Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 321: nāradanārāyaṇasaṃvāda Die höchste Gottheit: Nāradas Gespräch mit Nārāyaṇa beginnt

Yudhiṣṭhira fragt Bhīṣma, welche Gottheit man verehren solle, um Vollendung zu erreichen; Bhīṣma erzählt daraufhin, wie Nārada bei den Weisen Nara und Nārāyaṇa im Badarī-Āśrama nach deren eigenem Kult fragte und so die Belehrung über das höchste, alle Götter und Ahnen übersteigende Selbst (Kṣetrajña/Puruṣa) erhielt.

yudhiṣṭhira uvāca; gṛhastho brahmacārī vā vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ; ya icchet siddhim āsthātuṃ devatāṃ kāṃ yajeta saḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Ein Hausvater, ein Brahmacārin, oder ein Waldbewohner, oder ein Bettelmönch – wer die Vollendung zu erreichen wünscht, welche Gottheit soll er verehren?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf./Aor. 3. Sg.)
gṛhasthaḥ brahmacārī vā
ein Hausvater, ein Brahmacārin, oder (Nom. Sg.)
vānaprasthaḥ atha bhikṣukaḥ
ein Waldbewohner, oder ein Bettelmönch (Nom. Sg.)
yaḥ icchet siddhim āsthātum
wer wünschte, die Vollendung zu erreichen (Opt. 3. Sg./Inf.)
devatāṃ kāṃ yajeta
welche Gottheit er verehren solle (Akk./Opt. 3. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)

kuto hy asya dhruvaḥ svargaḥ kuto niḥśreyasaṃ param; vidhinā kena juhuyād daivaṃ pitryaṃ tathaiva ca

„Woher wird ihm ein dauerhafter Himmel, woher das höchste Heil? Mit welchem Ritus soll er das Götter- und ebenso das Ahnenopfer vollziehen?“

Wort für Wort
kutaḥ hi asya
woher denn für ihn (Interrog./Gen.)
dhruvaḥ svargaḥ
der dauerhafte Himmel (Nom. Sg.)
kutaḥ niḥśreyasam param
woher das höchste Heil (Akk. Sg.)
vidhinā kena
mit welchem Ritus (Instr. Sg.)
juhuyāt daivam pitryam
er möge opfern: das Götter- und das Ahnenopfer (Opt. 3. Sg./Akk.)
tathā eva ca
und ebenso auch

muktaś ca kāṃ gatiṃ gacchen mokṣaś caiva kimātmakaḥ; svargataś caiva kiṃ kuryād yena na cyavate divaḥ

„Und wohin gelangt der Befreite, welchen Zustand erreicht er? Und was ist die Erlösung ihrem Wesen nach? Und was soll einer, der zum Himmel gelangt ist, tun, damit er nicht vom Himmel herabfällt?“

Wort für Wort
muktaḥ ca kāṃ gatim
und der Befreite, zu welchem Zustand (Nom./Akk.)
gacchet
er möge gehen/erreichen (Opt. 3. Sg.)
mokṣaḥ ca eva kimātmakaḥ
und was ist die Erlösung ihrem Wesen nach (Nom. Sg.)
svargataḥ ca eva
und wer zum Himmel gelangt ist
kim kuryāt
was soll er tun (Opt. 3. Sg.)
yena na cyavate divaḥ
wodurch er nicht herabfällt vom Himmel (Instr./Präs. 3. Sg./Abl.)

devatānāṃ ca ko devaḥ pitṝṇāṃ ca tathā pitā; tasmāt parataraṃ yac ca tan me brūhi pitāmaha

„Und wer ist der Gott der Götter, und ebenso der Vater der Ahnen? Und was höher ist als dieser, das sage mir, Großvater!“

Wort für Wort
devatānām ca kaḥ devaḥ
und wer ist der Gott der Götter (Gen. Pl./Nom. Sg.)
pitṝṇāṃ ca tathā pitā
und ebenso der Vater der Ahnen (Gen. Pl./Nom. Sg.)
tasmāt parataram yat ca
und was höher ist als dieser (Abl./Nom. Neutr.)
tat me brūhi
das sage mir (Akk./Imp. 2. Sg.)
pitāmaha
Großvater (Vok. Sg.)

bhīṣma uvāca; gūḍhaṃ māṃ praśnavit praśnaṃ pṛcchase tvam ihānagha; na hy eṣa tarkayā śakyo vaktuṃ varṣaśatair api

Bhīṣma sprach: „Du, Kenner der Fragen, o Sündenloser, stellst mir hier eine verborgene Frage; denn diese kann selbst in hundert Jahren nicht durch bloße Vernunft beantwortet werden.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
gūḍham māṃ praśnavit
eine verborgene [Frage] mir, o Kenner der Fragen (Akk./Vok.)
praśnaṃ pṛcchase tvam iha anagha
du stellst hier die Frage, o Sündenloser (Akk./Präs. 2. Sg. Med./Vok.)
na hi eṣa tarkayā śakyaḥ
denn dies kann nicht durch bloße Vernunft (Nom./Instr.)
vaktum varṣaśataiḥ api
gesagt werden, selbst in hundert Jahren (Inf./Instr. Pl.)

