Kapitel 202: varāhāvatāra-māhātmya
Viṣṇus Ebergestalt und die Größe Kṛṣṇas, samt Lehren über das Höchste
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach Kṛṣṇas Größe und der Tiergestalt erzählt Bhīṣma eine von Kaśyapa gehörte Geschichte: Viṣṇu steigt als Eber in die Unterwelt und tötet die Dānavas. Die umfangreichen Zusatzpassagen der kritischen Ausgabe fügen Belehrungen Nāradas, Hymnen und Erzählungen über Viṣṇu an.
tiryagyonigataṃ rūpaṃ kathaṃ dhāritavān hariḥ; kena kāryavisargeṇa tan me brūhi pitāmaha
„Die in einen Tierschoß eingegangene Gestalt – wie hat Hari sie angenommen? Zu welchem Zweck, aus welchem Anlass des Werkes [das zu vollbringen war]? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
tiryagyonigataṃ rūpaṃ
in den Tierschoß eingegangene Gestalt (Akk.)
kathaṃ dhāritavān hariḥ
wie trug/nahm an Hari (Part.Perf.Akt., Nom.)
kena kāryavisargeṇa
durch welche Entfaltung/Ausführung eines Vorhabens, zu welchem Zweck (Instr.)
tan me brūhi pitāmaha
das mir sprich, Großvater (Imp.; Vok.)
kāryavisarga: wörtlich ‚Entlassung/Ausführung eines Vorhabens‘.
Bhīṣma sprach: „Einst war ich auf die Jagd gezogen und hielt mich in der Einsiedelei Mārkaṇḍeyas auf. Dort sah ich Scharen von Weisen, zu Tausenden beisammensitzend.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
purāhaṃ mṛgayāṃ yātaḥ
einst ich, auf die Jagd gegangen (Part.Perf.Pass. mit aktiver Bed.)
tatas te madhuparkeṇa pūjāṃ cakrur atho mayi; pratigṛhya ca tāṃ pūjāṃ pratyanandam ṛṣīn aham
Da erwiesen sie mir mit Madhuparka [Honigtrank] die Ehrung, und nachdem ich diese Ehrung angenommen hatte, freute ich mich [meinerseits] über die Seher.
Wort für Wort
tatas te madhuparkeṇa
darauf sie, mit Honigtrank (Instr.)
pūjāṃ cakrur atho mayi
Ehrung erwiesen sie, sodann mir (Perf.3.Pl.; Lok.)
pratigṛhya ca tāṃ pūjām
und angenommen habend jene Ehrung (Abs.; Akk.)
pratyanandam ṛṣīn aham
erwiderte freudig ich, die Seher (Impf.1.Sg.; Akk.Pl.)
Naraka und die anderen, überaus furchtbar, hielten sich an Hiraṇyākṣa; damals unternahmen sie höchste Anstrengung zur Bezwingung der Götter. Eine Niyuta von Jahren lebte er damals nur von Luft. Der überaus schreckliche Hiraṇyākṣa erlangte vom Ahn, dem Gott [Brahmā], unausdenkbare, unvergleichliche Wunschgaben, Hunderte und Tausende.
höchste Anstrengung machten sie, zur Bezwingung der Götter, damals (Perf.3.Pl.; Lok.)
niyutaṃ vatsarāṇāṃ tu vāyubhakṣo 'bhavat tadā
eine Niyuta von Jahren, luftessend war er damals (Akk.; Gen.Pl.; Impf.)
hiraṇyākṣo mahāraudro lebhe devāt pitāmahāt
Hiraṇyākṣa, überaus grausig, erlangte vom Gott, dem Ahn (Perf.Med.; Abl.)
varān acintyān atulāñ śataśo 'tha sahasraśaḥ
Wunschgaben, unausdenkbare, unvergleichliche, zu Hunderten und Tausenden (Akk.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Stern). ‚Niyuta‘ ist eine große Zahl (Zahlwort), unbestimmt belassen.
pṛthivīṃ cārtarūpāṃ te samapaśyan divaukasaḥ; dānavair abhisaṃkīrṇāṃ ghorarūpair mahābalaiḥ; bhārārtām apakṛṣṭāṃ ca duḥkhitāṃ saṃnimajjatīm
Die Himmelsbewohner sahen die Erde in Leidgestalt, von furchtbar gestalteten, gewaltigen Dānavas erfüllt, von der Last bedrückt, herabgezogen, betrübt und versinkend.
Wort für Wort
pṛthivīṃ cārtarūpāṃ te
und die Erde, leidgestaltige, sie (Akk.; Nom.Pl.)
samapaśyan divaukasaḥ
sahen, Himmelsbewohner (Impf.3.Pl.; Nom.Pl.)
dānavair abhisaṃkīrṇāṃ
von Dānavas erfüllt/überschüttet (Instr.Pl.; Part.Pass.Akk.f.)
Die Göttin Erde, [von ihm] ergriffen, wohnte damals in der Unterwelt. Darauf war die ganze Dreiwelt [von Kräutern entblößt / mit Scharen ohne Kräuter?] [?], und überall wurde alles ohne Vedastudium und ohne Opferruf vaṣaṭ.
Wort für Wort
gṛhītvā pṛthivī devī
ergriffen [worden], die Göttin Erde (Abs.; Nom.f.)
pātāle nyavasat tadā
in der Unterwelt wohnte, damals (Lok.; Impf.3.Sg.)
tatas trailokyam akhilaṃ
darauf die Dreiwelt, ganze (Nom.n.)
niroṣadhigaṇānvitam
kräuterlos-(gruppen)-versehen [?] (Nom.n.)
niḥsvādhyāyavaṣaṭkāram
ohne Vedastudium und Vaṣaṭ-Ruf (Nom.n.)
abhūt sarvaṃ samantataḥ
wurde, alles, ringsum (Aor.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Stern). ‚gṛhītvā‘ ist grammatisch aktiv (‚ergriffen habend‘); Subjektwechsel unklar, Text vermutlich gestört. ‚niroṣadhigaṇānvitam‘ wörtlich ‚mit kräuterlosen Scharen versehen‘, wahrscheinlich ‚von Kräuterscharen entblößt‘.
hiraṇyākṣeṇa bhagavan gṛhīteyaṃ vasuṃdharā; na śakṣyāmo vayaṃ tatra praveṣṭuṃ jaladurgamam; tān āha bhagavān brahmā munir eva prasādyatām; agastyo 'sau mahātejāḥ pātu taj jalam añjasā; tatheti coktvā te devā munim ūcur mudānvitāḥ; trāyasva lokān viprarṣe jalam etat kṣayaṃ naya; tatheti coktvā bhagavān kālānalasamadyutiḥ; dhyāyañ jalādanivahaṃ sa kṣaṇena papau jalam; śoṣite tu samudre ca devāḥ sarṣipurogamāḥ; brahmāṇaṃ praṇipatyocur muninā śoṣitaṃ jalam; iti bhūyaḥ samācakṣva kiṃ kariṣyāmahe vibho
„Hiraṇyākṣa, Erhabener, hat diese Erde ergriffen. Wir werden dort nicht eindringen können, denn das Wasser ist unzugänglich.“ Zu ihnen sprach der erhabene Brahmā: „Nur der Weise soll besänftigt werden; Agastya, jener sehr Glänzende, möge dieses Wasser mühelos austrinken.“ „So sei es!“, sprachen die Götter und sagten freudig zum Weisen: „Schütze die Welten, Brahmanenseher, bringe dieses Wasser zum Schwinden!“ „So sei es!“, sagte der Erhabene, an Glanz dem Weltenbrandfeuer gleich; in Meditation trank er in einem Augenblick das Wasser, die Masse der Wasserspender [?]. Als aber das Meer ausgetrocknet war, verneigten sich die Götter, die Seher voran, vor Brahmā und sprachen: „Das Wasser ist vom Weisen ausgetrocknet. Sage uns also weiter, was wir tun sollen, Herr!“
Wort für Wort
hiraṇyākṣeṇa bhagavan gṛhīteyaṃ vasuṃdharā
von Hiraṇyākṣa, Erhabener, ergriffen diese Erde (Instr.; Vok.; Part.Pass.)
na śakṣyāmo vayaṃ tatra praveṣṭuṃ jaladurgamam
nicht werden können wir dort eindringen, wasserunzugänglich (Fut.1.Pl.; Inf.)
tān āha bhagavān brahmā munir eva prasādyatām
zu ihnen sprach der Erhabene Brahmā, der Weise soll gnädig gestimmt werden (Perf.; Imp.Pass.)
agastyo 'sau mahātejāḥ pātu taj jalam añjasā
Agastya, jener, sehr glänzend, möge trinken dieses Wasser mühelos (Imp.3.Sg.)
tatheti coktvā te devā munim ūcur mudānvitāḥ
„so“, sagend, sie, die Götter, sprachen zum Weisen, freudig (Abs.; Perf.3.Pl.)
trāyasva lokān viprarṣe jalam etat kṣayaṃ naya
schütze die Welten, Brahmanenseher, dieses Wasser zum Schwinden bringe (Imp.Med.; Imp.)
tatheti coktvā bhagavān kālānalasamadyutiḥ
„so“ sagend, der Erhabene, dem Zeitfeuer gleich glänzend (Abs.; Nom.)
dhyāyañ jalādanivahaṃ sa kṣaṇena papau jalam
meditierend, [jalādanivaha?], er in einem Augenblick trank das Wasser (Part.; Perf.)
śoṣite tu samudre ca devāḥ sarṣipurogamāḥ
als aber das Meer ausgetrocknet war, die Götter, die Seher voran (Lok.abs.; Nom.Pl.)
brahmāṇaṃ praṇipatyocur muninā śoṣitaṃ jalam
vor Brahmā sich niederwerfend, sprachen: vom Weisen ausgetrocknet das Wasser (Abs.; Perf.)
iti bhūyaḥ samācakṣva kiṃ kariṣyāmahe vibho
so; weiter erzähle, was werden wir tun, Herr (Imp.Med.; Fut.1.Pl.; Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Stern). ‚jalādanivaham‘ unklar (‚Wolkenmenge‘ oder ‚Masse des Wassers‘); ‚munir eva prasādyatām‘ elliptisch, gemeint ist Agastya. Der Wechsel zwischen den Sprechern ist im Text nicht markiert.
svayaṃbhūs tān uvācedaṃ nisṛṣṭo 'tra vidhir mayā; te vareṇābhisaṃmattā balena ca madena ca
Svayaṃbhū [Brahmā] sprach zu ihnen dies: „Von mir ist hier eine Fügung ins Werk gesetzt worden. Sie sind durch ihre Wunschgabe berauscht, durch Kraft und Übermut.“
Wort für Wort
svayaṃbhūs tān uvācedaṃ
der Selbstentstandene sprach zu ihnen dies (Nom.; Akk.; Perf.)
nisṛṣṭo 'tra vidhir mayā
hier ins Werk gesetzt die Fügung, von mir (Part.Pass.; Nom.; Instr.)
te vareṇābhisaṃmattā
sie, durch die Wunschgabe berauscht (Nom.Pl.; Instr.)
nāvabhotsyanti saṃmūḍhā viṣṇum avyaktadarśanam; varāharūpiṇaṃ devam adhṛṣyam amarair api
„Sie werden, verblendet, Viṣṇu nicht erkennen, dessen Erscheinung unmanifest ist, den Gott in Ebergestalt, den selbst Unsterbliche nicht bezwingen können.“
Wort für Wort
nāvabhotsyanti saṃmūḍhā
werden nicht erkennen, verblendet (Fut.Med.3.Pl.; Nom.Pl.)
viṣṇum avyaktadarśanam
Viṣṇu, dessen Anblick unmanifest ist (Akk.)
varāharūpiṇaṃ devam
den Gott, ebergestaltig (Akk.)
adhṛṣyam amarair api
unbezwingbar, selbst von Unsterblichen (Akk.; Instr.Pl.)
eṣa vegena gatvā hi yatra te dānavādhamāḥ; antarbhūmigatā ghorā nivasanti sahasraśaḥ; śamayiṣyati śrutvā te jahṛṣuḥ surasattamāḥ
„Dieser wird rasch dorthin gehen, wo jene niedrigsten Dānavas, furchtbar, im Erdinnern zu Tausenden wohnen, und sie zur Ruhe bringen.“ Als sie das hörten, jubelten die besten der Götter.
Wort für Wort
eṣa vegena gatvā hi
dieser, mit Geschwindigkeit hingegangen (Nom.; Abs.)
yatra te dānavādhamāḥ
wo jene niedrigsten Dānavas (Nom.Pl.)
antarbhūmigatā ghorā
im Erdinnern befindlich, furchtbar (Nom.Pl.)
nivasanti sahasraśaḥ
wohnen, zu Tausenden (Präs.3.Pl.)
śamayiṣyati śrutvā te
wird beruhigen; [das] gehört habend, sie (Fut.; Abs.)
jahṛṣuḥ surasattamāḥ
jubelten, beste der Götter (Perf.3.Pl.; Nom.Pl.)
Syntax der zweiten Vershälfte knapp: ‚śamayiṣyati‘ ohne Objekt; ‚te‘ hier Nom.Pl.
trastāṃś ca devān ālokya brahmā prāha pitāmahaḥ; yogeśvaro 'yaṃ bhagavān vārāhaṃ rūpam āsthitaḥ; nardamāno 'tra saṃyāti mā bhaiṣṭa surasattamāḥ; evam uktvā tato brahmā namaścakre pitāmahaḥ; devatā munayaś caiva viṣṇuṃ vai muktihetave; tato harir mahātejā brahmāṇam abhinandya ca
Als Brahmā, der Ahn, die verängstigten Götter sah, sprach er: „Dieser Erhabene, der Herr des Yoga, hat Ebergestalt angenommen; brüllend kommt er hierher – fürchtet euch nicht, beste der Götter!“ So gesprochen, verneigte sich Brahmā, der Ahn, [vor ihm]; auch Götter und Weise [taten es], vor Viṣṇu, um der Befreiung willen. Darauf [begrüßte] der hochglänzende Hari Brahmā, [Anm.: Satz bricht ab].
Wort für Wort
trastāṃś ca devān ālokya
und die verängstigten Götter erblickt habend (Akk.Pl.; Abs.)
brahmā prāha pitāmahaḥ
Brahmā sprach, der Ahn (Perf.3.Sg.)
yogeśvaro 'yaṃ bhagavān vārāhaṃ rūpam āsthitaḥ
Herr des Yoga, dieser Erhabene, Ebergestalt angenommen (Nom.; Part.)
nardamāno 'tra saṃyāti mā bhaiṣṭa surasattamāḥ
brüllend hier kommt er; fürchtet euch nicht, Beste der Götter (Part.; Präs.; Aor.Prohib.)
evam uktvā tato brahmā namaścakre pitāmahaḥ
so gesprochen habend, dann Brahmā verneigte sich (Abs.; Perf.)
devatā munayaś caiva viṣṇuṃ vai muktihetave
Götter und Weise, Viṣṇu, wahrlich, um der Befreiung willen (Nom.Pl.; Akk.; Dat.)
tato harir mahātejā brahmāṇam abhinandya ca
dann Hari, hochglänzend, Brahmā begrüßt habend (Nom.; Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Stern). Der letzte Satz ist unvollständig (Prädikat fehlt); ‚devatā munayaś caiva‘ ohne Verb, ‚namaścakre‘ zu ergänzen.
pitāmaha uvāca; divyaṃ * * * * * * yuddham āsīn mahātmanoḥ; hiraṇyākṣasya viṣṇoś ca sarvasaṃkṣobhakāraṇam; jaghāna ca hiraṇyākṣam antarbhūmigataṃ hariḥ; tad ākarṇya mahātejā brahmā madhuram abravīt
Der Ahn sprach: „Ein göttlicher [Lücke im Text: * * * * * *] Kampf fand statt zwischen den beiden Hochbeseelten, Hiraṇyākṣa und Viṣṇu, der Grund der Erschütterung von allem. Und Hari erschlug Hiraṇyākṣa, der im Erdinnern weilte.“ Als der hochglänzende Brahmā dies vernommen hatte, sprach er sanft.
Wort für Wort
pitāmaha uvāca
der Ahn sprach
divyaṃ * * * * * * yuddham āsīn mahātmanoḥ
göttlicher [Lücke] Kampf war zwischen den beiden Hochbeseelten (Nom.; Impf.; Gen.Du.)
hiraṇyākṣasya viṣṇoś ca
zwischen Hiraṇyākṣa und Viṣṇu (Gen.)
sarvasaṃkṣobhakāraṇam
Ursache der Erschütterung von allem (Nom.n.)
jaghāna ca hiraṇyākṣam antarbhūmigataṃ hariḥ
und erschlug Hiraṇyākṣa, im Erdinnern befindlich, Hari (Perf.; Akk.; Nom.)
tad ākarṇya mahātejā brahmā madhuram abravīt
das gehört habend, hochglänzend, Brahmā sprach sanft (Abs.; Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Stern), mit Lücke im Text (sechs Auslassungspunkte).
Der Ahn sprach: „Nachdem er die Herren der Dānavas erschlagen hat, [steht] dieser Gott, großleibig, großmächtig, der große Yogin, das Selbst der Wesen, der Schöpfer der Wesen [hier].“
Wort für Wort
pitāmaha uvāca
der Ahn sprach
nihatya dānavapatīn
erschlagen habend die Herren der Dānavas (Abs.; Akk.Pl.)
mahāvarṣmā mahābalaḥ
großleibig, sehr stark (Nom.)
eṣa devo mahāyogī
dieser Gott, großer Yogin (Nom.)
bhūtātmā bhūtabhāvanaḥ
Selbst der Wesen, Schöpfer der Wesen (Nom.)
Prädikat ergänzt; der Satz ist im Sanskrit nominal und geht in 39 weiter.
Nachdem er dieses überaus wohlgelungene, [für andere] unmögliche Werk vollbracht hat, ist der unermesslich Strahlende, der Hochbeglückte, Hochglänzende zu seinem eigenen Selbst heimgekehrt: Padmanābha, der große Yogin, das Selbst der Wesen, der Erschaffer der Wesen.
Wort für Wort
kṛtvā karma atisādhu etad aśakyam
nachdem er getan hat dieses überaus gut gelungene, unmögliche Werk (Abs./Akk.)
amitaprabhaḥ
der unermesslich Strahlende (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
samāyātaḥ svam ātmānam
ist heimgekehrt/gelangt zu seinem eigenen Selbst (Part.Perf.Pass. Nom./Akk.)
mahābhāgaḥ mahādyutiḥ
der Hochbeglückte, Hochglänzende (Nom.Sg.m.)
padmanābhaḥ mahāyogī
Padmanābha (Lotosnabel), der große Yogin (Nom.Sg.)
bhūtātmā bhūtabhāvanaḥ
Selbst der Wesen, Erschaffer/Hervorbringer der Wesen (Nom.Sg.)
na saṃtāpo na bhīḥ kāryā śoko vā surasattamāḥ; vidhir eṣa prabhāvaś ca kālaḥ saṃkṣayakārakaḥ; lokān dhārayatānena nādo mukto mahātmanā
Weder Bekümmerung noch Furcht noch Trauer ist zu hegen, ihr Besten der Götter. Dies ist [göttliche] Fügung und Macht, und die Zeit ist die Vernichterin. Von diesem Hochgesinnten, der die Welten trägt, ist [nur] ein Schrei ausgestoßen worden.
Wort für Wort
na saṃtāpaḥ na bhīḥ kāryā
nicht Bekümmerung, nicht Furcht ist zu machen/hegen (Gerundiv Nom.)
