Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 310: śukajanmaprastāvaḥ Yudhiṣṭhiras Frage nach Śukas Geburt; Vyāsas Askese und Śivas Sohnesverheißung

Yudhiṣṭhira fragt nach Herkunft und Vollendung Śukas; Bhīṣma beginnt mit dem Lob der Askese und erzählt, wie Vyāsa auf dem Meru durch Askese von Mahādeva einen Sohn erbittet.

yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ vyāsasya dharmātmā śuko jajñe mahātapāḥ; siddhiṃ ca paramāṃ prāptas tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie wurde der tugendhafte, große Asket Śuka von Vyāsa gezeugt, und wie erlangte er die höchste Vollendung? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
kathaṃ vyāsasya
wie von Vyāsa (Adv./Gen.)
dharmātmā śuko jajñe mahātapāḥ
Śuka, tugendhaften Wesens, der große Asket, wurde geboren (Nom.; Perf.Med.3.Sg.)
siddhiṃ ca paramāṃ prāptaḥ
und die höchste Vollendung erlangte [er] (Akk.Sg.f.; PPP Nom.)
tat me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg.; Vok.)

kasyāṃ cotpādayām āsa śukaṃ vyāsas tapodhanaḥ; na hy asya jananīṃ vidma janma cāgryaṃ mahātmanaḥ

„Und in welcher [Frau] zeugte Vyāsa, dessen Reichtum die Askese ist, den Śuka? Denn wir kennen weder seine Mutter noch die höchste Geburt des Hochgesinnten.“

Wort für Wort
kasyāṃ ca utpādayām āsa
und in wem zeugte er (Lok.Sg.f.; Perf.periphr.3.Sg.)
śukaṃ vyāsaḥ tapodhanaḥ
den Śuka, Vyāsa, der Askese als Reichtum hat (Akk./Nom.; Kompositum)
na hi asya jananīṃ vidma
denn nicht kennen wir seine Mutter (Akk.Sg.f.; Perf.1.Pl.)
janma ca agryaṃ mahātmanaḥ
und [nicht] die höchste Geburt des Hochgesinnten (Akk.Sg.n.; Gen.Sg.)

kathaṃ ca bālasya sataḥ sūkṣmajñāne gatā matiḥ; yathā nānyasya loke 'smin dvitīyasyeha kasya cit

„Und wie ging dem, obgleich er noch ein Knabe war, der Verstand zum feinen Wissen, wie es in dieser Welt keinem anderen, keinem Zweiten, hier [zuteil wird]?“

Wort für Wort
kathaṃ ca bālasya sataḥ
und wie, dem, der ein Knabe war (Gen.Sg.; Part.Präs. von as)
sūkṣmajñāne gatā matiḥ
ging der Verstand zum feinen Wissen (Lok.Sg.; PPP f. Nom.)
yathā na anyasya loke asmin
wie nicht einem anderen in dieser Welt (Gen.; Lok.)
dvitīyasya iha kasya cit
einem Zweiten hier, irgendeinem (Gen.Sg.; Indef.)

Das Prädikat zu „yathā“ ist zu ergänzen („zuteil wird“).

etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ vistareṇa mahādyute; na hi me tṛptir astīha śṛṇvato 'mṛtam uttamam

„Das will ich ausführlich hören, du Hochglänzender; denn hier werde ich des Hörens des höchsten Nektars nicht satt.“

Wort für Wort
etat icchāmi aham śrotum
das will ich hören (Akk.; Präs.1.Sg.; Inf.)
vistareṇa mahādyute
ausführlich, du Hochglänzender (Instr.; Vok.)
na hi me tṛptiḥ asti iha
denn keine Sättigung gibt es für mich hier (Nom.Sg.f.; Präs.3.Sg.)
śṛṇvataḥ amṛtam uttamam
beim Hörenden den höchsten Nektar (Part.Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)

māhātmyam ātmayogaṃ ca vijñānaṃ ca śukasya ha; yathāvad ānupūrvyeṇa tan me brūhi pitāmaha

„Die Größe, den Selbst-Yoga und die Erkenntnis Śukas – das sage mir der Reihe nach, wie es wirklich ist, Großvater.“

