Kapitel 226: brāhmaṇadharma-dānapraśaṃsā
Pflichten des Brahmanen, die Lebensstadien und das Lob des Gebens
Vyāsa legt die Pflichten des Brahmanen dar: Studium, Heimkehr, Lebensstadien mit dem Hausherrn als Wurzel, rechtes Annehmen und Weitergeben von Besitz. Es folgt eine Reihe von Beispielen großer Könige und Seher, die durch Gaben den Himmel erlangten.
vyāsa uvāca; bhūtagrāme niyuktaṃ yat tad etat kīrtitaṃ mayā; brāhmaṇasya tu yat kṛtyaṃ tat te vakṣyāmi pṛcchate
Vyāsa sprach: „Was dem Kreis der Wesen aufgetragen ist, das ist von mir dargelegt worden; was aber die Pflicht des Brahmanen ist, das werde ich dir, dem Fragenden, sagen.“
Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
bhūtagrāme niyuktaṃ yat
was im Kreis der Wesen aufgetragen ist (Lok.Sg.; Part.Pass.)
tad etat kīrtitaṃ mayā
das ist dargelegt von mir (Nom.Sg.n.; Instr.Sg.)
brāhmaṇasya tu yat kṛtyaṃ
was aber des Brahmanen zu Tuendes ist (Gen.Sg.; Gerundiv)
tat te vakṣyāmi pṛcchate
das werde ich dir, dem Fragenden, sagen (1.Sg.Fut.; Dat.Sg.; Part.Präs.Dat.)
jātakarmaprabhṛty asya karmaṇāṃ dakṣiṇāvatām; kriyā syād ā samāvṛtter ācārye vedapārage
Von den Geburtsriten an soll für ihn die Vollziehung der Riten samt Opfergaben [erfolgen] bis zur Heimkehr [vom Studium], beim Lehrer, der die Veden bis ans Ende durchdrungen hat.
Wort für Wort
jātakarmaprabhṛty asya
von den Geburtsriten an, für ihn (Kompositum; Gen.Sg.)
karmaṇāṃ dakṣiṇāvatām
der Riten mit Opfergaben (Gen.Pl.)
kriyā syād
die Vollziehung soll sein (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
ā samāvṛtteḥ
bis zur Heimkehr (Abl.Sg.)
ācārye vedapārage
beim Lehrer, der die Veden bis ans Ende beherrscht (Lok.Sg.; Kompositum)
Nachdem er alle Veden vollständig gelernt hat, dem Dienst am Lehrer ergeben, soll er, den Lehrern gegenüber schuldenfrei geworden, heimkehren, der Opferkundige.
Wort für Wort
adhītya vedān akhilān
gelernt habend die Veden, vollständig (Abs.; Akk.Pl.)
guruśuśrūṣaṇe rataḥ
am Dienst am Lehrer erfreut/ergeben (Lok.Sg.; Nom.Sg.)
gurūṇām anṛṇo bhūtvā
den Lehrern gegenüber schuldenfrei geworden (Gen.Pl.; Nom.Sg.; Abs.)
samāvarteta yajñavit
soll heimkehren, der Opferkundige (3.Sg.Opt.Med.; Nom.Sg.)
Durch Nachkommenzeugung und Ehefrauen, oder wiederum durch Brahmacarya; im Wald oder in der Nähe des Lehrers, oder wiederum durch die Pflicht des Asketen [soll er es befolgen].
Wort für Wort
prajāsargeṇa dāraiś ca
durch Nachkommenzeugung und durch Ehefrauen (Instr.Sg.; Instr.Pl.)
brahmacaryeṇa vā punaḥ
oder wiederum durch Keuschheits-/Schülerstand (Instr.Sg.)
vane gurusakāśe vā
im Wald oder in Nähe des Lehrers (Lok.Sg.)
yatidharmeṇa vā punaḥ
oder wiederum durch die Asketenpflicht (Instr.Sg.)
