Kapitel 241: guṇasṛṣṭi-kṣetrajña-yogavidhi
Die Guṇas, der Kṣetrajña und der Weg zur Ruhe des Wissenden
Vyāsa belehrt seinen Sohn über das Hervorbringen der Guṇas, das Verhältnis von Sattva und Kṣetrajña, die Erlösung durch Selbsterkenntnis und die Gelassenheit des Wissenden. Die lange Zusatzpassage nach 241.005 ist stark verderbt.
vyāsa uvāca; sṛjate tu guṇān sattvaṃ kṣetrajñas tv anutiṣṭhati; guṇān vikriyataḥ sarvān udāsīnavad īśvaraḥ
Vyāsa sprach: „Das Sattva bringt die Guṇas hervor, der Kṣetrajña aber folgt [ihnen] nach; alle Guṇas, die sich wandeln, [betrachtet] der Herr gleichsam gleichgültig.“
Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
sṛjate tu guṇān sattvam
es bringt hervor aber die Guṇas das Sattva (3.Sg.Med.Präs.; Akk.Pl.; Nom.Sg.)
kṣetrajñas tv anutiṣṭhati
der Kṣetrajña aber folgt nach / begleitet (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
guṇān vikriyataḥ sarvān
alle sich wandelnden Guṇas (Akk.Pl.; Part.Präs.Pass.)
svabhāvayuktaṃ tat sarvaṃ yad imān sṛjate guṇān; ūrṇanābhir yathā sūtraṃ sṛjate tantuvad guṇān
Das alles ist von [seiner] Eigennatur bestimmt, dass er diese Guṇas hervorbringt; wie die Spinne den Faden hervorbringt, [so bringt er] die Guṇas fadengleich [hervor].
Wort für Wort
svabhāvayuktaṃ tat sarvam
von Eigennatur bestimmt ist dies alles (Nom.Sg.n.)
yad imān sṛjate guṇān
dass er diese Guṇas hervorbringt (Konj.; Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
ūrṇanābhir yathā sūtram
wie die Spinne den Faden (Nom.Sg.; Akk.Sg.)
sṛjate tantuvad guṇān
bringt hervor, fadengleich, die Guṇas (3.Sg.Präs.; Adv.; Akk.Pl.)
Der siegreiche, himmlische Wagen wird in der Brahmawelt verehrt. Dann, wenn er [ihn] rasch erreicht hat, [gilt] für den, der so den Wagen anschirren will, [für den,] der zum Unvergänglichen zu gehen gesonnen ist: Ich will die schnell ans Ziel führende Methode nennen. [Es folgt eine stark verderbte Stelle:] „Die Sieben-Yodhāyana [?], ganz, oder von anderswoher erlangt er [?]; hinten und seitlich andere, so viele es infolge ihrer Ausdehnung sind [?].“ Der Reihe nach das Irdische, das Windhafte, der Äther und das Wasser; die Herrschaft des Lichts, des Ichbewusstseins, [und] von der Buddhi her; die Herrschaft des Unmanifesten, die er der Reihe nach erlangt; [ihr Manifestes(?), das diese sind,] so [für den], der durch Yoga Geübten [?]; so für diesen, der dem Dasein zugewandt [?] in sich selbst die Methode schaut. Beim Herausgequirltwerden [?] möge das feine Selbst diese Gestalten zeigen: Wie der winterliche Nebel [Rauch] sich an den feinen Himmel anlehnt, so ist auch dies die erste Gestalt für den vom Körper Befreiten. Wenn dann der Rauch verschwindet, folgt die zweite Gestaltschau: Einen wasserförmigen gleichsam Raum sieht er eben dort im Selbst. Und wenn er darüber hinausgeht, leuchtet eine andere, feuergestaltige [Erscheinung] auf. Ist diese verschwunden, dann leuchtet für ihn dort auch das feine Windhafte als Gestalt auf, gleichsam gelbfarben, auch der Ungeborene. Ist diese verschwunden, leuchtet die Gestalt des Raumes auf: [Man hat] zu erschließen, dass jene seine Gestalt farbgleich aufleuchtet. Ist diese verschwunden, leuchtet für ihn die Gestalt der Buddhi auf, ganz weiß, des Geistes vollkommen, im Unmanifesten, des Brahmanen. Wenn auch diese hier entstanden sind, höre von mir die entstehenden Früchte: Für den Entstandenen mit irdischen Herrschaften wird diese Schöpfung angeordnet; wie Prajāpati, unerschütterlich, bringt er aus dem Körper Geschöpfe hervor. Der Farbe nach wird [er] in den Wassern erfasst [?], und dieser trinkt nicht die Behälter/Wünsche [?]