śokaḥ vā surasattamāḥ
oder Trauer, o beste der Götter (Nom./Vok.Pl.)
vidhiḥ eṣaḥ prabhāvaḥ ca
dies ist Fügung und Macht (Nom.Sg.)
kālaḥ saṃkṣayakārakaḥ
die Zeit [ist] Vernichter (Nom.Sg.m.)
lokān dhārayatā anena
der die Welten trägt, durch diesen (Part.Präs.Kaus. Instr.)
nādaḥ muktaḥ mahātmanā
Schrei ausgestoßen vom Hochgesinnten (Part.Pass. Nom./Instr.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, hochweiser [Bhīṣma], du solltest die Größe des hochgesinnten Keśava der Wahrheit gemäß noch einmal darlegen. Ich werde nicht satt, ihn zu schauen und [von ihm] zu hören, o Bhārata.“ Bhīṣma sprach: „So [ist es], starkarmiger [Yudhiṣṭhira], was Kṛṣṇa betrifft; darum sage ich dir dies. Höre, König, diese Erzählung von Viṣṇu, die Sünde tilgt. Nārada hat sie mir einst erzählt; was ich [von ihm hörte], das sage ich dir. Der Götterseher Nārada [dachte] zuvor: ‚Die Wahrheit über Hari werde ich erkennen‘; so im Geist bedenkend, versenkte er sich in das ewige Brahman, im schönen, göttlichen Himālaya, göttliche hundert Jahre lang, wie es heißt, ohne zu atmen, ohne Nahrung, mit gebändigtem Selbst, die Sinne besiegt. Da erscholl in der Luft eine Stimme zu jenem Besten der Weisen, wie [tiefe] Wolken donnernd, göttlich, von einem außen [befindlichen], körperlosen [Wesen] [?]: ‚Aus welchem Grund bist du in Meditation geraten, bester der Weisen? Ich gebe dir Erkenntnis; oder wähle von mir [das Ziel] Dharma und das Übrige [?].‘“
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
pitāmaha mahāprājña keśavasya mahātmanaḥ
Großvater, Hochweiser; des hochgesinnten Keśava (Vok./Gen.Sg.)
vaktum arhasi tattvena māhātmyaṃ punar eva tu
du sollst sagen der Wahrheit gemäß die Größe noch einmal (Inf.; 2.Sg.Präs.; Instr./Akk.)
na tṛpyāmi aham api enaṃ paśyan śṛṇvan ca bhārata
ich werde nicht satt, ihn sehend und hörend, o Bhārata (1.Sg.Präs.; Part.Präs.)
bhīṣmaḥ uvāca evaṃ kṛṣṇaṃ mahābāho
Bhīṣma sprach: so [ist es] betreffs Kṛṣṇa, Starkarmiger (Vok.)
tasmāt etat bravīhi me
darum sage ich [dir] dies (Imp.2.Sg. wörtl. ‚sage mir‘; Text unsicher)
śṛṇu rājan kathām etāṃ vaiṣṇavīṃ pāpanāśanīm
höre, König, diese Viṣṇu-Erzählung, sündentilgend (Imp.; Akk.Sg.f.)
nāradaḥ mām purā prāha yām aham te vadāmi tām
Nārada erzählte mir einst, die sage ich dir (Perf.; 1.Sg.Präs.)
devarṣiḥ nāradaḥ pūrvaṃ tattvaṃ vetsyāmi vai hareḥ
der Götterseher Nārada zuvor: die Wahrheit Haris werde ich erkennen (1.Sg.Fut.; Gen.)
iti saṃcintya manasā dadhyau brahma sanātanam
so im Geist bedenkend, meditierte er über das ewige Brahman (Abs.; Perf.3.Sg.)
himālaye śubhe divye divyaṃ varṣaśataṃ kila
im schönen göttlichen Himālaya, ein göttliches Jahrhundert, wie es heißt (Lok.; Akk.)
anucchvasan nirāhāraḥ saṃyatātmā jitendriyaḥ
ohne zu atmen, ohne Nahrung, selbstgebändigt, Sinne besiegt (Nom.Sg.m.)
tataḥ antarikṣe vāk āsīt taṃ munipravaraṃ prati
dann war in der Luft eine Stimme zu jenem Besten der Weisen hin (Impf.; Lok.; Akk.)
weshalb bist du in Meditation geraten, bester der Weisen (Part.Perf.; Vok.)
aham dadāmi te jñānam dharmādyam vā vṛṇīṣva mām
ich gebe dir Erkenntnis; oder wähle Dharma usw. / mich [?] (1.Sg.Präs.; Imp.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textlich unsicher: bāhyāśarīriṇī und dharmādyaṃ vā vṛṇīṣva mām.
tac chrutvā munir ālocya saṃbhramāviṣṭamānasaḥ; kiṃ nu syād iti saṃcintya vākyam āhāparaṃ prati; kasmād bhavān adya bibheda yānaṃ; samāsthito vākyam udīrayan mām; na rūpam anyat tava dṛśyate vai; īdṛgvidhas tvaṃ samadhiṣṭhito 'si; punas tam āha sa munim ananto 'haṃ bṛhattaraḥ; na māṃ mūḍhā vijānanti jñānino māṃ vidanty uta; taṃ pratyāha muniḥ śrīmān praṇato vinayānvitaḥ; bhavantaṃ jñātum icchāmi tava tattvaṃ bravīhi me; tasya tad vacanaṃ śrutvā nāradaṃ prāha lokapaḥ; jñānena māṃ vijānīhi nānyathā śaktir asti te; nārada uvāca; kīdṛgvidhaṃ tu taj jñānaṃ yena jānāmi te tanum; lokapāla uvāca; ananta tan me brūhi tvaṃ yady anugrahavān aham; vikalpahīnaṃ vipulaṃ tasya cū[?dū]raṃ śivaṃ param
Als der Weise das hörte, überlegte er, im Geist von Verwirrung ergriffen, und dachte: „Was mag das sein?“, und sprach [zu der Stimme] ein weiteres Wort: „Warum hast du heute [meinen] Gang/Weg [?] durchbrochen, [du,] der du dich [darauf] gestellt hast und zu mir redest? Eine andere Gestalt von dir wird nicht gesehen; so beschaffen bist du [hier] aufgestellt [?].“ Da sprach jener wiederum zu dem Weisen: „Ich bin der Unendliche, der Größere. Die Törichten erkennen mich nicht; die Erkennenden kennen mich.“ Der glanzvolle Weise entgegnete ihm, verneigt und voll Bescheidenheit: „Ich möchte dich erkennen; sage mir dein Wesen.“ Als er seine Rede gehört hatte, sprach der Weltenhüter zu Nārada: „Durch Erkenntnis erkenne mich; anders ist dir keine Möglichkeit.“ Nārada sprach: „Wie beschaffen ist jene Erkenntnis, durch die ich deine Gestalt erkenne?“ Der Weltenhüter sprach: „Unendlicher, das sage du mir, wenn ich gnädig bin [?] – [eine Erkenntnis,] frei von Unterscheidung, weit, deren [?] fern, heilvoll, höchst.“
Wort für Wort
tat śrutvā muniḥ ālocya
das gehört habend, der Weise nachdenkend (Abs.)
saṃbhramāviṣṭamānasaḥ kiṃ nu syāt iti saṃcintya
im Geist verwirrt; ‚was mag es sein?‘ so bedenkend (Bahuvrīhi; Opt.3.Sg.)
vākyam āha aparaṃ prati
sprach ein [weiteres] Wort zu [ihm] hin (Perf.3.Sg.)
kasmāt bhavān adya bibheda yānam
warum hast du heute den Gang [?] zerbrochen (Perf.2./3.Sg.; Text unsicher)
samāsthitaḥ vākyam udīrayan mām
dich aufgestellt habend, Worte sprechend zu mir (Part.Perf.; Part.Präs.)
na rūpam anyat tava dṛśyate vai
keine andere Gestalt von dir wird gesehen (Pass.3.Sg.)
īdṛgvidhaḥ tvam samadhiṣṭhitaḥ asi
so beschaffen bist du eingesetzt (Part.Pass. + Kopula)
punaḥ tam āha saḥ munim
wiederum sprach zu diesem Weisen jener (Perf.)
anantaḥ aham bṛhattaraḥ
ich [bin] der Unendliche, der Größere (Nom.)
na mām mūḍhāḥ vijānanti jñāninaḥ mām vidanti uta
die Törichten erkennen mich nicht, die Wissenden kennen mich (3.Pl.Präs.)
tam pratyāha muniḥ śrīmān praṇataḥ vinayānvitaḥ
ihm entgegnete der glanzvolle Weise, verneigt, bescheiden (Perf.; Part.)
bhavantam jñātum icchāmi tava tattvam bravīhi me
dich zu erkennen wünsche ich; dein Wesen sage mir (Inf.; Imp.)
tasya tat vacanam śrutvā nāradam prāha lokapaḥ
seine Rede gehört habend, sprach der Weltenhüter zu Nārada (Abs.; Perf.)
jñānena mām vijānīhi na anyathā śaktiḥ asti te
durch Erkenntnis erkenne mich; anders ist keine Möglichkeit für dich (Imp.)
nāradaḥ uvāca kīdṛgvidham tu tat jñānam yena jānāmi te tanum
Nārada sprach: wie beschaffen ist diese Erkenntnis, durch die ich deine Gestalt erkenne (1.Sg.Präs.)
lokapālaḥ uvāca ananta tat me brūhi tvam yadi anugrahavān aham
Weltenhüter sprach: Unendlicher, das sage mir du, wenn ich gnädig bin [?] (Imp.)
vikalpahīnam vipulam tasya dūram śivam param
unterscheidungsfrei, weit, dessen fern [?], heilvoll, höchst (Akk./Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbte Stelle (cū[?dū]raṃ im Text markiert); Sinn unsicher.
jñānaṃ tat tena jānāsi sādhanaṃ prati te mune; atrāvṛtya sthitaṃ hy etat tac chuddham itaran mṛṣā; etat te sarvam ākhyātaṃ saṃkṣepān munisattama; nārada uvāca; tvam eva tava tat tattvaṃ brūhi lokaguro mama; bhavantaṃ jñātum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tataḥ prahasya bhagavān meghagambhīrayā girā; prāheśaḥ sarvabhūtānāṃ na me cāsyaṃ śrutir na ca; na ghrāṇajihve dṛk caiva tvacā nāsti tathā mune; kathaṃ vakṣyāmi cātmānam aśarīras tathāpy aham; taj jñātvā vismayāviṣṭo munir āha praṇamya tam; yena tvaṃ pūrvam ātmānam ananto 'haṃ bṛhattaraḥ; śakto 'ham iti māṃ prītaḥ proktavān asi tat katham; punas tam āha bhagavāṃs tavāpy akṣāṇi santi vai; tvam enaṃ brūhi cātmānaṃ yadi śaknoṣi nārada
„Jene Erkenntnis, durch die du [mich] erkennst, [ist] das Mittel [dazu], o Weiser. Hierin ist dies eingehüllt [?] verharrend; das [ist] rein, das andere falsch. Dies ist dir alles kurz gesagt, bester der Weisen.“ Nārada sprach: „Sage du mir selbst dein Wesen, Lehrer der Welten. Ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Da lachte der Erhabene und sprach mit wolkentiefer Stimme, der Herr aller Wesen: „Ich habe weder Mund noch Gehör, weder Nase noch Zunge, noch Auge, noch Haut, o Weiser. Wie soll ich, der ich körperlos bin, von mir sprechen?“ Als er das erkannt hatte, sprach der Weise voll Staunen, sich vor ihm verneigend: „Warum hast du früher gesagt, erfreut: ‚Ich bin der Unendliche, der Größere; ich bin mächtig‘?“ Wiederum sprach der Erhabene zu ihm: „Auch du hast Sinne. Sprich du selbst über dieses [dein] Selbst, wenn du kannst, Nārada.“
Wort für Wort
jñānam tat tena jānāsi sādhanam prati te mune
Erkenntnis, durch die du erkennst, [ist] Mittel für dich, Weiser (Nom.n.; 2.Sg.)
ātmā yathā tava mune viditas tu bhaviṣyati; māṃ ca jānāsi tena tvam ekaṃ sādhanam āvayoḥ; ity uktvā bhagavān devas tato novāca kiṃ cana; nārado 'py utsmayan khinnaḥ kva gato 'sāv iti prabhuḥ; sthitvā sa dīrghakālaṃ ca munir vyāmūḍhamānasaḥ; āha māṃ bhagavān devas tv ananto 'haṃ bṛhattaraḥ; tenāham iti sarvasya ko vānanto bṛhattaraḥ; keyam urvī hy anantākhyā bṛhatī nūnam eva sā; yasyāṃ jānanti bhūtāni vilīnāni tatas tataḥ; enāṃ pṛcchāmi taruṇīṃ saiṣā nūnam uvāca mām; ity evaṃ sa muniḥ śrīmān kṛtvā niścayam ātmanaḥ; sa bhūtalaṃ samāviśya praṇipatyedam abravīt; āścaryāsi ca dhanyāsi bṛhatī tvaṃ vasuṃdhare; tvām atra vettum icchāmi yādṛgbhūtāsi śobhane
„Wie dir, Weiser, dein Selbst bekannt sein wird, [so] erkennst du auch mich; dadurch ist für uns beide das Mittel ein und dasselbe.“ Nach diesen Worten sprach der Erhabene, der Gott, nichts weiter. Nārada aber, lächelnd, bedrückt [dachte]: „Wohin ist dieser Herr gegangen?“ Der Weise blieb lange Zeit im Geist verwirrt stehen. [Dann dachte er:] „Der Erhabene, der Gott, sagte zu mir: ‚Ich bin der Unendliche, der Größere.‘ Damit [meint er] ‚ich‘, [doch] wer wäre wohl der Unendliche, Größere von allem? Was ist diese Erde, die ‚die Unendliche‘ heißt, [und] wahrlich groß ist? In ihr, wissen [wir], gehen die Wesen hier und dort auf. Diese junge Frau will ich fragen; sie wird mir gewiss antworten.“ So fasste der glanzvolle Weise für sich den Entschluss, trat auf die Erde, verneigte sich und sprach dies: „Wunderbar bist du und gesegnet, groß bist du, Vasuṃdharā. Dich möchte ich hier erkennen, wie beschaffen du bist, Schöne.“
Wort für Wort
ātmā yathā tava mune viditaḥ tu bhaviṣyati
wie dir dein Selbst, Weiser, bekannt sein wird (Part.Pass.; 3.Sg.Fut.)
mām ca jānāsi tena tvam ekam sādhanam āvayoḥ
und mich erkennst du dadurch; ein Mittel ist für uns beide (2.Sg.; Gen.Du.)
iti uktvā bhagavān devaḥ tataḥ na uvāca kiṃ cana
so gesagt habend, sprach der Erhabene dann nichts weiter (Abs.; Perf.)
nāradaḥ api utsmayan khinnaḥ
auch Nārada, lächelnd, bedrückt (Part.Präs.; Part.Pass.)
kva gataḥ asau iti prabhuḥ
‚wohin ist dieser Herr gegangen?‘ (Part.Pass.)
sthitvā sa dīrghakālam ca muniḥ vyāmūḍhamānasaḥ
nachdem er lange geblieben war, der Weise, im Geist verwirrt (Abs.)
āha mām bhagavān devaḥ tu anantaḥ aham bṛhattaraḥ
es sagte mir der Erhabene: ich bin der Unendliche, Größere (Perf.)
tena aham iti sarvasya kaḥ vā anantaḥ bṛhattaraḥ
damit ‚ich‘; wer aber ist von allem der Unendliche, Größere? (Interrogativ)
kā iyam urvī hi anantākhyā bṛhatī nūnam eva sā
was ist diese Erde, ‚Unendliche‘ genannt, gewiss groß (Nom.Sg.f.)
yasyām jānanti bhūtāni vilīnāni tataḥ tataḥ
in der, wie man weiß, die Wesen hier und dort vergehen/aufgehen (Lok.; Part.Pass.) [?]
enām pṛcchāmi taruṇīm sā eṣā nūnam uvāca mām
diese junge Frau frage ich; sie wird mir gewiss antworten (1.Sg.Präs.; Perf.)
iti evam sa muniḥ śrīmān kṛtvā niścayam ātmanaḥ
so der glanzvolle Weise, für sich den Entschluss gefasst habend (Abs.)
sa bhūtalam samāviśya praṇipatya idam abravīt
er, die Erde betretend, sich niederwerfend, sprach dies (Abs.; Impf.)
āścaryā asi ca dhanyā asi bṛhatī tvam vasuṃdhare
wunderbar bist du und gesegnet, groß bist du, Vasuṃdharā (Vok.)
tvām atra vettum icchāmi yādṛgbhūtā asi śobhane
dich möchte ich hier erkennen, wie beschaffen du bist, Schöne (Inf.; Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
tac chrutvā dharaṇī devī smayamānābravīd idam; nāhaṃ hi bṛhatī vipra na cānantā ca sattama; kāraṇaṃ mama yo gandho gandhātmānaṃ bravīhi tam; tato munis tad dhi tattvaṃ praṇipatyedam abravīt; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; [tato gandhātmakaḥ so 'nu pratyuvāca muniṃ prati]; kāraṇaṃ me jalaṃ matto bṛhattaratamaṃ hi tat; sa samudraṃ munir gatvā praṇipatyedam abravīt; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tac chrutvā saritāṃ nāthaḥ samudro munim abravīt; kāraṇaṃ me 'tra saṃpṛccha rasātmānaṃ bṛhattaram; tato bṛhattaraṃ vidvaṃs tvaṃ pṛccha munisattama
Als die Göttin Dharaṇī das hörte, sprach sie lächelnd dies: „Ich bin nicht groß, Weiser, und nicht unendlich, Bester. Mein Ursprung/Grund ist der Duft (gandha); den Duft-Selbst frage, ihn [befrage].“ Da verneigte sich der Weise und sprach dies: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ [Da antwortete jener, dessen Wesen der Duft ist, dem Weisen:] „Mein Ursprung ist das Wasser; von mir aus ist es noch größer.“ Der Weise ging zum Ozean, verneigte sich und sprach dies: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Als er das hörte, sprach der Herr der Flüsse, der Ozean, zum Weisen: „Meine Ursache ist hier [zu finden]; frage [ihn], dessen Wesen der Geschmack (rasa) ist, den Größeren. Dann frage den Größeren, o Wissender, bester der Weisen.“
Wort für Wort
tat śrutvā dharaṇī devī smayamānā abravīt idam
das gehört habend, sprach die Göttin Dharaṇī lächelnd dies (Part.Präs.Med.)
na aham hi bṛhatī vipra na ca anantā ca sattama
ich bin nicht groß, Brahmane, und nicht unendlich, Bester (Nom./Vok.)
kāraṇam mama yaḥ gandhaḥ gandhātmānam bravīhi tam
mein Grund ist der Duft; den Duft-Selbst befrage ihn (Imp.; Akk.)
tataḥ muniḥ tat hi tattvam praṇipatya idam abravīt
dann der Weise, jene Wahrheit [erkannt], sich niederwerfend, sprach dies (Abs.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar bist du, gesegnet, unendlich, größer (Nom.Sg.m.)
