Kapitel 327: hayaśirasopadeśaḥ
Weltschöpfung, Pravṛtti-Dharma und die Lehre des pferdeköpfigen Gottes
Kapitel aus dem Nārāyaṇīya-Abschnitt des Mokṣadharma (Śānti-Parva): Janamejaya fragt, warum Nārāyaṇa im Opfer den ersten Anteil erhält und zugleich den Pravṛtti- wie den Nivṛtti-Dharma begründet hat; Vyāsa berichtet daraufhin von der Entstehung der Welt aus dem Unentfalteten, den acht Urgründen (den sieben Weisen und Manu) und den elf Rudras, sowie von der Lehre, die Brahmā und die Götter vom pferdeköpfigen Gott (Hayaśiras) über die Dharma-Ordnung der vier Weltzeitalter empfangen.
janamejaya uvāca; kathaṃ sa bhagavān devo yajñeṣv agraharaḥ prabhuḥ; yajñadhārī ca satataṃ vedavedāṅgavit tathā
Janamejaya sprach: „Wie kommt es, dass jener erhabene Gott, der Herr, bei den Opfern der Erst-Empfänger ist, und dass er stets der Opfer-Träger und der Kenner der Veden und Vedāṅgas ist,
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya (Subj.) sprach (3.Sg.Perf.)
kathaṃ sa bhagavān devaḥ
wie [ist es, dass] jener erhabene Gott (Nom.)
yajñeṣu agraharaḥ prabhuḥ
bei den Opfern der Erst-Empfänger, der Herr (Lok.Pl./Nom.)
nivṛttaṃ cāsthito dharmaṃ kṣemī bhāgavatapriyaḥ; pravṛttidharmān vidadhe sa eva bhagavān prabhuḥ
obwohl er sich auf den Dharma der Abkehr gestützt hat, beständig und seinen Verehrern zugetan ist – ebendieser erhabene Herr hat die Dharmas der Hinwendung festgesetzt?“
Wort für Wort
nivṛttaṃ ca āsthitaḥ dharmam
und den Dharma der Abkehr sich stützend (Akk./Nom.Part.Perf.)
kṣemī bhāgavatapriyaḥ
beständig, den Verehrern zugetan (Nom.)
pravṛttidharmān vidadhe
die Dharmas der Hinwendung hat er festgesetzt (Akk.Pl./3.Sg.Perf.Med.)
kathaṃ pravṛttidharmeṣu bhāgārhā devatāḥ kṛtāḥ; kathaṃ nivṛttidharmāś ca kṛtā vyāvṛttabuddhayaḥ
Wie wurden die Götter, würdig eines Opferanteils, in den Dharmas der Hinwendung eingesetzt, und wie wurden jene, deren Denken abgewandt ist, in den Dharmas der Abkehr eingesetzt?
Wort für Wort
kathaṃ pravṛttidharmeṣu
wie in den Dharmas der Hinwendung (Lok.Pl.)
bhāgārhā devatāḥ kṛtāḥ
die des Anteils würdigen Götter eingesetzt (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
kathaṃ nivṛttidharmāś ca
und wie in den Dharmas der Abkehr
kṛtā vyāvṛttabuddhayaḥ
eingesetzt jene, deren Denken abgewandt ist (Nom.Pl.)
Zerschneide uns diesen Zweifel, o Brahmane – er ist geheim und uralt: Von dir wurde ja die Erzählung von Nārāyaṇa gehört, die mit dem Dharma verbunden ist.“
Wort für Wort
etaṃ naḥ saṃśayam vipra
diesen unseren Zweifel, o Brahmane (Akk.)
chindhi guhyaṃ sanātanam
zerschneide! geheim, uralt (2.Sg.Imp./Akk.)
tvayā nārāyaṇakathā
von dir die Erzählung von Nārāyaṇa (Instr./Nom.)
śrutā vai dharmasaṃhitā
gehört wurde ja, mit dem Dharma verbunden (Nom.Part.Perf.Pass.)
Sūta sprach: „Was der Schüler des weisen Vyāsa von Janamejaya gefragt wurde, das werde ich dir verkünden, o Bester der Śaunakas – die alte Geschichte –, nachdem ich die Größe dieses höchsten Selbst der verkörperten Wesen gehört habe. Der hochweise Janamejaya sprach zu Vaiśaṃpāyana:“
Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta (Subj.) sprach (3.Sg.Perf.)
janamejayena yat pṛṣṭaḥ śiṣyo vyāsasya dhīmataḥ
was von Janamejaya der Schüler des weisen Vyāsa gefragt wurde (Instr./Akk.Rel./Nom.Part.Perf.Pass./Gen.)
tat te 'haṃ kīrtayiṣyāmi
das werde ich dir verkünden (Akk./Dat./1.Sg.Fut.)
paurāṇaṃ śaunakottama
die alte [Geschichte], o Bester der Śaunakas (Akk./Vok.)
śrutvā māhātmyam etasya dehināṃ paramātmanaḥ
nachdem gehört die Größe dieses höchsten Selbst der verkörperten Wesen (Abs./Akk./Gen./Gen.Pl.)
janamejayo mahāprājño
der hochweise Janamejaya (Nom.)
vaiśaṃpāyanam abravīt
sprach zu Vaiśaṃpāyana (Akk./3.Sg.Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Verskonstruktion ist verschränkt: 'pṛṣṭaḥ' bezieht sich grammatisch auf den Schüler (Vaiśaṃpāyana), der von Janamejaya gefragt wurde; Sūta kündigt an, diese Antwort weiterzugeben.
Diese Welten, samt Brahmā, samt Göttern, Asuras und Menschen, erscheinen allesamt an die Handlungen gebunden, die als Mittel zum Aufstieg gepriesen werden; und die Erlösung wurde von dir, Brahmane, als Verlöschen, als höchstes Glück, bezeichnet.
Wort für Wort
ime sabrahmakā lokāḥ
diese Welten samt Brahmā (Nom.Pl.)
sasurāsuramānavāḥ
samt Göttern, Asuras und Menschen (Nom.Pl.)
kriyāsv abhyudayoktāsu
an die als Aufstieg gepriesenen Handlungen (Lok.Pl.)
saktā dṛśyanti sarvaśaḥ
gebunden erscheinen sie durchweg (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Pass./Adv.)
mokṣaś ca uktas tvayā brahman
und die Erlösung wurde von dir genannt, o Brahmane (Nom./Part.Perf.Pass./Instr./Vok.)
nirvāṇaṃ paramaṃ sukham
das Verlöschen, das höchste Glück (Nom.Apposition)
kiṃ nu brahmā ca rudraś ca śakraś ca balabhit prabhuḥ; sūryas tārādhipo vāyur agnir varuṇa eva ca; ākāśaṃ jagatī caiva ye ca śeṣā divaukasaḥ
Wissen denn Brahmā und Rudra und Śakra, der Herr, der Bezwinger Balas, die Sonne, der Herr der Sterne, der Wind, das Feuer und ebenso Varuṇa, der Himmelsraum und die Erde, und welche übrigen Himmelsbewohner es sonst noch gibt,
Wort für Wort
kiṃ nu brahmā ca rudraś ca
wissen denn Brahmā und Rudra (Interr.Partikel/Nom.)
etan me saṃśayaṃ vipra hṛdi śalyam ivārpitam; chindhītihāsakathanāt paraṃ kautūhalaṃ hi me
Diesen meinen Zweifel, o Brahmane, der wie ein Pfeil ins Herz gestoßen ist, zerschneide durch die Erzählung der alten Geschichte, denn meine Neugier ist übergroß.
Wort für Wort
etan me saṃśayaṃ vipra
diesen meinen Zweifel, o Brahmane (Akk.)
hṛdi śalyam iva arpitam
wie ein Pfeil ins Herz gestoßen (Lok./Akk.Vergl.)
chindhi itihāsakathanāt
zerschneide durch die Erzählung der Geschichte (2.Sg.Imp./Abl.)
