Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 236: vānaprasthadharmaḥ Die Lebensweise des Waldeinsiedlers und der Übergang zur Entsagung

Vyāsa beschreibt dem Sohn (Śuka) die dritte Lebensstufe, den Waldeinsiedler-Stand, mit ihren Askeseformen, seinen Vorbildern und dem Übergang zur vierten Stufe, der Entsagung.

bhīṣma uvāca; proktā gṛhasthavṛttis te vihitā yā manīṣiṇām; tadanantaram uktaṃ yat tan nibodha yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Die Lebensweise des Hausvaters, die von den Weisen festgesetzt wurde, ist dir dargelegt; was danach gesagt wird, das vernimm, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
proktā gṛhasthavṛttis te
dargelegt [wurde] die Hausvater-Lebensweise dir (Part.Perf.Pass./Nom.; Dat./Gen.)
vihitā yā manīṣiṇām
die festgesetzt ist von den Weisen (Part.Perf.Pass.; Gen.Pl.)
tad anantaram uktaṃ yat
was danach gesagt wird (Akk.; Part.Perf.Pass.)
tan nibodha yudhiṣṭhira
das vernimm, Yudhiṣṭhira (Imp.2.Sg.; Vok.)

vyāsena kathitaṃ pūrvaṃ putrāya sumahātmane

[Es wurde] von Vyāsa früher seinem hochherzigen Sohn erzählt.

Wort für Wort
vyāsena kathitaṃ
von Vyāsa erzählt (Instr.; Part.Perf.Pass.)
pūrvaṃ
früher (Adv.)
putrāya sumahātmane
dem Sohn, dem sehr hochgesinnten (Dat.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers).

kramaśas tv avadhūyaināṃ tṛtīyāṃ vṛttim uttamām; saṃyogavratakhinnānāṃ vānaprasthāśramaukasām

Nachdem man diese [Hausvater-Stufe] der Reihe nach abgeschüttelt hat, [vernimm] die dritte, höchste Lebensweise der Waldbewohner, die der Gelübde der [ehelichen] Verbindung müde sind.[?]

Wort für Wort
kramaśas tv avadhūya
der Reihe nach aber abgeschüttelt habend (Adv.; Abs.)
enāṃ
diese (Akk.Sg.f.)
tṛtīyāṃ vṛttim uttamām
die dritte, höchste Lebensweise (Akk.Sg.f.)
saṃyogavratakhinnānāṃ
der von den Gelübden der Verbindung Ermüdeten (Kompositum; Gen.Pl.)
vānaprasthāśramaukasām
der Bewohner der Waldeinsiedler-Stufe (Kompositum; Gen.Pl.)

Syntax unklar: avadhūya (‚abschütteln, aufgeben‘) hat kein klares Objekt; ‚enām‘ bezieht sich vermutlich auf die Hausvater-Stufe, der Satz bleibt elliptisch.

śrūyatāṃ pārtha bhadraṃ te sarvalokāśrayātmanām; prekṣāpūrvaṃ pravṛttānāṃ puṇyadeśanivāsinām

Vernimm [sie], Pārtha, Heil dir, [von denen,] die aller Welten Zuflucht [sind], die nach Überlegung handeln und an heiligen Orten wohnen.

Wort für Wort
śrūyatāṃ pārtha bhadraṃ te
es werde gehört, Pārtha, Heil dir (Imp.Pass.3.Sg.; Vok.; Nom.; Dat.)
sarvalokāśrayātmanām
derer, deren Wesen Zuflucht aller Welten ist (Kompositum; Gen.Pl.)
prekṣāpūrvaṃ pravṛttānāṃ
der mit Überlegung Handelnden (Adv.; Part.Perf.Pass.; Gen.Pl.)
puṇyadeśanivāsinām
der an heiligen Orten Wohnenden (Kompositum; Gen.Pl.)

