Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 212: pañcaśikhopadeśaḥ Pañcaśikhas Belehrung des Janaka über Körper, Sinne, Guṇas und Erlösung

Janaka fragt nach Wissen und Nichtwissen im Angesicht des Todes; der Seher Pañcaśikha antwortet mit einer Analyse der Grundstoffe, Sinne und Guṇas und lehrt die Entsagung als Weg zur Befreiung. Das Kapitel enthält zahlreiche Zusatzpassagen.

bhīṣma uvāca; janako janadevas tu jñāpitaḥ paramarṣiṇā; punar evānupapraccha sāṃparāye bhavābhavau

Bhīṣma sprach: Janaka, der Janadeva, vom höchsten Seher belehrt, fragte weiter nach dem Jenseits, nach Werden und Vergehen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
janako janadevas tu
Janaka, der Janadeva (Nom.Sg.)
jñāpitaḥ paramarṣiṇā
belehrt vom höchsten Seher (Part.Kaus. Pass./Instr.)
punar evānupapraccha
fragte nochmals weiter (Perf.)
sāṃparāye bhavābhavau
über das Jenseits [nach] Werden und Vergehen (Lok./Akk.Du.)

bhagavan yad idaṃ pretya saṃjñā bhavati kasya cit; evaṃ sati kim ajñānaṃ jñānaṃ vā kiṃ kariṣyati

„Ehrwürdiger, wenn es nach dem Tode bei irgendjemandem ein Bewusstsein gibt, was werden dann, wenn das so ist, Nichtwissen oder Wissen bewirken?“

Wort für Wort
bhagavan
Ehrwürdiger (Vok.Sg.)
yad idaṃ pretya saṃjñā bhavati kasya cit
dass nach dem Tode bei irgendwem Bewusstsein besteht (Abs./Präs.)
evaṃ sati
wenn es so ist (Lok.abs.)
kim ajñānaṃ jñānaṃ vā
was Nichtwissen oder Wissen (Nom./Akk.)
kariṣyati
wird bewirken (3.Sg.Fut.)

sarvam ucchedaniṣṭhaṃ syāt paśya caitad dvijottama; apramattaḥ pramatto vā kiṃ viśeṣaṃ kariṣyati

„Alles würde im Untergang enden; sieh dies, bester der Zweimalgeborenen. Welchen Unterschied wird der Achtsame oder der Nachlässige machen?“

Wort für Wort
sarvam ucchedaniṣṭhaṃ syāt
alles wäre auf Vernichtung ausgerichtet (Opt.)
paśya caitad dvijottama
und sieh dies, bester der Zweimalgeborenen (Imp./Vok.)
apramattaḥ pramatto vā
der Achtsame oder der Nachlässige (Nom.Sg.)
kiṃ viśeṣaṃ kariṣyati
welchen Unterschied wird er machen (Fut.)

asaṃsargo hi bhūteṣu saṃsargo vā vināśiṣu; kasmai kriyeta kalpena niścayaḥ ko 'tra tattvataḥ

„Denn Nichtverbundenheit mit den Wesen oder Verbundenheit mit den Vergänglichen: für wen sollte sie nach Vorschrift [?] geübt werden? Welche Gewissheit gibt es hier in Wahrheit?“

Wort für Wort
asaṃsargo hi bhūteṣu
Nichtverbundenheit unter den Wesen (Nom./Lok.Pl.)
saṃsargo vā vināśiṣu
oder Verbundenheit mit Vergänglichen (Nom./Lok.Pl.)
kasmai kriyeta
für wen sollte [es] getan werden (Dat./Opt.Pass.)
kalpena
nach Vorschrift [?] (Instr.Sg.)
niścayaḥ ko 'tra tattvataḥ
welche Gewissheit hier in Wahrheit (Nom./Abl.-Adv.)

kalpena unsicher: 'nach Regel/Vorschrift' oder 'als Möglichkeit'.

tamasā hi praticchannaṃ vibhrāntam iva cāturam; punaḥ praśamayan vākyaiḥ kaviḥ pañcaśikho 'bravīt

Der Seher Pañcaśikha aber beruhigte ihn, der von Finsternis verhüllt und gleichsam verwirrt und bedrängt war, wiederum mit Worten und sprach.

Wort für Wort
tamasā hi praticchannam
von Finsternis verhüllt (Instr./Part.)
vibhrāntam iva cāturam
gleichsam verwirrt und bedrängt (Part./Adj.)
punaḥ praśamayan vākyaiḥ
wieder beruhigend mit Worten (Part.Kaus./Instr.Pl.)
kaviḥ pañcaśikho 'bravīt
der Seher Pañcaśikha sprach (Impf.)

ucchedaniṣṭhā nehāsti bhāvaniṣṭhā na vidyate; ayaṃ hy api samāhāraḥ śarīrendriyacetasām; vartate pṛthag anyonyam apy apāśritya karmasu

„Ein Ausgerichtetsein auf Vernichtung gibt es hier nicht, ein Ausgerichtetsein auf [dauerndes] Sein besteht nicht. Denn auch dieses Zusammengefügte aus Körper, Sinnen und Geist verläuft je für sich, ohne einander bei den Handlungen zu stützen.“

Wort für Wort
ucchedaniṣṭhā nehāsti
Ausrichtung auf Vernichtung gibt es hier nicht (Nom.Sg.f.)
bhāvaniṣṭhā na vidyate
Ausrichtung auf Sein besteht nicht (Pass.)
ayaṃ hy api samāhāraḥ
auch dieses Gefüge (Nom.Sg.m.)
śarīrendriyacetasām
von Körper, Sinnen und Bewusstsein (Gen.Pl.)
vartate pṛthag anyonyam
verläuft getrennt, einander [gegenüber] (3.Sg./Adv.)
apy apāśritya karmasu
ohne [sich] zu stützen bei den Handlungen (Abs./Lok.Pl.)

dhātavaḥ pañcaśākho 'yaṃ khaṃ vāyur jyotir ambu bhūḥ; te svabhāvena tiṣṭhanti viyujyante svabhāvataḥ

„Diese Grundstoffe haben fünf Zweige: Raum, Wind, Licht, Wasser, Erde. Sie bestehen aus ihrer Eigennatur und lösen sich voneinander aus Eigennatur.“

Wort für Wort
dhātavaḥ pañcaśākho 'yam
die Grundstoffe, dieser fünfzweigige (Nom.Pl./Bahuvrīhi)
khaṃ vāyur jyotir ambu bhūḥ
Raum, Wind, Licht, Wasser, Erde (Nom.Sg.)
te svabhāvena tiṣṭhanti
sie bestehen durch Eigennatur (3.Pl./Instr.)
viyujyante svabhāvataḥ
sie trennen sich aus Eigennatur (3.Pl.Pass./Abl.)

ākāśaṃ vāyur ūṣmā ca sneho yac cāpi pārthivam; eṣa pañcasamāhāraḥ śarīram iti naikadhā

„Äther, Wind, Wärme, Feuchtigkeit und was erdhaft ist: dieses Gefüge aus fünf ist der „Körper“, wie man ihn auf nicht nur eine Weise nennt.“

Wort für Wort
ākāśaṃ vāyur ūṣmā ca
Äther, Wind und Wärme (Nom.Sg.)
sneho yac cāpi pārthivam
Feuchtigkeit und auch was erdhaft ist (Nom.Sg.n.)
eṣa pañcasamāhāraḥ
dieses Fünfergefüge (Nom.Sg.m.)
śarīram iti naikadhā
„Körper“, [so] auf nicht eine Weise [genannt] (Nom./Adv.)

ahaṃvācyaṃ dvijānāṃ yad viśiṣṭaṃ buddhirūpavat; vācām agocaraṃ nityaṃ jñeyam evaṃ bhaviṣyati; jñānaṃ jñeyaṃ tathājñānaṃ trividhaṃ jñānam ucyate

„Was von den Zweimalgeborenen als „Ich“ zu bezeichnen ist, das Ausgezeichnete, das die Gestalt der Einsicht hat, das dem Wort ewig Unzugängliche: so wird es zu erkennen sein. Wissen, Erkennbares und ebenso Nichtwissen: dreifach wird das Wissen genannt.“

Wort für Wort
ahaṃvācyaṃ dvijānāṃ yad viśiṣṭam
was von den Zweimalgeborenen als „Ich“ zu bezeichnen ist, das Ausgezeichnete (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
buddhirūpavat
die Gestalt der Einsicht habend (Adj.)
vācām agocaraṃ nityam
für Worte unzugänglich, ewig (Gen.Pl./Akk.Sg.n.)
jñeyam evaṃ bhaviṣyati
erkennbar so wird es sein (Gerundiv/Fut.)
jñānaṃ jñeyaṃ tathājñānam
Wissen, Erkennbares, ebenso Nichtwissen (Nom.Sg.n.)
trividhaṃ jñānam ucyate
dreifach wird das Wissen genannt (Pass.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sinn im Ganzen unsicher.

jñānam ūṣmā ca vāyuś ca trividhaḥ karmasaṃgrahaḥ

„Wissen, Wärme und Wind: dreifach ist die Zusammenfassung des Wirkens.“

Wort für Wort
jñānam ūṣmā ca vāyuś ca
Wissen, Wärme und Wind (Nom.Sg.)
trividhaḥ karmasaṃgrahaḥ
dreifache Zusammenfassung des Wirkens (Nom.Sg.m.)

indriyāṇīndriyārthāś ca svabhāvaś cetanā manaḥ; prāṇāpānau vikāraś ca dhātavaś cātra niḥsṛtāḥ

„Sinne und Sinnesobjekte, Eigennatur, Bewusstsein, Denken, Einatem und Ausatem, Wandlung: und die Grundstoffe sind hieraus hervorgegangen.“

Wort für Wort
indriyāṇīndriyārthāś ca
Sinne und Sinnesobjekte (Nom.Pl.)
svabhāvaś cetanā manaḥ
Eigennatur, Bewusstsein, Denken (Nom.Sg.)
prāṇāpānau vikāraś ca
Prāṇa und Apāna und Wandlung (Nom.Du./Sg.)
dhātavaś cātra niḥsṛtāḥ
und die Grundstoffe sind hierin/hieraus hervorgegangen (Nom.Pl./Part.Perf.)

prāṇādayas tathā sparśā na saṃbādhagatās tathā; putrādhīnaṃ bhaviṣyeta cinmātraḥ sa paraḥ pumān

„Ebenso [sind] Prāṇa und das Übrige und die Berührungen nicht in Bedrängnis geraten; vom Sohn abhängig würde es sein [?]; jener höchste Mensch ist bloßes Bewusstsein.“

Wort für Wort
prāṇādayas tathā sparśāḥ
Prāṇa und die übrigen, ebenso die Berührungen (Nom.Pl.)
na saṃbādhagatās tathā
ebenso nicht in Bedrängnis geraten (Nom.Pl./Part.)
putrādhīnaṃ bhaviṣyeta
vom Sohn abhängig würde es sein [?] (Opt.Med.)
cinmātraḥ sa paraḥ pumān
bloßes Bewusstsein ist jener höchste Mensch (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, offenbar verderbt; 'putrādhīnam' unklar.

śravaṇaṃ sparśanaṃ jihvā dṛṣṭir nāsā tathaiva ca; indriyāṇīti pañcaite cittapūrvaṃgamā guṇāḥ

„Gehör, Tastsinn, Zunge, Sehen und ebenso die Nase: dies sind die fünf Sinne, Eigenschaften, denen der Geist vorangeht.“

Wort für Wort
śravaṇaṃ sparśanaṃ jihvā
Gehör, Tastsinn, Zunge (Nom.Sg.)
dṛṣṭir nāsā tathaiva ca
Sehen und ebenso die Nase (Nom.Sg.f.)
indriyāṇīti pañcaite
„Sinne“, diese fünf (Nom.Pl.n.)
cittapūrvaṃgamā guṇāḥ
Eigenschaften mit dem Geist als Vorläufer (Nom.Pl.m.)

tatra vijñānasaṃyuktā trividhā vedanā dhruvā; sukhaduḥkheti yām āhur aduḥkhety asukheti ca

„Darin ist die mit Erkenntnis verbundene Empfindung beständig dreifach: die man Glück und Leid nennt und die „weder Leid noch Glück“.“

Wort für Wort
tatra vijñānasaṃyuktā
darin mit Erkenntnis verbunden (Lok./Nom.Sg.f.)
trividhā vedanā dhruvā
dreifache, feste Empfindung (Nom.Sg.f.)
sukhaduḥkheti yām āhuḥ
die man „Glück-Leid“ nennt (Rel.Akk./Perf.)
aduḥkhety asukheti ca
und „nicht-leidvoll, nicht-glücklich“ (Zitat)

śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca raso gandhaś ca mūrty atha; ete hy āmaraṇāt pañca ṣaḍguṇā jñānasiddhaye

„Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch und dazu die Körperform: diese sind bis zum Tod fünf [Sinne] mit sechs Eigenschaften, zur Erlangung des Wissens [?].“

Wort für Wort
śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca
Klang, Berührung und Gestalt (Nom.Sg.)
raso gandhaś ca mūrty atha
Geschmack, Geruch und Körperform (Nom.Sg./Nom.Sg.f.)
ete hy āmaraṇāt pañca
diese [sind] bis zum Tod fünf (Nom.Pl./Abl.)
ṣaḍguṇā jñānasiddhaye
sechs Eigenschaften zur Erlangung des Wissens (Nom.Pl./Dat.Sg.)

Zählung (fünf/sechs) unsicher; mūrti als sechste Eigenschaft gedeutet.

teṣu karmanisargaś ca sarvatattvārthaniścayaḥ; tam āhuḥ paramaṃ śukraṃ buddhir ity avyayaṃ mahat

„In diesen liegen die Entladung des Handelns und die Feststellung des Sinnes aller Wirklichkeiten; das nennt man das höchste Lautere, die Einsicht, das unvergängliche Große.“

Wort für Wort
teṣu karmanisargaś ca
in diesen die Entladung des Handelns (Lok.Pl./Nom.Sg.)
sarvatattvārthaniścayaḥ
Feststellung des Sinnes aller Wirklichkeiten (Nom.Sg.m.)
tam āhuḥ paramaṃ śukram
das nennt man das höchste Lautere (Akk./Perf.)
buddhir ity avyayaṃ mahat
„Einsicht“, das Unvergängliche, Große (Nom./Akk.Sg.n.)

**** **** pāre ca rajasaḥ prabhum; virāgād vartate tasmin mano rajasi nityagam; tasmin prasanne saṃpaśyed

[Lücke im Text] … und den Herrn jenseits des Rajas; aus Leidenschaftslosigkeit richtet sich auf ihn der Geist, der stets im Rajas weilt; wenn dieser geklärt ist, möge er erblicken [Anm.: Satz bricht ab].

Wort für Wort
pāre ca rajasaḥ prabhum
und den Herrn jenseits des Rajas (Lok.-Adv./Gen./Akk.Sg.)
virāgād vartate tasmin
aus Leidenschaftslosigkeit besteht/richtet sich in/auf ihn (Abl./3.Sg./Lok.)
mano rajasi nityagam
der Geist, im Rajas stets gehend (Nom./Lok./Adj.)
tasmin prasanne saṃpaśyed
wenn dieser geklärt ist, möge er erblicken (Lok.abs./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text mit Lücke ('****') und abgebrochen.

imaṃ guṇasamāhāram ātmabhāvena paśyataḥ; asamyag darśanair duḥkham anantaṃ nopaśāmyati

„Wer dieses Gefüge der Eigenschaften als Selbst ansieht: für den kommt das endlose Leid durch verkehrte Anschauungen nicht zur Ruhe.“

Wort für Wort
imaṃ guṇasamāhāram
dieses Gefüge der Eigenschaften (Akk.Sg.)
ātmabhāvena paśyataḥ
als Selbstsein betrachtend (Instr./Part.Gen.Sg.)
asamyag darśanair duḥkham
durch unrichtige Anschauungen das Leid (Instr.Pl./Nom.Sg.)
anantaṃ nopaśāmyati
endlos kommt nicht zur Ruhe (Adj./3.Sg.)

tasmād eteṣu medhāvī na prasajyeta buddhimān

„Darum soll der Kluge, der Einsichtige, an diesen nicht haften.“

Wort für Wort
tasmād eteṣu medhāvī
darum unter/an diesen der Kluge (Abl./Lok.Pl./Nom.)
na prasajyeta buddhimān
soll nicht haften der Einsichtige (Opt.Pass./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

anātmeti ca yad dṛṣṭaṃ tenāhaṃ na mamety api; vartate kim adhiṣṭhānā prasaktā duḥkhasaṃtatiḥ

„Und weil als Nicht-Selbst gesehen wird [dies], gilt dadurch auch „ich bin es nicht, es ist nicht mein“; worauf gegründet besteht dann die anhaftende Kette des Leids?“

Wort für Wort
anātmeti ca yad dṛṣṭam
und was als Nicht-Selbst gesehen ist (Nom./Part.)
tenāhaṃ na mamety api
dadurch auch „nicht ich, nicht mein“ (Instr.)
vartate kim adhiṣṭhānā
besteht [sie] mit welcher Grundlage (3.Sg./Bahuvrīhi)
prasaktā duḥkhasaṃtatiḥ
anhaftende Kette des Leids (Nom.Sg.f.)

tatra samyaṅ mano nāma tyāgaśāstram anuttamam; śṛṇu yat tava mokṣāya bhāṣyamāṇaṃ bhaviṣyati

„Hierzu [gilt], recht verstanden [?], die unübertroffene Lehre der Entsagung, „Geist“ genannt [?]. Höre, was dir zur Erlösung gesagt werden wird.“

Wort für Wort
tatra samyaṅ mano nāma
hierzu recht [?] Geist genannt [?] (Adv./Nom./Adv.)
tyāgaśāstram anuttamam
die unübertroffene Lehre der Entsagung (Nom.Sg.n.)
śṛṇu yat tava mokṣāya
höre, was dir zur Erlösung (Imp./Dat.)
bhāṣyamāṇaṃ bhaviṣyati
gesprochen werden wird (Part.Pass./Fut.)

Zeile 'samyaṅ mano nāma' syntaktisch unsicher.

tyāga eva hi sarveṣām uktānām api karmaṇām; nityaṃ mithyāvinītānāṃ kleśo duḥkhāvaho mataḥ

„Denn Entsagung allein gilt bei allen, auch den vorgeschriebenen Handlungen; für die stets falsch Geleiteten gilt die Mühsal als leidbringend.“

Wort für Wort
tyāga eva hi sarveṣām
Entsagung allein bei allen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
uktānām api karmaṇām
auch der genannten Handlungen (Part./Gen.Pl.)
nityaṃ mithyāvinītānām
stets falsch Geleiteten (Adv./Gen.Pl.)
kleśo duḥkhāvaho mataḥ
Mühsal gilt als leidbringend (Nom.Sg./Part.)

dravyatyāge tu karmāṇi bhogatyāge vratāny api; sukhatyāge tapoyogaḥ sarvatyāge samāpanā

„Bei Entsagung des Besitzes [gelten] die Riten, bei Entsagung des Genusses die Gelübde, bei Entsagung des Glücks die Askeseübung, bei Entsagung von allem die Vollendung.“

Wort für Wort
dravyatyāge tu karmāṇi
bei Entsagung des Besitzes die Riten (Lok./Nom.Pl.)
bhogatyāge vratāny api
bei Entsagung des Genusses auch die Gelübde (Lok./Nom.Pl.)
sukhatyāge tapoyogaḥ
bei Entsagung des Glücks die Askeseübung (Lok./Nom.Sg.)
sarvatyāge samāpanā
bei Entsagung von allem die Vollendung (Lok./Nom.Sg.f.)

tasya mārgo 'yam advaidhaḥ sarvatyāgasya darśitaḥ; viprahāṇāya duḥkhasya durgatir hy anyathā bhavet

„Dies ist der eindeutige Weg der Entsagung von allem, der zu ihm gezeigt wurde, zur Überwindung des Leids; anders käme es zu schlimmem Geschick.“

Wort für Wort
tasya mārgo 'yam advaidhaḥ
dessen Weg, dieser eindeutige (Gen./Nom.Sg.)
sarvatyāgasya darśitaḥ
der Entsagung von allem gezeigt (Gen./Part.Kaus.)
viprahāṇāya duḥkhasya
zur Beseitigung des Leids (Dat./Gen.)
durgatir hy anyathā bhavet
schlimmes Geschick würde sonst sein (Nom./Adv./Opt.)

