Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 339: puruṣatattvopadeśa Brahmas Lehre vom ewigen Puruṣa: Sāṃkhya und Yoga

Brahma unterweist seinen Sohn über die Natur des unvergänglichen, eigenschaftslosen Puruṣa, der zugleich als Nārāyaṇa und als All-Selbst gilt, und ordnet seine Lehre den Systemen von Sāṃkhya und Yoga zu.

brahmovāca; śṛṇu putra yathā hy eṣa puruṣaḥ śāśvato 'vyayaḥ; akṣayaś cāprameyaś ca sarvagaś ca nirucyate

Brahma sprach: „Höre, Sohn, wie dieser Puruṣa ewig und unvergänglich ist; er wird als unerschöpflich, unermesslich und allgegenwärtig bezeichnet.“

Wort für Wort
brahma uvāca
Brahma sprach (3.Sg.Perf.)
śṛṇu putra
höre, Sohn (2.Sg.Imp./Vok.)
yathā hi eṣa puruṣaḥ
wie denn dieser Puruṣa (Nom.Sg.)
śāśvataḥ 'vyayaḥ
ewig, unvergänglich (Nom.Sg.)
akṣayaś ca aprameyaś ca
unerschöpflich und unermesslich (Nom.Sg.)
sarvagaś ca nirucyate
und allgegenwärtig wird er genannt (3.Sg.Präs.Pass.)

na sa śakyas tvayā draṣṭuṃ mayānyair vāpi sattama; saguṇo nirguṇo viśvo jñānadṛśyo hy asau smṛtaḥ

„Er kann nicht von dir gesehen werden, noch von mir oder von anderen, du Trefflichster; mit Eigenschaften, ohne Eigenschaften, das All – nur durch Erkenntnis gilt jener als wahrnehmbar.“

Wort für Wort
na sa śakyas
er ist nicht fähig/möglich (Nom.)
tvayā draṣṭuṃ
von dir zu sehen (Instr./Inf.)
mayānyair vāpi
von mir oder auch von anderen (Instr.)
sattama
du Trefflichster (Vok.)
saguṇo nirguṇo viśvo
mit Eigenschaften, ohne Eigenschaften, das All (Nom.)
jñānadṛśyo hy asau smṛtaḥ
denn jener gilt als nur durch Erkenntnis wahrnehmbar (Nom./PPP)

aśarīraḥ śarīreṣu sarveṣu nivasaty asau; vasann api śarīreṣu na sa lipyati karmabhiḥ

„Körperlos wohnt jener in allen Körpern; obwohl er in den Körpern wohnt, haftet er nicht an den Taten.“

Wort für Wort
aśarīraḥ
körperlos (Nom.Sg.)
śarīreṣu sarveṣu
in allen Körpern (Lok.Pl.)
nivasaty asau
wohnt jener (3.Sg.Präs.)
vasann api śarīreṣu
obwohl wohnend in den Körpern (Part.Präs./Lok.Pl.)
na sa lipyati
haftet er nicht (3.Sg.Präs.)
karmabhiḥ
durch die Taten (Instr.Pl.)

mamāntarātmā tava ca ye cānye dehasaṃjñitāḥ; sarveṣāṃ sākṣibhūto 'sau na grāhyaḥ kena cit kva cit

„Meine innere Seele und die deine, und welche anderen ‚Körper' genannt werden – von allen ist jener der Zeuge; von nichts und nirgends ist er zu erfassen.“

Wort für Wort
mama antarātmā
mein innerer Selbst (Nom.Sg.)
tava ca
und der deine
ye cānye dehasaṃjñitāḥ
und welche anderen als ‚Körper' bezeichnet werden (Nom.Pl.)
sarveṣāṃ sākṣibhūto 'sau
von allen ist jener der Zeuge (Gen.Pl./Nom.Sg.)
na grāhyaḥ
nicht erfassbar (Nom.Sg.)
kena cit kva cit
durch irgendetwas, irgendwo (Instr./Adv.)