Wer Nachkommen hat, vedakundig ist, opfert, von den drei göttlichen Schulden befreit ist – der geht danach, durch Handlungen gereinigt, in die anderen Lebensstadien.
Wort für Wort
prajāvāñ śrotriyo yajvā
der Nachkommen hat, Vedakundiger, Opferer (Nom.Sg.)
mukto divyais tribhir ṛṇaiḥ
befreit von den drei göttlichen Schulden (Part.Pass.; Instr.Pl.)
athānyān āśramān paścāt
dann in die anderen Lebensstadien danach (Akk.Pl.; Adv.)
pūto gacchati karmabhiḥ
gereinigt geht er durch Handlungen (Part.Pass.; 3.Sg.Präs.; Instr.Pl.)
Wenn ihm großer Reichtum von einem, für den er opfert, von einem Schüler oder durch eine Tochter [Brautgabe] zukommt, soll er opfern und geben; keinesfalls soll er allein davon essen.
Wort für Wort
yājyataḥ śiṣyato vāpi
von einem Opferauftraggeber oder von einem Schüler (Abl.-Adv.)
kanyayā vā dhanaṃ mahat
oder durch eine Tochter, Reichtum, großen (Instr.Sg.; Nom.Sg.n.)
yady āgacched
wenn er kommt (3.Sg.Opt.)
yajed dadyān
soll er opfern, soll er geben (3.Sg.Opt.)
naiko 'śnīyāt kathaṃ cana
nicht allein soll er essen, keinesfalls (3.Sg.Opt.)
gṛham āvasato hy asya nānyat tīrthaṃ pratigrahāt; devarṣipitṛgurvarthaṃ vṛddhāturabubhukṣatām
Für den, der ein Haus bewohnt, gibt es keine andere Heilstätte als das Annehmen [von Gaben] – [um] der Götter, Seher, Ahnen und Lehrer willen, [und] für die Alten, Kranken und Hungrigen.
Wort für Wort
gṛham āvasato hy asya
denn für diesen, der ein Haus bewohnt (Part.Präs.Gen.Sg.)
nānyat tīrthaṃ pratigrahāt
kein anderes Heiligtum/Mittel als das Annehmen (Nom.Sg.n.; Abl.Sg.)
devarṣipitṛgurvarthaṃ
um der Götter, Seher, Ahnen, Lehrer willen (Kompositum, Adv.)
vṛddhāturabubhukṣatām
der Alten, Kranken, Hungrigen (Gen.Pl.; Kompositum)
Text elliptisch; ‚tīrtha‘ hier als Mittel/Weg; Ergänzung ‚[zu geben]‘ ist sinngemäß erschlossen [?].
antarhitābhitaptānāṃ yathāśakti bubhūṣatām; dravyāṇām atiśaktyāpi deyam eṣāṃ kṛtād api
Für die Verborgenen, Gequälten, die nach Kräften auf Gedeihen bedacht sind: von den Gütern ist diesen auch über das eigene Vermögen hinaus zu geben, selbst von dem Erworbenen [?].
Wort für Wort
antarhitābhitaptānāṃ
der Verborgenen [= verschämt Bedürftigen?] und Gequälten (Gen.Pl.)
yathāśakti bubhūṣatām
nach Kräften, der nach Gedeihen Strebenden (Adv.; Gen.Pl. Desid.)
dravyāṇām atiśaktyāpi
von den Gütern, auch über das Vermögen hinaus (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
deyam eṣāṃ kṛtād api
zu geben ist diesen, selbst von dem Erworbenen (Gerundiv; Gen.Pl.; Abl.Sg.)
Verse 14 syntaktisch und lexikalisch unsicher (‚antarhita‘, ‚kṛtāt‘).
Und Kāvya, der Wahrhaftige, der große Gelübde Haltende, ging, nachdem er ihn besänftigt hatte, indem er mit seinen eigenen Lebenshauchen die Lebenshauche des Brahmanen rettete, zum Himmel.