ṛte devaprasādād vā rājañ jñānāgamena vā; gahanaṃ hy etad ākhyānaṃ vyākhyātavyaṃ tavārihan

„Außer durch die Gnade der Götter, o König, oder durch das Erlangen von Erkenntnis – denn diese Erzählung ist schwer zu durchdringen und muss dir erklärt werden, o Feindebezwinger.“

Wort für Wort
ṛte devaprasādāt vā
außer durch die Gnade der Götter (Abl.)
rājan jñānāgamena vā
o König, oder durch das Erlangen von Erkenntnis (Vok./Instr.)
gahanam hi etat ākhyānam
denn diese Erzählung ist schwer zu durchdringen (Nom. Neutr.)
vyākhyātavyam tava arihan
sie muss dir erklärt werden, o Feindebezwinger (Ger./Vok.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; nāradasya ca saṃvādam ṛṣer nārāyaṇasya ca

„Hierzu erzählt man auch diese alte Geschichte, das Gespräch des Ṛṣi Nārada mit Nārāyaṇa.“

Wort für Wort
atra api udāharanti imam
hierzu erzählt man auch diese (Präs. 3. Pl./Akk.)
itihāsam purātanam
alte Geschichte (Akk. Sg.)
nāradasya ca saṃvādam
und das Gespräch Nāradas (Gen./Akk.)
ṛṣer nārāyaṇasya ca
des Ṛṣi, mit Nārāyaṇa (Gen.)

nārāyaṇo hi viśvātmā caturmūrtiḥ sanātanaḥ; dharmātmajaḥ saṃbabhūva pitaivaṃ me 'bhyabhāṣata

„Denn Nārāyaṇa, die Weltseele, der Ewige mit den vier Gestalten, wurde als Sohn des Dharma geboren; so hat mein Vater es mir gesagt.“

Wort für Wort
nārāyaṇaḥ hi viśvātmā
denn Nārāyaṇa, die Weltseele (Nom. Sg.)
caturmūrtiḥ sanātanaḥ
der Ewige mit vier Gestalten (Nom. Sg.)
dharmātmajaḥ saṃbabhūva
wurde als Sohn des Dharma geboren (Nom./Perf. 3. Sg.)
pitā evam me abhyabhāṣata
so hat mein Vater [es] mir gesagt (Nom./Impf. 3. Sg.)

kṛte yuge mahārāja purā svāyaṃbhuve 'ntare; naro nārāyaṇaś caiva hariḥ kṛṣṇas tathaiva ca

„Im Kṛtayuga, o Großkönig, einst, in der Zeitperiode des Svāyaṃbhu[-Manu], [erschienen] Nara und Nārāyaṇa, sowie ebenso Hari und Kṛṣṇa.“

Wort für Wort
kṛte yuge mahārāja
im Kṛtayuga, o Großkönig (Lok. Sg./Vok.)
purā svāyaṃbhuve antare
einst, in der Zeitperiode des Svāyaṃbhu[-Manu] (Lok. Sg.)
naraḥ nārāyaṇaḥ ca eva
Nara und Nārāyaṇa (Nom. Sg.)
hariḥ kṛṣṇaḥ tathā eva ca
Hari und ebenso Kṛṣṇa (Nom. Sg.)

Die Aufzählung kann entweder vier eigenständige Gestalten oder zwei gleichgesetzte Paare (Nara/Hari, Nārāyaṇa/Kṛṣṇa) bezeichnen; hier wortgetreu als Reihe wiedergegeben.

tebhyo nārāyaṇanarau tapas tepatur avyayau; badaryāśramam āsādya śakaṭe kanakāmaye

„Von jener Zeit an vollzogen Nārāyaṇa und Nara, die beiden Unvergänglichen, Askese, nachdem sie den Badarī-Āśrama erreicht hatten, auf einem goldenen Wagen.“

Wort für Wort
tebhyaḥ
von jener Zeit an (Abl. Pl.)
nārāyaṇanarau tapaḥ tepatuḥ
Nārāyaṇa und Nara vollzogen Askese (Nom. Du./Perf. 3. Du.)
avyayau
die beiden Unvergänglichen (Nom. Du.)
badaryāśramam āsādya
nachdem sie den Badarī-Āśrama erreicht hatten (Akk./Ger.)
śakaṭe kanakāmaye
auf einem goldenen Wagen (Lok. Sg.)

„tebhyaḥ“ (Abl. Pl.) bezieht sich vermutlich auf die zuvor genannte Zeitperiode, nicht auf Personen; hier temporal aufgefasst als „von jener Zeit an“.

aṣṭacakraṃ hi tad yānaṃ bhūtayuktaṃ manoramam; tatrādyau lokanāthau tau kṛśau dhamanisaṃtatau

„Denn jenes Fahrzeug hatte acht Räder, war von Wesen gezogen und bezaubernd; dort [weilten] jene beiden ursprünglichen Herren der Welt, abgemagert und von Adern durchzogen.“

Wort für Wort
aṣṭacakram hi tat yānam
denn jenes Fahrzeug mit acht Rädern (Nom. Neutr.)
bhūtayuktam manoramam
von Wesen gezogen [und] bezaubernd (Nom. Neutr.)
tatra ādyau lokanāthau
dort die beiden ursprünglichen Herren der Welt (Nom. Du.)
tau kṛśau
jene beiden Abgemagerten (Nom. Du.)
dhamanisaṃtatau
von Adern durchzogen (Nom. Du.)

