
Hari, der Herr der Yoga-Übenden (Nom.Sg.)
tathaitad upapannārthaṃ
so [ist] dies sachlich schlüssig (Bahuvrīhi Akk.Sg.n.)
varṇayanti maharṣayaḥ
legen dar die großen Seher (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

indriyāṇāṃ śramāt svapnam āhuḥ sarvagataṃ budhāḥ

Aus der Ermüdung der Sinne, sagen die Weisen, [entsteht] der Traum, der alles durchdringt.

Wort für Wort
indriyāṇāṃ śramāt
aus der Ermüdung der Sinne (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
svapnam āhuḥ
den Traum nennen sie (Akk.Sg.; 3.Pl.Perf.)
sarvagataṃ budhāḥ
alldurchdringend, die Weisen (Akk.Sg.n.; Nom.Pl.)

tanmayānīndriyāṇy āhus tāvad gacchanti tāni vai; atrāhus tritayaṃ nityam atathyam iti cec ca na; prathame vartamāno 'sau tritayaṃ vetti sarvadā; netarāv upasaṃgamya vijānāti kathaṃ cana; svapnāvasthāgato hy eṣa svapna ity eva vetti ca; tad apy asadṛśaṃ yuktyā tritayaṃ mohalakṣaṇam; yadātmatritayān muktas tadā jānāty asatkṛtaḥ

Sie sagen, die Sinne seien davon durchdrungen [tanmaya], und sie gehen nur so weit. Hierzu sagen sie: „Die Dreiheit [der Zustände] ist stets unwahr.“ – Wenn [man so meint], so ist es nicht [so]. Der im ersten [Zustand] Weilende kennt die Dreiheit allezeit; die beiden anderen erreicht er nie und erkennt sie in keiner Weise. Im Traumzustand befindlich, erkennt er nur „Traum“; auch das ist der Vernunft nach nicht stimmig [?]; die Dreiheit ist Kennzeichen der Verblendung. Wenn er von der Dreiheit des Selbst befreit ist, dann erkennt er, [von ihr] unbeeinträchtigt [?].

Wort für Wort
tanmayānīndriyāṇy āhus tāvad gacchanti tāni vai
aus jenem bestehend seien die Sinne, sagen sie; soweit gehen sie (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Perf.; 3.Pl.Präs.)
atrāhus tritayaṃ nityam atathyam iti cec ca na
hierzu sagen sie: die Dreiheit sei stets unwahr; wenn [man das meint], so [ist es] nicht [so]
prathame vartamāno 'sau tritayaṃ vetti sarvadā
der im ersten Weilende kennt die Dreiheit allezeit (Lok.Sg.; Part.Nom.; 3.Sg.Präs.)
netarāv upasaṃgamya vijānāti kathaṃ cana
die beiden anderen nie erreichend, erkennt er sie in keiner Weise (Akk.Du.; Abs.)
svapnāvasthāgato hy eṣa svapna ity eva vetti ca
im Traumzustand befindlich erkennt er nur „Traum“ (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
tad apy asadṛśaṃ yuktyā tritayaṃ mohalakṣaṇam
auch das ist der Vernunft nach unpassend; die Dreiheit hat Verblendung als Kennzeichen (Instr.Sg.; Nom.Sg.n.)
yadātmatritayān muktas tadā jānāty asatkṛtaḥ
wenn von der Selbst-Dreiheit befreit, dann erkennt er, unbeeinträchtigt [?] (Abl.Sg.; Nom.Sg.m.Part.; 3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text und Sinn (besonders tritaya, asatkṛta, atathya) unsicher.

manasas tu pralīnatvāt tat tad āhur nidarśanam

Und wegen der Auflösung des Geistes führen sie dies und jenes als Beispiel an.

