Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 111: durgātitaraṇa Wer die Unwegsamkeiten überwindet: Lebensweisen und Hingabe an Nārāyaṇa

Yudhiṣṭhira fragt nach dem Mittel, die Bedrängnisse und Unwegsamkeiten des Daseins zu überwinden. Bhīṣma antwortet mit einer langen Reihung von Verhaltensweisen, jeweils mit dem Refrain „sie überwinden die Unwegsamkeiten“, und schließt mit der Hingabe an Nārāyaṇa-Kṛṣṇa.

yudhiṣṭhira uvāca; kliśyamāneṣu bhūteṣu tais tair bhāvais tatas tataḥ; durgāṇy atitared yena tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Da die Wesen durch dieses und jenes Ergehen hier und dort bedrängt werden: Sage mir, Großvater, wodurch man die Unwegsamkeiten überwinden kann.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kliśyamāneṣu bhūteṣu
unter den bedrängten Wesen (Lok. Pl., Part. Pass.)
tais tair bhāvais tatas tataḥ
durch jene und jene Zustände, von da und da (Instr. Pl.; Adv.)
durgāṇy atitaret
man möge die Unwegsamkeiten überwinden (Akk. Pl.; Opt. 3.Sg.)
yena
wodurch (Instr. Sg. n., Relativ)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp. 2.Sg.; Vok.)

bhīṣma uvāca; āśrameṣu yathokteṣu yathoktaṃ ye dvijātayaḥ; vartante saṃyatātmāno durgāṇy atitaranti te

Bhīṣma sprach: „Die Zweimalgeborenen, die in den Lebensstufen, wie sie gelehrt sind, so wie es gelehrt ist, mit gezügeltem Selbst verweilen, überwinden die Unwegsamkeiten.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
āśrameṣu yathokteṣu
in den Lebensstufen, wie sie gelehrt sind (Lok. Pl.)
yathoktaṃ ye dvijātayaḥ
wie gelehrt, welche Zweimalgeborenen (Adv.; Nom. Pl.)
vartante saṃyatātmānaḥ
verweilen, mit gezügeltem Selbst (3.Pl. Med.; Nom. Pl., Bahuvrīhi)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (Akk. Pl.; 3.Pl. Präs.)

ye dambhān na japanti sma yeṣāṃ vṛttiś ca saṃvṛtā; viṣayāṃś ca nigṛhṇanti durgāṇy atitaranti te

Die, die nicht aus Heuchelei Gebete murmelten, deren Lebensunterhalt verborgen [bescheiden] ist und die die Sinnesgegenstände bezwingen, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye dambhān na japanti sma
die aus Heuchelei nicht murmeln (Abl.; Präs. + sma, Vergangenheitssinn)
yeṣāṃ vṛttiś ca saṃvṛtā
und deren Lebensunterhalt verborgen ist (Gen. Pl.; Nom. Sg. f., Part.)
viṣayāṃś ca nigṛhṇanti
und die Sinnesgegenstände bezwingen (Akk. Pl.; 3.Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

„na japanti sma“ mit sma: Vergangenheitssinn (gewohnheitsmäßig); saṃvṛtā vṛtti: verborgen/zurückhaltend, Deutung unsicher.

pratyāhur nocyamānā ye na hiṃsanti ca hiṃsitāḥ; prayacchanti na yācante durgāṇy atitaranti te

Die, die auf Anrede nicht [zornig] antworten, die nicht verletzen, auch wenn sie verletzt wurden, die geben und nicht bitten, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
pratyāhur nocyamānā ye
die nicht antworten, wenn zu ihnen gesprochen wird (Perf. 3.Pl.; Part. Pass.)
na hiṃsanti ca hiṃsitāḥ
und nicht verletzen, [obwohl] verletzt (3.Pl.; Part. Pass.)
prayacchanti na yācante
geben, bitten nicht (3.Pl.; 3.Pl. Med.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vāsayanty atithīn nityaṃ nityaṃ ye cānasūyakāḥ; nityaṃ svādhyāyaśīlāś ca durgāṇy atitaranti te

Die, die stets Gäste beherbergen, die stets ohne Missgunst sind und die stets dem Selbststudium [Veda-Rezitation] zugetan sind, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
vāsayanty atithīn nityam
beherbergen Gäste stets (3.Pl. Kaus.; Akk. Pl.; Adv.)
nityaṃ ye cānasūyakāḥ
und die stets ohne Missgunst sind (Nom. Pl.)
nityaṃ svādhyāyaśīlāś ca
und stets dem Selbststudium zugetan (Nom. Pl., Tatpuruṣa)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

mātāpitroś ca ye vṛttiṃ vartante dharmakovidāḥ; varjayanti divāsvapnaṃ durgāṇy atitaranti te

