Kapitel 169: medhāvi-pitṛ-saṃvādaḥ (satyena mṛtyujayaḥ)
Der Sohn Medhāvin belehrt seinen Vater: Sogleich das Heil üben, durch Wahrheit den Tod besiegen
Yudhiṣṭhira fragt nach dem höchsten Heil in einer vom Tod bedrohten Zeit; Bhīṣma erzählt den alten Dialog zwischen einem Brahmanen und seinem Sohn Medhāvin. Der Sohn stellt dem Ideal des Hausvaters (Veda, Söhne, Opfer, Waldeinsiedelei) das sofortige Streben nach Wahrheit, Gewaltlosigkeit und Selbsterkenntnis entgegen.
yudhiṣṭhira uvāca; atikrāmati kāle 'smin sarvabhūtakṣayāvahe; kiṃ śreyaḥ pratipadyeta tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: Da diese Zeit, die allen Wesen den Untergang bringt, verstreicht: Was sollte man [da] als das Heilsamere ergreifen? Das sage mir, Großvater.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
atikrāmati kāle 'smin
während diese Zeit verstreicht (Lok. abs., 3.Sg.Präs. / Lok.)
sarvabhūtakṣayāvahe
der allen Wesen Untergang bringt (Kompositum, Lok. Sg. m.)
kiṃ śreyaḥ pratipadyeta
was Heilsameres sollte man ergreifen (Akk. n., 3.Sg.Opt. Med.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp., Dat./Gen. Sg., Vok.)
so 'bravīt pitaraṃ putraḥ svādhyāyakaraṇe ratam; mokṣadharmārthakuśalo lokatattvavicakṣaṇaḥ
Dieser Sohn sprach zu seinem Vater, der am Vedastudium Freude hatte, er, der in Erlösung und Pflichtenlehre und Nutzen kundig war und die Wahrheit der Welt zu durchschauen verstand:
Wort für Wort
so 'bravīt pitaraṃ putraḥ
dieser Sohn sagte zum Vater (Impf., Akk., Nom.)
svādhyāyakaraṇe ratam
der am Betreiben des Selbststudiums Freude hat (Akk. Sg. m., Lok.)
mokṣadharmārthakuśalaḥ
kundig in Erlösung, Dharma und Nutzen (Kompositum, Nom. Sg. m.)
lokatattvavicakṣaṇaḥ
der Wesen der Welt zu erkennen versteht (Kompositum, Nom. Sg. m.)
dhīraḥ kiṃ svit tāta kuryāt prajānan; kṣipraṃ hy āyur bhraśyate mānavānām; pitas tad ācakṣva yathārthayogaṃ; mamānupūrvyā yena dharmaṃ careyam
„Was, lieber Vater, sollte ein Standhafter, der Einsicht hat, tun? Denn rasch schwindet das Leben der Menschen. Vater, erkläre mir das der Sache gemäß und in der [rechten] Reihenfolge, so dass ich das Dharma befolgen kann.“
Wort für Wort
dhīraḥ kiṃ svit tāta kuryāt prajānan
was wohl sollte ein Standhafter, einsichtig, tun, Vater (Nom., Interrogativ, 3.Sg.Opt., Part. Nom., Vok.)
kṣipraṃ hy āyur bhraśyate mānavānām
denn rasch schwindet das Leben der Menschen (Adv., 3.Sg.Präs. Med., Gen. Pl.)
pitas tad ācakṣva yathārthayogam
Vater, das erkläre der Sache gemäß (Vok., Imp. Med., Adv.)
mamānupūrvyā yena dharmaṃ careyam
mir der Reihe nach, wodurch ich das Dharma üben könnte (Dat./Gen., Instr., 1.Sg.Opt.)
Der Vers beginnt ohne Sprecherangabe; Sprecher ist der Sohn.
Der Vater sprach: „Nachdem du im Brahmacārin-Stand die Veden studiert hast, mein Sohn, soll man Söhne wünschen zur Läuterung der Ahnen; nachdem man die Feuer [rituell] angelegt hat, wie es sich gehört, [und] Opfer dargebracht hat, soll man in den Wald gehen und dann ein Weiser werden wollen.“
Wort für Wort
pitovāca
der Vater sprach (Perf.)
vedān adhītya brahmacaryeṇa putra
die Veden studiert habend im Brahmacarya, Sohn (Akk. Pl., Abs., Instr., Vok.)
putrān icchet pāvanārthaṃ pitṝṇām
Söhne soll man wünschen zur Läuterung der Ahnen (Akk. Pl., 3.Sg.Opt., Gen. Pl.)