vyāsa uvāca; gṛhasthas tu yadā paśyed valīpalitam ātmanaḥ; apatyasyaiva cāpatyaṃ vanam eva tadāśrayet

Vyāsa sprach: „Wenn aber der Hausvater an sich Runzeln und graues Haar sieht und das Kind seines Kindes, soll er eben in den Wald ziehen.“

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
gṛhasthas tu yadā paśyed
der Hausvater aber, wenn er sieht (Nom.; Opt.3.Sg.)
valīpalitam ātmanaḥ
Runzeln und graues Haar an sich (Akk.; Gen.)
apatyasyaiva cāpatyaṃ
und das Kind eben des Kindes (Gen.; Akk.)
vanam eva tadāśrayet
in den Wald eben soll er dann seine Zuflucht nehmen (Akk.; Opt.3.Sg.)

tṛtīyam āyuṣo bhāgaṃ vānaprasthāśrame vaset; tān evāgnīn paricared yajamāno divaukasaḥ

Den dritten Teil des Lebens soll er im Waldeinsiedler-Stand verweilen; eben jene Feuer soll er als Opferherr verehren, [und so] die Himmelsbewohner.

Wort für Wort
tṛtīyam āyuṣo bhāgaṃ
den dritten Teil des Lebens (Akk.; Gen.)
vānaprasthāśrame vaset
im Waldeinsiedler-Stand soll er wohnen (Lok.; Opt.3.Sg.)
tān evāgnīn paricared
eben jene Feuer soll er verehren (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.)
yajamāno
als Opferherr (Nom.Sg.)
divaukasaḥ
die Himmelsbewohner [d. h. Götter] (Akk.Pl.)

niyato niyatāhāraḥ ṣaṣṭhabhakto 'pramādavān; tad agnihotraṃ tā gāvo yajñāṅgāni ca sarvaśaḥ

Gezügelt, mäßig in der Nahrung, nur zur sechsten [Mahlzeit] essend, unachtsam nie: [so soll er] dasselbe Agnihotra, jene Kühe und alle Opfergeräte [halten].

Wort für Wort
niyato niyatāhāraḥ
gezügelt, mit gezügelter Nahrung (Nom.Sg.; Kompositum)
ṣaṣṭhabhakto 'pramādavān
wer zur sechsten Mahlzeit isst, nicht nachlässig (Nom.Sg.)
tad agnihotraṃ
dasselbe Agnihotra (Nom./Akk.Sg.n.)
tā gāvo
jene Kühe (Nom./Akk.Pl.f.)
yajñāṅgāni ca sarvaśaḥ
und alle Opferbestandteile vollständig (Nom./Akk.Pl.; Adv.)

Der Satz ist elliptisch; das regierende Verb (‚halten, behalten‘) ist ergänzt.

akṛṣṭaṃ vai vrīhiyavaṃ nīvāraṃ vighasāni ca; havīṃṣi saṃprayaccheta makheṣv atrāpi pañcasu

Ungepflügten Reis und Gerste, wilden Reis und Gästereste soll er als Opfergaben darbringen, auch hier bei den fünf Opfern.

Wort für Wort
akṛṣṭaṃ vai vrīhiyavaṃ
ungepflügten [Wuchs] fürwahr, Reis und Gerste (Akk.)
nīvāraṃ vighasāni ca
wilden Reis und Speisereste (Akk.Sg.; Akk.Pl.)
havīṃṣi saṃprayaccheta
als Opfergaben soll er darbringen (Akk.Pl.; Opt.Med.3.Sg.)
makheṣv atrāpi pañcasu
bei den Opfern, auch hier, fünf an der Zahl (Lok.Pl.)

vānaprasthāśrame 'py etāś catasro vṛttayaḥ smṛtāḥ; sadyaḥprakṣālakāḥ ke cit ke cin māsikasaṃcayāḥ

Auch im Waldeinsiedler-Stand gelten diese vier Lebensweisen: manche spülen sogleich [ihre Gefäße aus, sammeln also nichts], manche haben einen Monatsvorrat.