tapasā tejasā caiva durnirīkṣau surair api; yasya prasādaṃ kurvāte sa devau draṣṭum arhati

„Durch Askese und Glanz waren sie selbst für die Götter schwer anzusehen; wem sie ihre Gnade erweisen, der ist würdig, die beiden Götter zu sehen.“

Wort für Wort
tapasā tejasā ca eva
durch Askese und Glanz (Instr. Sg.)
durnirīkṣau suraiḥ api
schwer anzusehen, selbst für die Götter (Nom. Du./Instr. Pl.)
yasya prasādam kurvāte
wem sie beide Gnade erweisen (Gen./Akk./Präs. 3. Du.)
sa devau draṣṭum arhati
der ist würdig, die beiden Götter zu sehen (Nom./Akk. Du./Inf./Präs. 3. Sg.)

nūnaṃ tayor anumate hṛdi hṛcchayacoditaḥ; mahāmeror gireḥ śṛṅgāt pracyuto gandhamādanam

„Sicherlich, mit deren beider Einverständnis, im Herzen von Sehnsucht angetrieben, stieg [Nārada] vom Gipfel des großen Berges Meru herab zum Gandhamādana.“

Wort für Wort
nūnaṃ tayor anumate
sicherlich, mit deren beider Einverständnis (Gen. Du.)
hṛdi hṛcchayacoditaḥ
im Herzen von Sehnsucht angetrieben (Lok./Nom. Sg.)
mahāmeror gireḥ śṛṅgāt
vom Gipfel des großen Berges Meru (Gen./Abl.)
pracyutaḥ gandhamādanam
herabgestiegen zum Gandhamādana (Nom./Akk.)

„hṛcchaya“ („das im Herzen Wohnende“) wird hier als Sehnsucht/Neugier aufgefasst, passend zu v. 15 (kautūhala); „tayor anumate“ könnte auch ein stillschweigendes göttliches Fügen andeuten.

nāradaḥ sumahad bhūtaṃ lokān sarvān acīcarat; taṃ deśam agamad rājan badaryāśramam āśugaḥ

„Nārada, ein gewaltiges Wesen, durchstreifte alle Welten; er ging, o König, geschwind wie ein Pfeil zu jenem Ort, zum Badarī-Āśrama.“

Wort für Wort
nāradaḥ sumahat bhūtam
Nārada, ein gewaltiges Wesen (Nom. Sg.)
lokān sarvān acīcarat
durchstreifte alle Welten (Akk. Pl./Impf. 3. Sg.)
tam deśam agamat rājan
er ging zu jenem Ort, o König (Akk./Impf. 3. Sg./Vok.)
badaryāśramam āśugaḥ
zum Badarī-Āśrama, geschwind wie ein Pfeil (Akk./Nom. Sg.)

tayor āhnikavelāyāṃ tasya kautūhalaṃ tv abhūt; idaṃ tad āspadaṃ kṛtsnaṃ yasmiṃl lokāḥ pratiṣṭhitāḥ

„Zur Zeit ihrer täglichen Andachtsübung entstand in ihm Neugier: ‚Ist dies jener ganze Ort, auf dem alle Welten gegründet sind?‘“

Wort für Wort
tayor āhnikavelāyām
zur Zeit ihrer beider täglichen Andacht (Gen. Du./Lok. Sg.)
tasya kautūhalam tu abhūt
in ihm aber entstand Neugier (Gen./Nom./Impf. 3. Sg.)
idam tat āspadam kṛtsnam
ist dies jener ganze Ort (Nom. Neutr.)
yasmin lokāḥ pratiṣṭhitāḥ
auf dem die Welten gegründet sind (Lok./Nom. Pl.)

sadevāsuragandharvāḥ sarṣikiṃnaralelihāḥ; ekā mūrtir iyaṃ pūrvaṃ jātā bhūyaś caturvidhā

„[Diese Welten,] mit den Göttern, Asuras und Gandharven, mit den Ṛṣis, Kiṃnaras und Schlangen – diese eine, zuvor entstandene Gestalt wurde wiederum vierfach.“

Wort für Wort
sadevāsuragandharvāḥ
mit den Göttern, Asuras und Gandharven (Nom. Pl.)
sarṣikiṃnaralelihāḥ
mit den Ṛṣis, Kiṃnaras und Schlangen (Nom. Pl.)
ekā mūrtiḥ iyam
diese eine Gestalt (Nom. Sg.)
pūrvam jātā
zuvor entstanden (Nom. Sg.)
bhūyaḥ caturvidhā
wurde wiederum vierfach (Nom. Sg.)

dharmasya kulasaṃtāno mahān ebhir vivardhitaḥ; aho hy anugṛhīto 'dya dharma ebhiḥ surair iha; naranārāyaṇābhyāṃ ca kṛṣṇena hariṇā tathā

„Die große Fortpflanzung des Geschlechtes des Dharma wurde durch diese vermehrt; ach, wie ist doch heute der Dharma hier begünstigt worden durch diese Götter, durch Nara und Nārāyaṇa sowie durch Kṛṣṇa und Hari!“