Der Sohn sprach: „Wenn die Welt so getroffen und ringsum eingeschlossen ist und die unfehlbaren [Tage und Nächte] dahinsinken, was redest du wie ein Standhafter?“
Wort für Wort
putra uvāca
der Sohn sprach (Perf.)
evam abhyāhate loke
während die Welt so getroffen ist (Adv., Lok. abs., Part.)
samantāt parivārite
ringsum umzingelt (Adv., Part. Lok.)
amoghāsu patantīṣu
während die Unfehlbaren fallen [dahingehen] (Lok. Pl. f., Part.)
kiṃ dhīra iva bhāṣase
was sprichst du wie ein Standhafter (Interrogativ, Nom., Partikel, 2.Sg.Präs. Med.)
„amoghāsu“ ohne Substantiv; aus 9 sind die Tage und Nächte zu ergänzen.
Der Vater sprach: „Wodurch ist die Welt getroffen, oder von wem ist sie umzingelt? Welche [Unfehlbaren] fallen hier dahin? Warum willst du mir wohl Angst machen?“
Wort für Wort
pitovāca
der Vater sprach (Perf.)
katham abhyāhato lokaḥ
wie ist die Welt getroffen (Adv., Part. Nom., Nom.)
kena vā parivāritaḥ
oder von wem umzingelt (Instr., Part. Nom.)
amoghāḥ kāḥ patantīha
welche Unfehlbaren fallen hier (Nom. Pl. f., Interrogativ, 3.Pl.Präs.)
kiṃ nu bhīṣayasīva mām
warum machst du mir wohl Angst (Interrogativ, 2.Sg.Kaus., Akk.)
yām eva rātriṃ prathamāṃ garbho bhajati mātaram; tām eva rātriṃ prasthāti maraṇāya nivartakaḥ; yasyāṃ rātryāṃ vyatītāyāṃ na kiṃ cic chubham ācaret
In der allerersten Nacht, in der der Keim zur Mutter kommt, in eben dieser Nacht bricht er auf zum Sterben, er, der wieder zurückkehrt; in einer Nacht, nach deren Vergehen man nichts Heilsames getan hat,
Wort für Wort
yām eva rātriṃ prathamāṃ
in eben der ersten Nacht (Akk. der Zeit, Rel.)
garbho bhajati mātaram
der Keim sich der Mutter zuwendet (Nom., 3.Sg.Präs., Akk.)
tām eva rātriṃ prasthāti
in eben dieser Nacht bricht er auf (Akk. der Zeit, 3.Sg.Präs.)
maraṇāya nivartakaḥ
zum Sterben, [er] der zurückkehrt (Dat., Nom.) [?]
yasyāṃ rātryāṃ vyatītāyām
nach dem Vergehen welcher Nacht (Lok. abs.)
na kiṃ cic chubham ācaret
nichts Heilsames getan hat / tun würde (Neg., Akk., 3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der Satz wird in der folgenden Einheit fortgesetzt („diesen Tag soll man für unfruchtbar halten“).
Wenn die Wünsche unerfüllt sind, kommt der Tod zum Menschen, der wie einer, der Gräser aufliest, mit seinen Gedanken anderswohin gerichtet ist; wie eine Wölfin, die ein Schaf packt, nimmt der Tod ihn und geht davon.
Wort für Wort
anavāpteṣu kāmeṣu
während die Wünsche unerreicht sind (Lok. abs.)
mṛtyur abhyeti mānavam
der Tod kommt zum Menschen (Nom., 3.Sg.Präs., Akk.)
śaṣpāṇīva vicinvantam
der wie Gräser [Blumen] aufliest (Akk. Pl., Part. Akk.)
anyatragatamānasam
dessen Sinn anderswohin gegangen ist (Kompositum, Akk. Sg.)
vṛkīvoraṇam āsādya
wie eine Wölfin ein Schaf erreicht habend (Nom. f., Akk., Abs.)
adyaiva kuru yac chreyo mā tvā kālo 'tyagād ayam; akṛteṣv eva kāryeṣu mṛtyur vai saṃprakarṣati
„Tu noch heute, was heilsam ist; dass diese Zeit dich nicht überschreite! Solange die Aufgaben noch nicht getan sind, zieht der Tod [den Menschen] gewiss fort.“
Wort für Wort
adyaiva kuru yac chreyaḥ
noch heute tu, was das Heilsame ist (Adv., Imp., Rel.)
mā tvā kālo 'tyagād ayam
dass diese Zeit dich nicht überschreite (Prohibitiv, Akk., Nom., Aor.)
akṛteṣv eva kāryeṣu
während die Aufgaben noch ungetan sind (Lok. abs.)
mṛtyur vai saṃprakarṣati
der Tod zieht ja fort (Nom., Partikel, 3.Sg.Präs.)