viśvamūrdhā viśvabhujo viśvapādākṣināsikaḥ; ekaś carati kṣetreṣu svairacārī yathāsukham

„Mit dem Haupt, den Armen, den Füßen, Augen und der Nase des Alls [ausgestattet] wandelt der Eine in den Feldern [den Körpern], frei nach eigenem Willen, wie es ihm beliebt.“

Wort für Wort
viśvamūrdhā
mit dem Haupt des Alls (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
viśvabhujo
mit den Armen des Alls (Nom.Sg.)
viśvapādākṣināsikaḥ
mit Füßen, Augen und Nase des Alls (Nom.Sg.)
ekaś carati kṣetreṣu
der Eine wandelt in den Feldern (3.Sg.Präs./Lok.Pl.)
svairacārī yathāsukham
nach eigenem Willen wandelnd, wie es beliebt (Nom.Sg./Adv.)

kṣetrāṇi hi śarīrāṇi bījāni ca śubhāśubhe; tāni vetti sa yogātmā tataḥ kṣetrajña ucyate

„Die Körper sind fürwahr die Felder, und die Samen sind das Gute und Böse; diese kennt er, der Yoga-Beseelte, daher wird er ‚Feldkenner' genannt.“

Wort für Wort
kṣetrāṇi hi śarīrāṇi
die Felder [sind] fürwahr die Körper (Nom.Pl.)
bījāni ca śubhāśubhe
und die Samen [sind] das Gute und Böse (Nom.Pl./Dual)
tāni vetti
diese kennt er (3.Sg.Präs.)
sa yogātmā
er, der Yoga-Beseelte (Nom.Sg.)
tataḥ kṣetrajña ucyate
daher wird er ‚Feldkenner' genannt (3.Sg.Präs.Pass.)

nāgatir na gatis tasya jñeyā bhūtena kena cit; sāṃkhyena vidhinā caiva yogena ca yathākramam

„Sein Kommen und Gehen kann von keinem Wesen erkannt werden – weder durch die Methode des Sāṃkhya noch ebenso durch Yoga, in keiner Weise.“

Wort für Wort
nāgatir na gatis tasya
sein Kommen und Gehen nicht (Nom.Sg./Gen.Sg.)
jñeyā bhūtena kena cit
ist zu erkennen durch irgendein Wesen [verneint] (Fem.Nom./Instr.)
sāṃkhyena vidhinā caiva
weder durch die Methode des Sāṃkhya (Instr.)
yogena ca
noch durch Yoga (Instr.)
yathākramam
jeweils, der Reihe nach (Adv.)

cintayāmi gatiṃ cāsya na gatiṃ vedmi cottamām; yathājñānaṃ tu vakṣyāmi puruṣaṃ taṃ sanātanam

„Ich erwäge seinen Zustand, doch den höchsten Zustand kenne ich nicht; gemäß meinem Wissen aber werde ich von jenem ewigen Puruṣa sprechen.“

Wort für Wort
cintayāmi gatiṃ cāsya
ich erwäge seinen Zustand (1.Sg.Präs./Akk.)
na gatiṃ vedmi cottamām
und den höchsten Zustand weiß ich nicht (1.Sg.Präs./Akk.)
yathājñānaṃ tu
doch gemäß [meinem] Wissen (Adv.)
vakṣyāmi
werde ich verkünden (1.Sg.Fut.)
puruṣaṃ taṃ sanātanam
von jenem ewigen Puruṣa (Akk.)

tasyaikatvaṃ mahattvaṃ hi sa caikaḥ puruṣaḥ smṛtaḥ; mahāpuruṣaśabdaṃ sa bibharty ekaḥ sanātanaḥ

„Seine Einheit ist fürwahr [seine] Größe, und er gilt als der eine Puruṣa; er, der Eine, Ewige, trägt den Namen ‚Mahāpuruṣa'.“