Wort für Wort
vānaprasthāśrame 'py etāś
auch im Waldeinsiedler-Stand diese (Lok.; Nom.Pl.f.)
catasro vṛttayaḥ smṛtāḥ
vier Lebensweisen gelten als überliefert (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)
sadyaḥprakṣālakāḥ ke cit
sogleich Ausspülende, manche (Nom.Pl.)
ke cin māsikasaṃcayāḥ
manche mit Monatsvorrat (Nom.Pl.)

vārṣikaṃ saṃcayaṃ ke cit ke cid dvādaśavārṣikam; kurvanty atithipūjārthaṃ yajñatantrārthasiddhaye

Manche legen einen Jahresvorrat an, manche einen für zwölf Jahre, zur Ehrung der Gäste und zum Gelingen der Opferhandlung.

Wort für Wort
vārṣikaṃ saṃcayaṃ ke cit
einen jährlichen Vorrat, manche (Akk.Sg.)
ke cid dvādaśavārṣikam
manche einen zwölfjährigen (Akk.Sg.)
kurvanty atithipūjārthaṃ
sie legen an, zur Gästeverehrung (3.Pl.Präs.; Adv.)
yajñatantrārthasiddhaye
zum Gelingen des Zwecks der Opferordnung (Dat.Sg.)

abhrāvakāśā varṣāsu hemante jalasaṃśrayāḥ; grīṣme ca pañcatapasaḥ śaśvac ca mitabhojanāḥ

[Manche leben] in der Regenzeit unter freiem Himmel, im Winter im Wasser Zuflucht suchend, im Sommer mit den fünf Feuern der Askese, und stets mäßig im Essen.

Wort für Wort
abhrāvakāśā varṣāsu
unter freiem Himmel in den Regenzeiten (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
hemante jalasaṃśrayāḥ
im Winter im Wasser Zuflucht nehmend (Lok.; Nom.Pl.)
grīṣme ca pañcatapasaḥ
und im Sommer die Fünffeuer-Askese Übende (Lok.; Nom.Pl.)
śaśvac ca mitabhojanāḥ
und stets maßvoll Essende (Adv.; Nom.Pl.)

bhūmau viparivartante tiṣṭhed vā prapadair api; sthānāsanair vartayanti savaneṣv abhiṣiñcate

Sie wälzen sich auf dem Boden oder stehen auf den Zehenspitzen; [manche] leben mit Stehen und Sitzen und baden zu den [drei täglichen] Somapressungen.

Wort für Wort
bhūmau viparivartante
auf dem Boden wälzen sie sich (Lok.; 3.Pl.Med.)
tiṣṭhed vā prapadair api
oder [einer] stehe auf den Fußspitzen (Opt.3.Sg.; Instr.Pl.)
sthānāsanair vartayanti
mit Stehen und Sitzen führen sie ihr Leben (Instr.Pl.; 3.Pl.Kaus.)
savaneṣv abhiṣiñcate
bei den Pressungen [Zeiten] badet er (Lok.Pl.; 3.Sg.Med.)

Numeruswechsel im Original (Sg./Pl.).

dantolūkhalinaḥ ke cid aśmakuṭṭās tathāpare; śuklapakṣe pibanty eke yavāgūṃ kvathitāṃ sakṛt

Manche haben die Zähne als Mörser, andere zerstoßen mit Steinen; manche trinken im hellen Halbmonat einmal gekochten Reisschleim.