Die, die sich der Pflicht kundig gegenüber Mutter und Vater richtig verhalten und den Tagesschlaf meiden, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
mātāpitroś ca ye vṛttiṃ vartante
die sich gegenüber Mutter und Vater verhalten (Gen./Lok. Du.; Akk. Sg.; 3.Pl. Med.)
dharmakovidāḥ
des Dharma kundig (Nom. Pl.)
varjayanti divāsvapnam
meiden den Schlaf am Tag (3.Pl. Kaus.; Akk. Sg.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

sveṣu dāreṣu vartante nyāyavṛtteṣv ṛtāv ṛtau; agnihotraparāḥ santo durgāṇy atitaranti te

Die, die sich bei ihren eigenen Frauen [nur] in rechtmäßigem Verhalten, zu jeder Jahreszeit [der Empfängnis] verhalten und, gut, dem Agnihotra ergeben sind, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
sveṣu dāreṣu vartante
bei den eigenen Frauen verhalten sich (Lok. Pl.; 3.Pl. Med.)
nyāyavṛtteṣv ṛtāv ṛtau
im rechtmäßigen Verhalten, jeweils zur Fruchtzeit (Lok. Pl.; Lok. Sg. distributiv)
agnihotraparāḥ santaḥ
dem Agnihotra ergeben, gute [Männer] (Nom. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ṛtāv ṛtau: jeweils in der fruchtbaren Zeit (Deutung).

ye na lobhān nayanty arthān rājāno rajasāvṛtāḥ; viṣayān parirakṣanto durgāṇy atitaranti te

Die Könige, die, von Leidenschaft [Rajas] umhüllt, aus Gier keine Angelegenheiten [Güter] herbeiführen [an sich reißen] und ihre Länder [Herrschaftsbereiche] beschützen, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye na lobhān nayanty arthān
die nicht aus Gier Güter an sich bringen (Abl.; 3.Pl.; Akk. Pl.)
rājāno rajasāvṛtāḥ
Könige, von Rajas umhüllt (Nom. Pl.; Part. Pass.)
viṣayān parirakṣantaḥ
die Herrschaftsgebiete schützend (Akk. Pl.; Part. Präs.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

arthān nayanti: Sinn „Güter/Belange an sich bringen“; Lesart mit Vorbehalt.

āhaveṣu ca ye śūrās tyaktvā maraṇajaṃ bhayam; dharmeṇa jayam icchanto durgāṇy atitaranti te

Und die, die in Schlachten tapfer sind, die aus Todesfurcht Entstandene abgelegt haben und durch Dharma den Sieg wünschen, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
āhaveṣu ca ye śūrāḥ
und die in Schlachten Helden sind (Lok. Pl.; Nom. Pl.)
tyaktvā maraṇajaṃ bhayam
nachdem sie die aus dem Tod geborene Furcht abgelegt haben (Abs.; Akk. Sg.)
dharmeṇa jayam icchantaḥ
durch Dharma den Sieg wünschend (Instr.; Akk.; Part. Präs.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ye pāpāni na kurvanti karmaṇā manasā girā; nikṣiptadaṇḍā bhūteṣu durgāṇy atitaranti te

Die, die durch Tat, Sinn und Rede keine Übel tun und gegenüber den Wesen den Stock niedergelegt haben, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye pāpāni na kurvanti
die keine Übel tun (Akk. Pl.; 3.Pl.)
karmaṇā manasā girā
durch Tat, Sinn, Rede (Instr. Sg.)
nikṣiptadaṇḍā bhūteṣu
die den Stock niedergelegt haben gegenüber den Wesen (Nom. Pl., Bahuvrīhi; Lok. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ye vadantīha satyāni prāṇatyāge 'py upasthite; pramāṇabhūtā bhūtānāṃ durgāṇy atitaranti te

Die, die hier Wahres sprechen, auch wenn der Verlust des Lebens bevorsteht, die den Wesen zum Maßstab [Vertrauensmaß] geworden sind, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye vadantīha satyāni
die hier Wahres sprechen (3.Pl.; Akk. Pl. n.)
prāṇatyāge 'py upasthite
auch wenn der Lebensverlust bevorsteht (Lok. abs.)
pramāṇabhūtā bhūtānām
zum Maßstab geworden für die Wesen (Nom. Pl.; Gen. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

anadhyāyeṣu ye viprāḥ svādhyāyaṃ naiva kurvate; taponityāḥ sutapaso durgāṇy atitaranti te

