Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 169: medhāvi-pitṛ-saṃvādaḥ (satyena mṛtyujayaḥ) Der Sohn Medhāvin belehrt seinen Vater: Sogleich das Heil üben, durch Wahrheit den Tod besiegen

Yudhiṣṭhira fragt nach dem höchsten Heil in einer vom Tod bedrohten Zeit; Bhīṣma erzählt den alten Dialog zwischen einem Brahmanen und seinem Sohn Medhāvin. Der Sohn stellt dem Ideal des Hausvaters (Veda, Söhne, Opfer, Waldeinsiedelei) das sofortige Streben nach Wahrheit, Gewaltlosigkeit und Selbsterkenntnis entgegen.

yudhiṣṭhira uvāca; atikrāmati kāle 'smin sarvabhūtakṣayāvahe; kiṃ śreyaḥ pratipadyeta tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: Da diese Zeit, die allen Wesen den Untergang bringt, verstreicht: Was sollte man [da] als das Heilsamere ergreifen? Das sage mir, Großvater.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
atikrāmati kāle 'smin
während diese Zeit verstreicht (Lok. abs., 3.Sg.Präs. / Lok.)
sarvabhūtakṣayāvahe
der allen Wesen Untergang bringt (Kompositum, Lok. Sg. m.)
kiṃ śreyaḥ pratipadyeta
was Heilsameres sollte man ergreifen (Akk. n., 3.Sg.Opt. Med.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp., Dat./Gen. Sg., Vok.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; pituḥ putreṇa saṃvādaṃ tan nibodha yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: Hierzu führt man diese alte Erzählung an: das Gespräch zwischen Vater und Sohn. Höre es, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam
auch hierzu führt man diese alte Geschichte an (3.Pl.Präs., Akk. Sg. m./n.)
pituḥ putreṇa saṃvādam
das Gespräch des Vaters mit dem Sohn (Gen. Sg., Instr. Sg., Akk. Sg.)
tan nibodha yudhiṣṭhira
das höre / beachte, Yudhiṣṭhira (Imp., Vok.)

dvijāteḥ kasya cit pārtha svādhyāyaniratasya vai; babhūva putro medhāvī medhāvī nāma nāmataḥ

Einem gewissen Zweimalgeborenen, o Pārtha, der ganz dem Vedastudium ergeben war, wurde ein kluger Sohn geboren, mit Namen Medhāvin [„der Kluge“].

Wort für Wort
dvijāteḥ kasya cit pārtha
eines gewissen Zweimalgeborenen, o Pārtha (Gen. Sg., Vok.)
svādhyāyaniratasya vai
der dem Selbststudium [der Veden] ergeben war (Gen. Sg., Part.)
babhūva putro medhāvī
es wurde ein Sohn, ein kluger (Perf., Nom. Sg.)
medhāvī nāma nāmataḥ
Medhāvin mit Namen, dem Namen nach (Nom. Sg., Abl.-Adv.)

so 'bravīt pitaraṃ putraḥ svādhyāyakaraṇe ratam; mokṣadharmārthakuśalo lokatattvavicakṣaṇaḥ

Dieser Sohn sprach zu seinem Vater, der am Vedastudium Freude hatte, er, der in Erlösung und Pflichtenlehre und Nutzen kundig war und die Wahrheit der Welt zu durchschauen verstand:

Wort für Wort
so 'bravīt pitaraṃ putraḥ
dieser Sohn sagte zum Vater (Impf., Akk., Nom.)
svādhyāyakaraṇe ratam
der am Betreiben des Selbststudiums Freude hat (Akk. Sg. m., Lok.)
mokṣadharmārthakuśalaḥ
kundig in Erlösung, Dharma und Nutzen (Kompositum, Nom. Sg. m.)
lokatattvavicakṣaṇaḥ
der Wesen der Welt zu erkennen versteht (Kompositum, Nom. Sg. m.)

dhīraḥ kiṃ svit tāta kuryāt prajānan; kṣipraṃ hy āyur bhraśyate mānavānām; pitas tad ācakṣva yathārthayogaṃ; mamānupūrvyā yena dharmaṃ careyam

„Was, lieber Vater, sollte ein Standhafter, der Einsicht hat, tun? Denn rasch schwindet das Leben der Menschen. Vater, erkläre mir das der Sache gemäß und in der [rechten] Reihenfolge, so dass ich das Dharma befolgen kann.“

Wort für Wort
dhīraḥ kiṃ svit tāta kuryāt prajānan
was wohl sollte ein Standhafter, einsichtig, tun, Vater (Nom., Interrogativ, 3.Sg.Opt., Part. Nom., Vok.)
kṣipraṃ hy āyur bhraśyate mānavānām
denn rasch schwindet das Leben der Menschen (Adv., 3.Sg.Präs. Med., Gen. Pl.)
pitas tad ācakṣva yathārthayogam
Vater, das erkläre der Sache gemäß (Vok., Imp. Med., Adv.)
mamānupūrvyā yena dharmaṃ careyam
mir der Reihe nach, wodurch ich das Dharma üben könnte (Dat./Gen., Instr., 1.Sg.Opt.)

