Kapitel 37: bhakṣyābhakṣyadānapātravicāraḥ
Manus Belehrung über Erlaubtes und Verbotenes beim Essen, über Gaben und würdige Empfänger
Vyāsa gibt Yudhiṣṭhira Manus Antwort an die Siddhas weiter: zunächst allgemeine Bestimmungen zu Dharma, Buße und Umständen, dann Speiseverbote, Regeln für Hausväter und schließlich die Lehre, dass Gaben an unwürdige Empfänger dem Geber wie dem Nehmer schaden.
Vaiśaṃpāyana sprach: So vom Erhabenen angesprochen, dachte Yudhiṣṭhira, der Gerechtigkeitskönig, einen Augenblick nach und antwortete dem [an] Askese Reichen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
evam ukto bhagavatā
so angesprochen vom Erhabenen (Part.Pass./Instr.)
dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
der Gerechtigkeitskönig Yudhiṣṭhira (Nom.)
cintayitvā muhūrtaṃ tu
nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte (Abs./Akk.)
kiṃ bhakṣyaṃ kim abhakṣyaṃ ca kiṃ ca deyaṃ praśasyate; kiṃ ca pātram apātraṃ vā tan me brūhi pitāmaha
„Was ist essbar, was nicht essbar, und was wird als zu Gebendes gepriesen? Und was ist ein [würdiger] Empfänger, was ein unwürdiger? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
kiṃ bhakṣyaṃ kim abhakṣyaṃ ca
was ist essbar und was nicht essbar (Nom.n.)
kiṃ ca deyaṃ praśasyate
und was wird als zu Gebendes gepriesen (Pass.Präs./Gerundiv)
kiṃ ca pātram apātraṃ vā
und was ist Empfänger oder Nicht-Empfänger (Nom.n.)
Die Siddhas, dem Asketentum und den Gelübden hingegeben, kamen einst zusammen und fragten den mächtigen Prajāpati, der [dort] saß, zu Beginn der Zeit nach dem Dharma.
Wort für Wort
siddhās tapovrataparāḥ
die Siddhas, Askese und Gelübden ergeben (Nom.Pl./Kompositum)
samāgamya purā vibhum
zusammengekommen, einst, zum Mächtigen (Abs./Akk.)
anādeśe japo homa upavāsas tathaiva ca; ātmajñānaṃ puṇyanadyo yatra prāyaś ca tatparāḥ; anādiṣṭaṃ tathaitāni puṇyāni dharaṇībhṛtaḥ; suvarṇaprāśanam api ratnādisnānam eva ca; devasthānābhigamanam ājyaprāśanam eva ca; etāni medhyaṃ puruṣaṃ kurvanty āśu na saṃśayaḥ; na garveṇa bhavet prājñaḥ kadā cid api mānavaḥ; dīrgham āyur athecchan hi trirātraṃ coṣṇapo bhavet
[Zusatzpassage:] Ohne besondere Vorschrift [gelten] Murmeln [von Mantras], Opfer und ebenso Fasten, Selbsterkenntnis, heilige Flüsse, wo man vor allem darauf gerichtet ist [?]; ohne Vorschrift sind auch diese [Dinge] verdienstvoll, o Erdträger. Das Essen von Gold, das Baden in Juwelen und dergleichen, der Gang zu Götterstätten und der Genuss von Ghee: diese machen den Menschen rasch rein, kein Zweifel. Ein Weiser soll niemals stolz sein; wer langes Leben wünscht, soll drei Nächte lang Heißes trinken.
Wort für Wort
anādeśe japo homa
bei fehlender Vorschrift: Murmeln, Opfer (Lok./Nom.)
upavāsas tathaiva ca
und ebenso Fasten (Nom.)
ātmajñānaṃ puṇyanadyo
Selbsterkenntnis, heilige Flüsse (Nom.)
yatra prāyaś ca tatparāḥ
wo vor allem darauf gerichtet [?] (Relativadv./Nom.Pl.)
anādiṣṭaṃ tathaitāni puṇyāni dharaṇībhṛtaḥ
ohne Vorschrift sind auch diese verdienstvoll, o Erdträger (Nom.Pl.n./Vok.)
suvarṇaprāśanam api ratnādisnānam eva ca
auch das Essen von Gold und das Baden in Juwelen usw. (Nom.n.)
devasthānābhigamanam ājyaprāśanam eva ca
Gang zu Götterstätten und Genuss von Ghee (Nom.n.)
etāni medhyaṃ puruṣaṃ kurvanty āśu na saṃśayaḥ
diese machen den Mann rasch rein, kein Zweifel (3.Pl.Präs.)
na garveṇa bhavet prājñaḥ kadā cid api mānavaḥ
nicht soll ein Weiser aus Stolz sein, je (3.Sg.Opt.)
dīrgham āyur athecchan hi trirātraṃ coṣṇapo bhavet
langes Leben wünschend, drei Nächte Heiß-Trinker sei er (Part./Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch und inhaltlich stellenweise unklar; Zeile 1 und 2 (yatra prāyaś ca tatparāḥ) unsicher.