śete jarāmṛtyubhayair vimuktaḥ; kṣīṇe puṇye vigate ca pāpe; taponimitte vigate ca niṣṭhe; phale yathākāśam aliṅga eva

„Er ruht, von den Ängsten vor Alter und Tod befreit; wenn das Verdienst erschöpft und das Übel geschwunden ist, wenn das durch Askese Bedingte [und] das Ende [?] in der Frucht geschwunden ist: [dann] wie der Raum, ohne Merkmal.“

Wort für Wort
śete jarāmṛtyubhayair vimuktaḥ
er ruht, von den Ängsten vor Alter und Tod befreit (3.Sg./Instr.Pl./Part.)
kṣīṇe puṇye vigate ca pāpe
bei erschöpftem Verdienst und geschwundenem Übel (Lok.abs.)
taponimitte vigate ca niṣṭhe
bei geschwundenem askesebedingtem [und] Ende [?] (Lok.abs.)
phale yathākāśam aliṅga eva
in der Frucht, wie der Raum ohne Merkmal (Lok./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; 'niṣṭhe' unsicher.

pañca jñānendriyāṇy uktvā manaḥṣaṣṭhāni cetasi; manaḥṣaṣṭhāni vakṣyāmi pañca karmendriyāṇi tu

„Nachdem ich die fünf Erkenntnissinne genannt habe, [die] im Bewusstsein das Denken als sechstes haben, werde ich [nun] die fünf Tatsinne nennen, die das Denken als sechstes haben.“

Wort für Wort
pañca jñānendriyāṇy uktvā
die fünf Erkenntnissinne genannt habend (Akk./Abs.)
manaḥṣaṣṭhāni cetasi
das Denken als sechstes habend, im Bewusstsein (Akk.Pl.n./Lok.)
manaḥṣaṣṭhāni vakṣyāmi
die das Denken als sechstes haben, werde ich nennen (1.Sg.Fut.)
pañca karmendriyāṇi tu
die fünf Tatsinne aber (Akk.Pl.)

hastau karmendriyaṃ jñeyam atha pādau gatīndriyam; prajanānandayoḥ śepho visarge pāyur indriyam

„Die Hände sind als Tatsinn zu erkennen, dann die Füße als Sinn des Gehens; das Glied ist der Sinn für Zeugung und Wonne, beim Ausscheiden ist der After der Sinn.“

Wort für Wort
hastau karmendriyaṃ jñeyam
die Hände als Tatsinn zu erkennen (Nom.Du./Gerundiv)
atha pādau gatīndriyam
dann die Füße als Gangsinn (Nom.Du.)
prajanānandayoḥ śepho
für Zeugung und Wonne das Glied (Lok./Gen.Du./Nom.)
visarge pāyur indriyam
beim Ausscheiden der After als Sinn (Lok./Nom.)

vāk tu śabdaviśeṣārthaṃ gatiṃ pañcānvitāṃ viduḥ; evam ekādaśaitāni buddhyā tv avasṛjen manaḥ

„Die Rede aber [dient] dem besonderen Zweck der Laute; den Gang kennt man als mit den fünf verbunden [?]. So sind dies elf; durch die Einsicht aber möge man den Geist entlassen [?].“

Wort für Wort
vāk tu śabdaviśeṣārtham
die Rede aber für den besonderen Zweck der Laute (Nom.Sg.f./Adj.)
gatiṃ pañcānvitām viduḥ
den Gang, mit den fünf verbunden, kennen sie [?] (Akk./3.Pl.Perf.)
evam ekādaśaitāni
so [sind] diese elf (Nom.Pl.n.)
buddhyā tv avasṛjen manaḥ
durch Einsicht aber möge man den Geist entlassen [?] (Instr./Opt.)

Zeilen 1-2 und 'avasṛjet' unsicher.

karṇau śabdaś ca cittaṃ ca trayaḥ śravaṇasaṃgrahe; tathā sparśe tathā rūpe tathaiva rasagandhayoḥ

„Die beiden Ohren, der Klang und der Geist: drei im Bereich des Hörens; ebenso beim Tasten, ebenso bei der Gestalt, ebenso bei Geschmack und Geruch.“

Wort für Wort
karṇau śabdaś ca cittaṃ ca
beide Ohren, Klang und Geist (Nom.Du./Sg.)
trayaḥ śravaṇasaṃgrahe
drei im Bereich des Hörens (Nom./Lok.Sg.)
tathā sparśe tathā rūpe
ebenso bei Berührung, ebenso bei Gestalt (Lok.Sg.)
tathaiva rasagandhayoḥ
ebenso bei Geschmack und Geruch (Lok.Du.)

cakṣū rūpaṃ tathā cittaṃ trayo darśanasaṃgrahe; nāsā gandhas tathā cittaṃ trayo ghrāṇasya saṃgrahe; tvacaḥ sparśaṃ tathā cittaṃ trayaḥ sparśanasaṃgrahe; jihvā rasas tathā cittaṃ trayo rasanasaṃgrahe

„Auge, Gestalt und ebenso der Geist: drei im Bereich des Sehens; Nase, Geruch und ebenso der Geist: drei im Bereich des Riechens; Haut, Berührung und ebenso der Geist: drei im Bereich des Tastens; Zunge, Geschmack und ebenso der Geist: drei im Bereich des Schmeckens.“

Wort für Wort
cakṣū rūpaṃ tathā cittam
Auge, Gestalt, ebenso Geist (Nom.Sg.)
trayo darśanasaṃgrahe
drei im Bereich des Sehens (Nom./Lok.)
nāsā gandhas tathā cittam
Nase, Geruch, ebenso Geist (Nom.Sg.)
trayo ghrāṇasya saṃgrahe
drei im Bereich des Riechens (Nom./Gen./Lok.)
tvacaḥ sparśaṃ tathā cittam
Haut, Berührung, ebenso Geist (Nom./Akk.Sg.)
jihvā rasas tathā cittaṃ trayo rasanasaṃgrahe
Zunge, Geschmack, ebenso Geist: drei im Bereich des Schmeckens (Nom./Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

evaṃ pañcatrikā hy ete guṇās tad upalabdhaye; yena yas trividho bhāvaḥ paryāyāt samupasthitaḥ

„So sind dies fünf Dreiheiten, Eigenschaften zu dessen Wahrnehmung, durch die ein dreifacher Zustand der Reihe nach eintritt [?].“

Wort für Wort
evaṃ pañcatrikā hy ete
so fünf Dreiheiten diese (Nom.Pl.f.)
guṇās tad upalabdhaye
Eigenschaften zu dessen Wahrnehmung (Nom.Pl./Dat.)
yena yas trividho bhāvaḥ
wodurch ein jeweils dreifacher Zustand (Instr./Nom.Sg.)
paryāyāt samupasthitaḥ
der Reihe nach eingetreten (Abl./Part.)

'yena yas' syntaktisch unsicher.

sāttviko rājasaś caiva tāmasaś caiva te trayaḥ; trividhā vedanā yeṣu prasūtā sarvasādhanā

„Es sind der sattvische, der rajasische und der tamasische, diese drei, in denen die dreifache Empfindung entstanden ist, die alles bewirkt.“

Wort für Wort
sāttviko rājasaś caiva
der sattvische und der rajasische (Nom.Sg.m.)
tāmasaś caiva te trayaḥ
und der tamasische, diese drei (Nom.Pl.)
trividhā vedanā yeṣu
dreifache Empfindung, in denen (Nom.Sg.f./Rel.Lok.Pl.)
prasūtā sarvasādhanā
entstanden, alles bewirkend (Part.f./Adj.f.)

praharṣaḥ prītir ānandaḥ sukhaṃ saṃśāntacittatā; akutaś cit kutaś cid vā cittataḥ sāttviko guṇaḥ

„Frohsinn, Freude, Wonne, Glück, Stille des Geistes, ohne Grund oder aus irgendeinem Grund: vom Geist her die sattvische Eigenschaft.“

Wort für Wort
praharṣaḥ prītir ānandaḥ
Frohsinn, Freude, Wonne (Nom.Sg.)
sukhaṃ saṃśāntacittatā
Glück, Gestilltheit des Geistes (Nom.Sg.)
akutaś cit kutaś cid vā
von nirgendwoher oder von irgendwoher (Adv.)
cittataḥ sāttviko guṇaḥ
vom Geist her die sattvische Eigenschaft (Abl.-Adv./Nom.)

atuṣṭiḥ paritāpaś ca śoko lobhas tathākṣamā; liṅgāni rajasas tāni dṛśyante hetvahetutaḥ

„Unzufriedenheit, Qual, Kummer, Gier und ebenso Unduldsamkeit: das sind die Merkmale des Rajas; sie zeigen sich mit Grund und ohne Grund.“

Wort für Wort
atuṣṭiḥ paritāpaś ca
Unzufriedenheit und Qual (Nom.Sg.)
śoko lobhas tathākṣamā
Kummer, Gier, ebenso Unduldsamkeit (Nom.Sg.)
liṅgāni rajasas tāni
diese Merkmale des Rajas (Nom.Pl.n./Gen.)
dṛśyante hetvahetutaḥ
zeigen sich mit und ohne Grund (3.Pl.Pass./Abl.-Adv.)

avivekas tathā mohaḥ pramādaḥ svapnatandritā; kathaṃ cid api vartante vividhās tāmasā guṇāḥ

„Unterscheidungslosigkeit, ebenso Verblendung, Nachlässigkeit, Schlaf und Schlummer: irgendwie bestehen die mannigfachen tamasischen Eigenschaften.“

Wort für Wort
avivekas tathā mohaḥ
Unterscheidungslosigkeit, ebenso Verblendung (Nom.Sg.)
pramādaḥ svapnatandritā
Nachlässigkeit, Schlaf und Schlummer (Nom.Sg.)
kathaṃ cid api vartante
irgendwie bestehen (3.Pl.)
vividhās tāmasā guṇāḥ
mannigfache tamasische Eigenschaften (Nom.Pl.)

tatra yat prītisaṃyuktaṃ kāye manasi vā bhavet; vartate sāttviko bhāva ity apekṣeta tat tathā

„Darin: was mit Freude verbunden im Körper oder im Geist entsteht, [da] besteht ein sattvischer Zustand; so möge man es ansehen.“

Wort für Wort
tatra yat prītisaṃyuktam
darin was mit Freude verbunden (Adv./Nom.Sg.n.)
kāye manasi vā bhavet
im Körper oder im Geist entstehen mag (Lok./Opt.)
vartate sāttviko bhāva
es besteht ein sattvischer Zustand (3.Sg./Nom.)
ity apekṣeta tat tathā
so möge man es betrachten (Opt.Med.)

yat tu saṃtāpasaṃyuktam aprītikaram ātmanaḥ; pravṛttaṃ raja ity eva tatas tad abhicintayet

„Was aber mit Qual verbunden ist, dem Selbst Unfreude bringend, hervorgetreten: „Rajas“, so möge man es danach bedenken.“

Wort für Wort
yat tu saṃtāpasaṃyuktam
was aber mit Qual verbunden (Nom.Sg.n.)
aprītikaram ātmanaḥ
Unfreude bringend dem Selbst (Adj./Gen.)
pravṛttaṃ raja ity eva
hervorgetreten, „Rajas“ eben (Part./Nom.)
tatas tad abhicintayet
danach möge man es bedenken (Adv./Opt.)

atha yan mohasaṃyuktaṃ kāye manasi vā bhavet; apratarkyam avijñeyaṃ tamas tad upadhārayet

„Was aber mit Verblendung verbunden im Körper oder im Geist entsteht, nicht erschließbar, unerkennbar: das möge man als Tamas erfassen.“

Wort für Wort
atha yan mohasaṃyuktam
was aber mit Verblendung verbunden (Nom.Sg.n.)
kāye manasi vā bhavet
im Körper oder Geist sein mag (Lok./Opt.)
apratarkyam avijñeyam
nicht erschließbar, unerkennbar (Gerundiv)
tamas tad upadhārayet
Tamas möge man es erfassen (Nom./Opt.Kaus.)

tad dhi śrotrāśrayaṃ bhūtaṃ śabdaḥ śrotraṃ samāśritaḥ; nobhayaṃ śabdavijñāne vijñānasyetarasya vā

„Denn jenes Wesen hat das Ohr zum Sitz, der Klang stützt sich auf das Ohr; nicht [genügen] beide bei der Erkenntnis des Klangs oder einer anderen Erkenntnis [?].“

Wort für Wort
tad dhi śrotrāśrayaṃ bhūtam
denn jenes Wesen, das Ohr als Sitz habend (Nom.Sg.n./Bahuvrīhi)
śabdaḥ śrotraṃ samāśritaḥ
der Klang hat sich auf das Ohr gestützt (Nom./Akk./Part.)
nobhayaṃ śabdavijñāne
nicht beides bei der Klangerkenntnis (Nom.Sg.n./Lok.)
vijñānasyetarasya vā
oder [bei der Erkenntnis] eines anderen (Gen.Sg.)

Letzter Pāda syntaktisch unsicher.

evaṃ tvak cakṣuṣī jihvā nāsikā caiva pañcamī; sparśe rūpe rase gandhe tāni ceto manaś ca tat

„So [ist es bei] Haut, Augen, Zunge und Nase als fünfter: bei Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch; und diese [wirken mit] Bewusstsein und Denken [?].“

Wort für Wort
evaṃ tvak cakṣuṣī jihvā
so Haut, beide Augen, Zunge (Nom.)
nāsikā caiva pañcamī
und die Nase als fünfte (Nom.Sg.f.)
sparśe rūpe rase gandhe
bei Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch (Lok.Sg.)
tāni ceto manaś ca tat
diese und Bewusstsein und Denken [?] (Nom.Pl.n./Nom.Sg.)

Schluss knapp, Bezug von 'tāni' unsicher.

svakarmayugapadbhāvo daśasv eteṣu tiṣṭhati; cittam ekādaśaṃ viddhi buddhir dvādaśamī bhavet

Das gleichzeitige Bestehen des je eigenen Wirkens ruht in diesen zehn [Sinnen und Objekten]; als elftes erkenne das Denken (citta), als zwölftes möge die Erkenntniskraft (buddhi) gelten.

Wort für Wort
svakarmayugapadbhāvaḥ
das gleichzeitige Bestehen des eigenen Wirkens (Nom.Sg.m., Kompositum)
daśasv eteṣu tiṣṭhati
in diesen zehn ruht/besteht es (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.)
cittam ekādaśaṃ viddhi
das Denken erkenne als elftes (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.)
buddhir dvādaśamī bhavet
die Erkenntniskraft sei die zwölfte (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)

teṣām ayugapadbhāve ucchedo nāsti tāmasaḥ; āsthito yugapadbhāve vyavahāraḥ sa laukikaḥ

Wo diese nicht gleichzeitig wirken, gibt es keine tamasartige Vernichtung; wer im gleichzeitigen Wirken steht, dessen [Zustand] ist der weltliche Umgang.

Wort für Wort
teṣām ayugapadbhāve
bei deren Nicht-Gleichzeitigsein (Gen.Pl./Lok.Sg.)
ucchedo nāsti tāmasaḥ
Vernichtung gibt es nicht, die tamasartige (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
āsthito yugapadbhāve
wer/was im Gleichzeitigsein steht (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.m.; Lok.)
vyavahāraḥ sa laukikaḥ
das ist der weltliche Umgang (Nom.Sg.m.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch nicht ganz eindeutig; āsthito wird als Nom. („wer/was im gleichzeitigen Sein steht“) gefasst.

indriyāṇy avasṛjyāpi dṛṣṭvā pūrvaṃ śrutāgamam; cintayan nānuparyeti tribhir evānvito guṇaiḥ

Selbst wenn man die Sinne entlassen hat, denkt der, der zuvor Gesehenes und durch Überlieferung Gehörtes [in sich trägt], nach; er durchläuft [es] nicht [ganz?], da er mit den drei Guṇas verbunden ist.

Wort für Wort
indriyāṇy avasṛjyāpi
auch nachdem er die Sinne entlassen hat (Akk.Pl.n.; Abs.)
dṛṣṭvā pūrvaṃ śrutāgamam
früher Gesehenes und Gehörtes/Überliefertes (Abs. von dṛś; Akk.Sg.m./n.)
cintayan nānuparyeti
nachdenkend durchläuft er [es] nicht (Part.Präs.; 3.Sg.Präs.)
tribhir evānvito guṇaiḥ
denn er ist mit den drei Guṇas verbunden (Instr.Pl.m.; Part.Perf.Pass.)

anuparyeti in der Wiedergabe unsicher.

yat tamopahataṃ cittam āśu saṃcāram adhruvam; karoty uparamaṃ kāle tad āhus tāmasaṃ sukham

Wenn der vom Tamas getroffene Geist, rasch umherschweifend und unstet, zur rechten Zeit Ruhe herbeiführt, so nennt man das tamasische Glück.

Wort für Wort
yat tamopahataṃ cittam
wenn der von Tamas getroffene Geist (Nom.Sg.n., Part.Perf.Pass.)
āśu saṃcāram adhruvam
rasch umherschweifend, unstet (Adv.; Akk./Nom.Sg.n.)
karoty uparamaṃ kāle
er bewirkt Ruhe zur [rechten] Zeit (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.m.; Lok.Sg.)
tad āhus tāmasaṃ sukham
das nennt man tamasisches Glück (3.Pl.Perf.; Nom.Sg.n.)

yad yad āgamasaṃyuktaṃ na kṛtsnam upaśāmyati; atha tatrāpy upādatte tamo vyaktam ivānṛtam

Was auch immer mit der Überlieferung verbunden nicht ganz zur Ruhe kommt, dort nimmt das Tamas dann das Unwahre auf, als wäre es offenbar [?].

Wort für Wort
yad yad āgamasaṃyuktam
was immer mit Überlieferung verbunden ist (Nom.Sg.n.)
na kṛtsnam upaśāmyati
nicht ganz zur Ruhe kommt (Adv.; 3.Sg.Präs.)
atha tatrāpy upādatte
dann nimmt es auch dort auf (3.Sg.Präs.Med.)
tamo vyaktam ivānṛtam
das Tamas, das Unwahre gleichsam als offenbar (Nom.Sg.n.; Akk.Sg.n.)

Der Sinn der zweiten Vershälfte ist unsicher.

evam eṣa prasaṃkhyātaḥ svakarmapratyayī guṇaḥ; kathaṃ cid vartate samyak keṣāṃ cid vā na vartate

So ist dieser auf dem eigenen Wirken beruhende Guṇa aufgezählt: Bei manchen ist er irgendwie recht wirksam, bei manchen ist er nicht wirksam.

Wort für Wort
evam eṣa prasaṃkhyātaḥ
so ist dieser aufgezählt (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.m.)
svakarmapratyayī guṇaḥ
der auf eigenem Wirken beruhende Guṇa (Nom.Sg.m.)
kathaṃ cid vartate samyak
irgendwie wirkt er recht (3.Sg.Präs.; Adv.)
keṣāṃ cid vā na vartate
oder bei manchen wirkt er nicht (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)

aham ity eṣa vai bhāvo nānyatra pratitiṣṭhati; yasya bhāvo dṛḍho nityaṃ sa vai vidvāṃs tathetaraḥ; dehadharmas tathā nityaṃ sarvabhūteṣu vai dṛḍhaḥ; etenaivānumānena tyājyo dharmas tathā hy asau; jñānena mucyate jantur dharmātmā jñānavān bhavet; dharmeṇa dhāryate lokaḥ sarvaṃ dharme pratiṣṭhitam; sarvārthajanakaś caiva dharmaḥ sarvasya kāraṇam; sarvo hi dṛśyate loke na sarvārthaḥ kathaṃ cana; sarvatyāge kṛte tasmāt paramātmā prasīdati; vyaktād avyaktam atulaṃ lokeṣu parivartate

Dieses Sein als „Ich“ besteht nirgendwo anders [als hier]. Wessen [Ich-]Zustand beständig fest ist, der ist ein Wissender, ebenso der andere [?]. Die Körpereigenschaft ist ebenso stets in allen Wesen fest; durch eben diesen Schluss ist dieses Dharma aufzugeben. Durch Erkenntnis wird das Lebewesen befreit; wer dharmagesinnt ist, möge wissend werden. Durch das Dharma wird die Welt getragen, alles ruht im Dharma. Und das Dharma erzeugt alle Ziele, es ist die Ursache von allem. Jeder wird in der Welt gesehen, keiner ist auf irgendeine Weise auf alle Ziele [gerichtet]. Wenn alles aufgegeben ist, wird darum das Höchste Selbst gnädig. Vom Offenbaren her wandelt sich das unvergleichliche Nichtoffenbare in den Welten.