Warum wurden die Götter als Anteils-Empfänger bei den Opferriten bezeichnet, o Zweifachgeborener? Und wozu werden die Himmelsbewohner beim Opfer verehrt, o Brahmane?
Wort für Wort
kathaṃ bhāgaharāḥ proktā
wie wurden [sie] als Anteils-Empfänger bezeichnet (Interr./Nom.Pl.Part.Perf.Pass.)
devatāḥ kratuṣu dvija
die Götter bei den Opferriten, o Zweifachgeborener (Nom./Lok.Pl./Vok.)
kimarthaṃ ca adhvare brahman
und wozu beim Opfer, o Brahmane (Interr.Adv./Lok./Vok.)
ijyante tridivaukasaḥ
werden verehrt die Himmelsbewohner (3.Pl.Präs.Pass./Nom.Pl.)
ye ca bhāgaṃ pragṛhṇanti yajñeṣu dvijasattama; te yajanto mahāyajñaiḥ kasya bhāgaṃ dadanti vai
Und diejenigen, die bei den Opfern den Anteil empfangen, o Bester der Zweifachgeborenen – sie, die mit großen Opfern opfern, wessen Anteil geben sie ihrerseits?“
Wort für Wort
ye ca bhāgaṃ pragṛhṇanti
und die, die den Anteil empfangen (Nom.Pl.Rel./Akk./3.Pl.Präs.)
yajñeṣu dvijasattama
bei den Opfern, o Bester der Zweifachgeborenen (Lok.Pl./Vok.)
te yajanto mahāyajñaiḥ
sie, die opfern, mit großen Opfern (Nom.Pl.Part.Präs./Instr.Pl.)
kasya bhāgaṃ dadanti vai
wessen Anteil geben sie denn (Gen.Interr./Akk./3.Pl.Präs.)
Vaiśaṃpāyana sprach: „Ach, eine sehr verborgene Frage hast du gestellt, o Herr der Menschen! Sie kann nämlich weder von jemandem, der keine Askese geübt hat, noch von jemandem, der die Veden nicht kennt, noch auch von jemandem, der die Purāṇas nicht kennt, ohne weiteres beantwortet werden.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
aho gūḍhatamaḥ praśnas
ach, eine überaus verborgene Frage (Interj./Nom.)
tvayā pṛṣṭo janeśvara
von dir gestellt, o Herr der Menschen (Instr./Part.Perf.Pass./Vok.)
na ataptatapasā hy eṣa
nicht von einem ohne Askese ist diese [Frage] (Instr.Neg./Nom.)
na avedaviduṣā tathā
noch von einem, der die Veden nicht kennt (Instr.Neg.)
na apurāṇavidā cāpi
noch auch von einem, der die Purāṇas nicht kennt (Instr.Neg.)
śakyo vyāhartum añjasā
kann ohne weiteres beantwortet werden (Nom.Part./Inf./Adv.)
Diese fünf zusammengekommenen Schüler, alle von Selbstbeherrschung begleitet, mit Reinheit und rechtem Wandel ausgestattet, den Zorn bezwungen, die Sinne bezwungen –
Wort für Wort
etān samāgatān sarvān
diese alle zusammengekommenen (Akk.Pl.)
pañca śiṣyān damānvitān
fünf Schüler, von Selbstbeherrschung begleitet (Akk.Pl.)
śaucācārasamāyuktāñ
mit Reinheit und rechtem Wandel ausgestattet (Akk.Pl.)
jitakrodhāñ jitendriyān
die den Zorn bezwungen, die Sinne bezwungen hatten (Akk.Pl.)
– sie unterrichtete er in den Veden, mit dem Mahābhārata als fünftem, auf dem Meru, dem prächtigen Bergfürsten, dem von Siddhas und Cāraṇas bewohnten Berg.
Wort für Wort
vedān adhyāpayām āsa
er unterrichtete [sie] in den Veden (Akk./3.Sg.Perf.Periphr.)
kiṃ tu brahmātha rudro vā devatā ṛṣayas tathā; prāyaḥ pravṛttimārgasthāḥ kasya devasya śāsanāt; ke vai nivṛttimārgasthāḥ kasya devasya śāsanāt; ke vai yajante sarve 'pi ka eṣām īśvaraḥ paraḥ
Ist es wohl Brahmā oder Rudra oder die Götter oder ebenso die Seher, die größtenteils auf dem Pfad der Hinwendung stehen – durch welches Gottes Gebot? Wer steht auf dem Pfad der Abkehr – durch welches Gottes Gebot? Wer wird von allen verehrt, und wer ist ihr höchster Herr?
Wort für Wort
kiṃ tu brahmā atha rudro vā
ist es nun Brahmā oder Rudra (Interr.Part./Nom.)
devatā ṛṣayas tathā
die Götter, ebenso die Seher (Nom.Pl.)
prāyaḥ pravṛttimārgasthāḥ
die größtenteils auf dem Pfad der Hinwendung stehen (Adv./Nom.Pl.)
kasya devasya śāsanāt
durch welches Gottes Gebot (Gen.Interr./Abl.)
ke vai nivṛttimārgasthāḥ
wer steht auf dem Pfad der Abkehr (Nom.Pl.Interr.)
ke vai yajante sarve 'pi
wer wird von allen verehrt (Nom.Pl.Interr./3.Pl.Präs.Pass.)
ka eṣām īśvaraḥ paraḥ
wer ist ihr höchster Herr (Nom.Interr./Gen.Pl./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
eṣa vai yas tvayā pṛṣṭas tena teṣāṃ prakīrtitaḥ; tataḥ śruto mayā cāpi tavākhyeyo 'dya bhārata
Eben diese Frage, die von dir gestellt wurde, wurde von ihm [Vyāsa] auch ihnen dargelegt; da ich sie darauf ebenfalls gehört habe, ist sie dir heute mitzuteilen, o Bhārata.“
Wort für Wort
eṣa vai yas tvayā pṛṣṭas
eben diese, die von dir gestellt wurde (Nom.Rel./Instr./Part.)
tena teṣāṃ prakīrtitaḥ
von jenem ihnen dargelegt (Instr./Gen.Pl./Part.Perf.Pass.)
tataḥ śruto mayā cāpi
darauf von mir auch gehört (Adv./Part.Perf.Pass./Instr.)
tavākhyeyo 'dya bhārata
dir heute mitzuteilen, o Bhārata (Dat./Gerundiv./Adv./Vok.)
mayā hi sumahat taptaṃ tapaḥ paramadāruṇam; bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyac ca jānīyām iti sattamāḥ
„Von mir wurde eine überaus große, höchst furchtbare Askese vollzogen, damit ich, o ihr Besten, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges erkennen möge.
Wort für Wort
mayā hi sumahat taptaṃ
von mir wurde nämlich eine überaus große vollzogen (Instr./Akk./Part.Perf.Pass.)
tapaḥ paramadāruṇam
Askese, höchst furchtbar (Akk.)
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyac ca
Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges (Akk.)
jānīyām iti sattamāḥ
damit ich erkennen möge, o ihr Besten (1.Sg.Opt./Vok.Pl.)
traikālikam idaṃ jñānaṃ prādurbhūtaṃ yathepsitam; tac chṛṇudhvaṃ yathājñānaṃ vakṣye saṃśayam uttamam; yathā vṛttaṃ hi kalpādau dṛṣṭaṃ me jñānacakṣuṣā
dieses auf die drei Zeiten bezogene Wissen, wie erwünscht. Hört es, so wie es [mir] zuteil wurde: Ich werde den höchsten Zweifel [die Antwort darauf] verkünden, so wie es sich zu Beginn des Weltzeitalters ereignete, wie ich es mit dem Auge der Erkenntnis gesehen habe.