. [Der Satz „snācāsya tejasā rūpaṃ dahyate śāmyate tathā“ ist verderbt:] durch dessen Glut wird die Gestalt verbrannt und so gelöscht [?]; durch bloßen Finger und Daumen, wie beim Zerreißen eines Gewandes [?]. Diese erschüttern die Erde; wegen des Schwindens der Guṇas, so ist überliefert. Zum Raum geworden, wird er im Raum nicht gesehen, [wegen goldener Farbigkeit(?)]. Beim Sieg über das Ichbewusstsein wären jene fünf [ihm] gehorsam; [von den] sechsen, im Selbst, in der Buddhi aber, vermag [es?] fürwahr [?]. Aus Fehlerlosem entstanden, entfaltet sich diese ganze [Schöpfung]; ebenso gelangt das Manifeste zum Selbst, [nämlich] zum Unmanifesten, woraus die Welt hervorgeht [und] „Manifestes“ genannt wird. Dazu höre du ausführlich die „nahe-bestehende“ Darlegung [?], und ebenso vernimm von mir zuerst die aus dem Manifesten bestehende Darlegung: Die fünfundzwanzig Prinzipien sind auf beiden Seiten gleich, in gleichem Maß, im Yoga wie im Sāṃkhya; die Unterschiede dabei höre von mir. Gesagt ist: „Dies ist sinnlos“ [?], was entsteht und besteht, lebt und stirbt, mit vier Merkmalen verbunden. Das Gegenteil davon wird „unmanifest“ genannt. Zwei „sündhafte Selbste“ [?] sind unter den Göttern und auch in den Lehrschlüssen genannt; das Wesen mit vier Merkmalen, das man „Vierergruppe“ nennt: das Manifeste, das aus dem Unmanifesten Geborene, ebenso die Buddhi und das andere. Sattva und Kṣetrajña: dieses Paar ist die Anschauung des Unmanifesten. Zwei Selbste glänzen unter den Göttern und in den Sinnesobjekten. Das Zurückziehen von den Objekten, die Weltgemeinschaft [sālokya], ist das Merkmal der Vollendung: ohne Mein, ohne Ichheit, frei von den Gegensätzen, den Zweifel zerschnitten; er zürnt nicht, hasst nicht; nicht Selbstheit [?] wird der Rede zuteil [?]. Beschimpft und geschlagen sinnt er Freundliches, nicht Übles; der Zurückhalter der drei Zügelungen von Rede, Geist und Körper, gleich gegenüber allen Wesen, überschreitet er Brahmā [bzw. das Brahman]. Er wünscht nicht und ist auch nicht unwillig, beim bloßen Lebensunterhalt verharrend; nicht gierig, ferner bezwungen, weder Gestalt noch gestaltlos; nicht sind seine Sinne, sein Geist, Lebensatem und Verständnisse Zeugen von allem [?].
Wort für Wort
jayayukto ratho divyo brahmaloke mahīyate
siegverbunden, der Wagen, himmlisch (Nom.Sg.m.); in der Brahmawelt wird er verehrt (Lok.Sg.; 3.Sg.Pass.)
atha satvaram āsādya ratham evaṃ yuyuṅkṣataḥ
dann rasch erreicht habend (Adv.; Abs.); für den, der so den Wagen anschirren will (Akk.; Gen.Sg. Part.Des.)
akṣaraṃ gantumanaso vidhiṃ vakṣyāmi śīghragam
zum Unvergänglichen gehen wollenden Sinnes (Akk.; Gen.Sg., Bahuvrīhi); die Methode will ich nennen, schnellgehende (Akk.Sg.; 1.Sg.Fut.; Akk.Sg.)