Der Vers beginnt ohne Sprecherangabe; Sprecher ist der Sohn.

pitovāca; vedān adhītya brahmacaryeṇa putra; putrān icchet pāvanārthaṃ pitṝṇām; agnīn ādhāya vidhivac ceṣṭayajño; vanaṃ praviśyātha munir bubhūṣet

Der Vater sprach: „Nachdem du im Brahmacārin-Stand die Veden studiert hast, mein Sohn, soll man Söhne wünschen zur Läuterung der Ahnen; nachdem man die Feuer [rituell] angelegt hat, wie es sich gehört, [und] Opfer dargebracht hat, soll man in den Wald gehen und dann ein Weiser werden wollen.“

Wort für Wort
pitovāca
der Vater sprach (Perf.)
vedān adhītya brahmacaryeṇa putra
die Veden studiert habend im Brahmacarya, Sohn (Akk. Pl., Abs., Instr., Vok.)
putrān icchet pāvanārthaṃ pitṝṇām
Söhne soll man wünschen zur Läuterung der Ahnen (Akk. Pl., 3.Sg.Opt., Gen. Pl.)
agnīn ādhāya vidhivac ceṣṭayajñaḥ
die Feuer angelegt habend, regelgemäß, Opfer vollzogen habend (Akk. Pl., Abs., Adv., Nom. Sg.)
vanaṃ praviśyātha munir bubhūṣet
in den Wald eingetreten, dann wolle er Weiser werden (Akk., Abs., Opt. Des.)

putra uvāca; evam abhyāhate loke samantāt parivārite; amoghāsu patantīṣu kiṃ dhīra iva bhāṣase

Der Sohn sprach: „Wenn die Welt so getroffen und ringsum eingeschlossen ist und die unfehlbaren [Tage und Nächte] dahinsinken, was redest du wie ein Standhafter?“

Wort für Wort
putra uvāca
der Sohn sprach (Perf.)
evam abhyāhate loke
während die Welt so getroffen ist (Adv., Lok. abs., Part.)
samantāt parivārite
ringsum umzingelt (Adv., Part. Lok.)
amoghāsu patantīṣu
während die Unfehlbaren fallen [dahingehen] (Lok. Pl. f., Part.)
kiṃ dhīra iva bhāṣase
was sprichst du wie ein Standhafter (Interrogativ, Nom., Partikel, 2.Sg.Präs. Med.)

„amoghāsu“ ohne Substantiv; aus 9 sind die Tage und Nächte zu ergänzen.

pitovāca; katham abhyāhato lokaḥ kena vā parivāritaḥ; amoghāḥ kāḥ patantīha kiṃ nu bhīṣayasīva mām

Der Vater sprach: „Wodurch ist die Welt getroffen, oder von wem ist sie umzingelt? Welche [Unfehlbaren] fallen hier dahin? Warum willst du mir wohl Angst machen?“

Wort für Wort
pitovāca
der Vater sprach (Perf.)
katham abhyāhato lokaḥ
wie ist die Welt getroffen (Adv., Part. Nom., Nom.)
kena vā parivāritaḥ
oder von wem umzingelt (Instr., Part. Nom.)
amoghāḥ kāḥ patantīha
welche Unfehlbaren fallen hier (Nom. Pl. f., Interrogativ, 3.Pl.Präs.)
kiṃ nu bhīṣayasīva mām
warum machst du mir wohl Angst (Interrogativ, 2.Sg.Kaus., Akk.)

putra uvāca; mṛtyunābhyāhato loko jarayā parivāritaḥ; ahorātrāḥ patanty ete nanu kasmān na budhyase

Der Sohn sprach: „Vom Tod ist die Welt getroffen, vom Alter ist sie umzingelt. Diese Tage und Nächte fallen dahin. Warum begreifst du das nicht?“

Wort für Wort
putra uvāca
der Sohn sprach (Perf.)
mṛtyunābhyāhato lokaḥ
vom Tod getroffen ist die Welt (Instr., Part., Nom.)
jarayā parivāritaḥ
vom Alter umzingelt (Instr., Part.)
ahorātrāḥ patanty ete
diese Tage-und-Nächte fallen dahin (Nom. Pl., 3.Pl.Präs.)
nanu kasmān na budhyase
warum wachst du nicht auf / begreifst du nicht (Partikel, Abl., Neg., 2.Sg.Präs. Med.)

amoghā rātrayaś cāpi nityam āyānti yānti ca

Auch die unfehlbaren Nächte kommen stets und gehen.

Wort für Wort
amoghā rātrayaś cāpi
auch unfehlbare Nächte (Nom. Pl. f.)
nityam
stets (Adv.)
āyānti yānti ca
kommen und gehen (3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (nur in einem Teil der Handschriften).

yadāham etaj jānāmi na mṛtyus tiṣṭhatīti ha; so 'haṃ kathaṃ pratīkṣiṣye jālenāpihitaś caran

„Da ich dies weiß, dass der Tod nicht stillsteht – wie könnte ich abwarten, ich, der ich, von einem Netz umhüllt, umhergehe?“

Wort für Wort
yadāham etaj jānāmi
da ich dies weiß (Konj., 1.Sg.Präs.)
na mṛtyus tiṣṭhatīti ha
dass der Tod nicht stehen bleibt (Neg., Nom., 3.Sg.Präs., Partikel)
so 'haṃ kathaṃ pratīkṣiṣye
als solcher, wie sollte ich warten (Nom., Adv., 1.Sg.Fut. Med.)
jālenāpihitaś caran
vom Netz bedeckt umhergehend (Instr., Part. Nom., Part. Präs.)

