Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 66: āśramapadāni rājadharme Die Lebensstufen des Königs: Schutz der Wesen als Erfüllung aller Stufen

Yudhiṣṭhira fragt nach den vier Lebensstufen; Bhīṣma zeigt, wie ein König durch Rechtspflege, Freigebigkeit und Schutz die Aufgaben aller Lebensstufen in seinem Stand erfüllt.

yudhiṣṭhira uvāca; śrutā me kathitāḥ pūrvaiś catvāro mānavāśramāḥ; vyākhyānam eṣām ācakṣva pṛcchato me pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Gehört habe ich, von den Früheren verkündet, die vier Lebensstufen der Menschen. Lege mir deren Auslegung dar, der ich dich frage, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śrutā me kathitāḥ pūrvaiḥ
gehört [wurden] von mir, verkündet von den Früheren (Nom.Pl./Instr.Pl.)
catvāro mānavāśramāḥ
die vier Lebensstufen der Menschen (Nom.Pl.)
vyākhyānam eṣām ācakṣva
die Auslegung dieser (Gen.Pl.) lege dar (Imp.Med.)
pṛcchato me pitāmaha
mir, der ich frage (Dat./Gen.Sg.), Großvater (Vok.)

bhīṣma uvāca; viditāḥ sarva eveha dharmās tava yudhiṣṭhira; yathā mama mahābāho viditāḥ sādhusaṃmatāḥ

Bhīṣma sprach: „Bekannt sind dir hier alle Pflichten, Yudhiṣṭhira, so wie sie mir bekannt sind, Starkarmiger, [nämlich] die von den Guten gebilligten.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
viditāḥ sarva eveha dharmāḥ
bekannt sind hier eben alle Pflichten (Nom.Pl.)
tava yudhiṣṭhira
dir (Gen.), Yudhiṣṭhira (Vok.)
yathā mama mahābāho
wie mir, Starkarmiger (Vok.)
viditāḥ sādhusaṃmatāḥ
bekannt, von den Guten gebilligt (Nom.Pl.)

yat tu liṅgāntaragataṃ pṛcchase māṃ yudhiṣṭhira; dharmaṃ dharmabhṛtāṃ śreṣṭha tan nibodha narādhipa

„Was du mich aber fragst, das in ein anderes Erscheinungsbild [?] übergegangen ist, Yudhiṣṭhira, den Dharma, Bester der Dharma-Träger, den vernimm, Herr der Menschen.“

Wort für Wort
yat tu liṅgāntaragataṃ pṛcchase māṃ yudhiṣṭhira
was aber, in ein anderes Kennzeichen/Erscheinungsbild übergegangen (Akk., Kompositum), du mich fragst (2.Sg.Med.), Yudhiṣṭhira
dharmaṃ dharmabhṛtāṃ śreṣṭha
den Dharma (Akk.), Bester der Dharma-Träger (Vok., Gen.Pl.)
tan nibodha narādhipa
das vernimm (Imp.), Herr der Menschen (Vok.)

liṅgāntaragata ist unsicher: wörtlich „zu einem anderen Kennzeichen gegangen“; gemeint wohl die Anwendung der āśrama-Bezeichnungen auf andere Lebensweisen.

sarvāṇy etāni kaunteya vidyante manujarṣabha; sādhvācārapravṛttānāṃ cāturāśramyakarmaṇām

„Alle diese [Pflichten] sind vorhanden, Kaunteya, Tiger unter den Menschen, bei denen, die im guten Wandel stehen und die Werke der vier Lebensstufen üben.“

Wort für Wort
sarvāṇy etāni kaunteya
alle diese (Nom.Pl.n.), Sohn der Kuntī (Vok.)
vidyante manujarṣabha
sind vorhanden (3.Pl.Pass./Med.), Stier unter den Menschen (Vok.)
sādhvācārapravṛttānām
bei denen, die zum guten Wandel Aufgebrochenen/in ihm Befindlichen (Gen.Pl.)
cāturāśramyakarmaṇām
die die Werke der Vier-Lebensstufen-Ordnung [tun] (Gen.Pl.)

