Kapitel 201: prajāpatidevarṣidikkīrtanam
Verzeichnis der Prajāpatis, Götterscharen und Seher der Himmelsrichtungen
Yudhiṣṭhira fragt nach den Urherren der Geschöpfe und den Sehern der Himmelsrichtungen; Bhīṣma zählt Prajāpatis, Ādityas, Rudras, Vasus und die Seher der vier Richtungen auf und nennt den Lohn ihres Preisens.
yudhiṣṭhira uvāca; ke pūrvam āsan patayaḥ prajānāṃ bharatarṣabha; ke carṣayo mahābhāgā dikṣu pratyekaśaḥ smṛtāḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Wer waren einst die Herren der Geschöpfe, Stier der Bharata? Und welche hochheiligen Seher werden für die Himmelsrichtungen jeweils einzeln überliefert?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
ke pūrvam āsan
wer waren zuerst/einst (Nom.Pl./Adv./3.Pl.Impf.)
patayaḥ prajānām
Herren der Geschöpfe (Nom.Pl./Gen.Pl.)
bharatarṣabha
Stier der Bharata (Vok.Sg.)
ke ca ṛṣayaḥ mahābhāgāḥ
und welche Seher, hochheilige (Nom.Pl.)
dikṣu pratyekaśaḥ smṛtāḥ
in den Himmelsrichtungen einzeln überliefert (Lok.Pl./Adv./Part.Pass.Nom.Pl.)
bhīṣma uvāca; śrūyatāṃ bharataśreṣṭha yan mā tvaṃ paripṛcchasi; prajānāṃ patayo ye sma dikṣu pratyekaśaḥ smṛtāḥ
Bhīṣma sprach: „Vernimm, bester der Bharata, wonach du mich fragst: die Herren der Geschöpfe, die in den Himmelsrichtungen jeweils einzeln überliefert sind.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
śrūyatāṃ bharataśreṣṭha
es werde gehört, Bester der Bharata (3.Sg.Imp.Pass./Vok.Sg.)
yat mā tvam paripṛcchasi
was du mich fragst (Rel.Akk./Akk.Sg./2.Sg.Präs.)
prajānāṃ patayaḥ
die Herren der Geschöpfe (Gen.Pl./Nom.Pl.)
ye sma dikṣu
welche in den Himmelsrichtungen (Nom.Pl./Part./Lok.Pl.)
pratyekaśaḥ smṛtāḥ
einzeln überliefert (Adv./Part.Pass.Nom.Pl.)
Der Satz bleibt syntaktisch offen; das Verb der Aufzählung folgt in den nächsten Versen.
aṅgaś caivaurasaḥ śrīmān rājā bhaumaś ca vīryavān; sahasraṃ yaś ca divyānāṃ yugānāṃ paryupāsitā
Und Aṅga, [Marīcis?] leiblicher Sohn, der glückhafte König, erdgeboren [?] und heldenhaft; und der, der tausend göttliche Yugas hindurch [die Götter?] verehrt hat [?] ...
Wort für Wort
aṅgaḥ ca eva aurasaḥ
und Aṅga, der leibliche [Sohn] (Nom.Sg.)
śrīmān rājā
glückhaft, König (Nom.Sg.)
bhaumaḥ ca vīryavān
erdgeboren/zur Erde gehörig [?] und heldenhaft (Nom.Sg.)
sahasram yaḥ ca divyānāṃ yugānām
und der, [der] tausend göttlicher Yugas (Akk.Sg./Nom.Sg.Rel./Gen.Pl.)
paryupāsitā
verehrt hat [?] (Nomen agentis Nom.Sg.)
Text und Bezug unsicher (bhauma, paryupāsitā); der Satz ist syntaktisch nicht sauber abgeschlossen.
prajām ācakṣate viprāḥ paurāṇīṃ śāśabindavīm; sa vṛṣṇivaṃśaprabhavo mahān vaṃśaḥ prajāpateḥ
Als Nachkommenschaft bezeichnen die Brahmanen die altehrwürdige, die des Śaśabindu. Das ist der große Stamm des Prajāpati, der aus dem Vṛṣṇi-Geschlecht hervorgeht.
Wort für Wort
prajām ācakṣate viprāḥ
als Nachkommenschaft bezeichnen die Brahmanen (Akk.Sg./3.Pl.Med./Nom.Pl.)
paurāṇīm śāśabindavīm
die altehrwürdige, die des Śaśabindu (Akk.Sg.f.)
saḥ vṛṣṇi-vaṃśa-prabhavaḥ
diese aus dem Vṛṣṇi-Geschlecht hervorgehende (Nom.Sg.)
mahān vaṃśaḥ prajāpateḥ
[ist] der große Stamm des Prajāpati (Nom.Sg./Gen.Sg.)
śaśabindus tu rājarṣir mahāyogī mahāmanāḥ; adhyātmavit sahasrāṇāṃ bhāryāṇāṃ daśamadhyagaḥ; sa yogī yogam āpannas tataḥ sāyujyatāṃ gataḥ
Śaśabindu aber, der Königsseher, großer Yogin, hochgesinnt, das Selbst kennend, in der Mitte der zehntausend Gattinnen weilend: dieser Yogin, zum Yoga gelangt, ging danach in die Vereinigung [mit dem Göttlichen] ein.