Wort für Wort
aham ity eṣa vai bhāvo
dieses Sein als „Ich“ (Nom.Sg.m.)
nānyatra pratitiṣṭhati
besteht nicht anderswo (Adv.; 3.Sg.Präs.)
yasya bhāvo dṛḍho nityam
wessen Zustand stets fest ist (Gen.Sg.; Nom.Sg.m.)
sa vai vidvāṃs tathetaraḥ
der ist ein Wissender, ebenso der andere (Nom.Sg.m.)
dehadharmas tathā nityam
ebenso die Körpereigenschaft stets (Nom.Sg.m.)
sarvabhūteṣu vai dṛḍhaḥ
in allen Wesen fest (Lok.Pl.; Nom.Sg.m.)
etenaivānumānena
durch eben diesen Schluss (Instr.Sg.n.)
tyājyo dharmas tathā hy asau
aufzugeben ist das Dharma, jenes (Gerundiv Nom.Sg.m.)
jñānena mucyate jantuḥ
durch Erkenntnis wird das Lebewesen befreit (Instr.Sg.; 3.Sg.Pass.)
dharmātmā jñānavān bhavet
wer dharmagesinnt ist, möge wissend werden (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)
dharmeṇa dhāryate lokaḥ
durch das Dharma wird die Welt getragen (Instr.Sg.; 3.Sg.Pass.)
sarvaṃ dharme pratiṣṭhitam
alles ruht im Dharma (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
sarvārthajanakaś caiva
und erzeugt alle Ziele (Nom.Sg.m., Kompositum)
dharmaḥ sarvasya kāraṇam
das Dharma ist die Ursache von allem (Nom.Sg.m.; Gen.Sg.n.)
sarvo hi dṛśyate loke
jeder wird in der Welt gesehen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.)
na sarvārthaḥ kathaṃ cana
keiner ist auf irgendeine Weise auf alle Ziele [gerichtet] (Nom.Sg.m.)
sarvatyāge kṛte tasmāt
wenn alles aufgegeben ist, darum (Lok. abs.; Abl.)
paramātmā prasīdati
das Höchste Selbst wird gnädig (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
vyaktād avyaktam atulam
vom Offenbaren her das Nichtoffenbare, unvergleichlich (Abl.; Nom.Sg.n.)
lokeṣu parivartate
wandelt sich in den Welten (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text und Sinn stellenweise unsicher (v. a. „ebenso der andere“, „nicht auf alle Ziele“ und die Schlusszeile).

evam āhuḥ samāhāraṃ kṣetram adhyātmacintakāḥ; sthito manasi yo bhāvaḥ sa vai kṣetrajña ucyate

So nennen die Denker über das Selbst (adhyātma) das Feld (kṣetra) eine Zusammenfassung; der im Geist stehende Zustand, der wird „Feldkenner“ (kṣetrajña) genannt.

Wort für Wort
evam āhuḥ samāhāraṃ
so nennen sie eine Zusammenfassung (3.Pl.Perf.; Akk.Sg.m.)
kṣetram adhyātmacintakāḥ
das Feld, die Denker über das Selbst (Akk.Sg.n.; Nom.Pl.m.)
sthito manasi yo bhāvaḥ
der im Geist stehende Zustand (Part.Perf.; Lok.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
sa vai kṣetrajña ucyate
der wird Feldkenner genannt (3.Sg.Pass.)

evaṃ sati ka ucchedaḥ śāśvato vā kathaṃ bhavet; svabhāvād vartamāneṣu sarvabhūteṣu hetutaḥ

Wenn es sich so verhält, welche Vernichtung [gäbe es], oder wie könnte etwas ewig sein, wo doch alle Wesen aus ihrer Eigennatur heraus [und] aus [ihrem] Grund wirken?

Wort für Wort
evaṃ sati ka ucchedaḥ
wenn es so ist, welche Vernichtung (Lok. abs.; Nom.Sg.m.)
śāśvato vā kathaṃ bhavet
oder wie könnte [etwas] ewig sein (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)
svabhāvād vartamāneṣu
aus Eigennatur wirkend (Abl.Sg.; Part.Präs. Lok.Pl.)
sarvabhūteṣu hetutaḥ
unter allen Wesen, aus [einem] Grund (Lok.Pl.; Adv.)

yathārṇavagatā nadyo vyaktīr jahati nāma ca; na ca svatāṃ niyacchanti tādṛśaḥ sattvasaṃkṣayaḥ

Wie Flüsse, die ins Meer gelangt sind, ihre Einzelgestalten und ihren Namen verlassen und ihre Eigenheit nicht bewahren, so [ist] die Auflösung der Wesen.

Wort für Wort
yathārṇavagatā nadyo
wie ins Meer gelangte Flüsse (Nom.Pl.f.)
vyaktīr jahati nāma ca
lassen Einzelgestalten und Namen zurück (Akk.Pl.f.; 3.Pl.Präs.)
na ca svatāṃ niyacchanti
und behalten ihre Eigenheit nicht (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Präs.)
tādṛśaḥ sattvasaṃkṣayaḥ
ebenso ist die Auflösung der Wesen (Nom.Sg.m.)

evaṃ sati kutaḥ saṃjñā pretyabhāve punar bhavet; pratisaṃmiśrite jīve gṛhyamāṇe ca madhyataḥ

Wenn es so ist, woher sollte dann beim Dasein nach dem Tode wieder ein Bewusstsein/eine Benennung entstehen, wo das Lebewesen [doch] rückvermischt und in der Mitte erfasst wird [?]?

Wort für Wort
evaṃ sati kutaḥ saṃjñā
wenn es so ist, woher Bewusstsein/Benennung (Lok. abs.; Nom.Sg.f.)
pretyabhāve punar bhavet
beim Dasein nach dem Tod wieder entstehen (Lok.Sg.; 3.Sg.Opt.)
pratisaṃmiśrite jīve
wenn das Lebewesen zurückvermischt ist (Lok.Sg. abs.)
gṛhyamāṇe ca madhyataḥ
und in der Mitte erfasst wird (Part.Präs.Pass. Lok.; Adv.)

Zweite Vershälfte unsicher.

imāṃ tu yo veda vimokṣabuddhim; ātmānam anvicchati cāpramattaḥ; na lipyate karmaphalair aniṣṭaiḥ; patraṃ bisasyeva jalena siktam

Wer aber diese Einsicht der Befreiung kennt und unablässig achtsam das Selbst sucht, den befleckt keine unerwünschte Frucht der Werke, wie das vom Wasser benetzte Blatt der Lotuswurzel [nicht haftet].

Wort für Wort
imāṃ tu yo veda
wer diese [Einsicht] kennt (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Perf./Präs.)
vimokṣabuddhim
die Einsicht der Befreiung (Akk.Sg.f.)
ātmānam anvicchati cāpramattaḥ
und das Selbst sucht, unachtsam nicht (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.)
na lipyate karmaphalair aniṣṭaiḥ
wird nicht befleckt von unerwünschten Werkfrüchten (3.Sg.Pass.; Instr.Pl.n.)
patraṃ bisasyeva
wie das Blatt der Lotuswurzel/des Lotus (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.n.)
jalena siktam
vom Wasser benetzt (Instr.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)

dṛḍhaiś ca pāśair bahubhir vimuktaḥ; prajānimittair api daivataiś ca; yadā hy asau sukhaduḥkhe jahāti; muktas tadāgryāṃ gatim ety aliṅgaḥ; śrutipramāṇāgamamaṅgalaiś ca; śete jarāmṛtyubhayād atītaḥ

Von vielen festen Fesseln befreit, auch von den durch die Nachkommenschaft bedingten und von den Göttern; wenn er Glück und Leid ablegt, gelangt er als Befreiter zum höchsten Ziel, ohne Merkmal. Er ruht, über Alter, Tod und Furcht hinaus, jenseits auch der Heilsriten, die auf Offenbarung, Erkenntnismittel und Überlieferung [gründen?] [?].

Wort für Wort
dṛḍhaiś ca pāśair bahubhir vimuktaḥ
und von vielen festen Fesseln befreit (Instr.Pl.m.; Part.Perf.Pass.)
prajānimittair api daivataiś ca
auch von den durch Nachkommen bedingten und von den Göttern [Fesseln] (Instr.Pl.; Instr.Pl.n.)
yadā hy asau sukhaduḥkhe jahāti
wenn er Glück und Leid ablegt (Akk.Du.n.; 3.Sg.Präs.)
muktas tadāgryāṃ gatim ety aliṅgaḥ
dann geht der Befreite merkmallos zum höchsten Ziel (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
śrutipramāṇāgamamaṅgalaiś ca
und durch Heilsriten der Offenbarung, Erkenntnismittel, Überlieferung [?] (Instr.Pl.n.)
śete jarāmṛtyubhayād atītaḥ
er ruht, über Furcht vor Alter und Tod hinaus (3.Sg.Präs.Med.; Abl.; Part.Perf.)

Die Zeile śrutipramāṇāgamamaṅgalaiś ca ist unsicher.

kṣīṇe ca puṇye vigate ca pāpe; tatonimitte ca phale vinaṣṭe; alepam ākāśam aliṅgam evam; āsthāya paśyanti mahad dhy asaktāḥ

Wenn das Verdienst geschwunden, das Übel gewichen und die Frucht, deren Ursache [dahin ist], vernichtet ist, dann sehen die Anhaftungslosen, indem sie sich so auf das Unbefleckte, merkmallose Raumgleiche stützen, das Große.

Wort für Wort
kṣīṇe ca puṇye vigate ca pāpe
wenn das Verdienst geschwunden und das Übel gewichen ist (Lok. abs.)
tatonimitte ca phale vinaṣṭe
und die daraus/dadurch verursachte Frucht vernichtet ist (Lok. abs.)
alepam ākāśam aliṅgam evam
das unbefleckte Raumgleiche, merkmallos, so (Akk.Sg.n.)
āsthāya paśyanti mahad dhy asaktāḥ
sich [darauf] stützend sehen die Anhaftungslosen das Große (Abs.; 3.Pl.Präs.; Akk.Sg.n.; Nom.Pl.m.)

yathorṇanābhiḥ parivartamānas; tantukṣaye tiṣṭhati pātyamānaḥ; tathā vimuktaḥ prajahāti duḥkhaṃ; vidhvaṃsate loṣṭa ivādrim arcchan

Wie die Spinne, die sich [im Netz] hin und her bewegt, beim Reißen des Fadens [stehen bleibt, hinabgeworfen wird], so lässt der Befreite das Leid hinter sich; er zerschellt, wie ein Erdklumpen, der an einen Felsen stößt.

Wort für Wort
yathorṇanābhiḥ parivartamānas
wie die Spinne, sich hin und her bewegend (Nom.Sg.m.; Part.Präs.Med.)
tantukṣaye tiṣṭhati pātyamānaḥ
beim Schwund des Fadens bleibt sie stehen, herabgeworfen [?] (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.; Part.Pass.)
tathā vimuktaḥ prajahāti duḥkham
so lässt der Befreite das Leid hinter sich (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.)
vidhvaṃsate loṣṭa ivādrim arcchan
er zerschellt wie ein Erdklumpen, der einen Felsen trifft (3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.m.; Akk.Sg.m.; Part.Präs.)

tiṣṭhati pātyamānaḥ ist unsicher; das Bild der Spinne ist nur andeutungsweise ausgeführt.

yathā ruruḥ śṛṅgam atho purāṇaṃ; hitvā tvacaṃ vāpy urago yathāvat; vihāya gacchaty anavekṣamāṇas; tathā vimukto vijahāti duḥkham

Wie der Hirsch sein altes Geweih ablegt oder die Schlange, wie [es sich] gehört, ihre Haut, und ohne zurückzublicken davongeht, so lässt der Befreite das Leid hinter sich.

Wort für Wort
yathā ruruḥ śṛṅgam atho purāṇam
wie der Hirsch das alte Geweih (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.)
hitvā tvacaṃ vāpy urago yathāvat
ablegend, oder wie die Schlange ihre Haut, wie es sich gehört (Abs.; Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
vihāya gacchaty anavekṣamāṇas
verlässt und geht, ohne zurückzublicken (Abs.; 3.Sg.Präs.; Part.Präs.)
tathā vimukto vijahāti duḥkham
so lässt der Befreite das Leid zurück (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)

drumaṃ yathā vāpy udake patantam; utsṛjya pakṣī prapataty asaktaḥ; tathā hy asau sukhaduḥkhe vihāya; muktaḥ parārdhyāṃ gatim ety aliṅgaḥ

Wie ein Vogel einen Baum, der ins Wasser stürzt, verlässt und anhaftungslos davonfliegt, so gelangt der Befreite, Glück und Leid hinter sich lassend, ohne Merkmal zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
drumaṃ yathā vāpy udake patantam
wie einen Baum, der ins Wasser fällt (Akk.Sg.m.; Lok.Sg.; Part.Präs.)
utsṛjya pakṣī prapataty asaktaḥ
verlässt ihn der Vogel und fliegt davon, anhaftungslos (Abs.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
tathā hy asau sukhaduḥkhe vihāya
so lässt jener Glück und Leid hinter sich (Akk.Du.n.; Abs.)
muktaḥ parārdhyāṃ gatim ety aliṅgaḥ
als Befreiter geht er merkmallos zum höchsten Ziel (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.f.)

imān svalokān anupaśya sarvān; vrajan yathākāśam ivāptakāmaḥ; imāṃ hi gāthāṃ pralapan yathāsti; samastasaṃkalpaviśeṣamuktaḥ; ahaṃ hi sarvaṃ kila sarvabhāve; hy ahaṃ tadantar hy aham eva bhoktā

Alle diese eigenen Welten betrachtend, wie einer, dessen Wünsche erfüllt sind, gleichsam durch den Raum wandelnd, diesen Gesang so sprechend, wie es ist, befreit von jeder besonderen Vorstellung: „Ich bin ja alles, heißt es, im Sein von allem; ich bin in dessen Innerem, ich allein bin der Genießer.“

Wort für Wort
imān svalokān anupaśya sarvān
alle diese eigenen Welten betrachtend (Akk.Pl.m.; Abs.)
vrajan yathākāśam ivāptakāmaḥ
wandelnd wie durch den Raum, wunscherfüllt (Part.Präs.; Nom.Sg.m.)
imāṃ hi gāthāṃ pralapan yathāsti
diesen Gesang sprechend, wie er ist (Akk.Sg.f.; Part.Präs.)
samastasaṃkalpaviśeṣamuktaḥ
befreit von jeder besonderen Vorstellung (Nom.Sg.m.)
ahaṃ hi sarvaṃ kila sarvabhāve
ich [bin] ja alles, heißt es, im Sein von allem (Nom.Sg.; Akk.Sg.n.; Lok.Sg.)
hy ahaṃ tadantar hy aham eva bhoktā
ich in dessen Innerem, ich allein der Genießer (Nom.Sg.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, Text vermutlich verderbt; āptakāma wörtlich „dessen Wünsche erfüllt sind“; die Schlusszeilen unsicher.

api ca bhavati maithilena gītaṃ; nagaram upāhitam agninābhivīkṣya; na khalu mama tuṣo 'pi dahyate 'tra; svayam idam āha kila sma bhūmipālaḥ

Auch wird vom Maithila [Janaka] ein Lied gesungen: Als er die vom Feuer in Brand gesetzte Stadt sah, sagte der Erdenhüter selbst, so heißt es: „Wahrlich, nicht einmal eine Spreu von mir verbrennt hier.“

Wort für Wort
api ca bhavati maithilena gītam
und es gibt von Maithila gesungen (3.Sg.Präs.; Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
nagaram upāhitam agninābhivīkṣya
die vom Feuer in Brand gesetzte Stadt erblickend (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.; Abs.)
na khalu mama tuṣo 'pi dahyate 'tra
wahrlich, nicht einmal eine Spreu von mir verbrennt hier (Gen.Sg.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.)
svayam idam āha kila sma bhūmipālaḥ
selbst sagte dies, so heißt es, der Erdenhüter (3.Sg.Perf.; Nom.Sg.m.)

idam amṛtapadaṃ videharājaḥ; svayam iha pañcaśikhena bhāṣyamāṇaḥ; nikhilam abhisamīkṣya niścitārthaṃ; paramasukhī vijahāra vītaśokaḥ

Dieses Unsterblichkeitswort sprach der König der Videhas selbst, als Pañcaśikha es hier vortrug; nachdem er alles vollständig erwogen und den Sinn gewiss gemacht hatte, lebte er höchst glücklich, frei von Kummer.

Wort für Wort
idam amṛtapadaṃ videharājaḥ
dieses Unsterblichkeitswort [Sprecher:] der König der Videhas (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
svayam iha pañcaśikhena bhāṣyamāṇaḥ
selbst hier von Pañcaśikha unterwiesen (Instr.Sg.m.; Part.Präs.Pass.)
nikhilam abhisamīkṣya niścitārtham
alles ganz erwogen habend, den Sinn gewiss (Abs.; Akk.Sg.m.)
paramasukhī vijahāra vītaśokaḥ
höchst glücklich lebte er, kummerfrei (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Perf.)

imaṃ hi yaḥ paṭhati vimokṣaniścayaṃ; na hīyate satatam avekṣate tathā; upadravān nānubhavaty aduḥkhitaḥ; pramucyate kapilam ivaitya maithilaḥ

Wer diese Gewissheit der Befreiung liest, der geht nicht zugrunde, er betrachtet [sie] ständig; er erfährt Bedrängnisse ohne Leid. Wie der Maithila, der zu Kapila gelangte, wird er befreit.