Wort für Wort
tasyaikatvaṃ mahattvaṃ hi
seine Einheit ist fürwahr [seine] Größe (Nom.Sg./Gen.Sg.)
sa caikaḥ puruṣaḥ smṛtaḥ
und er gilt als der eine Puruṣa (Nom.Sg./PPP)
mahāpuruṣaśabdaṃ
die Bezeichnung ‚Mahāpuruṣa' (Akk.Sg.)
sa bibharty
er trägt (3.Sg.Präs.)
ekaḥ sanātanaḥ
der Eine, Ewige (Nom.Sg.)

eko hutāśo bahudhā samidhyate; ekaḥ sūryas tapasāṃ yonir ekā; eko vāyur bahudhā vāti loke; mahodadhiś cāmbhasāṃ yonir ekaḥ; puruṣaś caiko nirguṇo viśvarūpas; taṃ nirguṇaṃ puruṣaṃ cāviśanti

„Das eine Feuer wird vielfältig entzündet; die eine Sonne ist der eine Ursprung der Gluten; der eine Wind weht vielfältig in der Welt; das große Meer ist der eine Ursprung der Gewässer; und der Puruṣa ist einer, eigenschaftslos, allgestaltig – in jenen eigenschaftslosen Puruṣa gehen sie [alle] ein.“

Wort für Wort
eko hutāśo bahudhā samidhyate
das eine Feuer wird vielfältig entzündet (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)
ekaḥ sūryas tapasāṃ yonir ekā
die eine Sonne ist der eine Ursprung der Gluten (Nom.Sg./Gen.Pl.)
eko vāyur bahudhā vāti loke
der eine Wind weht vielfältig in der Welt (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Lok.Sg.)
mahodadhiś cāmbhasāṃ yonir ekaḥ
und das große Meer ist der eine Ursprung der Gewässer (Nom.Sg./Gen.Pl.)
puruṣaś caiko nirguṇo viśvarūpas
und der Puruṣa ist einer, eigenschaftslos, allgestaltig (Nom.Sg.)
taṃ nirguṇaṃ puruṣaṃ cāviśanti
und in jenen eigenschaftslosen Puruṣa gehen sie ein (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)

hitvā guṇamayaṃ sarvaṃ karma hitvā śubhāśubham; ubhe satyānṛte tyaktvā evaṃ bhavati nirguṇaḥ

„Wenn er alles, was aus den Erscheinungsweisen [Guṇas] besteht, aufgegeben hat, die gute und die schlechte Tat aufgegeben hat und sowohl Wahrheit als auch Unwahrheit verlassen hat, so wird er eigenschaftslos.“

Wort für Wort
hitvā guṇamayaṃ sarvaṃ
nachdem er alles aus den Guṇas Bestehende aufgegeben hat (Gerundium/Akk.)
karma hitvā śubhāśubham
die gute und schlechte Tat aufgegeben (Akk./Gerundium)
ubhe satyānṛte tyaktvā
beide, Wahrheit und Unwahrheit, verlassen habend (Akk.Dual/Gerundium)
evaṃ bhavati nirguṇaḥ
so wird er eigenschaftslos (3.Sg.Präs./Nom.Sg.)

acintyaṃ cāpi taṃ jñātvā bhāvasūkṣmaṃ catuṣṭayam; vicared yo yatir yattaḥ sa gacchet puruṣaṃ prabhum

„Und wer, jenen Unbegreiflichen und das vierfache feine Wesen [?] erkannt habend, als beherrschter Asket wandelt, der möge zum Puruṣa, dem Herrn, gelangen.“

Wort für Wort
acintyaṃ cāpi taṃ jñātvā
und auch jenen Unbegreiflichen erkannt habend (Akk./Gerundium)
bhāvasūkṣmaṃ catuṣṭayam
das vierfache feine Wesen [?] (Akk.Sg.)
vicared yo yatir
welcher Asket wandeln möge (3.Sg.Opt./Nom.Sg.)
yattaḥ
beherrscht, gezügelt (PPP, Nom.Sg.)
sa gacchet puruṣaṃ prabhum
er möge zum Puruṣa, dem Herrn, gelangen (3.Sg.Opt./Akk.)