śvaḥkāryam adya kurvīta pūrvāhṇe cāparāhṇikam; na hi pratīkṣate mṛtyuḥ kṛtaṃ vāsya na vā kṛtam
Was für morgen [bestimmt] ist, tue man heute, und was für den Nachmittag, am Vormittag; denn der Tod wartet nicht darauf, ob es von ihm getan oder nicht getan ist.
Wort für Wort
śvaḥkāryam adya kurvīta
was morgen zu tun ist, tue man heute (Akk., Adv., 3.Sg.Opt. Med.)
pūrvāhṇe cāparāhṇikam
am Vormittag, was dem Nachmittag gehört (Lok., Akk.)
na hi pratīkṣate mṛtyuḥ
denn nicht wartet der Tod (Neg., 3.Sg.Präs. Med., Nom.)
kṛtaṃ vāsya na vā kṛtam
ob von diesem getan oder nicht getan (Part. n., Gen. Sg., Part.)
„vāsya“: vā + asya; „asya“ bezieht sich auf den Menschen [?].
Diesen Mann, der von Söhnen und Vieh berauscht ist, dessen Geist anhaftet, nimmt der Tod und geht davon, wie eine große Flut einen schlafenden Tiger [mitreißt].
Wort für Wort
taṃ putrapaśusaṃmattam
ihn, von Söhnen und Vieh berauscht (Akk., Kompositum)
vyāsaktamanasaṃ naram
den Mann mit anhaftendem Sinn (Kompositum Akk., Akk.)
suptaṃ vyāghraṃ mahaugho vā
wie eine große Flut einen schlafenden Tiger (Part. Akk., Akk., Nom., Partikel)
„Dies ist getan, dies ist zu tun, dies andere ist halb getan, halb ungetan“: Wer so am Genuss des Strebens haftet, den bringt das Ende [der Todesgott] in seine Gewalt.
Wort für Wort
idaṃ kṛtam idaṃ kāryam
dies ist getan, dies ist zu tun (Nom. n., Gerundiv)
idam anyat kṛtākṛtam
dies andere ist getan-ungetan (Nom. n., Kompositum)
evam īhāsukhāsaktam
wer so am Glück des Strebens haftet (Adv., Akk. Kompositum)
kṛtāntaḥ kurute vaśe
der Beender bringt in die Gewalt (Nom., 3.Sg.Präs. Med., Lok.)
„īhāsukha“ hier als „Vergnügen am Streben“ verstanden [?].
Den Schwachen und den Starken, den Helden und den Feigling, den Trägen und den Weisen, ihn, dessen Wünsche und Ziele nicht alle erfüllt sind, nimmt der Tod und geht davon.
Wort für Wort
durbalaṃ balavantaṃ ca
den Schwachen und den Starken (Akk.)
śūraṃ bhīruṃ
den Helden, den Furchtsamen (Akk.)
jaḍaṃ kavim
den Stumpfen, den Weisen [Dichter] (Akk.)
aprāptasarvakāmārtham
dem nicht alle Wünsche und Ziele erreicht sind (Kompositum, Akk.)
mṛtyur ādāya gacchati
der Tod nimmt und geht (Nom., Abs., 3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers.
Kaum ist ein Wesen geboren, folgt ihm der Beender zum Ende, und das Alter folgt dem Verkörperten; mit diesen beiden sind die Dinge verbunden, die unbewegten wie die beweglichen.
Wort für Wort
jātam evāntako 'ntāya
eben Geborenen [folgt] der Beender zum Ende (Part. Akk., Nom., Dat.)
jarā cānveti dehinam
und das Alter folgt dem Verkörperten (Nom., 3.Sg.Präs., Akk.)
anuṣaktā dvayenaite
mit diesen beiden verbunden (Part. Nom. Pl., Instr., Nom. Pl.)
bhāvāḥ sthāvarajaṅgamāḥ
die Wesen, unbewegte und bewegte (Nom. Pl., Kompositum)
Ein fesselnder Strick ist diese Freude dessen, der im Dorf wohnt. Wer ihn durchtrennt hat, geht als Tugendhafter [davon]; die Übeltäter durchtrennen ihn nicht.