Wort für Wort
imaṃ hi yaḥ paṭhati vimokṣaniścayam
wer diese Gewissheit der Befreiung liest (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
na hīyate satatam avekṣate tathā
er nimmt nicht ab, und betrachtet ständig (3.Sg.Pass.; 3.Sg.Präs.Med.)
upadravān nānubhavaty aduḥkhitaḥ
Bedrängnisse erfährt er nicht leidend (Akk.Pl.m.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.)
pramucyate kapilam ivaitya maithilaḥ
wird befreit, wie Maithila, der zu Kapila gelangte (3.Sg.Pass.; Akk.Sg.m.; Abs.)

yudhiṣṭhira uvāca; kiṃkāraṇaṃ mahāprājña dahyamānaś ca maithilaḥ; bhīṣma uvāca; mithilāṃ neha dharmātmā prāha vīkṣya vidāhitām; śrūyatāṃ nṛpaśārdūla yadarthaṃ dīpitā purā; vahninā dīpitā sā tu tan me śṛṇu mahāmate; janako janadevas tu karmāṇy ādhāya cātmani; sarvabhāvam anuprāpya bhāvena vicacāra saḥ; yajan dadaṃs tathā juhvan pālayan pṛthivīm imām; adhyātmavin mahāprājñas tanmayatvena niṣṭhitaḥ; sa tasya hṛdi saṃkalpaṃ jñātum aicchat svayaṃ prabhuḥ; sarvalokādhipas tatra dvijarūpeṇa saṃyutaḥ; mithilāyāṃ mahābuddhir vyalīkaṃ kiṃ cid ācaran; sa gṛhītvā dvijaśreṣṭhair nṛpāya prativeditaḥ; aparādhaṃ samuddiśya taṃ rājā pratyabhāṣata; na tvāṃ brāhmaṇa daṇḍena niyokṣyāmi kathaṃ cana

Yudhiṣṭhira sprach: „Was ist der Grund, du Hochweiser, dass der Maithila brannte [?]?“ Bhīṣma sprach: Der Dharma-gesinnte äußerte hier, als er Mithilā verbrannt sah, [keine Klage] [?]. Höre, Tiger unter den Königen, weshalb sie einst in Brand gesetzt wurde; vom Feuer wurde sie entzündet, das höre von mir, Hochverständiger. Janaka, der Gott der Menschen, legte seine Werke ins Selbst nieder, gelangte zum Sein in allem und wandelte in diesem Zustand umher: opfernd, gebend, spendend und diese Erde beschützend, ein Kenner des Selbst, hochweise, in Einheit mit ihm gefestigt. Der Herr selbst wollte den Entschluss in seinem Herzen erkennen: der Herr aller Welten, in Brahmanengestalt zugegen, der hochgesinnte, beging in Mithilā ein geringes Vergehen. Von den besten Brahmanen ergriffen, wurde er dem König gemeldet. Im Hinblick auf das Vergehen antwortete ihm der König: „Ich werde dich, Brahmane, auf keine Weise mit Strafe belegen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
kiṃkāraṇaṃ mahāprājña dahyamānaś ca maithilaḥ
was ist der Grund, Hochweiser, [dass] der Maithila brannte [?] (Vok.Sg.m.; Part.Präs.Pass.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
mithilāṃ neha dharmātmā prāha vīkṣya vidāhitām
der Dharma-gesinnte sprach hier nicht, Mithilā verbrannt sehend [?] (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Perf.; Abs.)
śrūyatāṃ nṛpaśārdūla yadarthaṃ dīpitā purā
man höre, Tiger der Könige, wozu sie einst entzündet wurde (Imp.Pass.; Vok.; Part.Perf.Pass.)
vahninā dīpitā sā tu tan me śṛṇu mahāmate
vom Feuer entzündet war sie, das höre von mir, Hochverständiger (Instr.Sg.m.; Imp.2.Sg.; Vok.)
janako janadevas tu karmāṇy ādhāya cātmani
Janaka, Menschengott, legte die Werke ins Selbst nieder (Nom.Sg.m.; Akk.Pl.n.; Abs.; Lok.Sg.)
sarvabhāvam anuprāpya bhāvena vicacāra saḥ
zum Sein in allem gelangt, wandelte er in diesem Zustand (Abs.; Instr.Sg.m.; 3.Sg.Perf.)
yajan dadaṃs tathā juhvan pālayan pṛthivīm imām
opfernd, gebend, spendend, diese Erde schützend (Part.Präs.; Akk.Sg.f.)
adhyātmavin mahāprājñas tanmayatvena niṣṭhitaḥ
Kenner des Selbst, hochweise, in Einheit damit gefestigt (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.n.)
sa tasya hṛdi saṃkalpaṃ jñātum aicchat svayaṃ prabhuḥ
er, der Herr, wollte selbst den Entschluss in dessen Herzen erkennen (Lok.Sg.; Akk.Sg.m.; Inf.; 3.Sg.Impf.)
sarvalokādhipas tatra dvijarūpeṇa saṃyutaḥ
der Herr aller Welten, dort in Brahmanengestalt zugegen (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.n.)
mithilāyāṃ mahābuddhir vyalīkaṃ kiṃ cid ācaran
in Mithilā, der Hochverständige, ein geringes Vergehen begehend (Lok.Sg.f.; Akk.Sg.n.; Part.Präs.)
sa gṛhītvā dvijaśreṣṭhair nṛpāya prativeditaḥ
ergriffen von den besten Brahmanen, dem König gemeldet (Abs./Part.; Instr.Pl.m.; Dat.Sg.m.)
aparādhaṃ samuddiśya taṃ rājā pratyabhāṣata
im Hinblick auf das Vergehen sprach der König ihn an (Akk.Sg.m.; Abs.; 3.Sg.Impf.)
na tvāṃ brāhmaṇa daṇḍena niyokṣyāmi kathaṃ cana
dich, Brahmane, werde ich nie mit Strafe belegen (Akk.Sg.; Vok.; Instr.Sg.m.; 1.Sg.Fut.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, stark stichwortartig; dahyamānaś ca maithilaḥ und neha in der ersten Antwort sind unsicher. Die Bhīṣma-Rede endet erst in Einheit 64.

mama rājyād vinirgaccha yāvat sīmā bhuvo mama; tac chrutvā brāhmaṇo gatvā rājānaṃ pratyuvāca ha; kariṣye vacanaṃ rājan bravīhi mama jānataḥ; kā sīmā tava bhūmes tu brūhi dharmaṃ mamādya vai; tac chrutvā maithilo rājā lajjayāvanatānanaḥ; novāca vacanaṃ vipraṃ tattvabuddhyā samīkṣya tat; punaḥ punaś ca taṃ vipraś codayām āsa satvaram; brūhi rājendra gacchāmi tava rājyād vivāsitaḥ; tato nṛpo vicāryaivam āha brāhmaṇapuṃgavam; āvāso vā na me 'sty atra sarvā vā pṛthivī mama; gaccha vā tiṣṭha vā brahmann iti me niścitā matiḥ; ity uktaḥ sa tathā tena maithilena dvijottamaḥ; abravīt taṃ mahātmānaṃ rājānaṃ mantribhir vṛtam; tam evaṃ padmanābhasya nityaṃ pakṣapadāhitam

„Geh aus meinem Reich, soweit die Grenze meiner Erde [reicht].“ Als der Brahmane das gehört hatte, ging er und sprach zum König: „Ich werde dein Wort erfüllen, König; sage es mir, der ich [es] wissen möchte [?]: Wo ist die Grenze deines Landes? Sage mir heute das Dharma [d. h. was recht ist].“ Als der König von Mithilā das gehört hatte, das Antlitz vor Scham gesenkt, sprach er kein Wort zu dem Brahmanen, [sondern] überdachte es mit einer auf die Wahrheit gerichteten Einsicht. Und der Brahmane trieb ihn wieder und wieder eilig an: „Sage es, Fürst der Könige; ich gehe, aus deinem Reich verbannt.“ Da erwog der König so und sprach zu dem Stier unter den Brahmanen: „Entweder habe ich hier keine Bleibe, oder die ganze Erde gehört mir. Geh oder bleibe, Brahmane: so lautet mein feststehender Sinn.“ So von dem Maithila angesprochen, sagte der beste der Zweimalgeborenen zu jenem hochgesinnten König, der von Ratgebern umgeben war: [Anm.: Zeile verderbt; etwa: „Ihn, den stets dem Lotusnabligen an die Seite Gestellten“ [?]]

Wort für Wort
mama rājyād vinirgaccha yāvat sīmā bhuvo mama
geh aus meinem Reich, soweit meine Erdgrenze [reicht] (Imp.2.Sg.; Abl.; Nom.Sg.f.)
tac chrutvā brāhmaṇo gatvā rājānaṃ pratyuvāca ha
das gehört, ging der Brahmane und antwortete dem König (Abs.; Abs.; Akk.Sg.m.; 3.Sg.Perf.)
kariṣye vacanaṃ rājan bravīhi mama jānataḥ
ich werde dein Wort tun, König; sage [es] mir, der ich wissen [will?] (1.Sg.Fut.; Vok.; Imp.; Gen.Part.)
kā sīmā tava bhūmes tu brūhi dharmaṃ mamādya vai
welche Grenze hat dein Land? sage mir heute das Dharma (Nom.Sg.f.; Gen.Sg.f.; Imp.)
tac chrutvā maithilo rājā lajjayāvanatānanaḥ
das gehört, der König von Mithilā, vor Scham gesenkten Antlitzes (Abs.; Instr.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
novāca vacanaṃ vipraṃ tattvabuddhyā samīkṣya tat
sagte kein Wort zum Brahmanen, es mit wahrheitsgerichteter Einsicht erwägend (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.m.; Instr.Sg.f.; Abs.)
punaḥ punaś ca taṃ vipraś codayām āsa satvaram
und wieder und wieder trieb der Brahmane ihn eilig an (Adv.; Perf.Periphr.)
brūhi rājendra gacchāmi tava rājyād vivāsitaḥ
sage es, Fürst der Könige; ich gehe, aus deinem Reich verbannt (Vok.; 1.Sg.Präs.; Part.Perf.Pass.)
tato nṛpo vicāryaivam āha brāhmaṇapuṃgavam
da erwog der König so und sprach zum Stier der Brahmanen (Abs.; 3.Sg.Perf.; Akk.Sg.m.)
āvāso vā na me 'sty atra sarvā vā pṛthivī mama
entweder habe ich hier keine Bleibe, oder die ganze Erde ist mein (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.f.)
gaccha vā tiṣṭha vā brahmann iti me niścitā matiḥ
geh oder bleibe, Brahmane: so ist mein feststehender Sinn (Imp.; Vok.; Nom.Sg.f.)
ity uktaḥ sa tathā tena maithilena dvijottamaḥ
so von jenem Maithila angesprochen, der beste der Zweimalgeborenen (Part.Perf.Pass.; Instr.Sg.m.)
abravīt taṃ mahātmānaṃ rājānaṃ mantribhir vṛtam
sprach er zu jenem hochgesinnten, von Ministern umgebenen König (3.Sg.Impf.; Akk.Sg.m.; Instr.Pl.m.)
tam evaṃ padmanābhasya nityaṃ pakṣapadāhitam
ihn, so, des Lotusnabligen [?] stets [?] (Akk.Sg.m.; Gen.Sg.m.; Akk.Sg.m.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die letzte Zeile (tam evaṃ padmanābhasya nityaṃ pakṣapadāhitam) ist syntaktisch abgebrochen bzw. verderbt und nur vermutungsweise wiedergegeben; tac chrutvā brāhmaṇo ... jānataḥ ist ebenfalls unsicher. Der Text setzt sich in Einheit 64 fort.

aho siddhārtharūpo 'si gamiṣye svasti te 'stu vai; ity uktvā prayayau vipras taj jijñāsur dvijottamaḥ; adahac cāgninā tasya mithilāṃ bhagavān svayam; pradīpyamānāṃ mithilāṃ dṛṣṭvā rājā na kampitaḥ; janaiḥ sa paripṛṣṭas tu vākyam etad uvāca ha; anantaṃ bata me vittaṃ bhāvyaṃ me nāsti kiṃ cana; mithilāyāṃ pradīptāyāṃ na me kiṃ cana dahyate; tad asya bhāṣamāṇasya śrutvā śrutvā hṛdi sthitam; punaḥ saṃjīvayām āsa mithilāṃ tāṃ dvijottamaḥ; ātmānaṃ darśayām āsa varaṃ cāsmai dadau punaḥ; dharme tiṣṭhatu sadbhāvo buddhis te 'rthe narādhipa; satye tiṣṭhasva nirviṇṇaḥ svasti te 'stu vrajāmy aham; ity uktvā bhagavāṃś cainaṃ tatraivāntaradhīyata; etat te kathitaṃ rājan kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi

„Oh, du hast die Gestalt eines, dessen Ziel erreicht ist; ich werde gehen, Heil sei dir!“ So sprach der Brahmane, der Beste der Zweimalgeborenen, und ging fort, jenen [Sachverhalt] zu erkunden. Der Erhabene selbst verbrannte ihm Mithilā mit Feuer. Als der König die brennende Mithilā sah, wurde er nicht erschüttert. Von den Leuten befragt, sagte er dieses Wort: „Unendlich ist mein Besitz, [doch] gehört mir nichts; da Mithilā in Flammen steht, verbrennt mir nichts.“ Nachdem er dies, das in seinem Herzen Ruhende, vom Redenden immer wieder gehört hatte, erweckte der beste der Zweimalgeborenen jene Mithilā wieder zum Leben. Er zeigte sich selbst und gab ihm abermals eine Gunst: „Im Dharma möge deine gute Gesinnung bestehen, deine Einsicht im [höchsten] Ziel, Herrscher der Menschen; verweile, ohne Verhaftung, in der Wahrheit; Heil sei dir, ich gehe.“ So sprach der Erhabene zu ihm und verschwand dort. Dies habe ich dir erzählt, König; was willst du noch hören?

Wort für Wort
aho siddhārtharūpo 'si gamiṣye svasti te 'stu vai
oh, du hast die Gestalt eines Zielerreichten; ich werde gehen, Heil dir (Adj.; 1.Sg.Fut.; Imp.)
ity uktvā prayayau vipras taj jijñāsur dvijottamaḥ
so gesagt, ging der Brahmane, jenes erkunden wollend (Abs.; 3.Sg.Perf.; Nom.Sg.m. Desid.)
adahac cāgninā tasya mithilāṃ bhagavān svayam
und der Erhabene verbrannte ihm selbst Mithilā mit Feuer (3.Sg.Impf.; Instr.; Akk.Sg.f.)
pradīpyamānāṃ mithilāṃ dṛṣṭvā rājā na kampitaḥ
die brennende Mithilā sehend wurde der König nicht erschüttert (Part.Präs.Pass.; Abs.; Part.Perf.Pass.)
janaiḥ sa paripṛṣṭas tu vākyam etad uvāca ha
von den Leuten befragt sprach er dieses Wort (Instr.Pl.m.; Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Perf.)
anantaṃ bata me vittaṃ bhāvyaṃ me nāsti kiṃ cana
unendlich ist mein Besitz; [doch] nichts ist mir zu eigen [?] (Nom.Sg.n.; Gerundiv)
mithilāyāṃ pradīptāyāṃ na me kiṃ cana dahyate
wenn Mithilā in Flammen steht, verbrennt mir nichts (Lok. abs.; 3.Sg.Pass.)
tad asya bhāṣamāṇasya śrutvā śrutvā hṛdi sthitam
dies, ihm dem Sprechenden, immer wieder gehört, im Herzen ruhend [?] (Gen.Part.; Abs.; Lok.Sg.)
punaḥ saṃjīvayām āsa mithilāṃ tāṃ dvijottamaḥ
erweckte wieder jene Mithilā zum Leben der Beste der Zweimalgeborenen (Perf.Periphr.Kaus.)
ātmānaṃ darśayām āsa varaṃ cāsmai dadau punaḥ
zeigte sich selbst und gab ihm wiederum eine Gunst (Akk.Sg.m.; Perf.Periphr.; 3.Sg.Perf.)
dharme tiṣṭhatu sadbhāvo buddhis te 'rthe narādhipa
im Dharma bestehe deine gute Gesinnung, deine Einsicht im Ziel, Herrscher (Lok.Sg.; Imp.; Nom.Sg.f.; Vok.)
satye tiṣṭhasva nirviṇṇaḥ svasti te 'stu vrajāmy aham
bleibe in der Wahrheit, gleichmütig; Heil dir, ich gehe (Imp.Med.; Part.Perf.Pass.; 1.Sg.Präs.)
ity uktvā bhagavāṃś cainaṃ tatraivāntaradhīyata
so zu ihm gesagt, verschwand der Erhabene eben dort (Abs.; 3.Sg.Impf.Med.)
etat te kathitaṃ rājan kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
dies ist dir erzählt, König; was willst du weiter hören? (Part.Perf.Pass.; Inf.; 2.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Rede des Bhīṣma dauert bis zum Schluss an; der Anfang (aho siddhārtharūpo 'si) schließt an Einheit 63 an. Die Zeile tad asya bhāṣamāṇasya śrutvā śrutvā ist in der Wiedergabe unsicher.

yudhiṣṭhira uvāca; asti kaś cid yadi vibho sadāro niyato gṛhe; atītasarvasaṃsāraḥ sarvadvaṃdvavivarjitaḥ; taṃ me brūhi mahāprājña durlabhaḥ puruṣo mahān; bhīṣma uvāca; śṛṇu rājan yathāvṛttaṃ yan māṃ tvaṃ pṛṣṭavān asi; itihāsam imaṃ śuddhaṃ saṃsārabhayabheṣajam; devalo nāma viprarṣiḥ sarvaśāstrārthakovidaḥ; kriyāvān dhārmiko nityaṃ devabrāhmaṇapūjakaḥ; sutā suvarcalā nāma tasya kalyāṇalakṣaṇā; nātihrasvā nātikṛśā nātidīrghā yaśasvinī; pradānasamayaṃ prāptā pitā tasya hy acintayat; asyāḥ patiḥ kuto veti brāhmaṇaḥ śrotriyaḥ paraḥ; vidvān vipro hy akuṭumbaḥ priyavādī mahātapāḥ; ity evaṃ cintayānaṃ taṃ rahasy āha suvarcalā; andhāya māṃ mahāprājña dehy anandhāya vai pitaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Gibt es wohl jemanden, o Herr, der mit seiner Gattin fest im Hause lebt, dem das ganze Kreisen [des Saṃsāra] entschwunden ist, frei von allen Gegensatzpaaren? Diesen nenne mir, Hochweiser; schwer zu finden ist ein solcher großer Mensch.“ Bhīṣma sprach: Höre, König, den Hergang, nach dem du mich gefragt hast: diese reine alte Geschichte, ein Heilmittel gegen die Furcht vor dem Saṃsāra. Es war ein Brahmanenseher namens Devala, kundig des Sinnes aller Lehrschriften, tatkräftig, rechtschaffen, stets Verehrer von Göttern und Brahmanen. Seine Tochter hieß Suvarcalā, mit glückverheißenden Merkmalen, nicht zu klein, nicht zu mager, nicht zu groß, ruhmreich. Als sie das Alter der Vermählung erreicht hatte, sann ihr Vater nach: „Woher [wird] ihr Gatte [kommen]?“ [Er wünschte] einen vedakundigen Brahmanen, höchsten Ranges, gelehrt, ohne Haushalt [?], freundlich redend, einen großen Asketen. Während er so nachsann, sprach Suvarcalā zu ihm im Verborgenen: „Gib mich, du Hochweiser, einem Blinden, Vater, nicht einem Nichtblinden.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
asti kaś cid yadi vibho sadāro niyato gṛhe
gibt es jemanden, o Herr, der mit Gattin fest im Hause [lebt] (3.Sg.Präs.; Vok.; Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
atītasarvasaṃsāraḥ sarvadvaṃdvavivarjitaḥ
dem alles Kreisen entschwunden, frei von allen Gegensatzpaaren (Nom.Sg.m., Komposita)
taṃ me brūhi mahāprājña durlabhaḥ puruṣo mahān
den nenne mir, Hochweiser; schwer zu finden ist ein großer Mensch (Akk.Sg.m.; Imp.; Nom.Sg.m.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
śṛṇu rājan yathāvṛttaṃ yan māṃ tvaṃ pṛṣṭavān asi
höre, König, den Hergang, wonach du mich gefragt hast (Imp.; Vok.; Part.Perf.Akt.)
itihāsam imaṃ śuddhaṃ saṃsārabhayabheṣajam
diese reine Geschichte, ein Heilmittel gegen die Furcht vor dem Saṃsāra (Akk.Sg.m.; Akk.Sg.n.)
devalo nāma viprarṣiḥ sarvaśāstrārthakovidaḥ
Devala mit Namen, ein Brahmanenseher, kundig des Sinnes aller Lehrschriften (Nom.Sg.m.)
kriyāvān dhārmiko nityaṃ devabrāhmaṇapūjakaḥ
tatkräftig, rechtschaffen, stets Verehrer von Göttern und Brahmanen (Nom.Sg.m.)
sutā suvarcalā nāma tasya kalyāṇalakṣaṇā
seine Tochter Suvarcalā mit Namen, mit glückverheißenden Merkmalen (Nom.Sg.f.)
nātihrasvā nātikṛśā nātidīrghā yaśasvinī
nicht zu klein, nicht zu mager, nicht zu groß, ruhmreich (Nom.Sg.f.)
pradānasamayaṃ prāptā pitā tasya hy acintayat
zur Zeit der Vergabe gelangt, sann ihr Vater nach (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Impf.)
asyāḥ patiḥ kuto veti brāhmaṇaḥ śrotriyaḥ paraḥ
woher [kommt] ihr Gatte? ein Brahmane, vedakundig, höchsten (Nom.Sg.m.; Gen.Sg.f.)
vidvān vipro hy akuṭumbaḥ priyavādī mahātapāḥ
gelehrt, ein Brahmane, ohne Haushalt [?], freundlich redend, großer Asket (Nom.Sg.m.)
ity evaṃ cintayānaṃ taṃ rahasy āha suvarcalā
zu ihm, der so nachsann, sprach Suvarcalā im Verborgenen (Akk.Sg.m. Part.Präs.; Lok.; 3.Sg.Perf.)
andhāya māṃ mahāprājña dehy anandhāya vai pitaḥ
einem Blinden gib mich, Hochweiser, nicht einem Nichtblinden, Vater (Dat.Sg.m.; Imp.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; akuṭumbaḥ („ohne Haushalt“?) ist unsicher. Die Bhīṣma-Rede läuft über mehrere Einheiten.