akāmadveṣayuktasya daṇḍanītyā yudhiṣṭhira; samekṣiṇaś ca bhūteṣu bhaikṣāśramapadaṃ bhavet

„Für den, der frei ist von Begehren und Hass, Yudhiṣṭhira, der nach der Regel der Rechtspflege handelt und die Wesen mit gleichem Blick ansieht, möge es die Stätte der Bettel-Lebensstufe sein.“

Wort für Wort
akāmadveṣayuktasya
für den, der mit Nicht-Begehren und Nicht-Hass verbunden ist (Gen.Sg.)
daṇḍanītyā yudhiṣṭhira
durch die Rechtspflege/Strafordnung (Instr.), Yudhiṣṭhira
samekṣiṇaś ca bhūteṣu
und für den, der gleichmäßig blickt, auf die Wesen (Gen.Sg./Lok.Pl.)
bhaikṣāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Bettel-Lebensstufe möge sein (3.Sg.Opt.)

vetty ādānavisargaṃ yo nigrahānugrahau tathā; yathoktavṛtter vīrasya kṣemāśramapadaṃ bhavet

„Wer Nehmen und Geben kennt sowie Bändigung und Gunst, der Held, der wie vorgeschrieben lebt, für den möge es die Stätte der Lebensstufe der Sicherheit sein.“

Wort für Wort
vetty ādānavisargaṃ yaḥ
wer Nehmen und Geben kennt (3.Sg.Präs.)
nigrahānugrahau tathā
Bändigung und Gunst (Akk.Du.) ebenso
yathoktavṛtter vīrasya
für den Helden, dessen Lebensweise wie gesagt ist (Gen.Sg.)
kṣemāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Lebensstufe der Sicherheit möge sein (Opt.)

arhān pūjayato nityaṃ saṃvibhāgena pāṇḍava; sarvatas tasya kaunteya bhaikṣyāśramapadaṃ bhavet

„Wer stets die Verehrungswürdigen ehrt durch Teilen, Pāṇḍava, für den möge es überall, Kaunteya, die Stätte der Lebensstufe der Bettelspeise sein.“

Wort für Wort
arhān pūjayato nityam
für den, der die Verehrungswürdigen (Akk.Pl.) ehrt, stets (Gen.Sg.Part.)
saṃvibhāgena pāṇḍava
durch Teilen (Instr.), Pāṇḍava (Vok.)
sarvatas tasya kaunteya
überall, für ihn, Kaunteya
bhaikṣyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Bettelspeise-Lebensstufe möge sein

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

jñātisaṃbandhimitrāṇi vyāpannāni yudhiṣṭhira; samabhyuddharamāṇasya dīkṣāśramapadaṃ bhavet

„Wenn Verwandte, Angeheiratete und Freunde ins Unglück geraten sind, Yudhiṣṭhira, und man sie [daraus] emporhebt, dessen Stätte möge die Lebensstufe der Weihe sein.“

Wort für Wort
jñātisaṃbandhimitrāṇi
Verwandte, Angeheiratete, Freunde (Nom./Akk.Pl.n.)
vyāpannāni yudhiṣṭhira
zugrunde gegangen/ins Unglück geraten (Part.), Yudhiṣṭhira
samabhyuddharamāṇasya
für den, der [sie] emporhebt/rettet (Gen.Sg.Part.Med.)
dīkṣāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Weihe-Lebensstufe möge sein

lokamukhyeṣu satkāraṃ liṅgimukhyeṣu cāsakṛt; kurvatas tasya kaunteya vanyāśramapadaṃ bhavet

„Wer den Angesehensten der Welt und den Hauptvertretern der Zeichenträger [Asketen] wiederholt Ehrerbietung erweist, Kaunteya, für den möge es die Stätte der Waldlebensstufe sein.“

Wort für Wort
lokamukhyeṣu satkāram
gegenüber den Vornehmsten der Welt, Ehrerbietung (Lok.Pl./Akk.)
liṅgimukhyeṣu cāsakṛt
und gegenüber den Hauptvertretern der Zeichenträger, wiederholt
kurvatas tasya kaunteya
für den, der [das] tut (Gen.Sg.Part.), Kaunteya
vanyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Waldlebensstufe möge sein