Wort für Wort
manasas tu pralīnatvāt
wegen der Aufgelöstheit des Geistes aber (Gen.Sg.; Abl.Sg.)
tat tad āhur
dies und jenes sagen sie (3.Pl.Perf.)
nidarśanam
als Beispiel (Akk.Sg.n.)

kāryavyāsaktamanasaḥ saṃkalpo jāgrato hy api; yadvan manorathaiśvaryaṃ svapne tadvan manogatam

Auch beim Wachenden gibt es Vorstellung, dessen Geist in ein Geschäft vertieft ist; wie die Herrschaft der Wunschträume, so ist im Traum das im Geist Befindliche.

Wort für Wort
kāryavyāsaktamanasaḥ
dessen Geist an ein Geschäft geheftet ist (Bahuvrīhi Gen.Sg.)
saṃkalpo jāgrato hy api
Vorstellung [ist da], auch beim Wachenden (Nom.Sg.; Gen.Sg.Part.)
yadvan manorathaiśvaryaṃ
wie die Herrschaft der Wunschgebilde (Nom.Sg.n.)
svapne tadvan manogatam
im Traum ebenso das im Geist Befindliche (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.)

saṃsārāṇām asaṃkhyānāṃ kāmātmā tad avāpnuyāt; manasy antarhitaṃ sarvaṃ veda sottamapūruṣaḥ

Der von Begierde bestimmte [Mensch] könnte dies aus zahllosen Kreisläufen des Daseins erlangen. Im Geist verborgen weiß alles jener höchste Puruṣa [?].

Wort für Wort
saṃsārāṇām asaṃkhyānām
von den zahllosen Daseinskreisläufen (Gen.Pl.)
kāmātmā tad avāpnuyāt
der Begierdenwesen erlangte jenes (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
manasy antarhitaṃ sarvaṃ
im Geist verborgen alles (Lok.Sg.; Part. Akk.Sg.n.)
veda sottamapūruṣaḥ
weiß der (sa) höchste Person (3.Sg.Perf.; Nom.Sg.)

Sinn des Halbverses unsicher.

guṇānām api yad yat tat karma jānāty upasthitam; tat tac chaṃsanti bhūtāni mano yad bhāvitaṃ yathā

Auch was immer von den Guṇas als Handlung ansteht, das weiß er als gegenwärtig; das verkünden die Wesen, so wie der Geist jeweils geprägt ist.

Wort für Wort
guṇānām api yad yat
auch was immer von den Guṇas (Gen.Pl.)
tat karma jānāty upasthitam
jene Handlung kennt er als bevorstehend/gegenwärtig (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.; Part.)
tat tac chaṃsanti bhūtāni
jedes solche verkünden die Wesen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
mano yad bhāvitaṃ yathā
wie der Geist geprägt/gestaltet ist (Nom.Sg.; Part.Pass.)

tatas tam upavartante guṇā rājasatāmasāḥ; sāttviko vā yathāyogam ānantaryaphalodayaḥ

Dann treten die rajasischen und tamasischen Guṇas an ihn heran, oder das sattvische, je nach Fügung, mit unmittelbar folgender Entfaltung der Frucht.

Wort für Wort
tatas tam upavartante
dann treten an ihn heran (3.Pl.Med.)
guṇā rājasatāmasāḥ
die Guṇas, rajasische und tamasische (Nom.Pl.m.)
sāttviko vā yathāyogam
oder der sattvische, je nach Fügung (Nom.Sg.m.; Adv.)
ānantaryaphalodayaḥ
mit sofortigem Aufgehen der Frucht (Bahuvrīhi Nom.Sg.m.)

tataḥ paśyaty asaṃbaddhān vātapittakaphottarān; rajastamobhavair bhāvais tad apy āhur duranvayam

Dann sieht er unzusammenhängende [Dinge], bei denen Wind, Galle und Schleim überwiegen, aus Zuständen, die aus Rajas und Tamas entstanden sind; auch das, sagen sie, ist schwer nachzuvollziehen.