pitovāca; evaṃ smara sadā vidvan mamedaṃ prārthitaṃ mune; na śakyaṃ prārthitaṃ vatse tvayādya pratibhāti me; andhatānandhatā ceti vikāro mama jāyate; suvarcalovāca; unmattevāśubhaṃ vākyaṃ bhāṣase śubhalocane; nāham unmattabhūtādya buddhipūrvaṃ bravīmi te; vidyate cet patis tādṛk sa māṃ bharati vedavit; yebhyas tvaṃ manyase dātuṃ mām ihānaya tān dvijān; bhīṣma uvāca; tādṛśaṃ taṃ patiṃ teṣu varayiṣye yathātatham; tatheti coktvā tāṃ kanyām ṛṣiḥ śiṣyān uvāca ha; brāhmaṇān vedasaṃpannān yonigotraviśodhitān; mātṛtaḥ pitṛtaḥ śuddhāñ śuddhān ācārataḥ śubhān; arogān buddhisaṃpannāñ śīlasattvaguṇānvitān; asaṃkīrṇāṃś ca gotreṣu vedavratasamanvitān; brāhmaṇān snātakāñ śīghraṃ mātāpitṛsamanvitān

Der Vater sprach: „So denke stets daran, Wissender, [an] dieses mein Erbetenes, Weiser [?]. Nicht möglich, Kind, erscheint mir, was du heute erbittest; ‚Blindheit und Nichtblindheit‘ – eine Verwirrung entsteht in mir.“ Suvarcalā sprach: „Wie eine Verrückte sprichst du ein unheilvolles Wort, Schönäugige. Ich bin nicht verrückt geworden; mit Bedacht sage ich es dir. Gibt es einen solchen Gatten, so soll mich der Vedakundige unterhalten. Diejenigen Brahmanen, denen du mich zu geben gedenkst, führe sie mir hierher.“ Bhīṣma sprach: „Einen solchen Gatten werde ich unter ihnen der Wahrheit gemäß erwählen.“ Nach seinem „So sei es“ zur Jungfrau sprach der Seher zu [seinen] Schülern: „Brahmanen, vedareich, in Herkunft und Geschlecht geläutert, von mütterlicher und väterlicher Seite rein, rein und gut im Wandel, gesund, verständig, mit Charakter, Wesensstärke und Vorzügen begabt, in den Geschlechtern unvermischt, mit Vedagelübden versehen, Brahmanen, Snātakas, rasch, mit Mutter und Vater [versehen] ...“ [Anm.: Fortsetzung]

Wort für Wort
pitovāca
der Vater sprach (3.Sg.Perf.)
evaṃ smara sadā vidvan mamedaṃ prārthitaṃ mune
so denke stets, Wissender, an dies mein Erbetenes, Weiser [?] (Imp.; Vok.; Part.Perf.Pass.)
na śakyaṃ prārthitaṃ vatse tvayādya pratibhāti me
nicht möglich, Kind, erscheint mir dein heutiges Erbetenes (Nom.Sg.n.; Vok.; Instr.; 3.Sg.Präs.)
andhatānandhatā ceti vikāro mama jāyate
Blindheit und Nichtblindheit: eine Verwirrung entsteht in mir (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
unmattevāśubhaṃ vākyaṃ bhāṣase śubhalocane
wie eine Verrückte sprichst du unheilvolles Wort, Schönäugige (Akk.Sg.n.; 2.Sg.Präs.; Vok.)
nāham unmattabhūtādya buddhipūrvaṃ bravīmi te
ich bin heute nicht verrückt geworden, mit Bedacht sage ich dir (Nom.Sg.; 1.Sg.Präs.)
vidyate cet patis tādṛk sa māṃ bharati vedavit
gibt es einen solchen Gatten, so unterhalte mich der Vedakundige (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
yebhyas tvaṃ manyase dātuṃ mām ihānaya tān dvijān
denen du mich zu geben meinst, diese Brahmanen bring hierher (Dat.Pl.; Inf.; Imp.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
tādṛśaṃ taṃ patiṃ teṣu varayiṣye yathātatham
einen solchen Gatten werde ich unter ihnen wahrheitsgemäß wählen (Akk.Sg.m.; 1.Sg.Fut.)
tatheti coktvā tāṃ kanyām ṛṣiḥ śiṣyān uvāca ha
„so sei es“ zu jener Jungfrau gesagt, sprach der Seher zu den Schülern (Abs.; Nom.Sg.m.; Akk.Pl.m.)
brāhmaṇān vedasaṃpannān yonigotraviśodhitān
Brahmanen, vedareich, in Herkunft und Gotra geläutert (Akk.Pl.m.)
mātṛtaḥ pitṛtaḥ śuddhāñ śuddhān ācārataḥ śubhān
von Mutter- und Vaterseite rein, rein und gut im Wandel (Adv.; Akk.Pl.m.)
arogān buddhisaṃpannāñ śīlasattvaguṇānvitān
gesund, verständig, mit Charakter, Wesensstärke, Vorzügen begabt (Akk.Pl.m.)
asaṃkīrṇāṃś ca gotreṣu vedavratasamanvitān
und in den Gotras unvermischt, mit Vedagelübden versehen (Akk.Pl.m.; Lok.Pl.)
brāhmaṇān snātakāñ śīghraṃ mātāpitṛsamanvitān
Brahmanen, Snātakas, rasch, mit Mutter und Vater versehen (Akk.Pl.m.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Zuordnung der Sprecher ist verwirrt (die Anrede śubhalocane in der Zeile unmattevāśubhaṃ … passt zum Vater, nicht zu Suvarcalā); Wiedergabe folgt den Sprecherangaben des Textes.

niveṣṭukāmān kanyāṃ me dṛṣṭvānayata śiṣyakāḥ; tac chrutvā tvaritāḥ śiṣyā hy āśrameṣu tatas tataḥ; grāmeṣu ca tato gatvā brāhmaṇebhyo nyavedayan; ṛṣeḥ prabhāvaṃ matvā te kanyāyāś ca dvijottamāḥ; anekamunayo rājan saṃprāptā devalāśramam; anumānya yathānyāyaṃ munīn munikumārakān; abhyarcya vidhivat tatra kanyāṃ prāha pitā mahān; ete 'pi munayo vatse svaputraikamatā iha; vedavedāṅgasaṃpannāḥ kulīnāḥ śīlasaṃmatāḥ; ye 'mī teṣu varaṃ bhadre tvam icchasi mahāvratam; taṃ kumāraṃ vṛṇīṣvādya tasmai dāsyām ahaṃ śubhe; tatheti coktvā kalyāṇī taptahemanibhā tadā; sarvalakṣaṇasaṃpannā vākyam āha yaśasvinī; viprāṇāṃ samitīr dṛṣṭvā praṇipatya tapodhanān; yady asti samitau vipro hy andho 'nandhaḥ sa me varaḥ

„Die eine Heirat wünschen, sehend meine Tochter, führt sie herbei, Schüler.“ Als sie das gehört hatten, eilten die Schüler hierhin und dorthin zu den Einsiedeleien und in die Dörfer und meldeten es den Brahmanen. Da sie die Macht des Sehers und der Tochter erkannt hatten, kamen viele Weise, o König, zu Devalas Einsiedelei. Die Weisen und Weisensöhne gebührend ehrend und nach Vorschrift bewirtend, sprach der große Vater dort zur Tochter: „Diese Weisen hier, mein Kind, sind eines Sinnes mit ihrem Sohn [?], vedakundig, mit den Vedāṅgas ausgestattet, aus gutem Hause, im Charakter geachtet. Wen du unter diesen, Gute, als Gatten wünschst, den Hochgelübdigen: diesen jungen Mann wähle heute, ihm will ich dich geben, Schöne.“ „So sei es“, sagte die Glückliche, [die] wie geglühtes Gold [Leuchtende], mit allen Merkmalen begabt, die Ruhmreiche, und sprach das Wort: Nachdem sie die Versammlungen der Brahmanen gesehen und die Asketen begrüßt hatte, [sagte sie]: „Wenn in der Versammlung ein Brahmane ist, der blind [und] nicht blind [ist], so sei er mein Gatte.“

Wort für Wort
niveṣṭukāmān kanyāṃ me dṛṣṭvānayata śiṣyakāḥ
die Heirat wünschen; meine Tochter gesehen habend, führt herbei, Schüler (Akk.Pl.m.; Abs.; Imp.; Vok.)
tac chrutvā tvaritāḥ śiṣyā hy āśrameṣu tatas tataḥ
das gehört, eilten die Schüler hierhin und dorthin zu Einsiedeleien (Abs.; Nom.Pl.m.; Lok.Pl.)
grāmeṣu ca tato gatvā brāhmaṇebhyo nyavedayan
und in Dörfern, dorthin gegangen, meldeten sie den Brahmanen (Lok.Pl.; Abs.; Dat.Pl.; 3.Pl.Impf.)
ṛṣeḥ prabhāvaṃ matvā te kanyāyāś ca dvijottamāḥ
die Macht des Sehers und der Jungfrau erkannt, jene besten Zweimalgeborenen (Abs.; Akk.Sg.m.; Gen.Sg.f.)
anekamunayo rājan saṃprāptā devalāśramam
viele Weise kamen, König, zu Devalas Einsiedelei (Nom.Pl.m.; Part.Perf.Pass.)
anumānya yathānyāyaṃ munīn munikumārakān
gebührend geehrt Weise und Weisensöhne (Abs.; Akk.Pl.m.)
abhyarcya vidhivat tatra kanyāṃ prāha pitā mahān
nach Vorschrift bewirtet, sprach dort der große Vater zur Jungfrau (Abs.; 3.Sg.Perf.)
ete 'pi munayo vatse svaputraikamatā iha
auch diese Weisen, Kind, sind hier eines Sinnes mit ihrem Sohn [?] (Nom.Pl.m.; Vok.)
vedavedāṅgasaṃpannāḥ kulīnāḥ śīlasaṃmatāḥ
mit Veda und Vedāṅgas ausgestattet, aus gutem Hause, im Charakter geachtet (Nom.Pl.m.)
ye 'mī teṣu varaṃ bhadre tvam icchasi mahāvratam
unter diesen, Gute, wen du als Gatten wünschst, den Hochgelübdigen (Nom.Pl.m.; Akk.Sg.m.; Vok.f.)
taṃ kumāraṃ vṛṇīṣvādya tasmai dāsyām ahaṃ śubhe
diesen jungen Mann wähle heute, ihm werde ich [dich] geben, Schöne (Imp.Med.; Dat.; 1.Sg.Fut.; Vok.)
tatheti coktvā kalyāṇī taptahemanibhā tadā
„so sei es“ gesagt, die Glückliche, geglühtem Gold gleich, da (Abs.; Nom.Sg.f.)
sarvalakṣaṇasaṃpannā vākyam āha yaśasvinī
mit allen Merkmalen begabt, sprach die Ruhmreiche ein Wort (Nom.Sg.f.; Akk.Sg.n.)
viprāṇāṃ samitīr dṛṣṭvā praṇipatya tapodhanān
die Versammlungen der Brahmanen gesehen, sich vor den Asketen verneigt (Akk.Pl.f.; Abs.; Akk.Pl.m.)
yady asti samitau vipro hy andho 'nandhaḥ sa me varaḥ
wenn in der Versammlung ein Brahmane ist, blind [und] nicht blind, der sei mein Gatte (3.Sg.Präs.; Lok.Sg.f.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; svaputraikamatā („eines Sinnes mit ihrem eigenen Sohn“) ist unsicher; Fortsetzung des Satzes von Einheit 66 mit niveṣṭukāmān.

tac chrutvā munayas tatra vīkṣamāṇāḥ parasparam; nocur viprā mahābhāgāḥ kanyāṃ matvā hy avedikām; kutsayitvā muniṃ tatra manasā munisattamāḥ; yathāgataṃ yayuḥ kruddhā nānādeśanivāsinaḥ; kanyā ca saṃsthitā tatra pitṛveśmani bhāminī; tataḥ kadā cid brahmaṇyo vidvān nyāyaviśāradaḥ; ūhāpohavidhānajño brahmacaryasamanvitaḥ; vedavid vedatattvajñaḥ kriyākalpaviśāradaḥ; ātmatattvavibhāgajñaḥ pitṛmān guṇasāgaraḥ; śvetaketur iti khyātaḥ śrutvā vṛttāntam ādarāt; kanyārthaṃ devalaṃ cāpi śīghraṃ tatrāgato 'bhavat; uddālakasutaṃ dṛṣṭvā śvetaketuṃ mahāvratam; yathānyāyaṃ ca saṃpūjya devalaḥ pratyabhāṣata; kanye eṣa mahābhāge prāpto ṛṣikumārakaḥ; varayainaṃ mahāprājñaṃ vedavedāṅgapāragam

Als die Weisen das dort gehört hatten, sahen sie einander an; die hochbeglückten Brahmanen sagten nichts, da sie das Mädchen für [des Veda] unkundig hielten [?]. Den Weisen dort in ihrem Sinn tadelnd, gingen die besten der Weisen, zornig, wie sie gekommen waren, [jeder] aus seinem Land, den verschiedenen Gegenden. Das Mädchen aber blieb, die Liebliche, im Haus des Vaters. Da [kam] einmal ein den Brahmanen Ergebener, gelehrt, in der Rechtsfindung geschickt, in der Beweisführung und Widerlegung kundig, mit Brahmacarya begabt, der Veda und Vedatattva kannte, im Ritenkanon geschickt, kundig der Unterscheidung der Selbstwahrheit, einen Vater besitzend, ein Meer der Vorzüge; er hieß Śvetaketu. Als er die Kunde mit Ehrerbietung gehört hatte, war er der Jungfrau wegen und zu Devala schnell dorthin gekommen. Als Devala Śvetaketu, den Sohn Uddālakas, den Hochgelübdigen, gesehen und gebührend geehrt hatte, sprach er: „Mädchen, dieser hochbeglückte Weisensohn ist gekommen; wähle diesen Hochverständigen, der die Veden und Vedāṅgas durchdrungen hat.“

Wort für Wort
tac chrutvā munayas tatra vīkṣamāṇāḥ parasparam
das gehört, die Weisen dort, einander ansehend (Abs.; Nom.Pl.m.; Part.Präs.; Adv.)
nocur viprā mahābhāgāḥ kanyāṃ matvā hy avedikām
die Brahmanen sagten nichts, das Mädchen für unkundig haltend [?] (3.Pl.Aor./Perf.; Abs.; Akk.Sg.f.)
kutsayitvā muniṃ tatra manasā munisattamāḥ
den Weisen dort im Sinn tadelnd, die besten Weisen (Abs.; Akk.Sg.m.; Instr.Sg.n.)
yathāgataṃ yayuḥ kruddhā nānādeśanivāsinaḥ
gingen zornig, wie sie gekommen waren, in verschiedenen Ländern wohnend (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.)
kanyā ca saṃsthitā tatra pitṛveśmani bhāminī
und das Mädchen blieb dort im Haus des Vaters, die Liebliche (Nom.Sg.f.; Lok.Sg.n.)
tataḥ kadā cid brahmaṇyo vidvān nyāyaviśāradaḥ
da einmal ein Brahmanenfreund, gelehrt, rechtskundig (Nom.Sg.m.)
ūhāpohavidhānajño brahmacaryasamanvitaḥ
der Beweis- und Widerlegungsweise kundig, mit Brahmacarya begabt (Nom.Sg.m.)
vedavid vedatattvajñaḥ kriyākalpaviśāradaḥ
Vedakenner, Kenner der Veda-Wahrheit, im Ritenkanon geschickt (Nom.Sg.m.)
ātmatattvavibhāgajñaḥ pitṛmān guṇasāgaraḥ
Kenner der Einteilung der Selbstwahrheit, einen Vater habend, Meer der Vorzüge (Nom.Sg.m.)
śvetaketur iti khyātaḥ śrutvā vṛttāntam ādarāt
Śvetaketu genannt, die Kunde mit Ehrerbietung gehört (Nom.Sg.m.; Abs.; Abl.)
kanyārthaṃ devalaṃ cāpi śīghraṃ tatrāgato 'bhavat
wegen der Jungfrau und zu Devala schnell dorthin gekommen (Akk.Sg.m.; Part.Perf.; 3.Sg.Impf.)
uddālakasutaṃ dṛṣṭvā śvetaketuṃ mahāvratam
den Sohn Uddālakas gesehen, Śvetaketu, den Hochgelübdigen (Akk.Sg.m.; Abs.)
yathānyāyaṃ ca saṃpūjya devalaḥ pratyabhāṣata
und gebührend geehrt, sprach Devala ihn an (Abs.; 3.Sg.Impf.Med.)
kanye eṣa mahābhāge prāpto ṛṣikumārakaḥ
Mädchen, dieser Hochbeglückte, der Weisensohn, ist gekommen (Vok.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
varayainaṃ mahāprājñaṃ vedavedāṅgapāragam
wähle diesen Hochverständigen, den Veda und Vedāṅgas Durchdrungenen (Imp.; Akk.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; hy avedikām („der Veda unkundig“) in der Wiedergabe unsicher.

tac chrutvā kupitā kanyā ṛṣiputram udaikṣata; tāṃ kanyām āha viprarṣiḥ so 'haṃ bhadre samāgataḥ; andho 'ham atra tattvaṃ hi tathā manye ca sarvadā; viśālanayanaṃ viddhi tathā māṃ hīnasaṃśayam; vṛṇīṣva māṃ varārohe bhaje ca tvām anindite; yenedaṃ vīkṣate nityaṃ śṛṇoti spṛśate 'tha vā; ghrāyate vakti satataṃ yenedaṃ rasayate punaḥ; yenedaṃ manyate tattvaṃ yena budhyati vā punaḥ; na cakṣur vidyate hy etat sa vai bhūtāndha ucyate; yasmin pravartate cedaṃ paśyañ śṛṇvan spṛśann api; jighraṃś ca rasayaṃs tadvad vartate yena cakṣuṣā; tan me nāsti tato hy andho vṛṇu bhadre 'dya mām ataḥ; lokadṛṣṭyā karomīha nityanaimittikādikam; ātmadṛṣṭyā ca tat sarvaṃ vilipyāmi ca nityaśaḥ

Als das Mädchen das gehört hatte, blickte es zornig auf den Weisensohn. Der Brahmanenseher sagte zu dem Mädchen: „Ich bin [es], der hier angekommen ist, Gute. Ich bin blind in Bezug auf hier [die Wirklichkeit?] und halte es stets so [?]. Wisse mich als weitäugig, ohne Zweifel. Wähle mich, du Schönhüftige, und ich diene dir, Tadellose. Womit man dieses [Ganze] stets sieht, hört, berührt, oder riecht, spricht, und wodurch man dies immer wieder schmeckt, womit man dies denkt, die Wahrheit, oder wodurch man erkennt: das Auge ist es nicht, [das] wird ja nicht gefunden; der wird wahrlich ‚im Wesen blind‘ genannt. Worin das hier tätig wird, wenn man sieht, hört, berührt, riecht, schmeckt, ebenso, mit welchem Auge man wirkt: das ist bei mir nicht; deshalb bin ich blind; wähle mich heute, Gute. Nach der Weltsicht vollziehe ich hier das Regelmäßige und das Gelegenheitsgebundene und dergleichen; nach der Selbstsicht aber bleibe ich dabei stets unbefleckt.“