verderbt: Sieben-Yodhāyana [?], ganz, oder von anderswoher erlangt er (3.Sg.Präs.); hinten und seitlich andere, so viele durch ihre Ausdehnung [?] (Adv.; Nom.Pl.f.; Abl.)
kramaśaḥ pārthivaṃ yac ca vāyavyaṃ khaṃ tathā payaḥ jyotiṣo yat tad aiśvaryam ahaṃkārasya buddhitaḥ
der Reihe nach das Irdische, das Windhafte, Äther, ebenso Wasser (Adv.; Nom./Akk.n.); die Herrschaft des Lichts, des Ichbewusstseins, von der Buddhi her (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.; Abl.)
die Herrschaft des Unmanifesten, die er der Reihe nach erlangt (Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.); verderbt: dessen Manifestes(?) diese sind, so durch den Geübten, durch Yoga [?] (Instr.; Abl.)
so für diesen, dem Dasein zugewandt [?], der im Selbst die Methode schaut (Gen.Sg.; Lok.; Part.Präs.); beim Herausgequirltwerden [?] möge das feine Selbst diese Gestalten zeigen (Part.Pass.; Nom.Sg.; Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
śaiśiras tu yathā dhūmaḥ sūkṣmaṃ saṃśrayate nabhaḥ tathā dehād vimuktasya pūrvarūpaṃ tad apy uta
wie winterlicher Rauch sich an den feinen Himmel anlehnt (Nom.Sg.; Akk.; 3.Sg.Präs.); so ist auch dies die frühere Gestalt des vom Körper Befreiten (Abl.; Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
dann beim Aufhören des Rauches die zweite Gestaltschau (Gen.; Lok.; Nom.Sg.n.); wasserförmig gleichsam den Raum sieht er eben dort im Selbst (Akk.; Lok.; 3.Sg.Präs.)
und wenn er darüber hinausgeht, leuchtet eine andere, feuergestaltige [Erscheinung] auf (3.Sg.Opt.; 3.Sg.Präs.); ist diese verschwunden, dann auch für ihn das feine Windhafte (Lok.abs. Part.Perf.; Gen.; Nom.n.)
Gestalt leuchtet dort auf, gleichsam gelbfarben, auch der Ungeborene (3.Sg.Präs.; Adv.; Nom.Sg.); ist diese verschwunden, leuchtet die Gestalt des Raums auf (Lok.abs.; Gen.Sg.)
zu erschließen: jene seine farbgleiche Gestalt leuchtet auf (Gerundiv f.; Nom.Sg.n.); ist diese verschwunden, leuchtet für ihn die Gestalt der Buddhi auf (Lok.abs.; Nom.Sg.n.)
suśuklaṃ cetasaḥ samyag avyakte brāhmaṇasya vai eteṣv apīha jāteṣu phalajātāni me śṛṇu
sehr weiß, des Geistes vollkommen, im Unmanifesten, des Brahmanen fürwahr (Nom.n.; Gen.; Lok.; Gen.); auch wenn diese hier entstanden sind, höre von mir die entstandenen Früchte (Lok.abs.; Akk.Pl.; Imp.)
für den Entstandenen mit irdischen Herrschaften wird diese Schöpfung angeordnet (Gen.; Instr.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.); wie Prajāpati unerschütterlich aus dem Körper bringt er Geschöpfe hervor (Nom.; Abl.; 3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
der Farbe nach wird [er] in den Wassern ergriffen [?], und dieser trinkt nicht die Behälter/Wünsche [?] (Abl.; 3.Sg.Pass.; Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.); verderbt: durch dessen Glut wird die Gestalt verbrannt und so gelöscht [?] (Instr.; 3.Sg.Pass.; 3.Sg.Präs.)
verderbt: durch bloß Finger und Daumen, wie beim Zerreißen eines Gewandes [?] (Instr.); die Erde erschüttern diese, wegen des Schwindens der Guṇas, so ist überliefert (Akk.; 3.Pl.Kaus.; Abl.; Part.Pass.)