rātryāṃ rātryāṃ vyatītāyām āyur alpataraṃ yadā; gādhodake matsya iva sukhaṃ vindeta kas tadā

„Wenn mit jeder vergehenden Nacht das Leben kürzer wird, wer fände dann Behagen, wie ein Fisch in seichtem Wasser?“

Wort für Wort
rātryāṃ rātryāṃ vyatītāyām
wenn Nacht um Nacht vergangen ist (Lok. abs., Part.)
āyur alpataraṃ yadā
wenn das Leben kürzer [ist] (Nom. n., Komp., Konj.)
gādhodake matsya iva
wie ein Fisch im seichten Wasser (Lok., Nom., Partikel)
sukhaṃ vindeta kas tadā
Glück fände wer dann (Akk., 3.Sg.Opt. Med., Interrogativ, Adv.)

yām eva rātriṃ prathamāṃ garbho bhajati mātaram; tām eva rātriṃ prasthāti maraṇāya nivartakaḥ; yasyāṃ rātryāṃ vyatītāyāṃ na kiṃ cic chubham ācaret

In der allerersten Nacht, in der der Keim zur Mutter kommt, in eben dieser Nacht bricht er auf zum Sterben, er, der wieder zurückkehrt; in einer Nacht, nach deren Vergehen man nichts Heilsames getan hat,

Wort für Wort
yām eva rātriṃ prathamāṃ
in eben der ersten Nacht (Akk. der Zeit, Rel.)
garbho bhajati mātaram
der Keim sich der Mutter zuwendet (Nom., 3.Sg.Präs., Akk.)
tām eva rātriṃ prasthāti
in eben dieser Nacht bricht er auf (Akk. der Zeit, 3.Sg.Präs.)
maraṇāya nivartakaḥ
zum Sterben, [er] der zurückkehrt (Dat., Nom.) [?]
yasyāṃ rātryāṃ vyatītāyām
nach dem Vergehen welcher Nacht (Lok. abs.)
na kiṃ cic chubham ācaret
nichts Heilsames getan hat / tun würde (Neg., Akk., 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der Satz wird in der folgenden Einheit fortgesetzt („diesen Tag soll man für unfruchtbar halten“).

tad eva vandhyaṃ divasam iti vidyād vicakṣaṇaḥ

[so] soll der Einsichtige jenen Tag für unfruchtbar halten.

Wort für Wort
tad eva vandhyaṃ divasam
eben jenen Tag als unfruchtbar (Akk. Sg. m.)
iti vidyād vicakṣaṇaḥ
so soll der Einsichtige wissen (3.Sg.Opt., Nom.)

Fortsetzung von 169.011*0466; Text stellenweise unsicher.

anavāpteṣu kāmeṣu mṛtyur abhyeti mānavam; śaṣpāṇīva vicinvantam anyatragatamānasam; vṛkīvoraṇam āsādya mṛtyur ādāya gacchati

Wenn die Wünsche unerfüllt sind, kommt der Tod zum Menschen, der wie einer, der Gräser aufliest, mit seinen Gedanken anderswohin gerichtet ist; wie eine Wölfin, die ein Schaf packt, nimmt der Tod ihn und geht davon.

Wort für Wort
anavāpteṣu kāmeṣu
während die Wünsche unerreicht sind (Lok. abs.)
mṛtyur abhyeti mānavam
der Tod kommt zum Menschen (Nom., 3.Sg.Präs., Akk.)
śaṣpāṇīva vicinvantam
der wie Gräser [Blumen] aufliest (Akk. Pl., Part. Akk.)
anyatragatamānasam
dessen Sinn anderswohin gegangen ist (Kompositum, Akk. Sg.)
vṛkīvoraṇam āsādya
wie eine Wölfin ein Schaf erreicht habend (Nom. f., Akk., Abs.)
mṛtyur ādāya gacchati
der Tod nimmt und geht (Nom., Abs., 3.Sg.Präs.)

adyaiva kuru yac chreyo mā tvā kālo 'tyagād ayam; akṛteṣv eva kāryeṣu mṛtyur vai saṃprakarṣati

„Tu noch heute, was heilsam ist; dass diese Zeit dich nicht überschreite! Solange die Aufgaben noch nicht getan sind, zieht der Tod [den Menschen] gewiss fort.“

Wort für Wort
adyaiva kuru yac chreyaḥ
noch heute tu, was das Heilsame ist (Adv., Imp., Rel.)
mā tvā kālo 'tyagād ayam
dass diese Zeit dich nicht überschreite (Prohibitiv, Akk., Nom., Aor.)
akṛteṣv eva kāryeṣu
während die Aufgaben noch ungetan sind (Lok. abs.)
mṛtyur vai saṃprakarṣati
der Tod zieht ja fort (Nom., Partikel, 3.Sg.Präs.)

śvaḥkāryam adya kurvīta pūrvāhṇe cāparāhṇikam; na hi pratīkṣate mṛtyuḥ kṛtaṃ vāsya na vā kṛtam

Was für morgen [bestimmt] ist, tue man heute, und was für den Nachmittag, am Vormittag; denn der Tod wartet nicht darauf, ob es von ihm getan oder nicht getan ist.