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du, Unvergänglicher
tataḥ gandhātmakaḥ saḥ anu pratyuvāca munim prati
danach antwortete jener, dessen Wesen Duft ist, dem Weisen (Perf.)
kāraṇam me jalam mattaḥ bṛhattaratamam hi tat
mein Grund ist das Wasser; von mir aus ist es das Allergrößte (Superlativ)
sa samudram munih gatvā praṇipatya idam abravīt
er, der Weise, zum Ozean gegangen, verneigt, sprach dies (Abs.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich möchte ich erkennen; wie beschaffen bist du, Unvergänglicher
tat śrutvā saritām nāthaḥ samudraḥ munim abravīt
das gehört, sprach der Herr der Flüsse, der Ozean, zum Weisen (Gen.Pl.)
kāraṇam me atra saṃpṛccha rasātmānam bṛhattaram
meinen Grund hier befrage, den Geschmacks-Selbst, den Größeren (Imp.)
tataḥ bṛhattaram vidvān tvam pṛccha munisattama
dann den Größeren befrage du, Wissender, bester der Weisen (Imp.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die eingeklammerte Zeile [tato gandhātmakaḥ …] steht im Text in eckigen Klammern.
tato munir yathāyogaṃ jalaṃ tattvam avekṣya tat; jalātmānaṃ praṇamyāha jalatattvasthito muniḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ śrotum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tato rasātmakaḥ so 'nu munim āha punaḥ punaḥ; mamāpi kāraṇaṃ pṛccha tejorūpaṃ vibhāvasum; nāhaṃ bṛhattaro brahman nāpy anantaś ca sattama; tato 'gniṃ praṇipatyāha munir vismitamānasaḥ; yajñātmānaṃ mahāvāsaṃ sarvabhūtanamaskṛtam; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy anantaś ca bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tataḥ prahasya bhagavān muniṃ sviṣṭakṛd abravīt; nāhaṃ bṛhattaro brahman nāpy anantaś ca sattama; kāraṇaṃ mama rūpaṃ yat taṃ pṛccha munisattama
Da erwog der Weise das Wasser-Prinzip in geziemender Weise, verneigte sich vor dem Wasser-Selbst und sprach, im Wasser-Prinzip gegründet: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte [dich] hören: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Da sprach der, dessen Wesen der Geschmack ist, immer wieder zum Weisen: „Frage auch meinen Ursprung, den feuerförmigen Vibhāvasu (Agni). Ich bin nicht größer, Brahmane, und nicht unendlich, Bester.“ Darauf verneigte sich der Weise mit staunendem Gemüt vor Agni, dem Opfer-Selbst, dem großen Wohnsitz, dem von allen Wesen Verehrten, und sprach: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich und größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Da lachte der Erhabene, der Sviṣṭakṛt (Agni), und sprach zum Weisen: „Ich bin nicht größer, Brahmane, und nicht unendlich, Bester. Meine Ursache ist die Gestalt (rūpa); die befrage, bester der Weisen.“
Wort für Wort
tataḥ muniḥ yathāyogam jalam tattvam avekṣya tat
dann der Weise, das Wasser-Prinzip gehörig betrachtend (Abs.)
jalātmānam praṇamya āha jalatattvasthitaḥ muniḥ
dem Wasser-Selbst sich verneigend sprach der im Wasser-Prinzip gegründete Weise
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam śrotum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu hören wünsche ich; wie beschaffen bist du, Unvergänglicher (Inf.)
tataḥ rasātmakaḥ saḥ anu munim āha punaḥ punaḥ
dann sprach der Geschmacks-Wesenhafte immer wieder zum Weisen
mama api kāraṇam pṛccha tejorūpam vibhāvasum
auch meine Ursache befrage, den feuergestaltigen Vibhāvasu (Imp.; Akk.)
na aham bṛhattaraḥ brahman na api anantaḥ ca sattama
ich bin nicht größer, Brahmane, und nicht unendlich, Bester
tataḥ agnim praṇipatya āha muniḥ vismitamānasaḥ
dann sprach der Weise, Agni sich verneigend, mit staunendem Gemüt
yajñātmānam mahāvāsam sarvabhūtanamaskṛtam
dem Opfer-Selbst, großen Wohnsitz, von allen Wesen Verehrten (Akk.Sg.m.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ ca bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich und größer
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du
tataḥ prahasya bhagavān munim sviṣṭakṛt abravīt
dann lachend sprach der Erhabene, Sviṣṭakṛt, zum Weisen (Abs.)
na aham bṛhattaraḥ brahman na api anantaḥ ca sattama
ich bin nicht größer, Brahmane, nicht unendlich, Bester
kāraṇam mama rūpam yat tam pṛccha munisattama
meine Ursache ist die Gestalt; die befrage, bester der Weisen
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
tato yogakrameṇaiva pratītaṃ taṃ praviśya saḥ; rūpātmānaṃ praṇamyāha nārado vadatāṃ varaḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; utsmayitvā tu rūpātmā taṃ muniṃ pratyuvāca ha; vāyur me kāraṇaṃ brahmaṃs taṃ pṛccha munisattama; matto bahutaraḥ śrīmān anantaś ca mahābalim; sa mārutaṃ praṇamyāha bhagavān munisattamaḥ; yogasiddho mahāyogī jñānavijñānapāragaḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tato vāyur hi saṃprāha nāradaṃ munisattamam; kāraṇaṃ pṛccha bhagavan sparśātmānaṃ mamādya vai; matto bṛhattaraḥ śrīmān anantaś ca tathaiva saḥ
Da trat er nach Art des Yoga, [wie es] bekannt [ist], in ihn ein, verneigte sich vor dem Gestalt-Selbst, und Nārada, der Beste der Redenden, sprach: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Da lächelte das Gestalt-Selbst und antwortete jenem Weisen: „Der Wind ist mein Ursprung, Brahmane; den befrage, bester der Weisen. Er ist zahlreicher als ich, glanzvoll und unendlich, sehr mächtig [?].“ Er verneigte sich vor dem Wind, der Erhabene, der Beste der Weisen, yogavollendet, großer Yogin, Vollender in Wissen und Erkennen: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Da sprach der Wind zu Nārada, dem besten der Weisen: „Frage, Erhabener, meinen Ursprung, das Berührungs-Selbst (sparśa), heute. Größer als ich ist er, glanzvoll, und ebenso unendlich.“
Wort für Wort
tataḥ yogakrameṇa eva pratītam tam praviśya saḥ
dann auf yogische Weise in ihn, den Bekannten, eingetreten (Abs.)
rūpātmānam praṇamya āha nāradaḥ vadatām varaḥ
dem Gestalt-Selbst sich verneigend sprach Nārada, der Beste der Redenden (Gen.Pl.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du
utsmayitvā tu rūpātmā tam munim pratyuvāca ha
lächelnd antwortete das Gestalt-Selbst dem Weisen (Abs.; Perf.)
vāyuḥ me kāraṇam brahman tam pṛccha munisattama
der Wind ist mein Grund, Brahmane; ihn befrage (Imp.)
mattaḥ bahutaraḥ śrīmān anantaḥ ca mahābalim
zahlreicher/mehr als ich, glanzvoll und unendlich, sehr stark [?] (Komp.; Akk.?)
sa mārutam praṇamya āha bhagavān munisattamaḥ
dem Wind sich verneigend sprach der Erhabene, beste der Weisen
yogasiddhaḥ mahāyogī jñānavijñānapāragaḥ
yogavollendet, großer Yogin, in Wissen und Erkennen zum Ziel gelangt (Nom.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du
tataḥ vāyuḥ hi saṃprāha nāradam munisattamam
da sprach der Wind zu Nārada, dem besten der Weisen (Perf.)
kāraṇam pṛccha bhagavan sparśātmānam mama adya vai
meinen Grund befrage, Erhabener, das Berührungs-Selbst, heute (Imp.)
mattaḥ bṛhattaraḥ śrīmān anantaḥ ca tathā eva saḥ
größer als ich, glanzvoll und ebenso unendlich ist er (Abl.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). mahābalim (49b) ist als Akkusativ eines Nomens/Adjektivs unsicher.
tato 'sya vacanaṃ śrutvā sparśātmānam uvāca saḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tasya tad vacanaṃ śrutvā sparśātmā munim abravīt; nāhaṃ bṛhattaro brahman nāpy anantaś ca sattama; kāraṇaṃ mama caivemam ākāśaṃ ca bṛhattaram; taṃ pṛccha muniśārdūla sarvavyāpinam avyayam; tac chrutvā nāradaḥ śrīmān vākyaṃ vākyaviśāradaḥ; ākāśaṃ samupāgamya praṇamyāha kṛtāñjaliḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; ākāśas tam uvācedaṃ prahasan munisattamam; nāhaṃ bṛhattaro brahmañ śabdo vai kāraṇaṃ mama; taṃ pṛccha muniśārdūla sa vai matto bṛhattaraḥ
Als er das gehört hatte, sprach der [Weise], an den Berührungs-Selbst gewandt: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Als das Berührungs-Selbst seine Rede hörte, sagte es zum Weisen: „Ich bin nicht größer, Brahmane, und nicht unendlich, Bester. Mein Ursprung ist dieser [hier], der Raum (ākāśa), der der Größere ist. Frage ihn, Tiger unter den Weisen, den Alldurchdringenden, Unvergänglichen.“ Als Nārada das hörte, der Glanzvolle, der Redekundige, trat er zum Raum, verneigte sich mit gefalteten Händen und sprach: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Der Raum sprach lachend zum besten der Weisen: „Ich bin nicht größer, Brahmane; der Laut (śabda) ist mein Ursprung. Frage ihn, Tiger unter den Weisen; er ist wahrlich größer als ich.“
Wort für Wort
tataḥ asya vacanam śrutvā sparśātmānam uvāca saḥ
als er seine Rede gehört hatte, sprach er zum Berührungs-Selbst (Abs.; Perf.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du
tasya tat vacanam śrutvā sparśātmā munim abravīt
seine Rede gehört, sprach das Berührungs-Selbst zum Weisen
na aham bṛhattaraḥ brahman na api anantaḥ ca sattama
ich bin nicht größer, Brahmane, nicht unendlich, Bester
kāraṇam mama ca evam idam ākāśam ca bṛhattaram
mein Grund ist dieser Raum, der Größere (Nom.n.)
tam pṛccha muniśārdūla sarvavyāpinam avyayam
ihn befrage, Tiger unter Weisen, den Allumfassenden, Unvergänglichen (Imp.; Akk.)
tat śrutvā nāradaḥ śrīmān vākyam vākyaviśāradaḥ
das gehört, Nārada, der glanzvolle, redekundig
ākāśam samupāgamya praṇamya āha kṛtāñjaliḥ
zum Raum getreten, sich verneigend sprach er mit gefalteten Händen (Abs.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du
ākāśaḥ tam uvāca idam prahasan munisattamam
der Raum sprach lachend dies zu dem besten der Weisen (Part.Präs.)
na aham bṛhattaraḥ brahman śabdaḥ vai kāraṇam mama
ich bin nicht größer, Brahmane; der Laut ist mein Grund
tam pṛccha muniśārdūla sa vai mattaḥ bṛhattaraḥ
ihn befrage, Tiger unter Weisen; er ist größer als ich (Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
tato hy āviśya cākāśaṃ śabdātmānam uvāca ha; svaravyañjanasaṃyuktaṃ nānāhetuvibhūṣitam; vedākhyaṃ paramaṃ guhyaṃ vedakāraṇam acyutam; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ śrotum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; vedātmā pratyuvācedaṃ nāradaṃ munipuṃgavam; mayā kāraṇabhūtena sarvavettā pitāmahaḥ; brahmaṇo buddhisaṃsthānam āsthito 'haṃ mahāmune; tasmād bṛhattaro mattaḥ padmayonir mahāmatiḥ; taṃ pṛccha muniśārdūla sarvakāraṇakāraṇam; brahmalokaṃ tato gatvā nārado munipuṃgavaiḥ; sevyamānaṃ mahātmānaṃ lokapālair marudgaṇaiḥ; samudraiś ca saridbhiś ca bhūtatattvaiḥ sabhūdharaiḥ; gandharvair apsarobhiś ca jyotiṣāṃ ca gaṇais tathā
Da trat er in den Raum ein und sprach zum Laut-Selbst, [zu dem], der aus Vokalen und Konsonanten verbunden und mit mannigfachen Gründen geschmückt ist, dem als „Veda“ benannten höchsten Geheimnis, der unvergänglichen Ursache des Veda: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich hören: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Das Veda-Selbst antwortete Nārada, dem Stier unter den Weisen, dies: „Durch mich als Ursache [weiß] der Großvater alles; im Verstand Brahmās bin ich gegenwärtig, großer Weiser. Daher ist der Lotosgeborene, der Hochweise, größer als ich. Frage ihn, Tiger unter den Weisen, die Ursache aller Ursachen.“ Dann ging Nārada, der Stier unter den Weisen, zur Brahma-Welt, [wo Brahmā] von Weltenhütern und Marut-Scharen bedient wird, von Ozeanen und Flüssen, von den Wahrheiten der Wesen samt den Bergen, von Gandharven und Apsaras und ebenso von den Scharen der Gestirne.
Wort für Wort
tataḥ hi āviśya ca ākāśam śabdātmānam uvāca ha
dann in den Raum eingetreten sprach er zum Laut-Selbst (Abs.)
svaravyañjanasaṃyuktam nānāhetuvibhūṣitam
mit Vokalen und Konsonanten verbunden, mit vielerlei Gründen geschmückt (Akk.Sg.m./n.)
vedākhyam paramam guhyam vedakāraṇam acyutam
‚Veda‘ genannt, höchstes Geheimnis, Ursache des Veda, unvergänglich
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam śrotum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu hören wünsche ich; wie beschaffen bist du
vedātmā pratyuvāca idam nāradam munipuṃgavam
das Veda-Selbst antwortete Nārada, dem Stier der Weisen, dies (Perf.)
mayā kāraṇabhūtena sarvavettā pitāmahaḥ
durch mich, der Ursache, [ist] der Großvater allwissend (Instr.; Nom.)
brahmaṇaḥ buddhisaṃsthānam āsthitaḥ aham mahāmune
ich bin im Verstandessitz Brahmās gegründet, großer Weiser (Part.Perf.; Vok.)
tasmāt bṛhattaraḥ mattaḥ padmayoniḥ mahāmatiḥ
daher ist der Lotosgeborene, Hochweise, größer als ich (Abl.)
tam pṛccha muniśārdūla sarvakāraṇakāraṇam
ihn befrage, Tiger unter Weisen, Ursache aller Ursachen (Imp.)
brahmalokam tataḥ gatvā nāradaḥ munipuṃgavaiḥ
zur Brahma-Welt gegangen, Nārada [sah ihn], von Weisenstieren [umgeben] (Abs.)
sevyamānam mahātmānam lokapālaiḥ marudgaṇaiḥ
bedient den Hochgesinnten von Weltenhütern und Marut-Scharen (Part.Pass.Präs.; Instr.)
samudraiḥ ca saridbhiḥ ca bhūtatattvaiḥ sabhūdharaiḥ
von Ozeanen, Flüssen, Wesens-Prinzipien samt Bergen (Instr.Pl.)
gandharvaiḥ apsarobhiḥ ca jyotiṣām ca gaṇaiḥ tathā
von Gandharven, Apsaras und Scharen der Gestirne (Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
stutistomagrahastobhais tathā vedair munīśvaraiḥ; upāsyamānaṃ brahmāṇaṃ lokanāthaṃ parāt param; hiraṇyagarbhaṃ viśveśaṃ caturvaktreṇa bhūṣitam; praṇamya prāñjaliḥ prahvas tam āha munipuṃgavaḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy ananto 'si bṛhattaraḥ; bhavantaṃ vettum icchāmi kīdṛgbhūtas tvam avyaya; tac chrutvā bhagavān brahmā sarvalokapitāmahaḥ; utsmayan munim āhedaṃ karmamūlasya lopakam; nāhaṃ bṛhattaro brahman nāpy anantaś ca sattama; lokānāṃ mama sarveṣāṃ nāthabhūto bṛhattaraḥ; nandagopakule gopakumāraiḥ parivāritaḥ; samastajagatāṃ goptā gopaveṣeṇa saṃsthitaḥ; madrūpaṃ ca samāsthāya jagatsṛṣṭiṃ karoti saḥ; aiśānam āsthitaḥ śrīmān hanti nityaṃ hi pāti ca
[Er sah ihn,] den von Lobgesängen, Stoma-Hymnen, Preisliedern und Rufen (stobha), von den Veden und Herren unter den Weisen Verehrten, Brahmā, den Herrn der Welten, höher als das Höchste, den Goldkeim (Hiraṇyagarbha), Herrn des Alls, mit vier Gesichtern geschmückt. Er verneigte sich, mit gefalteten Händen, demütig, und der Stier unter den Weisen sprach ihn an: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich, größer; ich möchte dich erkennen: Wie beschaffen bist du, Unvergänglicher?“ Als er das hörte, sprach der erhabene Brahmā, der Großvater aller Welten, lächelnd zum Weisen dies, der die Wurzel des Handelns [?] zunichte macht: „Ich bin nicht größer, Brahmane, und nicht unendlich, Bester. Für alle meine Welten [gibt es] einen Herrn, der größer ist: In der Hirtensippe des Nanda, von Hirtenknaben umgeben, der Hüter aller Welten, in der Gestalt eines Hirten weilend. In meiner Gestalt wohnend erschafft er die Schöpfung der Welt; in Īśāna-[Gestalt] weilend vernichtet er stets und beschützt zugleich.“
Wort für Wort
stutistomagrahastobhaiḥ tathā vedaiḥ munīśvaraiḥ
von Lobpreisungen, Stoma-Hymnen, Rufen, ebenso von Veden und Weisenherren (Instr.Pl.)
upāsyamānam brahmāṇam lokanātham parāt param
verehrt Brahmā, den Herrn der Welten, höher als das Höchste (Part.Pass.Präs.)
hiraṇyagarbham viśveśam caturvaktreṇa bhūṣitam
Hiraṇyagarbha, Herrn des Alls, mit vier Gesichtern geschmückt (Instr.; Part.Pass.)
praṇamya prāñjaliḥ prahvaḥ tam āha munipuṃgavaḥ
sich verneigend, mit gefalteten Händen, demütig, sprach der Weisenstier zu ihm (Abs.)
