Kapitel 279: śreyaḥkarmaphalavicāraḥ
Vom höchsten Heil: Dharma, Tatenfrucht und Verfehlungen
Yudhiṣṭhira fragt nach dem höchsten Heil; Bhīṣma berichtet die Unterweisung Parāśaras an König Janaka über Dharma, die Wirkung des Handelns (karman) und die Tugenden. Der Text dieses Abschnitts ist stellenweise dunkel.
yudhiṣṭhira uvāca; ataḥ paraṃ mahābāho yac chreyas tad vadasva me; na tṛpyāmy amṛtasyeva vacasas te pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Darüber hinaus, Starkarmiger, sage mir, was das Heilsamere ist; ich werde nicht satt an deiner Rede, Großvater, als wäre sie Nektar.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
ataḥ param mahābāho
darüber hinaus, Starkarmiger (Vok.)
yac chreyas tad vadasva me
was das Heilsamere ist, das sage mir (Imp. Med. 2.Sg.)
„Hat der Mensch den Dharma angenommen, wird er in der Himmelswelt geehrt. Die Ordnung des Handelns der Verkörperten ist dharmahaft, Bester der Könige; in ihr üben die Guten, in Lebensstadien stehend, hier ihre eigenen Werke aus.“
Wort für Wort
pratipadya naro dharmam
der Mensch, den Dharma angenommen habend (Abs.; Akk.)
svargaloke mahīyate
wird in der Himmelswelt geehrt (Lok.; Pass./Med. 3.Sg.)
dharmātmakaḥ karmavidhiḥ dehinām
dharmahaft [ist] die Handlungsordnung der Verkörperten (Nom.; Gen.Pl.)
nṛpasattama
Bester der Könige (Vok.)
tasmin āśramiṇaḥ santaḥ
in ihr die in Lebensstadien Stehenden, Guten (Lok.; Nom.Pl.)
svakarmāṇi iha kurvate
eigene Werke hier vollbringen sie (3.Pl.Präs. Med.)
„Aus Nicht-Samen entsteht nichts; ohne zu handeln gedeiht man nicht im Glück; der Gutes Tuende findet Glück, wenn er das Ende des Körpers erreicht hat, der Mensch.“
Wort für Wort
na abījāt jāyate kiṃ cit
aus Nicht-Samen entsteht nichts (Abl.; 3.Sg.Präs.)
na akṛtvā sukham edhate
ohne getan zu haben gedeiht man nicht im Glück (Abs.; 3.Sg.Präs.)
sukṛtī vindati sukham
der Gutes-Tuende findet Glück (Nom.; 3.Sg.Präs.)
prāpya dehakṣayam naraḥ
der Mensch, das Ende des Körpers erreicht habend (Abs.)
Der Bezug von prāpya dehakṣayam (nach dem Tod?) ist knapp; wörtlich wiedergegeben.
pretya jātikṛtaṃ karma na smaranti sadā janāḥ; te vai tasya phalaprāptau karma cāpi caturvidham
„Im Jenseits erinnern sich die Menschen nie an das in [früherer] Geburt getane Werk; sie [?] … bei Erlangung von dessen Frucht, und das Werk ist auch vierfach.“
Wort für Wort
pretya jātikṛtam karma
im Jenseits das in Geburt getane Werk (Abs.-Adv.; Akk.)
na smaranti sadā janāḥ
nicht erinnern sich stets die Menschen (3.Pl.Präs.)
te vai tasya phalaprāptau
sie fürwahr bei der Erlangung dessen Frucht (Lok.) [?]
karma ca api caturvidham
und das Werk auch vierfach (Nom./Akk.n.)
Text wohl verderbt oder elliptisch; der Satzbau von pāda cd ist unsicher.
„Und auf den Weltlauf gestützt ist das Wort [Śabda], auf den Veda gestützt gemacht, zur Beruhigung des Geistes, Lieber; das ist keine Unterweisung der Alten [?].“
Wort für Wort
lokayātrāśrayaḥ ca eva
und auf den Weltlauf gestützt (Kompositum, Nom.)
śabdo vedāśrayaḥ kṛtaḥ
das Wort, auf den Veda gestützt gemacht (Nom.; Part.)
śāntyartham manasas tāta
zur Beruhigung des Geistes, Lieber (Gen.; Vok.)
na etad vṛddhānuśāsanam
dies [ist] nicht Unterweisung der Alten (Nom.n.) [?]
Sinn dunkel; śabda evtl. Vedawort/Sprache; Zusammenhang unsicher.
„Ein furchtsamer Kṣatriya, ein alles essender Brahmane, ein Vaiśya ohne Streben, ein Niedriggeborener, der träge ist, ein Gelehrter ohne Charakter, ein Edelgeborener ohne rechten Lebenswandel, ein von der Wahrheit abgefallener Brahmane und eine verdorbene Frau“ [Fortsetzung im nächsten Vers].
Wort für Wort
bhīrū rājanyaḥ
ein furchtsamer Kṣatriya (Nom.)
brāhmaṇaḥ sarvabhakṣaḥ
ein alles essender Brahmane (Nom.)
vaiśyo 'nīhāvān
ein Vaiśya ohne Streben (Nom.)
hīnavarṇo 'lasaḥ ca
ein Niedriggeborener und träge (Nom.)
vidvān ca aśīlaḥ vṛttahīnaḥ kulīnaḥ
ein Gelehrter ohne Charakter, ein Edler ohne Lebenswandel (Nom.)
satyād bhraṣṭo brāhmaṇaḥ strī ca duṣṭā
ein von der Wahrheit gefallener Brahmane und eine verdorbene Frau (Abl.; Nom.)
Aufzählung; Prädikat erst in 279.025 (śocyatāṃ yānti).
„Ein Leidenschaftlicher, ein ‚Befreiter‘ [?], einer, der um seinetwillen kocht, ein törichter Redner und ein Reich ohne König: alle diese verfallen der Beklagenswürdigkeit, König; und wer nachlässig ist, ohne Zuneigung zu den Untertanen.“
Wort für Wort
rāgī muktaḥ
der Leidenschaftliche, der Befreite/Freigebige (Nom.) [?]
pacamāno 'tmahetoḥ
der für sich [allein] Kochende (Part.; Abl.-Adv.)
mūrkho vaktā
der törichte Redner (Nom.)
nṛpahīnam ca rāṣṭram
und ein Reich ohne König (Nom.n.)
ete sarve śocyatām yānti rājan
diese alle geraten in Beklagenswertigkeit, König (3.Pl.; Vok.)
yaś ca ayuktaḥ snehahīnaḥ prajāsu
und wer nachlässig [ist], ohne Zuneigung zu den Untertanen (Nom.; Lok.Pl.)
muktaḥ unsicher (befreit/freigebig/losgelassen); pacamānaḥ ātmahetoḥ: „der nur für sich kocht“ (Geiz).