Wort für Wort
tac chrutvā kupitā kanyā ṛṣiputram udaikṣata
das gehört, blickte das Mädchen zornig auf den Weisensohn (Abs.; Nom.Sg.f.; 3.Sg.Impf.)
tāṃ kanyām āha viprarṣiḥ so 'haṃ bhadre samāgataḥ
zu dem Mädchen sprach der Brahmanenseher: ich bin [es], Gute, der gekommen (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Perf.; Part.Perf.)
andho 'ham atra tattvaṃ hi tathā manye ca sarvadā
ich bin hier blind in Bezug auf die Wahrheit und denke stets so [?] (Nom.Sg.m.; 1.Sg.Präs.)
viśālanayanaṃ viddhi tathā māṃ hīnasaṃśayam
wisse mich als weitäugig, ohne Zweifel (Imp.; Akk.Sg.m.)
vṛṇīṣva māṃ varārohe bhaje ca tvām anindite
wähle mich, Schönhüftige, und ich diene dir, Tadellose (Imp.Med.; Vok.; 1.Sg.Präs.)
yenedaṃ vīkṣate nityaṃ śṛṇoti spṛśate 'tha vā
womit man dies stets sieht, hört oder berührt (Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
ghrāyate vakti satataṃ yenedaṃ rasayate punaḥ
riecht, spricht, und womit man dies immer wieder schmeckt (3.Sg.Pass./Med.; 3.Sg.Präs.)
yenedaṃ manyate tattvaṃ yena budhyati vā punaḥ
womit man dies, die Wahrheit, denkt, oder erkennt (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
na cakṣur vidyate hy etat sa vai bhūtāndha ucyate
das Auge findet sich hier nicht; der heißt wahrlich „im Wesen blind“ (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
yasmin pravartate cedaṃ paśyañ śṛṇvan spṛśann api
worin dies wirkt, sehend, hörend, berührend (Lok.Sg.n.; 3.Sg.Präs.; Part.Präs.)
jighraṃś ca rasayaṃs tadvad vartate yena cakṣuṣā
riechend und schmeckend ebenso, mit welchem Auge man wirkt (Part.Präs.; Instr.Sg.n.)
tan me nāsti tato hy andho vṛṇu bhadre 'dya mām ataḥ
das ist nicht bei mir, daher bin ich blind; wähle mich also heute, Gute (Nom.Sg.n.; Imp.)
lokadṛṣṭyā karomīha nityanaimittikādikam
nach der Weltsicht tue ich hier Regelmäßiges, Gelegenheitsgebundenes und dergleichen (Instr.Sg.f.; 1.Sg.Präs.)
ātmadṛṣṭyā ca tat sarvaṃ vilipyāmi ca nityaśaḥ
nach der Selbstsicht aber werde ich davon nie befleckt [?] (Instr.Sg.f.; 1.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; vilipyāmi ist als a-vilipyāmi („ich werde nicht befleckt“) gefasst; die Argumentation (andha im Sinne von „ohne [körperliches] Auge“ bzw. „ohne Verhaftung“) ist stark verdichtet; einzelne Wendungen (andho 'ham atra tattvaṃ hi, vartate yena cakṣuṣā) unsicher.

sthito 'haṃ nirbharaḥ śāntaḥ kāryakāraṇabhāvanaḥ; avidyayā taran mṛtyuṃ vidyayā taṃ tathāmṛtam; yathāprāptaṃ tu saṃdṛśya vasāmīha vimatsaraḥ; bhīṣma uvāca; krīte vyavasitaṃ bhadre bhartāhaṃ te vṛṇīṣva mām; tataḥ suvarcalā dṛṣṭvā prāha taṃ dvijasattamam; manasāsi vṛto vidvañ śeṣakartā pitā mama; vṛṇīṣva pitaraṃ mahyam eṣa vedavidhikramaḥ; tad vijñāya pitā tasyā devalo munisattamaḥ; śvetaketuṃ ca saṃpūjya tathaivoddālakena tam; munīnām agrataḥ kanyāṃ pradadau jalapūrvakam; udāharanti vai tatra śvetaketuṃ nirīkṣya tam; hṛtpuṇḍarīkanilayaḥ sarvabhūtātmako hariḥ; śvetaketusvarūpeṇa sthito 'sau madhusūdanaḥ; prīyatāṃ mādhavo devaḥ patnī ceyaṃ sutā mama

„Ich stehe [hier] unbelastet, ruhig, im Sinn für Ursache und Wirkung. Durch Nichtwissen überschreitet man den Tod, durch Wissen dann das Unsterbliche [?]. Was sich [mir] ergibt, gewahrend, lebe ich hier neidlos.“ Bhīṣma sprach: „Da [es] getan ist [?], ist es beschlossen, Gute: Ich bin dein Gatte, wähle mich.“ Da sah Suvarcalā ihn an und sprach zu dem besten der Brahmanen: „Im Geist bist du erwählt, Gelehrter; das Übrige besorgt mein Vater. Wähle [also] meinen Vater: das ist die vedische Ordnung.“ Als ihr Vater, der beste der Weisen Devala, dies erkannt hatte, ehrte er Śvetaketu und ebenso Uddālaka und gab vor den Weisen die Jungfrau, [mit] Wasser vorweg. Man sagt dort, indem man Śvetaketu anblickte: „Hari, der im Herzenslotus wohnt, das Selbst aller Wesen, er, Madhusūdana, steht in Śvetaketus Gestalt. Erfreut sei der Gott Mādhava; und diese ist die Gattin, meine Tochter.“

Wort für Wort
sthito 'haṃ nirbharaḥ śāntaḥ kāryakāraṇabhāvanaḥ
ich stehe unbelastet, ruhig, im Sinn für Ursache und Wirkung (Part.Perf.; Nom.Sg.m.)
avidyayā taran mṛtyuṃ vidyayā taṃ tathāmṛtam
durch Nichtwissen den Tod überschreitend, durch Wissen dann jenes Unsterbliche [?] (Instr.Sg.f.; Part.Präs.; Akk.Sg.m.)
yathāprāptaṃ tu saṃdṛśya vasāmīha vimatsaraḥ
das jeweils Erlangte gewahrend, lebe ich hier neidlos (Akk.Sg.n.; Abs.; 1.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
krīte vyavasitaṃ bhadre bhartāhaṃ te vṛṇīṣva mām
da [es] getan [?], ist es beschlossen, Gute; ich bin dein Gatte, wähle mich (Lok.Sg.n.; Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.m.; Imp.Med.)
tataḥ suvarcalā dṛṣṭvā prāha taṃ dvijasattamam
da sprach Suvarcalā, ihn ansehend, zu dem besten der Zweimalgeborenen (Abs.; 3.Sg.Perf.; Akk.Sg.m.)
manasāsi vṛto vidvañ śeṣakartā pitā mama
im Geist bist du erwählt, Gelehrter; das Übrige tut mein Vater (Instr.Sg.n.; Part.Perf.Pass.; Vok.; Nom.Sg.m.)
vṛṇīṣva pitaraṃ mahyam eṣa vedavidhikramaḥ
wähle meinen Vater; dies ist die vedische Vorgehensweise (Imp.Med.; Akk.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
tad vijñāya pitā tasyā devalo munisattamaḥ
dies erkannt, ihr Vater Devala, bester der Weisen (Abs.; Nom.Sg.m.)
śvetaketuṃ ca saṃpūjya tathaivoddālakena tam
und Śvetaketu geehrt, ebenso ihn samt Uddālaka (Akk.Sg.m.; Abs.; Instr.Sg.m.)
munīnām agrataḥ kanyāṃ pradadau jalapūrvakam
vor den Weisen gab er die Jungfrau, Wasser voraus (Gen.Pl.m.; Akk.Sg.f.; 3.Sg.Perf.; Adv.)
udāharanti vai tatra śvetaketuṃ nirīkṣya tam
man spricht dort, Śvetaketu anblickend (3.Pl.Präs.; Abs.)
hṛtpuṇḍarīkanilayaḥ sarvabhūtātmako hariḥ
Hari, im Herzenslotus wohnend, das Selbst aller Wesen (Nom.Sg.m.)
śvetaketusvarūpeṇa sthito 'sau madhusūdanaḥ
in Śvetaketus Gestalt steht jener Madhusūdana (Instr.Sg.n.; Part.Perf.; Nom.Sg.m.)
prīyatāṃ mādhavo devaḥ patnī ceyaṃ sutā mama
erfreut sei der Gott Mādhava; und diese ist [seine] Gattin, meine Tochter (Imp.Pass.; Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Eingangsverse setzen die Rede aus Einheit 69 fort; krīte vyavasitam (wohl kṛte „getan“?) und avidyayā taran mṛtyum sind unsicher.

pratipādayāmi te kanyāṃ sahadharmacarīṃ śubhām; ity uktvā pradadau tasmai devalo munipuṃgavaḥ; pratigṛhya ca tāṃ kanyāṃ śvetaketur mahāyaśāḥ; upayamya yathānyāyam atra kṛtvā yathāvidhi; samāpya tantraṃ munibhir vaivāhikam anuttamam; sa gārhasthye vasan dhīmān bhāryāṃ tām idam abravīt; yāni coktāni vedeṣu tat sarvaṃ kuru śobhane; mayā saha yathānyāyaṃ sahadharmacarī mama; aham ity eva bhāvena sthito 'haṃ tvaṃ tathaiva ca; tasmāt karmāṇi kurvīthāḥ kuryāṃ te ca tataḥ param; na mameti ca bhāvena jñānāgninilayena ca; anantaraṃ tathā kuryās tāni karmāṇi bhasmasāt; evaṃ tvayā ca kartavyaṃ sarvadādurbhagā mayā; yad yad ācarati śreṣṭhas tat tad evetaro janaḥ

„Ich übergebe dir die Jungfrau, die schöne Mitwandlerin im Dharma.“ Nach diesen Worten gab Devala, der Stier unter den Weisen, sie ihm. Śvetaketu, der Hochberühmte, nahm die Jungfrau an, führte sie nach Vorschrift heim und vollendete hier mit den Weisen den unübertrefflichen Hochzeitsritus. Der Weise lebte im Hausstand und sprach zu seiner Gattin dies: „Was in den Veden gelehrt ist, das alles tu, Schöne, nach Gebühr mit mir, [du] meine Mitwandlerin im Dharma. In der Haltung ‚Ich‘ stehe ich [da], und du ebenso; darum sollst du die Werke verrichten, und ich verrichte sie danach. Und in der Haltung ‚nicht mein‘, im Wohnen im Feuer der Erkenntnis, sollst du gleich darauf jene Werke zu Asche machen. So ist es auch von dir zu tun; stets [bist du] von mir nicht als Unglückliche [behandelt] [?]. Was immer der Beste tut, das tut ebenso das übrige Volk.“

Wort für Wort
pratipādayāmi te kanyāṃ sahadharmacarīṃ śubhām
ich übergebe dir die Jungfrau, Mitwandlerin im Dharma, schöne (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.f.)
ity uktvā pradadau tasmai devalo munipuṃgavaḥ
so gesagt, gab Devala, der Stier der Weisen, [sie] ihm (Abs.; 3.Sg.Perf.; Dat.Sg.m.)
pratigṛhya ca tāṃ kanyāṃ śvetaketur mahāyaśāḥ
und die Jungfrau angenommen, Śvetaketu, der Hochberühmte (Abs.; Nom.Sg.m.)
upayamya yathānyāyam atra kṛtvā yathāvidhi
heimgeführt nach Gebühr, hier nach Vorschrift ausgeführt (Abs.; Abs.)
samāpya tantraṃ munibhir vaivāhikam anuttamam
den Hochzeitsritus mit den Weisen vollendet, den unübertrefflichen (Abs.; Akk.Sg.n.; Instr.Pl.m.)
sa gārhasthye vasan dhīmān bhāryāṃ tām idam abravīt
er, der Weise, im Hausstand lebend, sprach zu jener Gattin dies (Lok.Sg.n.; Part.Präs.; 3.Sg.Impf.)
yāni coktāni vedeṣu tat sarvaṃ kuru śobhane
was in den Veden gesagt ist, das alles tu, Schöne (Nom.Pl.n.; Part.Perf.Pass.; Imp.; Vok.)
mayā saha yathānyāyaṃ sahadharmacarī mama
mit mir nach Gebühr, meine Mitwandlerin im Dharma (Instr.; Nom.Sg.f.)
aham ity eva bhāvena sthito 'haṃ tvaṃ tathaiva ca
in der Haltung ‚Ich‘ stehe ich, und du ebenso (Instr.Sg.m.; Part.Perf.)
tasmāt karmāṇi kurvīthāḥ kuryāṃ te ca tataḥ param
darum sollst du die Werke tun, und ich [tue] sie danach (Opt.Med.; 1.Sg.Opt.)
na mameti ca bhāvena jñānāgninilayena ca
und in der Haltung ‚nicht mein‘, im Wohnen im Erkenntnisfeuer (Instr.Sg.m.)
anantaraṃ tathā kuryās tāni karmāṇi bhasmasāt
gleich danach sollst du jene Werke zu Asche machen (Adv.; 2.Sg.Opt.; Adv.)
evaṃ tvayā ca kartavyaṃ sarvadādurbhagā mayā
so ist auch von dir zu tun; stets nicht Unglückliche von mir [?] (Gerundiv; Instr.; Nom.Sg.f.)
yad yad ācarati śreṣṭhas tat tad evetaro janaḥ
was immer der Beste tut, das tut ebenso das übrige Volk [d. h. das übrige Volk folgt] (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; sarvadādurbhagā mayā ist unsicher.

tasmāl lokasya siddhyarthaṃ kartavyaṃ cātmasiddhaye; uktvaivaṃ sa mahāprājñaḥ sarvajñānaikabhājanaḥ; putrān utpādya tasyāṃ ca yajñaiḥ saṃtarpya devatāḥ; ātmayogaparo nityaṃ nirdvaṃdvo niṣparigrahaḥ; bhāryāṃ tāṃ sadṛśīṃ prāpya buddhiṃ kṣetrajñayor iva; lokam anyam anuprāptau bhāryā bhartā tathaiva ca; sākṣibhūtau jagaty asmiṃś caramāṇau mudānvitau; tataḥ kadā cid bhartāraṃ śvetaketuṃ suvarcalā; papraccha ko bhavān atra brūhi me tad dvijottama; tām āha bhagavān vāgmī tvayā jñāto na saṃśayaḥ; dvijottameti mām uktvā punaḥ kam anupṛcchasi; sā tam āha mahātmānaṃ pṛcchāmi hṛdi śāyinam; tac chrutvā pratyuvācaināṃ sa na vakṣyati bhāmini; nāmagotrasamāyuktam ātmānaṃ manyase yadi

„Darum ist [es] zur Vollendung der Welt zu tun und zur Selbstvollendung.“ So gesprochen, zeugte der Hochweise, das alleinige Gefäß aller Erkenntnis, mit ihr Söhne und befriedigte die Götter durch Opfer; stets dem Selbst-Yoga ergeben, frei von Gegensatzpaaren, ohne Besitz. Er fand die ebenbürtige Gattin, wie Erkenntniskraft und Feldkenner [einander ebenbürtig sind]. Gattin und Gatte waren gleichsam zu einer anderen Welt gelangt, Zeugen in dieser Welt, und wandelten freudig. Da fragte einst Suvarcalā ihren Gatten Śvetaketu: „Wer bist du hier? Sage mir das, bester der Zweimalgeborenen.“ Der Erhabene, der Redekundige, sagte zu ihr: „Von dir erkannt, ohne Zweifel; nachdem du mich ‚bester der Zweimalgeborenen‘ genannt hast, wen fragst du dann noch?“ Sie sagte zu dem Hochgesinnten: „Ich frage den, der im Herzen ruht.“ Als er das gehört hatte, antwortete er ihr: „Er wird nicht sprechen, Schöne, wenn du das Selbst als mit Name und Geschlecht verbunden ansiehst [?].“

Wort für Wort
tasmāl lokasya siddhyarthaṃ kartavyaṃ cātmasiddhaye
darum ist zur Vollendung der Welt und zur Selbstvollendung zu tun (Abl.; Gerundiv)
uktvaivaṃ sa mahāprājñaḥ sarvajñānaikabhājanaḥ
so gesagt, der Hochweise, alleiniges Gefäß aller Erkenntnis (Abs.; Nom.Sg.m.)
putrān utpādya tasyāṃ ca yajñaiḥ saṃtarpya devatāḥ
Söhne mit ihr gezeugt, die Götter mit Opfern gesättigt (Akk.Pl.m.; Abs.; Instr.Pl.m.)
ātmayogaparo nityaṃ nirdvaṃdvo niṣparigrahaḥ
stets dem Selbst-Yoga ergeben, frei von Gegensätzen, besitzlos (Nom.Sg.m.)
bhāryāṃ tāṃ sadṛśīṃ prāpya buddhiṃ kṣetrajñayor iva
jene ebenbürtige Gattin gefunden, wie Erkenntniskraft und Feldkenner (Akk.Sg.f.; Abs.; Gen.Du.)
lokam anyam anuprāptau bhāryā bhartā tathaiva ca
zu einer anderen Welt gelangt, Gattin und ebenso Gatte (Akk.Sg.m.; Nom.Du.)
sākṣibhūtau jagaty asmiṃś caramāṇau mudānvitau
Zeugen in dieser Welt, wandelnd, freudig (Nom.Du.m.; Lok.Sg.n.; Part.Präs.)
tataḥ kadā cid bhartāraṃ śvetaketuṃ suvarcalā
da einst [fragte] Suvarcalā ihren Gatten Śvetaketu (Akk.Sg.m.)
papraccha ko bhavān atra brūhi me tad dvijottama
sie fragte: wer bist du hier? sage mir das, Bester der Zweimalgeborenen (3.Sg.Perf.; Vok.)
tām āha bhagavān vāgmī tvayā jñāto na saṃśayaḥ
zu ihr sprach der Erhabene, der Redegewandte: von dir erkannt, ohne Zweifel (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.; Instr.; Part.Perf.Pass.)
dvijottameti mām uktvā punaḥ kam anupṛcchasi
„Bester der Zweimalgeborenen“ mich genannt, wen fragst du dann weiter? (Abs.; Akk.Sg.; 2.Sg.Präs.)
sā tam āha mahātmānaṃ pṛcchāmi hṛdi śāyinam
sie sprach zu ihm, dem Hochgesinnten: ich frage den im Herzen Ruhenden (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.m.)
tac chrutvā pratyuvācaināṃ sa na vakṣyati bhāmini
das gehört, antwortete er ihr: er wird nicht sprechen, Schöne [?] (Abs.; 3.Sg.Perf.; 3.Sg.Fut.; Vok.)
nāmagotrasamāyuktam ātmānaṃ manyase yadi
wenn du das Selbst als mit Name und Geschlecht verbunden ansiehst (Akk.Sg.m.; 2.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Zeilen lokam anyam anuprāptau und sa na vakṣyati bhāmini sind unsicher.

tan mithyāgotrasadbhāve vartate dehabandhanam; aham ity eṣa bhāvo 'tra tvayi cāpi samāhitaḥ; tvam apy aham ahaṃ sarvam aham ity eva vartate; nātra tat paramārthaṃ vai kimartham anupṛcchasi; tataḥ prahasya sā hṛṣṭā bhartāraṃ dharmacāriṇī; uvāca vacanaṃ kāle smayamānā tadā nṛpa; kim anekaprakāreṇa virodhena prayojanam; kriyākalāpair brahmarṣe jñānanaṣṭo 'si sarvadā; śvetaketur uvāca; tan me brūhi mahāprājña yathāhaṃ tvām anuvratā; yad yad ācarati śreṣṭhas tat tad evetaro janaḥ; vartate tena loko 'yaṃ saṃkīrṇaś ca bhaviṣyati; saṃkīrṇe ca tathā dharme varṇaḥ saṃkaram eti ca; saṃkare ca pravṛtte tu mātsyo nyāyaḥ pravartate; tad aniṣṭaṃ harer bhadre dhātur asya mahātmanaḥ

