Mahābhārata · Śāntiparva
Kapitel 100: śūrapraśaṃsā
Janakas Ansporn an seine Krieger, Heeresaufstellung und Lob des Helden
Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira, wie König Janaka von Mithilā in der Schlacht gegen Pratardana seine Krieger mit dem Ausblick auf Himmel und Hölle anfeuerte; es folgen Regeln zur Heeresaufstellung und zum Verfolgen Fliehender sowie ein Lob des Helden.
bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; pratardano maithilaś ca saṃgrāmaṃ yatra cakratuḥ
Bhīṣma sprach: Auch hierzu führt man diese alte Erzählung an: [die von] Pratardana und dem Maithila [Janaka], als die beiden eine Schlacht schlugen.
Wort für Wort bhīṣma uvāca Bhīṣma sprach (Perf.) atra api udāharanti imam itihāsam purātanam auch hierzu führt man diese alte Erzählung an (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.) pratardanaḥ maithilaḥ ca Pratardana und der Maithila (Nom.Sg.) saṃgrāmaṃ yatra cakratuḥ eine Schlacht, in der [= als] die beiden [sie] schlugen (Akk.Sg.; 3.Du.Perf.) yajñopavītī saṃgrāme janako maithilo yathā; yodhān uddharṣayām āsa tan nibodha yudhiṣṭhira
Wie Janaka, der Maithila, mit angelegter Opferschnur in der Schlacht die Krieger anfeuerte, das vernimm, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort yajñopavītī saṃgrāme mit angelegter Opferschnur in der Schlacht (Nom.Sg.; Lok.Sg.) janakaḥ maithilaḥ yathā Janaka, der Maithila, wie (Nom.Sg.) yodhān uddharṣayām āsa die Krieger feuerte er an (Akk.Pl.; periphr. Perf. 3.Sg.) tat nibodha yudhiṣṭhira das vernimm, Yudhiṣṭhira (Imp.2.Sg.; Vok.) janako maithilo rājā mahātmā sarvatattvavit; yodhān svān darśayām āsa svargaṃ narakam eva ca
Der Maithila, König Janaka, der Großgesinnte, der alle Wesenswahrheiten kennt, zeigte seinen Kriegern den Himmel und auch die Hölle.
Wort für Wort janakaḥ maithilaḥ rājā Janaka, der Maithila, der König (Nom.Sg.) mahātmā sarvatattvavit der Großgesinnte, der alle Wahrheiten Kennende (Nom.Sg.; Kompositum) yodhān svān darśayām āsa seine Krieger ließ er sehen (Akk.Pl.; periphr. Perf. Kaus. 3.Sg.) svargaṃ narakam eva ca den Himmel und auch die Hölle (Akk.Sg.) abhītānām ime lokā bhāsvanto hanta paśyata; pūrṇā gandharvakanyābhiḥ sarvakāmaduho 'kṣayāḥ
„Für die Furchtlosen sind diese Welten [bestimmt]; seht, wie sie strahlen, erfüllt von Gandharva-Mädchen, alle Wünsche melkend, unvergänglich.
Wort für Wort abhītānām ime lokāḥ für die Furchtlosen [sind] diese Welten (Gen.Pl.; Nom.Pl.) bhāsvantaḥ hanta paśyata strahlend, wohlan, seht (Nom.Pl.; Interj.; Imp.2.Pl.) pūrṇāḥ gandharvakanyābhiḥ erfüllt von Gandharva-Mädchen (Nom.Pl.; Instr.Pl.) sarvakāmaduhaḥ akṣayāḥ alle Wünsche melkend, unvergänglich (Nom.Pl.; Kompositum) ime palāyamānānāṃ narakāḥ pratyupasthitāḥ; akīrtiḥ śāśvatī caiva patitavyam anantaram
Für die Fliehenden aber stehen diese Höllen bereit, und ewige Schande, und ein Sturz unmittelbar danach.