Wort für Wort
śvaḥkāryam adya kurvīta
was morgen zu tun ist, tue man heute (Akk., Adv., 3.Sg.Opt. Med.)
pūrvāhṇe cāparāhṇikam
am Vormittag, was dem Nachmittag gehört (Lok., Akk.)
na hi pratīkṣate mṛtyuḥ
denn nicht wartet der Tod (Neg., 3.Sg.Präs. Med., Nom.)
kṛtaṃ vāsya na vā kṛtam
ob von diesem getan oder nicht getan (Part. n., Gen. Sg., Part.)

„vāsya“: vā + asya; „asya“ bezieht sich auf den Menschen [?].

niyato dehināṃ mṛtyur animittaṃ hi jīvitam

Für die Leibträger ist der Tod gewiss, das Leben aber ohne [feste] Ursache.

Wort für Wort
niyato dehināṃ mṛtyuḥ
gewiss ist für die Verkörperten der Tod (Nom. Sg. m., Gen. Pl., Nom.)
animittaṃ hi jīvitam
denn ohne Grund [unberechenbar] ist das Leben (Nom. n., Partikel, Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „animittam“ = ohne erkennbaren Grund/Anlass.

ko hi jānāti kasyādya mṛtyusenā nivekṣyate

Denn wer weiß, wessen [Leben] heute das Heer des Todes einnehmen wird?

Wort für Wort
ko hi jānāti
denn wer weiß (Interrogativ, 3.Sg.Präs.)
kasyādya
wessen heute (Gen., Adv.)
mṛtyusenā nivekṣyate
das Heer des Todes sich lagern wird [bei ihm] (Nom., 3.Sg.Fut. Pass./Med.)

na mṛtyur āmantrayate hartukāmo jagatprabhuḥ; abuddha evākramate mīnān mīnagraho yathā

Nicht lädt der Tod ein, wenn er rauben will, der Herr der Welt; ahnungslos fällt er über [die Wesen] her, wie der Fischfänger über die Fische.

Wort für Wort
na mṛtyur āmantrayate
nicht lädt der Tod ein (Neg., Nom., 3.Sg.Präs. Med.)
hartukāmo jagatprabhuḥ
der rauben will, Herr der Welt (Kompositum Nom., Nom.)
abuddha evākramate
unbemerkt greift er an (Part. Nom., Partikel, 3.Sg.Präs. Med.)
mīnān mīnagraho yathā
wie ein Fischfänger die Fische (Akk. Pl., Nom., Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers.

yuvaiva dharmaśīlaḥ syād animittaṃ hi jīvitam; kṛte dharme bhavet kīrtir iha pretya ca vai sukham

Schon als Jüngling soll man dem Dharma ergeben sein, denn das Leben ist unberechenbar. Ist das Dharma geübt, gibt es Ruhm hier und Glück nach dem Tod.

Wort für Wort
yuvaiva dharmaśīlaḥ syāt
schon jung soll man dem Dharma ergeben sein (Nom., Nom., 3.Sg.Opt.)
animittaṃ hi jīvitam
denn unberechenbar ist das Leben (Nom. n.)
kṛte dharme bhavet kīrtiḥ
wenn das Dharma geübt ist, entsteht Ruhm (Lok. abs., 3.Sg.Opt., Nom.)
iha pretya ca vai sukham
hier und nach dem Hinscheiden Glück (Adv., Abs., Nom.)

mohena hi samāviṣṭaḥ putradārārtham udyataḥ; kṛtvā kāryam akāryaṃ vā puṣṭim eṣāṃ prayacchati

Von Verblendung erfüllt, um Söhne und Frauen bemüht, verschafft er ihnen Wohlstand, gleichgültig ob er dabei Erlaubtes oder Unerlaubtes tut.

Wort für Wort
mohena hi samāviṣṭaḥ
von Verblendung erfüllt (Instr., Part. Nom.)
putradārārtham udyataḥ
um Söhne und Frauen bemüht (Kompositum, Part. Nom.)
kṛtvā kāryam akāryaṃ vā
Tat oder Untat getan habend (Abs., Akk. n., Akk. n.)
puṣṭim eṣāṃ prayacchati
Gedeihen gibt er diesen (Akk., Gen. Pl., 3.Sg.Präs.)

taṃ putrapaśusaṃmattaṃ vyāsaktamanasaṃ naram; suptaṃ vyāghraṃ mahaugho vā mṛtyur ādāya gacchati

Diesen Mann, der von Söhnen und Vieh berauscht ist, dessen Geist anhaftet, nimmt der Tod und geht davon, wie eine große Flut einen schlafenden Tiger [mitreißt].

Wort für Wort
taṃ putrapaśusaṃmattam
ihn, von Söhnen und Vieh berauscht (Akk., Kompositum)
vyāsaktamanasaṃ naram
den Mann mit anhaftendem Sinn (Kompositum Akk., Akk.)
suptaṃ vyāghraṃ mahaugho vā
wie eine große Flut einen schlafenden Tiger (Part. Akk., Akk., Nom., Partikel)
mṛtyur ādāya gacchati
der Tod nimmt und geht (Nom., Abs., 3.Sg.Präs.)

saṃcinvānakam evaikaṃ kāmānām avitṛptakam; vyāghraḥ paśum ivādāya mṛtyur ādāya gacchati

Den, der immerzu nur ansammelt und an Wünschen nie satt wird, nimmt der Tod und geht davon, wie der Tiger ein Tier [packt].