‚bhāvasūkṣmaṃ catuṣṭayam' (‚das vierfache feine Wesen') ist eine im Kontext nicht näher erläuterte Vierergruppe; wörtlich wiedergegeben, Bezugsinhalt unsicher.

evaṃ hi paramātmānaṃ ke cid icchanti paṇḍitāḥ; ekātmānaṃ tathātmānam apare 'dhyātmacintakāḥ

„So betrachten manche Gelehrte [ihn] als den höchsten Ātman, als den einen Selbst; ebenso [nennen ihn schlicht] ‚das Selbst' andere, die über das innere Selbst nachdenken.“

Wort für Wort
evaṃ hi paramātmānaṃ
so, fürwahr, als höchsten Ātman (Akk.Sg.)
ke cid icchanti paṇḍitāḥ
betrachten manche Gelehrte (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
ekātmānaṃ
als den einen Selbst (Akk.Sg.)
tathātmānam
ebenso als das Selbst (Akk.Sg.)
apare 'dhyātmacintakāḥ
andere, die über das innere Selbst Nachdenkenden (Nom.Pl.)

tatra yaḥ paramātmā hi sa nityaṃ nirguṇaḥ smṛtaḥ; sa hi nārāyaṇo jñeyaḥ sarvātmā puruṣo hi saḥ; na lipyate phalaiś cāpi padmapatram ivāmbhasā

„Davon ist der, welcher der höchste Ātman ist, als ewig eigenschaftslos bekannt; er ist fürwahr als Nārāyaṇa zu erkennen, er, das All-Selbst, ist fürwahr der Puruṣa; und er wird von den Früchten [der Taten] nicht befleckt, wie ein Lotosblatt nicht vom Wasser [befleckt wird].“

Wort für Wort
tatra yaḥ paramātmā hi
davon, welcher fürwahr der höchste Ātman [ist] (Nom.Sg.)
sa nityaṃ nirguṇaḥ smṛtaḥ
der gilt als ewig eigenschaftslos (Nom.Sg./PPP)
sa hi nārāyaṇo jñeyaḥ
er ist fürwahr als Nārāyaṇa zu erkennen (Nom.Sg.)
sarvātmā puruṣo hi saḥ
er, das All-Selbst, ist fürwahr der Puruṣa (Nom.Sg.)
na lipyate phalaiś cāpi
und er wird auch nicht von den Früchten befleckt (3.Sg.Präs.Pass./Instr.Pl.)
padmapatram ivāmbhasā
wie ein Lotosblatt vom Wasser (Nom.Sg./Instr.Sg.)

karmātmā tv aparo yo 'sau mokṣabandhaiḥ sa yujyate; sasaptadaśakenāpi rāśinā yujyate hi saḥ; evaṃ bahuvidhaḥ proktaḥ puruṣas te yathākramam

„Der andere aber, die Tat-Seele, jener wird mit Erlösung und Bindung verknüpft; er wird fürwahr auch mit der siebzehnteiligen Gruppe [dem feinstofflichen Körper] verbunden. So wurde dir der Puruṣa auf vielfältige Weise, der Reihe nach, dargelegt.“

Wort für Wort
karmātmā tv aparo yo 'sau
der andere aber, die Tat-Seele, jener (Nom.Sg.)
mokṣabandhaiḥ sa yujyate
wird mit Erlösung und Bindung verknüpft (Instr.Pl./3.Sg.Präs.Pass.)
sasaptadaśakenāpi rāśinā
auch mit der siebzehnteiligen Gruppe (Instr.Sg.)
yujyate hi saḥ
wird er fürwahr verbunden (3.Sg.Präs.Pass.)
evaṃ bahuvidhaḥ proktaḥ
so wurde vielfältig dargelegt (Nom.Sg./PPP)
puruṣas te yathākramam
der Puruṣa dir, der Reihe nach (Nom.Sg./Dat./Adv.)