ākāśabhūtaś cākāśe svarṇastvān na ca dṛśyate ahaṃkārasya vijaye pañca te syur vaśānugāḥ
zum Raum geworden im Raum, wegen ‚goldener Art‘ [?] wird er nicht gesehen (Nom.; Lok.; 3.Sg.Pass.); beim Sieg über das Ichbewusstsein wären jene fünf gehorsam (Gen.; Lok.; 3.Pl.Opt.; Nom.Pl.)
ṣaṇṇām ātmani buddhau tu nitāyaṃ prabhavaty uta nirdoṣaprabhavā hy eṣā kṛtsnā samabhivartate
verderbt: der sechs, im Selbst, in der Buddhi aber, ... vermag [?] (Gen.Pl.; Lok.; 3.Sg.Präs.); aus Fehlerlosem entstanden entfaltet sich diese ganze (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
tathaiva vyaktam ātmānam avyaktaṃ pratipadyate yato niḥsarate loko bhavati vyaktasaṃjñakaḥ
ebenso gelangt das Manifeste zum Selbst, zum Unmanifesten (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.); woraus die Welt hervorgeht, wird sie „manifest“ genannt (Abl.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
tatrāsannamayīṃ vyākhyāṃ śṛṇu tvaṃ vistareṇa vai tathā vyaktamayīṃ caiva vyākhyāṃ pūrvaṃ nibodha me
dazu höre du die „nahe-bestehende“ [?] Darlegung ausführlich (Akk.Sg.f.; Imp.; Instr.); und ebenso die aus dem Manifesten bestehende Darlegung vernimm zuerst von mir (Akk.Sg.f.; Imp.)
pañcaviṃśatitattvāni tulyāny ubhayataḥ samam yoge sāṃkhye 'pi ca tathā viśeṣāṃs tatra me śṛṇu
die fünfundzwanzig Prinzipien sind gleich auf beiden Seiten, in gleichem Maß (Nom.Pl.n.; Adv.); im Yoga wie im Sāṃkhya; die Unterschiede dabei höre von mir (Lok.; Akk.Pl.; Imp.)
proktaṃ tad vyartham ity eva jāyate vartate ca yat jīvate mriyate caiva caturbhir lakṣaṇair yutam
gesagt ist: „Dies ist sinnlos“ [?]; was entsteht und besteht (Part.Pass.; Adj.; 3.Sg.Präs.); lebt und stirbt, mit vier Merkmalen verbunden (3.Sg.Präs.; Instr.Pl.; Part.Pass.)
viparītam ato yat tad avyaktaṃ samudāhṛtam pāpātmānau ca deveṣu siddhānteṣv apy udāhṛtau
das Gegenteil davon, das wird „unmanifest“ genannt (Nom.n.; Part.Pass.); zwei „sündhafte Selbste“ [?] unter den Göttern und in den Lehrschlüssen ebenfalls genannt (Nom.Du.; Lok.Pl.; Part.Pass.)
das Wesen mit vier Merkmalen, das man „Vierergruppe“ nennt (Nom.Sg.; 3.Pl.Med.Präs.); das Manifeste, das aus dem Unmanifesten Geborene, ebenso die Buddhi und das andere (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.f.)
sattvaṃ kṣetrajña ity etad dvayam avyaktadarśanam dvāv ātmānau ca deveṣu viṣayeṣu ca rājataḥ
Sattva und Kṣetrajña: dieses Paar ist die Anschauung des Unmanifesten (Nom.Sg.n.); zwei Selbste glänzen unter den Göttern und in den Sinnesobjekten (Nom.Du.; Lok.Pl.; 3.Du.Präs.)