Von ihm ging das Unentfaltete hervor, das die Weisen als ‚Pradhāna‘ [Urstoff] kennen; aus dem Unentfalteten entstand, zum Zweck der Weltschöpfung, aus dem Herrn, das Entfaltete.
Wort für Wort
tasmāt prasūtam avyaktaṃ
von ihm hervorgegangen das Unentfaltete (Abl./Nom.Part./Nom.)
pradhānaṃ tad vidur budhāḥ
als ‚Pradhāna‘ kennen es die Weisen (Akk./Akk./3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
avyaktād vyaktam utpannaṃ
aus dem Unentfalteten das Entfaltete, entstanden (Abl./Nom./Nom.Part.)
lokasṛṣṭyartham īśvarāt
zum Zweck der Weltschöpfung, aus dem Herrn (Akk.Adv./Abl.)
aniruddho hi lokeṣu mahān ātmeti kathyate; yo 'sau vyaktatvam āpanno nirmame ca pitāmaham; so 'haṃkāra iti proktaḥ sarvatejomayo hi saḥ
Aniruddha nämlich wird in den Welten als ‚großes Selbst‘ bezeichnet; er, der den Zustand des Entfaltetseins erlangt hat, schuf den Großvater [Brahmā]; er wird ‚Ahaṃkāra‘ [Ich-Bewusstsein] genannt, denn er ist ganz aus Glanzkraft bestehend.
Wort für Wort
aniruddho hi lokeṣu
Aniruddha nämlich in den Welten (Nom./Lok.Pl.)
mahān ātmeti kathyate
wird als ‚großes Selbst‘ bezeichnet (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
yo 'sau vyaktatvam āpanno
er, der den Zustand des Entfaltetseins erlangt hat (Nom.Rel./Akk./Part.Perf.)
Nachdem er die großen Elemente geschaffen hatte, schuf er sodann wiederum deren Eigenschaften; und aus den Elementen entstanden acht körperhafte Wesen – höre sie!
Wort für Wort
mahābhūtāni sṛṣṭvātha
die großen Elemente geschaffen habend, dann (Akk.Pl./Abs.)
tadguṇān nirmame punaḥ
schuf er wiederum deren Eigenschaften (Akk.Pl./3.Sg.Perf.Med.)
bhūtebhyaś caiva niṣpannā
und aus den Elementen entstanden (Abl.Pl./Nom.Pl.Part.)
mūrtimanto 'ṣṭa tāñ śṛṇu
acht körperhafte [Wesen] – höre sie! (Nom.Pl./Akk.Pl./2.Sg.Imp.)
marīcir aṅgirāś cātriḥ pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ; vasiṣṭhaś ca mahātmā vai manuḥ svāyaṃbhuvas tathā; jñeyāḥ prakṛtayo 'ṣṭau tā yāsu lokāḥ pratiṣṭhitāḥ
Marīci, Aṅgiras und Atri, Pulastya, Pulaha, Kratu, und Vasiṣṭha, der Großherzige, und ebenso Manu Svāyaṃbhuva – diese acht sind als die Urgründe zu erkennen, in denen die Welten gegründet sind.
Wort für Wort
marīcir aṅgirāś cātriḥ
Marīci, Aṅgiras und Atri (Nom.)
pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ
Pulastya, Pulaha, Kratu (Nom.)
vasiṣṭhaś ca mahātmā vai
und Vasiṣṭha, der Großherzige (Nom.)
manuḥ svāyaṃbhuvas tathā
und ebenso Manu Svāyaṃbhuva (Nom.)
jñeyāḥ prakṛtayo 'ṣṭau tā
diese acht sind als Urgründe zu erkennen (Nom.Pl.Gerundiv./Nom.Pl.)
yāsu lokāḥ pratiṣṭhitāḥ
in denen die Welten gegründet sind (Lok.Pl.Rel./Nom.Pl.Part.Perf.Pass.)
vayaṃ hi sṛṣṭā bhagavaṃs tvayā vai prabhaviṣṇunā; yena yasminn adhīkāre vartitavyaṃ pitāmaha
‚Wir wurden ja, o Erhabener, von dir, dem Mächtigen, geschaffen; von wem soll in welchem Amt gewaltet werden, o Großvater?
Wort für Wort
vayaṃ hi sṛṣṭā bhagavaṃs
wir wurden ja geschaffen, o Erhabener (Nom.Pl.Part.Perf.Pass./Vok.)
tvayā vai prabhaviṣṇunā
von dir, dem Mächtigen (Instr.)
yena yasminn adhīkāre
von wem, in welchem Amt (Instr.Rel./Lok.Rel.)
vartitavyaṃ pitāmaha
gewaltet werden soll, o Großvater (Gerundiv./Vok.)
Ab hier sprechen die eben entstandenen Götter (Rudras u.a.) zu Brahmā, ohne dass ein eigenes 'uvāca' die Rede einleitet; im Deutschen als eingebettete Rede mit einfachen Anführungszeichen markiert.
Gut bin ich von euch, o Götter, unterrichtet worden; Wohlergehen sei euch! Auch mir ist eben jene Sorge entstanden, die euch [allen] als [berechtigt] gilt.
Wort für Wort
sādhu ahaṃ jñāpitaḥ
gut bin ich unterrichtet worden (1.Sg./Part.Perf.Pass.)
devāḥ
o Götter (Vok.Pl.)
yuṣmābhir
durch euch (Instr.Pl.)
bhadram astu vaḥ
Wohl sei euch (Nom.Sg./3.Sg.Imp./Dat.Pl.)
mama api eṣā samutpannā cintā
auch mir ist diese Sorge entstanden (Gen.Sg./Nom.Sg.Fem./Part.Perf.)
yā bhavatāṃ matā
die euch als [richtig] gilt (Nom.Sg.Fem.Rel./Gen.Pl./Part.Perf.Pass.)
lokatantrasya kṛtsnasya kathaṃ kāryaḥ parigrahaḥ; kathaṃ balakṣayo na syād yuṣmākaṃ hy ātmanaś ca me
Wie ist die Aufrechterhaltung des gesamten Weltengefüges zu bewerkstelligen? Wie könnte es nicht zu einem Schwinden der Kraft kommen, weder bei euch noch bei mir selbst?
Wort für Wort
lokatantrasya kṛtsnasya
des gesamten Weltengefüges (Gen.Sg.)
kathaṃ kāryaḥ parigrahaḥ
wie ist die Aufrechterhaltung zu bewirken (Interr./Gerundiv/Nom.Sg.)
kathaṃ balakṣayo na syād
wie sollte kein Kraftschwund entstehen (Interr./Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
yuṣmākaṃ hy ātmanaś ca me
bei euch ja und bei mir selbst (Gen.Pl./Gen.Sg./Gen.Sg.)
itaḥ sarve 'pi gacchāmaḥ śaraṇaṃ lokasākṣiṇam; mahāpuruṣam avyaktaṃ sa no vakṣyati yad dhitam
Von hier lasst uns alle gehen zum Zeugen der Welt als Schutz [suchend], zum großen, unerscheinlichen [Ur-]Menschen; er wird uns sagen, was heilsam ist.
Wort für Wort
itaḥ sarve 'pi gacchāmaḥ
von hier wollen wir alle gehen (1.Pl.Präs.)
śaraṇaṃ lokasākṣiṇam
zum Zeugen der Welt als Schutz (Akk.Sg.)
mahāpuruṣam avyaktam
zum großen, unerscheinlichen [Ur-]Menschen (Akk.Sg.)
te tapaḥ samupātiṣṭhan brahmoktaṃ vedakalpitam; sa mahāniyamo nāma tapaścaryā sudāruṇā
Sie unterzogen sich der Askese, die von Brahmā verkündet und vom Veda festgesetzt war; diese [Übung], genannt „die große Zucht“, war eine sehr schreckliche Ausübung der Askese.