Wort für Wort
anunīya tathā kāvyaḥ
nachdem er ihn besänftigt hatte, und so Kāvya (Abs.; Nom.Sg.)
satyasaṃdho mahāvrataḥ
der Wahrhaftige, der Großgelobende (Nom.Sg.)
svaiḥ prāṇair brāhmaṇaprāṇān
mit seinen Lebenshauchen die des Brahmanen (Instr.Pl.; Akk.Pl.)
paritrāya divaṃ gataḥ
gerettet habend, zum Himmel gegangen (Abs.; Akk.Sg.; Part.Pass.)
Devāvṛdha aber stieg samt seinem Reich zum Himmel empor, nachdem er einen göttlichen, goldenen, überaus prächtigen Schirm mit glänzend glatten Stäben gegeben hatte.
Wort für Wort
divyaṃ mṛṣṭaśalākaṃ tu
einen göttlichen, mit glatten Stäben versehenen (Akk.Sg.n.)
Und Sāṃkṛti und ebenso Ātreya gingen, nachdem sie den Schülern das eigenschaftslose Brahman gelehrt hatten, die Hochglänzenden, in unübertroffene Welten.
Wort für Wort
sāṃkṛtiś ca tathātreyaḥ
und Sāṃkṛti und ebenso Ātreya (Nom.Sg.)
śiṣyebhyo brahma nirguṇam
den Schülern das Brahman, eigenschaftslos (Dat.Pl.; Akk.Sg.)
upadiśya mahātejā
gelehrt habend, der Hochglänzende (Abs.; Nom.Sg.)
gato lokān anuttamān
ging in unübertroffene Welten (Part.Pass.; Akk.Pl.)
Vṛṣādarbha [gab] alle Kleinodien, Yuvanāśva geliebte Frauen und ein liebliches Haus; nachdem sie gegeben hatten, gelangten sie in jene [jenseitige] Welt.
Wort für Wort
sarvaratnaṃ vṛṣādarbho
alle Kleinodien, Vṛṣādarbha (Akk.Sg.; Nom.Sg.)
yuvanāśvaḥ priyāḥ striyaḥ
Yuvanāśva, geliebte Frauen (Nom.Sg.; Akk.Pl.)
ramyam āvasathaṃ caiva
und ein liebliches Haus (Akk.Sg.)
dattvāmuṃ lokam āsthitaḥ
gegeben habend, jene Welt erreicht (Abs.; Akk.Sg.; Part.Pass.)
Und Brahmadatta, der Pāñcāla-König, der Beste unter den Klugen, gab den vortrefflichsten Zweimalgeborenen den Schatz Śaṅkha und erlangte [dadurch] Welten.
Wort für Wort
brahmadattaś ca pāñcālyo
und Brahmadatta, der Pāñcāla (Nom.Sg.)
rājā buddhimatāṃ varaḥ
König, der Beste der Klugen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
nidhiṃ śaṅkhaṃ dvijāgryebhyo
den Schatz Śaṅkha den besten Zweimalgeborenen (Akk.Sg.; Dat.Pl.)
dattvā lokān avāptavān
gegeben habend, Welten erlangte er (Abs.; Akk.Pl.; Part.Perf.Akt.)
Und der Königsseher Madirāśva ging, nachdem er dem Hiraṇyahasta [seine] schlanktaillige Tochter gegeben hatte, in die von den Göttern gepriesenen Welten.
Wort für Wort
madirāśvaś ca rājarṣir
und Madirāśva, der Königsseher (Nom.Sg.)
dattvā kanyāṃ sumadhyamām
gegeben habend die Tochter, die Schönhüftige (Abs.; Akk.Sg.)
hiraṇyahastāya gato
dem Hiraṇyahasta; ging (Dat.Sg.; Part.Pass.)
lokān devair abhiṣṭutān
in die Welten, von Göttern gepriesen (Akk.Pl.; Instr.Pl.)