Wort für Wort
dantolūkhalinaḥ ke cid
mit den Zähnen als Mörser, manche (Nom.Pl.)
aśmakuṭṭās tathāpare
Steinklopfer, und andere (Nom.Pl.)
śuklapakṣe pibanty eke
im hellen Halbmonat trinken manche (Lok.; 3.Pl.)
yavāgūṃ kvathitāṃ sakṛt
gekochten Reisschleim einmal (Akk.Sg.f.; Adv.)

kṛṣṇapakṣe pibanty eke bhuñjate ca yathākramam; mūlair eke phalair eke puṣpair eke dṛḍhavratāḥ

Manche trinken im dunklen Halbmonat, und [manche] essen der Reihe nach; manche [leben] von Wurzeln, manche von Früchten, manche von Blüten, fest im Gelübde.

Wort für Wort
kṛṣṇapakṣe pibanty eke
im dunklen Halbmonat trinken manche (Lok.; 3.Pl.)
bhuñjate ca yathākramam
und sie essen der Reihe nach (3.Pl.Med.; Adv.)
mūlair eke phalair eke
manche mit Wurzeln, manche mit Früchten (Instr.Pl.)
puṣpair eke dṛḍhavratāḥ
manche mit Blüten, fest im Gelübde (Instr.Pl.; Nom.Pl.)

vartayanti yathānyāyaṃ vaikhānasamataṃ śritāḥ; etāś cānyāś ca vividhā dīkṣās teṣāṃ manīṣiṇām

Sie leben nach der Regel, indem sie der Lehre der Vaikhānasas folgen; dies und andere vielfältige Weihen [gibt es] bei jenen Weisen.

Wort für Wort
vartayanti yathānyāyaṃ
sie führen ihr Leben regelgemäß (3.Pl.; Adv.)
vaikhānasamataṃ śritāḥ
die Lehre der Vaikhānasas aufgesucht habend (Akk.; Nom.Pl.)
etāś cānyāś ca vividhā
diese und andere, vielfältige (Nom.Pl.f.)
dīkṣās teṣāṃ manīṣiṇām
Weihen [gibt es] bei jenen Weisen (Nom.Pl.; Gen.Pl.)

caturthaś caupaniṣado dharmaḥ sādhāraṇaḥ smṛtaḥ; vānaprastho gṛhasthaś ca tato 'nyaḥ saṃpravartate

Und ein vierter, der upaniṣadische Dharma, gilt als [ihnen] gemeinsam; der Waldeinsiedler und der Hausvater; danach setzt ein anderer ein.[?]

Wort für Wort
caturthaś caupaniṣado
und der vierte, der upaniṣadische (Nom.Sg.)
dharmaḥ sādhāraṇaḥ smṛtaḥ
Dharma, gemeinsam, gilt als überliefert (Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)
vānaprastho gṛhasthaś ca
der Waldeinsiedler und der Hausvater (Nom.Sg.)
tato 'nyaḥ saṃpravartate
danach ein anderer setzt ein (Abl.-Adv.; 3.Sg.Med.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch schwer zu fassen; Bezug von ‚sādhāraṇa‘ unsicher.

asminn eva yuge tāta vipraiḥ sarvārthadarśibhiḥ; agastyaḥ sapta ṛṣayo madhucchando 'ghamarṣaṇaḥ

In eben diesem Zeitalter, Lieber, [gelangten] von den Brahmanen, die alles Wesentliche schauten, Agastya, die sieben Ṛṣis, Madhucchandas, Aghamarṣaṇa [in den Himmel].

Wort für Wort
asminn eva yuge tāta
in eben diesem Zeitalter, Lieber (Lok.; Vok.)
vipraiḥ sarvārthadarśibhiḥ
mit Brahmanen, alles Wesentliche Schauenden (Instr.Pl.)
agastyaḥ sapta ṛṣayaḥ
Agastya, die sieben Ṛṣis (Nom.)
madhucchando 'ghamarṣaṇaḥ
Madhucchandas, Aghamarṣaṇa (Nom.Sg.)

Der Satz wird in V. 19 mit ‚svargam upāgaman‘ vollendet.

sāṃkṛtiḥ sudivā taṇḍir yavānno 'tha kṛtaśramaḥ; ahovīryas tathā kāvyas tāṇḍyo medhātithir budhaḥ

Sāṃkṛti, Sudivā, Taṇḍi, Yavānna und Kṛtaśrama, Ahovīrya, ebenso Kāvya, Tāṇḍya, Medhātithi, Budha.