Wort für Wort ime palāyamānānām narakāḥ diese Höllen für die Fliehenden (Nom.Pl.; Gen.Pl.Part.Präs.) pratyupasthitāḥ stehen bereit (Part.Perf.Pass., Nom.Pl.) akīrtiḥ śāśvatī ca eva und ewige Schande (Nom.Sg.f.) patitavyam anantaram es ist zu fallen, unmittelbar danach (Gerundiv unpers.; Adv.) tān dṛṣṭvārīn vijayato bhūtvā saṃtyāgabuddhayaḥ; narakasyāpratiṣṭhasya mā bhūta vaśavartinaḥ
Wenn ihr die Feinde seht, werdet siegreich, mit dem Sinn auf das Preisgeben [des Lebens] gerichtet; werdet nicht Untertanen der halt[los]en Hölle.“
Wort für Wort tān dṛṣṭvā arīn jene Feinde erblickt habend (Abs.; Akk.Pl.) vijayataḥ bhūtvā siegreich geworden (Nom.Pl.m. Part.Präs.; Abs.) saṃtyāgabuddhayaḥ mit auf das Preisgeben gerichtetem Sinn (Nom.Pl.; Bahuvrīhi) narakasya apratiṣṭhasya der halt[los]en Hölle (Gen.Sg.) mā bhūta vaśavartinaḥ werdet nicht [dessen] Untertanen (Prohibitiv, Aor.2.Pl.; Nom.Pl.) tyāgamūlaṃ hi śūrāṇāṃ svargadvāram anuttamam; ity uktās te nṛpatinā yodhāḥ parapuraṃjaya
„Denn die Wurzel [liegt] im Preisgeben: das unübertreffliche Himmelstor der Helden.“ So vom König angesprochen, ihr Krieger, o Bezwinger fremder Städte,
Wort für Wort tyāgamūlaṃ hi śūrāṇām denn im Preisgeben wurzelnd, für die Helden (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.) svargadvāram anuttamam das Himmelstor, das unübertreffliche (Nom.Sg.n.) iti uktāḥ te nṛpatinā so angesprochen von dem König (Part.Perf.Pass., Nom.Pl.; Instr.Sg.) yodhāḥ parapuraṃjaya jene Krieger; o Bezwinger fremder Städte (Nom.Pl.; Vok.) vyajayanta raṇe śatrūn harṣayanto janeśvaram; tasmād ātmavatā nityaṃ sthātavyaṃ raṇamūrdhani
besiegten in der Schlacht die Feinde und erfreuten den Herrn der Menschen. Darum muss ein Selbstbeherrschter stets an der Spitze der Schlacht stehen.
Wort für Wort vyajayanta raṇe śatrūn sie besiegten in der Schlacht die Feinde (Impf.Med. 3.Pl.; Lok.; Akk.Pl.) harṣayantaḥ janeśvaram erfreuend den Herrn der Menschen (Part.Kaus., Nom.Pl.; Akk.Sg.) tasmāt ātmavatā nityam darum von einem Selbstbeherrschten stets (Abl.; Instr.Sg.) sthātavyaṃ raṇamūrdhani ist zu stehen an der Spitze der Schlacht (Gerundiv unpers.; Lok.Sg.) gajānāṃ rathino madhye rathānām anu sādinaḥ; sādinām antarā sthāpyaṃ pādātam iha daṃśitam
Inmitten der Elefanten [sind] die Wagenkämpfer, hinter den Wagen die Reiter; zwischen den Reitern ist hier der gepanzerte Fußsoldat aufzustellen.
