Kapitel 40: yudhiṣṭhirābhiṣeka
Die Königsweihe Yudhiṣṭhiras
Yudhiṣṭhira wird nach Sitzordnung, Bereitstellung des Weihegeräts und den Riten des Priesters Dhaumya feierlich zum König gesalbt; Brahmanen sprechen Segenswünsche. Das Kapitel schließt mit einer späten Phalaśruti-Passage.
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf setzte sich der König, Kuntīs Sohn, dessen Zorn gewichen und dessen Fieber [Kummer] verflogen war, erfreut, nach Osten gewandt, auf einen goldenen, vorzüglichen Sitz.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
tataḥ kuntīsuto rājā
darauf der König, Kuntīs Sohn (Nom.)
gatamanyur gatajvaraḥ
dessen Zorn gewichen, dessen Fieber gewichen (Bahuvrīhi, Nom.)
tam evābhimukhau pīṭhe sevyāstaraṇasaṃvṛte; sātyakir vāsudevaś ca niṣīdatur ariṃdamau
Ihm gerade gegenüber ließen sich auf einem Sitz, der mit einer prächtigen Decke überzogen war, Sātyaki und Vāsudeva, die beiden Bezwinger der Feinde, nieder.
dāśārheṇābhyanujñātas tatra dhaumyaḥ purohitaḥ; prāgudakpravaṇāṃ vedīṃ lakṣaṇenopalipya ha
Vom Dāśārha [Kṛṣṇa] dazu ermächtigt, bestrich dort der Hauspriester Dhaumya die nach Osten und Norden abfallende Opferstätte vorschriftsgemäß [mit Kuhdung?].
Wort für Wort
dāśārheṇa abhyanujñātas
vom Dāśārha ermächtigt (Instr.; Part.Perf.Pass.)
tatra dhaumyaḥ purohitaḥ
dort Dhaumya, der Hauspriester (Nom.)
prāgudakpravaṇāṃ vedīṃ
die nach Ost-Nord geneigte Altarfläche (Akk.)
lakṣaṇena upalipya ha
nach Vorschrift/Merkmal bestreichend (Gerundium)
lakṣaṇena unklar (etwa „nach Vorschrift“); das Mittel des Bestreichens fehlt im Text. Der Satz läuft in V. 14 und 15 weiter.
Auf einem glatten, mit Tigerfell überdeckten, allseits glückverheißenden Sitz, der fest auf Füßen stand und feuergleich glänzte [ließ er sie Platz nehmen].
Wort für Wort
vyāghracarmottare ślakṣṇe
mit Tigerfell überdeckt, glatt (Lok.)
sarvatobhadra āsane
auf allseits glückverheißendem Sitz (Lok.)
dṛḍhapādapratiṣṭhāne
fest auf Füßen stehend (Lok.)
hutāśanasamatviṣi
feuergleich glänzend (Lok.)
Fortsetzung des Satzes aus V. 13; das Verb steht in V. 15 (upaveśya).
upaveśya mahātmānaṃ kṛṣṇāṃ ca drupadātmajām; juhāva pāvakaṃ dhīmān vidhimantrapuraskṛtam
Nachdem er den Hochherzigen und Kṛṣṇā, Drupadas Tochter, [darauf] hatte Platz nehmen lassen, opferte der kluge [Dhaumya] ins Feuer, wobei er nach der Vorschrift mit Mantras voranging.
Wort für Wort
upaveśya mahātmānaṃ
den Hochherzigen sich setzen lassend (Gerundium; Akk.)
samanujñāya kṛṣṇena bhrātṛbhiḥ saha pāṇḍavaḥ; pāñcajanyābhiṣiktaś ca rājāmṛtamukho 'bhavat
Nach dem Einvernehmen mit Kṛṣṇa, zusammen mit den Brüdern, [wurde] der Pāṇḍava mit [dem Wasser aus] der Pāñcajanya gesalbt und der König erhielt Nektar im Mund [?].