Die Brahmanen, die an den Nicht-Lesetagen das Selbststudium keineswegs betreiben, stets der Askese ergeben, von guter Askese, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
anadhyāyeṣu ye viprāḥ
an den Tagen ohne Veda-Studium, die Brahmanen (Lok. Pl.; Nom. Pl.)
svādhyāyaṃ naiva kurvate
Selbststudium keineswegs betreiben (Akk.; 3.Pl. Med.)
taponityāḥ sutapasaḥ
stets der Askese ergeben, von guter Askese (Nom. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

karmāṇy akuhakārthāni yeṣāṃ vācaś ca sūnṛtāḥ; yeṣām arthāś ca sādhvarthā durgāṇy atitaranti te

Die, deren Werke nicht auf Trug zielen, deren Reden freundlich-wahr sind und deren Besitz guten Zwecken dient, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
karmāṇy akuhakārthāni
Werke, nicht auf Gaukelei zielend (Nom. Pl. n.)
yeṣāṃ vācaś ca sūnṛtāḥ
deren Reden auch freundlich-wahr sind (Gen. Pl.; Nom. Pl. f.)
yeṣām arthāś ca sādhvarthāḥ
und deren Besitz guten Zwecken dient (Gen. Pl.; Nom. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ye tapaś ca tapasyanti kaumārabrahmacāriṇaḥ; vidyāvedavratasnātā durgāṇy atitaranti te

Und die, die Askese üben, von Jugend an Brahmacārins, nach Wissen, Veda und Gelübde [rituell] gebadet [abgeschlossen], überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye tapaś ca tapasyanti
die Askese üben (Akk.; 3.Pl.)
kaumārabrahmacāriṇaḥ
von Jugend an Brahmacārins (Nom. Pl.)
vidyāvedavratasnātāḥ
gebadet nach Wissen, Veda und Gelübde (Nom. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

kaumārabrahmacāriṇaḥ: von Kindheit an enthaltsam.

ye ca saṃśāntarajasaḥ saṃśāntatamasaś ca ye; satye sthitā mahātmāno durgāṇy atitaranti te

Und die, deren Rajas völlig beruhigt ist und deren Tamas völlig beruhigt ist, die Großgesinnten, die in der Wahrheit stehen, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye ca saṃśāntarajasaḥ
und die, deren Rajas beruhigt ist (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
saṃśāntatamasaś ca ye
und deren Tamas beruhigt ist (Nom. Pl.)
satye sthitā mahātmānaḥ
in der Wahrheit stehend, Großgesinnte (Lok.; Nom. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

yeṣāṃ na kaś cit trasati trasanti na ca kasya cit; yeṣām ātmasamo loko durgāṇy atitaranti te

Die, vor denen niemand erschrickt und die vor niemandem erschrecken, deren Welt [Weltbild] dem eigenen Selbst gleich ist, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
yeṣāṃ na kaś cit trasati
vor denen niemand erschrickt (Gen. Pl.; Nom. Sg.; 3.Sg.)
trasanti na ca kasya cit
und sie erschrecken nicht vor irgendwem (3.Pl.; Gen. Sg.)
yeṣām ātmasamo lokaḥ
deren Welt dem Selbst gleich ist (Gen. Pl.; Nom. Sg., Tatpuruṣa)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

paraśriyā na tapyante ye santaḥ puruṣarṣabhāḥ; grāmyād annān nivṛttāś ca durgāṇy atitaranti te

Die guten Männer, Stiere unter den Menschen, die sich über fremdes Glück nicht grämen und sich von gewöhnlicher [dörflicher] Speise abgewandt haben, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
paraśriyā na tapyante
über fremdes Glück grämen sich nicht (Instr. Sg.; 3.Pl. Pass.)
ye santaḥ puruṣarṣabhāḥ
die Guten, Stiere unter den Männern (Nom. Pl.)
grāmyād annān nivṛttāś ca
und von gewöhnlicher Speise abgewandt (Abl.; Nom. Pl., Part.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

grāmyād annāt: eher „von gemeiner/weltlicher Speise“; Deutung unsicher [?].

sarvān devān namasyanti sarvān dharmāṃś ca śṛṇvate; ye śraddadhānā dāntāś ca durgāṇy atitaranti te