Wort für Wort
saṃcinvānakam evaikam
der nur ansammelt, einzig (Part. Akk. mit -ka, Partikel, Akk.)
kāmānām avitṛptakam
der an Wünschen nie gesättigt ist (Gen. Pl., Akk.)
vyāghraḥ paśum ivādāya
wie ein Tiger ein Tier ergriffen habend (Nom., Akk., Partikel, Abs.)
mṛtyur ādāya gacchati
der Tod nimmt und geht (Nom., Abs., 3.Sg.Präs.)

idaṃ kṛtam idaṃ kāryam idam anyat kṛtākṛtam; evam īhāsukhāsaktaṃ kṛtāntaḥ kurute vaśe

„Dies ist getan, dies ist zu tun, dies andere ist halb getan, halb ungetan“: Wer so am Genuss des Strebens haftet, den bringt das Ende [der Todesgott] in seine Gewalt.

Wort für Wort
idaṃ kṛtam idaṃ kāryam
dies ist getan, dies ist zu tun (Nom. n., Gerundiv)
idam anyat kṛtākṛtam
dies andere ist getan-ungetan (Nom. n., Kompositum)
evam īhāsukhāsaktam
wer so am Glück des Strebens haftet (Adv., Akk. Kompositum)
kṛtāntaḥ kurute vaśe
der Beender bringt in die Gewalt (Nom., 3.Sg.Präs. Med., Lok.)

„īhāsukha“ hier als „Vergnügen am Streben“ verstanden [?].

kṛtānāṃ phalam aprāptaṃ karmaṇāṃ phalasaṅginam; kṣetrāpaṇagṛhāsaktaṃ mṛtyur ādāya gacchati

Wer die Früchte seiner Werke, die noch nicht erlangt sind, festhält und an Feld, Markt und Haus hängt, den nimmt der Tod und geht davon.

Wort für Wort
kṛtānāṃ phalam aprāptam
die Frucht der getanen [Werke], unerlangt (Gen. Pl., Akk., Akk.)
karmaṇāṃ phalasaṅginam
der an den Früchten der Werke hängt (Gen. Pl., Akk.)
kṣetrāpaṇagṛhāsaktam
an Feld, Markt und Haus haftend (Kompositum, Akk.)
mṛtyur ādāya gacchati
der Tod nimmt und geht (Nom., Abs., 3.Sg.Präs.)

durbalaṃ balavantaṃ ca śūraṃ bhīruṃ jaḍaṃ kavim; aprāptasarvakāmārthaṃ mṛtyur ādāya gacchati

Den Schwachen und den Starken, den Helden und den Feigling, den Trägen und den Weisen, ihn, dessen Wünsche und Ziele nicht alle erfüllt sind, nimmt der Tod und geht davon.

Wort für Wort
durbalaṃ balavantaṃ ca
den Schwachen und den Starken (Akk.)
śūraṃ bhīruṃ
den Helden, den Furchtsamen (Akk.)
jaḍaṃ kavim
den Stumpfen, den Weisen [Dichter] (Akk.)
aprāptasarvakāmārtham
dem nicht alle Wünsche und Ziele erreicht sind (Kompositum, Akk.)
mṛtyur ādāya gacchati
der Tod nimmt und geht (Nom., Abs., 3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers.

idaṃ me syād idaṃ me syād ity evaṃmanaso narān; anavāpteṣu kāmeṣu kṛtāntaḥ kurute vaśe

„Dies soll mir gehören, dies soll mir gehören“: Menschen, die so gesinnt sind und deren Wünsche unerfüllt sind, bringt das Ende in seine Gewalt.

Wort für Wort
idaṃ me syād idaṃ me syāt
dies soll mir sein, dies soll mir sein (3.Sg.Opt., Dat./Gen.)
ity evaṃmanaso narān
Menschen, die so im Sinn haben (Partikel, Kompositum Akk. Pl., Akk. Pl.)
anavāpteṣu kāmeṣu
bei unerlangten Wünschen (Lok. abs.)
kṛtāntaḥ kurute vaśe
der Beender bringt in seine Gewalt (Nom., 3.Sg.Präs. Med., Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers.

mṛtyur jarā ca vyādhiś ca duḥkhaṃ cānekakāraṇam; anuṣaktaṃ yadā dehe kiṃ svastha iva tiṣṭhasi

„Wenn Tod, Alter, Krankheit und Leid mit vielerlei Ursachen dem Körper anhaften, wie kannst du dann dastehen, als wärst du wohlauf?“

Wort für Wort
mṛtyur jarā ca vyādhiś ca
Tod, Alter und Krankheit (Nom.)
duḥkhaṃ cānekakāraṇam
und Leid mit vielen Ursachen (Nom., Kompositum)
anuṣaktaṃ yadā dehe
wenn [es] dem Körper anhaftet (Part. n., Konj., Lok.)
kiṃ svastha iva tiṣṭhasi
wie stehst du da, als wärst du wohlauf (Interrogativ, Nom., Partikel, 2.Sg.Präs.)

jātam evāntako 'ntāya jarā cānveti dehinam; anuṣaktā dvayenaite bhāvāḥ sthāvarajaṅgamāḥ

Kaum ist ein Wesen geboren, folgt ihm der Beender zum Ende, und das Alter folgt dem Verkörperten; mit diesen beiden sind die Dinge verbunden, die unbewegten wie die beweglichen.

