Kapitel 143: lubdhakasya vairāgyam
Die Reue des Vogelfängers und sein Entschluss zur Buße
Der Vogelfänger, ergriffen vom Opfer der Taube im Feuer, verurteilt sein bisheriges Leben und beschließt zu fasten und Dharma zu üben. Fortsetzung der Taubengeschichte (Kapotalubdhaka-Episode) in Bhīṣmas Belehrung.
sa vinindann athātmānaṃ punaḥ punar uvāca ha; dhiṅ mām astu sudurbuddhiṃ sadā nikṛtiniścayam; śubhaṃ karma parityajya yo 'haṃ śakunilubdhakaḥ
Er schmähte sich darauf selbst und sprach immer wieder: „Verflucht sei ich, der ich sehr verblendet bin und stets auf Betrug bedacht! Ich, der ich das Gute Tun aufgegeben habe und ein Vogelfänger von Vögeln bin!“
Wort für Wort
sa vinindann athātmānam
er, sich schmähend, dann sich selbst (Nom.Sg.m., Part.Präs. / Akk.Sg.)
punaḥ punar uvāca ha
wieder und wieder sprach er (Perf. 3.Sg.)
dhiṅ mām astu
Schande über mich sei (Imp. 3.Sg.)
sudurbuddhiṃ sadā nikṛtiniścayam
den sehr Verblendeten, immer auf Betrug Entschlossenen (Akk.Sg.m., Bahuvrīhi)
so 'haṃ tyakṣye priyān prāṇān putradāraṃ visṛjya ca; upadiṣṭo hi me dharmaḥ kapotenātidharmiṇā
„Ich also werde die geliebten Lebenshauche aufgeben, nachdem ich Sohn und Frau verlassen habe; denn belehrt wurde ich über den Dharma von der überaus dharmatreuen Taube.“
Wort für Wort
so 'haṃ tyakṣye
ich, der [bin], werde aufgeben (Nom.Sg.m. / 1.Sg.Fut.)
priyān prāṇān
die lieben Lebenshauche (Akk.Pl.m.)
putradāraṃ visṛjya ca
und Sohn [und] Frau verlassen habend (Akk.Sg.m., Dvandva / Abs.)
upadiṣṭo hi me dharmaḥ
denn gelehrt wurde mir der Dharma (Part.Perf.Pass. / Gen.Sg. / Nom.Sg.m.)
kapotena atidharmiṇā
von der Taube, der überaus dharmatreuen (Instr.Sg.m.)
aho dehapradānena darśitātithipūjanā; tasmād dharmaṃ cariṣyāmi dharmo hi paramā gatiḥ; dṛṣṭo hi dharmo dharmiṣṭhair yādṛśo vihagottame
„Ah, durch das Hingeben des Leibes wurde [mir] die Verehrung des Gastes gezeigt! Darum werde ich den Dharma üben, denn der Dharma ist das höchste Ziel; denn gesehen wurde der Dharma, wie er von den Dharmatreuesten [gelebt wird], am Besten der Vögel.“
Wort für Wort
aho dehapradānena
ah, durch das Hingeben des Leibes (Interj. / Instr.Sg.n.)
darśitātithipūjanā
gezeigt die Gastverehrung (Nom.Sg.f., Part.Perf.Pass.)
tasmād dharmaṃ cariṣyāmi
deshalb den Dharma werde ich üben (Abl. / Akk.Sg.m. / 1.Sg.Fut.)
dharmo hi paramā gatiḥ
denn der Dharma ist das höchste Ziel (Nom.Sg.m. / Nom.Sg.f.)
dṛṣṭo hi dharmo dharmiṣṭhaiḥ
denn gesehen der Dharma von den Dharmatreuesten (Part.Perf.Pass. / Instr.Pl.m., Superl.)
yādṛśo vihagottame
wie er ist, am Besten der Vögel (Nom.Sg.m. / Lok.Sg.m.)
Die zweite Vershälfte ist knapp; „dṛṣṭo dharmo dharmiṣṭhair yādṛśaḥ“ wörtlich: ‚gesehen ist der Dharma, wie er bei den Dharmatreuesten [ist]‘. Wiedergabe mit [?] im Anschluss.
evam uktvā viniścitya raudrakarmā sa lubdhakaḥ; mahāprasthānam āśritya prayayau saṃśitavrataḥ
So gesprochen und den Entschluss gefasst habend, brach jener Vogelfänger, dessen Tun grausam gewesen war, strengen Gelübdes, zur Großen Wanderung [in den Tod] auf.
Wort für Wort
evam uktvā viniścitya
so gesprochen habend, entschlossen (Abs., Abs.)
raudrakarmā sa lubdhakaḥ
jener Vogelfänger, dessen Taten grausam waren (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
mahāprasthānam āśritya
zur Großen Wanderung Zuflucht nehmend (Akk.Sg.n. / Abs.)
prayayau saṃśitavrataḥ
brach er auf, streng im Gelübde (Perf. 3.Sg. / Nom.Sg.m.)
mahāprasthāna: die ‚Große Ausfahrt‘, Wanderung bis zum Tod.