Die alle Götter verehren und alle Gesetze [Pflichtenlehren] anhören, die gläubig und selbstbeherrscht sind, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
sarvān devān namasyanti
verehren alle Götter (Akk. Pl.; 3.Pl.)
sarvān dharmāṃś ca śṛṇvate
und hören alle Dharmas (Akk. Pl.; 3.Pl. Med.)
ye śraddadhānā dāntāś ca
die gläubig und bezwungen [selbstbeherrscht] sind (Nom. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

śṛṇvate: als Partizip Präs. Med. Nom. Pl. (statt śṛṇvatām), sonst Verbform; Lesart unsicher.

ye na mānitam icchanti mānayanti ca ye param; mānyamānā na manyante durgāṇy atitaranti te

Die, die nicht nach Ehrung verlangen, aber andere ehren, und die, wenn sie geehrt werden, sich nichts einbilden, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye na mānitam icchanti
die nicht Geehrtwerden wünschen (Akk. Sg. n.; 3.Pl.)
mānayanti ca ye param
und die andere ehren (3.Pl. Kaus.; Akk.)
mānyamānā na manyante
geehrt, denken sie nicht [hoch von sich] (Part. Pass.; 3.Pl. Med.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ye śrāddhāni ca kurvanti tithyāṃ tithyāṃ prajārthinaḥ; suviśuddhena manasā durgāṇy atitaranti te

Die, die an jedem Mondtag [Tithi] Totenopfer darbringen, Nachkommen begehrend, mit gänzlich reinem Sinn, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye śrāddhāni ca kurvanti
die Śrāddha-Opfer verrichten (Akk. Pl.; 3.Pl.)
tithyāṃ tithyām
an jedem Mondtag (Lok. Sg., distributiv)
prajārthinaḥ
Nachkommen wünschend (Nom. Pl.)
suviśuddhena manasā
mit sehr reinem Sinn (Instr. Sg.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ye krodhaṃ naiva kurvanti kruddhān saṃśamayanti ca; na ca kupyanti bhṛtyebhyo durgāṇy atitaranti te

Die, die keinen Zorn hegen, Zornige beschwichtigen und auf ihre Diener nicht zürnen, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
ye krodhaṃ naiva kurvanti
die Zorn keineswegs hegen (Akk.; 3.Pl.)
kruddhān saṃśamayanti ca
und Zornige beruhigen (Akk. Pl.; 3.Pl. Kaus.)
na ca kupyanti bhṛtyebhyaḥ
und nicht zürnen den Dienern (3.Pl.; Dat. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

madhu māṃsaṃ ca ye nityaṃ varjayantīha mānavāḥ; janmaprabhṛti madyaṃ ca durgāṇy atitaranti te

Die Menschen, die hier stets Honig und Fleisch meiden und von Geburt an auch den Rauschtrank, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
madhu māṃsaṃ ca ye nityam
Honig und Fleisch, die stets (Akk. Sg. n.)
varjayantīha mānavāḥ
meiden hier, Menschen (3.Pl.; Nom. Pl.)
janmaprabhṛti madyaṃ ca
von Geburt an, und Rauschtrank (Adv.; Akk.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

yātrārthaṃ bhojanaṃ yeṣāṃ saṃtānārthaṃ ca maithunam; vāk satyavacanārthāya durgāṇy atitaranti te

Die, deren Essen dem Lebensunterhalt dient, deren Beischlaf der Nachkommenschaft, und deren Rede dem Aussprechen der Wahrheit, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
yātrārthaṃ bhojanaṃ yeṣām
zum Lebensunterhalt das Essen, deren (Adv./Nom. Sg. n.; Gen. Pl.)
saṃtānārthaṃ ca maithunam
und zur Nachkommenschaft der Beischlaf (Nom. Sg. n.)
vāk satyavacanārthāya
die Rede zum Aussprechen von Wahrheit (Nom. Sg. f.; Dat. Sg.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

īśvaraṃ sarvabhūtānāṃ jagataḥ prabhavāpyayam; bhaktā nārāyaṇaṃ ye ca durgāṇy atitaranti te

Und die, die dem Nārāyaṇa ergeben sind, dem Herrn aller Wesen, aus dem die Welt entsteht und in den sie vergeht, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
īśvaraṃ sarvabhūtānām
den Herrn aller Wesen (Akk. Sg.; Gen. Pl.)
jagataḥ prabhavāpyayam
der Welt Ursprung und Vergehen (Gen. Sg.; Akk. Sg., Dvandva)
bhaktā nārāyaṇaṃ ye ca
und die, Nārāyaṇa ergeben (Nom. Pl.; Akk.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

ya eṣa raktapadmākṣaḥ pītavāsā mahābhujaḥ; suhṛd bhrātā ca mitraṃ ca saṃbandhī ca tavācyutaḥ

Dieser da, der rotlotusäugige, gelbgewandete, langarmige Acyuta, ist dein Freund, Bruder, Gefährte und Verwandter.