Zurückziehung von den Objekten, Weltgemeinschaft, Merkmal der Vollendung (Akk.Pl.; Nom.Sg.; Nom.Sg.n.); ohne Mein, ohne Ichheit, frei von Gegensätzen, Zweifel zerschnitten (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
er zürnt nicht, hasst nicht; nicht Selbstheit [?] wird der Rede zuteil [?] (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.f.; Gen./Abl.Sg.); beschimpft und auch geschlagen sinnt er Freundliches, nicht Übles (Part.Pass.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
vāṅmanaḥkāyadaṇḍānāṃ trayāṇāṃ ca nivartakam samaḥ sarveṣu bhūteṣu brahmāṇam ativartate
der Zurückhalter der drei Zügelungen von Rede, Geist und Körper (Gen.Pl.; Nom.Sg.); gleich unter allen Wesen überschreitet er Brahmā [bzw. das Brahman] (Nom.; Lok.Pl.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
naivecchati na cānicchan yātrāmātravyavasthitaḥ alolupo 'py atho dānto nākṛtir na nirākṛtiḥ
er wünscht nicht und ist nicht unwillig, beim bloßen Lebensunterhalt verharrend (3.Sg.Präs.; Part.Präs.; Nom.Sg.); nicht gierig, ferner bezwungen, weder Gestalt noch gestaltlos (Nom.Sg.)
nāsyendriyamanaḥprāṇabuddhayaḥ sarvasākṣiṇaḥ
nicht sind seine Sinne, Geist, Lebensatem, Verständnisse Zeugen von allem [?] (Gen.Sg.; Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr lange, in der Überlieferung stark verderbte Zusatzpassage (einzelne Stellen sind im Text selbst mit „sic“ markiert); viele Wiedergaben sind unsicher und als [?] gekennzeichnet.
hat man so den festen Herzensknoten, der aus Verstandesgrübeln besteht, überwunden, so möge man glücklich dasitzen, ohne Kummer, den Zweifel zerschnitten.
Wort für Wort
ity evaṃ hṛdayagranthiṃ
so den Herzensknoten (Adv.; Akk.Sg.)
buddhicintāmayaṃ dṛḍham
aus Verstandesgrübeln bestehend, fest (Akk.Sg.m.)
atītya sukham āsīta
überwunden habend, glücklich möge man sitzen (Abs.; Adv.; 3.Sg.Opt.Med.)
aśocaṃś chinnasaṃśayaḥ
nicht trauernd, mit zerschnittenem Zweifel (Part.Präs.; Nom.Sg., Bahuvrīhi)
Wie Menschen, die vom festen Boden abgekommen sind, sich in einem vollen Fluss abquälen würden, so sind die untergetauchten Unwissenden; wisse, dass diese Welt ebenso ist.
Wort für Wort
tapyeyuḥ pracyutāḥ pṛthvyā
sie würden sich quälen, herabgefallen von der Erde [dem festen Boden] (3.Pl.Opt.Med.; Nom.Pl. Part.Perf.; Abl.)
yathā pūrṇāṃ nadīṃ narāḥ
wie in einem vollen Fluss Menschen (Adv.; Akk.Sg.f.; Nom.Pl.)
avagāḍhā hy avidvāṃso
untergetaucht ja die Unwissenden (Part.Perf.; Nom.Pl.)
na tu tāmyati vai vidvān sthale carati tattvavit; evaṃ yo vindate ''tmānaṃ kevalaṃ jñānam ātmanaḥ
Der Wissende aber quält sich nicht; der Wahrheitskenner geht auf festem Boden. So [ist es] bei dem, der sich das Selbst erwirbt, das alleinige Wissen des Selbst.
Wort für Wort
na tu tāmyati vai vidvān
nicht aber quält sich der Wissende (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
sthale carati tattvavit
auf festem Land geht der Wahrheitskenner (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
evaṃ yo vindate ’tmānaṃ
so [ist es bei dem], der das Selbst findet (Adv.; Rel.; 3.Sg.Med.Präs.; Akk.Sg.)
kevalaṃ jñānam ātmanaḥ
das alleinige Wissen des Selbst (Akk.Sg.n.; Gen.Sg.)
Der zweite Halbvers ist knapp und nicht ganz eindeutig; kevalaṃ jñānam ātmanaḥ ist hier als Apposition zu ātmānam aufgefasst.
etad vai janmasāmarthyaṃ brāhmaṇasya viśeṣataḥ; ātmajñānaṃ śamaś caiva paryāptaṃ tatparāyaṇam
Dies fürwahr ist die Leistungsfähigkeit der Geburt, besonders des Brahmanen: Selbsterkenntnis und Ruhe; genügend ist [das], wenn man darauf ausgerichtet ist.
Wort für Wort
etad vai janmasāmarthyaṃ
dies fürwahr ist die Leistungsfähigkeit der Geburt (Nom.Sg.n.)