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

āhnikaṃ bhūtayajñāṃś ca pitṛyajñāṃś ca mānuṣān; kurvataḥ pārtha vipulān vanyāśramapadaṃ bhavet

„Wer die täglichen [Opfer], die Wesensopfer und die Ahnenopfer sowie die menschlichen [Gastopfer] in Fülle vollzieht, Pārtha, für den möge es die Stätte der Waldlebensstufe sein.“

Wort für Wort
āhnikaṃ bhūtayajñāṃś ca
das tägliche [Opfer] und die Wesensopfer (Akk.)
pitṛyajñāṃś ca mānuṣān
und die Ahnenopfer, die menschlichen (Akk.Pl.)
kurvataḥ pārtha vipulān
für den, der [sie] vollzieht (Gen.Sg.), Pārtha, reichlich (Akk.Pl.)
vanyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Waldlebensstufe möge sein

mānuṣān wohl als Gastopfer (manuṣyayajña) gefasst; Bezug im Satz nicht ganz eindeutig.

saṃvibhāgena bhūtānām atithīnāṃ tathārcanāt; devayajñaiś ca rājendra vanyāśramapadaṃ bhavet; mardanaṃ pararāṣṭrāṇāṃ śiṣṭārthaṃ satyavikrama; kurvataḥ puruṣavyāghra vanyāśramapadaṃ bhavet

„Durch das Teilen mit den Wesen und durch die Verehrung der Gäste, und durch Götteropfer, König der Könige, möge es die Stätte der Waldlebensstufe sein. Wer die Reiche der Feinde niederwirft um der Guten willen, wahrhaft Tapferer, Tiger unter den Männern, für den möge es die Stätte der Waldlebensstufe sein.“

Wort für Wort
saṃvibhāgena bhūtānām
durch das Teilen mit den Wesen (Instr., Gen.Pl.)
atithīnāṃ tathārcanāt
und durch die Verehrung der Gäste (Gen.Pl., Abl.)
devayajñaiś ca rājendra
und durch Götteropfer (Instr.Pl.), König der Könige (Vok.)
vanyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Waldlebensstufe möge sein
mardanaṃ pararāṣṭrāṇām
das Niederwerfen der Reiche der Feinde (Akk., Gen.Pl.)
śiṣṭārthaṃ satyavikrama
um der Guten willen, dessen Tapferkeit wahr ist (Vok.)
kurvataḥ puruṣavyāghra
für den, der [es] tut, Tiger unter den Männern (Vok.)
vanyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Waldlebensstufe möge sein

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

pālanāt sarvabhūtānāṃ svarāṣṭraparipālanāt; dīkṣā bahuvidhā rājño vanyāśramapadaṃ bhavet

„Durch den Schutz aller Wesen und durch die Beschützung des eigenen Reiches ist die vielfältige Weihe des Königs die Stätte der Waldlebensstufe.“

Wort für Wort
pālanāt sarvabhūtānām
durch den Schutz aller Wesen (Abl., Gen.Pl.)
svarāṣṭraparipālanāt
durch die Beschützung des eigenen Reiches (Abl.)
dīkṣā bahuvidhā rājñaḥ
die vielfältige Weihe (Nom.Sg.f.) des Königs (Gen.)
vanyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Waldlebensstufe möge sein

vedādhyayananityatvaṃ kṣamāthācāryapūjanam; tathopādhyāyaśuśrūṣā brahmāśramapadaṃ bhavet

„Beständigkeit im Vedastudium, Nachsicht und Verehrung des Lehrers, ebenso der Dienst am Unterlehrer: das möge die Stätte der Brahman-Lebensstufe sein.“

Wort für Wort
vedādhyayananityatvam
Beständigkeit im Veda-Studium (Akk./Nom.)
kṣamā athācāryapūjanam
Nachsicht und die Verehrung des Lehrers
tathopādhyāyaśuśrūṣā
ebenso der Dienst am Unterlehrer (Nom.Sg.f.)
brahmāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Brahman-Lebensstufe möge sein