Wort für Wort
tataḥ paśyaty asaṃbaddhān
dann sieht er Unzusammenhängendes (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.m.)
vātapittakaphottarān
bei denen Wind, Galle, Schleim überwiegen (Bahuvrīhi Akk.Pl.)
rajastamobhavair bhāvais
durch aus Rajas und Tamas entstandene Zustände (Instr.Pl.)
tad apy āhur duranvayam
auch das nennen sie schwer zu verfolgen (3.Pl.Perf.; Akk.Sg.n.)

prasannair indriyair yad yat saṃkalpayati mānasam; tat tat svapne 'py uparate manodṛṣṭir nirīkṣate

Was immer der Geist durch heitere [klare] Sinne erdenkt, das erblickt das Geistesauge auch im Traum, wenn [die Sinne] zur Ruhe gekommen sind.

Wort für Wort
prasannair indriyair
durch klare Sinne (Instr.Pl.)
yad yat saṃkalpayati mānasam
was immer sich der Geist vorstellt (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)
tat tat svapne 'py uparate
eben das auch im Traum, wenn er aufgehört hat (Lok.Sg.; Part.Lok.)
manodṛṣṭir nirīkṣate
das Geistessehen erblickt (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Med.)

vyāpakaṃ sarvabhūteṣu vartate 'pratighaṃ manaḥ; manasy antarhitaṃ dvāraṃ deham āsthāya mānasam

Der Geist durchdringt alle Wesen und wirkt ohne Widerstand; im Geist verborgen ist die Tür, [wenn er] den Körper bezogen hat, das Geistige.

Wort für Wort
vyāpakaṃ sarvabhūteṣu
alldurchdringend in allen Wesen (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.)
vartate 'pratighaṃ manaḥ
wirkt widerstandslos der Geist (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)
manasy antarhitaṃ dvāram
im Geist verborgen die Tür (Lok.Sg.; Part.; Nom.Sg.n.)
deham āsthāya mānasam
den Körper bezogen habend, das Geistige (Abs.; Nom./Akk.Sg.n.)

Syntax des zweiten Halbverses unsicher.

yat tat sadasad avyaktaṃ svapity asmin nidarśanam

Jenes, das seiend und nichtseiend, unoffenbar ist, ruht im Schlaf; hierin [liegt] das Beispiel.

Wort für Wort
yat tat sadasad avyaktaṃ
jenes, was seiend-nichtseiend, unoffenbar ist (Nom.Sg.n.)
svapity asmin
schläft/ruht darin (3.Sg.Präs.; Lok.Sg.)
nidarśanam
das Beispiel (Nom.Sg.n.)

Verständnis der Konstruktion unsicher.

vyaktabhedam atīto 'sau cinmātraṃ paridṛśyate

Über die Unterschiede des Offenbaren hinausgegangen, wird jener als bloßes Bewusstsein geschaut.

Wort für Wort
vyaktabhedam atīto 'sau
die Unterschiede des Offenbaren überschritten habend, jener (Akk.Sg.; Part. Nom.Sg.m.)
cinmātraṃ paridṛśyate
als bloßes Bewusstsein wird [er] geschaut (Akk./Adv.; Pass.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

sarvabhūtātmabhūtasthaṃ tad adhyātmaguṇaṃ viduḥ

Das in allen Wesen als Selbst Befindliche kennen sie als Eigenschaft des Adhyātma [der Selbstbezogenheit].

Wort für Wort
sarvabhūtātmabhūtastham
das im Selbst aller Wesen Weilende (Akk.Sg.n.)
tad adhyātmaguṇaṃ viduḥ
dies als adhyātma-Eigenschaft kennen sie (Akk.; 3.Pl.Perf.)

lipseta manasā yaś ca saṃkalpād aiśvaraṃ guṇam; ātmaprabhāvāt taṃ vidyāt sarvā hy ātmani devatāḥ

Wer mit dem Geist aus Vorstellung die herrscherliche Eigenschaft erlangen will, den soll man aus der Macht des Selbst erkennen; alle Gottheiten sind ja im Selbst.