Wort für Wort
sāṃkṛtiḥ sudivā taṇḍir
Sāṃkṛti, Sudivā, Taṇḍi (Nom.Sg.)
yavānno 'tha kṛtaśramaḥ
Yavānna, und dann Kṛtaśrama (Nom.Sg.)
ahovīryas tathā kāvyas
Ahovīrya, ebenso Kāvya (Nom.Sg.)
tāṇḍyo medhātithir budhaḥ
Tāṇḍya, Medhātithi, Budha (Nom.Sg.)

śalo vākaś ca nirvākaḥ śūnyapālaḥ kṛtaśramaḥ; evaṃdharmasu vidvāṃsas tataḥ svargam upāgaman

Śala, Vāka, Nirvāka, Śūnyapāla, Kṛtaśrama: [diese,] in solchen Dharmas kundig, gingen dann zum Himmel.

Wort für Wort
śalo vākaś ca nirvākaḥ
Śala, Vāka und Nirvāka (Nom.Sg.)
śūnyapālaḥ kṛtaśramaḥ
Śūnyapāla, Kṛtaśrama (Nom.Sg.)
evaṃdharmasu vidvāṃsas
in solchen Dharmas Kundige (Lok.Pl.; Nom.Pl.Part.Perf.)
tataḥ svargam upāgaman
dann gingen sie zum Himmel (Adv.; Akk.; Aor./Impf.3.Pl.)

‚evaṃdharmasu‘ vermutlich für ‚evaṃdharmeṣu‘.

tāta pratyakṣadharmāṇas tathā yāyāvarā gaṇāḥ; ṛṣīṇām ugratapasāṃ dharmanaipuṇadarśinām

Lieber, [es gab] auch die Dharma unmittelbar Erfahrenden und die Scharen der Yāyāvaras, der Ṛṣis von grimmiger Askese, die die Feinheit des Dharma sehen.

Wort für Wort
tāta pratyakṣadharmāṇas
Lieber, die Dharma unmittelbar Erfahrenden (Vok.; Nom.Pl.)
tathā yāyāvarā gaṇāḥ
und ebenso die Yāyāvara-Scharen (Nom.Pl.)
ṛṣīṇām ugratapasāṃ
der Ṛṣis von gewaltiger Askese (Gen.Pl.)
dharmanaipuṇadarśinām
die die Kunstfertigkeit im Dharma schauen (Kompositum; Gen.Pl.)

Syntax lose; ‚gaṇāḥ‘ steht mit Genitiv der Ṛṣis.

avācyāparimeyāś ca brāhmaṇā vanam āśritāḥ; vaikhānasā vālakhilyāḥ sikatāś ca tathāpare

Unaussprechliche und unermessliche Brahmanen, [die] im Wald Zuflucht genommen [haben]: Vaikhānasas, Vālakhilyas und andere, die Sikatas.

Wort für Wort
avācyāparimeyāś ca
und Unaussprechliche, Unermessliche (Nom.Pl.)
brāhmaṇā vanam āśritāḥ
Brahmanen, die zum Wald ihre Zuflucht genommen haben (Nom.Pl.; Akk.; Part.Perf.)
vaikhānasā vālakhilyāḥ
Vaikhānasas, Vālakhilyas (Nom.Pl.)
sikatāś ca tathāpare
und Sikatas, und andere (Nom.Pl.)

karmabhis te nirānandā dharmanityā jitendriyāḥ; gatāḥ pratyakṣadharmāṇas te sarve vanam āśritāḥ; anakṣatrā anādhṛṣyā dṛśyante jyotiṣāṃ gaṇāḥ

Durch Werke ohne Freude, dem Dharma stets ergeben, die Sinne bezwungen, [so] gingen sie, die den Dharma unmittelbar erfuhren, alle, die im Wald Zuflucht nahmen; unbezwingbar und ohne Sternbild[?] werden sie als Scharen von Lichtern gesehen.