āhnikaṃ japamānasya devān pūjayataḥ sadā; dharmeṇa puruṣavyāghra dharmāśramapadaṃ bhavet; mṛtyur vā rakṣaṇaṃ veti yasya rājño viniścayaḥ; prāṇadyūte tatas tasya brahmāśramapadaṃ bhavet

„Wer täglich [Gebete] murmelt und stets die Götter verehrt, gemäß dem Dharma, Tiger unter den Männern, für den möge es die Stätte der Dharma-Lebensstufe sein. Oder: „Tod oder Schutz“ – ist dies der Entschluss eines Königs, dann möge für ihn, im Einsatz des Lebens [wie im Würfelspiel], die Stätte der Brahman-Lebensstufe sein.“

Wort für Wort
āhnikaṃ japamānasya
für den, der täglich murmelt (Gen.Sg.Part.)
devān pūjayataḥ sadā
für den, der die Götter ehrt, stets
dharmeṇa puruṣavyāghra
gemäß dem Dharma (Instr.), Tiger unter den Männern
dharmāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Dharma-Lebensstufe möge sein
mṛtyur vā rakṣaṇaṃ veti
Tod oder Schutz, so [lautet]
yasya rājño viniścayaḥ
wessen Entschluss als König [ist] (Gen.)
prāṇadyūte tatas tasya
im Lebenseinsatz (Lok.), dann für ihn
brahmāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Brahman-Lebensstufe möge sein

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Das Zitat „Tod oder Schutz“ ist in der Übersetzung mit einfachen Mitteln gesetzt; Sinn von prāṇadyūta: Einsatz des Lebens wie im Würfelspiel.

ajihmam aśaṭhaṃ mārgaṃ sevamānasya bhārata; sarvadā sarvabhūteṣu brahmāśramapadaṃ bhavet

„Wer einen geraden, nicht-hinterlistigen Weg geht, Bhārata, gegenüber allen Wesen zu jeder Zeit, für den möge es die Stätte der Brahman-Lebensstufe sein.“

Wort für Wort
ajihmam aśaṭhaṃ mārgam
einen geraden, nicht-trügerischen Weg (Akk.)
sevamānasya bhārata
für den, der [ihn] befolgt (Gen.Sg.Part.), Bhārata
sarvadā sarvabhūteṣu
allezeit, gegenüber allen Wesen (Lok.Pl.)
brahmāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Brahman-Lebensstufe möge sein

vānaprastheṣu vipreṣu traividyeṣu ca bhārata; prayacchato 'rthān vipulān vanyāśramapadaṃ bhavet

„Wer den Waldeinsiedlern und den brahmanischen Kennern der drei Veden, Bhārata, reiche Güter schenkt, für den möge es die Stätte der Waldlebensstufe sein.“

Wort für Wort
vānaprastheṣu vipreṣu
unter/den Waldeinsiedlern, Brahmanen (Lok.Pl.)
traividyeṣu ca bhārata
und den Kennern der drei Veden (Lok.Pl.), Bhārata
prayacchato 'rthān vipulān
für den, der Güter (Akk.Pl.) reichlich gibt (Gen.Sg.Part.)
vanyāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Waldlebensstufe möge sein

sarvabhūteṣv anukrośaṃ kurvatas tasya bhārata; ānṛśaṃsyapravṛttasya sarvāvasthaṃ padaṃ bhavet

„Wer Mitgefühl mit allen Wesen übt, Bhārata, und im Nicht-Grausamsein wandelt, für den möge es einen Standort für alle Lagen geben.“

Wort für Wort
sarvabhūteṣv anukrośam
gegenüber allen Wesen Mitgefühl (Lok.Pl., Akk.)
kurvatas tasya bhārata
für den, der [es] übt, Bhārata
ānṛśaṃsyapravṛttasya
für den, der sich dem Nicht-Grausamsein zugewandt hat (Gen.Sg.)
sarvāvasthaṃ padaṃ bhavet
ein in allen Lagen [gültiger] Standort möge sein

bālavṛddheṣu kauravya sarvāvasthaṃ yudhiṣṭhira; anukrośaṃ vidadhataḥ sarvāvasthaṃ padaṃ bhavet