Das Nichtnehmen des nicht Gegebenen, Gabe, Studium, Askese, Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Zornlosigkeit, Vergebung und Opfer sind die Kennzeichen des Dharma.
ya eva dharmaḥ so 'dharmo 'deśe 'kāle pratiṣṭhitaḥ; ādānam anṛtaṃ hiṃsā dharmo vyāvasthikaḥ smṛtaḥ
Was Dharma ist, das ist Adharma, wenn es an unpassendem Ort und zu unpassender Zeit begründet ist. Nehmen, Unwahrheit, Gewalt: [auch] Dharma wird als [von den Umständen] abhängig überliefert.
Wort für Wort
ya eva dharmaḥ so 'dharmo
was Dharma ist, das ist Adharma (Nom.)
'deśe 'kāle pratiṣṭhitaḥ
an unpassendem Ort, zu unpassender Zeit gegründet (Lok./Part.)
ādānam anṛtaṃ hiṃsā
Nehmen, Unwahrheit, Gewalt (Nom.)
dharmo vyāvasthikaḥ smṛtaḥ
der Dharma gilt als umstandsbedingt (Nom./Part.Pass.)
apravṛtter amartyatvaṃ martyatvaṃ karmaṇaḥ phalam; aśubhasyāśubhaṃ vidyāc chubhasya śubham eva ca
Aus der Nichttätigkeit [folgt] Unsterblichkeit, die Sterblichkeit ist die Frucht des Handelns. Dem Unheilvollen [folgt] Unheilvolles, dem Heilvollen Heilvolles: das soll man wissen.
Wort für Wort
apravṛtter amartyatvam
aus Nichttätigkeit Unsterblichkeit (Abl./Nom.)
martyatvaṃ karmaṇaḥ phalam
Sterblichkeit ist Frucht des Handelns (Nom./Gen.)
aśubhasyāśubhaṃ vidyāc
vom Unheilvollen [kommt] Unheilvolles, man wisse (Gen./Opt.)
etayoś cobhayoḥ syātāṃ śubhāśubhatayā tathā; daivaṃ ca daivayuktaṃ ca prāṇaś ca pralayaś ca ha
Bei diesen beiden mögen sich, je nach Heilvollsein und Unheilvollsein, so ergeben: das Göttliche und das mit dem Göttlichen Verbundene, Lebensatem und Auflösung [?].
Wort für Wort
etayoś cobhayoḥ
und bei diesen beiden (Gen./Lok.Du.)
syātāṃ śubhāśubhatayā tathā
mögen sein, je nach Heil-/Unheilsein, so (3.Du.Opt./Instr.)
daivaṃ ca daivayuktaṃ ca
das Göttliche und das Göttlich-Verbundene (Nom.n.)
prāṇaś ca pralayaś ca ha
Lebenshauch und Auflösung, fürwahr (Nom.)
Stelle knapp und dunkel; Bezug von daiva/daivayukta unsicher.
Aus unbedachtem Tun wird bei Unheilvollem die Frucht heilvoll; es ergibt sich Höheres [Aufstieg?] aus Zweifel, oder [sie dient] nur einem hier sichtbaren Zweck [?]. Wegen unbedachten Tuns wird eine Buße vorgeschrieben.
Wort für Wort
aprekṣāpūrvakaraṇād
wegen Tuns ohne vorherige Überlegung (Abl.)
aśubhānāṃ śubhaṃ phalam
bei Unheilvollem heilvolle Frucht (Gen.Pl./Nom.)