‚sasaptadaśakena rāśinā' bezeichnet die aus siebzehn Bestandteilen (Sinnesorgane, Handlungsorgane, Elemente, Manas usw.) gebildete feinstoffliche Hülle des Individuums.

yat tat kṛtsnaṃ lokatantrasya dhāma; vedyaṃ paraṃ bodhanīyaṃ saboddhṛ; mantā mantavyaṃ prāśitā prāśitavyaṃ; ghrātā ghreyaṃ sparśitā sparśanīyam

„Was jene vollständige Stätte des Weltgetriebes ist, das höchste zu Erkennende, das zu Erweckende zusammen mit dem Erkennenden, der Denkende und das zu Denkende, der Kostende und das zu Kostende, der Riechende und das zu Riechende, der Berührende und das Fühlbare –“

Wort für Wort
yat tat kṛtsnaṃ
was jenes vollständige (Nom.Sg.)
lokatantrasya dhāma
die Grundlage des Weltgetriebes (Gen.Sg./Nom.Sg.)
vedyaṃ paraṃ bodhanīyaṃ saboddhṛ
das höchste zu Erkennende, das zu Erweckende mit dem Erkennenden (Nom.Sg.)
mantā mantavyaṃ
der Denkende und das zu Denkende (Nom.Sg.)
prāśitā prāśitavyaṃ
der Kostende und das zu Kostende (Nom.Sg.)
ghrātā ghreyaṃ
der Riechende und das zu Riechende (Nom.Sg.)
sparśitā sparśanīyam
der Berührende und das Fühlbare (Nom.Sg.)

Die Aufzählung setzt sich in Vers 17 fort; das Satzgefüge ist erst dort mit einem Prädikat abgeschlossen.

draṣṭā draṣṭavyaṃ śrāvitā śrāvaṇīyaṃ; jñātā jñeyaṃ saguṇaṃ nirguṇaṃ ca; yad vai proktaṃ guṇasāmyaṃ pradhānaṃ; nityaṃ caitac chāśvataṃ cāvyayaṃ ca

„der Sehende und das zu Sehende, der Verkündende [?] und das zu Verkündende, der Wissende und das zu Wissende, das mit Eigenschaften und das ohne Eigenschaften – was fürwahr als ‚Gleichgewicht der Guṇas' bezeichnet wird, das Pradhāna [der Urstoff], ist ewig, beständig und unvergänglich.“

Wort für Wort
draṣṭā draṣṭavyaṃ
der Sehende und das zu Sehende (Nom.Sg.)
śrāvitā śrāvaṇīyaṃ
der Verkündende [?] und das zu Verkündende (Nom.Sg.)
jñātā jñeyaṃ
der Wissende und das zu Wissende (Nom.Sg.)
saguṇaṃ nirguṇaṃ ca
das mit Eigenschaften und das ohne Eigenschaften (Nom.Sg.)
yad vai proktaṃ
was fürwahr genannt wird (Nom.Sg./PPP)
guṇasāmyaṃ pradhānaṃ
das Pradhāna [als] Gleichgewicht der Guṇas (Nom.Sg.)
nityaṃ caitac chāśvataṃ cāvyayaṃ ca
und dies [ist] ewig, beständig und unvergänglich (Nom.Sg.)

‚śrāvitā' ist eine kausative Bildung (‚der Hörenlassende'), hier parallel zu draṣṭā/jñātā als Wahrnehmungsagens wiedergegeben; die genaue Nuance bleibt unsicher.

yad vai sūte dhātur ādyaṃ nidhānaṃ; tad vai viprāḥ pravadante 'niruddham; yad vai loke vaidikaṃ karma sādhu; āśīryuktaṃ tad dhi tasyopabhojyam

„Was fürwahr das ursprüngliche Behältnis des Urgrundes [?] hervorbringt, das nennen die Brahmanen fürwahr ‚den Unbehinderten' [Aniruddha]; und was in der Welt die gute, vedische Handlung ist, mit einem Segenswunsch verbunden, das ist fürwahr für ihn [den Puruṣa] zu genießen.“

Wort für Wort
yad vai sūte
was fürwahr hervorbringt (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
dhātur ādyaṃ nidhānaṃ
das ursprüngliche Behältnis des Urgrundes [?] (Gen.Sg./Akk.Sg.)
tad vai viprāḥ pravadante
das nennen fürwahr die Brahmanen (Akk.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
'niruddham
‚den Unbehinderten' (Akk.Sg., Beiname)
yad vai loke vaidikaṃ karma sādhu
was in der Welt die gute vedische Handlung [ist] (Nom.Sg.)
āśīryuktaṃ
mit einem Segenswunsch verbunden (Nom.Sg.)
tad dhi tasyopabhojyam
das ist fürwahr für ihn zu genießen (Nom.Sg./Gen.Sg.)