Wort für Wort
māhātmyam ātmayogaṃ ca
die Größe und den Selbst-Yoga (Akk.Sg.n./m.)
vijñānaṃ ca śukasya ha
und die Erkenntnis Śukas, fürwahr (Akk.Sg.n.; Gen.)
yathāvat ānupūrvyeṇa
der Wahrheit gemäß, der Reihe nach (Adv.; Instr.)
tat me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg.; Vok.)

bhīṣma uvāca; na hāyanair na palitair na vittena na bandhubhiḥ; ṛṣayaś cakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān

Bhīṣma sprach: „Nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare, nicht durch Besitz, nicht durch Verwandte haben die Seher den Dharma bestimmt; wer den Veda studiert hat, der ist bei uns groß.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
na hāyanaiḥ na palitaiḥ
nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare (Instr.Pl.)
na vittena na bandhubhiḥ
nicht durch Besitz, nicht durch Verwandte (Instr.Sg./Pl.)
ṛṣayaḥ cakrire dharmam
die Seher machten [setzten] den Dharma fest (Nom.Pl.; Perf.Med.3.Pl.; Akk.)
yaḥ anūcānaḥ saḥ naḥ mahān
wer den Veda studiert hat, der ist uns groß (Nom.; Perf.Part.; Gen./Dat.Pl.)

„cakrire dharmam“: wörtlich „machten den Dharma“, hier im Sinn von „legten fest, was als Rang gilt“ [?].

tapomūlam idaṃ sarvaṃ yan māṃ pṛcchasi pāṇḍava; tad indriyāṇi saṃyamya tapo bhavati nānyathā

„Alles dies, wonach du mich fragst, Pāṇḍava, hat die Askese zur Wurzel; sie entsteht, indem man die Sinne zügelt, nicht anders.“

Wort für Wort
tapomūlam idaṃ sarvam
die Askese zur Wurzel habend, dies alles (Nom.Sg.n.; Kompositum)
yat mām pṛcchasi pāṇḍava
wonach du mich fragst, Pāṇḍava (Präs.2.Sg.; Vok.)
tat indriyāṇi saṃyamya
sie [die Askese], nachdem man die Sinne gezügelt hat (Gerundium)
tapaḥ bhavati na anyathā
entsteht Askese, nicht anders (Präs.3.Sg.; Adv.)

indriyāṇāṃ prasaṅgena doṣam ṛcchaty asaṃśayam; saṃniyamya tu tāny eva siddhiṃ prāpnoti mānavaḥ

„Durch Hingabe an die Sinne gerät [der Mensch] zweifellos in Fehler; wenn er sie aber zügelt, erlangt der Mensch Vollendung.“

Wort für Wort
indriyāṇāṃ prasaṅgena
durch das Anhaften an den Sinnen (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
doṣam ṛcchati asaṃśayam
gerät er in Fehler, zweifellos (Akk.; Präs.3.Sg.; Adv.)
saṃniyamya tu tāni eva
sie aber zügelnd, eben diese (Gerundium; Akk.Pl.n.)
siddhiṃ prāpnoti mānavaḥ
erlangt Vollendung der Mensch (Akk.; Präs.3.Sg.; Nom.)

aśvamedhasahasrasya vājapeyaśatasya ca; yogasya kalayā tāta na tulyaṃ vidyate phalam

„Tausend Rossopfern und hundert Vājapeya-Opfern kommt eine Frucht nicht gleich mit einem Bruchteil des Yoga, mein Lieber.“

Wort für Wort
aśvamedhasahasrasya
von tausend Rossopfern (Gen.Sg.)
vājapeyaśatasya ca
und von hundert Vājapeya-Opfern (Gen.Sg.)
yogasya kalayā tāta
mit einem Bruchteil des Yoga, Lieber (Gen.; Instr.Sg.; Vok.)
na tulyaṃ vidyate phalam
gleich findet sich nicht eine Frucht (Adj.; Pass.3.Sg.; Nom.)

atra te vartayiṣyāmi janmayogaphalaṃ yathā; śukasyāgryāṃ gatiṃ caiva durvidām akṛtātmabhiḥ

„Hierzu will ich dir erzählen, wie die Frucht des Yoga bei der Geburt [Śukas] war, und Śukas höchsten Weg, der für die, deren Selbst ungeschult ist, schwer zu erkennen ist.“

Wort für Wort
atra te vartayiṣyāmi
hierüber werde ich dir berichten (Adv.; Dat./Gen.; Fut.Kaus.1.Sg.)
janmayogaphalaṃ yathā
wie die Frucht des Yoga bei der Geburt (Akk.; Adv.)
śukasya agryāṃ gatiṃ ca eva
und Śukas höchsten Weg (Gen.; Akk.Sg.f.)
durvidām akṛtātmabhiḥ
schwer erkennbar für Ungeschulte (Akk.Sg.f.; Instr.Pl.)