Wort für Wort
karmabhis te nirānandā
durch Werke sie ohne Freude (Instr.Pl.; Nom.Pl.)
dharmanityā jitendriyāḥ
dem Dharma stets ergeben, Sinne bezwungen (Nom.Pl.)
gatāḥ pratyakṣadharmāṇas
gegangen, den Dharma unmittelbar Erfahrende (Part.Perf.; Nom.Pl.)
te sarve vanam āśritāḥ
sie alle, die zum Wald Zuflucht genommen (Nom.Pl.; Akk.)
anakṣatrā anādhṛṣyā
ohne Sternbild[?], unangreifbar (Nom.Pl.)
dṛśyante jyotiṣāṃ gaṇāḥ
werden gesehen als Scharen von Lichtern (3.Pl.Pass.; Gen.Pl.; Nom.Pl.)

Zusatz in der kritischen Ausgabe möglich; ‚anakṣatrāḥ‘ unklar (‚nicht den Sternbildern zugehörig‘ oder ‚unvergänglich‘?). ‚nirānandāḥ karmabhiḥ‘ könnte auch ‚[der Freude an] Werken ledig‘ bedeuten.

jarayā ca paridyūno vyādhinā ca prapīḍitaḥ; caturthe cāyuṣaḥ śeṣe vānaprasthāśramaṃ tyajet; sadyaskārāṃ nirūpyeṣṭiṃ sarvavedasadakṣiṇām

Von Alter erschöpft und von Krankheit bedrängt, soll er im vierten [Rest] des Lebens den Waldeinsiedler-Stand verlassen, nachdem er ein rasch [auszuführendes] Opfer festgesetzt hat, mit [der Hingabe] seines ganzen Besitzes als Opferlohn.

Wort für Wort
jarayā ca paridyūno
und vom Alter erschöpft (Instr.; Nom.Sg.)
vyādhinā ca prapīḍitaḥ
und von Krankheit bedrängt (Instr.; Part.Perf.Pass.)
caturthe cāyuṣaḥ śeṣe
und im vierten Rest des Lebens (Lok.; Gen.; Lok.)
vānaprasthāśramaṃ tyajet
den Waldeinsiedler-Stand soll er verlassen (Akk.; Opt.3.Sg.)
sadyaskārāṃ nirūpyeṣṭiṃ
ein Sadyaskra-Opfer festgesetzt habend (Akk.Sg.f.; Abs.)
sarvavedasadakṣiṇām
mit dem gesamten Besitz als Opferlohn (Kompositum; Akk.Sg.f.)

‚caturthe … śeṣe‘: das letzte Viertel des Lebens; ‚vedasa‘ = Besitz, Vermögen.

ātmayājī so ''tmaratir ātmakrīḍātmasaṃśrayaḥ; ātmany agnīn samāropya tyaktvā sarvaparigrahān

Selbstopferer, am Selbst sich erfreuend, mit dem Selbst spielend, im Selbst seine Zuflucht [habend], die Feuer auf das Selbst gelegt, alle Besitztümer aufgegeben.

Wort für Wort
ātmayājī so 'tmaratir
er, der Selbstopferer, am Selbst Freude Findende (Nom.Sg.)
ātmakrīḍātmasaṃśrayaḥ
mit dem Selbst spielend, im Selbst Zuflucht habend (Nom.Sg.)
ātmany agnīn samāropya
im Selbst die Feuer angelegt/hinaufgelegt habend (Lok.; Akk.Pl.; Abs.)
tyaktvā sarvaparigrahān
aufgegeben habend alle Besitztümer (Abs.; Akk.Pl.)

sadyaskrāṃś ca yajed yajñān iṣṭīś caiveha sarvadā; sadaiva yājināṃ yajñād ātmanījyā nivartate

Er soll auch die Sadyaskra-Opfer und die Iṣṭis hier stets darbringen; bei stets Opfernden nämlich hört vom [äußeren] Opfer aus das Selbstopfer nicht auf [?].