ūrdhvaṃ bhavati saṃdehād
Höheres/Aufwärts ergibt sich aus Zweifel [?] (Adv./3.Sg./Abl.)
iha dṛṣṭārtham eva vā
oder nur mit hier sichtbarem Zweck (Adv./Adj.)
aprekṣāpūrvakaraṇāt prāyaścittaṃ vidhīyate
wegen unbedachten Tuns wird Buße bestimmt (Pass.Präs.)
krodhamohakṛte caiva dṛṣṭāntāgamahetubhiḥ; śarīrāṇām upakleśo manasaś ca priyāpriye; tad auṣadhaiś ca mantraiś ca prāyaścittaiś ca śāmyati
Bei dem, was aus Zorn und Verblendung getan ist — nach Beispielen, Überlieferung und Gründen [zu beurteilen] —, [entstehen] Leiden der Körper und Lieb und Leid des Geistes; das wird durch Heilmittel, Mantras und Bußen gestillt.
Wort für Wort
krodhamohakṛte caiva
und bei dem aus Zorn und Verblendung Getanen (Lok.)
dṛṣṭāntāgamahetubhiḥ
durch Beispiele, Überlieferung, Gründe (Instr.Pl.)
śarīrāṇām upakleśo
Leiden der Körper (Gen.Pl./Nom.)
manasaś ca priyāpriye
und des Geistes Lieb und Unlieb (Gen./Nom.Du.)
tad auṣadhaiś ca mantraiś ca
das durch Heilmittel und Mantras
prāyaścittaiś ca śāmyati
und durch Bußen kommt zur Ruhe (Instr./3.Sg.Präs.)
upavāsam ekarātraṃ daṇḍotsarge narādhipaḥ; viśudhyed ātmaśuddhyarthaṃ trirātraṃ tu purohitaḥ; kṣayaṃ śokaṃ prakurvāṇo na mriyeta yadā naraḥ; śastrādibhir upāviṣṭās trirātraṃ tatra nirdiśet
[Zusatzpassage:] Einen Tag und eine Nacht Fasten [gilt] bei Verhängung einer Stockstrafe für den König; zur Selbstreinigung soll sich der Hauspriester drei Nächte reinigen. Wenn ein Mann, der Verfall und Kummer bewirkt, nicht stirbt [?], [und] von Waffen usw. Getroffene [da sind?], soll man dort drei Nächte anordnen [?].
Wort für Wort
upavāsam ekarātraṃ daṇḍotsarge narādhipaḥ
Fasten eine Nacht bei Stockverhängung, der König (Akk./Lok./Nom.)
viśudhyed ātmaśuddhyarthaṃ
er soll sich reinigen zur Selbstreinigung (3.Sg.Opt.)
trirātraṃ tu purohitaḥ
drei Nächte aber der Hauspriester (Akk./Nom.)
kṣayaṃ śokaṃ prakurvāṇo
Verfall und Kummer bewirkend (Part.Med.)
na mriyeta yadā naraḥ
wenn der Mann nicht stirbt (3.Sg.Opt.)
śastrādibhir upāviṣṭās
von Waffen usw. Befallene (Instr.Pl./Nom.Pl.)
trirātraṃ tatra nirdiśet
drei Nächte dort soll man bestimmen (3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, Sinn stark unsicher.
daśa vā vedaśāstrajñās trayo vā dharmapāṭhakāḥ; yad brūyuḥ kārya utpanne sa dharmo dharmasaṃśaye
Zehn, die Veda und Śāstra kennen, oder drei, die den Dharma vortragen: was diese sagen, wenn ein Fall eintritt, das ist Dharma bei einem Zweifel über den Dharma.
Wort für Wort
daśa vā vedaśāstrajñās
zehn Veda- und Śāstrakundige (Nom.Pl.)
trayo vā dharmapāṭhakāḥ
oder drei Dharma-Vortragende (Nom.Pl.)
yad brūyuḥ kārya utpanne
was sie sagen würden, wenn ein Fall entstanden ist (3.Pl.Opt./Lok.abs.)
abhakṣyā brāhmaṇair matsyāḥ śakalair ye vivarjitāḥ; catuṣpāt kacchapād anyo maṇḍūkā jalajāś ca ye
Nicht essbar sind für Brahmanen Fische, die ohne Schuppen sind; [ebenso] jeder Vierfüßer außer der Schildkröte, Frösche und was sonst im Wasser geboren ist.
Wort für Wort
abhakṣyā brāhmaṇair matsyāḥ
nicht essbar für Brahmanen [sind] Fische (Nom.Pl.)
kravyādāḥ pakṣiṇaḥ sarve catuṣpādāś ca daṃṣṭriṇaḥ; yeṣāṃ cobhayato dantāś caturdaṃṣṭrāś ca sarvaśaḥ
Alle Fleisch fressenden Vögel und die hauerbewehrten Vierfüßer, [ferner die,] deren Zähne beidseitig [in beiden Kiefern] stehen, und die überall Vierhauer sind.