Wort für Wort
lipseta manasā yaś ca
und wer zu erlangen wünscht mit dem Geist (Opt.3.Sg.Med.; Instr.Sg.)
saṃkalpād aiśvaraṃ guṇam
aus Vorstellung die herrscherliche Eigenschaft (Abl.Sg.; Akk.Sg.m.)
ātmaprabhāvāt taṃ vidyāt
aus der Macht des Selbst soll man ihn erkennen (Abl.Sg.; Opt.3.Sg.)
sarvā hy ātmani devatāḥ
alle Gottheiten [sind] ja im Selbst (Nom.Pl.f.; Lok.Sg.)

evaṃ hi tapasā yuktam arkavat tamasaḥ param; trailokyaprakṛtir dehī tapasā taṃ maheśvaram

So [ist] der mit Askese Verbundene sonnengleich jenseits der Finsternis; der Verkörperte, Urstoff der drei Welten, [erlangt] durch Askese jenen großen Herrn.

Wort für Wort
evaṃ hi tapasā yuktam
so, mit Askese verbunden (Instr.Sg.; Part. Akk.Sg.m.)
arkavat tamasaḥ param
sonnengleich jenseits der Finsternis (Adv.; Abl.Sg.)
trailokyaprakṛtir dehī
der Verkörperte, Urgrund der drei Welten (Nom.Sg.)
tapasā taṃ maheśvaram
durch Askese jenen großen Herrn (Instr.; Akk.Sg.)

Verb fehlt im Text; sinngemäß ergänzt.

tapo hy adhiṣṭhitaṃ devais tapoghnam asurais tamaḥ; etad devāsurair guptaṃ tad āhur jñānalakṣaṇam

Askese wird von den Göttern getragen; askesezerstörend ist von den Asuras die Finsternis. Dies, von Göttern und Asuras behütet, nennen sie das Kennzeichen des Wissens.

Wort für Wort
tapo hy adhiṣṭhitaṃ devaiḥ
Askese ist von den Göttern bewohnt/beherrscht (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.)
tapoghnam asurais tamaḥ
askesevernichtend von den Asuras die Finsternis (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.)
etad devāsurair guptam
dies, von Göttern und Asuras behütet (Part. Nom.Sg.n.)
tad āhur jñānalakṣaṇam
das nennen sie Kennzeichen des Wissens (3.Pl.Perf.; Akk.Sg.n.)

sattvaṃ rajas tamaś ceti devāsuraguṇān viduḥ; sattvaṃ devaguṇaṃ vidyād itarāv āsurau guṇau

Sattva, Rajas und Tamas kennt man als Guṇas der Götter und Asuras; Sattva soll man als göttliche Eigenschaft erkennen, die beiden anderen als asurische Guṇas.

Wort für Wort
sattvaṃ rajas tamaś ceti
Sattva, Rajas und Tamas
devāsuraguṇān viduḥ
als Guṇas von Göttern und Asuras kennen sie (Akk.Pl.; 3.Pl.Perf.)
sattvaṃ devaguṇaṃ vidyāt
Sattva soll man als göttliche Eigenschaft erkennen (Opt.3.Sg.)
itarāv āsurau guṇau
die beiden anderen [sind] asurische Guṇas (Nom.Du.m.)

sattvaṃ manas tathā buddhir devā ity abhiśabditāḥ; tair eva hi vṛtas tasmāj jñātvaivaṃ paramaṃ * *; nidrāvikalpena satāṃ * * viśati lokavat; svastho bhavati gūḍhātmā kaluṣaiḥ parivarjitaḥ; niśādikā ye kathitā lokānāṃ kaluṣā matāḥ; tair hīnaṃ yat puraṃ śuddhaṃ bāhyābhyantaravartinam; sadānandamayaṃ nityaṃ bhūtvā tat param anviyāt; evam ākhyātam atyarthaṃ brahmacaryam akalmaṣam; sarvasaṃyogahīnaṃ tad viṣṇvākhyaṃ paramaṃ padam; acintyam adbhutaṃ loke jñānena parivartate

Sattva, Geist und Erkenntnis werden „Götter“ genannt; von ihnen ist er umgeben; daher, dies so erkannt habend, das Höchste * *. Durch die Vorstellung [?] vom Schlaf der Guten * * dringt er ein wie ein Weltlicher. Gesund/in sich ruhend wird er, das Selbst verborgen, von Trübungen frei. Was die Weltlichen als Trübungen ansehen, mit der Nacht beginnend, davon frei, ist die reine Stadt/Wohnstatt, die Äußeres und Inneres durchwaltet; stets aus Wonne bestehend, ewig geworden, soll er dem Höchsten nachgehen. So ist die makellose Keuschheit im höchsten Maße dargelegt; frei von aller Verbindung heißt sie Viṣṇus höchster Ort; unausdenkbar, wunderbar in der Welt, verwandelt sie sich durch Wissen.