Wort für Wort
dharmasya kulasaṃtānaḥ mahān
die große Fortpflanzung des Geschlechtes des Dharma (Gen./Nom. Sg.)
ebhiḥ vivardhitaḥ
durch diese vermehrt (Instr. Pl./Nom. Sg.)
aho hi anugṛhītaḥ adya
ach, wie ist doch heute begünstigt worden (Interj./Nom. Sg.)
dharma ebhiḥ suraiḥ iha
der Dharma hier durch diese Götter (Nom./Instr. Pl.)
naranārāyaṇābhyāṃ ca
durch Nara und Nārāyaṇa (Instr. Du.)
kṛṣṇena hariṇā tathā
durch Kṛṣṇa und Hari ebenso (Instr. Sg.)

tatra kṛṣṇo hariś caiva kasmiṃś cit kāraṇāntare; sthitau dharmottarau hy etau tathā tapasi dhiṣṭhitau

„Dort blieben Kṛṣṇa und Hari aus irgendeinem anderen Grund; diese beiden, dem Dharma zugewandt, verharrten ebenso in Askese versenkt.“

Wort für Wort
tatra kṛṣṇaḥ hariḥ ca eva
dort Kṛṣṇa und Hari (Nom. Sg.)
kasmiṃścit kāraṇāntare
aus irgendeinem anderen Grund (Lok. Sg.)
sthitau dharmottarau hi etau
diese beiden, dem Dharma zugewandt, verweilten (Nom. Du.)
tathā tapasi dhiṣṭhitau
ebenso in Askese versenkt (Lok./Nom. Du.)

etau hi paramaṃ dhāma kānayor āhnikakriyā; pitarau sarvabhūtānāṃ daivataṃ ca yaśasvinau; kāṃ devatāṃ nu yajataḥ pitṝn vā kān mahāmatī

„Diese beiden sind die höchste Stätte; welches ist ihre tägliche Andachtshandlung? Sie, die beiden Ruhmreichen, sind die Väter und die Gottheit aller Wesen – welche Gottheit verehren wohl die beiden Hochweisen, oder welche Ahnen?“

Wort für Wort
etau hi paramam dhāma
diese beiden sind die höchste Stätte (Nom. Du./Nom. Neutr.)
kā anayor āhnikakriyā
welches ist ihrer beider tägliche Andachtshandlung (Nom./Gen. Du.)
pitarau sarvabhūtānām
die Väter aller Wesen (Nom. Du./Gen. Pl.)
daivatam ca yaśasvinau
und die Gottheit, die beiden Ruhmreichen (Nom. Neutr./Nom. Du.)
kāṃ devatāṃ nu yajataḥ
welche Gottheit verehren wohl [die beiden] (Akk./Präs. 3. Du.)
pitṝn vā kān mahāmatī
oder welche Ahnen, die beiden Hochweisen (Akk. Pl./Nom. Du.)

iti saṃcintya manasā bhaktyā nārāyaṇasya ha; sahasā prādurabhavat samīpe devayos tadā

„So bei sich denkend, aus Hingabe zu Nārāyaṇa, erschien er da plötzlich in der Nähe der beiden Götter.“

Wort für Wort
iti saṃcintya manasā
so mit dem Sinn denkend (Ger./Instr.)
bhaktyā nārāyaṇasya ha
aus Hingabe zu Nārāyaṇa (Instr./Gen.)
sahasā prādurabhavat
erschien plötzlich (Instr./Impf. 3. Sg.)
samīpe devayos tadā
da in der Nähe der beiden Götter (Lok./Gen. Du.)

kṛte daive ca pitrye ca tatas tābhyāṃ nirīkṣitaḥ; pūjitaś caiva vidhinā yathāproktena śāstrataḥ

„Nachdem das Götter- und das Ahnenopfer vollzogen war, wurde er darauf von den beiden angeschaut und mit dem Ritus geehrt, wie es der Lehrschrift gemäß vorgeschrieben ist.“

Wort für Wort
kṛte daive ca pitrye ca
als das Götter- und das Ahnenopfer vollzogen war (Lok. Abs.)
tataḥ tābhyāṃ nirīkṣitaḥ
darauf von den beiden angeschaut (Instr. Du./Nom. Sg.)
pūjitaḥ ca eva vidhinā
und geehrt mit dem Ritus (Nom. Sg./Instr.)
yathāproktena śāstrataḥ
wie vorgeschrieben, gemäß der Lehrschrift (Instr./Abl.)

taṃ dṛṣṭvā mahad āścaryam apūrvaṃ vidhivistaram; upopaviṣṭaḥ suprīto nārado bhagavān ṛṣiḥ

„Als er dieses große, noch nie gesehene Wunder, die ausführliche Zeremonie, gesehen hatte, setzte sich Nārada, der erhabene Ṛṣi, hocherfreut daneben.“

Wort für Wort
tam dṛṣṭvā
nachdem er dies gesehen hatte (Akk./Ger.)
mahat āścaryam apūrvam
das große, noch nie gesehene Wunder (Akk. Neutr.)
vidhivistaram
die ausführliche Zeremonie (Akk. Sg.)
upopaviṣṭaḥ suprītaḥ
setzte sich hocherfreut daneben (Nom. Sg.)
nāradaḥ bhagavān ṛṣiḥ
Nārada, der erhabene Ṛṣi (Nom. Sg.)