Die genaue Bedeutung von ‚dhātur ādyaṃ nidhānam' ist unsicher; hier als ursprüngliche Quelle/Behältnis des Urgrundes (Prakṛti/Pradhāna) gedeutet.

devāḥ sarve munayaḥ sādhu dāntās; taṃ prāg yajñair yajñabhāgaṃ yajante; ahaṃ brahmā ādya īśaḥ prajānāṃ; tasmāj jātas tvaṃ ca mattaḥ prasūtaḥ; matto jagaj jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca; sarve vedāḥ sarahasyā hi putra

„Alle Götter, die Weisen, gut beherrscht, verehren ihn zuerst mit Opfern als den Opferanteil. Ich bin Brahma, der ursprüngliche Herr der Geschöpfe, und du bist aus ihm geboren, aus mir entsprungen; aus mir [entstand] die bewegliche und die unbewegliche Welt, alle Veden mit ihren Geheimnissen, fürwahr, Sohn.“

Wort für Wort
devāḥ sarve munayaḥ sādhu dāntās
alle Götter, die Weisen, die gut beherrscht sind (Nom.Pl.)
taṃ prāg yajñair yajñabhāgaṃ yajante
verehren ihn zuerst mit Opfern als den Opferanteil (Akk./Instr./3.Pl.Präs.)
ahaṃ brahmā ādya īśaḥ prajānāṃ
ich bin Brahma, der ursprüngliche Herr der Geschöpfe (Nom.Sg./Gen.Pl.)
tasmāj jātas tvaṃ ca mattaḥ prasūtaḥ
und du bist aus ihm geboren, aus mir entsprungen (Nom.Sg./PPP/Abl.)
matto jagaj jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca
aus mir [entstand] die bewegliche und die unbewegliche Welt (Abl.Sg./Nom.Sg.)
sarve vedāḥ sarahasyā hi putra
alle Veden mit ihren Geheimnissen, fürwahr, Sohn (Nom.Pl./Vok.)

caturvibhaktaḥ puruṣaḥ sa krīḍati yathecchati; evaṃ sa eva bhagavāñ jñānena pratibodhitaḥ

„Der vierfach geteilte Puruṣa spielt, wie er will; so wird eben er, der Erhabene, durch Erkenntnis erkannt.“

Wort für Wort
caturvibhaktaḥ puruṣaḥ
der vierfach geteilte Puruṣa (Nom.Sg.)
sa krīḍati yathecchati
er spielt, wie er will (3.Sg.Präs.)
evaṃ sa eva bhagavāñ
so ist eben er, der Erhabene (Nom.Sg.)
jñānena pratibodhitaḥ
durch Erkenntnis erweckt/erkannt (Instr.Sg./PPP)

etat te kathitaṃ putra yathāvad anupṛcchataḥ; sāṃkhyajñāne tathā yoge yathāvad anuvarṇitam

„Dies ist dir, Sohn, der du gebührend gefragt hast, gesagt worden – im Sāṃkhya-Wissen sowie im Yoga gebührend dargestellt.“

Wort für Wort
etat te kathitaṃ putra
dies ist dir gesagt worden, Sohn (Nom.Sg./Dat./PPP/Vok.)
yathāvad anupṛcchataḥ
dir, der du gebührend gefragt hast (Gen.Sg./Part.Präs.)
sāṃkhyajñāne tathā yoge
im Sāṃkhya-Wissen sowie im Yoga (Lok.Sg.)
yathāvad anuvarṇitam
gebührend dargestellt (Adv./PPP)

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