Wort für Wort
ya eṣa raktapadmākṣaḥ
der da, rotlotusäugig (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
pītavāsā mahābhujaḥ
gelbgewandet, langarmig (Nom. Sg.)
suhṛd bhrātā ca
Freund und Bruder (Nom. Sg.)
mitraṃ ca saṃbandhī ca
Gefährte und Verwandter (Nom. Sg.)
tavācyutaḥ
dein Acyuta [der Unfehlbare] (Gen. Sg.; Nom. Sg.)

ya imān sakalāṃl lokāṃś carmavat pariveṣṭayet; icchan prabhur acintyātmā govindaḥ puruṣottamaḥ

Der, wenn er will, diese ganzen Welten wie ein Fell einrollen könnte, der Herr, dessen Wesen unfassbar ist, Govinda, der beste der Männer,

Wort für Wort
ya imān sakalāṃl lokān
der diese ganzen Welten (Nom. Sg.; Akk. Pl.)
carmavat pariveṣṭayet
wie ein Fell einwickeln könnte (Adv.; Opt. 3.Sg. Kaus.)
icchan prabhuḥ
wollend, der Herr (Part. Präs.; Nom. Sg.)
acintyātmā
unfassbaren Wesens (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
govindaḥ puruṣottamaḥ
Govinda, der höchste Mann (Nom. Sg.)

Satz setzt sich in Vers 27 fort.

sthitaḥ priyahite jiṣṇoḥ sa eṣa puruṣarṣabha; rājaṃs tava ca durdharṣo vaikuṇṭhaḥ puruṣottamaḥ

steht im Lieben und Wohl des Jiṣṇu [Arjuna]: dieser da, Stier unter den Männern, König, dein Unbezwingbarer, Vaikuṇṭha, der höchste Mann.

Wort für Wort
sthitaḥ priyahite jiṣṇoḥ
steht im Lieben und Wohl des Siegreichen (Part.; Lok. Du./Sg.; Gen. Sg.)
sa eṣa puruṣarṣabha
eben dieser, Stier unter den Männern (Nom.; Vok.)
rājaṃs tava ca durdharṣaḥ
König, und dein Unbezwingbarer (Vok.; Gen.; Nom. Sg.)
vaikuṇṭhaḥ puruṣottamaḥ
Vaikuṇṭha, der höchste Mann (Nom. Sg.)

ya enaṃ saṃśrayantīha bhaktyā nārāyaṇaṃ harim; te tarantīha durgāṇi na me 'trāsti vicāraṇā

Die, die hier mit Hingabe zu diesem Nārāyaṇa Hari ihre Zuflucht nehmen, überwinden hier die Unwegsamkeiten; darüber habe ich keinen Zweifel.

Wort für Wort
ya enaṃ saṃśrayantīha
die zu diesem ihre Zuflucht nehmen, hier (Akk.; 3.Pl.)
bhaktyā nārāyaṇaṃ harim
mit Hingabe, Nārāyaṇa Hari (Instr. Sg.; Akk. Sg.)
te tarantīha durgāṇi
sie überwinden hier die Unwegsamkeiten (3.Pl.; Akk. Pl.)
na me 'trāsti vicāraṇā
nicht ist mir hierin Zweifel (Lok./Dat.; 3.Sg.; Nom. Sg.)

asminn arpitakarmāṇaḥ sarvabhāvena bhārata; kṛṣṇe kamalapatrākṣe durgāṇy atitaranti te; lokarakṣārtham utpannam adityāṃ kaśyapātmajam; devam indraṃ namasyanti durgāṇy atitaranti te; brahmāṇaṃ lokakartāraṃ ye namasyanti satpatim; yaṣṭavyaṃ kratubhir devaṃ durgāṇy atitaranti te; yaṃ viṣṇur indraḥ śaṃbhuś ca brahmā lokapitāmahaḥ; stuvanti vividhaiḥ stotrair devadevaṃ maheśvaram; tam arcayanti ye śaśvad durgāṇy atitaranti te