nārāyaṇaṃ saṃnirīkṣya prasannenāntarātmanā; namaskṛtvā mahādevam idaṃ vacanam abravīt

„Nachdem er Nārāyaṇa mit heiterem innerem Sinn betrachtet hatte, verneigte er sich vor dem großen Gott und sprach diese Worte.“

Wort für Wort
nārāyaṇam saṃnirīkṣya
nachdem er Nārāyaṇa betrachtet hatte (Akk./Ger.)
prasannena antarātmanā
mit heiterem innerem Sinn (Instr. Sg.)
namaskṛtvā mahādevam
nachdem er sich vor dem großen Gott verneigt hatte (Ger./Akk.)
idam vacanam abravīt
sprach diese Worte (Akk./Impf. 3. Sg.)

vedeṣu sapurāṇeṣu sāṅgopāṅgeṣu gīyase; tvam ajaḥ śāśvato dhātā mato 'mṛtam anuttamam; pratiṣṭhitaṃ bhūtabhavyaṃ tvayi sarvam idaṃ jagat

„In den Veden samt den Purāṇas, mit ihren Zusatz- und Nebengliedern, wirst du besungen; du bist der Ungeborene, der Ewige, der Ordner, der als die höchste Unsterblichkeit gilt; in dir ist alles gegründet, diese ganze Welt, das Vergangene und das Zukünftige.“

Wort für Wort
vedeṣu sapurāṇeṣu
in den Veden samt den Purāṇas (Lok. Pl.)
sāṅgopāṅgeṣu gīyase
mit ihren Zusatz- und Nebengliedern wirst du besungen (Lok./Präs. 2. Sg. Pass.)
tvam ajaḥ śāśvataḥ dhātā
du bist der Ungeborene, der Ewige, der Ordner (Nom. Sg.)
mataḥ amṛtam anuttamam
angesehen als die höchste Unsterblichkeit (Nom./Nom. Neutr.)
pratiṣṭhitam bhūtabhavyam
gegründet, das Vergangene und Zukünftige (Nom. Neutr.)
tvayi sarvam idam jagat
in dir diese ganze Welt (Lok./Nom. Neutr.)

catvāro hy āśramā deva sarve gārhasthyamūlakāḥ; yajante tvām aharahar nānāmūrtisamāsthitam

„Denn die vier Lebensstufen, o Gott, alle im Hausvaterstand wurzelnd, verehren dich Tag für Tag, der du in vielfältigen Gestalten verweilst.“

Wort für Wort
catvāraḥ hi āśramāḥ deva
denn die vier Lebensstufen, o Gott (Nom. Pl./Vok.)
sarve gārhasthyamūlakāḥ
alle im Hausvaterstand wurzelnd (Nom. Pl.)
yajante tvām aharahar
sie verehren dich Tag für Tag (Präs. 3. Pl./Akk.)
nānāmūrtisamāsthitam
der du in vielfältigen Gestalten verweilst (Akk. Sg.)

pitā mātā ca sarvasya jagataḥ śāśvato guruḥ; kaṃ tv adya yajase devaṃ pitaraṃ kaṃ na vidmahe

„Vater und Mutter der ganzen Welt bist du, der ewige Lehrmeister; doch welchen Gott verehrst du selbst heute, welchen Ahnen? Das wissen wir nicht.“

Wort für Wort
pitā mātā ca sarvasya
Vater und Mutter der ganzen (Nom./Gen.)
jagataḥ śāśvataḥ guruḥ
Welt, der ewige Lehrmeister (Gen./Nom. Sg.)
kam tu adya yajase
doch wen verehrst du heute (Akk./Präs. 2. Sg. Med.)
devam pitaram kam
als Gott, welchen Ahnen (Akk. Sg.)
na vidmahe
wissen wir nicht (Präs. 1. Pl.)

kam arcasi mahābhāga tan me brūhīha pṛcchataḥ

„Wen verehrst du, o Hochgesegneter? Das sage mir hier, der ich frage.“

Wort für Wort
kam arcasi mahābhāga
wen verehrst du, o Hochgesegneter (Akk./Präs. 2. Sg./Vok.)
tat me brūhi iha
das sage mir hier (Akk./Imp. 2. Sg.)
pṛcchataḥ
dem Fragenden [d. h. mir] (Gen./Dat. Sg. Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

śrībhagavān uvāca; avācyam etad vaktavyam ātmaguhyaṃ sanātanam; tava bhaktimato brahman vakṣyāmi tu yathātatham

Der erhabene Herr sprach: „Dies ist unaussprechlich und doch zu sagen, ein ewiges Geheimnis des Selbst; dir aber, dem Hingebungsvollen, o Brahmane, will ich es der Wahrheit gemäß verkünden.“

Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
avācyam etat vaktavyam
dies ist unaussprechlich und [doch] zu sagen (Nom. Neutr.)
ātmaguhyam sanātanam
ein ewiges Geheimnis des Selbst (Nom. Neutr.)
tava bhaktimataḥ brahman
dir, dem Hingebungsvollen, o Brahmane (Gen./Vok.)
vakṣyāmi tu yathātatham
will ich aber der Wahrheit gemäß verkünden (Fut. 1. Sg.)

yat tat sūkṣmam avijñeyam avyaktam acalaṃ dhruvam; indriyair indriyārthaiś ca sarvabhūtaiś ca varjitam