Wort für Wort
śaśabinduḥ tu rājarṣiḥ
Śaśabindu aber, Königsseher (Nom.Sg.)
mahā-yogī mahā-manāḥ
großer Yogin, hochgesinnt (Nom.Sg.)
adhyātma-vit
das Selbst/Höchste kennend (Nom.Sg.)
sahasrāṇāṃ bhāryāṇāṃ daśa-madhya-gaḥ
inmitten von zehn Tausend Gattinnen weilend (Gen.Pl./Gen.Pl./Nom.Sg.)
saḥ yogī yogam āpannaḥ
dieser Yogin, zum Yoga gelangt (Nom.Sg./Akk.Sg./Part.Pass.)
tataḥ sāyujyatāṃ gataḥ
danach zur Vereinigung/Gemeinschaft gegangen (Adv./Akk.Sg.f./Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; daśamadhyagaḥ als „in der Mitte von zehn[tausend]“ gedeutet [?].
Diese elf sind als Rudras genannt, als Herren der drei Welten.
Wort für Wort
ekādaśa ete
elf diese (Nom.Pl.)
kathitāḥ rudrāḥ
genannt als Rudras (Part.Pass.Nom.Pl./Nom.Pl.)
tri-bhuvana-īśvarāḥ
Herren der drei Welten (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Aufzählung in 201.019 nennt elf Namen (Hara ... Aparājita) nur bei Mitzählung von Sureśvara und Sāvitra; Zählung unsicher.
dharo dhruvaś ca somaś ca āpaś caivānilo 'nalaḥ; pratyūṣaś ca mahābhāgaḥ sāvitraś cāṣṭamaḥ smṛtaḥ
Dhara, Dhruva und Soma, Āpas, Anila und Anala; Pratyūṣa, der hochheilige, und als achter gilt Sāvitra [?].
Wort für Wort
dharaḥ dhruvaḥ ca somaḥ ca
Dhara, Dhruva und Soma (Nom.Sg.)
āpaḥ ca eva anilaḥ analaḥ
Āpas, Anila, Anala (Nom.Sg./Nom.Pl.)
pratyūṣaḥ ca mahābhāgaḥ
und Pratyūṣa, der hochheilige (Nom.Sg.)
sāvitraḥ ca aṣṭamaḥ smṛtaḥ
und Sāvitra [gilt] als achter (Nom.Sg./Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Name Sāvitra steht schon in der Rudra-Liste; die übliche Vasu-Liste hat hier Prabhāsa.
Andere sind an Tugend und Gestalt erfreut, wieder andere [gehören] den Siddhas und Sādhyas; die Ṛbhus und die Maruts sind [ebenso] aufgeführte Scharen der Götter [?].
Wort für Wort
śīla-rūpa-ratāḥ tu anye
an Tugend und Gestalt erfreut, andere (Nom.Pl.)
tathā anye siddha-sādhyayoḥ
und andere von Siddhas und Sādhyas (Nom.Pl./Gen.Du.)
ṛbhavaḥ marutaḥ ca eva
Ṛbhus und Maruts (Nom.Pl.)
devānāṃ coditāḥ gaṇāḥ
der Götter genannte/angeführte Scharen [?] (Gen.Pl./Part.Pass.Nom.Pl./Nom.Pl.)
aśvinau tu matau śūdrau tapasy ugre samāhitau; smṛtās tv aṅgiraso devā brāhmaṇā iti niścayaḥ; ity etat sarvadevānāṃ cāturvarṇyaṃ prakīrtitam
Die beiden Aśvins aber gelten als Śūdras, in strenger Askese gesammelt; die Aṅgirasa-Götter sind als Brahmanen überliefert – so lautet die Festlegung. So ist die Vierständeordnung aller Götter verkündet.
Wort für Wort
aśvinau tu matau śūdrau
die beiden Aśvins aber gelten als Śūdras (Nom.Du./Part.Pass.Nom.Du.)
tapasi ugre samāhitau
in strenger Askese gesammelt (Lok.Sg./Part.Nom.Du.)
smṛtāḥ tu aṅgirasaḥ devāḥ
überliefert die Aṅgirasa-Götter (Part.Pass./Nom.Pl.)
brāhmaṇāḥ iti niścayaḥ
Brahmanen, so [lautet] die Festlegung (Nom.Pl./Nom.Sg.)
etān vai prātar utthāya devān yas tu prakīrtayet; svajād anyakṛtāc caiva sarvapāpāt pramucyate
Wer diese Götter am Morgen, nachdem er aufgestanden ist, preist, wird von jeder Sünde befreit, sowohl von der selbst begangenen [?] als auch von der von anderen begangenen.
Wort für Wort
etān vai prātaḥ utthāya
diese fürwahr, morgens aufgestanden (Akk.Pl./Ptk./Adv./Abs.)
devān yaḥ tu prakīrtayet
die Götter, wer preisen möge (Akk.Pl./Nom.Sg.Rel./3.Sg.Opt.)
sva-jāt anya-kṛtāt ca
von dem selbst Entstandenen [?] und von dem von anderen Getanen (Abl.Sg.)
sarva-pāpāt pramucyate
von aller Sünde wird er befreit (Abl.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)
yasyāṃ yasyāṃ diśi hy ete tāṃ diśaṃ śaraṇaṃ gataḥ; mucyate sarvapāpebhyaḥ svastimāṃś ca gṛhān vrajet
Wer in der Himmelsrichtung, in der diese jeweils [stehen], seine Zuflucht genommen hat, wird von allen Sünden befreit und möge wohlbehalten nach Hause gehen.
Wort für Wort
yasyām yasyām diśi hi ete
in welcher Richtung immer diese (Lok.Sg.f./Lok.Sg./Ptk./Nom.Pl.)
tām diśam śaraṇam gataḥ
zu dieser Richtung als Zuflucht gegangen (Akk.Sg./Akk.Sg.n./Part.Pass.Nom.Sg.)
mucyate sarva-pāpebhyaḥ
wird befreit von allen Sünden (3.Sg.Präs.Pass./Abl.Pl.)