Wort für Wort
samanujñāya kṛṣṇena
nach erteilter Zustimmung, mit Kṛṣṇa (Gerundium; Instr.)
bhrātṛbhiḥ saha pāṇḍavaḥ
zusammen mit den Brüdern der Pāṇḍava (Instr.; Nom.)
pāñcajanyābhiṣiktaḥ ca
und mit der Pāñcajanya gesalbt (Part.Perf.Pass.)
rājā amṛtamukho abhavat
der König wurde ‚nektarmündig‘ [?] (3.Sg.Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Sinn von samanujñāya und amṛtamukha unsicher.
Und er, reich an Opfergaben, ehrte auch jene nach der Vorschrift; dann ließ er mit tausend Niṣkas die Brahmanen „Heil!“ sprechen, [Brahmanen], die im Veda-Studium vollendet und mit Charakter und Lebenswandel ausgestattet waren.
Wort für Wort
pūjayām āsa tāṃś ca api
ehrte auch jene (3.Sg.Perf.Periphr.; Akk.)
vidhivad bhūridakṣiṇaḥ
vorschriftsgemäß, reich an Opfergaben (Adv.; Nom.)
tato niṣkasahasreṇa
dann mit tausend Niṣkas (Instr.)
brāhmaṇān svasti vācayat
ließ die Brahmanen „Heil“ sprechen (Akk.; 3.Sg.Impf.Kaus.)
„Mit unversehrten Wagen, mit allen Brüdern und Freunden, durch die Gnade Kṛṣṇas, des Herrn der Welt, du Stier der Bharatas: nachdem du alle Feinde restlos besiegt hast, die Untertanen dem Dharma gemäß erfreuend, beschütze die ewige, von Wäldern und Inseln erfüllte Erde.“
Wort für Wort
rathaiḥ kuśalibhiḥ sarvair
mit unversehrten Wagen, mit allen (Instr.Pl.)
bhrātṛbhiḥ sasuhṛjjanaḥ
mit Brüdern samt Freundeskreis (Instr.; Nom.)
lokanāthasya kṛṣṇasya prasādād
durch die Gnade Kṛṣṇas, des Weltenherrn (Gen.; Abl.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)
vijitya śatrūn akhilān
alle Feinde besiegend (Gerundium; Akk.)
prajā dharmeṇa rañjayan
die Untertanen dem Dharma gemäß erfreuend (Akk.; Instr.; Part.Präs.)
śāśvataṃ savanadvīpāṃ
ewig, samt Wäldern und Inseln (Akk.)
paripālaya medinīm
beschütze die Erde (Imp.; Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Satzbau locker (Kṛṣṇa-Segen).
muktā vīrakṣayād asmāt saṃgrāmān nihatadviṣaḥ; kṣipram uttarakālāni kuru kāryāṇi pāṇḍava
„Aus diesem Untergang der Helden, aus der Schlacht bist du befreit, deine Feinde sind erschlagen; verrichte rasch, Pāṇḍava, die Aufgaben der folgenden Zeit.“
Wort für Wort
muktā vīrakṣayād asmāt
befreit aus diesem Untergang der Helden (Part.; Abl.)
saṃgrāmān
aus der Schlacht (Abl.)
nihatadviṣaḥ
dessen Feinde erschlagen sind (Bahuvrīhi)
kṣipram uttarakālāni
rasch, die späteren (Aufgaben) (Adv.; Akk.Pl.)
kuru kāryāṇi pāṇḍava
verrichte die Aufgaben, Pāṇḍava (Imp.; Akk.Pl.; Vok.)
muktā (Fem.Nom.) ist formal unpassend zum Angesprochenen; als muktaḥ gelesen [?].
Diese Erzählung des Śrī-Mahābhārata, die als Frucht das Ersehnte gewährt, Lebensdauer und Gedeihen bewirkt, das Wachstum an Söhnen und Enkeln schenkt, den Menschen alles Glück gibt, die Fluten aller Sünden abwehrt und das einzige Mittel zur beständigen Hingabe an den glückhaften Vāsudeva ist; die durch die reine Größe von Śiva und Vāsudeva, den beiden Göttern der Götter, allseits geschmückt ist; die Größe der Königsseher, der Tugendtätigen, und der hochherzigen Weisen, und die höchst verdienstvolle Größe, sowie die Geschicklichkeit in den Kämpfen; die Rühmung der Gefilde, der Furten und der Flüsse: die Erzählung Mahābhārata, eine Geschichte von großer Frucht, [erzählt] von Śaṃtanus Geburt und den hochherzigen Pāṇḍavas an bis zur Königsweihe – man soll sie eifrig und gesammelt hören, um Erfolg zu erlangen; man würde alle Wünsche erlangen. Hat man das Kapitel von der Salbung stets gesammelt gehört, soll man mit Milchreis, Ghee und Haufen von Speisen und Gerichten die vornehmsten Brahmanen speisen, denn das ist ein Mittel zum Heil. Den Vortragenden des Mahābhārata soll man in der Vorstellung, er sei Vyāsa, ehren, gesammelt, mit Dienstleistungen wie Kleidern, Schmuck, Wohlgerüchen und dergleichen.