„Das, was subtil, unerkennbar, unmanifest, unbeweglich und feststehend ist, das den Sinnesorganen, den Sinnesobjekten und allen Wesen entzogen ist –“

Wort für Wort
yat tat sūkṣmam avijñeyam
das, was subtil, unerkennbar (Nom. Neutr.)
avyaktam acalam dhruvam
unmanifest, unbeweglich, feststehend (Nom. Neutr.)
indriyair indriyārthaiḥ ca
den Sinnesorganen und den Sinnesobjekten (Instr. Pl.)
sarvabhūtaiḥ ca varjitam
und allen Wesen entzogen (Instr. Pl./Nom. Neutr.)

sa hy antarātmā bhūtānāṃ kṣetrajñaś ceti kathyate; triguṇavyatirikto 'sau puruṣaś ceti kalpitaḥ; tasmād avyaktam utpannaṃ triguṇaṃ dvijasattama

„– dieses wird die innere Seele der Wesen und auch Kṣetrajña genannt; jenes, das von den drei Guṇas verschieden ist, gilt als der Puruṣa; aus ihm ist das mit den drei Guṇas [versehene] Unmanifeste entstanden, o bester der Zweifachgeborenen.“

Wort für Wort
sa hi antarātmā bhūtānām
dieses ist die innere Seele der Wesen (Nom./Gen. Pl.)
kṣetrajñaḥ ca iti kathyate
und wird ‚Kṣetrajña‘ genannt (Nom./Präs. 3. Sg. Pass.)
triguṇavyatiriktaḥ asau
jenes, das von den drei Guṇas verschieden ist (Nom. Sg.)
puruṣaḥ ca iti kalpitaḥ
gilt als der Puruṣa (Nom. Sg.)
tasmād avyaktam utpannam
aus ihm ist das Unmanifeste entstanden (Abl./Nom. Neutr.)
triguṇam dvijasattama
mit den drei Guṇas, o bester der Zweifachgeborenen (Nom. Neutr./Vok.)

avyaktā vyaktabhāvasthā yā sā prakṛtir avyayā; tāṃ yonim āvayor viddhi yo 'sau sadasadātmakaḥ; āvābhyāṃ pūjyate 'sau hi daive pitrye ca kalpite

„Die unmanifeste, doch im Zustand des Sich-Manifestierens befindliche, unvergängliche Urnatur – erkenne sie als unser beider Ursprung: er, der aus Sein und Nichtsein besteht, wird von uns beiden verehrt, wenn das Götter- und das Ahnenopfer vollzogen wird.“

Wort für Wort
avyaktā vyaktabhāvasthā
die unmanifeste, [doch] im Zustand des Manifestwerdens befindliche (Nom. Sg.)
yā sā prakṛtiḥ avyayā
die unvergängliche Urnatur, die (Nom. Sg.)
tāṃ yonim āvayor viddhi
erkenne sie als unser beider Ursprung (Akk./Gen. Du./Imp. 2. Sg.)
yaḥ asau sadasadātmakaḥ
er, der aus Sein und Nichtsein besteht (Nom. Sg.)
āvābhyāṃ pūjyate asau hi
wird von uns beiden verehrt (Instr. Du./Präs. 3. Sg. Pass./Nom.)
daive pitrye ca kalpite
wenn das Götter- und das Ahnenopfer vollzogen wird (Lok. Abs.)

„yo 'sau sadasadātmakaḥ“ wird hier auf den zuvor genannten Puruṣa/Kṣetrajña bezogen, nicht auf die Prakṛti selbst.

nāsti tasmāt paro 'nyo hi pitā devo 'tha vā dvijaḥ; ātmā hi nau sa vijñeyas tatas taṃ pūjayāvahe

„Es gibt keinen anderen Vater, Gott oder Brahmanen, der höher wäre als er; er ist als unser beider Selbst zu erkennen, darum verehren wir ihn.“

Wort für Wort
na asti tasmāt paraḥ anyaḥ
es gibt keinen anderen, der höher wäre als er (Präs./Abl./Nom.)
hi pitā devaḥ atha vā dvijaḥ
als Vater, Gott oder Brahmane (Nom. Sg.)
ātmā hi nau sa vijñeyaḥ
er ist ja als unser beider Selbst zu erkennen (Nom. Sg./Gen. Du.)
tataḥ tam pūjayāvahe
darum verehren wir ihn (Akk./Präs. 1. Du.)

tenaiṣā prathitā brahman maryādā lokabhāvinī; daivaṃ pitryaṃ ca kartavyam iti tasyānuśāsanam

„Dadurch ist, o Brahmane, diese für die Welt bestehende Ordnung verbreitet worden: ‚Das Götter- und das Ahnenopfer ist zu vollziehen‘ – so lautet seine Unterweisung.“

Wort für Wort
tena eṣā prathitā brahman
dadurch ist dies, o Brahmane, verbreitet worden (Instr./Nom. Sg./Vok.)
maryādā lokabhāvinī
die für die Welt bestehende Ordnung (Nom. Sg.)
daivam pitryam ca kartavyam
das Götter- und Ahnenopfer ist zu vollziehen (Nom. Neutr.)
iti tasya anuśāsanam
so [lautet] seine Unterweisung (Nom. Sg.)