Wort für Wort
sadyaskrāṃś ca yajed yajñān
und rasch zu vollendende Opfer soll er darbringen (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.; Akk.Pl.)
iṣṭīś caiveha sarvadā
und auch Iṣṭis hier allezeit (Akk.Pl.; Adv.)
sadaiva yājināṃ yajñād
stets bei den Opfernden aus dem Opfer (Gen.Pl.; Abl.)
ātmanījyā nivartate
das Opfer im Selbst kehrt zurück/hört auf (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Med.)

Zweiter Halbvers unsicher: ‚nivartate‘ kann ‚aufhören‘ oder ‚sich abwenden‘ bedeuten; Sinn nicht gesichert.

trīṃś caivāgnīn yajet samyag ātmany evātmamokṣaṇāt; prāṇebhyo yajuṣā pañca ṣaṭ prāśnīyād akutsayan

Auch die drei Feuer soll er recht opfern, allein im Selbst, wegen der Befreiung [der Feuer] in das Selbst; den Lebenshauchen [soll er] mit einer Yajus-Formel fünf oder sechs [Bissen] darbringen und essen, ohne zu tadeln.[?]

Wort für Wort
trīṃś caivāgnīn yajet samyag
und auch die drei Feuer soll er recht opfern (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.; Adv.)
ātmany evātmamokṣaṇāt
im Selbst eben, wegen der Loslösung ins Selbst[?] (Lok.; Abl.)
prāṇebhyo yajuṣā pañca
den Lebenshauchen mit einer Yajus-Formel fünf (Dat.Pl.; Instr.)
ṣaṭ prāśnīyād akutsayan
sechs soll er essen, ohne zu schmähen (Opt.3.Sg.; Part.Präs.)

‚ātmamokṣaṇāt‘ und der Bezug von ‚pañca ṣaṭ‘ (Bissen) sind unsicher.

keśalomanakhān vāpya vānaprastho munis tataḥ; āśramād āśramaṃ sadyaḥ pūto gacchati karmabhiḥ

Wenn er Haupthaar, Körperhaare und Nägel abgeschnitten hat, geht der Waldeinsiedler-Muni sodann sogleich, durch Werke gereinigt, von Stufe zu Stufe.

Wort für Wort
keśalomanakhān vāpya
Kopfhaar, Körperhaar und Nägel abgeschnitten habend (Akk.Pl.; Abs.)
vānaprastho munis tataḥ
der Waldeinsiedler, der Muni, dann (Nom.Sg.; Adv.)
āśramād āśramaṃ sadyaḥ
von Stufe zu Stufe sogleich (Abl.; Akk.; Adv.)
pūto gacchati karmabhiḥ
gereinigt geht er, durch Werke (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.; Instr.Pl.)

abhayaṃ sarvabhūtebhyo yo dattvā pravrajed dvijaḥ; lokās tejomayās tasya pretya cānantyam aśnute

Der Zweimalgeborene, der allen Wesen Furchtlosigkeit gegeben hat und [dann] als Wanderasket hinauszieht: für ihn [gibt es] lichtvolle Welten, und nach dem Tod erlangt er Unendlichkeit.