„Bei [diesem] falschen Geschlechtsdasein besteht die Körperfessel. Dieses Sein als ‚Ich‘ ist hier auch in dir gesammelt. Auch du bist ‚ich‘, ‚ich‘ [ist] alles, ‚ich‘ – so besteht es. Das ist hier nicht der höchste Sinn; wozu fragst du weiter?“ Da lachte sie erfreut, die dharmagemäß Wandelnde, und sprach zu ihrem Gatten zur rechten Zeit lächelnd, o König: „Was nützt ein Widerspruch auf vielerlei Weise? Durch Massen von Riten, Brahmanenseher, bist du stets [der] Erkenntnis verlustig.“ Śvetaketu sprach: „Das sage mir, Hochweiser, [damit] ich dir folgen [kann]: Was immer der Beste tut, das tut ebenso das übrige Volk; danach richtet sich diese Welt, und sie wird vermischt werden. Ist das Dharma vermischt, so gerät die Klassenordnung in Vermischung; ist die Vermischung eingetreten, so herrscht das Fischrecht [das Recht des Stärkeren]. Das ist Hari, dem Erhalter, diesem Hochgesinnten, unerwünscht, Gute.“

Wort für Wort
tan mithyāgotrasadbhāve vartate dehabandhanam
bei falschem Geschlechtsdasein besteht die Körperfessel (Lok.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)
aham ity eṣa bhāvo 'tra tvayi cāpi samāhitaḥ
dieses Sein als ‚Ich‘ ist hier auch in dir gesammelt (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.; Part.Perf.Pass.)
tvam apy aham ahaṃ sarvam aham ity eva vartate
auch du [bist] ich, ich [ist] alles, ‚ich‘ – so besteht es (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
nātra tat paramārthaṃ vai kimartham anupṛcchasi
das ist hier nicht der höchste Sinn; wozu fragst du weiter? (Akk.Sg.m.; 2.Sg.Präs.)
tataḥ prahasya sā hṛṣṭā bhartāraṃ dharmacāriṇī
da lachte sie erfreut, die dharmagemäß Wandelnde, zu ihrem Gatten (Abs.; Nom.Sg.f.; Akk.Sg.m.)
uvāca vacanaṃ kāle smayamānā tadā nṛpa
sprach zur rechten Zeit ein Wort, lächelnd, da, König (3.Sg.Perf.; Part.Präs.Med.; Vok.)
kim anekaprakāreṇa virodhena prayojanam
was nützt ein Widerspruch auf vielerlei Weise? (Instr.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
kriyākalāpair brahmarṣe jñānanaṣṭo 'si sarvadā
durch Massen von Riten, Brahmanenseher, bist du stets der Erkenntnis verlustig [?] (Instr.Pl.m.; Vok.; Nom.Sg.m.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
tan me brūhi mahāprājña yathāhaṃ tvām anuvratā
das sage mir, Hochweiser, [damit] ich dir folgsam [bin] (Imp.; Vok.; Nom.Sg.f.)
yad yad ācarati śreṣṭhas tat tad evetaro janaḥ
was immer der Beste tut, das [tut] ebenso das übrige Volk (3.Sg.Präs.)
vartate tena loko 'yaṃ saṃkīrṇaś ca bhaviṣyati
danach richtet sich diese Welt und wird vermischt werden (3.Sg.Präs.Med.; Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Fut.)
saṃkīrṇe ca tathā dharme varṇaḥ saṃkaram eti ca
und ist das Dharma vermischt, gerät die Klasse in Vermischung (Lok.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
saṃkare ca pravṛtte tu mātsyo nyāyaḥ pravartate
und ist Vermischung eingetreten, herrscht das Fischrecht (Lok.Sg.m.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.)
tad aniṣṭaṃ harer bhadre dhātur asya mahātmanaḥ
das ist unerwünscht Hari, dem Erhalter, diesem Hochgesinnten, Gute (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.m.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Sprecherangabe śvetaketur uvāca passt grammatisch nicht (anuvratā ist feminin), Wiedergabe folgt dem Text; jñānanaṣṭo 'si („der Erkenntnis verlustig“) unsicher.

parameśvarasaṃkrīḍā lokasṛṣṭir iyaṃ śubhe; yāvatpāṃsava uddiṣṭās tāvatyo 'sya vibhūtayaḥ; tāvatyaś caiva māyās tu tāvatyo 'syāś ca śaktayaḥ; evaṃ sugahvare yukto yatra me tad bhavābhavam; chittvā jñānāsinā gacchet sa vidvān sa ca me priyaḥ; so 'ham eva na saṃdehaḥ pratijñā iti tasya vai; ye mūḍhās te durātmāno dharmasaṃkarakārakāḥ; maryādābhedakā nīcā narake yānti jantavaḥ; āsurīṃ yonim āpannā iti devānuśāsanam; bhagavatyā tathā loke rakṣitavyaṃ na saṃśayaḥ; suvarcalovāca; maryādālokarakṣārtham evam asmi tathā sthitaḥ; śabdaḥ ko 'tra iti khyātas tathārthaṃ ca mahāmune; śvetaketur uvāca; ākṛtiṃ ca tayor brūhi lakṣaṇena pṛthak pṛthak; vyatyayena ca varṇānāṃ parivādikṛto hi yaḥ

„Diese Weltenschöpfung ist das Spiel des höchsten Herrn, Schöne. So viele Staubkörner man nennt, so viele sind seine Machtentfaltungen, ebenso viele die Māyās, ebenso viele seine Kräfte. So im tiefen [Dickicht] verbunden, worin mein Entstehen und Vergehen [liegt] [?]: wer es mit dem Schwert der Erkenntnis durchschnitten hat und [weiter]geht, der ist ein Wissender, und der ist mir lieb. ‚Ich bin eben jener, ohne Zweifel‘: das ist dessen Gelöbnis. Die Toren, die schlechtgesinnten Verursacher der Dharma-Vermischung, die niedrigen Grenzverletzer gehen in die Hölle, die Wesen, [wenn sie] in eine asurische Geburt gelangt sind: so lautet die Weisung der Götter. Von der Ehrwürdigen ist [dies] in der Welt zu schützen, ohne Zweifel.“ Suvarcalā sprach: „Um Ordnung und Welt zu schützen, bin ich so geblieben. Welches [ist hier] das ‚Wort‘ genannt, und ebenso der ‚Sinn‘, großer Weiser?“ Śvetaketu sprach: „Nenne beider Gestalt mit dem [jeweiligen] Merkmal, jeweils gesondert; und was durch Vertauschung der Laute zum Gegenstand der Rede geworden ist [?] ...“ [Anm.: Fortsetzung]

Wort für Wort
parameśvarasaṃkrīḍā lokasṛṣṭir iyaṃ śubhe
das Spiel des höchsten Herrn ist diese Weltenschöpfung, Schöne (Nom.Sg.f.; Vok.)
yāvatpāṃsava uddiṣṭās tāvatyo 'sya vibhūtayaḥ
so viele Staubkörner genannt sind, so viele sind seine Machtentfaltungen (Nom.Pl.m.; Part.Perf.Pass.; Nom.Pl.f.)
tāvatyaś caiva māyās tu tāvatyo 'syāś ca śaktayaḥ
ebenso viele Māyās, ebenso viele ihre Kräfte (Nom.Pl.f.)
evaṃ sugahvare yukto yatra me tad bhavābhavam
so im tiefen Dickicht verbunden, worin mein Entstehen und Vergehen [?] (Lok.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
chittvā jñānāsinā gacchet sa vidvān sa ca me priyaḥ
mit dem Schwert der Erkenntnis durchschnitten, gehe er; der ist ein Wissender, der ist mir lieb (Abs.; Instr.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)
so 'ham eva na saṃdehaḥ pratijñā iti tasya vai
‚ich bin eben jener‘, ohne Zweifel: das ist dessen Gelöbnis (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.f.)
ye mūḍhās te durātmāno dharmasaṃkarakārakāḥ
die Toren, sie, Schlechtgesinnte, Verursacher der Dharma-Vermischung (Nom.Pl.m.)
maryādābhedakā nīcā narake yānti jantavaḥ
Grenzverletzer, Niedrige, gehen in die Hölle, die Wesen (Nom.Pl.m.; Lok.Sg.; 3.Pl.Präs.)
āsurīṃ yonim āpannā iti devānuśāsanam
in eine asurische Geburt gelangt: so die Weisung der Götter (Akk.Sg.f.; Part.Perf.; Nom.Sg.n.)
bhagavatyā tathā loke rakṣitavyaṃ na saṃśayaḥ
von der Ehrwürdigen ebenso in der Welt zu schützen, ohne Zweifel (Instr.Sg.f.; Gerundiv)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
maryādālokarakṣārtham evam asmi tathā sthitaḥ
um Ordnung und Welt zu schützen, bin ich so geblieben (Nom.Sg.n.; 1.Sg.Präs.; Part.Perf.)
śabdaḥ ko 'tra iti khyātas tathārthaṃ ca mahāmune
welches ist hier ‚Wort‘ genannt, und ebenso ‚Sinn‘, großer Weiser (Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.; Vok.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
ākṛtiṃ ca tayor brūhi lakṣaṇena pṛthak pṛthak
nenne die Gestalt beider mit dem Merkmal, jeweils gesondert (Akk.Sg.f.; Gen.Du.; Imp.; Instr.Sg.n.)
vyatyayena ca varṇānāṃ parivādikṛto hi yaḥ
und was durch Vertauschung der Laute zum Gegenstand der Rede gemacht ist [?] (Instr.Sg.m.; Gen.Pl.m.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Zeile evaṃ sugahvare yukto yatra me tad bhavābhavam, die Zuordnung von bhagavatyā und die Zeile vyatyayena ca varṇānāṃ parivādikṛto hi yaḥ sind unsicher. Der Satz setzt sich in Einheit 75 fort.

sa śabda iti vijñeyas tannipāto 'rtha ucyate; suvarcalovāca; śabdārthayor hi saṃbandhas tv anayor asti vā na vā; śvetaketur uvāca; tan me brūhi yathātattvaṃ śabdasthāne 'rtha eva cet; śabdārthayor na caivāsti saṃbandho 'tyanta eva hi; suvarcalovāca; puṣkare ca yathā toyaṃ tathāstīti ca vettha tat; arthe sthitir hi śabdasya nānyathā ca sthitir bhavet; śvetaketur uvāca; vidyate cen mahāprājña vinārthaṃ brūhi sattama; sasaṃsargo 'timātras tu vācakatvena vartate; asti ced vartate nityaṃ vikāroccāraṇena vai; suvarcalovāca; śabdasthāno 'tra ity uktas tathārtha iti me kṛtam; śvetaketur uvāca; arthāsthito na tiṣṭhec ca virūḍham iha bhāṣitam; na vikūlo 'tra kathito nākāśaṃ hi vinā jagat

„... das ist als ‚Wort‘ zu erkennen; ihr Zusammentreffen heißt ‚Sinn‘ [?].“ Suvarcalā sprach: „Besteht zwischen Wort und Sinn, diesen beiden, eine Beziehung, oder nicht?“ Śvetaketu sprach: „Das sage mir der Wahrheit gemäß: Wenn an der Stelle des Wortes nur der Sinn [steht], so besteht zwischen Wort und Sinn gewiss überhaupt keine Beziehung.“ Suvarcalā sprach: „Wie im Lotus das Wasser: so, dass es ‚ist‘, weißt du das. Im Sinn [gründet] der Bestand des Wortes, und der Bestand kann nicht anders sein.“ Śvetaketu sprach: „Wenn es [eine Beziehung] gibt, Hochweiser, so sage, ohne Sinn, Bester: Die übermäßige Verbindung wirkt als Bezeichnung; wenn sie besteht, wirkt sie stets durch die Äußerung der Veränderung.“ Suvarcalā sprach: „‚Hier ist es Stelle des Wortes‘, so ist es gesagt, und ‚Sinn‘: das ist von mir so gemacht.“ Śvetaketu sprach: „Was nicht im Sinn steht, bleibt nicht; das hier Gesagte ist gewachsen. Nicht als Verwirrung [?] ist es hier genannt; denn ohne Raum [gibt es] keine Welt.“

Wort für Wort
sa śabda iti vijñeyas tannipāto 'rtha ucyate
das ist als ‚Wort‘ zu erkennen, dessen Zusammentreffen heißt ‚Sinn‘ [?] (Gerundiv; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
śabdārthayor hi saṃbandhas tv anayor asti vā na vā
zwischen Wort und Sinn, diesen beiden, besteht eine Beziehung oder nicht (Gen./Lok.Du.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
tan me brūhi yathātattvaṃ śabdasthāne 'rtha eva cet
das sage mir wahrheitsgemäß, wenn an Stelle des Wortes nur der Sinn [steht] (Imp.; Lok.Sg.n.)
śabdārthayor na caivāsti saṃbandho 'tyanta eva hi
zwischen Wort und Sinn besteht keine Beziehung gänzlich (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
puṣkare ca yathā toyaṃ tathāstīti ca vettha tat
wie im Lotus das Wasser, so ‚ist es‘: das weißt du (Lok.Sg.n.; Nom.Sg.n.; 2.Sg.Perf.)
arthe sthitir hi śabdasya nānyathā ca sthitir bhavet
im Sinn [ruht] der Bestand des Wortes, anders kann der Bestand nicht sein (Lok.Sg.m.; Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
vidyate cen mahāprājña vinārthaṃ brūhi sattama
wenn es [sie] gibt, Hochweiser, sage ohne Sinn, Bester (3.Sg.Pass.; Vok.; Imp.)
sasaṃsargo 'timātras tu vācakatvena vartate
die übermäßige Verbindung wirkt als Bezeichnung (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
asti ced vartate nityaṃ vikāroccāraṇena vai
wenn sie besteht, wirkt sie stets durch Aussprache der Veränderung (3.Sg.Präs.; Instr.Sg.n.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
śabdasthāno 'tra ity uktas tathārtha iti me kṛtam
‚hier Stelle des Wortes‘, so gesagt, und ‚Sinn‘: so von mir gemacht (Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
arthāsthito na tiṣṭhec ca virūḍham iha bhāṣitam
was nicht im Sinn steht, bleibt nicht; das hier Gesagte ist gewachsen [?] (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.; Part.Perf.Pass.)
na vikūlo 'tra kathito nākāśaṃ hi vinā jagat
nicht als Verwirrung [?] hier genannt; denn ohne Raum keine Welt (Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.; Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ein hochverdichteter, sprachphilosophischer Wortwechsel, der stellenweise nur vermutungsweise wiedergegeben werden kann (v. a. tannipāto 'rtha, sasaṃsargo 'timātras, na vikūlo 'tra kathito, virūḍham). Der Vers setzt Einheit 74 fort.

suvarcalovāca; saṃbandhas tatra nāsty eva tadvad ity eṣa manyatām; sadāhaṃkāraśabdo 'yaṃ vyaktam ātmani saṃśritaḥ; śvetaketur uvāca; na vācas tatra vartante iti mithyā bhaviṣyati; ahaṃśabdo hy ahaṃbhāve nātmabhāve śubhavrate; suvarcalovāca; na vartate pare 'cintye vācaḥ saguṇalakṣaṇāḥ; ahaṃ gātraikataḥ śyāmā bhavān api tathaiva ca; tan me brūhi yathānyāyam evaṃ cen munisattama; śvetaketur uvāca; mṛnmaye hi ghaṭe bhāvas tādṛg bhāva iheṣyate; ayaṃ bhāvaḥ pare 'cintye hy ātmabhāvo yathā ca mṛt; ahaṃ tvam etad ity eva pare saṃkalpanāma tat; tasmād vāco na vartante iti naiva virudhyate; tasmād vāmena vartante manasā bhīru sarvaśaḥ; yathākāśagataṃ viśvaṃ saṃsaktam iva lakṣyate

Suvarcalā sprach: „Eine Beziehung besteht dort gar nicht; so möge man es ebenso ansehen. Dieses Wort ‚Ichheit‘ ist stets offenkundig im Selbst begründet.“ Śvetaketu sprach: „‚Dort wirken keine Worte‘: das wird falsch sein. Das Wort ‚ich‘ steht doch für das Sein als Ich, nicht für das Sein als Selbst, du Schöngelobende.“ Suvarcalā sprach: „Im höchsten, undenkbaren [Selbst] wirken keine Worte, die Eigenschaften und Merkmale tragen. Ich bin an den Gliedern eine Dunkle, und auch du ebenso; das sage mir nach Recht, wenn es so ist, bester der Weisen.“ Śvetaketu sprach: „Beim irdenen Krug ist ein Sein so, wie man es hier annimmt; dieses Sein im höchsten, undenkbaren [Selbst] ist wie das Selbstsein und wie die Erde [im Krug]. ‚Ich, du, dies‘: so ist es im Höchsten nur benannte Vorstellung [?]. Darum wirken die Worte dort nicht: das widerspricht keineswegs. Darum wirken sie, Furchtsame, in jeder Hinsicht mit dem Geist gleichsam links [?]; wie das Weltall, im Raum befindlich, gleichsam verhaftet erscheint.“

Wort für Wort
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
saṃbandhas tatra nāsty eva tadvad ity eṣa manyatām
eine Beziehung besteht dort gar nicht; so möge man es ansehen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Imp.Pass.)
sadāhaṃkāraśabdo 'yaṃ vyaktam ātmani saṃśritaḥ
dieses Wort ‚Ichheit‘ ist stets offenkundig im Selbst begründet (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
na vācas tatra vartante iti mithyā bhaviṣyati
‚dort wirken keine Worte‘: das wird falsch sein (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Präs.Med.; 3.Sg.Fut.)
ahaṃśabdo hy ahaṃbhāve nātmabhāve śubhavrate
das Wort ‚ich‘ [steht] für das Sein als Ich, nicht für das Selbst-Sein, Schöngelobende (Lok.Sg.m.; Vok.f.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
na vartate pare 'cintye vācaḥ saguṇalakṣaṇāḥ
im Höchsten, Undenkbaren wirken keine Worte mit Eigenschaften und Merkmalen (Lok.Sg.n.; Nom.Pl.f.)
ahaṃ gātraikataḥ śyāmā bhavān api tathaiva ca
ich bin an den Gliedern dunkel, und auch du ebenso (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
tan me brūhi yathānyāyam evaṃ cen munisattama
das sage mir nach Recht, wenn es so ist, bester der Weisen (Imp.; Vok.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
mṛnmaye hi ghaṭe bhāvas tādṛg bhāva iheṣyate
beim irdenen Krug ist ein Sein so, wie man es hier annimmt (Lok.Sg.m.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.)
ayaṃ bhāvaḥ pare 'cintye hy ātmabhāvo yathā ca mṛt
dieses Sein im höchsten Undenkbaren ist wie das Selbstsein und wie die Erde (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.f.)
ahaṃ tvam etad ity eva pare saṃkalpanāma tat
‚ich, du, dies‘: so ist im Höchsten das nur benannte Vorstellung [?] (Nom.Sg.n.)
tasmād vāco na vartante iti naiva virudhyate
darum wirken die Worte nicht: das widerspricht keineswegs (Abl.; 3.Sg.Pass.)
tasmād vāmena vartante manasā bhīru sarvaśaḥ
darum wirken sie links [?] mit dem Geist, Furchtsame, in jeder Hinsicht (Instr.Sg.n.; Vok.f.)
yathākāśagataṃ viśvaṃ saṃsaktam iva lakṣyate
wie das im Raum befindliche All gleichsam verhaftet erscheint (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; sprachphilosophischer Dialog, in mehreren Wendungen nur vermutungsweise wiedergegeben (sadāhaṃkāraśabdo, gātraikataḥ śyāmā, tasmād vāmena, saṃsaktam iva lakṣyate). Der Satz setzt sich in Einheit 77 fort.

saṃsarge sati saṃbandhāt tadvikāraṃ bhaviṣyati; anākāśagataṃ sarvaṃ vikāre ca sadā gatam; tad brahma paramaṃ śuddham anaupamyaṃ na śakyate; na dṛśyate tathā tac ca dṛśyate ca matir mama; suvarcalovāca; nirvikāraṃ hy amūrtiṃ ca nirayaṃ sarvagaṃ tathā; śvetaketur uvāca; dṛśyate ca viyan nityaṃ dṛgātmā tena dṛśyate; tvacā spṛśati vai vāyum ākāśasthaṃ punaḥ punaḥ; tatsthaṃ gandhaṃ tathāghrāti jyotiḥ paśyati cakṣuṣā; tamoraśmiguṇaś caiva meghajālaṃ tathaiva ca; varṣaṃ tārāgaṇaṃ caiva nākāśaṃ dṛśyate punaḥ; ākāśasyāpy athākāśaṃ sadrūpam iti niścitam; tadarthe kalpitā hy ete tatsatyo viṣṇur eva ca; yāni nāmāni gauṇāni hy upacārāt parātmani; na cakṣuṣā na manasā na cānyena paro vibhuḥ

