Kapitel 310: śukajanmaprastāvaḥ
Yudhiṣṭhiras Frage nach Śukas Geburt; Vyāsas Askese und Śivas Sohnesverheißung
Yudhiṣṭhira fragt nach Herkunft und Vollendung Śukas; Bhīṣma beginnt mit dem Lob der Askese und erzählt, wie Vyāsa auf dem Meru durch Askese von Mahādeva einen Sohn erbittet.
yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ vyāsasya dharmātmā śuko jajñe mahātapāḥ; siddhiṃ ca paramāṃ prāptas tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie wurde der tugendhafte, große Asket Śuka von Vyāsa gezeugt, und wie erlangte er die höchste Vollendung? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
kathaṃ vyāsasya
wie von Vyāsa (Adv./Gen.)
dharmātmā śuko jajñe mahātapāḥ
Śuka, tugendhaften Wesens, der große Asket, wurde geboren (Nom.; Perf.Med.3.Sg.)
siddhiṃ ca paramāṃ prāptaḥ
und die höchste Vollendung erlangte [er] (Akk.Sg.f.; PPP Nom.)
kasyāṃ cotpādayām āsa śukaṃ vyāsas tapodhanaḥ; na hy asya jananīṃ vidma janma cāgryaṃ mahātmanaḥ
„Und in welcher [Frau] zeugte Vyāsa, dessen Reichtum die Askese ist, den Śuka? Denn wir kennen weder seine Mutter noch die höchste Geburt des Hochgesinnten.“
Wort für Wort
kasyāṃ ca utpādayām āsa
und in wem zeugte er (Lok.Sg.f.; Perf.periphr.3.Sg.)
śukaṃ vyāsaḥ tapodhanaḥ
den Śuka, Vyāsa, der Askese als Reichtum hat (Akk./Nom.; Kompositum)
na hi asya jananīṃ vidma
denn nicht kennen wir seine Mutter (Akk.Sg.f.; Perf.1.Pl.)
janma ca agryaṃ mahātmanaḥ
und [nicht] die höchste Geburt des Hochgesinnten (Akk.Sg.n.; Gen.Sg.)
„Und wie ging dem, obgleich er noch ein Knabe war, der Verstand zum feinen Wissen, wie es in dieser Welt keinem anderen, keinem Zweiten, hier [zuteil wird]?“
Wort für Wort
kathaṃ ca bālasya sataḥ
und wie, dem, der ein Knabe war (Gen.Sg.; Part.Präs. von as)
sūkṣmajñāne gatā matiḥ
ging der Verstand zum feinen Wissen (Lok.Sg.; PPP f. Nom.)
yathā na anyasya loke asmin
wie nicht einem anderen in dieser Welt (Gen.; Lok.)
dvitīyasya iha kasya cit
einem Zweiten hier, irgendeinem (Gen.Sg.; Indef.)
Das Prädikat zu „yathā“ ist zu ergänzen („zuteil wird“).
bhīṣma uvāca; na hāyanair na palitair na vittena na bandhubhiḥ; ṛṣayaś cakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān
Bhīṣma sprach: „Nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare, nicht durch Besitz, nicht durch Verwandte haben die Seher den Dharma bestimmt; wer den Veda studiert hat, der ist bei uns groß.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
na hāyanaiḥ na palitaiḥ
nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare (Instr.Pl.)
na vittena na bandhubhiḥ
nicht durch Besitz, nicht durch Verwandte (Instr.Sg./Pl.)
ṛṣayaḥ cakrire dharmam
die Seher machten [setzten] den Dharma fest (Nom.Pl.; Perf.Med.3.Pl.; Akk.)
yaḥ anūcānaḥ saḥ naḥ mahān
wer den Veda studiert hat, der ist uns groß (Nom.; Perf.Part.; Gen./Dat.Pl.)
„cakrire dharmam“: wörtlich „machten den Dharma“, hier im Sinn von „legten fest, was als Rang gilt“ [?].
atra te vartayiṣyāmi janmayogaphalaṃ yathā; śukasyāgryāṃ gatiṃ caiva durvidām akṛtātmabhiḥ
„Hierzu will ich dir erzählen, wie die Frucht des Yoga bei der Geburt [Śukas] war, und Śukas höchsten Weg, der für die, deren Selbst ungeschult ist, schwer zu erkennen ist.“
Wort für Wort
atra te vartayiṣyāmi
hierüber werde ich dir berichten (Adv.; Dat./Gen.; Fut.Kaus.1.Sg.)
janmayogaphalaṃ yathā
wie die Frucht des Yoga bei der Geburt (Akk.; Adv.)
śukasya agryāṃ gatiṃ ca eva
und Śukas höchsten Weg (Gen.; Akk.Sg.f.)
durvidām akṛtātmabhiḥ
schwer erkennbar für Ungeschulte (Akk.Sg.f.; Instr.Pl.)
„janmayogaphalaṃ yathā“ ist knapp; Sinn: wie sich Yoga-Frucht bei seiner Geburt zeigte [?].
meruśṛṅge kila purā karṇikāravanāyute; vijahāra mahādevo bhīmair bhūtagaṇair vṛtaḥ
„Auf dem Gipfel des Meru, wie es heißt, in früherer Zeit, einem von Karṇikāra-Hainen erfüllten [Ort], weilte Mahādeva, umgeben von furchtbaren Scharen von Geistern.“
Wort für Wort
meruśṛṅge kila purā
auf dem Gipfel des Meru, so heißt es, einst (Lok.; Adv.)
karṇikāravanāyute
in einem von Karṇikāra-Wäldern erfüllten [Ort] (Lok.Sg.)
vijahāra mahādevaḥ
weilte/wandelte Mahādeva (Perf.3.Sg.; Nom.)
bhīmaiḥ bhūtagaṇaiḥ vṛtaḥ
umgeben von furchtbaren Geisterscharen (Instr.Pl.; PPP Nom.)
Da zeigte sich ihm Mahādeva, der mit Ambikā [verbunden ist].
Wort für Wort
tataḥ tasya mahādevaḥ
da ihm Mahādeva (Adv.; Dat./Gen.; Nom.)
darśayām āsa sāmbikaḥ
zeigte sich, mit Ambikā (Perf.Kaus.3.Sg.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe; „tasya“ hier als Dativ-Sinn („ihm“) gedeutet, oder „zeigte ihm [sich]“.