„janmayogaphalaṃ yathā“ ist knapp; Sinn: wie sich Yoga-Frucht bei seiner Geburt zeigte [?].

meruśṛṅge kila purā karṇikāravanāyute; vijahāra mahādevo bhīmair bhūtagaṇair vṛtaḥ

„Auf dem Gipfel des Meru, wie es heißt, in früherer Zeit, einem von Karṇikāra-Hainen erfüllten [Ort], weilte Mahādeva, umgeben von furchtbaren Scharen von Geistern.“

Wort für Wort
meruśṛṅge kila purā
auf dem Gipfel des Meru, so heißt es, einst (Lok.; Adv.)
karṇikāravanāyute
in einem von Karṇikāra-Wäldern erfüllten [Ort] (Lok.Sg.)
vijahāra mahādevaḥ
weilte/wandelte Mahādeva (Perf.3.Sg.; Nom.)
bhīmaiḥ bhūtagaṇaiḥ vṛtaḥ
umgeben von furchtbaren Geisterscharen (Instr.Pl.; PPP Nom.)

śailarājasutā caiva devī tatrābhavat purā; tatra divyaṃ tapas tepe kṛṣṇadvaipāyanaḥ prabhuḥ

„Und die Tochter des Bergkönigs, die Göttin, war damals dort; dort übte auch Kṛṣṇa Dvaipāyana, der Herr, göttliche Askese.“

Wort für Wort
śailarājasutā ca eva
und die Tochter des Bergkönigs (Nom.Sg.f.)
devī tatra abhavat purā
die Göttin, war dort, damals (Nom.; Impf.3.Sg.)
tatra divyaṃ tapaḥ tepe
dort übte er göttliche Askese (Akk.; Perf.Med.3.Sg.)
kṛṣṇadvaipāyanaḥ prabhuḥ
Kṛṣṇa Dvaipāyana, der Herr (Nom.)

yogenātmānam āviśya yogadharmaparāyaṇaḥ; dhārayan sa tapas tepe putrārthaṃ kurusattama

„Durch Yoga in sich eingegangen, dem Yoga-Dharma ganz ergeben, übte er, [sich] sammelnd, Askese um eines Sohnes willen, bester der Kuru.“

Wort für Wort
yogena ātmānam āviśya
durch Yoga in sich eingegangen (Instr.; Akk.; Gerundium)
yogadharmaparāyaṇaḥ
dem Yoga-Dharma ganz ergeben (Nom.Sg.m.)
dhārayan saḥ tapaḥ tepe
[sich] haltend/sammelnd übte er Askese (Part.Kaus.; Perf.)
putrārthaṃ kurusattama
um eines Sohnes willen, bester der Kuru (Adv.; Vok.)

„dhārayan“ ohne Objekt: [sich/den Geist] sammelnd [?].

agner bhūmer apāṃ vāyor antarikṣasya cābhibho; vīryeṇa saṃmitaḥ putro mama bhūyād iti sma ha

„Ein Sohn möge mir werden, an Kraft gleichgesetzt dem Feuer, der Erde, dem Wasser, dem Wind und dem Luftraum, du Mächtiger“ – so [dachte er], fürwahr.

Wort für Wort
agneḥ bhūmeḥ apāṃ vāyoḥ
von Feuer, Erde, Wasser, Wind (Gen.)
antarikṣasya ca abhibho
und vom Luftraum, du Mächtiger (Gen.; Vok.)
vīryeṇa saṃmitaḥ putraḥ
an Kraft gleichgemessen, ein Sohn (Instr.; PPP Nom.)
mama bhūyāt iti sma ha
mir möge er sein, so [sprach/dachte er] (Gen./Dat.; Opt.3.Sg.)

