Kapitel 21: saṃtoṣa-rājadharmopadeśaḥ
Bṛhaspatis Lehre an Indra: Zufriedenheit, Gewaltlosigkeit und Königspflicht
Devasthāna erzählt eine alte Unterweisung Bṛhaspatis an Indra: Zufriedenheit und Nichtschädigung als Kern der Pflicht, dann die Pflicht des Königs, der schützt und im Alter in den Wald geht.
saṃtoṣo vai svargatamaḥ saṃtoṣaḥ paramaṃ sukham; tuṣṭer na kiṃ cit parataḥ susamyak paritiṣṭhati
Zufriedenheit ist wahrlich das Höchste, was zum Himmel führt; Zufriedenheit ist das höchste Glück. Über die Zufriedenheit hinaus steht nichts Weiteres in rechter Weise fest.
Wort für Wort
saṃtoṣaḥ vai svargatamaḥ
Zufriedenheit ist wahrlich am meisten himmelwärts führend (Nom.Sg.; Superl.)
saṃtoṣaḥ paramam sukham
Zufriedenheit ist das höchste Glück (Nom.Sg.; Nom.Sg.n.)
tuṣṭeḥ na kim cit parataḥ
über die Zufriedenheit hinaus nichts (Abl.Sg.; Adv.)
Wenn [der Mensch] die Begierden ganz und gar zurückzieht wie die Schildkröte ihre Glieder, dann wird das Selbst als Licht, eben durch das eigene Selbst, klar.
Wort für Wort
yadā saṃharate kāmān
wenn er zurückzieht die Begierden (3.Sg.Med.Präs.; Akk.Pl.)
kūrmaḥ aṅgāni iva sarvaśaḥ
wie die Schildkröte die Glieder ganz und gar (Nom.Sg.; Akk.Pl.)
tadā ātmajyotiḥ
dann das Selbst-Licht / Licht, das das Selbst ist (Nom.Sg.; Kompositum)
ātmā eva sva-ātmanā eva prasīdati
das Selbst eben durch das eigene Selbst wird es klar (Nom.Sg.; Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)
yajñam eke praśaṃsanti saṃnyāsam apare janāḥ; dānam eke praśaṃsanti ke cid eva pratigraham; ke cit sarvaṃ parityajya tūṣṇīṃ dhyāyanta āsate
Die einen preisen das Opfer, andere Leute die Entsagung; die einen preisen das Geben, manche eben das Annehmen; manche sitzen, nachdem sie alles aufgegeben haben, schweigend in Meditation.
Wort für Wort
yajñam eke praśaṃsanti
das Opfer preisen die einen (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
saṃnyāsam apare janāḥ
die Entsagung andere Leute (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
dānam eke praśaṃsanti
das Geben preisen die einen (Akk.Sg.)
ke cit eva pratigraham
manche eben das Annehmen (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
ke cit sarvam parityajya
manche, alles aufgegeben habend (Absol.)
tūṣṇīm dhyāyantaḥ āsate
schweigend meditierend sitzen sie (Part.Präs. Nom.Pl.; 3.Pl.Med.)
etat sarvaṃ samālokya budhānām eṣa niścayaḥ; adroheṇaiva bhūtānāṃ yo dharmaḥ sa satāṃ mataḥ
Nachdem man dies alles überblickt hat, ist dies der Entschluss der Weisen: Die Pflicht, die ohne Schädigung der Wesen [geübt wird], die gilt den Guten als maßgeblich.
Wort für Wort
etat sarvam samālokya
dies alles überblickt habend (Akk.Sg.n.; Absol.)
budhānām eṣaḥ niścayaḥ
der Weisen ist dies der Entschluss (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
adroheṇa eva bhūtānām
eben durch Nichtschädigung der Wesen (Instr.Sg.; Gen.Pl.)
yaḥ dharmaḥ saḥ satām mataḥ
welche Pflicht, die gilt den Guten (Nom.Sg.; Gen.Pl.; Part.Pass. Nom.Sg.)
yo hi rājye sthitaḥ śaśvad vaśī tulyapriyāpriyaḥ; kṣatriyo yajñaśiṣṭāśī rājaśāstrārthatattvavit
Denn wer im Königtum beständig fest steht, selbstbeherrscht, gegenüber Lieb und Unlieb gleichmütig, ein Kṣatriya, der die Reste des Opfers isst und die Wahrheit der Lehren der Königskunde kennt,
Wort für Wort
yaḥ hi rājye sthitaḥ śaśvat
denn wer im Königtum steht, stets (Nom.Sg.; Lok.; Part.Pass.)
vaśī tulyapriyāpriyaḥ
selbstbeherrscht, Lieb und Unlieb gleich achtend (Nom.Sg.)