Wort für Wort
śrīmahābhāratākhyānaṃ
die ehrwürdige Mahābhārata-Erzählung (Nom./Akk.n.)
vāñchitārthaphalapradam
die ersehnte Sache als Frucht gebend
āyuṣyaṃ puṣṭijananaṃ
lebensverlängernd, Gedeihen erzeugend
putrapautrābhivṛddhidam
Wachstum an Söhnen und Enkeln gebend
sarvasaubhāgyadaṃ puṃsāṃ
allen Glücks Geber den Männern (Gen.Pl.)
sarvāghaughanivāraṇam
die Flut aller Sünden abwehrend
śrīmato vāsudevasya nityabhaktyekasādhakam
das einzige Mittel beständiger Hingabe an den glückhaften Vāsudeva (Gen.)
śivasya vāsudevasya devadevasya cobhayoḥ
von Śiva und Vāsudeva, den beiden Göttern der Götter (Gen.Du.)
māhātmyena viśuddhena sarvataḥ samalaṃkṛtam
durch reine Größe allseits geschmückt (Instr.; Part.)
rājarṣīṇāṃ puṇyakṛtāṃ munīnāṃ ca mahātmanām
der Königsseher, Tugendtäter und hochherzigen Weisen (Gen.Pl.)
māhātmyaṃ ca mahāpuṇyaṃ yuddhānāṃ caiva kauśalam
Größe, sehr verdienstlich, und Geschick in Kämpfen (Nom./Akk.)
kṣetrāṇāṃ caiva tīrthānāṃ nadīnāṃ ca prakīrtanam
Rühmung der Gefilde, Furten und Flüsse (Gen.Pl.; Nom.)
mahābhāratam ākhyānam itihāsaṃ mahāphalam
die Erzählung Mahābhārata, Geschichte von großer Frucht (Akk.)
ārabhya śaṃtanor janma pāṇḍavānāṃ mahātmanām
beginnend mit Śaṃtanus Geburt, der hochherzigen Pāṇḍavas (Gerundium; Gen.)
rājyābhiṣekaparyantaṃ prayataḥ susamāhitaḥ
bis zur Königsweihe, achtsam, ganz gesammelt (Adv.; Nom.)
śṛṇuyād arthasiddhyarthaṃ sarvān kāmān avāpnuyāt
man höre, um Erfolg zu erlangen; man erlange alle Wünsche (Opt.)
abhiṣecanikādhyāyaṃ śrutvā nityaṃ samāhitaḥ
das Salbungskapitel gehört habend, stets gesammelt (Gerundium)
payasā sarpiṣā caiva bhakṣyabhojyānnasaṃcayaiḥ
mit Milchreis, Ghee, Haufen von Speisen und Gerichten (Instr.)
bhojayed brāhmaṇān mukhyāñ śreyasaḥ sādhanaṃ hi tat
man speise die vornehmsten Brahmanen, denn das ist Mittel zum Heil (Opt.Kaus.)
mahābhāratavaktāraṃ vyāsabuddhyā prapūjayet
den Mahābhārata-Vortragenden in der Vorstellung [er sei] Vyāsa ehre man (Akk.; Instr.; Opt.)
vastrālaṃkāragandhādyair upacāraiḥ samāhitaḥ
mit Dienstleistungen wie Kleidern, Schmuck, Wohlgerüchen, gesammelt (Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Späte Phalaśruti; Konstruktion ohne Hauptverb im ersten Teil (Akk. abhängig von śṛṇuyāt).