brahmā sthāṇur manur dakṣo bhṛgur dharmas tapo damaḥ; marīcir aṅgirātriś ca pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ

„Brahmā, Sthāṇu, Manu, Dakṣa, Bhṛgu, Dharma, Tapas, Dama, Marīci, Aṅgiras und Atri, Pulastya, Pulaha, Kratu –“

Wort für Wort
brahmā sthāṇuḥ manuḥ
Brahmā, Sthāṇu, Manu (Nom. Sg.)
dakṣaḥ bhṛguḥ dharmaḥ
Dakṣa, Bhṛgu, Dharma (Nom. Sg.)
tapaḥ damaḥ
Tapas, Dama (Nom. Sg.)
marīciḥ aṅgirātriḥ ca
Marīci und Aṅgiras-Atri (Nom. Sg.)
pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ
Pulastya, Pulaha, Kratu (Nom. Sg.)

Aufzählung von Namen der Prajāpatis/Ṛṣis; einige Identifikationen (z. B. Kardama, Vikrīta in v. 35) sind in der Tradition nicht ganz einheitlich.

vasiṣṭhaḥ parameṣṭhī ca vivasvān soma eva ca; kardamaś cāpi yaḥ proktaḥ krodho vikrīta eva ca

„– Vasiṣṭha und Parameṣṭhin, Vivasvān und ebenso Soma, sowie auch der, der Kardama genannt wird, und ebenso Krodha [und] Vikrīta.“

Wort für Wort
vasiṣṭhaḥ parameṣṭhī ca
Vasiṣṭha und Parameṣṭhin (Nom. Sg.)
vivasvān somaḥ eva ca
Vivasvān und ebenso Soma (Nom. Sg.)
kardamaḥ ca api yaḥ proktaḥ
und auch der, der Kardama genannt wird (Nom. Sg.)
krodhaḥ vikrītaḥ eva ca
Krodha und ebenso Vikrīta (Nom. Sg.)

ekaviṃśatir utpannās te prajāpatayaḥ smṛtāḥ; tasya devasya maryādāṃ pūjayanti sanātanīm

„Einundzwanzig sind entstanden; sie werden als die Prajāpatis überliefert; sie verehren die ewige Ordnung jenes Gottes.“

Wort für Wort
ekaviṃśatiḥ utpannāḥ
einundzwanzig sind entstanden (Nom. Pl.)
te prajāpatayaḥ smṛtāḥ
sie werden als die Prajāpatis überliefert (Nom. Pl.)
tasya devasya maryādām
die Ordnung jenes Gottes (Gen./Akk. Sg.)
pūjayanti sanātanīm
sie verehren die ewige (Präs. 3. Pl./Akk.)

daivaṃ pitryaṃ ca satataṃ tasya vijñāya tattvataḥ; ātmaprāptāni ca tato jānanti dvijasattamāḥ

„Nachdem sie das Götter- und das Ahnenopfer, das von ihm immerdar [eingesetzt ist], der Wahrheit nach erkannt haben, wissen die besten der Zweifachgeborenen danach [auch], dass diese zum Selbst führen.“

Wort für Wort
daivam pitryam ca satatam
das Götter- und das Ahnenopfer, das immerdar [besteht] (Akk. Neutr.)
tasya vijñāya tattvataḥ
nachdem sie es von ihm der Wahrheit nach erkannt haben (Gen./Ger./Abl.)
ātmaprāptāni ca tataḥ
und dass diese zum Selbst führen, danach (Akk. Neutr. Pl./Adv.)
jānanti dvijasattamāḥ
wissen die besten der Zweifachgeborenen (Präs. 3. Pl./Nom. Pl.)

svargasthā api ye ke cit taṃ namasyanti dehinaḥ; te tatprasādād gacchanti tenādiṣṭaphalāṃ gatim

„Auch alle verkörperten Wesen, die sich im Himmel befinden und ihn verehren, gelangen durch seine Gnade zu dem von ihm zugewiesenen Zustand der Frucht.“

Wort für Wort
svargasthāḥ api ye ke cit
auch diejenigen, welche im Himmel weilen (Nom. Pl.)
tam namasyanti dehinaḥ
ihn verehren, die verkörperten Wesen (Akk./Präs. 3. Pl./Nom. Pl.)
te tatprasādāt gacchanti
sie gelangen durch seine Gnade (Nom. Pl./Abl./Präs. 3. Pl.)
tena adiṣṭaphalām gatim
zu dem von ihm zugewiesenen Zustand der Frucht (Instr./Akk. Sg.)

ye hīnāḥ saptadaśabhir guṇaiḥ karmabhir eva ca; kalāḥ pañcadaśa tyaktvā te muktā iti niścayaḥ

„Diejenigen, die frei sind von den siebzehn Eigenschaften und ebenso von den Taten, [und] die fünfzehn Teile abgelegt haben – sie sind erlöst, das ist die feste Lehre.“

Wort für Wort
ye hīnāḥ saptadaśabhir guṇaiḥ
diejenigen, die frei sind von den siebzehn Eigenschaften (Nom. Pl./Instr. Pl.)
karmabhir eva ca
und ebenso von den Taten (Instr. Pl.)
kalāḥ pañcadaśa tyaktvā
nachdem sie die fünfzehn Teile abgelegt haben (Akk. Pl./Ger.)
te muktāḥ iti niścayaḥ
sie sind erlöst – das ist die feste Lehre (Nom. Pl./Nom. Sg.)