Wort für Wort
jātam evāntako 'ntāya
eben Geborenen [folgt] der Beender zum Ende (Part. Akk., Nom., Dat.)
jarā cānveti dehinam
und das Alter folgt dem Verkörperten (Nom., 3.Sg.Präs., Akk.)
anuṣaktā dvayenaite
mit diesen beiden verbunden (Part. Nom. Pl., Instr., Nom. Pl.)
bhāvāḥ sthāvarajaṅgamāḥ
die Wesen, unbewegte und bewegte (Nom. Pl., Kompositum)

mṛtyor vā gṛham evaitad yā grāme vasato ratiḥ; devānām eṣa vai goṣṭho yad araṇyam iti śrutiḥ

Das Haus des Todes ist eben dies: die Freude dessen, der im Dorf wohnt. Der Kuhstall der Götter aber ist der Wald – so lautet die Überlieferung.

Wort für Wort
mṛtyor vā gṛham evaitat
des Todes Haus ist dies (Gen., Partikel, Nom., Nom.)
yā grāme vasato ratiḥ
die Freude dessen, der im Dorf wohnt (Rel., Lok., Part. Gen., Nom.)
devānām eṣa vai goṣṭhaḥ
der Götter Kuhstall ist dieser (Gen. Pl., Nom.)
yad araṇyam iti śrutiḥ
nämlich der Wald, so [sagt] die Überlieferung (Rel., Nom. n., Partikel, Nom.)

nibandhanī rajjur eṣā yā grāme vasato ratiḥ; chittvaināṃ sukṛto yānti naināṃ chindanti duṣkṛtaḥ

Ein fesselnder Strick ist diese Freude dessen, der im Dorf wohnt. Wer ihn durchtrennt hat, geht als Tugendhafter [davon]; die Übeltäter durchtrennen ihn nicht.

Wort für Wort
nibandhanī rajjur eṣā
ein fesselnder Strick ist dies (Nom. f., Nom. f., Nom. f.)
yā grāme vasato ratiḥ
die Freude dessen, der im Dorf wohnt (Rel., Lok., Part. Gen., Nom.)
chittvaināṃ sukṛto yānti
sie durchtrennt habend gehen die Rechtschaffenen (Abs., Akk., Nom. Pl., 3.Pl.Präs.)
naināṃ chindanti duṣkṛtaḥ
nicht durchtrennen sie die Übeltäter (Neg., Akk., 3.Pl.Präs., Nom. Pl.)

na hiṃsayati yaḥ prāṇān manovākkāyahetubhiḥ; jīvitārthāpanayanaiḥ karmabhir na sa badhyate

Wer Lebewesen nicht verletzt durch die Ursachen Denken, Rede und Körper, der wird nicht gebunden durch Handlungen, die dem Leben Nutzen und Dinge entziehen.

Wort für Wort
na hiṃsayati yaḥ prāṇān
wer Lebewesen nicht verletzt (Neg., 3.Sg.Kaus., Rel., Akk. Pl.)
manovākkāyahetubhiḥ
durch Gedanken, Rede und Körper als Mittel (Kompositum, Instr. Pl.)
jīvitārthāpanayanaiḥ karmabhiḥ
durch Handlungen, die Leben und Güter wegnehmen (Kompositum Instr. Pl., Instr. Pl.) [?]
na sa badhyate
der wird nicht gebunden (Neg., Nom., 3.Sg.Präs. Pass.)

Zweiter Halbvers (jīvitārthāpanayanaiḥ) syntaktisch schwierig; hier als „Taten, die anderen Leben und Besitz nehmen“ gefasst [?].

na mṛtyusenām āyāntīṃ jātu kaś cit prabādhate; ṛte satyam asaṃtyājyaṃ satye hy amṛtam āśritam

Niemals hält jemand das heranrückende Heer des Todes auf, außer durch die Wahrheit, die nicht aufzugeben ist; denn in der Wahrheit ist das Unsterbliche verankert.

Wort für Wort
na mṛtyusenām āyāntīm
nicht das herannahende Todesheer (Neg., Akk., Part. Akk.)
jātu kaś cit prabādhate
jemals jemand hält auf (Adv., Nom., 3.Sg.Präs. Med.)
ṛte satyam asaṃtyājyam
außer der Wahrheit, die unaufgebbar ist (Präp., Akk., Akk. Gerundiv)
satye hy amṛtam āśritam
denn in der Wahrheit ist das Unsterbliche verankert (Lok., Partikel, Nom., Part.)

tasmāt satyavratācāraḥ satyayogaparāyaṇaḥ; satyārāmaḥ samo dāntaḥ satyenaivāntakaṃ jayet

Darum soll man im Wandel dem Gelübde der Wahrheit folgen, der Verbindung mit der Wahrheit ganz hingegeben, an der Wahrheit sich erfreuend, gleichmütig, bezähmt; durch die Wahrheit allein soll man den Beender besiegen.