Wort für Wort gajānāṃ rathinaḥ madhye inmitten der Elefanten die Wagenkämpfer (Gen.Pl.; Nom.Pl.; Lok.-Adv.) rathānām anu sādinaḥ hinter den Wagen die Reiter (Gen.Pl.; Postp.; Nom.Pl.) sādinām antarā sthāpyam zwischen den Reitern ist aufzustellen (Gen.Pl.; Adv.; Gerundiv) pādātam iha daṃśitam der Fußsoldat hier, gepanzert (Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.) ya evaṃ vyūhate rājā sa nityaṃ jayate dviṣaḥ; tasmād evaṃ vidhātavyaṃ nityam eva yudhiṣṭhira
Der König, der [sein Heer] so aufstellt, besiegt stets die Feinde; darum ist stets genau so zu verfahren, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort yaḥ evaṃ vyūhate rājā der König, der so aufstellt (3.Sg.Präs.Med.) saḥ nityaṃ jayate dviṣaḥ der besiegt stets die Feinde (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Pl.) tasmāt evaṃ vidhātavyam darum ist so zu verfahren (Abl.; Gerundiv) nityam eva yudhiṣṭhira stets eben, Yudhiṣṭhira (Adv.; Vok.) sarve sukṛtam icchantaḥ suyuddhenātimanyavaḥ; kṣobhayeyur anīkāni sāgaraṃ makarā iva
Alle, die Gutes [zu vollbringen] wünschen und im rechten Kampf überaus zornentbrannt sind, sollen die Heerscharen aufwühlen wie Krokodile das Meer.
Wort für Wort sarve sukṛtam icchantaḥ alle, Gutes wünschend (Nom.Pl.; Part.Präs.) suyuddhena atimanyavaḥ durch guten Kampf überaus zornig (Instr.Sg.; Nom.Pl.) kṣobhayeyuḥ anīkāni sie sollen aufwühlen die Heerscharen (Opt.Kaus. 3.Pl.; Akk.Pl.) sāgaraṃ makarāḥ iva wie Krokodile das Meer (Akk.Sg.; Nom.Pl.) harṣayeyur viṣaṇṇāṃś ca vyavasthāpya parasparam; jitāṃ ca bhūmiṃ rakṣeta bhagnān nātyanusārayet
Sie sollen die Verzagten ermutigen, indem sie einander [in Ordnung] aufstellen, das eroberte Land schützen und Geschlagene nicht allzu weit verfolgen.
Wort für Wort harṣayeyuḥ viṣaṇṇān ca sie sollen ermutigen und die Verzagten (Opt.Kaus. 3.Pl.; Akk.Pl.) vyavasthāpya parasparam indem sie [sich] aufstellen, einander (Abs.Kaus.; Adv.) jitāṃ ca bhūmiṃ rakṣeta und das eroberte Land soll man schützen (Akk.Sg.f.; Opt.Med. 3.Sg.) bhagnān na atyanusārayet Geschlagene soll man nicht allzu sehr verfolgen (Akk.Pl.; Opt.Kaus. 3.Sg.) punarāvartamānānāṃ nirāśānāṃ ca jīvite; na vegaḥ susaho rājaṃs tasmān nātyanusārayet
Der Ansturm Umkehrender, die am Leben verzweifelt sind, ist nicht leicht zu ertragen, o König; darum soll man nicht allzu sehr nachsetzen.
Wort für Wort punarāvartamānānām der Umkehrenden (Gen.Pl.; Part.Präs.Med.) nirāśānāṃ ca jīvite und der am Leben Verzweifelten (Gen.Pl.; Lok.Sg.) na vegaḥ susahaḥ rājan nicht [ist] der Ansturm leicht zu ertragen, o König (Nom.Sg.; Vok.) tasmāt na atyanusārayet darum soll man nicht allzu sehr verfolgen (Abl.; Opt.Kaus. 3.Sg.) na hi prahartum icchanti śūrāḥ prādravatāṃ bhayāt; tasmāt palāyamānānāṃ kuryān nātyanusāraṇam
Denn Helden wollen den aus Furcht Fliehenden nicht schlagen; darum soll man Fliehende nicht verfolgen.