Wort für Wort
te tapaḥ samupātiṣṭhan
sie unterzogen sich der Askese (Nom.Pl./Akk.Sg./3.Pl.Impf.)
brahmoktaṃ vedakalpitam
von Brahmā verkündet, vom Veda festgesetzt (Akk.Sg.Adj.)
ūrdhvaṃ dṛṣṭir bāhavaś ca ekāgraṃ ca mano 'bhavat; ekapādasthitāḥ samyak kāṣṭhabhūtāḥ samāhitāḥ
Nach oben [gerichtet] waren [ihr] Blick und die Arme, und einspitzig wurde [ihr] Geist; auf einem Fuß standen sie recht, wie Holzscheite reglos, gesammelt.
Wort für Wort
ūrdhvaṃ dṛṣṭir bāhavaś ca
nach oben [gerichtet] Blick und Arme (Nom.Sg./Nom.Pl.)
ekāgraṃ ca mano 'bhavat
und einspitzig wurde der Geist (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
Ho, ho, Götter mitsamt Brahmā, und ihr Seher, deren Reichtum die Askese ist! Nachdem ich euch alle mit einem Willkommensgruß geehrt habe, lasse ich [euch] das höchste Wort hören.
Wort für Wort
bho bhoḥ
Ho, ho! (Interjektion)
sabrahmakā devā
Götter mitsamt Brahmā (Vok.Pl.)
ṛṣayaś ca tapodhanāḥ
und Seher, reich an Askese (Vok.Pl.)
svāgatena arcya vaḥ sarvāñ
euch alle mit einem Willkommensgruß geehrt habend (Instr.Sg./Ger./Akk.Pl.)
śrāvaye vākyam uttamam
ich lasse das höchste Wort hören (1.Sg.Präs.Kaus./Akk.Sg.)
vijñātaṃ vo mayā kāryaṃ tac ca lokahitaṃ mahat; pravṛttiyuktaṃ kartavyaṃ yuṣmatprāṇopabṛṃhaṇam
Verstanden ist von mir euer Anliegen, und das ist ein großes Wohl der Welt; es ist, verbunden mit tätigem Handeln, zu vollziehen, [als] eine Stärkung eurer Lebenskraft.
Wort für Wort
vijñātaṃ vo mayā kāryaṃ
verstanden ist von mir euer Anliegen (Nom.Sg./Gen.Pl./Instr.Sg./Nom.Sg.)
tac ca lokahitaṃ mahat
und das [ist] ein großes Weltwohl (Nom.Sg.)
pravṛttiyuktaṃ kartavyaṃ
mit tätigem Handeln verbunden, zu tun (Nom.Sg.Gerundiv)
sutaptaṃ vas tapo devā mamārādhanakāmyayā; bhokṣyathāsya mahāsattvās tapasaḥ phalam uttamam
Wohl vollzogen ist eure Askese, o Götter, aus dem Wunsch, mich zu erfreuen; ihr werdet, o hochgesinnte Wesen, davon die höchste Frucht der Askese genießen.
Wort für Wort
sutaptaṃ vas tapo devā
wohl vollzogen [ist] eure Askese, o Götter (Nom.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg./Vok.Pl.)
śrutvaitad devadevasya vākyaṃ hṛṣṭatanūruhāḥ; tatas te vibudhāḥ sarve brahmā te ca maharṣayaḥ
Nachdem sie dieses Wort des Gottes der Götter gehört hatten, mit vor Freude gesträubten Körperhaaren, da sie, alle Götter, Brahmā und jene großen Seher —
Wort für Wort
śrutvā etad devadevasya vākyaṃ
gehört habend dieses Wort des Gottes der Götter (Ger./Akk.Sg./Gen.Sg./Akk.Sg.)
hṛṣṭatanūruhāḥ
mit vor Freude gesträubten Körperhaaren (Nom.Pl.)
tatas te vibudhāḥ sarve
da sie, alle Götter (Adv./Nom.Pl.)
brahmā te ca maharṣayaḥ
Brahmā und jene großen Seher (Nom.Sg./Nom.Pl.)
Der Satz läuft syntaktisch in den folgenden Vers hinüber (Hauptverb dort).
… vollzogen sie, nach der im Veda festgelegten Vorschrift, ein Viṣṇu-Opfer. Bei jenem Opfer setzte da Brahmā selbst [seinen] Anteil fest, und die Götter und die Götterseher, sie alle, setzten [ihre] Anteile fest.
Wort für Wort
vedadṛṣṭena vidhinā
nach der im Veda gesehenen Vorschrift (Instr.Sg.)
vaiṣṇavaṃ kratum āharan
vollzogen ein Viṣṇu-Opfer (Akk.Sg./3.Pl.Impf.)
tasmin satre tadā
bei jenem Opfer da (Lok.Sg./Adv.)
brahmā svayaṃ bhāgam akalpayat
Brahmā selbst setzte [seinen] Anteil fest (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Impf.)
devā devarṣayaś caiva sarve
die Götter und die Götterseher, sie alle (Nom.Pl.)
bhāgān akalpayan
setzten [ihre] Anteile fest (Akk.Pl./3.Pl.Impf.)
Fortsetzung des im vorigen Vers begonnenen Satzes.
te kārtayugadharmāṇo bhāgāḥ paramasatkṛtāḥ; prāpur ādityavarṇaṃ taṃ puruṣaṃ tamasaḥ param; bṛhantaṃ sarvagaṃ devam īśānaṃ varadaṃ prabhum
Jene Anteile, [gemäß] den Gepflogenheiten des Kṛtayuga, höchst trefflich verehrt, erreichten jenen Menschen von der Farbe der Sonne, der jenseits des Dunkels ist, den gewaltigen, allgegenwärtigen Gott, den Herrscher, den Gabenspender, den Gebieter.
Wort für Wort
te kārtayugadharmāṇo bhāgāḥ
jene dem Kṛtayuga-Dharma [gemäßen] Anteile (Nom.Pl.)
„Von wem welcher Anteil festgesetzt wurde, der ist so [zu mir] gekommen; erfreut [darüber] gewähre ich nun die Frucht, die durch Wiederkehr gekennzeichnet ist.
Wort für Wort
yena yaḥ kalpito bhāgaḥ
von wem welcher Anteil festgesetzt wurde (Instr.Sg./Nom.Sg.Rel./Nom.Sg.)
sa tathā samupāgataḥ
der ist so [hier] angekommen (Nom.Sg./Adv./Part.Perf.)
prīto 'haṃ
erfreut [bin] ich (Nom.Sg.)
pradiśāmy adya
ich gewähre nun (1.Sg.Präs./Adv.)
phalam āvṛttilakṣaṇam
die Frucht, gekennzeichnet durch Wiederkehr (Akk.Sg.)
Dies ist euer Kennzeichen, o Götter, entstanden aus meiner Gnade: Ihr werdet, verehrt durch Opfer, deren Gaben und Segnungen vollendet sind, Zeitalter für Zeitalter zu Genießern der Frucht des tätigen [Opfer]handelns werden.
Wort für Wort
etad vo lakṣaṇaṃ devā
dies [ist] euer Kennzeichen, o Götter (Nom.Sg./Gen.Pl./Vok.Pl.)
matprasādasamudbhavam
aus meiner Gnade entstanden (Nom.Sg.)
yūyaṃ yajñair ijyamānāḥ
ihr, durch Opfer verehrt werdend (Nom.Pl./Instr.Pl./Part.Präs.Pass.)
samāptavaradakṣiṇaiḥ
mit vollendeten Gaben und Segnungen (Instr.Pl.)
yuge yuge bhaviṣyadhvaṃ
Zeitalter für Zeitalter werdet ihr sein (Lok.Sg.wdh./2.Pl.Fut.)
pravṛttiphalabhoginaḥ
Genießer der Frucht des tätigen Handelns (Nom.Pl.)
yajñair ye cāpi yakṣyanti sarvalokeṣu vai surāḥ; kalpayiṣyanti vo bhāgāṃs te narā vedakalpitān
Und auch, welche Menschen künftig in allen Welten mit Opfern opfern werden, o Götter — jene Menschen werden euch die im Veda festgesetzten Anteile zuteilen.