Wort für Wort
kravyādāḥ pakṣiṇaḥ sarve
alle fleischfressenden Vögel (Nom.Pl.)
catuṣpādāś ca daṃṣṭriṇaḥ
und Vierfüßer mit Hauern (Nom.Pl.)
yeṣāṃ cobhayato dantāś
und die, deren Zähne beidseitig sind (Gen./Nom.Pl.)
eḍakāśvakharoṣṭrīṇāṃ sūtikānāṃ gavām api; mānuṣīṇāṃ mṛgīṇāṃ ca na pibed brāhmaṇaḥ payaḥ
Die Milch von Schafen, Pferden, Eseln und Kamelen, von frisch gekalbten Kühen, von Menschenfrauen und von Wildtierweibchen soll ein Brahmane nicht trinken.
Wort für Wort
eḍakāśvakharoṣṭrīṇām
der Schafe, Stuten, Eselinnen, Kamelinnen (Gen.Pl.f.)
sūtikānāṃ gavām api
auch der frisch gekalbten Kühe (Gen.Pl.)
mānuṣīṇāṃ mṛgīṇāṃ ca
der Menschenfrauen und Wildtierweibchen (Gen.Pl.f.)
na pibed brāhmaṇaḥ payaḥ
nicht soll trinken der Brahmane Milch (3.Sg.Opt./Akk.)
pretānnaṃ sūtikānnaṃ ca yac ca kiṃ cid anirdaśam; abhojyaṃ cāpy apeyaṃ ca dhenvā dugdham anirdaśam
Totenspeise und die Speise einer Wöchnerin und was [sonst] noch nicht zehn Tage alt ist: nicht essbar und nicht trinkbar; ebenso die Milch einer Kuh vor Ablauf der zehn Tage.
Wort für Wort
pretānnaṃ sūtikānnaṃ ca
Speise für den Verstorbenen und Speise der Wöchnerin (Nom.)
yac ca kiṃ cid anirdaśam
und was auch immer noch nicht zehn Tage [alt] ist (Nom.n.)
abhojyaṃ cāpy apeyaṃ ca
nicht essbar und nicht trinkbar (Nom.n.)
dhenvā dugdham anirdaśam
Milch einer Kuh, [noch] vor dem zehnten Tag (Gen./Nom.)
rājānnaṃ teja ādatte śūdrānnaṃ brahmavarcasam; āyuḥ suvarṇakārānnam avīrāyāś ca yoṣitaḥ; viṣṭhā vārdhuṣikasyānnaṃ gaṇikānnam athendriyam; mṛṣyanti ye copapatiṃ strījitānāṃ ca sarvaśaḥ; dīkṣitasya kadaryasya kratuvikrayikasya ca
[Zusatzpassage:] Die Speise eines Königs nimmt den Glanz, die eines Śūdra den Brahman-Glanz; die Speise eines Goldschmieds die Lebenskraft, ebenso die einer Frau ohne Held [Sohn/Gatte]. Die Speise eines Wucherers ist Kot, die einer Kurtisane [nimmt] die Zeugungskraft; [ebenso die Speise] derer, die einen Nebenliebhaber dulden, und der von Frauen Beherrschten überall, des Geweihten, des Geizigen und dessen, der Opfer verkauft.
Wort für Wort
rājānnaṃ teja ādatte
Königsspeise nimmt den Glanz (3.Sg.Präs.)
śūdrānnaṃ brahmavarcasam
Śūdraspeise den Brahman-Glanz
āyuḥ suvarṇakārānnam
Lebenskraft [nimmt] Goldschmiedspeise
avīrāyāś ca yoṣitaḥ
und [Speise] einer Frau ohne Held (Gen.)
viṣṭhā vārdhuṣikasyānnam
Kot ist Speise des Wucherers (Nom./Gen.)
gaṇikānnam athendriyam
Kurtisanenspeise, dann [nimmt] die Zeugungskraft
mṛṣyanti ye copapatiṃ strījitānāṃ ca sarvaśaḥ
die einen Nebenliebhaber dulden, und der Frauenbeherrschten überall
dīkṣitasya kadaryasya kratuvikrayikasya ca
des Geweihten, des Geizigen, des Opferverkäufers (Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzkonstruktion elliptisch ergänzt.
gaṇagrāmābhiśastānāṃ raṅgastrījīvinaś ca ye; parivittinapuṃṣāṃ ca bandidyūtavidāṃ tathā
[Nicht essbar ist die Speise] derer, die von Schar oder Dorf beschuldigt [verflucht] sind, derer, die von Bühne und Frauen leben, des jüngeren Bruders, der vor dem älteren geheiratet hat, der Impotenten, ebenso der Sänger [Barden] und der Spielkundigen.