Wort für Wort na hi prahartum icchanti denn nicht wollen sie schlagen (Inf.; 3.Pl.Präs.) śūrāḥ prādravatām bhayāt die Helden [gegen] die Fliehenden aus Furcht (Nom.Pl.; Gen.Pl.Part.; Abl.Sg.) tasmāt palāyamānānām darum von den Fliehenden (Abl.; Gen.Pl.Part.) kuryāt na anusāraṇam man soll nicht tun ein Verfolgen (Opt.3.Sg.; Akk.Sg.) carāṇām acarā hy annam adaṃṣṭrā daṃṣṭriṇām api; apāṇayaḥ pāṇimatām annaṃ śūrasya kātarāḥ
Nahrung der Beweglichen sind die Unbeweglichen, der Hauertragenden die Hauerlosen, der Handbesitzenden die Handlosen; die Feigen sind die Nahrung des Helden.
Wort für Wort carāṇām acarāḥ hi annam der Beweglichen [sind] die Unbeweglichen ja die Nahrung (Gen.Pl.; Nom.Pl.; Nom.Sg.) adaṃṣṭrāḥ daṃṣṭriṇām api die Hauerlosen [Nahrung] der Hauertragenden auch (Nom.Pl.; Gen.Pl.) apāṇayaḥ pāṇimatām annam die Handlosen [sind] Nahrung der Handbesitzenden (Nom.Pl.; Gen.Pl.) śūrasya kātarāḥ des Helden [Nahrung sind] die Feigen (Gen.Sg.; Nom.Pl.) samānapṛṣṭhodarapāṇipādāḥ; paścāc chūraṃ bhīravo 'nuvrajanti; ato bhayārtāḥ praṇipatya bhūyaḥ; kṛtvāñjalīn upatiṣṭhanti śūrān
Mit gleichem Rücken, Bauch, Händen und Füßen gehen die Furchtsamen hinter dem Helden her; darum, von Furcht gequält, werfen sie sich immer wieder nieder und erweisen den Helden mit gefalteten Händen ihre Aufwartung.
Wort für Wort samānapṛṣṭhodarapāṇipādāḥ mit gleichem Rücken, Bauch, Händen, Füßen (Nom.Pl.; Bahuvrīhi) paścāt śūram bhīravaḥ anuvrajanti hinter dem Helden her gehen die Furchtsamen (Adv.; Akk.Sg.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.) ataḥ bhayārtāḥ praṇipatya bhūyaḥ darum, von Furcht gequält, sich niederwerfend, wieder und wieder (Nom.Pl.; Abs.; Adv.) kṛtvā añjalīn upatiṣṭhanti śūrān die Handflächen faltend, warten sie den Helden auf (Abs.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.; Akk.Pl.) śūrabāhuṣu loko 'yaṃ lambate putravat sadā; tasmāt sarvāsv avasthāsu śūraḥ saṃmānam arhati
Auf den Armen der Helden hängt diese Welt allezeit wie ein Sohn; darum verdient der Held in allen Lagen Ehrung.
Wort für Wort śūrabāhuṣu lokaḥ ayam auf den Armen der Helden [hängt] diese Welt (Lok.Pl.; Nom.Sg.) lambate putravat sadā sie hängt wie ein Sohn, stets (3.Sg.Präs.Med.; Adv.) tasmāt sarvāsu avasthāsu darum in allen Lagen (Abl.; Lok.Pl.f.) śūraḥ saṃmānam arhati der Held verdient Ehrung (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.) na hi śauryāt paraṃ kiṃ cit triṣu lokeṣu vidyate; śūraḥ sarvaṃ pālayati sarvaṃ śūre pratiṣṭhitam
Denn nichts Höheres als Heldentum findet sich in den drei Welten; der Held schützt alles, alles ist im Helden gegründet.
Wort für Wort na hi śauryāt param kiṃ cit denn nichts Höheres als Heldentum (Abl.Sg.; Nom.Sg.n.) triṣu lokeṣu vidyate in den drei Welten findet sich (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Pass.) śūraḥ sarvaṃ pālayati der Held schützt alles (Nom.Sg.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Kaus.) sarvaṃ śūre pratiṣṭhitam alles ist im Helden gegründet (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; Part.Perf.Pass.)
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