Wort für Wort
yajñair ye cāpi yakṣyanti
welche auch mit Opfern opfern werden (Instr.Pl./Nom.Pl.Rel./3.Pl.Fut.)
sarvalokeṣu vai surāḥ
in allen Welten, wahrlich, o Götter (Lok.Pl./Vok.Pl.)
kalpayiṣyanti vo bhāgāṃs
sie werden euch Anteile zuteilen (3.Pl.Fut./Dat.Pl./Akk.Pl.)
te narā vedakalpitān
jene Menschen, vom Veda festgesetzte (Nom.Pl./Akk.Pl.)
yo me yathā kalpitavān bhāgam asmin mahākratau; sa tathā yajñabhāgārho vedasūtre mayā kṛtaḥ
Wer mir, auf welche Weise auch immer, bei diesem großen Opfer einen Anteil zugeteilt hat, der ist ebenso als des Opferanteils würdig von mir im Veda-Regelwerk festgesetzt worden.
Wort für Wort
yo me yathā kalpitavān
wer mir, wie auch immer, zugeteilt hat (Nom.Sg.Rel./Dat.Sg./Adv./Part.Perf.Akt.)
bhāgam asmin mahākratau
einen Anteil bei diesem großen Opfer (Akk.Sg./Lok.Sg.)
sa tathā yajñabhāgārho
der [ist] ebenso des Opferanteils würdig (Nom.Sg./Adv./Nom.Sg.)
vedasūtre mayā kṛtaḥ
von mir im Veda-Regelwerk festgesetzt (Lok.Sg./Instr.Sg./Part.Perf.Pass.)
Ihr, gestärkt durch die Frucht der Opferanteile, sollt die Welten tragen, als Sorgende für alle Angelegenheiten in der Welt, gemäß eurem jeweiligen Amt eingesetzt.
Wort für Wort
yūyaṃ lokān dhārayadhvaṃ
ihr sollt die Welten tragen (Nom.Pl./Akk.Pl./2.Pl.Imp.)
yajñabhāgaphaloditāḥ
erstanden aus der Frucht der Opferanteile (Nom.Pl.)
sarvārthacintakā loke
Sorgende für alle Angelegenheiten in der Welt (Nom.Pl./Lok.Sg.)
yūyaṃ hi bhāvitā loke sarvayajñeṣu mānavaiḥ; māṃ tato bhāvayiṣyadhvam eṣā vo bhāvanā mama
Ihr werdet nämlich in der Welt von den Menschen in allen Opfern verehrt und genährt werden; daraufhin sollt ihr mich verehren — dies ist meine Absicht für euch.
Wort für Wort
yūyaṃ hi bhāvitā loke
ihr werdet ja genährt/verehrt in der Welt (Nom.Pl./Part.Perf.Pass./Lok.Sg.)
sarvayajñeṣu mānavaiḥ
in allen Opfern durch die Menschen (Lok.Pl./Instr.Pl.)
māṃ tato bhāvayiṣyadhvam
mich sollt ihr daraufhin verehren (Akk.Sg./Adv./2.Pl.Fut.)
eṣā vo bhāvanā mama
dies [ist] meine Absicht für euch (Nom.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg./Gen.Sg.)
Zu diesem Zweck wurden die Veden geschaffen und die Opfer zusammen mit den [Opfer-]Pflanzen; denn durch diese, recht angewendet, werden die Gottheiten auf Erden erfreut.
Wort für Wort
ityarthaṃ nirmitā vedā
zu diesem Zweck wurden die Veden geschaffen (Adv./Nom.Pl.Part.Perf./Nom.Pl.)
yajñāś cauṣadhibhiḥ saha
und die Opfer zusammen mit den Pflanzen (Nom.Pl./Instr.Pl.)
ebhiḥ samyak prayuktair hi
durch diese, recht angewendet, denn (Instr.Pl./Adv./Instr.Pl.)
prīyante devatāḥ kṣitau
werden die Gottheiten auf Erden erfreut (3.Pl.Präs.Med./Nom.Pl./Lok.Sg.)
Diese Einrichtung [ist] für euch, geschaffen mit der Eigenschaft des tätigen Handelns, von mir gemacht, o Beste der Götter, bis zum Ende des Weltzeitalters — so [ist es]. Bedenkt das Wohl der Welt, jeder gemäß seinem Amt, o Gebieter.“
Wort für Wort
nirmāṇam etad yuṣmākaṃ
diese Einrichtung [ist] für euch (Nom.Sg./Gen.Pl.)
pravṛttiguṇakalpitam
gefügt mit der Eigenschaft des tätigen Handelns (Nom.Sg.)
mayā kṛtaṃ suraśreṣṭhā
von mir gemacht, o Beste der Götter (Instr.Sg./Nom.Sg./Vok.Pl.)
yāvat kalpakṣayād iti
bis zum Ende des Weltzeitalters, so (Adv./Abl.Sg.)
ete vedavido mukhyā vedācāryāś ca kalpitāḥ; pravṛttidharmiṇaś caiva prājāpatyena kalpitāḥ
Diese sind die vornehmsten Kenner des Veda und wurden zu Veda-Lehrern bestimmt, und ebenso, dem Dharma des tätigen Handelns folgend, wurden sie durch die [Schöpfermacht] Prajāpatis erschaffen.
Wort für Wort
ete vedavido mukhyā
diese, die vornehmsten Vedakenner (Nom.Pl.)
vedācāryāś ca kalpitāḥ
und wurden zu Veda-Lehrern bestimmt (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
pravṛttidharmiṇaś caiva
und ebenso Anhänger des tätigen Dharma (Nom.Pl.)
prājāpatyena kalpitāḥ
durch [die Macht] Prajāpatis erschaffen (Instr.Sg./Part.Perf.Pass.)
ete yogavido mukhyāḥ sāṃkhyadharmavidas tathā; ācāryā mokṣaśāstre ca mokṣadharmapravartakāḥ
Diese sind die vornehmsten Kenner des Yoga und ebenso Kenner der Sāṃkhya-Lehre, Lehrmeister in der Lehre von der Erlösung und Verkünder des Erlösungs-Dharma.
Wort für Wort
ete yogavido mukhyāḥ
diese, die vornehmsten Yogakenner (Nom.Pl.)
sāṃkhyadharmavidas tathā
und ebenso Kenner der Sāṃkhya-Lehre (Nom.Pl.)
ācāryā mokṣaśāstre ca
und Lehrmeister in der Erlösungslehre (Nom.Pl./Lok.Sg.)
yato 'haṃ prasṛtaḥ pūrvam avyaktāt triguṇo mahān; tasmāt parataro yo 'sau kṣetrajña iti kalpitaḥ; so 'haṃ kriyāvatāṃ panthāḥ punarāvṛttidurlabhaḥ
Von woher ich vordem aus dem Unentfalteten hervorging, das Große, aus drei Eigenschaften Bestehende — höher als dieses ist jener, der „Feldkenner“ [kṣetrajña, das [höhere] Selbst] genannt wird: Der [bin] ich, der Pfad der Handelnden, von dem eine Wiederkehr [in die Wiedergeburt] schwer zu erlangen ist.