Wort für Wort
gaṇagrāmābhiśastānām
derer, die von Schar und Dorf beschuldigt sind (Gen.Pl.)
raṅgastrījīvinaś ca ye
und die, die von Bühne und Frauen leben (Nom.Pl.)
parivittinapuṃṣāṃ ca
des Parivitti und der Impotenten (Gen.Pl.)
bandidyūtavidāṃ tathā
ebenso der Barden und der Würfelspielkundigen (Gen.Pl.)
Ergänzung „Speise ist nicht essbar“ aus V. 25 (abhojyam).
vāryamāṇāhṛtaṃ cānnaṃ śuktaṃ paryuṣitaṃ ca yat; surānugatam ucchiṣṭam abhojyaṃ śeṣitaṃ ca yat
Speise, die gebracht wurde, obwohl man es verwehrte; Saures, Abgestandenes, von Branntwein Begleitetes, Übriggelassenes und was [sonst] übrig geblieben ist: nicht essbar.
Wort für Wort
vāryamāṇāhṛtaṃ cānnam
und Speise, herbeigebracht trotz Verwehrens (Part.Pass./Nom.)
śuktaṃ paryuṣitaṃ ca yat
Gesäuertes und Abgestandenes, was [es gibt] (Nom.n.)
piṣṭamāṃsekṣuśākānāṃ vikārāḥ payasas tathā; saktudhānākarambhāś ca nopabhojyāś cirasthitāḥ
Aus Mehlteig, Fleisch, Zuckerrohr und Gemüse Bereitetes und Milcherzeugnisse, Gerstenmehl, geröstete Körner und Karambha-Brei sind nicht zu genießen, wenn sie lange gestanden haben.
Wort für Wort
piṣṭamāṃsekṣuśākānām
von Teig, Fleisch, Zuckerrohr, Gemüse (Gen.Pl.)
vikārāḥ payasas tathā
Zubereitungen, ebenso von Milch (Nom.Pl./Gen.)
saktudhānākarambhāś ca
und Gerstenmehl, Röstkörner, Karambha (Nom.Pl.)
nopabhojyāś cirasthitāḥ
nicht zu genießen, lang gestanden (Gerundiv/Part.)
Wie ein fortgezogener Bettelmönch soll der Hausvater in seinem Haus wohnen; so lebend, mit den geliebten Gattinnen zusammenwohnend, erlangt er den Dharma.
Wort für Wort
yathā pravrajito bhikṣur
wie ein Fortgezogener, ein Bettelmönch (Nom.)
gṛhasthaḥ svagṛhe vaset
der Hausvater soll im eigenen Haus wohnen (3.Sg.Opt.)
evaṃvṛttaḥ priyair dāraiḥ
so sich verhaltend, mit den lieben Gattinnen (Nom./Instr.Pl.)
na dadyād yaśase dānaṃ na bhayān nopakāriṇe; na nṛttagītaśīleṣu hāsakeṣu ca dhārmikaḥ
Nicht soll der Rechtschaffene um des Ruhmes willen geben, nicht aus Furcht, nicht an den, der einen Dienst erwiesen hat, nicht an die, die an Tanz und Gesang Gefallen finden, und nicht an Possenreißer.
Wort für Wort
na dadyād yaśase dānam
nicht soll man Gabe geben um des Ruhmes willen (Opt./Dat.)
na bhayān nopakāriṇe
nicht aus Furcht, nicht dem Wohltäter (Abl./Dat.)
na nṛttagītaśīleṣu
nicht an solche, die Tanz und Gesang pflegen (Lok.Pl.)
hāsakeṣu ca dhārmikaḥ
und an Possenreißer, der Rechtschaffene (Lok.Pl./Nom.)
na matte naiva conmatte na stene na cikitsake; na vāgghīne vivarṇe vā nāṅgahīne na vāmane
Nicht an einen Trunkenen, nicht an einen Wahnsinnigen, nicht an einen Dieb, nicht an einen Arzt; nicht an einen Sprachlosen oder Entstellten, nicht an einen Gliedmaßenversehrten, nicht an einen Zwerg.
