Kapitel 344: atithisatkāro bhujagendrasaṃśrayaṇam
Gastfreundschaft für den Brahmanen und sein Aufbruch zum Herrn der Schlangen
Ein Brahmane dankt seinem Gastgeber für dessen tröstende Worte und verbringt die Nacht bei ihm; am nächsten Morgen bricht er, wie ihm zuvor geheißen wurde, zur Zuflucht beim Herrn der Schlangen (Bhujagendra) auf.
Der Brahmane sprach: „Für den, der von übermäßiger Last überwältigt ist, ist das Abnehmen der Last etwas Großes; dieses höchst tröstliche Wort von dir habe ich vernommen.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
atibhārodyatasya eva
für den, der von übermäßiger Last überwältigt ist, gerade (Gen.Sg.)
bhārāpanayanam mahat
das Abnehmen der Last [ist] groß (Nom.Sg.Neutr.)
parāśvāsakaram vākyam idam
dieses höchst tröstliche Wort (Akk.Sg.Neutr., Adj.)
me bhavataḥ śrutam
wurde von mir, von dir [kommend], gehört (Instr./Gen.Sg., Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
adhvaklāntasya śayanaṃ sthānaklāntasya cāsanam; tṛṣitasya ca pānīyaṃ kṣudhārtasya ca bhojanam
wie [einem] vom Weg Ermüdeten ein Lager, [einem] vom Stehen Ermüdeten ein Sitz, wie [einem] Durstigen ein Trank und [einem] von Hunger Geplagten eine Speise [Freude bereiten],
Wort für Wort
adhvaklāntasya śayanam
einem vom Weg Ermüdeten ein Lager (Gen.Sg./Nom.Sg.)
sthānaklāntasya ca āsanam
und einem vom Stehen Ermüdeten ein Sitz (Gen.Sg./Nom.Sg.)
tṛṣitasya ca pānīyam
und einem Durstigen ein Trank (Gen.Sg./Nom.Sg.)
kṣudhārtasya ca bhojanam
und einem von Hunger Geplagten eine Speise (Gen.Sg./Nom.Sg.)
wie das Erlangen des Ersehnten, wie [einem] Gast zur rechten Zeit die Speise, wie einem Alten zur rechten Zeit der ersehnte [eigene] Sohn [Freude bereitet],
Wort für Wort
īpsitasya iva saṃprāptiḥ
wie das Erlangen des Ersehnten (Gen.Sg./Nom.Sg.)
annasya samaye atitheḥ
der Speise zur rechten Zeit für den Gast (Gen.Sg./Lok.Sg./Gen.Sg.)
eṣitasya ātmanaḥ
des ersehnten eigenen [Sohnes] (Gen.Sg.)
kāle vṛddhasya iva
zur [rechten] Zeit, wie [für] einen Alten (Lok.Sg./Gen.Sg.)
dattacakṣur ivākāśe paśyāmi vimṛśāmi ca; prajñānavacanād yo 'yam upadeśo hi me kṛtaḥ; bāḍham evaṃ kariṣyāmi yathā māṃ bhāṣate bhavān
Wie mit neu geschenktem Augenlicht sehe ich [nun klar] in den Raum hinein und erwäge [es]; wegen dieser Rede der Einsicht, die mir da als Unterweisung gegeben wurde – gewiss, so werde ich handeln, wie du zu mir sprichst.
Wort für Wort
dattacakṣur iva ākāśe
wie mit geschenktem Augenlicht, in den Raum [hinein] (Nom.Sg./Lok.Sg.)
paśyāmi vimṛśāmi ca
ich sehe und erwäge (1.Sg.Präs.)
prajñānavacanāt
wegen der Rede der Einsicht (Abl.Sg.)
yaḥ ayam upadeśaḥ hi
diese Unterweisung, die ja (Nom.Sg.)
me kṛtaḥ
mir gegeben wurde (Gen./Dat.Sg., Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
Hier verweile diese Nacht mit mir, o Trefflicher; am Morgen wirst du, erholt und in Wohlbehagen beherbergt, [weiter]gehen; denn schon ist jener erhabene Sonnengott mit schwächer werdenden Strahlen und abwärts gewandtem Antlitz [im Untergehen].“
Wort für Wort
iha imām rajanīm sādhu
hier diese Nacht, o Trefflicher (Akk.Sg./Vok.Sg.)
nivasasva mayā saha
verweile mit mir (2.Sg.Imp.Med./Instr.Sg.)
prabhāte yāsyati bhavān
am Morgen wirst du gehen (Lok.Sg./3.Sg.Fut./Nom.Sg.)
paryāśvastaḥ sukhoṣitaḥ
erholt, in Wohlbehagen beherbergt (Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
asau hi bhagavān sūryaḥ
denn jener erhabene Sonnengott (Nom.Sg.)
mandaraśmir avāṅmukhaḥ
mit schwächer werdenden Strahlen, abwärts gewandtem Antlitz (Nom.Sg.Adj.)
bhīṣma uvāca; tatas tena kṛtātithyaḥ so 'tithiḥ śatrusūdana; uvāsa kila tāṃ rātriṃ saha tena dvijena vai
Bhīṣma sprach: Darauf, o Feindevernichter, verweilte jener Gast, von ihm gastlich aufgenommen, wie es heißt, diese Nacht zusammen mit jenem Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
tatas tena kṛtātithyaḥ
darauf, von ihm gastlich aufgenommen (Instr.Sg./Nom.Sg.Part.)
saḥ atithiḥ śatrusūdana
jener Gast, o Feindevernichter (Nom.Sg./Vok.Sg.)
uvāsa kila tām rātrim
verweilte, wie es heißt, diese Nacht (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)
saha tena dvijena vai
zusammen mit jenem Zweifachgeborenen, wahrlich (Instr.Sg.)
– jenes trefflichsten Brahmanen und auch des Gastes, o Bhārata [Anm.: Satz unvollständig; nur Genitivfragment ohne eigenes Verb überliefert]
Wort für Wort
tasya brāhmaṇavaryasya
jenes trefflichsten Brahmanen (Gen.Sg.)
atitheś ca api
und auch des Gastes (Gen.Sg.)
bhārata
o Bhārata [Nachkomme des Bharata] (Vok.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage (nur in einem Teil der Handschriften): überliefert ist lediglich ein Genitivfragment ohne finites Verb; der Satz bleibt unvollständig.
Darauf ging jener Brahmane, der Dharmakundige, der seinen Entschluss über den Dharma gefasst hatte, der von seinen Angehörigen die Erlaubnis erhalten hatte, fest entschlossen allein auf das gute Werk [bedacht], zur rechten Zeit, wie ihm gewiesen war, zur Zuflucht beim Herrn der Schlangen.
Wort für Wort
tataḥ sa vipraḥ
darauf jener Brahmane (Nom.Sg.)
kṛtadharmaniścayaḥ
der seinen Entschluss über den Dharma gefasst hatte (Nom.Sg.Adj.)
kṛtābhyanujñaḥ svajanena
der von seinen Angehörigen die Erlaubnis erhalten hatte (Nom.Sg.Adj./Instr.Sg.)
dharmavit
der Dharmakundige (Nom.Sg.)
yathopadiṣṭam bhujagendrasaṃśrayam
zur wie angewiesenen Zuflucht beim Herrn der Schlangen (Akk.Sg.Adj./Akk.Sg.)
jagāma kāle
ging zur [rechten] Zeit (3.Sg.Perf./Lok.Sg.)
sukṛtaikaniścayaḥ
fest entschlossen allein auf das gute Werk [bedacht] (Nom.Sg.Adj.)