Wort für Wort
abhayaṃ sarvabhūtebhyo
Furchtlosigkeit allen Wesen (Akk.; Dat.Pl.)
yo dattvā pravrajed dvijaḥ
wer, gegeben habend, als Wanderasket hinausziehen soll, der Zweimalgeborene (Abs.; Opt.3.Sg.; Nom.)
lokās tejomayās tasya
Welten, aus Glanz bestehend, sein (Nom.Pl.; Gen.)
pretya cānantyam aśnute
und nach dem Tod erlangt er Unendlichkeit (Abs.; Akk.; 3.Sg.Med.)

suśīlavṛtto vyapanītakalmaṣo; na ceha nāmutra ca kartum īhate; aroṣamoho gatasaṃdhivigraho; bhaved udāsīnavad ātmavin naraḥ

Von gutem Wandel, von Makel befreit, strebt er weder hier noch im Jenseits nach irgendeinem Tun; ohne Zorn und Verblendung, ohne Frieden[sschluss] und Krieg soll der Selbstkundige wie ein Unbeteiligter sein.

Wort für Wort
suśīlavṛtto vyapanītakalmaṣo
von gutem Wandel, dessen Makel entfernt ist (Nom.Sg.)
na ceha nāmutra ca
und weder hier noch dort (Adv.)
kartum īhate
strebt zu tun (Inf.; 3.Sg.Med.)
aroṣamoho gatasaṃdhivigraho
ohne Zorn und Verblendung, ohne Bündnis und Streit (Nom.Sg.)
bhaved udāsīnavad
soll sein wie ein Unbeteiligter (Opt.3.Sg.; Adv.)
ātmavin naraḥ
der Selbstkundige, der Mann (Nom.Sg.)

yameṣu caivātmagateṣu na vyathet; svaśāstrasūtrāhutimantravikramaḥ; bhaved yatheṣṭā gatir ātmayājino; na saṃśayo dharmapare jītendriye

Und bei den im Selbst verankerten Zügelungen soll er nicht wanken; [wer] Kraft in der eigenen Lehre, im Sūtra, in Spende und Mantra hat: für den Selbstopferer wird der Weg sein, wie er wünscht; kein Zweifel [besteht] bei dem auf den Dharma Gerichteten, dem Sinnesbezwinger.

Wort für Wort
yameṣu caivātmagateṣu
und bei den Zügelungen, die im Selbst [verankert] sind (Lok.Pl.)
na vyathet
er soll nicht wanken (Opt.3.Sg.)
svaśāstrasūtrāhutimantravikramaḥ
dessen Kraft in eigener Lehre, Sūtra, Spende, Mantra liegt (Kompositum; Nom.Sg.)
bhaved yatheṣṭā gatir
der Weg wird sein nach Wunsch (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.f.)
ātmayājino
für den Selbstopferer (Gen./Dat.Sg.)
na saṃśayo dharmapare jitendriye
kein Zweifel bei dem dem Dharma Ergebenen, Sinnesbezwinger (Lok.Sg.)

Erster Halbvers syntaktisch unsicher; ‚jītendriye‘ metrisch für ‚jitendriye‘.

tataḥ paraṃ śreṣṭham atīva sadguṇair; adhiṣṭhitaṃ trīn adhivṛttam uttamam; caturtham uktaṃ paramāśramaṃ śṛṇu; prakīrtyamānaṃ paramaṃ parāyaṇam

Danach höre [von] der vierten, höchsten Stufe, die als die vorzüglichste, mit guten Eigenschaften über die Maßen ausgestattete, die drei [anderen] überragende, beste verkündet wird, als höchste Zuflucht.

Wort für Wort
tataḥ paraṃ śreṣṭham atīva sadguṇair
danach das Vorzüglichste, überaus durch gute Eigenschaften (Adv.; Akk.; Instr.Pl.)
adhiṣṭhitaṃ trīn adhivṛttam uttamam
ausgestattet, die drei überragend, höchste (Part.Perf.Pass.; Akk.Pl.; Akk.Sg.)
caturtham uktaṃ paramāśramaṃ śṛṇu
die vierte, genannte, höchste Stufe höre (Akk.; Part.Perf.Pass.; Imp.2.Sg.)
prakīrtyamānaṃ paramaṃ parāyaṇam
die verkündet wird, als höchste Zuflucht (Part.Präs.Pass.; Akk.)

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