Die „siebzehn Eigenschaften“ (saptadaśa guṇāḥ) und „fünfzehn Teile“ (pañcadaśa kalāḥ) folgen einer im Sāṅkhya-Kontext geläufigen, hier aber nicht näher erläuterten Aufzählung; wortgetreu ohne Deutung wiedergegeben.

muktānāṃ tu gatir brahman kṣetrajña iti kalpitaḥ; sa hi sarvagataś caiva nirguṇaś caiva kathyate

„Der Zustand der Erlösten aber, o Brahmane, gilt als der Kṣetrajña; denn er wird als alldurchdringend und eigenschaftslos bezeichnet.“

Wort für Wort
muktānāṃ tu gatiḥ brahman
der Zustand der Erlösten aber, o Brahmane (Gen. Pl./Nom. Sg./Vok.)
kṣetrajña iti kalpitaḥ
gilt als ‚Kṣetrajña‘ (Nom. Sg.)
sa hi sarvagataḥ ca eva
denn er ist alldurchdringend (Nom. Sg.)
nirguṇaḥ ca eva kathyate
und wird als eigenschaftslos bezeichnet (Nom./Präs. 3. Sg. Pass.)

dṛśyate jñānayogena āvāṃ ca prasṛtau tataḥ; evaṃ jñātvā tam ātmānaṃ pūjayāvaḥ sanātanam

„Er wird durch den Erkenntnis-Yoga geschaut, und wir beide sind daraus hervorgegangen; so, dies erkennend, verehren wir beide dieses ewige Selbst.“

Wort für Wort
dṛśyate jñānayogena
er wird geschaut durch den Erkenntnis-Yoga (Präs. 3. Sg. Pass./Instr.)
āvāṃ ca prasṛtau tataḥ
und wir beide sind daraus hervorgegangen (Nom. Du./Abl.)
evaṃ jñātvā tam ātmānam
so, dies erkennend, dieses Selbst (Ger./Akk.)
pūjayāvaḥ sanātanam
verehren wir beide, das ewige (Präs. 1. Du./Akk.)

„prasṛtau“ (wir beide sind hervorgegangen/entfaltet) knüpft an die zuvor beschriebene Herkunft aus dem Kṣetrajña/Puruṣa an.

taṃ vedāś cāśramāś caiva nānātanusamāsthitāḥ; bhaktyā saṃpūjayanty ādyaṃ gatiṃ caiṣāṃ dadāti saḥ

„Ihn, den Uranfänglichen, verehren die Veden und die Lebensstufen, die in vielfältigen Körpern verweilen, mit Hingabe; und er gewährt ihnen ihren Zustand.“

Wort für Wort
taṃ vedāḥ ca āśramāḥ ca eva
ihn die Veden und ebenso die Lebensstufen (Akk./Nom. Pl.)
nānātanusamāsthitāḥ
die in vielfältigen Körpern verweilen (Nom. Pl.)
bhaktyā saṃpūjayanti ādyam
verehren mit Hingabe den Uranfänglichen (Instr./Präs. 3. Pl./Akk.)
gatim ca eṣām dadāti saḥ
und er gewährt ihnen den Zustand (Akk./Gen. Pl./Präs. 3. Sg./Nom.)

ye tu tadbhāvitā loke ekāntitvaṃ samāsthitāḥ; etad abhyadhikaṃ teṣāṃ yat te taṃ praviśanty uta

„Diejenigen aber, die in der Welt von ihm durchdrungen sind und die ausschließliche Hingabe verwirklicht haben – dies ist für sie das Höhere: dass sie sogar in ihn eingehen.“

Wort für Wort
ye tu tadbhāvitā loke
diejenigen aber, die in der Welt von ihm durchdrungen sind (Nom. Pl./Lok.)
ekāntitvam samāsthitāḥ
die die ausschließliche Hingabe verwirklicht haben (Akk./Nom. Pl.)
etat abhyadhikam teṣām
dies ist für sie das Höhere (Nom. Neutr./Gen. Pl.)
yat te tam praviśanti uta
dass sie sogar in ihn eingehen (Nom. Pl./Akk./Präs. 3. Pl.)

iti guhyasamuddeśas tava nārada kīrtitaḥ; bhaktyā premṇā ca viprarṣe asmadbhaktyā ca te śrutaḥ

„So ist dir, Nārada, diese geheime Zusammenfassung verkündet worden; aus Hingabe und Liebe, o Weiser unter den Brahmanen, und aus unserer Hingabe hast du sie gehört.“

Wort für Wort
iti guhyasamuddeśaḥ
so [ist] diese geheime Zusammenfassung (Nom. Sg.)
tava nārada kīrtitaḥ
dir, Nārada, verkündet worden (Gen./Vok./Nom. Sg.)
bhaktyā premṇā ca viprarṣe
aus Hingabe und Liebe, o Weiser unter den Brahmanen (Instr./Vok.)
asmadbhaktyā ca te śrutaḥ
und aus unserer Hingabe von dir gehört worden (Instr./Instr./Nom. Sg.)

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