Wort für Wort
na matte naiva conmatte
nicht an Trunkenen, nicht an Wahnsinnigen (Lok.)
na stene na cikitsake
nicht an Dieb, nicht an Arzt (Lok.)
na vāgghīne vivarṇe vā
nicht an Sprachlosen oder Entstellten [?] (Lok.)
nāṅgahīne na vāmane
nicht an Gliedmaßenversehrten, nicht an Zwerg (Lok.)
vivarṇa: „farblos, entstellt“ oder „ausgestoßen“; unsicher.
na durjane dauṣkule vā vratair vā yo na saṃskṛtaḥ; aśrotriye mṛtaṃ dānaṃ brāhmaṇe 'brahmavādini
Nicht an einen Bösartigen, Schlechtgeborenen oder den, der durch Gelübde nicht geweiht ist; an einen Nicht-Śrotriya, an einen Brahmanen, der kein Brahman-Sprecher ist, [ist] die Gabe tot [wirkungslos].
Wort für Wort
na durjane dauṣkule vā
nicht an Bösen oder Schlechtgeborenen (Lok.)
vratair vā yo na saṃskṛtaḥ
oder der durch Gelübde nicht geweiht ist (Instr./Part.)
Wie Wasser in einer Schale oder Milch in einem Hundefell-Schlauch [verdirbt] durch den Fehler des Behälters, so das Gehörte [Veda-Wissen] bei einem, dessen Wandel mangelhaft ist.
Wort für Wort
kapāle yadvad āpaḥ syuḥ
wie Wasser in einer Schale wäre (Lok./Nom.Pl./Opt.)
śvadṛtau vā yathā payaḥ
oder wie Milch im Hundefell-Schlauch (Lok./Nom.)
āśrayasthānadoṣeṇa
durch den Fehler des Behälters/der Stelle (Instr.)
vṛttahīne tathā śrutam
bei einem im Wandel Mangelhaften so das Gehörte (Lok./Nom.)
na vai deyam anukrośād dīnāyāpy apakāriṇe; āptācaritam ity eva dharma ity eva vā punaḥ
Nicht ist aus Mitleid zu geben an einen Elenden, der Schaden zufügt, [nur] weil es von Vertrauenswürdigen so geübt wurde oder wiederum, weil es Dharma sei.
Wort für Wort
na vai deyam anukrośād
nicht ist zu geben aus Mitleid (Gerundiv/Abl.)
dīnāyāpy apakāriṇe
auch dem Elenden, der Schaden tut (Dat.)
āptācaritam ity eva
„von Vertrauenswürdigen geübt“, nur deshalb (Part.)
niṣkāraṇaṃ sma tad dattaṃ brāhmaṇe dharmavarjite; bhaved apātradoṣeṇa na me 'trāsti vicāraṇā
Grundlos ist das einem Brahmanen ohne Dharma Gegebene; es [geschieht] durch den Fehler des Nicht-Empfängers; für mich gibt es hierbei keine Erwägung [Zweifel].
Wort für Wort
niṣkāraṇaṃ sma tad dattaṃ
grundlos war das Gegebene (Adv./Part.)
brāhmaṇe dharmavarjite
an einen Brahmanen, dem Dharma fehlt (Lok.)
bhaved apātradoṣeṇa
es wäre durch den Fehler des Nicht-Empfängers (3.Sg.Opt./Instr.)
na me 'trāsti vicāraṇā
nicht ist für mich hierbei Erwägung (Dat./3.Sg.Präs.)
grāmadhānyaṃ yathā śūnyaṃ yathā kūpaś ca nirjalaḥ; yathā hutam anagnau ca tathaiva syān nirākṛtau
Wie Getreide im Dorf, das leer ist, wie ein Brunnen ohne Wasser, wie eine Opfergabe, die ins Nicht-Feuer gegossen wurde, so [ist es] bei einem Zurückgewiesenen [?].
Wort für Wort
grāmadhānyaṃ yathā śūnyaṃ
wie Dorfgetreide leer (Nom.n.)
yathā kūpaś ca nirjalaḥ
und wie ein Brunnen ohne Wasser (Nom.)
yathā hutam anagnau ca
und wie Geopfertes in Nicht-Feuer (Part./Lok.)
tathaiva syān nirākṛtau
so wäre es beim Zurückgewiesenen [?] (Opt./Lok.)
Letzter Pāda unsicher: nirākṛti = „Zurückweisung/Verwerfung“; Beziehung zum Vergleich undeutlich.