Die, die in ihn alle Werke niedergelegt haben, mit ganzem Wesen, Bhārata, in Kṛṣṇa, den Lotusblatt-Äugigen, überwinden die Unwegsamkeiten. Den zum Schutz der Welt Geborenen, Sohn Kaśyapas von Aditi, den Gott Indra, verehren sie – sie überwinden die Unwegsamkeiten. Die Brahmā, den Weltenschöpfer, den Herrn der Guten, den durch Opfer zu verehrenden Gott verehren, überwinden die Unwegsamkeiten. Den, den Viṣṇu, Indra, Śambhu und Brahmā, der Großvater der Welt, mit mannigfachen Preisliedern preisen, den Gott der Götter, den großen Herrn: wer ihn stets verehrt, überwindet die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
asminn arpitakarmāṇaḥ sarvabhāvena bhārata
in ihn Werke niedergelegt habend, mit ganzem Wesen, Bhārata (Lok.; Nom. Pl.; Instr.; Vok.)
kṛṣṇe kamalapatrākṣe
in Kṛṣṇa, den Lotusblatt-Äugigen (Lok. Sg.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)
lokarakṣārtham utpannam
zum Schutz der Welt entstanden (Adv./Akk.; Part. Pass.)
adityāṃ kaśyapātmajam
von Aditi, Sohn des Kaśyapa (Lok. Sg.; Akk. Sg.)
devam indraṃ namasyanti
den Gott Indra verehren sie (Akk.; 3.Pl.)
brahmāṇaṃ lokakartāram
Brahmā, den Weltenschöpfer (Akk. Sg.)
ye namasyanti satpatim
die den Herrn der Guten verehren (3.Pl.; Akk.)
yaṣṭavyaṃ kratubhir devam
den durch Opfer zu verehrenden Gott (Gerundiv; Instr. Pl.; Akk.)
yaṃ viṣṇur indraḥ śaṃbhuś ca brahmā lokapitāmahaḥ
den Viṣṇu, Indra, Śambhu und Brahmā, der Weltengroßvater (Nom. Sg.)
stuvanti vividhaiḥ stotrair
preisen mit mannigfachen Preisliedern (3.Pl.; Instr. Pl.)
devadevaṃ maheśvaram
den Gott der Götter, den großen Herrn (Akk. Sg.)
tam arcayanti ye śaśvad durgāṇy atitaranti te
ihn verehren, die stets [ihn verehren], die Unwegsamkeiten überwinden sie (Akk.; 3.Pl.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star). Die Aussage über Indra und Brahmā als Objekte der Verehrung steht neben Viṣṇu/Kṛṣṇa; Bezug von maheśvaram (Śiva oder allgemein „großer Herr“) unsicher [?].

durgātitaraṇaṃ ye ca paṭhanti śrāvayanti ca; pāṭhayanti ca viprebhyo durgāṇy atitaranti te

Und die, die das „Überwinden der Unwegsamkeiten“ rezitieren, hören lassen und den Brahmanen zu rezitieren geben, überwinden die Unwegsamkeiten.

Wort für Wort
durgātitaraṇaṃ ye ca
und die das ‚Durchqueren der Unwegsamkeiten‘ (Akk. Sg. n.)
paṭhanti śrāvayanti ca
rezitieren und hören lassen (3.Pl.; 3.Pl. Kaus.)
pāṭhayanti ca viprebhyaḥ
und rezitieren lassen für Brahmanen (3.Pl. Kaus.; Dat. Pl.)
durgāṇy atitaranti te
die Unwegsamkeiten überwinden sie (3.Pl.)

iti kṛtyasamuddeśaḥ kīrtitas te mayānagha; saṃtared yena durgāṇi paratreha ca mānavaḥ

So ist dir, Makelloser, von mir die Bestimmung des Zu-Tuenden verkündet worden, wodurch ein Mensch die Unwegsamkeiten hier und im Jenseits überwinden kann.

Wort für Wort
iti kṛtyasamuddeśaḥ
so die Zusammenfassung des Zu-Tuenden (Adv.; Nom. Sg.)
kīrtitas te mayānagha
verkündet dir von mir, Makelloser (Part. Pass.; Dat./Gen.; Instr.; Vok.)
saṃtared yena durgāṇi
man möge überwinden, wodurch die Unwegsamkeiten (Opt. 3.Sg.; Instr.; Akk. Pl.)
paratreha ca mānavaḥ
im Jenseits und hier, der Mensch (Adv.; Nom. Sg.)

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