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi hi anantaḥ asi bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich, größer bist du
bhavantam vettum icchāmi kīdṛgbhūtaḥ tvam avyaya
dich zu erkennen wünsche ich; wie beschaffen bist du
tat śrutvā bhagavān brahmā sarvalokapitāmahaḥ
das gehört, der erhabene Brahmā, Großvater aller Welten
utsmayan munim āha idam karmamūlasya lopakam
lächelnd sprach er dies zum Weisen, der die Wurzel des Handelns zerstört [?] (Part.; Gen./Akk.)
na aham bṛhattaraḥ brahman na api anantaḥ ca sattama
ich bin nicht größer, Brahmane, nicht unendlich, Bester
lokānām mama sarveṣām nāthabhūtaḥ bṛhattaraḥ
von allen meinen Welten [gibt es] einen Herrn, der größer ist (Gen.Pl.)
nandagopakule gopakumāraiḥ parivāritaḥ
in der Hirtensippe Nandas, von Hirtenknaben umgeben (Lok.; Part.Pass.)
samastajagatām goptā gopaveṣeṇa saṃsthitaḥ
Hüter aller Welten, in Hirtengestalt weilend (Gen.Pl.; Instr.)
madrūpam ca samāsthāya jagatsṛṣṭim karoti saḥ
meine Gestalt einnehmend, vollbringt er die Weltschöpfung (Abs.; 3.Sg.Präs.)
aiśānam āsthitaḥ śrīmān hanti nityam hi pāti ca
Īśāna-[Gestalt] innehabend, der Glanzvolle, vernichtet stets und beschützt (Part.Perf.; 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). karmamūlasya lopakam ist unklar; als Attribut zu munim gefasst.
viṣṇuḥ svarūparūpo 'sau kāraṇaṃ sa harir mama; taṃ pṛccha muniśārdūla sa cānanto bṛhattaraḥ; tato 'vatīrya bhagavān brahmalokān mahāmuniḥ; nandagopakule viṣṇum enaṃ kṛṣṇaṃ jagatpatim; bālakrīḍanakāsaktaṃ vatsajālavibhūṣitam; pāyayitvātha badhnantaṃ dhūlidhūmrānanaṃ param; gāhamānair hasadbhiś ca nṛtyadbhiś ca samantataḥ; pāṇivādanakaiś caiva saṃvṛtaṃ veṇuvādakaiḥ; praṇipatyābravīd enaṃ nārado bhagavān muniḥ; āścaryo 'si ca dhanyo 'si hy anantaś ca bṛhattaraḥ; vettāsi cāvyayaś cāsi vettum icchāmi yādṛśam; tataḥ prahasya bhagavān nāradaṃ pratyuvāca ha; mattaḥ parataraṃ nāsti mattaḥ sarvaṃ pratiṣṭhitam; matto bṛhattaraṃ nānyad aham eva bṛhattaraḥ
„Viṣṇu, in seiner eigenen Gestalt, ist meine Ursache, jener Hari. Frage ihn, Tiger unter den Weisen; er ist auch der Unendliche, Größere.“ Darauf stieg der erhabene große Weise aus der Brahma-Welt herab und [sah] in der Hirtensippe Nandas diesen Viṣṇu-Kṛṣṇa, den Herrn der Welt, vertieft in Kinderspiele, mit Kälberscharen geschmückt, die [Kälber] tränkend und anbindend, das Gesicht rauchgrau von Staub, den Höchsten, ringsum von Badenden, Lachenden und Tanzenden umgeben, von Händeklatschern und Flötenspielern. Der erhabene Weise Nārada warf sich vor ihm nieder und sprach: „Wunderbar bist du und gesegnet, du bist unendlich und größer; du bist der Wissende und der Unvergängliche; ich möchte erkennen, wie du bist.“ Da lachte der Erhabene und erwiderte Nārada: „Höher als ich gibt es nichts; in mir ist alles gegründet; größer als ich gibt es nichts anderes; ich allein bin der Größere.“
Wort für Wort
viṣṇuḥ svarūparūpaḥ asau kāraṇam sa hariḥ mama
Viṣṇu, dessen Gestalt seine eigene ist, ist jener Hari, mein Grund (Nom.)
tam pṛccha muniśārdūla sa ca anantaḥ bṛhattaraḥ
ihn befrage, Tiger unter Weisen; er ist unendlich, größer
tataḥ avatīrya bhagavān brahmalokāt mahāmuniḥ
dann herabgestiegen, der erhabene große Weise, von der Brahma-Welt (Abs.; Abl.)
nandagopakule viṣṇum enam kṛṣṇam jagatpatim
in der Nanda-Hirtensippe diesen Viṣṇu-Kṛṣṇa, den Herrn der Welt (Lok.; Akk.)
bālakrīḍanakāsaktam vatsajālavibhūṣitam
in Kinderspiel vertieft, mit Kälbergruppen geschmückt (Akk.Sg.m.)
pāyayitvā atha badhnantam dhūlidhūmrānanam param
tränkend [?] und anbindend, staubgrauen Gesichts, der Höchste (Abs.; Part.Präs.)
gāhamānaiḥ hasadbhiḥ ca nṛtyadbhiḥ ca samantataḥ
von Badenden, Lachenden, Tanzenden ringsum (Part.Präs. Instr.Pl.)
pāṇivādanakaiḥ ca eva saṃvṛtam veṇuvādakaiḥ
von Händeklatschern und Flötenspielern umgeben (Instr.Pl.; Part.Pass.)
praṇipatya abravīt enam nāradaḥ bhagavān muniḥ
sich niederwerfend sprach zu ihm der erhabene Weise Nārada
āścaryaḥ asi ca dhanyaḥ asi ca anantaḥ ca bṛhattaraḥ
wunderbar, gesegnet, unendlich und größer bist du
vettā asi ca avyayaḥ ca asi vettum icchāmi yādṛśam
du bist Wissender und Unvergänglicher; erkennen will ich, wie du bist (Nom.; Inf.)
tataḥ prahasya bhagavān nāradam pratyuvāca ha
da lachend erwiderte der Erhabene Nārada
mattaḥ parataram na asti mattaḥ sarvam pratiṣṭhitam
höher als ich gibt es nichts; von mir aus ist alles gegründet (Abl.; Part.Pass.)
mattaḥ bṛhattaram na anyat aham eva bṛhattaraḥ
größer als ich [gibt es] nichts anderes; ich allein bin der Größere
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
ākāśe ca sthitaḥ pūrvam uktavān aham eva te; na māṃ vetti janaḥ kaś cin māyā mama duratyayā; bhaktyā tv ananyayā yuktā māṃ vijānanti yoginaḥ; priyo 'si mama bhakto 'si mama tattvaṃ vilokaya; dadāmi tava taj jñānaṃ yena tattvaṃ prapaśyasi; anyeṣāṃ caiva bhaktānāṃ mama yogaratātmanām; dadāmi divyaṃ jñānaṃ ca tena te yānti matpadam; bhīṣma uvāca; evam uktvā yayau kṛṣṇo nandagopagṛhaṃ hariḥ; etat te kathitaṃ rājan viṣṇutattvam anuttamam; bhajasvainaṃ viśālākṣaṃ japan kṛṣṇeti sattama; mohayan māṃ tathā tvāṃ ca śṛṇoty eṣa mayeritān; dharmātmā ca mahābāho bhaktān rakṣati nānyathā
„Im Raum weilend habe ich dir dies schon zuvor selbst gesagt. Niemand erkennt mich; meine Māyā ist schwer zu überwinden. Nur die Yogins, die in ungeteilter Hingabe verbunden sind, erkennen mich. Du bist mir lieb, du bist mein Verehrer; schau meine Wahrheit. Ich gebe dir die Erkenntnis, durch die du die Wahrheit schaust. Und auch anderen Verehrern von mir, die im Yoga ihre Freude haben, gebe ich göttliche Erkenntnis; dadurch gelangen sie zu meinem Ort.“ Bhīṣma sprach: „So sprach Kṛṣṇa, Hari, und ging zum Hirtenhaus Nandas. Dies ist dir erzählt, König, die höchste Wahrheit über Viṣṇu. Verehre ihn, den Weitäugigen, indem du ‚Kṛṣṇa‘ murmelst, Bester. Er täuscht mich und dich [und] hört, was von mir gesprochen wird. Er, im Wesen dharmagesinnt, beschützt die Verehrer, o Starkarmiger, nicht anders.“
Wort für Wort
ākāśe ca sthitaḥ pūrvam uktavān aham eva te
im Raum weilend habe ich es dir schon zuvor selbst gesagt (Part.Perf.Akt.)
na mām vetti janaḥ kaḥ cit māyā mama duratyayā
kein Mensch erkennt mich; meine Māyā ist schwer überschreitbar (3.Sg.Präs.; Nom.f.)
bhaktyā tu ananyayā yuktāḥ mām vijānanti yoginaḥ
in ungeteilter Hingabe verbundene Yogins erkennen mich (Instr.f.; Nom.Pl.)
priyaḥ asi mama bhaktaḥ asi mama tattvam vilokaya
du bist mir lieb, mein Verehrer; schau meine Wahrheit (Imp.)
dadāmi tava tat jñānam yena tattvam prapaśyasi
ich gebe dir die Erkenntnis, durch die du die Wahrheit schaust (1.Sg.; 2.Sg.)
anyeṣām ca eva bhaktānām mama yogaratātmanām
auch anderen Verehrern von mir, im Yoga sich freuenden (Gen.Pl.)
dadāmi divyam jñānam ca tena te yānti matpadam
ich gebe göttliche Erkenntnis, dadurch gehen sie zu meinem Ort (3.Pl.Präs.)
Bhīṣma sprach: so gesprochen, ging Kṛṣṇa Hari zum Hirtenhaus Nandas (Abs.; Perf.)
etat te kathitam rājan viṣṇutattvam anuttamam
dies ist dir erzählt, König, die höchste Viṣṇu-Wahrheit (Part.Pass.)
bhajasva enam viśālākṣam japan kṛṣṇa iti sattama
verehre ihn, den Weitäugigen, ‚Kṛṣṇa‘ murmelnd, Bester (Imp.Med.; Part.)
mohayan mām tathā tvām ca śṛṇoti eṣaḥ mayā īritān
täuschend mich und dich, hört er die von mir gesprochenen [?] (Part.Kaus.; Text unsicher)
dharmātmā ca mahābāho bhaktān rakṣati na anyathā
der Dharma-gesinnte, Starkarmiger, beschützt die Verehrer, nicht anders
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). mohayan māṃ tathā tvāṃ ca śṛṇoty eṣa mayeritān ist syntaktisch unsicher.
Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, hochweiser [Bhīṣma], Kenner aller Lehrbücher: Was ist von den nach Erlösung Strebenden, die über die Wahrheit nachsinnen, zur Zeit des Aufbruchs [aus dem Leben] zu murmeln? Woran erinnert man sich, Bester der Kuru, wenn der Tod herangetreten ist?“ Bhīṣma sprach: „[Damit] er die höchste Vollendung erlange, möchte ich es der Wahrheit gemäß hören [?]. Deine Frage, Untadeliger, ist verbunden [mit dem Rechten], heilsam, fein. Höre aufmerksam, König, was einst von Nārada gehört wurde. Einst befragte Nārada den Gott Nārāyaṇa, der das Śrīvatsa-Zeichen trägt, den Keim der Welt, den Unendlichen, Zeugen der Welten: ‚Dich nennt man das Unvergängliche, das höchste Brahman, ohne Eigenschaften, jenseits der Finsternis; das zu Wissende, die höchste Stätte, aus dessen Lotos Brahmā und die übrigen entstanden. Erhabener, Herr des Vergangenen und Künftigen: Wie sollst du von gläubigen Verehrern mit besiegten Sinnen, von nach Erlösung verlangenden Yogins betrachtet werden? Was ist zu murmeln, was soll ein Mensch täglich murmeln, wenn er in der Frühe aufsteht?‘“
Yudhiṣṭhira sprach: Großvater, Hochweiser, aller Lehrbücher Kundiger (Vok.)
prayāṇakāle kiṃ japyam mokṣibhiḥ tattvacintakaiḥ
zur Zeit des Aufbruchs, was ist zu murmeln von Erlösung Suchenden, Wahrheitsdenkern (Gerundiv; Instr.Pl.)
kim anusmaran kuruśreṣṭha maraṇe paryupasthite
woran sich erinnernd, Bester der Kuru, wenn der Tod herangetreten ist (Part.Präs.; Lok.abs.)
bhīṣmaḥ uvāca prāpnuyāt paramām siddhim
Bhīṣma sprach: er möge die höchste Vollendung erlangen (Opt.3.Sg.)
śrotum icchāmi tattvataḥ
hören möchte ich der Wahrheit gemäß (Inf.; Abl.-Adv.) [Sprecherzuweisung unsicher]
tvadyuktaḥ ca hitaḥ sūkṣmaḥ uktaḥ praśnaḥ tvayā anagha
die von dir gestellte Frage ist passend, heilsam, fein, Untadeliger (Part.Pass.)
śṛṇuṣva avahitaḥ rājan nāradena purā śrutam
höre aufmerksam, König, was einst von Nārada gehört wurde (Imp.Med.; Part.Pass.)
śrīvatsāṅkam jagadbījam anantam lokasākṣiṇam
den Śrīvatsa-Gezeichneten, Weltkeim, Unendlichen, Zeugen der Welten (Akk.)
purā nārāyaṇam devam nāradaḥ paripṛṣṭavān
einst hat Nārada den Gott Nārāyaṇa befragt (Part.Perf.Akt.)
tvām akṣaram param brahma nirguṇam tamasaḥ param
dich [nennen sie] das Unvergängliche, höchste Brahman, eigenschaftslos, jenseits der Finsternis (Akk.; Abl.)
āhuḥ vedyam param dhāma brahmādikamalodbhavam
sie nennen das zu Wissende, höchste Stätte, [aus dem] Lotos Brahmā u. a. entstanden (Perf.3.Pl.)
bhagavan bhūtabhavyeśa śraddadhānaiḥ jitendriyaiḥ
Erhabener, Herr des Gewesenen und Künftigen, von Gläubigen mit besiegten Sinnen (Vok.; Instr.Pl.)
katham bhaktaiḥ vicintyaḥ asi yogibhiḥ mokṣakāṅkṣibhiḥ
wie wirst du von Verehrern, Yogins, nach Erlösung Verlangenden betrachtet (Gerundiv)
kim japyam kim japet nityam kālyam utthāya mānavaḥ
was ist zu murmeln, was soll man täglich murmeln, in der Frühe aufgestanden, der Mensch (Opt.; Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherverteilung in dieser Einheit (Yudhiṣṭhira/Bhīṣma) ist im Text verworren; prāpnuyāt paramāṃ siddhiṃ śrotum icchāmi tattvataḥ ist syntaktisch unsicher.
„Wie soll man, sich [darin] übend, stets meditieren? Sage [mir] die ewige Wahrheit.“ Als der Herr der Götter selbst das von Nārada Gesagte gehört hatte, sprach der erhabene Viṣṇu, der Gnadenspender, zu Nārada: „Wohlan, ich will dir diese göttliche Erinnerung (anusmṛti) erzählen; wer sie [aufsagend] lernt, gelangt beim Aufbruch zu meinem Sein. Man stelle das Om voran, verneige sich vor mir, Nārada, werde gesammelt und gefasst und spreche diesen Mantra: ‚Om, Verehrung dem Erhabenen Vāsudeva.‘“ So belehrt, sprach Nārada, mit gefalteten Händen, verneigt dastehend, zu Viṣṇu, dem Herrn aller Götter, dem Selbst von allem, Hari, dem Herrn: „Ich nehme meine Zuflucht, mit gefalteten Händen, zu Viṣṇu, dem Unentfalteten, Ewigen, Gott, Ursprung, Puruṣottama, dem Unvergänglichen, höchsten Ort. Zum uralten Ursprung, Beständigen, Unvergänglichen, dem Zeugen der Welten, nehme ich Zuflucht, zum Lotosäugigen, dem Herrn, der den Verehrern gnädig ist.“
„Zum Herrn der Welt, dem Tausendäugigen, Wunderbaren, höchsten Ort, dem Erhabenen, nehme ich meine Zuflucht, dem Herrn dessen, was war, ist und sein wird. Zum Schöpfer aller Welten, dem Unendlichen, Allseitigen, zu Padmanābha, Hṛṣīkeśa nehme ich Zuflucht, dem Wahren, Unvergänglichen. Zum Goldkeim (Hiraṇyagarbha), dem Unsterblichen, Erdenkeim, höher als das Höchste, zum Herrn der Herren, ohne Anfang und Ende, nehme ich Zuflucht, dem sonnenstrahlenden. Zum tausendköpfigen Puruṣa, großen Weisen, dem Wahrheitshervorbringer, nehme ich Zuflucht, dem Feinen, Unbewegten, Vorzüglichen, Furchtlosigkeit Gewährenden. Zu Nārāyaṇa, dem uralten Weisen, dem Yoga-Selbst, dem Ewigen, dem Sitz aller Wesenheiten, nehme ich Zuflucht, dem festen Herrn. Der Herr aller Wesen ist, durch den dies alles durchzogen ist, der Lehrer des Beweglichen und Unbeweglichen, Viṣṇu: Dieser Gott möge mir gnädig sein. Aus dem der Lotosgeborene Brahmā, der Ewige, hervorgeht, [der] der Ursprung Brahmās, das Selbst des Alls [ist]: Dieser Viṣṇu möge mir gnädig sein.“
Wort für Wort
lokanātham sahasrākṣam adbhutam paramam padam
zum Herrn der Welt, Tausendäugigen, Wunderbaren, höchsten Ort (Akk.)
yaḥ purā pralaye prāpte naṣṭe sthāvarajaṅgame; brahmādiṣu pralīneṣu naṣṭe loke parāvare; ābhūtasaṃplave caiva pralīne 'prākṛto mahān; ekas tiṣṭhati viśvātmā sa me viṣṇuḥ prasīdatu; caturbhiś ca caturbhiś ca dvābhyāṃ pañcabhir eva ca; hūyate ca punar dvābhyāṃ sa me viṣṇuḥ prasīdatu; parjanyaḥ pṛthivī sasyaṃ kālo dharmaḥ kriyākriye; guṇākaraḥ sa me babhrur vāsudevaḥ prasīdatu; agnīṣomārkatārāṇāṃ brahmarudrendrayoginām; yas tejayati tejāṃsi sa me viṣṇuḥ prasīdatu; yogāvāsa namas tubhyaṃ sarvāvāsa varaprada; yajñagarbha hiraṇyāṅga pañcayajña namo 'stu te; caturmūrte paraṃ dhāma lakṣmyāvāsa parārcita; sarvāvāsa namas te 'stu vāsudeva pradhānakṛt
„Der einst, als die Auflösung eingetreten war, als das Bewegliche und Unbewegliche vergangen war, als Brahmā und die anderen aufgelöst waren, die Welt, die höhere und niedere, vergangen war, als beim Weltuntergang bis zu den [letzten] Wesen der Große, Nicht-Naturhafte [?] aufgelöst war, allein bestehen bleibt, das Selbst des Alls: Dieser Viṣṇu möge mir gnädig sein. [Der,] dem mit vier und vier, mit zwei und fünf, und wiederum mit zwei geopfert wird [?]: Dieser Viṣṇu möge mir gnädig sein. Parjanya, Erde, Feldfrucht, Zeit, Dharma, Tun und Nichttun, der Fundort der Eigenschaften, der Braune (?), Vāsudeva: er möge mir gnädig sein. Von Agni, Soma, Sonne und Sternen, von Brahmā, Rudra, Indra und den Yogins: Der ihre Glanzkräfte erglänzen lässt, dieser Viṣṇu möge mir gnädig sein. Wohnstätte des Yoga, Verehrung dir, Wohnstätte von allem, Wunschgewährer; Opferkeim, Goldgliedriger, Fünffachopfer, Verehrung dir! Vierfachgestaltiger, höchste Stätte, Wohnsitz der Lakṣmī, von den Höchsten Verehrter; Wohnstätte von allem, Verehrung dir, Vāsudeva, Erschaffer der Urmaterie (pradhāna)!“
Wort für Wort
yaḥ purā pralaye prāpte naṣṭe sthāvarajaṅgame
der einst, als die Auflösung eingetreten und Unbewegtes und Bewegtes vergangen war (Lok.abs.)
brahmādiṣu pralīneṣu naṣṭe loke parāvare
als Brahmā u. a. aufgelöst, die höhere und niedere Welt vergangen war (Lok.abs.)