Wort für Wort
tasmāt satyavratācāraḥ
darum wer im Wahrheitsgelübde wandelt (Abl., Kompositum Nom.)
satyayogaparāyaṇaḥ
der Verbindung mit der Wahrheit ergeben (Kompositum Nom.)
satyārāmaḥ samo dāntaḥ
an Wahrheit sich erfreuend, gleichmütig, bezähmt (Nom., Nom., Nom.)
satyenaivāntakaṃ jayet
durch die Wahrheit allein den Beender besiege er (Instr., Akk., 3.Sg.Opt.)

amṛtaṃ caiva mṛtyuś ca dvayaṃ dehe pratiṣṭhitam; mṛtyum āpadyate mohāt satyenāpadyate 'mṛtam

Unsterblichkeit und Tod, diese beiden sind im Körper gegründet. Aus Verblendung gerät man in den Tod, durch die Wahrheit in die Unsterblichkeit.

Wort für Wort
amṛtaṃ caiva mṛtyuś ca
Unsterbliches und Tod (Nom. n., Nom. m.)
dvayaṃ dehe pratiṣṭhitam
das Paar ist im Körper gegründet (Nom. n., Lok., Part.)
mṛtyum āpadyate mohāt
in den Tod gerät man aus Verblendung (Akk., 3.Sg.Präs. Med., Abl.)
satyenāpadyate 'mṛtam
durch Wahrheit in Unsterblichkeit (Instr., 3.Sg.Präs. Med., Akk.)

so 'haṃ hy ahiṃsraḥ satyārthī kāmakrodhabahiṣkṛtaḥ; samaduḥkhasukhaḥ kṣemī mṛtyuṃ hāsyāmy amartyavat

So werde ich, ohne Gewalt, nach Wahrheit strebend, von Begierde und Zorn ausgeschlossen, in Leid und Freude gleich, frei von Not, den Tod verlassen wie ein Unsterblicher.

Wort für Wort
so 'haṃ hy ahiṃsraḥ
als solcher denn, ich, ohne Gewalt (Nom., Nom., Nom.)
satyārthī
Wahrheit erstrebend (Nom.)
kāmakrodhabahiṣkṛtaḥ
von Begierde und Zorn ausgeschlossen (Kompositum, Part. Nom.)
samaduḥkhasukhaḥ kṣemī
bei Leid und Glück gleich, sicher (Kompositum Nom., Nom.)
mṛtyuṃ hāsyāmy amartyavat
den Tod werde ich verlassen wie ein Unsterblicher (Akk., 1.Sg.Fut., Adv.)

śāntiyajñarato dānto brahmayajñe sthito muniḥ; vāṅmanaḥkarmayajñaś ca bhaviṣyāmy udagāyane

Am Friedensopfer erfreut, bezähmt, im Brahmaopfer verharrend, ein Weiser, werde ich ein Opferer mit Rede, Sinn und Werk sein, während der nördlichen Sonnenbahn.

Wort für Wort
śāntiyajñarato dāntaḥ
am Friedensopfer erfreut, bezähmt (Kompositum Nom., Nom.)
brahmayajñe sthito muniḥ
im Brahmaopfer stehend, ein Weiser (Lok., Part., Nom.)
vāṅmanaḥkarmayajñaś ca
und ein Opferer mit Rede, Sinn und Tat (Kompositum, Nom.)
bhaviṣyāmy udagāyane
werde ich sein, in der nördlichen Sonnenbahn (1.Sg.Fut., Lok.) [?]

„udagāyane“ wohl im Sinne der günstigen Zeit der nördlichen Sonnenwende, Sinn im Zusammenhang unsicher [?].

paśuyajñaiḥ kathaṃ hiṃsrair mādṛśo yaṣṭum arhati; antavadbhir uta prājñaḥ kṣatrayajñaiḥ piśācavat

Wie kann einer wie ich mit gewalttätigen Tieropfern opfern? Oder ein Weiser mit vergänglichen Kṣatriya-Opfern, wie ein Piśāca?

Wort für Wort
paśuyajñaiḥ kathaṃ hiṃsraiḥ
mit Tieropfern, gewalttätigen, wie (Instr. Pl., Adv., Instr. Pl.)
mādṛśo yaṣṭum arhati
einer wie ich darf opfern (Nom., Inf., 3.Sg.Präs.)
antavadbhir uta prājñaḥ
oder ein Weiser mit vergänglichen (Instr. Pl., Partikel, Nom.)
kṣatrayajñaiḥ piśācavat
mit Kṣatriya-Opfern, einem Piśāca gleich (Instr. Pl., Adv.)

yasya vāṅmanasī syātāṃ samyak praṇihite sadā; tapas tyāgaś ca yogaś ca sa vai sarvam avāpnuyāt

Wessen Rede und Sinn stets recht gesammelt sind, wer Askese, Verzicht und Yoga [übt], der erreicht wahrlich alles.