Wort für Wort
yato 'haṃ prasṛtaḥ pūrvam
von woher ich vordem hervorging (Abl./Nom.Sg./Adv./Part.Perf.)
avyaktāt triguṇo mahān
aus dem Unentfalteten, das Große, aus drei Eigenschaften (Abl.Sg./Nom.Sg.)
tasmāt parataro yo 'sau
höher als dieses [ist] jener (Abl.Sg./Nom.Sg.Kompar./Nom.Sg.Rel.)
kṣetrajña iti kalpitaḥ
„Feldkenner“ genannt (Nom.Sg./Part.Perf.Pass.)
so 'haṃ kriyāvatāṃ panthāḥ
der [bin] ich, der Pfad der Handelnden (Nom.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg.)
punarāvṛttidurlabhaḥ
von dem Wiederkehr schwer zu erlangen ist (Nom.Sg., Bahuvrihi)
Philosophisch dichte Stelle (Identifikation von Mahat/Aniruddha mit dem höheren kṣetrajña); Deutung nach wahrscheinlichstem Sinn.
yo yathā nirmito jantur yasmin yasmiṃś ca karmaṇi; pravṛttau vā nivṛttau vā tatphalaṃ so 'śnute 'vaśaḥ
Welches Geschöpf auch immer, auf welche Weise auch immer erschaffen, in welcher Handlung auch immer — sei es im [Pfad des] tätigen Handelns oder in dem der Weltabkehr —, es genießt unweigerlich deren Frucht.
Wort für Wort
yo yathā nirmito jantur
welches Geschöpf, wie auch immer erschaffen (Nom.Sg.Rel./Adv./Part.Perf./Nom.Sg.)
yasmin yasmiṃś ca karmaṇi
und in welcher Handlung auch immer (Lok.Sg.)
pravṛttau vā nivṛttau vā
sei es im tätigen Handeln, sei es in der Weltabkehr (Lok.Sg.)
tatphalaṃ so 'śnute
jene Frucht genießt es (Akk.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
Dieser ist Brahmā, der Weltlehrer, der Gebieter, der Urheber der Weltentstehung; er ist Mutter und Vater zugleich, und euer Großvater; von mir unterwiesen, wird er der Gabenspender für alle Wesen sein.
Wort für Wort
eṣa lokagurur brahmā
dieser [ist] Brahmā, der Weltlehrer (Nom.Sg.)
jagadādikaraḥ prabhuḥ
der Gebieter, Urheber der Welt (Nom.Sg.)
eṣa mātā pitā caiva
dieser [ist] Mutter und Vater zugleich (Nom.Sg.)
yuṣmākaṃ ca pitāmahaḥ
und euer Großvater (Gen.Pl./Nom.Sg.)
mayānuśiṣṭo bhavitā
von mir unterwiesen wird er sein (Instr.Sg./Part.Perf.Pass./3.Sg.Fut.Periphr.)
asya caivānujo rudro lalāṭād yaḥ samutthitaḥ; brahmānuśiṣṭo bhavitā sarvatrasavarapradaḥ
Und sein jüngerer Bruder ist Rudra, der aus [Brahmās] Stirn entstanden ist; von Brahmā unterwiesen, wird er der Gabenspender für alle furchtsamen Geschöpfe sein.
Wort für Wort
asya caivānujo rudro
und dessen jüngerer Bruder [ist] Rudra (Gen.Sg./Nom.Sg. je)
lalāṭād yaḥ samutthitaḥ
der aus der Stirn entstanden ist (Abl.Sg./Nom.Sg.Rel./Part.Perf.)
brahmānuśiṣṭo bhavitā
von Brahmā unterwiesen wird er sein (Instr.Sg./Part.Perf.Pass./3.Sg.Fut.Periphr.)
sarvatrasavarapradaḥ
der Gabenspender für alle furchtsamen Wesen (Nom.Sg.)
pradṛśyantāṃ ca karmāṇi prāṇināṃ gatayas tathā; parinirmitakālāni āyūṃṣi ca surottamāḥ
Und sichtbar sollen werden die Taten [der Geschöpfe] und ebenso die Schicksale der Lebewesen, [ihre] Lebensspannen mit vollständig festgelegten Zeitmaßen, o Beste der Götter.
Wort für Wort
pradṛśyantāṃ ca karmāṇi
und sichtbar sollen werden die Taten (3.Pl.Imp.Pass./Nom.Pl.)
prāṇināṃ gatayas tathā
und ebenso die Schicksale der Lebewesen (Gen.Pl./Nom.Pl.)
parinirmitakālāni āyūṃṣi ca
und die Lebensspannen mit festgelegten Zeitmaßen (Nom.Pl.)
Und der Dharma, um drei Viertel gemindert, wird in jenem Zeitalter [herrschen].
Wort für Wort
tripādahīno dharmaś ca
und der um drei Viertel geminderte Dharma (Nom.Sg.)
yuge tasmin bhaviṣyati
wird in jenem Zeitalter sein (Lok.Sg./3.Sg.Fut.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). [Anm.: Zusatzvers (nur in Teil der Handschriften); scheint im Widerspruch zum unmittelbar folgenden Vers zu stehen, der für dasselbe Zeitalter einen vollständigen, vierfüßigen Dharma nennt - vermutlich ursprünglich auf ein anderes Weltzeitalter bezogen und hier durch die Überlieferung versetzt.]
tatas tretāyugaṃ nāma trayī yatra bhaviṣyati; prokṣitā yatra paśavo vadhaṃ prāpsyanti vai makhe; tatra pādacaturtho vai dharmasya na bhaviṣyati
Dann [kommt] das sogenannte Tretā-Zeitalter, in dem die Dreiheit [der Veden] bestehen wird; wo die geweihten Opfertiere im Opfer den Tod erleiden werden – dort wird das vierte Viertel des Dharma nicht mehr bestehen.
Wort für Wort
tatas tretāyugaṃ nāma
dann das sogenannte Tretā-Zeitalter (Nom.)
trayī yatra bhaviṣyati
wo die Dreiheit [der Veden] sein wird (Nom./3.Sg.Fut.)
prokṣitā yatra paśavo
wo die geweihten Tiere (Nom.Pl.)
vadhaṃ prāpsyanti vai makhe
den Tod erlangen werden im Opfer (Akk./3.Pl.Fut./Lok.)
Dort werden die Tiere getötet, hier werden sie an den Opferpfählen festgebunden.
Wort für Wort
tatra vadhyanti paśavo
dort werden die Tiere getötet (Adv./3.Pl.Pass.Präs./Nom.Pl.)
yūpeṣv atra nibadhyate
hier werden [sie] an die Opferpfähle gebunden (Lok.Pl./Adv./3.Sg.Pass.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; das Verb nibadhyate steht auffällig im Singular zu paśavaḥ (Pl.) – wohl distributiv/generisch gebraucht.