Wort für Wort
nibandhanī rajjur eṣā
ein fesselnder Strick ist dies (Nom. f., Nom. f., Nom. f.)
yā grāme vasato ratiḥ
die Freude dessen, der im Dorf wohnt (Rel., Lok., Part. Gen., Nom.)
chittvaināṃ sukṛto yānti
sie durchtrennt habend gehen die Rechtschaffenen (Abs., Akk., Nom. Pl., 3.Pl.Präs.)
naināṃ chindanti duṣkṛtaḥ
nicht durchtrennen sie die Übeltäter (Neg., Akk., 3.Pl.Präs., Nom. Pl.)
na hiṃsayati yaḥ prāṇān manovākkāyahetubhiḥ; jīvitārthāpanayanaiḥ karmabhir na sa badhyate
Wer Lebewesen nicht verletzt durch die Ursachen Denken, Rede und Körper, der wird nicht gebunden durch Handlungen, die dem Leben Nutzen und Dinge entziehen.
Wort für Wort
na hiṃsayati yaḥ prāṇān
wer Lebewesen nicht verletzt (Neg., 3.Sg.Kaus., Rel., Akk. Pl.)
manovākkāyahetubhiḥ
durch Gedanken, Rede und Körper als Mittel (Kompositum, Instr. Pl.)
jīvitārthāpanayanaiḥ karmabhiḥ
durch Handlungen, die Leben und Güter wegnehmen (Kompositum Instr. Pl., Instr. Pl.) [?]
na sa badhyate
der wird nicht gebunden (Neg., Nom., 3.Sg.Präs. Pass.)
Zweiter Halbvers (jīvitārthāpanayanaiḥ) syntaktisch schwierig; hier als „Taten, die anderen Leben und Besitz nehmen“ gefasst [?].
na mṛtyusenām āyāntīṃ jātu kaś cit prabādhate; ṛte satyam asaṃtyājyaṃ satye hy amṛtam āśritam
Niemals hält jemand das heranrückende Heer des Todes auf, außer durch die Wahrheit, die nicht aufzugeben ist; denn in der Wahrheit ist das Unsterbliche verankert.
Wort für Wort
na mṛtyusenām āyāntīm
nicht das herannahende Todesheer (Neg., Akk., Part. Akk.)
jātu kaś cit prabādhate
jemals jemand hält auf (Adv., Nom., 3.Sg.Präs. Med.)
ṛte satyam asaṃtyājyam
außer der Wahrheit, die unaufgebbar ist (Präp., Akk., Akk. Gerundiv)
satye hy amṛtam āśritam
denn in der Wahrheit ist das Unsterbliche verankert (Lok., Partikel, Nom., Part.)
tasmāt satyavratācāraḥ satyayogaparāyaṇaḥ; satyārāmaḥ samo dāntaḥ satyenaivāntakaṃ jayet
Darum soll man im Wandel dem Gelübde der Wahrheit folgen, der Verbindung mit der Wahrheit ganz hingegeben, an der Wahrheit sich erfreuend, gleichmütig, bezähmt; durch die Wahrheit allein soll man den Beender besiegen.
Wort für Wort
tasmāt satyavratācāraḥ
darum wer im Wahrheitsgelübde wandelt (Abl., Kompositum Nom.)
satyayogaparāyaṇaḥ
der Verbindung mit der Wahrheit ergeben (Kompositum Nom.)
satyārāmaḥ samo dāntaḥ
an Wahrheit sich erfreuend, gleichmütig, bezähmt (Nom., Nom., Nom.)
satyenaivāntakaṃ jayet
durch die Wahrheit allein den Beender besiege er (Instr., Akk., 3.Sg.Opt.)
so 'haṃ hy ahiṃsraḥ satyārthī kāmakrodhabahiṣkṛtaḥ; samaduḥkhasukhaḥ kṣemī mṛtyuṃ hāsyāmy amartyavat
So werde ich, ohne Gewalt, nach Wahrheit strebend, von Begierde und Zorn ausgeschlossen, in Leid und Freude gleich, frei von Not, den Tod verlassen wie ein Unsterblicher.
Wort für Wort
so 'haṃ hy ahiṃsraḥ
als solcher denn, ich, ohne Gewalt (Nom., Nom., Nom.)
satyārthī
Wahrheit erstrebend (Nom.)
kāmakrodhabahiṣkṛtaḥ
von Begierde und Zorn ausgeschlossen (Kompositum, Part. Nom.)
samaduḥkhasukhaḥ kṣemī
bei Leid und Glück gleich, sicher (Kompositum Nom., Nom.)
mṛtyuṃ hāsyāmy amartyavat
den Tod werde ich verlassen wie ein Unsterblicher (Akk., 1.Sg.Fut., Adv.)