„Wenn Verbindung besteht, entsteht durch die Beziehung dessen Veränderung. Alles, was nicht im Raum befindlich ist, ist stets in Veränderung gegangen. Jenes höchste, reine Brahman ist unvergleichlich; [es] kann nicht [erfasst werden] [?]. Es wird nicht gesehen, und doch wird es gesehen: so meine Ansicht.“ Suvarcalā sprach: „Unveränderlich, gestaltlos, ..., allgegenwärtig [?].“ Śvetaketu sprach: „Der Luftraum wird stets gesehen; durch ihn wird das sehende Selbst gesehen. Mit der Haut berührt man den im Raum befindlichen Wind wieder und wieder; den darin befindlichen Duft riecht man, das Licht sieht man mit dem Auge; und die Eigenschaft der Finsternisstrahlen [?] und ebenso das Wolkengeflecht, Regen und Sternenschar: der Raum aber wird nicht [selbst] gesehen. Auch des Raumes [Grund] ist ein Raum [gleichsam], von wahrer Gestalt: so ist es gewiss. Seinetwegen sind diese [Namen] festgelegt, und Viṣṇu ist deren Wahrheit; die Namen, die nur im übertragenen Sinn auf das Höchste Selbst [angewandt werden]: der Höchste, Allmächtige [wird] nicht durch das Auge, nicht durch den Geist und nicht durch anderes [erfasst] ...“ [Anm.: Fortsetzung]

Wort für Wort
saṃsarge sati saṃbandhāt tadvikāraṃ bhaviṣyati
wenn Verbindung besteht, entsteht durch die Beziehung dessen Veränderung (Lok. abs.; Abl.; Nom.Sg.n.; 3.Sg.Fut.)
anākāśagataṃ sarvaṃ vikāre ca sadā gatam
alles nicht im Raum Befindliche ist stets in Veränderung gegangen (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.m.; Part.Perf.)
tad brahma paramaṃ śuddham anaupamyaṃ na śakyate
jenes höchste, reine Brahman, unvergleichlich, ist nicht [zu erfassen] [?] (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
na dṛśyate tathā tac ca dṛśyate ca matir mama
es wird nicht gesehen und doch gesehen: so meine Ansicht (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.f.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
nirvikāraṃ hy amūrtiṃ ca nirayaṃ sarvagaṃ tathā
unveränderlich, gestaltlos, ohne [Ort?], allgegenwärtig (Nom./Akk.Sg.n.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
dṛśyate ca viyan nityaṃ dṛgātmā tena dṛśyate
der Luftraum wird stets gesehen, durch ihn wird das sehende Selbst gesehen (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.n.; Instr.)
tvacā spṛśati vai vāyum ākāśasthaṃ punaḥ punaḥ
mit der Haut berührt man den im Raum befindlichen Wind wieder und wieder (Instr.Sg.f.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.m.)
tatsthaṃ gandhaṃ tathāghrāti jyotiḥ paśyati cakṣuṣā
den darin befindlichen Duft riecht man, das Licht sieht man mit dem Auge (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Instr.Sg.n.)
tamoraśmiguṇaś caiva meghajālaṃ tathaiva ca
und die Eigenschaft der Finsternisstrahlen [?] und das Wolkengeflecht (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
varṣaṃ tārāgaṇaṃ caiva nākāśaṃ dṛśyate punaḥ
Regen und Sternenschar; der Raum aber wird nicht gesehen (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
ākāśasyāpy athākāśaṃ sadrūpam iti niścitam
auch des Raumes [ist] ein Raum, von wahrer Gestalt: so ist es gewiss (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
tadarthe kalpitā hy ete tatsatyo viṣṇur eva ca
seinetwegen sind diese festgelegt, und Viṣṇu ist deren Wahrheit (Lok.Sg.m.; Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.m.)
yāni nāmāni gauṇāni hy upacārāt parātmani
die Namen, die nur übertragen sind, aus bildlicher Übertragung, auf das Höchste Selbst (Nom.Pl.n.; Abl.Sg.m.; Lok.Sg.m.)
na cakṣuṣā na manasā na cānyena paro vibhuḥ
weder durch Auge noch durch Geist noch durch anderes [erfasst] der Höchste, Allmächtige (Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; sprachphilosophischer Dialog, in mehreren Zeilen nur vermutungsweise wiedergegeben (na śakyate, nirayaṃ, tamoraśmiguṇaś ca, ākāśasyāpy athākāśaṃ). Der Satz setzt sich in Einheit 78 fort.

cintyate sūkṣmayā buddhyā vācā vaktuṃ na śakyate; etat prapannam akhilaṃ tasmin sarvaṃ pratiṣṭhitam; mahāghaṭo 'lpakaś caiva yathā mahyāṃ pratiṣṭhitau; na ca strī na pumāṃś caiva yathaiva na napuṃsakaḥ; kevalajñānamātraṃ tat tasmin sarvaṃ pratiṣṭhitam; bhūmisaṃsthānayogena vastusaṃsthānayogataḥ; rasabhedā yathā toye prakṛtyām ātmanas tathā; tadvākyasmaraṇān nityaṃ tṛptiṃ vāri pibann iva; suvarcalovāca; prāpnoti jñānam akhilaṃ tena tat sukham edhate; anena sādhyaṃ kiṃ syād bai śabdeneti matir mama; vedagamyaḥ paro 'cintya iti paurāṇikā viduḥ; nirarthako yathā loke tadvat syād iti me matiḥ; śvetaketur uvāca; nirīkṣyaivaṃ yathānyāyaṃ vaktum arhasi me 'nagha

„... sondern er wird mit feiner Einsicht gedacht, mit Rede ist er nicht auszusprechen. Dies alles ist [in ihn] eingegangen; in ihm ruht alles, wie ein großer und ein kleiner Krug beide in der Erde ruhen. Er ist weder Frau noch Mann, ebenso auch kein Neutrum; er ist nur reine Erkenntnis: in ihm ruht alles. Durch die Anordnung der Erde, durch die Anordnung der Dinge [entstehen] Geschmacksunterschiede, wie im Wasser, so auch im Urstoff des Selbst. Durch stetiges Erinnern an sein Wort [gewinnt man] Sättigung, wie wenn man Wasser trinkt.“ Suvarcalā sprach: „Man erlangt die ganze Erkenntnis, dadurch gedeiht jenes Glück. Was soll mit diesem Wort erreicht werden? So ist meine Ansicht. ‚Durch den Veda erreichbar, der Höchste, Undenkbare‘: so wissen es die Kenner der Purāṇas; wie in der Welt etwas Sinnloses, so möge es wohl sein: das ist meine Ansicht.“ Śvetaketu sprach: „So gebührend erwogen, kannst du zu mir sprechen, Makelloser [?].“

Wort für Wort
cintyate sūkṣmayā buddhyā vācā vaktuṃ na śakyate
er wird mit feiner Einsicht gedacht, mit Rede nicht auszusprechen (3.Sg.Pass.; Instr.Sg.f.; Inf.)
etat prapannam akhilaṃ tasmin sarvaṃ pratiṣṭhitam
dies ganz [in ihn] eingegangen, in ihm ruht alles (Nom.Sg.n.; Part.Perf.; Lok.)
mahāghaṭo 'lpakaś caiva yathā mahyāṃ pratiṣṭhitau
wie großer und kleiner Krug beide in der Erde ruhen (Nom.Du.m.; Lok.Sg.f.)
na ca strī na pumāṃś caiva yathaiva na napuṃsakaḥ
weder Frau noch Mann, ebenso nicht Neutrum (Nom.Sg.)
kevalajñānamātraṃ tat tasmin sarvaṃ pratiṣṭhitam
nur reine Erkenntnis ist jenes; in ihm ruht alles (Nom.Sg.n.)
bhūmisaṃsthānayogena vastusaṃsthānayogataḥ
durch die Verbindung mit der Anordnung der Erde, der Dinge (Instr.Sg.m.; Adv.)
rasabhedā yathā toye prakṛtyām ātmanas tathā
Geschmacksunterschiede wie im Wasser, so im Urstoff des Selbst (Nom.Pl.m.; Lok.Sg.f.; Gen.Sg.m.)
tadvākyasmaraṇān nityaṃ tṛptiṃ vāri pibann iva
durch stetiges Erinnern an dessen Wort [gewinnt man] Sättigung, wie einer, der Wasser trinkt (Abl.Sg.n.; Akk.Sg.f.; Part.Präs.)
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach (3.Sg.Perf.)
prāpnoti jñānam akhilaṃ tena tat sukham edhate
man erlangt die ganze Erkenntnis, dadurch gedeiht jenes Glück (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
anena sādhyaṃ kiṃ syād bai śabdeneti matir mama
was soll mit diesem Wort zu erreichen sein? so meine Ansicht (Instr.Sg.m.; Gerundiv; 3.Sg.Opt.)
vedagamyaḥ paro 'cintya iti paurāṇikā viduḥ
‚durch den Veda erreichbar, der Höchste, Undenkbare‘, so wissen es die Purāṇa-Kenner (Nom.Sg.m.; Nom.Pl.m.; 3.Pl.Perf.)
nirarthako yathā loke tadvat syād iti me matiḥ
wie [etwas] Sinnloses in der Welt, so möge es sein: das meine Ansicht (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)
śvetaketur uvāca
Śvetaketu sprach (3.Sg.Perf.)
nirīkṣyaivaṃ yathānyāyaṃ vaktum arhasi me 'nagha
so gebührend erwogen, kannst du zu mir sprechen, Makelloser [?] (Abs.; Inf.; 2.Sg.Präs.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; sprachphilosophischer Dialog, stellenweise nur vermutungsweise wiedergegeben (etat prapannam, bhūmisaṃsthānayogena, bai = vai, Anrede anagha).

vedagamyaṃ paraṃ śuddham iti satyā parā śrutiḥ; vyāvṛttyā naitad ity āha upaliṅge ca vartate; nirarthako na caivāsti śabdo laukika uttame; ananvayāḥ smṛtāḥ śabdā nirarthā iti laukikaiḥ; gṛhyante tadvad ity eva na vartante parātmani; agocaratvaṃ vacasāṃ yuktam evaṃ tathā śubhe; sādhanasyopadeśāc ca hy upāyasya ca sūcanāt; upalakṣaṇayogena vyāvṛttyā ca pradarśanāt; vedagamyaḥ paraḥ śuddha iti me dhīyate matiḥ; adhyātmadhyānasaṃbhūtam abhūtaṃ bhūtavat sphuṭam; jñānaṃ viddhi śubhācāre tena yānti parāṃ gatim; yadi me vyāhṛtaṃ guhyaṃ śrutaṃ na tu tvayā śubhe; tathyam ity eva vā śuddhe jñānaṃ jñānavilocane; nānārūpavad asyaivam aiśvaryaṃ dṛśyate śubhe

„‚Durch den Veda erreichbar, höchst, rein‘: so lautet die wahre, höchste Offenbarung (śruti); durch Ausschluss sagt sie ‚Nicht dies‘, und sie wirkt durch das Hinweismerkmal. Ein völlig sinnloses Wort gibt es im weltlichen Höchsten nicht; ‚unverbundene Wörter gelten als sinnlos‘, so sagen die Weltleute; man erfasst sie [nur] so – ‚ebenso‘ – und sie wirken nicht auf das Höchste Selbst. Dass Worte dessen Bereich nicht erreichen, ist so angemessen, Schöne; wegen der Unterweisung im Mittel und der Andeutung des Weges, durch Verbindung mit dem Hinweismerkmal und durch Ausschluss und Darlegung: ‚Durch den Veda erreichbar, der Höchste, Reine‘ – so wird mein Sinn geleitet. Aus Selbstmeditation entstanden, Nicht-Gewordenes, gleichsam Gewordenes, deutlich: erkenne es als Erkenntnis, du Schönwandelnde; dadurch gehen sie zum höchsten Ziel. Ob das von mir geäußerte Geheimnis von dir nicht gehört wurde, Schöne, oder ob es [doch] wahr ist, Reine, Erkenntnisäugige: So mit vielerlei Gestalten wird seine Herrschermacht sichtbar, Schöne.“

Wort für Wort
vedagamyaṃ paraṃ śuddham iti satyā parā śrutiḥ
‚durch den Veda erreichbar, höchst, rein‘: so die wahre höchste Offenbarung (Nom.Sg.f.)
vyāvṛttyā naitad ity āha upaliṅge ca vartate
durch Ausschluss sagt sie ‚nicht dies‘ und wirkt im Hinweismerkmal (Instr.Sg.f.; 3.Sg.Perf.; Lok.Sg.n.)
nirarthako na caivāsti śabdo laukika uttame
ein ganz sinnloses Wort gibt es im weltlichen Höchsten nicht (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.m.)
ananvayāḥ smṛtāḥ śabdā nirarthā iti laukikaiḥ
unverbundene Wörter gelten als sinnlos, so die Weltleute (Nom.Pl.m.; Part.Perf.Pass.; Instr.Pl.m.)
gṛhyante tadvad ity eva na vartante parātmani
sie werden [nur] so erfasst – ‚ebenso‘ – und wirken nicht auf das Höchste Selbst (3.Pl.Pass.; 3.Pl.Präs.; Lok.Sg.m.)
agocaratvaṃ vacasāṃ yuktam evaṃ tathā śubhe
die Unerreichbarkeit der Worte ist so angemessen, Schöne (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.n.; Vok.f.)
sādhanasyopadeśāc ca hy upāyasya ca sūcanāt
wegen der Unterweisung im Mittel und der Andeutung des Weges (Abl.Sg.m.; Abl.Sg.f.)
upalakṣaṇayogena vyāvṛttyā ca pradarśanāt
durch Verbindung mit dem Hinweismerkmal, durch Ausschluss und Darlegung (Instr.Sg.m.; Instr.Sg.f.; Abl.Sg.n.)
vedagamyaḥ paraḥ śuddha iti me dhīyate matiḥ
‚durch den Veda erreichbar, der Höchste, Reine‘: so wird mein Sinn geleitet (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.; Nom.Sg.f.)
adhyātmadhyānasaṃbhūtam abhūtaṃ bhūtavat sphuṭam
aus Selbstmeditation entstanden, nicht Gewordenes gleichsam Gewordenes, deutlich (Nom./Akk.Sg.n.)
jñānaṃ viddhi śubhācāre tena yānti parāṃ gatim
erkenne es als Erkenntnis, Schönwandelnde; dadurch gehen sie zum höchsten Ziel (Imp.; Vok.f.; 3.Pl.Präs.)
yadi me vyāhṛtaṃ guhyaṃ śrutaṃ na tu tvayā śubhe
ob das von mir geäußerte Geheimnis von dir nicht gehört wurde, Schöne (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.n.; Instr.)
tathyam ity eva vā śuddhe jñānaṃ jñānavilocane
oder ob es wahr ist, Reine, die Erkenntnis, Erkenntnisäugige (Nom.Sg.n.; Vok.f.)
nānārūpavad asyaivam aiśvaryaṃ dṛśyate śubhe
so mit vielerlei Gestalten wird seine Herrschermacht sichtbar, Schöne (Adv.; Gen.Sg.; Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; sehr verdichtete Schlusszeilen, mehrfach nur vermutungsweise wiedergegeben (upaliṅge, ananvayāḥ, adhyātmadhyānasaṃbhūtam abhūtam, yadi me vyāhṛtaṃ guhyam, nānārūpavad).

na vāyus tan na sūryas tan nāgnis tat tu paraṃ padam; anena pūrṇam etad dhi hṛdi bhūtam iheṣyate; etāvad ātmavijñānam etāvad yad ahaṃ smṛtam; bhīṣma uvāca; āvayor na ca sattve vai tasmād ajñānabandhanam; evaṃ suvarcalā hṛṣṭā proktā bhartrā yathārthavat; paricaryamāṇā hy aniśaṃ tattvabuddhisamanvitā; bhartā ca tām anuprekṣya nityanaimittikānvitaḥ; paramātmani govinde vāsudeve mahātmani; samādhāya ca karmāṇi tanmayatvena bhāvitaḥ; kālena mahatā rājan prāpnoti paramāṃ gatim; etat te kathitaṃ rājan yasmāt tvaṃ paripṛcchasi; gārhasthyaṃ ca samāsthāya gatau jāyāpatī param

„Nicht der Wind ist jenes, nicht die Sonne, nicht das Feuer; jenes ist der höchste Standort. Hiermit ist dies erfüllt, im Herzen befindlich, wird es aufgefasst. Soviel ist Selbsterkenntnis, soviel ist [von mir] verkündet worden.“ Bhīṣma sprach: „Nicht im Wesen von uns beiden [liegt es]; darum ist es [nur] die Fessel des Nichtwissens [?]. So sprach Suvarcalā, erfreut, angeredet von ihrem Gatten der Wahrheit gemäß, ständig [ihm] dienend, mit auf die Wahrheit gerichteter Einsicht ausgestattet. Und der Gatte, sie betrachtend, die Regelmäßigen und Gelegenheitsgebundenen [Riten] vollziehend, legte die Werke im Höchsten Selbst, in Govinda, Vāsudeva, dem Hochgesinnten, nieder, ganz von ihm durchdrungen, und erlangt nach langer Zeit, König, das höchste Ziel. Dies ist dir erzählt, König, wonach du gefragt hast: Im Hausstand verharrend, gingen Gattin und Gatte zum Höchsten.“

Wort für Wort
na vāyus tan na sūryas tan nāgnis tat tu paraṃ padam
nicht Wind ist jenes, nicht Sonne, nicht Feuer; jenes ist der höchste Standort (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
anena pūrṇam etad dhi hṛdi bhūtam iheṣyate
hiermit ist dies erfüllt, im Herzen befindlich wird es aufgefasst (Instr.Sg.m.; Part.Perf.Pass.; Lok.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
etāvad ātmavijñānam etāvad yad ahaṃ smṛtam
soviel ist Selbsterkenntnis, soviel ist [von mir] überliefert (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
āvayor na ca sattve vai tasmād ajñānabandhanam
nicht im Wesen von uns beiden; darum Fessel des Nichtwissens [?] (Gen./Lok.Du.; Lok.Sg.n.; Abl.; Nom.Sg.n.)
evaṃ suvarcalā hṛṣṭā proktā bhartrā yathārthavat
so [sprach] Suvarcalā erfreut, angeredet vom Gatten der Wahrheit gemäß (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.; Instr.Sg.m.; Adv.)
paricaryamāṇā hy aniśaṃ tattvabuddhisamanvitā
ständig dienend [?], mit wahrheitsgerichteter Einsicht ausgestattet (Part.Präs.Pass.; Nom.Sg.f.)
bhartā ca tām anuprekṣya nityanaimittikānvitaḥ
und der Gatte, sie betrachtend, mit regelmäßigen und gelegenheitsgebundenen Riten verbunden (Nom.Sg.m.; Abs.; Nom.Sg.m.)
paramātmani govinde vāsudeve mahātmani
im Höchsten Selbst, in Govinda, Vāsudeva, dem Hochgesinnten (Lok.Sg.m.)
samādhāya ca karmāṇi tanmayatvena bhāvitaḥ
und die Werke niedergelegt, durch Einssein mit ihm durchdrungen (Abs.; Akk.Pl.n.; Instr.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
kālena mahatā rājan prāpnoti paramāṃ gatim
nach langer Zeit, König, erlangt er das höchste Ziel (Instr.Sg.m.; Vok.; 3.Sg.Präs.)
etat te kathitaṃ rājan yasmāt tvaṃ paripṛcchasi
dies ist dir erzählt, König, wonach du fragst (Part.Perf.Pass.; Abl.; 2.Sg.Präs.)
gārhasthyaṃ ca samāsthāya gatau jāyāpatī param
im Hausstand verharrend gingen Gattin und Gatte zum Höchsten (Akk.Sg.n.; Abs.; Nom.Du.; Adv./Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; āvayor na ca sattve vai tasmād ajñānabandhanam ist unsicher; die Tempora wechseln im Text (prāpnoti: Präsens).

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