Die Götter sprachen: „Wenn der Dharma nur auf einem Viertel steht und dabei ziellos wohin auch immer wandert – was ist dann von uns zu tun? Herr, sage uns das!“
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
ekapādasthite dharme
wenn der Dharma auf einem Viertel steht (Lok.Abs.)
yatrakvacanagāmini
der wohin auch immer wandert (Lok., Attrib. zu dharme)
śrībhagavān uvāca; guravo yatra pūjyante sādhuvṛttāḥ śamānvitāḥ; vastavyaṃ tatra yuṣmābhir yatra dharmo na hīyate
Der erhabene Herr sprach: „Wo Lehrer verehrt werden, die guten Wandel haben und mit Gelassenheit ausgestattet sind, dort – wo der Dharma nicht schwindet
Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
guravo yatra pūjyante
wo Lehrer verehrt werden (Nom.Pl./3.Pl.Pass.Präs.)
sādhuvṛttāḥ śamānvitāḥ
von gutem Wandel, mit Gelassenheit ausgestattet (Nom.Pl., Attrib.)
vastavyaṃ tatra yuṣmābhir
dort sollt ihr wohnen (Ger./Adv./Instr.Pl.)
yatra dharmo na hīyate
wo der Dharma nicht schwindet (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
yatra vedāś ca yajñāś ca tapaḥ satyaṃ damas tathā; ahiṃsādharmasaṃyuktāḥ pracareyuḥ surottamāḥ; sa vai deśaḥ sevitavyo mā vo 'dharmaḥ padā spṛśet
sollt ihr wohnen – wo Veden und Opfer, Askese, Wahrheit und Selbstbeherrschung, verbunden mit dem Dharma der Gewaltlosigkeit, sich entfalten mögen, o ihr Besten der Götter: jenes Land sollt ihr aufsuchen, damit das Unrecht euch nicht [auch nur] mit dem Fuß berühre.“
Wort für Wort
yatra vedāś ca yajñāś ca
wo Veden und Opfer (Nom.Pl.)
tapaḥ satyaṃ damas tathā
Askese, Wahrheit, Selbstbeherrschung (Nom.)
ahiṃsādharmasaṃyuktāḥ pracareyuḥ
verbunden mit dem Dharma der Gewaltlosigkeit mögen sie wirken (Nom.Pl./3.Pl.Opt.)
surottamāḥ
o ihr Besten der Götter (Vok.Pl.)
sa vai deśaḥ sevitavyo
jenes Land soll aufgesucht werden (Nom./Ger.)
mā vo 'dharmaḥ padā spṛśet
damit das Unrecht euch nicht mit dem Fuß berühre (Neg.Opt./Gen.Pl./Instr.)
Vyāsa sprach: Jene von dem Erhabenen unterwiesenen Götter und ebenso die Scharen der Weisen erwiesen dem Erhabenen Verehrung und gingen [dann] in die Länder, die sie sich wünschten.
Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
te 'nuśiṣṭā bhagavatā
jene von dem Erhabenen unterwiesenen (Nom.Pl.-PPP/Instr.)
devāḥ sarṣigaṇās tathā
Götter und die Scharen der Weisen (Nom.Pl.)
namaskṛtvā bhagavate
nachdem sie dem Erhabenen Verehrung erwiesen hatten (Abs./Dat.)
jagmur deśān yathepsitān
gingen sie in die gewünschten Länder (3.Pl.Perf./Akk.Pl.)
gateṣu tridivaukaḥsu brahmaikaḥ paryavasthitaḥ; didṛkṣur bhagavantaṃ tam aniruddhatanau sthitam
Als die Himmelsbewohner [die Götter] fortgegangen waren, blieb Brahmā allein zurück, begierig, jenen Erhabenen zu sehen, der in der Gestalt des Aniruddha weilte.
Wort für Wort
gateṣu tridivaukaḥsu
als die Himmelsbewohner gegangen waren (Lok.Abs.Pl.)
brahmaikaḥ paryavasthitaḥ
blieb Brahmā allein zurück (Nom./PPP)
didṛkṣur bhagavantaṃ tam
begierig, jenen Erhabenen zu sehen (Nom.Desid./Akk.)
Der Gott zeigte sich ihm, nachdem er ein großes Pferdehaupt angenommen hatte, die Veden mit ihren Zweigen [Vedāṅgas] rezitierend, einen Wasserkrug und eine Zählschnur tragend.
Wort für Wort
taṃ devo darśayām āsa
ihm zeigte sich der Gott (Akk./Nom./3.Sg.Perf.Kaus.)
kṛtvā hayaśiro mahat
nachdem er ein großes Pferdehaupt angenommen hatte (Abs./Akk.)
sāṅgān āvartayan vedān
die Veden mit ihren Gliedern rezitierend (Akk.Pl./Part.Präs./Akk.Pl.)
kamaṇḍalugaṇitradhṛk
Wasserkrug und Zählschnur tragend (Nom., Kompositum)
tato 'śvaśirasaṃ dṛṣṭvā taṃ devam amitaujasam; lokakartā prabhur brahmā lokānāṃ hitakāmyayā
Als dann Brahmā, der Weltenschöpfer, der Herr, aus Verlangen nach dem Wohl der Welten, jenen pferdeköpfigen Gott von unermesslicher Macht erblickt hatte –
Wort für Wort
tato 'śvaśirasaṃ dṛṣṭvā
dann, nachdem er den Pferdeköpfigen gesehen hatte (Adv./Akk./Abs.)
taṃ devam amitaujasam
jenen Gott von unermesslicher Kraft (Akk.)
lokakartā prabhur brahmā
Brahmā, der Weltenschöpfer, der Herr (Nom.)
lokānāṃ hitakāmyayā
aus Verlangen nach dem Wohl der Welten (Gen.Pl./Instr.)
Der Satz setzt sich grammatisch in Vers 93 fort (Hauptverb tasthau).
nachdem er sich mit dem Kopf vor dem Wunscherfüller verneigt hatte, stand er mit gefalteten Händen vor ihm; von dem Gott umarmt, wurde er dann mit einer Rede angesprochen.
Wort für Wort
mūrdhnā praṇamya varadaṃ
nachdem er sich mit dem Kopf vor dem Wunscherfüller verneigt hatte (Instr./Abs./Akk.)
tasthau prāñjalir agrataḥ
stand er mit gefalteten Händen davor (3.Sg.Perf./Nom./Adv.)
sa pariṣvajya devena
er, von dem Gott umarmt (Nom./Abs./Instr.)
vacanaṃ śrāvitas tadā
wurde er dann mit einer Rede angesprochen (Akk./PPP-Kaus./Adv.)
pariṣvajya (Absolutiv) ist logisch auf den Gott (Instr. devena) bezogen, nicht auf das Subjekt sa; im Deutschen daher passivisch wiedergegeben.
„Bedenke du alle Angelegenheiten der Welt vorschriftsgemäß; du bist der Ordner aller Wesen, du bist der Herr, der Lehrer der Welt. Ich, der ich die Last auf dich gelegt habe, werde dadurch mühelos Festigkeit erlangen.
Wort für Wort
lokakāryagatīḥ sarvās
alle Angelegenheiten der Welt (Akk.Pl.)
tvaṃ cintaya yathāvidhi
bedenke du vorschriftsgemäß (Nom./2.Sg.Imp./Adv.)
dhātā tvaṃ sarvabhūtānāṃ
du bist der Ordner aller Wesen (Nom./Gen.Pl.)
tvaṃ prabhur jagato guruḥ
du bist der Herr, der Lehrer der Welt (Nom./Gen.)
tvayy āveśitabhāro 'haṃ
ich, der die Last auf dich gelegt hat (Lok./Nom.-PPP/Nom.)
dhṛtiṃ prāpsyāmy athāñjasā
werde dann mühelos Festigkeit erlangen (Akk./1.Sg.Fut./Adv.)
Und er, gestützt auf den Dharma der Weltentsagung – den Weg derer, deren Dharma unvergänglich ist –, ordnete die Dharmas des [weltlichen] Wirkens, nachdem er die Vielgestaltigkeit der Welt geschaffen hatte.
Wort für Wort
nivṛttiṃ cāsthito dharmaṃ
und gestützt auf den Dharma der Weltentsagung (Akk./PPP/Akk.)
gatim akṣayadharmiṇām
den Weg derer mit unvergänglichem Dharma (Akk./Gen.Pl.)
pravṛttidharmān vidadhe
ordnete er die Dharmas des Wirkens (Akk.Pl./3.Sg.Perf.Med.)
kṛtvā lokasya citratām
nachdem er die Vielgestaltigkeit der Welt geschaffen hatte (Abs./Gen./Akk.)
sa ādiḥ sa madhyaḥ sa cāntaḥ prajānāṃ; sa dhātā sa dheyaḥ sa kartā sa kāryam; yugānte sa suptaḥ susaṃkṣipya lokān; yugādau prabuddho jagad dhy utsasarja
Er ist der Anfang, er die Mitte, und er das Ende der Geschöpfe; er ist der Träger, und er das zu Tragende, er der Handelnde, und er das Werk. Am Ende des Zeitalters schläft er, nachdem er die Welten wohl in sich aufgenommen hat; am Anfang des Zeitalters, erwacht, entließ er fürwahr die Welt [aus sich].