ābhūtasaṃplave ca eva pralīne aprākṛtaḥ mahān
beim Wesen-Untergang [?], der Große, Nicht-Naturhafte [?] aufgelöst (Lok.; Nom.)
ekaḥ tiṣṭhati viśvātmā sa me viṣṇuḥ prasīdatu
allein bleibt bestehen das Selbst des Alls; dieser Viṣṇu sei mir gnädig (3.Sg.Präs.; Imp.)
caturbhiḥ ca caturbhiḥ ca dvābhyām pañcabhiḥ eva ca
mit vier und vier, mit zwei und mit fünf (Instr.)
hūyate ca punar dvābhyām sa me viṣṇuḥ prasīdatu
und wieder mit zwei wird geopfert [?]; dieser Viṣṇu sei mir gnädig (Pass.3.Sg.)
parjanyaḥ pṛthivī sasyam kālaḥ dharmaḥ kriyākriye
Parjanya, Erde, Feldfrucht, Zeit, Dharma, Tun und Nichttun (Nom.)
guṇākaraḥ sa me babhruḥ vāsudevaḥ prasīdatu
Fundort der Eigenschaften, der Braune [?], Vāsudeva: er sei mir gnädig
agnīṣomārkatārāṇām brahmarudrendrayoginām
von Agni, Soma, Sonne, Sternen, Brahmā, Rudra, Indra, Yogins (Gen.Pl.)
yaḥ tejayati tejāṃsi sa me viṣṇuḥ prasīdatu
der die Glanzkräfte glänzen macht, dieser Viṣṇu sei mir gnädig (Kaus.3.Sg.)
yogāvāsa namaḥ tubhyam sarvāvāsa varaprada
Wohnstätte des Yoga, Verehrung dir, Wohnstätte von allem, Gnadenspender (Vok.; Dat.)
yajñagarbha hiraṇyāṅga pañcayajña namaḥ astu te
Opferkeim, Goldgliedriger, Fünffachopfer, Verehrung sei dir (Vok.; Imp.)
caturmūrte param dhāma lakṣmyāvāsa parārcita
Vierfachgestaltiger, höchste Stätte, Wohnsitz der Lakṣmī, hoch Verehrter (Vok.)
sarvāvāsa namaḥ te astu vāsudeva pradhānakṛt
Wohnstätte von allem, Verehrung dir, Vāsudeva, Schöpfer der Urmaterie (Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ābhūtasaṃplave caiva pralīne 'prākṛto mahān sowie caturbhiś ca … hūyate sind dunkel; Wiedergabe unsicher.
ajas tv anāmayaḥ panthā hy amūrtir viśvamūrtidhṛk; vikartaḥ pañcakālajña namas te jñānasāgara; avyaktād vyaktam utpannam avyaktād yaḥ paro 'kṣaraḥ; yasmāt parataraṃ nāsti tam asmi śaraṇaṃ gataḥ; na pradhāno na ca mahān puruṣaś cetano hy ajaḥ; anayor yaḥ parataras tam asmi śaraṇaṃ gataḥ; cintayanto hi yaṃ nityaṃ brahmeśānādayaḥ prabhum; niścayaṃ nādhigacchanti tam asmi śaraṇaṃ gataḥ; jitendriyā mahātmāno jñānadhyānaparāyaṇāḥ; yaṃ prāpya na nivartante tam asmi śaraṇaṃ gataḥ; ekāṃśena jagat sarvam avaṣṭabhya vibhuḥ sthitaḥ; agrāhyo nirguṇo nityaṃ tam asmi śaraṇaṃ gataḥ; somārkāgnimayaṃ tejo yā ca tāramayī dyutiḥ; divi saṃjāyate yo 'yaṃ sa mahātmā prasīdatu
„Der Ungeborene, der Fehlerlose, der Weg, ohne Gestalt und doch Träger aller Gestalten; der Wandler, Kenner der fünf Zeiten [?], Verehrung dir, Ozean der Erkenntnis! Aus dem Unentfalteten ist das Entfaltete entstanden; der, der höher ist als das Unentfaltete, der Unvergängliche: Über den hinaus es nichts Höheres gibt, bei dem habe ich Zuflucht genommen. Weder die Urmaterie noch der Große, [sondern] der bewusste, ungeborene Puruṣa: Wer höher ist als diese beiden, bei dem habe ich Zuflucht genommen. Den, den Brahmā, Īśāna und andere, ihn stets als Herrn betrachtend, doch nicht zu Gewissheit gelangen: bei dem habe ich Zuflucht genommen. Den, den die Hochgesinnten mit besiegten Sinnen, ganz der Erkenntnis und Meditation hingegeben, erreichend nicht mehr zurückkehren: bei dem habe ich Zuflucht genommen. Mit einem [einzigen] Teil das ganze All stützend, verharrt der Allmächtige, unfassbar, eigenschaftslos, ewig: bei dem habe ich Zuflucht genommen. Das aus Mond, Sonne und Feuer bestehende Licht und der aus Sternen bestehende Glanz: der am Himmel hier entsteht, dieser Hochgesinnte möge gnädig sein.“
Wort für Wort
ajaḥ tu anāmayaḥ panthāḥ hi amūrtiḥ viśvamūrtidhṛk
ungeboren, fehlerlos, Weg, gestaltlos, Träger der Gestalt des Alls (Nom.)
vikartaḥ pañcakālajña namaḥ te jñānasāgara
Wandler, Kenner der fünf Zeiten [?], Verehrung dir, Ozean der Erkenntnis (Vok.)
guṇādir nirguṇaś cādyo lakṣmīvāṃś cetano hy ajaḥ; sūkṣmaḥ sarvagato yogī sa mahātmā prasīdatu; avyaktaṃ samadhiṣṭhātā acintyaḥ sadasatparaḥ; āsthitaḥ paramaṃ bhuṅkte sa mahātmā prasīdatu; kṣetrajñaḥ pañcadhā bhuṅkte prakṛtiṃ pañcabhir mukhaiḥ; mahān guṇāṃś ca yo bhuṅkte sa mahātmā prasīdatu; sūryamadhye sthitaḥ somas tasya madhye ca yā sthitā; bhūtabāhyā ca yā dīptiḥ sa mahātmā prasīdatu; namas te sarvataḥ sarva sarvatokṣiśiromukha; nirvikāra namas te 'stu sākṣī kṣetradhruvasthitiḥ; atīndriya namas tubhyaṃ liṅgair vyaktair na mīyase; ye ca tvāṃ nābhijānanti saṃsāre saṃsaranti te; kāmakrodhavinirmuktā rāgadveṣavivarjitāḥ; mānyabhaktā vijānanti na punar mārakā dvijāḥ
„Der Ursprung der Eigenschaften und doch eigenschaftslos, der Erste, mit Lakṣmī, bewusst, ungeboren, fein, allgegenwärtig, ein Yogin: dieser Hochgesinnte möge gnädig sein. Der Unentfaltete beherrschend, undenkbar, jenseits von Seiendem und Nichtseiendem, verweilend genießt er das Höchste: dieser Hochgesinnte möge gnädig sein. Der Kenner des Feldes genießt auf fünffache Weise die Natur mit fünf Mündern; der Große, der die Eigenschaften genießt: dieser Hochgesinnte möge gnädig sein. In der Mitte der Sonne steht der Mond, in dessen Mitte die [Wesenheit], die dort steht, und der außerhalb der Wesen befindliche Glanz: dieser Hochgesinnte möge gnädig sein. Verehrung dir, Allseitiger, du Alles, mit Augen, Köpfen und Mündern überall! Wandellos, Verehrung dir, Zeuge, im Feld fest gegründet! Jenseits der Sinne, Verehrung dir; durch offenbare Merkmale wirst du nicht erfasst. Die dich nicht erkennen, wandern im Kreislauf des Werdens; frei von Begierde und Zorn, ohne Anhaftung und Abneigung, erkennen [dich] die verehrenden Brahmanen, und [gehen] nicht wieder [in den Tod] [?].“
Wort für Wort
guṇādiḥ nirguṇaḥ ca ādyaḥ lakṣmīvān cetanaḥ hi ajaḥ
Ursprung der Eigenschaften, doch eigenschaftslos, der Erste, mit Lakṣmī, bewusst, ungeboren
sūkṣmaḥ sarvagataḥ yogī sa mahātmā prasīdatu
fein, allgegenwärtig, Yogin; dieser Hochgesinnte sei gnädig
avyaktam samadhiṣṭhātā acintyaḥ sadasatparaḥ
das Unentfaltete beherrschend, undenkbar, jenseits von Sein und Nichtsein (Nom.)
āsthitaḥ paramam bhuṅkte sa mahātmā prasīdatu
verharrend genießt er das Höchste (3.Sg.Präs.Med.)
der Feldkenner genießt fünffach die Natur mit fünf Mündern
mahān guṇān ca yaḥ bhuṅkte sa mahātmā prasīdatu
der Große, der die Eigenschaften genießt
sūryamadhye sthitaḥ somaḥ tasya madhye ca yā sthitā
in der Sonnenmitte steht der Mond, und in dessen Mitte die dort Stehende (Nom.f.)
bhūtabāhyā ca yā dīptiḥ sa mahātmā prasīdatu
und der außerhalb der Wesen befindliche Glanz
namaḥ te sarvataḥ sarva sarvatokṣiśiromukha
Verehrung dir, Allseitiger, Allheit, mit überall Augen, Köpfen, Mündern (Vok.)
nirvikāra namaḥ te astu sākṣī kṣetradhruvasthitiḥ
Wandelloser, Verehrung dir, Zeuge, im Feld fest Gegründeter
atīndriya namaḥ tubhyam liṅgaiḥ vyaktaiḥ na mīyase
Jenseits der Sinne, Verehrung dir; durch offenbare Merkmale wirst du nicht gemessen (Pass.2.Sg.)
ye ca tvām na abhijānanti saṃsāre saṃsaranti te
die dich nicht erkennen, wandern im Kreislauf
kāmakrodhavinirmuktāḥ rāgadveṣavivarjitāḥ
von Begierde und Zorn befreit, frei von Anhaftung und Abneigung (Nom.Pl.)
mānyabhaktāḥ vijānanti na punaḥ mārakāḥ dvijāḥ
die Verehrer erkennen; nicht wieder ... die Brahmanen [?] (3.Pl.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Letzte Zeile (mānyabhaktā vijānanti na punar mārakā dvijāḥ) ist textlich unsicher.
ekākino hi nirdvaṃdvā nirāśīḥkarmakāriṇaḥ; jñānāgnidagdhakarmāṇas tvāṃ viśanti viniścitāḥ; aśarīraṃ śarīrasthaṃ samaṃ sarveṣu dehiṣu; puṇyapāpavinirmuktā bhaktās tvāṃ praviśanty uta; avyaktaṃ buddhyahaṃkārau manobhūtendriyāṇi ca; tvayi tāni ca teṣu tvaṃ na teṣu tvaṃ na te tvayi; ekatvānyatvanānātvaṃ ye vidur yānti te param; samo 'si sarvabhūteṣu na te dveṣyo 'sti na priyaḥ; samatvam abhikāṅkṣe 'haṃ bhaktyā vai nānyacetasā; carācaram idaṃ sarvaṃ bhūtagrāmaṃ caturvidham; tvayā tvayy eva tat protaṃ sūtre maṇigaṇā iva; sraṣṭā bhoktāsi kūṭastho hy atattvas tattvasaṃjñitaḥ; akartā hetur acalaḥ pṛthag ātmany avasthitaḥ; na me bhūteṣu saṃyogo bhūtatattvaguṇādhikaḥ
„Die Einsamen, ohne Gegensätze, ohne Wünsche Handelnden, deren Werke im Feuer der Erkenntnis verbrannt sind, gehen fest entschlossen in dich ein. Körperlos, im Körper weilend, in allen Verkörperten gleich: Von Verdienst und Sünde befreit, gehen die Verehrer in dich ein. Das Unentfaltete, Verstand und Ichbewusstsein, Denken, Elemente und Sinne: Sie sind in dir, und du in ihnen; du bist nicht in ihnen, sie nicht in dir. Die Einheit, Andersheit und Vielheit erkennen, gehen zum Höchsten. Du bist gleich gegenüber allen Wesen; dir ist keiner verhasst noch lieb. Nach Gleichheit strebe ich, in Hingabe, mit ungeteiltem Sinn. Dieses ganze Bewegliche und Unbewegliche, die vierfache Schar der Wesen: durch dich, in dir ist es aufgereiht wie Perlen an einer Schnur. Du bist der Schöpfer und Genießer, der Unveränderliche (kūṭastha), ohne Wahrheit (?), ‚Wahrheit‘ genannt; Nicht-Täter, Ursache, unbewegt, gesondert im Selbst gegründet. Mein Zusammenhang mit den Wesen, der die Wesen, Prinzipien und Eigenschaften überwiegt, [besteht] nicht.“
Wort für Wort
ekākinaḥ hi nirdvaṃdvāḥ nirāśīḥkarmakāriṇaḥ
die Einsamen, gegensatzlosen, ohne Wunsch Handelnden (Nom.Pl.)
jñānāgnidagdhakarmāṇaḥ tvām viśanti viniścitāḥ
deren Werke vom Erkenntnisfeuer verbrannt sind, gehen fest entschlossen in dich ein
aśarīram śarīrastham samam sarveṣu dehiṣu
körperlos, im Körper weilend, gleich in allen Verkörperten (Akk./Lok.)
puṇyapāpavinirmuktāḥ bhaktāḥ tvām praviśanti uta
von Verdienst und Sünde befreit, gehen die Verehrer in dich ein
avyaktam buddhyahaṃkārau manobhūtendriyāṇi ca
das Unentfaltete, Verstand und Ichbewusstsein, Denken, Elemente und Sinne (Nom.)
tvayi tāni ca teṣu tvam na teṣu tvam na te tvayi
sie in dir, und du in ihnen; nicht du in ihnen, nicht sie in dir (Lok.)
ekatvānyatvanānātvam ye viduḥ yānti te param
Einheit, Andersheit, Vielheit, die wissen, gehen zum Höchsten (Perf.3.Pl. mit Präsensbed.)
samaḥ asi sarvabhūteṣu na te dveṣyaḥ asti na priyaḥ
du bist gleich gegenüber allen Wesen; dir ist keiner verhasst oder lieb (Gerundiv)
samatvam abhikāṅkṣe aham bhaktyā vai na anyacetasā
Gleichheit erstrebe ich mit Hingabe, mit ungeteiltem Sinn (1.Sg.Präs.Med.)
carācaram idam sarvam bhūtagrāmam caturvidham
dies ganze Bewegliche/Unbewegliche, die vierfache Wesenschar (Akk.)
tvayā tvayi eva tat protam sūtre maṇigaṇāḥ iva
durch dich, in dir aufgereiht wie Perlenschar an der Schnur (Part.Pass.; Lok.)
sraṣṭā bhoktā asi kūṭasthaḥ hi atattvaḥ tattvasaṃjñitaḥ
Schöpfer und Genießer bist du, unveränderlich, ohne Wahrheit(?), ‚Wahrheit‘ genannt
akartā hetuḥ acalaḥ pṛthak ātmani avasthitaḥ
Nicht-Täter, Ursache, unbewegt, gesondert im Selbst stehend (Lok.)
na me bhūteṣu saṃyogaḥ bhūtatattvaguṇādhikaḥ
nicht besteht für mich ein Zusammenhang mit den Wesen, der Wesen, Prinzipien, Eigenschaften überwiegt
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). atattvas tattvasaṃjñitaḥ und die Schlusszeile sind unsicher.
ahaṃkāreṇa buddhyā vā na me yogas tribhir guṇaiḥ; na me dharmo 'sty adharmo vā nārambho janma vā punaḥ; jarāmaraṇamokṣārthaṃ tvāṃ prapanno 'smi sarvaga; viṣayair indriyair vāpi na me bhūyaḥ samāgamaḥ; pṛthivīṃ yātu me ghrāṇaṃ yātu me rasanaṃ jalam; rūpaṃ hutāśanaṃ yātu sparśo yātu ca mārutam; śrotram ākāśam apy etu mano vaikārikaṃ punaḥ; indriyāṇy api saṃyāntu svāsu svāsu ca yoniṣu; pṛthivī yātu salilam āpo 'gnim analo 'nilam; vāyur ākāśam apy etu manaś cākāśa eva ca; ahaṃkāraṃ mano yātu mohanaṃ sarvadehinām; ahaṃkāras tato buddhiṃ buddhir avyaktam acyuta; pradhāne prakṛtiṃ yāte guṇasāmye vyavasthite; viyogaḥ sarvakaraṇair guṇair bhūtaiś ca me bhavet
„Weder durch Ichbewusstsein noch durch Verstand, noch durch die drei Eigenschaften habe ich Verbindung. Für mich gibt es weder Dharma noch Adharma, weder [neues] Beginnen noch abermals Geburt. Um Altern, Tod und Befreiung willen habe ich zu dir Zuflucht genommen, Allgegenwärtiger. Ich möchte nicht mehr mit Sinnesgegenständen und Sinnen zusammenkommen. Meine Nase gehe zur Erde, meine Zunge zum Wasser; die Gestalt gehe zum Feuer, die Berührung zum Wind; das Gehör gehe zum Raum, das Denken wieder zum Vaikārika [?]. Die Sinne sollen jeweils in ihre eigenen Ursprünge eingehen. Die Erde gehe zum Wasser, die Wasser zum Feuer, das Feuer zum Wind; der Wind gehe zum Raum, der Geist zum Raum. Das Denken gehe zum Ichbewusstsein, das alle Verkörperten verwirrt; das Ichbewusstsein dann zum Verstand, der Verstand zum Unentfalteten, Acyuta; wenn die Urmaterie in die Natur eingegangen und das Gleichgewicht der Eigenschaften hergestellt ist, möge meine Trennung von allen Werkzeugen, Eigenschaften und Elementen eintreten.“
Wort für Wort
ahaṃkāreṇa buddhyā vā na me yogaḥ tribhiḥ guṇaiḥ
durch Ichbewusstsein oder Verstand, durch die drei Eigenschaften habe ich keine Verbindung (Instr.)
na me dharmaḥ asti adharmaḥ vā na ārambhaḥ janma vā punaḥ
für mich kein Dharma, kein Adharma, kein Beginnen, keine Geburt mehr
jarāmaraṇamokṣārtham tvām prapannaḥ asmi sarvaga
um Altern, Tod, Befreiung willen bin ich bei dir Zuflucht suchend, Allgegenwärtiger
viṣayaiḥ indriyaiḥ vā api na me bhūyaḥ samāgamaḥ
mit Objekten und Sinnen keine erneute Vereinigung für mich
pṛthivīm yātu me ghrāṇam yātu me rasanam jalam
zur Erde gehe meine Nase, zum Wasser meine Zunge (Imp.3.Sg.)
rūpam hutāśanam yātu sparśaḥ yātu ca mārutam
die Gestalt zum Feuer, die Berührung zum Wind
śrotram ākāśam api etu manaḥ vaikārikam punaḥ
das Gehör zum Raum, das Denken wieder zum Vaikārika [?]
indriyāṇi api saṃyāntu svāsu svāsu ca yoniṣu
auch die Sinne sollen zusammengehen jeweils in ihre eigenen Ursprünge (Lok.Pl.f.)
pṛthivī yātu salilam āpaḥ agnim analaḥ anilam
die Erde gehe zum Wasser, Wasser zum Feuer, Feuer zum Wind
vāyuḥ ākāśam api etu manaḥ ca ākāśaḥ eva ca
der Wind gehe zum Raum, auch der Geist zum Raum
ahaṃkāram manaḥ yātu mohanam sarvadehinām
das Denken gehe zum Ichbewusstsein, das alle Verkörperten verwirrt
ahaṃkāraḥ tataḥ buddhim buddhiḥ avyaktam acyuta
Ichbewusstsein dann zum Verstand, Verstand zum Unentfalteten, Acyuta
pradhāne prakṛtim yāte guṇasāmye vyavasthite
wenn die Urmaterie in die Natur eingegangen, das Gleichgewicht der Eigenschaften hergestellt ist (Lok.abs.)