Hat man dies erkannt, wäre man ein Erwachter; was wäre sonst das Merkmal eines Erwachten? Haben die Weisen dies erkannt, werden sie befreit, ihr Werk vollbracht.
Wort für Wort
etad buddhvā bhaved buddhaḥ
dies erkannt habend, wäre man ein Erwachter (Abs.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.)
kim anyad buddhalakṣaṇam
was anderes [wäre] das Merkmal eines Erwachten (Interr.; Nom.Sg.n.)
vijñāyaitad vimucyante
dies erkannt habend, werden sie befreit (Abs.; 3.Pl.Pass.)
na bhavati viduṣāṃ mahad bhayaṃ; yad aviduṣāṃ sumahad bhayaṃ bhavet; na hi gatir adhikāsti kasya cid; bhavati hi yā viduṣaḥ sanātanī
Den Wissenden entsteht keine große Furcht, die für die Unwissenden sehr groß sein mag; denn es gibt für niemanden ein höheres Ziel als jenes, das dem Wissenden zuteil ist, das ewige.
Wort für Wort
na bhavati viduṣāṃ mahad bhayam
nicht entsteht den Wissenden große Furcht (3.Sg.Präs.; Gen.Pl./Dat.-Sinn; Nom.Sg.n.)
yad aviduṣāṃ sumahad bhayaṃ bhavet
die für die Unwissenden sehr große Furcht sein mag (Rel.; 3.Sg.Opt.)
na hi gatir adhikāsti kasya cit
denn kein höheres Ziel gibt es für irgendjemanden (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
bhavati hi yā viduṣaḥ sanātanī
das nämlich, welches dem Wissenden zuteil wird, das ewige (Rel.Nom.Sg.f.; Gen.Sg.; Adj.)
lokamāturam asūyate janas; tat tad eva ca nirīkṣya śocate; tatra paśya kuśalān aśocato; ye vidus tad ubhayaṃ kṛtākṛtam
Die Menschen tadeln die leidende Welt, und indem sie dies und jenes ansehen, trauern sie. Sieh da die Klugen, die nicht trauern, die jenes beides, das Getane und das Nichtgetane, kennen.
Wort für Wort
lokam āturam asūyate janaḥ
die leidende Welt tadeln die Menschen (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg. kollektiv)
tat tad eva ca nirīkṣya śocate
und eben dies und jenes ansehend, trauert er (Abs.; 3.Sg.Präs.)
tatra paśya kuśalān aśocataḥ
dabei sieh die Klugen, die nicht Trauernden (Imp.; Akk.Pl.; Part.Präs.)
ye vidus tad ubhayaṃ kṛtākṛtam
die jenes beides kennen, Getanes und Nichtgetanes (Rel.; 3.Pl.Perf.; Akk.)
lokam āturam asūyate: asūyate mit Akk. ist hier als „tadeln, missgönnen“ gefasst; die Deutung ist nicht ganz sicher.
yat karoty anabhisaṃdhipūrvakaṃ; tac ca nirṇudati yat purā kṛtam; na priyaṃ tad ubhayaṃ na cāpriyaṃ; tasya taj janayatīha kurvataḥ
Was er ohne vorherige Absicht tut, das vertreibt auch das, was früher getan wurde; jenes beides ist weder lieb noch unlieb; das bringt ihm, der hier handelt, [nur] hervor [?].
Wort für Wort
yat karoty anabhisaṃdhipūrvakam
was er tut ohne vorherige Absicht (Rel.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
tac ca nirṇudati yat purā kṛtam
das vertreibt auch, was früher getan wurde (3.Sg.Präs.; Part.Pass.)
na priyaṃ tad ubhayaṃ na cāpriyam
jenes beides ist weder lieb noch unlieb (Nom.Sg.n.)
tasya taj janayatīha kurvataḥ
ihm bringt das hier hervor, dem Handelnden [?] (Gen.; 3.Sg.Kaus.; Gen.Sg. Part.Präs.)
Der Schluss des Verses ist knapp; das Objekt von janayati bleibt unausgesprochen, sodass die Deutung unsicher ist.