Wort für Wort
sa ādiḥ sa madhyaḥ
er der Anfang, er die Mitte (Nom.)
sa cāntaḥ prajānāṃ
und er das Ende der Geschöpfe (Nom./Gen.Pl.)
sa dhātā sa dheyaḥ
er der Träger, er das zu Tragende (Nom.)
sa kartā sa kāryam
er der Handelnde, er das Werk (Nom.)
yugānte sa suptaḥ
am Ende des Zeitalters schläft er (Lok./Nom.-PPP)
susaṃkṣipya lokān
nachdem er die Welten eingezogen hat (Abs./Akk.Pl.)
yugādau prabuddho
am Anfang des Zeitalters, erwacht (Lok./PPP)
jagad dhy utsasarja
entließ er wahrlich die Welt (Akk./Adv./3.Sg.Perf.)
sa ādiḥ sa ca madhyaṃ vai buddhaḥ sṛjati vai jagat
Er ist der Anfang, und er wahrlich auch die Mitte; erwacht erschafft er fürwahr die Welt.
Wort für Wort
sa ādiḥ sa ca madhyaṃ vai
er der Anfang, und er wahrlich die Mitte (Nom., madhyam metrisch/kasuell unregelmäßig für Nom.)
buddhaḥ sṛjati vai jagat
erwacht erschafft er fürwahr die Welt (Nom.-PPP/3.Sg.Präs./Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; madhyam steht (metrisch bedingt?) als Neutrum-Akk.-Form für das erwartete Nom. madhyaḥ.
Verneigt euch vor jenem Gott, dem Eigenschaftslosen, [der doch] die Seele der Eigenschaften ist, dem Ungeborenen, dem Allgestaltigen, der Wohnstatt aller Himmelsbewohner,
Wort für Wort
tasmai namadhvaṃ devāya
verneigt euch vor jenem Gott (Dat./2.Pl.Imp./Dat.)
nirguṇāya guṇātmane
dem Eigenschaftslosen, der Seele der Eigenschaften (Dat.)
ajāya viśvarūpāya
dem Ungeborenen, dem Allgestaltigen (Dat.)
dhāmne sarvadivaukasām
der Wohnstatt aller Himmelsbewohner (Dat./Gen.Pl.)
dem Verborgenen, dem nur durch Erkenntnis Sichtbaren, dem Unvergänglichen und zugleich dem Vergänglichen. Dieser Gott durchwandert [die Welt], überallhin gehend, unwandelbar.
Wort für Wort
guhyāya jñānadṛśyāya
dem Verborgenen, dem durch Erkenntnis Sichtbaren (Dat.)
akṣarāya kṣarāya ca
dem Unvergänglichen und dem Vergänglichen (Dat.)
eṣa devaḥ saṃcarati
dieser Gott durchwandert [die Welt] (Nom./3.Sg.Präs.)
kriyatāṃ madvacaḥ śiṣyāḥ sevyatāṃ harir īśvaraḥ; gīyatāṃ vedaśabdaiś ca pūjyatāṃ ca yathāvidhi
Möge mein Wort befolgt werden, ihr Schüler; möge Hari, der Herr, verehrt werden; möge er mit den Worten der Veden besungen und vorschriftsgemäß verehrt werden.
Wort für Wort
kriyatāṃ madvacaḥ śiṣyāḥ
möge mein Wort befolgt werden, ihr Schüler (3.Sg.Imp.Pass./Nom./Vok.Pl.)
sevyatāṃ harir īśvaraḥ
möge Hari, der Herr, verehrt werden (3.Sg.Imp.Pass./Nom.)
gīyatāṃ vedaśabdaiś ca
und möge er mit den Worten der Veden besungen werden (3.Sg.Imp.Pass./Instr.Pl.)
pūjyatāṃ ca yathāvidhi
und möge er vorschriftsgemäß verehrt werden (3.Sg.Imp.Pass./Adv.)
– wird gesund, glanzvoll, mit Kraft und Schönheit ausgestattet. Der Kranke wird von seiner Krankheit befreit, der Gefangene wird von seiner Fessel befreit.
Wort für Wort
bhavaty arogo dyutimān
wird gesund [und] glanzvoll (3.Sg.Präs./Nom./Nom.)
balarūpasamanvitaḥ
mit Kraft und Schönheit ausgestattet (Nom.)
āturo mucyate rogād
der Kranke wird von der Krankheit befreit (Nom./3.Sg.Pass.Präs./Abl.)
baddho mucyeta bandhanāt
der Gefangene wird von der Fessel befreit (Nom./3.Sg.Opt.Pass./Abl.)
Wer sich einen Wunsch wünscht, erlangt den Wunsch, und langes Leben möge er erlangen; der Brahmane werde kundig in allen Veden, der Kṣatriya werde siegreich; der Vaiśya erlange reichen Gewinn, der Śūdra erlange Glück.
Wort für Wort
kāmakāmī labhet kāmaṃ
wer sich einen Wunsch wünscht, erlangt den Wunsch (Nom./3.Sg.Opt./Akk.)
dīrgham āyur avāpnuyāt
möge langes Leben erlangen (Akk./3.Sg.Opt.)
brāhmaṇaḥ sarvavedī syāt
der Brahmane werde allen Veden kundig (Nom./Nom./3.Sg.Opt.)
kṣatriyo vijayī bhavet
der Kṣatriya werde siegreich (Nom./Nom./3.Sg.Opt.)
vaiśyo vipulalābhaḥ syāc
der Vaiśya erlange reichen Gewinn (Nom./Nom./3.Sg.Opt.)
Der Sohnlose erhält einen Sohn, und die Jungfrau den gewünschten Ehemann; die mit erschwerter Leibesfrucht wird [glücklich] entbunden, die Schwangere gebiert einen Sohn; die Unfruchtbare erlangt Nachkommenschaft, reich an Söhnen und Enkeln.
Wort für Wort
aputro labhate putraṃ
der Sohnlose erhält einen Sohn (Nom./3.Sg.Präs./Akk.)
kanyā caivepsitaṃ patim
und die Jungfrau den gewünschten Ehemann (Nom./Akk./Akk.)
lagnagarbhā vimucyeta
die mit erschwerter Leibesfrucht wird entbunden (Nom./3.Sg.Opt.Pass.)
garbhiṇī janayet sutam
die Schwangere gebiert einen Sohn (Nom./3.Sg.Opt./Akk.)
vandhyā prasavam āpnoti
die Unfruchtbare erlangt Nachkommenschaft (Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
Wer dieses gewisse Wort des großen Weisen, dieses Lob des hochgesinnten besten der Männer und diese Zusammenkunft der Seher und Himmelsbewohner gehört hat – der Gläubige erlangt großes Glück.
Wort für Wort
idaṃ maharṣer vacanaṃ viniścitaṃ
dieses gewisse Wort des großen Weisen (Akk./Gen./Akk./Akk.)
mahātmanaḥ puruṣavarasya kīrtanam
das Lob des hochgesinnten besten der Männer (Gen./Gen./Akk.)
samāgamaṃ carṣidivaukasām imaṃ
diese Zusammenkunft der Seher und Himmelsbewohner (Akk./Gen.Pl./Akk.)
niśamya bhaktāḥ susukhaṃ labhante
nachdem sie es gehört haben, erlangen die Gläubigen großes Glück (Abs./Nom.Pl./Akk./3.Pl.Präs.)