Wort für Wort
yasya vāṅmanasī syātām
wessen Rede und Sinn sind (Gen., Nom. Du., 3.Du.Opt.)
samyak praṇihite sadā
recht gesammelt allezeit (Adv., Part. Du., Adv.)
tapas tyāgaś ca yogaś ca
Askese, Verzicht und Yoga (Nom.)
sa vai sarvam avāpnuyāt
der erlangt wahrlich alles (Nom., Akk., 3.Sg.Opt.)

nāsti vidyāsamaṃ cakṣur nāsti vidyāsamaṃ balam; nāsti rāgasamaṃ duḥkhaṃ nāsti tyāgasamaṃ sukham

Es gibt kein Auge, das dem Wissen gleicht, es gibt keine Kraft, die dem Wissen gleicht; es gibt kein Leid, das der Leidenschaft gleicht, es gibt kein Glück, das dem Verzicht gleicht.

Wort für Wort
nāsti vidyāsamaṃ cakṣuḥ
es gibt kein Auge gleich dem Wissen (Nom., Kompositum)
nāsti vidyāsamaṃ balam
keine Kraft gleich dem Wissen (Nom.)
nāsti rāgasamaṃ duḥkham
kein Leid gleich der Leidenschaft (Nom.)
nāsti tyāgasamaṃ sukham
kein Glück gleich dem Verzicht (Nom.)

ātmany evātmanā jāta ātmaniṣṭho 'prajo 'pi vā; ātmany eva bhaviṣyāmi na māṃ tārayati prajā

Im Selbst allein, durch das Selbst geboren, im Selbst verharrend, auch wenn ohne Nachkommen: im Selbst allein werde ich sein; Nachkommenschaft rettet mich nicht.

Wort für Wort
ātmany evātmanā jātaḥ
im Selbst allein, durch das Selbst geboren (Lok., Instr., Part.)
ātmaniṣṭho 'prajo 'pi vā
im Selbst verharrend, auch kinderlos (Nom., Nom., Partikel)
ātmany eva bhaviṣyāmi
im Selbst allein werde ich sein (Lok., 1.Sg.Fut.)
na māṃ tārayati prajā
nicht rettet mich Nachkommenschaft (Neg., Akk., 3.Sg.Präs., Nom.)

naitādṛśaṃ brāhmaṇasyāsti vittaṃ; yathaikatā samatā satyatā ca; śīle sthitir daṇḍanidhānam ārjavaṃ; tatas tataś coparamaḥ kriyābhyaḥ

Ein solcher Besitz gehört einem Brahmanen nicht wie Einheit, Gleichmut und Wahrhaftigkeit, das Verharren in guter Sitte, das Ablegen des Stocks, Aufrichtigkeit und dann das Ablassen von allen Handlungen.

Wort für Wort
naitādṛśaṃ brāhmaṇasyāsti vittam
einen solchen Besitz gibt es für den Brahmanen nicht (Nom., Gen., 3.Sg.Präs., Nom.)
yathaikatā samatā satyatā ca
wie Einheit, Gleichmut und Wahrhaftigkeit (Adv., Nom. f.)
śīle sthitir daṇḍanidhānam ārjavam
Stehen in guter Sitte, Niederlegen des Stocks, Aufrichtigkeit (Lok., Nom., Nom., Nom.)
tatas tataś coparamaḥ kriyābhyaḥ
und dann von Stufe zu Stufe Ablassen von Handlungen (Adv., Nom., Abl. Pl.)

„ekatā“ als Einssein/Alleinsein im Sinne der Sammlung gefasst [?].

kiṃ te dhanair bāndhavair vāpi kiṃ te; kiṃ te dārair brāhmaṇa yo mariṣyasi; ātmānam anviccha guhāṃ praviṣṭaṃ; pitāmahas te kva gataḥ pitā ca

Was sollen dir Reichtümer, was Verwandte, was Frauen, Brahmane, der du sterben wirst? Suche das Selbst, das in die Höhle eingegangen ist. Wohin ist dein Großvater gegangen, und [wohin] dein Vater?

Wort für Wort
kiṃ te dhanair bāndhavair vāpi kiṃ te
was sollen dir Reichtümer oder auch Verwandte (Interrogativ, Dat./Gen., Instr. Pl.)
kiṃ te dārair brāhmaṇa
was dir Frauen, Brahmane (Instr. Pl., Vok.)
yo mariṣyasi
der du sterben wirst (Rel., 2.Sg.Fut.)
ātmānam anviccha
das Selbst suche (Akk., Imp.)
guhāṃ praviṣṭam
das in die Höhle eingetreten ist (Akk. f., Part. Akk.)
pitāmahas te kva gataḥ pitā ca
wohin ging dein Großvater und dein Vater (Nom., Gen., Adv., Part., Nom.)

bhīṣma uvāca; putrasyaitad vacaḥ śrutvā tathākārṣīt pitā nṛpa; tathā tvam api vartasva satyadharmaparāyaṇaḥ

Bhīṣma sprach: Als der Vater diese Rede des Sohnes gehört hatte, handelte er so, o König. So handle auch du, dem Wahrheit und Dharma das Höchste sind.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
putrasyaitad vacaḥ śrutvā
nachdem er diese Rede des Sohnes gehört hatte (Gen., Akk., Abs.)
tathākārṣīt pitā nṛpa
so tat der Vater, König (Adv., Aor., Nom., Vok.)
tathā tvam api vartasva
so verhalte auch du dich (Adv., Nom., Imp. Med.)
satyadharmaparāyaṇaḥ
der du Wahrheit und Dharma ergeben bist (Kompositum, Nom.)

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