viyogaḥ sarvakaraṇaiḥ guṇaiḥ bhūtaiḥ ca me bhavet
Trennung von allen Organen, Eigenschaften und Elementen möge mir sein (Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
niṣkevalaṃ padaṃ deva kāṅkṣe 'haṃ paramaṃ tava; ekībhāvas tvayā me 'stu na me janma bhavet punaḥ; tvadbuddhis tvadgataprāṇas tvadbhaktis tvatparāyaṇaḥ; tvām evāhaṃ smariṣyāmi maraṇe paryupasthite; pūrvadehakṛtā me tu vyādhayaḥ praviśantu mām; ardayantu ca duḥkhāni ṛṇaṃ me pratimuñcatu; anudhyāto 'si deveśa na me janma bhavet punaḥ; tasmād bravīmi karmāṇi ṛṇaṃ me na bhaved iti; nopatiṣṭhantu māṃ sarve vyādhayaḥ pūrvasaṃcitāḥ; śrībhagavān uvāca; anṛṇo gantum icchāmi tad viṣṇoḥ paramaṃ padam; ahaṃ bhagavatas tasya mama cāsau sanātanaḥ; tasyāhaṃ na praṇaśyāmi sa ca me na praṇaśyati; karmendriyāṇi saṃyamya pañca buddhīndriyāṇi ca; daśendriyāṇi manasi ahaṃkāre tathā manaḥ
„Das reine (niṣkevala) Reich von dir, o Gott, das höchste, ersehne ich. Einssein mit dir sei mir; keine Geburt soll mir mehr sein. Meine Einsicht bei dir, mein Lebenshauch in dir, meine Hingabe an dich, dir ganz zugewandt: an dich allein werde ich mich erinnern, wenn der Tod herangetreten ist. Die in früherem Körper geschaffenen Krankheiten mögen in mich eingehen; die Leiden sollen [mich] quälen, die Schuld [an sie] löse sich [von] mir. Weil ich dein gedacht habe, Herr der Götter, soll mir keine Geburt mehr sein; darum sage ich: Aus den Werken soll mir keine Schuld erwachsen. Nicht sollen mich alle Krankheiten, die früher angehäuft wurden, bedrängen.“ Der Erhabene sprach: „Schuldenfrei will ich zu jener höchsten Stätte Viṣṇus gehen. Ich gehöre dem Erhabenen, und er gehört mir, der Ewige. Ich gehe ihm nicht verloren, und er geht mir nicht verloren. Die Tatorgane bändigend und die fünf Erkenntnissinne, die zehn Sinne im Denken, ebenso das Denken im Ichbewusstsein,“
Wort für Wort
niṣkevalam padam deva kāṅkṣe aham paramam tava
das reine Reich, o Gott, das höchste von dir, ersehne ich (1.Sg.Präs.Med.)
ekībhāvaḥ tvayā me astu na me janma bhavet punaḥ
Einssein mit dir sei mir; keine Geburt mehr möge mir sein (Imp.; Opt.)
mein Denken auf dich, Atem in dir, Hingabe an dich, dir zugewandt (Bahuvrīhi)
tvām eva aham smariṣyāmi maraṇe paryupasthite
an dich allein werde ich mich erinnern, wenn der Tod herangetreten ist (Fut.)
pūrvadehakṛtāḥ me tu vyādhayaḥ praviśantu mām
die im früheren Körper geschaffenen Krankheiten mögen in mich eingehen (Imp.)
ardayantu ca duḥkhāni ṛṇam me pratimuñcatu
die Leiden sollen quälen; die Schuld möge sich von mir lösen [?] (Imp.)
anudhyātaḥ asi deveśa na me janma bhavet punaḥ
du bist bedacht worden, Herr der Götter; keine Geburt mehr für mich (Part.Pass.)
tasmāt bravīmi karmāṇi ṛṇam me na bhavet iti
darum sage ich: aus den Werken soll mir keine Schuld sein (1.Sg.Präs.)
na upatiṣṭhantu mām sarve vyādhayaḥ pūrvasaṃcitāḥ
nicht sollen mich alle früher angehäuften Krankheiten befallen (Imp.)
śrībhagavān uvāca anṛṇaḥ gantum icchāmi
der Erhabene sprach: schuldenfrei will ich gehen (Inf.)
tat viṣṇoḥ paramam padam
zu jener höchsten Stätte Viṣṇus (Akk.)
aham bhagavataḥ tasya mama ca asau sanātanaḥ
ich [gehöre] dem Erhabenen, und jener Ewige mir (Gen.)
tasya aham na praṇaśyāmi sa ca me na praṇaśyati
ich gehe ihm nicht verloren, und er geht mir nicht verloren (3.Sg.Präs.)
karmendriyāṇi saṃyamya pañca buddhīndriyāṇi ca
die Tatorgane und die fünf Erkenntnissinne bändigend (Abs.)
daśa indriyāṇi manasi ahaṃkāre tathā manaḥ
die zehn Sinne im Denken, ebenso das Denken im Ichbewusstsein (Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Rede wechselt hier zu śrībhagavān uvāca; die Sätze der Verse 63a–d sind als Gebet Nāradas gelesen. Einige Übergänge sind unsicher.
ahaṃkāraṃ tathā buddhau buddhim ātmani yojayet; yatabuddhīndriyaḥ paśyed buddhyā budhyet parāt param; mamāyam iti tasyāhaṃ yena sarvam idaṃ tatam; ātmanātmani saṃyojya paramātmany anusmaret; tato buddheḥ paraṃ buddhvā labhate na punarbhavam; maraṇe samanuprāpte yaś caivaṃ mām anusmaret; api pāpasamācāraḥ sa yāti paramāṃ gatim; [oṃ] namo bhagavate tasmai dehināṃ paramātmane; nārāyaṇāya bhaktānām ekaniṣṭhāya śāśvate; imām anusmṛtiṃ divyāṃ vaiṣṇavīṃ susamāhitaḥ; svapan vibudhyaṃś ca paṭhed yatra tatra samabhyaset; paurṇamāsyām amāvāsyāṃ dvādaśyāṃ ca viśeṣataḥ; śrāvayec chraddadhānāṃś ca madbhaktāṃś ca viśeṣataḥ; yady ahaṃkāram āśritya yajñadānatapaḥkriyāḥ
„das Ichbewusstsein dann im Verstand, den Verstand im Selbst soll man sammeln. Mit gezügeltem Verstand und Sinnen soll man schauen; durch den Verstand soll man das Höhere als das Höchste erkennen: ‚Dies ist mein‘, so ist [das Selbst] seins, ich [bin] der, durch den dies alles durchzogen ist. Hat man das Selbst im Selbst gesammelt, soll man sich an das höchste Selbst erinnern. Dann, das über dem Verstand Stehende erkannt habend, erlangt man keine Wiedergeburt. Wenn der Tod herangekommen ist und wer sich so an mich erinnert, geht, auch wenn er sündhaft wandelt, den höchsten Weg. [Om,] Verehrung dem Erhabenen, dem Selbst der Verkörperten, dem höchsten Selbst, Nārāyaṇa, dem Ewigen, dem den Verehrern einzig Zugewandten. Diese göttliche, Viṣṇu betreffende Erinnerung soll man gut gesammelt hersagen, schlafend und erwachend, und überall üben; an Vollmond, Neumond und besonders am zwölften [Tag], soll man sie den Gläubigen und besonders meinen Verehrern zu Gehör bringen. Wenn jemand, das Ichbewusstsein zum Ausgangspunkt nehmend, Opfer, Gaben, Askese und [andere] Handlungen“
Wort für Wort
ahaṃkāram tathā buddhau buddhim ātmani yojayet
das Ichbewusstsein im Verstand, den Verstand im Selbst soll man verbinden (Opt.)
kurvaṃs tatphalam āpnoti punarāvartanaṃ tu tat; abhyarcayan pitṝn devān paṭhañ juhvan baliṃ dadat; jvalann agniṃ smared yo māṃ sa yāti paramāṃ gatim; yajño dānaṃ tapaś caiva pāvanāni śarīriṇām; yajñaṃ dānaṃ tapas tasmāt kuryād āśīrvivarjitaḥ; nama ity eva yo brūyān madbhaktaḥ śraddhayānvitaḥ; tasyākṣayo bhavel lokaḥ śvapākasyāpi nārada; kiṃ punar ye yajante māṃ sādhakā vidhipūrvakam; śraddhāvanto yatātmānas te māṃ yānti madāśritāḥ; karmāṇy ādyantavantīha madbhakto nāntam aśnute; mām eva tasmād devarṣe dhyāhi nityam atandritaḥ; avāpsyasi tataḥ siddhiṃ drakṣyasy eva padaṃ mama; ajñānāya ca yo jñānaṃ dadyād dharmopadeśanam; kṛtsnāṃ vā pṛthivīṃ dadyāt tena tulyaṃ na tat phalam
„[verrichtet], so erlangt er deren Frucht, [doch] die Wiederkehr [bleibt]; wer die Väter und Götter verehrt, rezitiert, opfert, eine Spende gibt, im Feuer brennend [?] an mich denkt, geht den höchsten Weg. Opfer, Gabe und Askese sind die Läuterer der Verkörperten; darum soll man Opfer, Gabe und Askese ohne Wunsch nach Lohn verrichten. Wer nur ‚Verehrung!‘ (nama) sagt, mein gläubiger Verehrer: Dessen Welt wird unvergänglich sein, selbst dem Hundeesser (śvapāka), Nārada. Wie viel mehr denen, die mir regelrecht opfern, den Strebenden, gläubig, selbstbeherrscht, mir zugewandt: Sie gehen zu mir. Werke hier haben Anfang und Ende; mein Verehrer erreicht kein Ende. Darum meditiere, Götterseher, immer über mich, unermüdlich; dann wirst du Vollendung erlangen und meinen Ort schauen. Wer dem Unwissenden Erkenntnis gäbe, Unterweisung in Dharma, oder die ganze Erde gäbe, dessen Lohn ist damit nicht gleich.“
Wort für Wort
kurvan tatphalam āpnoti punarāvartanam tu tat
ausübend erlangt er deren Frucht, aber das ist Wiederkehr (Part.Präs.; 3.Sg.Präs.)
tasmāt pradeyaṃ sādhubhyo janmabandhabhayāpaham; evaṃ dattvā naraśreṣṭha śreyo vīryaṃ ca vindati; aśvamedhasahasrāṇāṃ sahasraṃ yaḥ samācaret; bhīṣma uvāca; nāsau padam avāpnoti madbhaktair yad avāpyate; evaṃ pṛṣṭaḥ purā tena nāradena surarṣiṇā; yad uvāca tadā śaṃbhus tad uktaṃ tava suvrata; tvam apy ekamanā bhūtvā dhyāhi jñeyaṃ guṇātigam; bhajasva sarvabhāvena paramātmānam avyayam; śrutvaivaṃ nārado vākyaṃ divyaṃ nārāyaṇeritam; atyantabhaktimān deva ekāntatvam upeyivān; nārāyaṇam ṛṣiṃ devaṃ daśa varṣāṇy ananyabhāk; idaṃ japan vai prāpnoti tad viṣṇoḥ paramaṃ padam; kiṃ tasya bahubhir mantrair bhaktir yasya janārdane; namo nārāyaṇāyeti mantraḥ sarvārthasādhakaḥ
„Darum ist [dies] den Guten zu geben, das die Furcht vor Geburt und Fessel beseitigt. Wenn man so gegeben hat, Bester der Männer, erlangt man Heil und Kraft. Wer tausendmal tausend Rossopfer vollzöge –“ Bhīṣma sprach: „– der erlangt den Ort nicht, den [nur] meine Verehrer erlangen.“ [Bhīṣma:] „So ist es, was Śambhu (Viṣṇu) damals dem so befragten Götterseher Nārada sagte; das habe ich dir erzählt, Frommer. Auch du sollst, einpünktigen Sinnes, über das zu Erkennende meditieren, das die Eigenschaften überschreitet; verehre in jeder Weise das höchste Selbst, das Unvergängliche. Nachdem Nārada dies göttliche, von Nārāyaṇa gesprochene Wort gehört hatte, wurde er im Gott ausschließlich zugewandt, äußerst hingebungsvoll: zehn Jahre lang, ohne einen anderen [Gedanken], [verehrte er] Nārāyaṇa, den Weisen, Gott. Wer dies murmelt, erlangt jenen höchsten Ort Viṣṇus. Wozu viele Mantras für den, dessen Hingabe Janārdana gilt? ‚Verehrung Nārāyaṇa!‘ ist der Mantra, der alle Ziele erfüllt.“
Wort für Wort
tasmāt pradeyam sādhubhyaḥ janmabandhabhayāpaham
darum ist den Guten zu geben, was die Furcht vor Geburt und Fessel beseitigt (Gerundiv; Dat.Pl.)
evam dattvā naraśreṣṭha śreyaḥ vīryam ca vindati
so gegeben habend, Bester der Männer, findet man Heil und Kraft (Abs.; 3.Sg.Präs.)
aśvamedhasahasrāṇām sahasram yaḥ samācaret
wer tausend mal tausend Rossopfer vollzöge (Opt.)
bhīṣmaḥ uvāca na asau padam avāpnoti madbhaktaiḥ yat avāpyate
Bhīṣma sprach: der erlangt nicht den Ort, den meine Verehrer erlangen (Pass.)
evam pṛṣṭaḥ purā tena nāradena surarṣiṇā
so einst von diesem Götterseher Nārada befragt (Part.Pass.; Instr.)
yat uvāca tadā śaṃbhuḥ tat uktam tava suvrata
was damals Śambhu sagte, das ist dir gesagt, Frommer (Perf.; Part.Pass.)
tvam api ekamanāḥ bhūtvā dhyāhi jñeyam guṇātigam
auch du, einpünktig geworden, meditiere über das zu Erkennende jenseits der Eigenschaften (Abs.; Imp.)
bhajasva sarvabhāvena paramātmānam avyayam
verehre mit ganzem Wesen das höchste Selbst, das Unvergängliche (Imp.Med.)
śrutvā evam nāradaḥ vākyam divyam nārāyaṇeritam
so gehört habend, Nārada, das göttliche, von Nārāyaṇa gesprochene Wort (Abs.)
atyantabhaktimān devaḥ ekāntatvam upeyivān
äußerst hingebungsvoll, ganz dem Einen zugewandt geworden (Part.Perf.Akt.)
nārāyaṇam ṛṣim devam daśa varṣāṇi ananyabhāk
Nārāyaṇa, den Weisen, Gott, zehn Jahre ohne Anderes (verehrend) [?]
idam japan vai prāpnoti tat viṣṇoḥ paramam padam
dies murmelnd erlangt man jenen höchsten Ort Viṣṇus
kim tasya bahubhiḥ mantraiḥ bhaktiḥ yasya janārdane
was nützen ihm viele Mantras, dessen Hingabe Janārdana gilt (Instr.)
namaḥ nārāyaṇāya iti mantraḥ sarvārthasādhakaḥ
‚Verehrung Nārāyaṇa‘ ist der Mantra, der alle Ziele bewirkt
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers ist stückhaft; die Sprecherangabe „bhīṣma uvāca“ steht mitten im Satz, sodass aśvamedha… (Nebensatz) und nāsau padam… zusammengehören.
imāṃ rahasyāṃ paramām anusmṛtim; adhītya buddhiṃ labhate ca naiṣṭhikīm; vihāya duḥkhāny avamucya saṃkaṭāt; sa vītarāgo vicaran mahīm imām
Wer diese höchste geheime Erinnerung gelernt hat, erlangt feste Einsicht; Leiden ablegend, aus der Bedrängnis befreit, wandert er, frei von Anhaftung, über diese Erde. [Anm.: Fragmentarischer Satz; syntaktische Verbindung der Pādas unsicher.]
Wort für Wort
imām rahasyām paramām anusmṛtim
diese höchste geheime Erinnerung (Akk.Sg.f.)
adhītya buddhim labhate ca naiṣṭhikīm
gelernt habend, erlangt er feste [letztgültige] Einsicht (Abs.; 3.Sg.Präs.Med.)
vihāya duḥkhāni avamucya saṃkaṭāt
Leiden verlassend, aus der Bedrängnis befreit (Abs.; Abl.)
sa vītarāgaḥ vicaran mahīm imām
er, frei von Anhaftung, wandernd über diese Erde (Part.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
yudhiṣṭhira uvāca; devāsuramanuṣyeṣu ṛṣimukhyeṣu vā punaḥ; viṣṇos tattvaṃ yathākhyātaṃ ko vidvān anuvetti tat; etan me sarvam ācakṣva na me tṛptir hi tattvataḥ; bhīṣma uvāca; vartate bharataśreṣṭha sarvajño 'sīti me matiḥ; kā[?smā]rito 'haṃ tvayā rājan yad vṛttaṃ ca purā mama; garuḍena purā mahyaṃ saṃvādo bhūbhṛduttama; purāhaṃ tapa āsthāya vāsudevaparāyaṇaḥ; dhyāyan stuvan namasyaṃś ca yajamānas tam eva ca; gaṅgādvīpe samāsīno daśa varṣāṇi bhārata; mātā ca mama sā devī jananī lokapāvanī; samāsīnā samīpe me rakṣaṇārthaṃ mamācyuta; tasmin kāle 'dbhutaḥ śrīmān sarvavedamayaḥ prabhuḥ; suparṇaḥ patatāṃ śreṣṭho merumandarasaṃnibhaḥ; ājagāma viśuddhātmā gaṅgāṃ draṣṭuṃ mahāyaśāḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Unter Göttern, Asuras und Menschen oder unter den Hauptweisen: Wer, der wissend ist, kennt jene Wahrheit Viṣṇus, wie sie erzählt wurde? Sage mir das alles; ich werde in Wahrheit nicht satt.“ Bhīṣma sprach: „Es besteht, Bester der Bhārata, meine Ansicht: ‚du bist allwissend‘. Du hast mich erinnert, König, an das, was einst geschehen ist. Ich hatte einst ein Gespräch mit Garuḍa, Fürst der Erde. Einst hatte ich Askese auf mich genommen, ganz Vāsudeva zugewandt, meditierend, preisend, verehrend und opfernd, auf der Gaṅgā-Insel sitzend, zehn Jahre lang, Bhārata. Und meine Mutter, die Göttin, die Weltenläuternde [Gaṅgā], saß zu meinem Schutz in meiner Nähe, Acyuta [?]. Zu jener Zeit kam der wunderbare, glanzvolle, ganz aus Veda bestehende Herr, Suparṇa, der Beste der Vögel, dem Meru und Mandara gleich, reinen Wesens, hochberühmt, um die Gaṅgā zu sehen.“
in jener Zeit [kam] der wunderbare, glanzvolle, ganz aus Veda bestehende Herr
suparṇaḥ patatām śreṣṭhaḥ merumandarasaṃnibhaḥ
Suparṇa, Bester der Fliegenden, Meru und Mandara gleich (Gen.Pl.)