Zitiertes Denken/Sprechen; „sma ha“ ist Erzählpartikel; Verb des Denkens ergänzt.

saṃkalpenātha so 'nena duṣprāpeṇākṛtātmabhiḥ; varayām āsa deveśam āsthitas tapa uttamam

Dann erbat er durch diesen Entschluss, der für Ungeschulte schwer erreichbar ist, den Herrn der Götter, auf höchster Askese verharrend.

Wort für Wort
saṃkalpena atha saḥ anena
durch den Entschluss dann er, durch diesen (Instr.)
duṣprāpeṇa akṛtātmabhiḥ
schwer erreichbar für Ungeschulte (Instr.; Instr.Pl.)
varayām āsa deveśam
erbat den Herrn der Götter (Perf.periphr.3.Sg.; Akk.)
āsthitaḥ tapaḥ uttamam
der auf höchster Askese verharrte (PPP Nom.; Akk.)

atiṣṭhan mārutāhāraḥ śataṃ kila samāḥ prabhuḥ; ārādhayan mahādevaṃ bahurūpam umāpatim

Er stand, sich vom Wind nährend, hundert Jahre, wie es heißt, der Herr, und verehrte Mahādeva, den vielgestaltigen Gatten der Umā.

Wort für Wort
atiṣṭhat mārutāhāraḥ
stand, vom Wind sich nährend (Impf.3.Sg.; Nom.)
śataṃ kila samāḥ prabhuḥ
hundert Jahre, so heißt es, der Herr (Akk.Pl.f.)
ārādhayan mahādevam
verehrend Mahādeva (Part.Kaus.; Akk.)
bahurūpam umāpatim
den Vielgestaltigen, den Gatten der Umā (Akk.)

tatra brahmarṣayaś caiva sarve devarṣayas tathā; lokapālāś ca lokeśaṃ sādhyāś ca vasubhiḥ saha

Dort [versammelten sich] alle Brahmanenseher und ebenso alle Götterseher, die Weltenhüter beim Herrn der Welten, und die Sādhyas mit den Vasus.

Wort für Wort
tatra brahmarṣayaḥ ca eva sarve
dort auch alle Brahmanenseher (Nom.Pl.)
devarṣayaḥ tathā
und die Götterseher (Nom.Pl.)
lokapālāḥ ca lokeśam
und die Weltenhüter [zum] Herrn der Welten (Nom.; Akk.)
sādhyāḥ ca vasubhiḥ saha
und die Sādhyas mit den Vasus (Nom.; Instr.)

Ein Verb fehlt; sinngemäß „kamen/traten heran“ ergänzt.

ādityāś caiva rudrāś ca divākaraniśākarau; maruto mārutaś caiva sāgarāḥ saritas tathā

Die Ādityas und Rudras, Sonne und Mond, die Maruts und die Winde, ebenso Meere und Flüsse.

Wort für Wort
ādityāḥ ca eva rudrāḥ ca
und die Ādityas und die Rudras (Nom.Pl.)
divākaraniśākarau
Sonne und Mond (Nom.Du.)
marutaḥ mārutaḥ ca eva
die Maruts und die Winde (Nom.Pl.)
sāgarāḥ saritaḥ tathā
Meere, ebenso Flüsse (Nom.Pl.)

aśvinau devagandharvās tathā nāradaparvatau; viśvāvasuś ca gandharvaḥ siddhāś cāpsarasāṃ gaṇāḥ

Die Aśvins, die Götter und Gandharvas, ebenso Nārada und Parvata, der Gandharva Viśvāvasu, die Siddhas und die Scharen der Apsarasen.

Wort für Wort
aśvinau devagandharvāḥ
die beiden Aśvins, Götter und Gandharvas (Nom.Du.; Nom.Pl.)
tathā nāradaparvatau
ebenso Nārada und Parvata (Nom.Du.)
viśvāvasuḥ ca gandharvaḥ
und der Gandharva Viśvāvasu (Nom.)
siddhāḥ ca apsarasāṃ gaṇāḥ
und die Siddhas, die Scharen der Apsarasen (Nom.Pl.; Gen.Pl.)

tatra rudro mahādevaḥ karṇikāramayīṃ śubhām; dhārayāṇaḥ srajaṃ bhāti jyotsnām iva niśākaraḥ

Dort strahlt Rudra Mahādeva, eine schöne Girlande aus Karṇikāra-Blüten tragend, wie der Mond das Mondlicht.