śāntiyajñarato dānto brahmayajñe sthito muniḥ; vāṅmanaḥkarmayajñaś ca bhaviṣyāmy udagāyane
Am Friedensopfer erfreut, bezähmt, im Brahmaopfer verharrend, ein Weiser, werde ich ein Opferer mit Rede, Sinn und Werk sein, während der nördlichen Sonnenbahn.
Wort für Wort
śāntiyajñarato dāntaḥ
am Friedensopfer erfreut, bezähmt (Kompositum Nom., Nom.)
brahmayajñe sthito muniḥ
im Brahmaopfer stehend, ein Weiser (Lok., Part., Nom.)
vāṅmanaḥkarmayajñaś ca
und ein Opferer mit Rede, Sinn und Tat (Kompositum, Nom.)
bhaviṣyāmy udagāyane
werde ich sein, in der nördlichen Sonnenbahn (1.Sg.Fut., Lok.) [?]
„udagāyane“ wohl im Sinne der günstigen Zeit der nördlichen Sonnenwende, Sinn im Zusammenhang unsicher [?].
Es gibt kein Auge, das dem Wissen gleicht, es gibt keine Kraft, die dem Wissen gleicht; es gibt kein Leid, das der Leidenschaft gleicht, es gibt kein Glück, das dem Verzicht gleicht.
Wort für Wort
nāsti vidyāsamaṃ cakṣuḥ
es gibt kein Auge gleich dem Wissen (Nom., Kompositum)
ātmany evātmanā jāta ātmaniṣṭho 'prajo 'pi vā; ātmany eva bhaviṣyāmi na māṃ tārayati prajā
Im Selbst allein, durch das Selbst geboren, im Selbst verharrend, auch wenn ohne Nachkommen: im Selbst allein werde ich sein; Nachkommenschaft rettet mich nicht.
Wort für Wort
ātmany evātmanā jātaḥ
im Selbst allein, durch das Selbst geboren (Lok., Instr., Part.)
ātmaniṣṭho 'prajo 'pi vā
im Selbst verharrend, auch kinderlos (Nom., Nom., Partikel)
ātmany eva bhaviṣyāmi
im Selbst allein werde ich sein (Lok., 1.Sg.Fut.)
na māṃ tārayati prajā
nicht rettet mich Nachkommenschaft (Neg., Akk., 3.Sg.Präs., Nom.)
Ein solcher Besitz gehört einem Brahmanen nicht wie Einheit, Gleichmut und Wahrhaftigkeit, das Verharren in guter Sitte, das Ablegen des Stocks, Aufrichtigkeit und dann das Ablassen von allen Handlungen.
Wort für Wort
naitādṛśaṃ brāhmaṇasyāsti vittam
einen solchen Besitz gibt es für den Brahmanen nicht (Nom., Gen., 3.Sg.Präs., Nom.)
yathaikatā samatā satyatā ca
wie Einheit, Gleichmut und Wahrhaftigkeit (Adv., Nom. f.)
śīle sthitir daṇḍanidhānam ārjavam
Stehen in guter Sitte, Niederlegen des Stocks, Aufrichtigkeit (Lok., Nom., Nom., Nom.)
tatas tataś coparamaḥ kriyābhyaḥ
und dann von Stufe zu Stufe Ablassen von Handlungen (Adv., Nom., Abl. Pl.)
„ekatā“ als Einssein/Alleinsein im Sinne der Sammlung gefasst [?].
kiṃ te dhanair bāndhavair vāpi kiṃ te; kiṃ te dārair brāhmaṇa yo mariṣyasi; ātmānam anviccha guhāṃ praviṣṭaṃ; pitāmahas te kva gataḥ pitā ca
Was sollen dir Reichtümer, was Verwandte, was Frauen, Brahmane, der du sterben wirst? Suche das Selbst, das in die Höhle eingegangen ist. Wohin ist dein Großvater gegangen, und [wohin] dein Vater?
Wort für Wort
kiṃ te dhanair bāndhavair vāpi kiṃ te
was sollen dir Reichtümer oder auch Verwandte (Interrogativ, Dat./Gen., Instr. Pl.)
kiṃ te dārair brāhmaṇa
was dir Frauen, Brahmane (Instr. Pl., Vok.)
yo mariṣyasi
der du sterben wirst (Rel., 2.Sg.Fut.)
ātmānam anviccha
das Selbst suche (Akk., Imp.)
guhāṃ praviṣṭam
das in die Höhle eingetreten ist (Akk. f., Part. Akk.)
pitāmahas te kva gataḥ pitā ca
wohin ging dein Großvater und dein Vater (Nom., Gen., Adv., Part., Nom.)