ājagāma viśuddhātmā gaṅgām draṣṭum mahāyaśāḥ
kam, reinen Wesens, hochberühmt, die Gaṅgā zu sehen (Perf.; Inf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). In 68 sind kā[?smā]rito und Anrede „acyuta“ (mamācyuta) textlich unsicher.
tam āgataṃ mahātmānaṃ pratyudgamyāham arthitaḥ; praṇipatya yathānyāyaṃ kṛtāñjalir avasthitaḥ; so 'pi devo mahābhāgām abhinandya ca jāhnavīm; tayā ca pūjitaḥ śrīmān upopāviśad āsane; tataḥ kathāntare taṃ vai vacanaṃ cedam abravam; vedaveda mahāvīrya vainateya mahābala; nārāyaṇaṃ hṛṣīkeśaṃ sahamāno 'niśaṃ harim; jānāsi taṃ yathā vaktuṃ yādṛgbhūto janārdanaḥ; garuḍa uvāca; mamāpi tasya sadbhāvaṃ vaktum arhasi sattama; śṛṇu bhīṣma yathānyāyaṃ purā tva[?tvā]m iha sattamāḥ; aneke munayaḥ siddhā mānasottaravāsinaḥ; papracchur māṃ mahāprājñā vāsudevaparāyaṇāḥ; pakṣīndra vāsudevasya tat tvaṃ vetsi paraṃ padam; tvayā samo na tasyāsti saṃnikṛṣṭapriyo 'pi ca
Ich ging dem angekommenen Hochgesinnten entgegen, bittend, warf mich nach Gebühr nieder und blieb mit gefalteten Händen stehen. Auch er, der Gott, begrüßte die hochbeglückte Jāhnavī [Gaṅgā], und von ihr geehrt, setzte sich der Glanzvolle auf den Sitz. Dann sprach ich im Verlauf des Gesprächs zu ihm diese Worte: „Veda-Kenner, hochheldenhafter Sohn der Vinatā, Starker! Nārāyaṇa, Hṛṣīkeśa, Hari, unaufhörlich [in dir] tragend: Du weißt, wie Janārdana zu schildern ist und wie er beschaffen ist.“ Garuḍa sprach: „Auch mir solltest du sein Wesen sagen, Bester. Höre, Bhīṣma, nach Gebühr, was ich einst hier, ihr Besten [zu euch], [sagte]. Viele Weise, Vollendete, die auf dem Mānasottara-Berg wohnen, hochweise, Vāsudeva ergeben, fragten mich: ‚Fürst der Vögel, du kennst den höchsten Ort Vāsudevas; dir kommt keiner gleich, und du bist ihm nahe und lieb.‘“
Wort für Wort
tam āgatam mahātmānam pratyudgamya aham arthitaḥ
dem angekommenen Hochgesinnten entgegengegangen, ich bittend (Abs.; Part.Pass.)
praṇipatya yathānyāyam kṛtāñjaliḥ avasthitaḥ
niedergeworfen nach Gebühr, mit gefalteten Händen stehend
saḥ api devaḥ mahābhāgām abhinandya ca jāhnavīm
auch der Gott, die hochbeglückte Jāhnavī begrüßend (Abs.)
tayā ca pūjitaḥ śrīmān upopāviśat āsane
und von ihr geehrt, setzte sich der Glanzvolle auf den Sitz (Impf.)
tataḥ kathāntare tam vai vacanam ca idam abravam
dann im Gesprächsverlauf sagte ich zu ihm dieses Wort (Impf.1.Sg.)
vedaveda mahāvīrya vainateya mahābala
Veda-Kenner, hochheldenhaft, Sohn der Vinatā, Starker (Vok.)
nārāyaṇam hṛṣīkeśam sahamānaḥ aniśam harim
Nārāyaṇa, Hṛṣīkeśa, Hari unaufhörlich [in dir] aushaltend/tragend (Part.Präs.Med.)
jānāsi tam yathā vaktum yādṛgbhūtaḥ janārdanaḥ
du weißt, wie er zu schildern ist, wie beschaffen Janārdana ist (2.Sg.Präs.; Inf.)
garuḍaḥ uvāca mama api tasya sadbhāvam vaktum arhasi sattama
Garuḍa sprach: auch mir sollst du sein Wesen sagen, Bester
śṛṇu bhīṣma yathānyāyam purā tvām iha sattamāḥ
höre, Bhīṣma, nach Gebühr: einst hier [zu] dir, ihr Besten [?] (Text unsicher)
aneke munayaḥ siddhāḥ mānasottaravāsinaḥ
viele Weise, Vollendete, auf dem Mānasottara wohnend (Nom.Pl.)
papracchuḥ mām mahāprājñāḥ vāsudevaparāyaṇāḥ
fragten mich, die Hochweisen, Vāsudeva ergeben (Perf.3.Pl.)
pakṣīndra vāsudevasya tat tvam vetsi param padam
Fürst der Vögel, den höchsten Ort Vāsudevas kennst du (2.Sg.Präs.)
tvayā samaḥ na tasya asti saṃnikṛṣṭapriyaḥ api ca
keiner ist dir gleich bei ihm, [du] nahe und lieb (Instr.; Bahuvrīhi)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). śṛṇu bhīṣma … purā tva[?tvā]m iha sattamāḥ ist textlich verderbt.
teṣām ahaṃ vacaḥ śrutvā praṇipatya mahāharim; abravaṃ ca yathāvṛttaṃ mama nārāyaṇasya ca; śṛṇudhvaṃ muniśārdūlā hṛtvā somam ahaṃ purā; ākāśe patamānas tu vākyaṃ tatra śṛṇomi vai; sādhu sādhu mahābāho prīto 'smi tava darśanāt; vṛṇīṣva vacanaṃ mattaḥ pakṣīndra garuḍādhunā; tvām ahaṃ bhaktitattvajño bravai vacanam uttamam; ity āha sma dhruvaṃ tatra mām āha bhagavān punaḥ; ṛṣir asmi mahāvīrya na māṃ jānāti vā mayi; asūyati ca māṃ mūḍhas tac chrutvā garvam āsthitaḥ; ahaṃ devanikāyānāṃ madhye vacanam abravam; ṛṣe pūrvaṃ varaṃ mattas tvaṃ vṛṇīṣva tato hy aham; vṛṇe tvatto varaṃ paścād ity evaṃ munisattamāḥ; yasmāt tvāṃ bhagavān devaḥ śrīmāñ śrīvatsalakṣaṇaḥ
„Nachdem ich ihre Worte gehört und mich vor dem großen Hari verneigt hatte, erzählte ich, wie es sich zugetragen hatte, von mir und Nārāyaṇa: ‚Hört, ihr Tiger unter den Weisen: Als ich einst den Soma geraubt hatte und durch die Luft flog, hörte ich dort eine Stimme: „Gut, gut, Starkarmiger, ich bin erfreut über deinen Anblick; wähle jetzt von mir eine Gabe, Fürst der Vögel, Garuḍa. Ich, der ich das Wesen der Hingabe kenne, will dir das beste Wort sagen.“ So sprach er dort gewiss; und der Erhabene sagte wieder zu mir: „Ich bin ein Weiser, Großheldenhafter, doch der Törichte kennt mich nicht, noch [erkennt er mich] in sich; er schmäht mich.“ Als ich das hörte, wurde ich hochmütig. Ich sprach inmitten der Götterscharen: „Weiser, wähle du zuvor von mir eine Gabe; dann wähle ich von dir eine Gabe hernach“, so, ihr besten der Weisen. Weil dich der erhabene Gott, der Glanzvolle mit dem Śrīvatsa-Zeichen,“
Wort für Wort
teṣām aham vacaḥ śrutvā praṇipatya mahāharim
ihre Worte gehört, dem großen Hari niedergeworfen (Abs.)
abravam ca yathāvṛttam mama nārāyaṇasya ca
ich erzählte, wie es sich zugetragen hatte, von mir und Nārāyaṇa (Impf.)
śṛṇudhvam muniśārdūlāḥ hṛtvā somam aham purā
hört, Tiger unter Weisen: den Soma geraubt habend, ich einst (Imp.; Abs.)
ākāśe patamānaḥ tu vākyam tatra śṛṇomi vai
in der Luft fliegend, hörte ich dort ein Wort (Part.Präs.; 1.Sg.)
sādhu sādhu mahābāho prītaḥ asmi tava darśanāt
gut, gut, Starkarmiger, ich bin erfreut über deinen Anblick
vṛṇīṣva vacanam mattaḥ pakṣīndra garuḍa adhunā
wähle jetzt von mir [eine Gabe], Vogelfürst Garuḍa (Imp.Med.)
tvām aham bhaktitattvajñaḥ bravai vacanam uttamam
ich, der Kenner des Wesens der Hingabe, will dir das beste Wort sagen (Imp.1.Sg.)
iti āha sma dhruvam tatra mām āha bhagavān punaḥ
so sprach er dort gewiss; und der Erhabene sagte wieder zu mir
ṛṣiḥ asmi mahāvīrya na mām jānāti vā mayi
ich bin ein Weiser, Großheldenhafter; nicht erkennt mich, noch in sich [?]
asūyati ca mām mūḍhaḥ tat śrutvā garvam āsthitaḥ
der Törichte schmäht mich; das gehört, wurde ich stolz (Part.Perf.)
aham devanikāyānām madhye vacanam abravam
ich sprach inmitten der Götterscharen ein Wort (Gen.Pl.; Impf.)
ṛṣe pūrvam varam mattaḥ tvam vṛṇīṣva tataḥ hi aham
Weiser, wähle du zuerst von mir eine Gabe, dann ich
vṛṇe tvattaḥ varam paścāt iti evam munisattamāḥ
ich wähle von dir eine Gabe hernach, so, beste der Weisen (1.Sg.Präs.Med.)
adya paśyati pakṣīndra vāhanaṃ bhava me sadā; vṛṇe 'haṃ varam etad dhi tvatto 'dya patageśvara; tatheti taṃ vīkṣya mātāmanahaṃkāram āsthitam (sic); jetukāmo hy ahaṃ viṣṇuṃ māyayā māyinaṃ harim; tvatto hy ahaṃ vṛṇe tv adya varam ṛṣivarottama; tavopariṣṭāt sthāsyāmi varam etat prayaccha me; tatheti ca hasan prāha harir nārāyaṇaḥ prabhuḥ; dhvajaṃ ca me bhava sadā tvam eva vihageśvara; upariṣṭāt sthitis te 'stu mama pakṣīndra sarvadā; ity uktvā bhagavān devaḥ śaṅkhacakragadādharaḥ; sahasracaraṇaḥ śrīmān sahasrādityasaṃnibhaḥ; sahasraśīrṣā puruṣaḥ sahasranayano mahān; sahasramakuṭo 'cintyaḥ sahasravadano vibhuḥ; vidyunmālānibhair divyair nānābharaṇarājibhiḥ
„heute schaut, Fürst der Vögel, sei mein Reittier für immer. Diese Gabe wähle ich heute von dir, Herr der Vögel.‘ ‚So sei es‘, [sagte er] und blickte mich an, [obwohl] die Mutter [mich] in Selbstüberhebung befindlich [sah] [?]. Ich wollte Viṣṇu besiegen, den Māyā-Kundigen Hari, durch Māyā. ‚Von dir wähle ich heute die Gabe, bester der Götterseher: Ich will über dir stehen; diese [Gabe] gewähre mir.‘ ‚So sei es‘, sprach lachend Hari Nārāyaṇa, der Herr: ‚Und mein Banner sollst du immer sein, Fürst der Vögel. Über [mir] soll dein Stehen sein, o Vogelfürst, jederzeit.‘ So gesprochen, [erschien] der erhabene Gott, Muschel, Diskus und Keule tragend, tausendfüßig, glanzvoll, der Sonnen-Tausend gleich, tausendköpfiger Puruṣa, tausendäugig, groß, tausendkronig, undenkbar, tausendgesichtig, der Allmächtige, mit göttlichen, blitzkranzähnlichen, vielfältig prächtigen Schmuckstücken.
Wort für Wort
adya paśyati pakṣīndra vāhanam bhava me sadā
heute sieht [er dich], Fürst der Vögel; sei mein Reittier stets (3.Sg.Präs.; Imp.)
vṛṇe aham varam etat hi tvattaḥ adya patageśvara
diese Gabe wähle ich von dir heute, Herr der Vögel (1.Sg.Präs.Med.)
tathā iti tam vīkṣya mātā manahaṃkāram āsthitam
‚so sei es‘, ihn anblickend; Mutter, [mich] im Ichbewusstsein befindlich [?]
jetukāmaḥ hi aham viṣṇum māyayā māyinam harim
ich, Viṣṇu besiegen wollend, den Māyā-Kundigen Hari durch Māyā (Instr.)
tvattaḥ hi aham vṛṇe tu adya varam ṛṣivarottama
von dir wähle ich heute die Gabe, bester der Weisen
tava upariṣṭāt sthāsyāmi varam etat prayaccha me
ich werde über dir stehen; diese Gabe gewähre mir (Fut.; Imp.)
tathā iti ca hasan prāha hariḥ nārāyaṇaḥ prabhuḥ
‚so‘, sprach lachend Hari Nārāyaṇa, der Herr
dhvajam ca me bhava sadā tvam eva vihageśvara
mein Banner sei du stets, Vogelherr (Imp.)
upariṣṭāt sthitiḥ te astu mama pakṣīndra sarvadā
über mir sei dein Stehen, Fürst der Vögel, stets
iti uktvā bhagavān devaḥ śaṅkhacakragadādharaḥ
so gesagt habend, der erhabene Gott, Muschel-, Diskus-, Keulenträger
mit blitzkranzgleichen, göttlichen, vielerlei Schmuckreihen (Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textlich unsicher: tatheti taṃ vīkṣya mātāmanahaṃkāram āsthitam (sic im Text).
kva cit saṃdṛśyamānas tu caturbāhuḥ kva cid dhariḥ; kva cij jyotirmayo 'cintyaḥ kva cit skandhe samāhitaḥ; evaṃ mama jayan devas tatraivāntaradhīyata; tato 'haṃ vismayāpannaḥ kṛtvā kāryam anuttamam; asyā vimucya jananīṃ mayā saha munīśvarāḥ; acintyo 'yam ahaṃ bhūyo ko 'sau mām abravīt purā; kīdṛgvidhaḥ sa bhagavān iti matvā tam āsthitaḥ; anantaraṃ devadevaṃ skandhe mama samāśritam; adrākṣaṃ puṇḍarīkākṣaṃ vahamāno 'ham adbhutam; avaśas tasya bhāvena yatra yatra sa cecchati; vismayāpannahṛdayo hy ahaṃ kim iti cintayan; antarjalam ahaṃ sarvaṃ vahamāno 'gamaṃ punaḥ; sendrair devair mahābhāgair brahmādyaiḥ kalpajīvibhiḥ; stūyamāno hy aham api tais tair abhyarcitaḥ pṛthak
„Bald erschien er sichtbar, bald vierarmig, Hari; bald lichtgestaltig, undenkbar, bald [mir] auf der Schulter ruhend. So besiegte mich der Gott, und dort verschwand er. Da war ich voll Staunen, nachdem ich das höchste Werk vollbracht hatte; [ich] entließ diese meine Mutter, und mit den Weisenfürsten [ging ich weiter]: ‚Undenkbar ist dieser, [den] ich [suchte]; wer war es, der einst zu mir sprach? Wie beschaffen ist jener Erhabene?‘ So dachte ich und blieb. Da sah ich den Gott der Götter, den Lotosäugigen, auf meiner Schulter ruhend, [ich], der ich ihn wunderbar trug, machtlos seinem Willen unterworfen, wohin er auch immer wollte. Mit staunendem Herzen, ‚was ist das?‘ denkend, ging ich wieder durchs [ganze] Wasser, ihn tragend, [gepriesen] von den Göttern mit Indra, den hochbeglückten, von Brahmā und anderen, den Kalpa-Lebenden; auch ich wurde gepriesen und von ihnen einzeln verehrt.“
Wort für Wort
kva cit saṃdṛśyamānaḥ tu caturbāhuḥ kva cit hariḥ
bald sichtbar werdend, bald vierarmig, Hari (Part.Präs.Pass.)
kva cit jyotirmayaḥ acintyaḥ kva cit skandhe samāhitaḥ
bald lichtgestaltig, undenkbar, bald auf der Schulter ruhend (Lok.)
evam mama jayan devaḥ tatra eva antaradhīyata
so mich besiegend, der Gott, verschwand dort (Part.Präs.; Impf.Pass.)
tataḥ aham vismayāpannaḥ kṛtvā kāryam anuttamam
da ich, in Staunen geraten, das höchste Werk vollbracht habend (Abs.)
asyāḥ vimucya jananīm mayā saha munīśvarāḥ
meine Mutter entlassend, mit mir, ihr Weisenfürsten [?] (Abs.; Text unsicher)
kṣīrodasyottare kūle divye maṇimaye śubhe; vaikarṇaṃ nāma sadanaṃ hares tasya mahātmanaḥ; divyaṃ tejomayaṃ śrīmad acintyam amarair api; tejonilamayaiḥ stambhair nānāsaṃsthānasaṃsthitaiḥ; vibhūṣitaṃ hiraṇyena bhāsvareṇa samantataḥ; divyaṃ jyotiḥsamāyuktaṃ gītavāditraśobhitam; śṛṇomi śabdaṃ tatrāhaṃ na paśyāmi śarīriṇam; na ca sthalaṃ na cānyac ca pādayos taṃ samantataḥ; vepamāno hy ahaṃ tatra viṣṭhito 'haṃ kṛtāñjaliḥ; tato brahmādayo devā lokāpālās tathaiva ca; sanandanādyā munayas tathānye parajīvinaḥ; prāptās tatra sabhādvāri devagandharvasattamāḥ; brahmāṇaṃ purataḥ kṛtvā kṛtāñjalipuṭās tadā; tatas tadantare tasmin kṣīrodārṇavaśīkaraiḥ; bodhyamāno mahāviṣṇur āvirbhūta ivābabhau
„Am nördlichen Ufer des Milchmeeres, dem göttlichen, edelsteinreichen, schönen, [liegt] die Halle namens Vaikarṇa des hochgesinnten Hari; göttlich, aus Glanz, herrlich, selbst den Unsterblichen unfassbar; mit Säulen aus Glanz und Wind, in vielfältigen Gestalten stehend, ringsum mit leuchtendem Gold geschmückt, mit göttlichem Licht erfüllt, von Gesang und Instrumenten verschönt. Ich hörte dort Klang, doch sah keinen Verkörperten; weder Boden noch anderes [ringsum] zu Füßen [?]. Zitternd stand ich dort mit gefalteten Händen. Dann [kamen] Brahmā und die anderen Götter, ebenso die Weltenhüter, Sanandana u. a. Weise und andere, von anderen lebend, dort ans Hallentor, die besten Götter und Gandharven, Brahmā voran, mit gefalteten Händen. Dann in dieser Zwischenzeit, von den Sprühtropfen des Milchozeans geweckt, schien Mahāviṣṇu wie erschienen zu sein.“
Wort für Wort
kṣīrodasya uttare kūle divye maṇimaye śubhe
am nördlichen Ufer des Milchmeeres, göttlich, edelsteinreich, schön (Lok.)
vaikarṇam nāma sadanam hareḥ tasya mahātmanaḥ
eine Halle namens Vaikarṇa des hochgesinnten Hari
divyam tejomayam śrīmat acintyam amaraiḥ api
göttlich, aus Glanz, herrlich, selbst den Unsterblichen unfassbar (Instr.)
tejonilamayaiḥ stambhaiḥ nānāsaṃsthānasaṃsthitaiḥ
mit Säulen aus Glanz und Wind, in vielfältigen Formen stehend
vibhūṣitam hiraṇyena bhāsvareṇa samantataḥ
ringsum mit leuchtendem Gold geschmückt (Part.Pass.)
divyam jyotiḥsamāyuktam gītavāditraśobhitam
göttlich, mit Licht erfüllt, von Gesang und Instrumenten verschönt
śṛṇomi śabdam tatra aham na paśyāmi śarīriṇam
ich höre dort Klang; ich sehe keinen Verkörperten (1.Sg.Präs.)
na ca sthalam na ca anyat ca pādayoḥ tam samantataḥ
weder Boden noch anderes... zu Füßen ringsum [?] (Text unsicher)
vepamānaḥ hi aham tatra viṣṭhitaḥ aham kṛtāñjaliḥ
zitternd stand ich dort, mit gefalteten Händen
tataḥ brahmādayaḥ devāḥ lokapālāḥ tathā eva ca
dann Brahmā u. a. Götter und ebenso die Weltenhüter
sanandanādyāḥ munayaḥ tathā anye parajīvinaḥ
Sanandana u. a. Weise und andere, von anderen lebend [?]
prāptāḥ tatra sabhādvāri devagandharvasattamāḥ
angekommen dort am Hallentor, beste Götter und Gandharven
brahmāṇam purataḥ kṛtvā kṛtāñjalipuṭāḥ tadā
Brahmā voranstellend, mit gefalteten Händen damals
„Ich sehe mit Freude im Raum Śeṣa, mit tausend Kapuzen-Kränzen geschmückt, ungeoffenbart weilend, auf dem Janārdana [liegt]; ihn mit vier Armen, langen, runden, gleichmäßigen, kräftigen, von Armreifen und Spangen glänzenden [Armen], … [Lücke im Text]; in ein gelbes Gewand gehüllt, vom Kaustubha-Juwel strahlend, mit einem Brustkorb, auf dem Padmā [Lakṣmī] sitzt; mit leicht geöffneten Augen, die Ursache aller Ursachen; über dem Milchmeer strahlte er wie eine höchste dunkle Wolke. Niemand spricht, niemand äußert sich; von Brahmā bis zum Grashalm [heißt es]: ‚Kein Laut!‘ – zornig [geboten]. Mit finster gerunzelten Brauen und krummen Augen standen die vielfältigen Wesenscharen. Da erblickte der undenkbare, herrliche Hari den Großvater [Brahmā], gab [ihm] die Erlaubnis zum Aufbruch – zum Wohl der Welten –, und sprach zu mir: ‚Geht!‘, dann: ‚Garuḍa!‘, sprach er mich an.“
Wort für Wort
phaṇāsahasramālāḍhyam śeṣam avyaktasaṃsthitam
Śeṣa, reich an Kränzen von tausend Kapuzen, ungeoffenbart weilend (Akk.)
paśyāmi aham mudā ākāśe yasya upari janārdanam
ich sehe mit Freude im Raum Janārdana, über dessen [Śeṣas] ... (1.Sg.Präs.)
dīrghavṛttaiḥ samaiḥ pīnaiḥ keyūravalayojjvalaiḥ
mit langen, runden, gleichmäßigen, kräftigen, von Armreifen glänzenden [Armen] (Instr.)
caturbhiḥ bāhubhiḥ yuktam * * * * * * * *
mit vier Armen versehen ... [Lücke im Text] (Instr.; Part.Pass.)
pītāmbareṇa saṃvītam kaustubhena virājitam
in gelbes Gewand gehüllt, vom Kaustubha strahlend
vakṣaḥsthalena saṃyuktam padmayā adhiṣṭhitena ca
mit Brustkorb, von Padmā eingenommen (Instr.; Part.Pass.)