Wort für Wort
tatra rudraḥ mahādevaḥ
dort Rudra Mahādeva (Nom.)
karṇikāramayīṃ śubhām
eine aus Karṇikāra bestehende, schöne (Akk.Sg.f.)
dhārayāṇaḥ sragaṃ bhāti
tragend eine Girlande, strahlt er (Part.Med.; Akk.; Präs.3.Sg.)
jyotsnām iva niśākaraḥ
wie der Mond das Mondlicht (Akk.; Nom.)

Vergleich elliptisch: der Mond „trägt“ das Mondlicht.

tasmin divye vane ramye devadevarṣisaṃkule; āsthitaḥ paramaṃ yogam ṛṣiḥ putrārtham udyataḥ

In diesem göttlichen, lieblichen Wald, voll von Göttern und Götterschern, verharrte der Seher im höchsten Yoga, bemüht um einen Sohn.

Wort für Wort
tasmin divye vane ramye
in diesem göttlichen, lieblichen Wald (Lok.Sg.)
devadevarṣisaṃkule
voll von Göttern und Götterschern (Lok.Sg.)
āsthitaḥ paramaṃ yogam
der im höchsten Yoga verharrte (PPP Nom.; Akk.)
ṛṣiḥ putrārtham udyataḥ
der Seher, um eines Sohnes willen bemüht (Nom.; Adv.; PPP)

na cāsya hīyate varṇo na glānir upajāyate; trayāṇām api lokānāṃ tad adbhutam ivābhavat

Nicht schwand seine Farbe, keine Erschöpfung entstand; in den drei Welten erschien das wie ein Wunder.

Wort für Wort
na ca asya hīyate varṇaḥ
und nicht schwindet ihm die Farbe (Präs.Pass.3.Sg.; Nom.)
na glāniḥ upajāyate
keine Erschöpfung entsteht (Nom.; Präs.3.Sg.)
trayāṇām api lokānām
selbst für die drei Welten (Gen.Pl.)
tat adbhutam iva abhavat
das war gleichsam ein Wunder (Nom.; Impf.3.Sg.)

jaṭāś ca tejasā tasya vaiśvānaraśikhopamāḥ; prajvalantyaḥ sma dṛśyante yuktasyāmitatejasaḥ

Und seine Flechten, an Glanz den Flammen des Feuers Vaiśvānara gleich, sah man lodernd bei dem Gesammelten von unermesslichem Glanz.

Wort für Wort
jaṭāḥ ca tejasā tasya
und die Flechten durch den Glanz von ihm (Nom.Pl.f.; Instr.; Gen.)
vaiśvānaraśikhopamāḥ
den Flammen des Vaiśvānara gleich (Nom.Pl.f.)
prajvalantyaḥ sma dṛśyante
lodernd wurden sie gesehen (Part.f.; Pass.3.Pl.)
yuktasya amitatejasaḥ
des Versenkten, von unermesslichem Glanz (Gen.Sg.)

mārkaṇḍeyo hi bhagavān etad ākhyātavān mama; sa devacaritānīha kathayām āsa me sadā

„Denn der Erhabene Mārkaṇḍeya hat mir dies berichtet; er erzählte mir hier stets die Taten der Götter.“

Wort für Wort
mārkaṇḍeyaḥ hi bhagavān
denn der erhabene Mārkaṇḍeya (Nom.)
etat ākhyātavān mama
hat dies berichtet, mir (Akk.; Part.Perf.Akt.; Gen./Dat.)
saḥ devacaritāni iha
er die Taten der Götter, hier (Akk.Pl.)
kathayām āsa me sadā
erzählte mir stets (Perf.periphr.3.Sg.; Dat.; Adv.)

tā etādyāpi kṛṣṇasya tapasā tena dīpitāḥ; agnivarṇā jaṭās tāta prakāśante mahātmanaḥ

„Jene Flechten, Lieber, von der Askese des Kṛṣṇa damals entzündet, leuchten bis heute feuerfarben, [die Flechten] des Hochgesinnten.“

Wort für Wort
tāḥ etāḥ adya api kṛṣṇasya
eben diese, noch heute, des Kṛṣṇa (Nom.Pl.f.; Gen.)
tapasā tena dīpitāḥ
durch jene Askese entzündet (Instr.; PPP Nom.Pl.f.)
agnivarṇāḥ jaṭāḥ tāta
feuerfarbene Flechten, Lieber (Nom.Pl.; Vok.)
prakāśante mahātmanaḥ
leuchten, des Hochgesinnten (Präs.Med.3.Pl.; Gen.)