Wort für Wort
sattvaṃ manas tathā buddhir devā ity abhiśabditāḥ
Sattva, Geist und Erkenntnis heißen „Götter“ (Nom.Pl.; Part.Pass.)
tair eva hi vṛtas tasmāj jñātvaivaṃ paramaṃ * *
von eben diesen umgeben; daher dies erkannt habend, das Höchste [Lücke]
nidrāvikalpena satāṃ * * viśati lokavat
durch Schlaf-Vorstellung/-Unterscheidung [?] der Guten [Lücke] tritt er ein wie ein Weltlicher (Instr.; Gen.Pl.; 3.Sg.)
svastho bhavati gūḍhātmā kaluṣaiḥ parivarjitaḥ
in sich ruhend wird er, das Selbst verborgen, von Trübungen befreit
niśādikā ye kathitā lokānāṃ kaluṣā matāḥ
die mit der Nacht beginnenden, von den Weltlichen als Trübungen geltenden (Nom.Pl.)
tair hīnaṃ yat puraṃ śuddhaṃ bāhyābhyantaravartinam
was, von jenen frei, die reine Stadt [ist], außen und innen weilend (Akk./Nom.Sg.n.)
sadānandamayaṃ nityaṃ bhūtvā tat param anviyāt
stets aus Wonne bestehend, ewig geworden, soll er dem Höchsten folgen (Abs.; Opt.3.Sg.)
evam ākhyātam atyarthaṃ brahmacaryam akalmaṣam sarvasaṃyogahīnaṃ tad viṣṇvākhyaṃ paramaṃ padam acintyam adbhutaṃ loke jñānena parivartate
so ist die makellose Keuschheit überaus dargelegt; frei von aller Verbindung, Viṣṇu genannt, der höchste Ort, unausdenkbar, wunderbar in der Welt, wandelt sich durch Wissen (3.Sg.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücken (* *) und teils verderbtem Text; mehrere Stellen (nidrāvikalpena, puram, parivartate) unsicher.

brahma tat paramaṃ vedyam amṛtaṃ jyotir akṣaram; ye vidur bhāvitātmānas te yānti paramāṃ gatim

Jenes höchste Brahman ist zu erkennen, das Unsterbliche, das Licht, das Unvergängliche; die, die es kennen, mit geläutertem Selbst, gehen zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
brahma tat paramaṃ vedyam
jenes höchste Brahman ist zu erkennen (Nom.Sg.n.; Gerundiv)
amṛtaṃ jyotir akṣaram
das Unsterbliche, Licht, Unvergängliche (Nom.Sg.n.)
ye vidur bhāvitātmānaḥ
die es kennen, geläuterten Selbstes (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
te yānti paramāṃ gatim
die gehen zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.)

hetumac chakyam ākhyātum etāvaj jñānacakṣuṣā; pratyāhāreṇa vā śakyam avyaktaṃ brahma veditum

Mit Begründung kann so weit dargelegt werden, für das Auge des Wissens; oder durch das Zurückziehen der Sinne (pratyāhāra) kann das unoffenbare Brahman erkannt werden.

Wort für Wort
hetumac chakyam ākhyātum
mit Grund ist es möglich darzulegen (Adj.; Inf.)
etāvaj jñānacakṣuṣā
so weit, mit dem Wissensauge (Adv.; Instr.Sg.)
pratyāhāreṇa vā śakyam
oder durch Sinnenrückzug ist möglich (Instr.Sg.)
avyaktaṃ brahma veditum
das unoffenbare Brahman zu erkennen (Akk.Sg.n.; Inf.)

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