kṣatriyaḥ yajñaśiṣṭāśī
ein Kṣatriya, Opferrest-Esser (Nom.Sg.)
rājaśāstrārthatattvavit
Kenner der Wahrheit über den Sinn der Königslehre (Nom.Sg.)
der am Niederhalten der Schlechten und am Fördern der Guten Freude hat, der Pflichtkundige, soll, nachdem er die Untertanen auf dem Pfad der Pflicht fest gegründet hat, [so] leben;
Wort für Wort
asādhunigraharataḥ
am Niederhalten der Schlechten Freude findend (Nom.Sg.)
sādhūnām pragrahe rataḥ
am Fördern der Guten erfreut (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
dharme vartmani saṃsthāpya
auf dem Pfad der Pflicht festgesetzt habend (Lok.Sg.; Absol.)
prajāḥ varteta dharmavit
die Untertanen soll er leben/handeln, der Pflichtkundige (Akk.Pl.; Opt.Med.3.Sg.; Nom.Sg.)
Der Text hat „prajā“; „prajāḥ“ als Akk.Pl. gelesen, „varteta“ ist dann etwa „soll sich verhalten“ [?].
putrasaṃkrāmitaśrīs tu vane vanyena vartayan; vidhinā śrāmaṇenaiva kuryāt kālam atandritaḥ
Nachdem er aber die Königsherrlichkeit auf den Sohn übertragen hat, soll er im Wald von Waldkost lebend nach der Regel des Asketen unermüdlich seine Zeit verbringen.
Wort für Wort
putrasaṃkrāmitaśrīḥ tu
der die Herrlichkeit auf den Sohn übertragen hat aber (Nom.Sg.)
vane vanyena vartayan
im Wald von Waldkost lebend (Lok.Sg.; Instr.Sg.; Part.Präs.)
vidhinā śrāmaṇena eva
nach der Regel der Asketen eben (Instr.Sg.)
kuryāt kālam atandritaḥ
soll er die Zeit verbringen, unermüdlich (Opt.3.Sg.; Akk.Sg.; Nom.Sg.)
ya evaṃ vartate rājā rājadharmaviniścitaḥ; tasyāyaṃ ca paraś caiva lokaḥ syāt saphalo nṛpa; nirvāṇaṃ tu suduṣpāraṃ bahuvighnaṃ ca me matam
Der König, der so lebt, der in der Königspflicht gefestigt ist, dem wird diese und die jenseitige Welt fruchtbar sein, o Fürst. Das Erlöschen aber ist sehr schwer zu durchqueren und voller Hindernisse, so ist meine Ansicht.
Wort für Wort
yaḥ evam vartate rājā
der König, der so lebt (Nom.Sg.; 3.Sg.Med.Präs.)
rājadharmaviniścitaḥ
in der Königspflicht gefestigt/entschlossen (Nom.Sg.)
tasya ayam ca paraḥ ca eva lokaḥ
dessen diese und auch die jenseitige Welt (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
So sind sie dem Dharma gefolgt, der Wahrheit, dem Geben und der Askese ergeben, mit den Eigenschaften der Schonung ausgestattet, frei von Begierde und Zorn,
Wort für Wort
evam dharmam anukrāntāḥ
so der Pflicht gefolgt (Akk.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
satyadānatapaḥparāḥ
auf Wahrheit, Geben und Askese ausgerichtet (Nom.Pl.)
ānṛśaṃsyaguṇaiḥ yuktāḥ
mit Eigenschaften der Mitfühlendheit verbunden (Instr.Pl.; Nom.Pl.)
So haben sich die Rudras, die Vasus, die Ādityas, Bezwinger der Feinde, die Sādhyas und die Scharen der königlichen Weisen zu dieser Pflicht bekannt; unachtsam nicht, sind sie darauf durch ihre verdienstvollen eigenen Taten in den Himmel gelangt.
Wort für Wort
evam rudrāḥ savasavaḥ tathā ādityāḥ
so die Rudras samt den Vasus und die Ādityas (Nom.Pl.)
paraṃtapa
Bezwinger der Feinde (Vok.Sg.)
sādhyāḥ rājarṣisaṅghāḥ ca
die Sādhyas und die Scharen der Königsseher (Nom.Pl.)
dharmam etam samāśritāḥ
diese Pflicht haben sich zugewandt (Akk.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
apramattāḥ tataḥ svargam
unachtsam nicht, dann zum Himmel (Nom.Pl.; Adv.; Akk.Sg.)
prāptāḥ puṇyaiḥ svakarmabhiḥ
gelangt durch verdienstvolle eigene Taten (Part.Pass.; Instr.Pl.)