īṣadunmīlitākṣam tam sarvakāraṇakāraṇam
ihn mit leicht geöffneten Augen, Ursache aller Ursachen
kṣīrodasya upari babhau nīlābhram paramam yathā
über dem Milchmeer strahlte er wie eine höchste dunkle Wolke (Perf.)
na kaḥ cit vadate kaḥ cit na vyāharati kaḥ cana
niemand spricht, niemand äußert sich (3.Sg.Präs.)
brahmādistambaparyantam mā śabdam iti roṣitam
von Brahmā bis zum Grashalm: ‚kein Laut!‘ – zornig [geboten] (Part.Pass.)
bhrukuṭīkuṭilākṣāḥ te nānābhūtagaṇāḥ sthitāḥ
mit Brauenrunzeln und krummen Augen standen jene vielfältigen Wesenscharen
tataḥ acintyaḥ hariḥ śrīmān ālokya ca pitāmaham
da erblickte der undenkbare, herrliche Hari den Großvater (Abs.)
kṛtvā ca prasthitam tatra jagatām hitakāmyayā
ihn zum Aufbruch veranlasst habend, aus Wunsch nach dem Wohl der Welten (Abs.; Instr.)
‚geht!‘ so zu mir gesagt, ‚Garuḍa!‘, sprach er dann zu mir (Imp.; Perf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Im Text Lücke (* * * *) nach caturbhir bāhubhir yuktaṃ; gekürzte Satzverbindung unsicher.
tato 'haṃ praṇipatyāgre kṛtāñjalir avasthitaḥ; āgaccheti ca mām uktvā pūrvottarapathaṃ gataḥ; atīva mṛdubhāvena gacchann iva sa dṛśyate; ayutaṃ niyutaṃ cāhaṃ prayutaṃ cārbudaṃ tathā; patamāno 'ham aniśaṃ yojanāni tatas tataḥ; nanu tat tvām ahaṃ bhakto viṣṭhito 'smi praśāstu naḥ; āgaccha garuḍety evaṃ punar āha sa mādhavaḥ; tato bhūyo hy ahaṃ pātaṃ patamāno vihāyasam; ājagāma tato ghoraṃ śatakoṭisamāvṛtam; tāmasānīva bhūtāni parvatābhāni tatra ha; samānānīva padmāni tato 'haṃ bhīta āsthitaḥ; tato māṃ kiṃkaro ghoraḥ śatayojanam āyatam; nigṛhya pāṇinā tasmāc cikṣepa ca sa loṣṭavat; tat tamo 'ham atikramya hy āpaṃ caiva vihāyasam; huṃkāraghoṣāṃs tatrāham aśanīpātasaṃnibhān
„Da stand ich vor ihm, mit gefalteten Händen, mich verneigend. ‚Komm‘, sagte er zu mir, und ging in nordöstliche Richtung. Er scheint mit sehr sanfter Gangart zu gehen. Zehntausend, Hunderttausend, Millionen, Hundertmillionen [Yojanas] flog ich unaufhörlich, hierhin und dorthin. ‚Aber ich bin dir doch ein Verehrer und stehe [hier]; gebiete uns‘ [sprach ich]; ‚Komm, Garuḍa‘, sagte jener Mādhava wieder. Da stürzte ich wieder hinab, fliegend im Luftraum. Ich kam in [eine] schreckliche [Region], von hundert Millionen [Wesen] umgeben; finstere Wesen, bergesgleich dort, [und] gleichförmige Lotosblumen. Da erschrak ich. Da packte mich ein schrecklicher Diener, hundert Yojanas lang, mit der Hand und schleuderte mich von dort wie einen Erdklumpen. Jene Finsternis überwand ich, [kam] zum Wasser und in den Luftraum; dort hörte ich Huṃkāra-Töne, dem Blitzschlag gleich,“
Wort für Wort
tataḥ aham praṇipatya agre kṛtāñjaliḥ avasthitaḥ
da stand ich vorn, mich niederwerfend, mit gefalteten Händen
āgaccha iti ca mām uktvā pūrvottarapatham gataḥ
‚komm‘ zu mir sagend, ging er den nordöstlichen Weg (Abs.; Part.Pass.)
atīva mṛdubhāvena gacchan iva sa dṛśyate
mit sehr sanfter Art scheint er zu gehen (Pass.3.Sg.)
karṇamūle hy aśṛṇavaṃ tato bhūtaiḥ samāsthitaḥ; tato 'haṃ devadeveśa trāhi māṃ puṣkarekṣaṇa; ity abravam ahaṃ tatra tato viṣṇur uvāca mām; suṣirasya mukhe kaś cin māṃ cikṣepa bhayaṃkaraḥ; atīto 'haṃ kṣaṇād agnim apaśyaṃ vāyumaṇḍalam; ākāśam iva saṃprekṣya kṣeptukāmam upāgataḥ; tatrāhaṃ duḥkhito bhūtaḥ krośamāno hy avasthitaḥ; kṣaṇāntareṇa ghoreṇa kruddho hi paramātmanā; svapakṣarājinā dṛṣṭvā māṃ cikṣepa bhayaṃkaraḥ; * * * garuḍakulaṃ sahasrādityasaṃnibham; māṃ dṛṣṭvāpy atha saṃsthe 'tha hy alpakālo 'tidurbalaḥ; aho vihaṃgamaḥ prāpta iti vismayamānasāḥ; māṃ dṛṣṭvocur ahaṃ tatra paśyāmi garuḍadhvajam; sahasrayojanāyāmaṃ sahasrādityavarcasam; sahasragaruḍārūḍhaṃ garuḍās te mahābalāḥ
„hörte ich am Ohr, dann umgeben von Wesen. Da [rief] ich: ‚Gott der Götter, beschütze mich, Lotosäugiger!‘ So sprach ich dort; da sagte Viṣṇu zu mir: ‚Irgendein Schrecklicher warf dich in den Mund einer Höhle.‘ Im Nu entkam ich [dem Ort]; ich sah Feuer, den Windkreis, und [den Raum]; als ich den Raum erblickte, kam [einer] heran, der [mich] schleudern wollte. Dort war ich in Not, ich stand rufend. Nach kurzer Weile warf mich der schreckliche, erzürnte, vom höchsten Selbst [her, mich] mit seinem Vogelkönig-[Artigen] erblickend, [fort]; ... [Lücke im Text] die Garuḍa-Sippe, tausend Sonnen gleichend. Als sie mich sahen, ... in kurzer Zeit ganz schwach: ‚Ach, ein Vogel ist gekommen!‘, [sagten sie] voll Staunen. Als sie mich sahen, sprachen sie: ‚Ich sehe hier den Garuḍa-Banner-[Gott], tausend Yojanas lang, tausend Sonnen an Glanz, auf tausend Garuḍas reitend; jene Garuḍas sind gewaltig stark.‘“
Wort für Wort
karṇamūle hi aśṛṇavam tataḥ bhūtaiḥ samāsthitaḥ
am Ohr hörte ich; dann von Wesen umgeben [?] (Impf.1.Sg.; Instr.)
tataḥ aham devadeveśa trāhi mām puṣkarekṣaṇa
da [rief ich]: Gott der Götter, Herr, beschütze mich, Lotosäugiger (Imp.)
iti abravam aham tatra tataḥ viṣṇuḥ uvāca mām
so sprach ich dort; da sagte Viṣṇu zu mir
suṣirasya mukhe kaḥ cit mām cikṣepa bhayaṃkaraḥ
irgendein Schrecklicher warf mich in den Mund einer Höhle (Perf.3.Sg.)
atītaḥ aham kṣaṇāt agnim apaśyam vāyumaṇḍalam
ich entkam im Nu; ich sah Feuer, Windkreis (Impf.1.Sg.)
ākāśam iva saṃprekṣya kṣeptukāmam upāgatam
den Raum gleichsam erblickend, kam [einer] heran, der [mich] schleudern wollte [?]
tatra aham duḥkhitaḥ bhūtaḥ krośamānaḥ hi avasthitaḥ
dort war ich in Not, stand rufend
kṣaṇāntareṇa ghoreṇa kruddhaḥ hi paramātmanā
nach kurzer Weile vom Schrecklichen, Erzürnten, vom höchsten Selbst [?] (Instr.)
svapakṣarājinā dṛṣṭvā mām cikṣepa bhayaṃkaraḥ
mit seinem Flügelreihe [?] mich erblickend, schleuderte der Schreckliche (Abs.)
* * * garuḍakulam sahasrādityasaṃnibham
… [Lücke] die Garuḍa-Sippe, tausend Sonnen gleich
mām dṛṣṭvā api atha saṃsthe atha hi alpakālaḥ atidurbalaḥ
mich erblickend ... in kurzer Zeit sehr schwach [?] (Text unsicher)
aho vihaṃgamaḥ prāptaḥ iti vismayamānasāḥ
‚ach, ein Vogel ist gekommen‘, so mit staunendem Sinn (Part.Pass.)
mām dṛṣṭvā ūcuḥ aham tatra paśyāmi garuḍadhvajam
mich erblickend, sprachen sie: dort sehe ich den Garuḍa-Bannerträger (Perf.3.Pl.)
sahasrayojanāyāmam sahasrādityavarcasam sahasragaruḍārūḍham garuḍāḥ te mahābalāḥ
tausend Yojanas lang, tausend Sonnen an Glanz, auf tausend Garuḍas reitend; jene Garuḍas gewaltig (Akk.; Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stark verderbter Text mit Lücken; Wiedergabe an mehreren Stellen unsicher.
atyāścaryam imaṃ deva vapuṣāsmatkulodbhavaḥ; svalpaprāṇaḥ svalpakāyaḥ ko 'sau pakṣī ihāgataḥ; tac chrutvāhaṃ naṣṭagarvo bhīto lajjāsamanvitaḥ; svayaṃ buddhaś ca saṃvignas tato hy aśṛṇavaṃ punaḥ; āgaccha garuḍety eva tato 'haṃ yānam āsthitaḥ; parārdhyaṃ ca tato gatvā yojanānāṃ śataṃ punaḥ; tatrāpaśyam ahaṃ yo vai brahmāṇaṃ parameṣṭhinam; tatrāpi cāparaṃ tatra śatakoṭipitāmahān; punar ehīty uvācoccair bhagavān madhusūdanaḥ; mahākulaṃ tato 'paśyaṃ pramāṇāni tam avyayam; kapitthaphalasaṃkāśair aṇḍākāraiḥ samāśritam; tatra sthito hariḥ śrīmān aṇḍam ekaṃ bibheda ha; mahad bhūtaṃ hi māṃ gṛhya dattvā vai prākṣipat punaḥ; tanmadhye sāgarān sapta brahmāṇaṃ ca tathā surān
„‚Höchst wunderbar ist dieser Gott in seiner Gestalt, [dieser] Sprössling unserer Sippe! Wer ist dieser Vogel, schwach an Kraft, klein an Körper, der hierher gekommen ist?‘ Als ich das hörte, war ich meines Stolzes verlustig, furchtsam, voll Scham; von selbst erwacht und erschüttert, hörte ich da wieder: ‚Komm, Garuḍa‘; da stieg ich in das Gefährt. Ich flog wieder hundert Yojanas über [noch] das Jenseits [?] hinaus und sah dort den Brahmā, den Höchsten Herrscher; und dort wieder hundert Millionen Großväter. ‚Komm wieder‘, rief der erhabene Madhusūdana laut. Da sah ich eine große Sippe, [die] Maße [ihm], dem Unvergänglichen [?]; auf ihm, [in] eiförmigen, kapitthafrucht-gleichen [Gebilden] wohnend. Dort brach der herrliche Hari ein Ei auf. Ein großes Wesen ergriff mich, gab [mich hinein] und warf mich wieder hinein; in dessen Mitte [sah ich] sieben Ozeane, Brahmā und die Götter,“
Wort für Wort
atyāścaryam imam deva vapuṣā asmatkulodbhavaḥ
höchst wunderbar dieser Gott an Gestalt, unserem Geschlecht entstammt (Instr.; Nom.)
schwach an Atem/Kraft, klein an Körper, wer ist dieser hierher gekommene Vogel (Part.Pass.)
tat śrutvā aham naṣṭagarvaḥ bhītaḥ lajjāsamanvitaḥ
das gehört, ich, stolzlos, furchtsam, voll Scham
svayam buddhaḥ ca saṃvignaḥ tataḥ hi aśṛṇavam punaḥ
von selbst erwacht und erschüttert, hörte ich da wieder
āgaccha garuḍa iti eva tataḥ aham yānam āsthitaḥ
‚komm, Garuḍa‘; da bestieg ich das Gefährt (Part.Perf.)
parārdhyam ca tataḥ gatvā yojanānām śatam punaḥ
und höchsten [Bereich] dann durchflogen, hundert Yojanas wieder (Abs.)
tatra apaśyam aham yaḥ vai brahmāṇam parameṣṭhinam
dort sah ich, der ich ... Brahmā, den Höchstplatzierten [?] (Impf.1.Sg.)
tatra api ca aparam tatra śatakoṭipitāmahān
und dort noch andere, hundert Millionen Großväter
punaḥ ehi iti uvāca uccaiḥ bhagavān madhusūdanaḥ
‚komm wieder‘, rief laut der erhabene Madhusūdana (Imp.)
mahākulam tataḥ apaśyam pramāṇāni tam avyayam
da sah ich eine große Sippe, Maße [?] ihn, den Unvergänglichen
kapitthaphalasaṃkāśaiḥ aṇḍākāraiḥ samāśritam
in kapitthafrucht-gleichen, eiförmigen [Gebilden] wohnend (Instr.)
tatra sthitaḥ hariḥ śrīmān aṇḍam ekam bibheda ha
dort stehend brach der herrliche Hari ein Ei auf (Perf.)
mahat bhūtam hi mām gṛhya dattvā vai prākṣipat punaḥ
ein großes Wesen, mich ergreifend, warf mich wieder hinein (Abs.; Impf.)
tanmadhye sāgarān sapta brahmāṇam ca tathā surān
in dessen Mitte sieben Ozeane, Brahmā und ebenso die Götter (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Mehrere Pādas (parārdhyaṃ …, tatrāpaśyam …, mahākulam …) sind syntaktisch dunkel.
paśyāmy ahaṃ yathāyogaṃ mātaraṃ svakulaṃ tathā; evaṃ mayānubhūtaṃ hi tattvānveṣaṇakāṅkṣiṇā; śibikāsadṛśaṃ māṃ vai paśyadhvaṃ munisattamāḥ; ity evam abravaṃ viprān bhīṣma yan me purābhavat; tat te sarvaṃ yathānyāyam uktavān asmi sattama; yoginas taṃ prapaśyanti jñānaṃ dṛṣṭvā paraṃ harim; nānyathā śakyarūpo 'sau jñānagamyaḥ paraḥ pumān; ananyayā ca bhaktyā ca prāptuṃ śakyo mahāhariḥ; bhīṣma uvāca; ity evam uktvā bhagavān suparṇaḥ pakṣirāṭ prabhuḥ; āmantrya jananīṃ me vai tatraivāntaradhīyata; tasmād rājendra sarvātmā vāsudevaḥ pradhānakṛt; jñānena bhaktyā sulabho nānyatheti matir mama
„[sah ich], wie es sich fügte, [und] meine Mutter und meine Sippe. So habe ich es erfahren, der ich nach der Wahrheit forschte. ‚Schaut mich an, ihr besten der Weisen, einer Sänfte [in einer Prozession?] gleich‘ [?], so sagte ich zu den Brahmanen, Bhīṣma, was mir einst widerfuhr; das alles habe ich dir gesagt, Bester, wie es sich gebührt. Die Yogins schauen ihn, Hari, durch Erkenntnis den Höchsten erblickend; nicht anders ist er in [dieser] Gestalt möglich; durch Erkenntnis ist er, der höchste Mann, erreichbar; und durch ungeteilte Hingabe kann der große Hari erlangt werden.“ Bhīṣma sprach: „So sprach der erhabene Suparṇa, der Herr der Vögel, verabschiedete meine Mutter und verschwand dort. Darum, o König der Könige: Vāsudeva, das Selbst von allem, der Urmaterie-Schöpfer, ist durch Erkenntnis und Hingabe leicht [zu erreichen], nicht anders, so meine Ansicht.“
Wort für Wort
paśyāmi aham yathāyogam mātaram svakulam tathā
ich sah, wie es sich fügte, die Mutter und meine eigene Sippe (1.Sg.Präs. mit Vergangenheitsbed.)
evam mayā anubhūtam hi tattvānveṣaṇakāṅkṣiṇā
so wurde es von mir erfahren, der ich nach der Wahrheit suchte (Part.Pass.; Instr.)
śibikāsadṛśam mām vai paśyadhvam munisattamāḥ
mich, einer Sänfte gleich [?], schaut an, beste der Weisen (Imp.2.Pl.Med.)
iti evam abravam viprān bhīṣma yat me purā abhavat
so sagte ich zu den Brahmanen, Bhīṣma, was mir einst widerfuhr (Impf.)
tat te sarvam yathānyāyam uktavān asmi sattama
das alles habe ich dir nach Gebühr gesagt, Bester (Part.Perf.Akt.)
yoginaḥ tam prapaśyanti jñānam dṛṣṭvā param harim
Yogins schauen ihn, Erkenntnis erblickt habend, den höchsten Hari (Abs.)
na anyathā śakyarūpaḥ asau jñānagamyaḥ paraḥ pumān
nicht anders ist er in Gestalt möglich; durch Erkenntnis erreichbar der höchste Mann
ananyayā ca bhaktyā ca prāptum śakyaḥ mahāhariḥ
und durch ungeteilte Hingabe kann der große Hari erlangt werden (Inf.)