„adya api“ im Text als „adyāpi“; „tā etā…“ liest sich als „tāḥ etāḥ“.

evaṃvidhena tapasā tasya bhaktyā ca bhārata; maheśvaraḥ prasannātmā cakāra manasā matim

„Durch solche Askese und durch [seine] Hingabe, Bhārata, fasste Maheśvara, gnädigen Gemüts, im Geist einen Entschluss.“

Wort für Wort
evaṃvidhena tapasā tasya
durch solche Askese von ihm (Instr.; Gen.)
bhaktyā ca bhārata
und durch Hingabe, Bhārata (Instr.; Vok.)
maheśvaraḥ prasannātmā
Maheśvara, gnädigen Gemüts (Nom.)
cakāra manasā matim
fasste im Geist einen Entschluss (Perf.3.Sg.; Instr.; Akk.)

tatas tasya mahādevo darśayām āsa sāmbikaḥ

Da zeigte sich ihm Mahādeva, der mit Ambikā [verbunden ist].

Wort für Wort
tataḥ tasya mahādevaḥ
da ihm Mahādeva (Adv.; Dat./Gen.; Nom.)
darśayām āsa sāmbikaḥ
zeigte sich, mit Ambikā (Perf.Kaus.3.Sg.; Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe; „tasya“ hier als Dativ-Sinn („ihm“) gedeutet, oder „zeigte ihm [sich]“.

uvāca cainaṃ bhagavāṃs tryambakaḥ prahasann iva; evaṃvidhas te tanayo dvaipāyana bhaviṣyati

Und der Erhabene, der Dreiäugige, sprach zu ihm, gleichsam lächelnd: „Ein solcher wird dein Sohn sein, Dvaipāyana.“

Wort für Wort
uvāca ca enam bhagavān
und sprach zu ihm, der Erhabene (Perf.3.Sg.; Akk.; Nom.)
tryambakaḥ prahasan iva
Tryambaka, gleichsam lächelnd (Nom.; Part.)
evaṃvidhaḥ te tanayaḥ
ein solcher wird dein Sohn (Nom.; Gen./Dat.)
dvaipāyana bhaviṣyati
Dvaipāyana, sein (Vok.; Fut.3.Sg.)

yathā hy agnir yathā vāyur yathā bhūmir yathā jalam; yathā ca khaṃ tathā śuddho bhaviṣyati suto mahān

„Wie Feuer, wie Wind, wie Erde, wie Wasser und wie der Raum, so rein wird [dein] großer Sohn sein.“

Wort für Wort
yathā hi agniḥ yathā vāyuḥ
denn wie Feuer, wie Wind (Nom.)
yathā bhūmiḥ yathā jalam
wie Erde, wie Wasser (Nom.)
yathā ca kham tathā śuddhaḥ
und wie der Raum, so rein (Nom.; Adv.; Adj.)
bhaviṣyati sutaḥ mahān
wird sein der Sohn, der große (Fut.3.Sg.; Nom.)

tadbhāvabhāvī tadbuddhis tadātmā tadapāśrayaḥ; tejasāvṛtya lokāṃs trīn yaśaḥ prāpsyati kevalam

„Dessen Wesen annehmend, dessen Verstandes, dessen Selbst, dessen Zuflucht, wird er, die drei Welten mit Glanz umhüllend, alleinigen Ruhm erlangen.“

Wort für Wort
tadbhāvabhāvī tadbuddhiḥ
dessen Wesens teilhaftig, dessen Verstandes (Nom.Sg.m.; Kompositum)
tadātmā tadapāśrayaḥ
dessen Selbst, dessen Zuflucht (Nom.Sg.m.)
tejasā āvṛtya lokān trīn
mit Glanz umhüllend die drei Welten (Instr.; Gerundium; Akk.Pl.)
yaśaḥ prāpsyati kevalam
Ruhm wird er erlangen, alleinigen (Akk.; Fut.3.Sg.; Adj.)

„tad-“ bezieht sich auf die zuvor genannten Elemente/das Absolute (Brahman) [?].

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