„Wer gegenüber Kindern und Alten, Kauravya, Yudhiṣṭhira, in jeder Lage Mitgefühl walten lässt, für den möge es einen Standort für alle Lagen geben.“

Wort für Wort
bālavṛddheṣu kauravya
gegenüber Kindern und Alten (Lok.Pl.), Nachkomme des Kuru (Vok.)
sarvāvasthaṃ yudhiṣṭhira
in jeder Lage, Yudhiṣṭhira
anukrośaṃ vidadhataḥ
für den, der Mitgefühl walten lässt (Gen.Sg.Part.)
sarvāvasthaṃ padaṃ bhavet
ein in allen Lagen [gültiger] Standort möge sein

balātkṛteṣu bhūteṣu paritrāṇaṃ kurūdvaha; śaraṇāgateṣu kauravya kurvan gārhasthyam āvaset

„Für Wesen, denen Gewalt angetan wurde, Rettung [gewährend], Nachkomme des Kuru, und für Schutzsuchende, Kauravya: so handelnd, möge man im Hausstand wohnen.“

Wort für Wort
balātkṛteṣu bhūteṣu
gegenüber gewaltsam Bedrängten, den Wesen (Lok.Pl.)
paritrāṇaṃ kurūdvaha
Rettung (Akk.), Träger der Kurus (Vok.)
śaraṇāgateṣu kauravya
gegenüber Schutzsuchenden (Lok.Pl.), Kauravya
kurvan gārhasthyam āvaset
[dies] tuend, möge man im Hausstand wohnen (Part., 3.Sg.Opt.)

carācarāṇāṃ bhūtānāṃ rakṣām api ca sarvaśaḥ; yathārhapūjāṃ ca sadā kurvan gārhasthyam āvaset

„Und den Schutz der beweglichen und unbeweglichen Wesen in jeder Hinsicht sowie stets angemessene Verehrung übend, möge man im Hausstand wohnen.“

Wort für Wort
carācarāṇāṃ bhūtānām
der beweglichen und unbeweglichen Wesen (Gen.Pl.)
rakṣām api ca sarvaśaḥ
und auch den Schutz, in jeder Hinsicht (Akk.)
yathārhapūjāṃ ca sadā
und die angemessene Verehrung, stets (Akk.)
kurvan gārhasthyam āvaset
[dies] tuend, möge man im Hausstand wohnen

jyeṣṭhānujyeṣṭhapatnīnāṃ bhrātṝṇāṃ putranaptṛṇām; nigrahānugrahau pārtha gārhasthyam iti tat tapaḥ

„Gegenüber den Älteren und den [nach ihnen] Jüngeren, den Ehefrauen, den Brüdern, Söhnen und Enkeln: Bändigung und Gunst, Pārtha – das ist der Hausstand, das ist [seine] Askese.“

Wort für Wort
jyeṣṭhānujyeṣṭhapatnīnām
der Älteren, der auf die Älteren Folgenden [?] und der Ehefrauen (Gen.Pl.)
bhrātṝṇāṃ putranaptṛṇām
der Brüder, Söhne und Enkel (Gen.Pl.)
nigrahānugrahau pārtha
Bändigung und Gunst (Nom.Du.), Pārtha
gārhasthyam iti tat tapaḥ
„Hausstand“ – das ist Askese

Das Kompositum jyeṣṭhānujyeṣṭhapatnīnām ist mehrdeutig (z. B. „Ältere, Jüngere, Ehefrauen“ oder „Ehefrauen der älteren und jüngeren Brüder“).

sādhūnām arcanīyānāṃ prajāsu viditātmanām; pālanaṃ puruṣavyāghra gṛhāśramapadaṃ bhavet

„Der guten, verehrungswürdigen [Menschen], die unter den Geschöpfen als Selbstkundige bekannt sind, Schutz, Tiger unter den Männern, möge die Stätte der Hausherren-Lebensstufe sein.“

Wort für Wort
sādhūnām arcanīyānām
der Guten, Verehrungswürdigen (Gen.Pl.)
prajāsu viditātmanām
unter den Geschöpfen als Selbstkundige Bekannten (Lok.Pl., Gen.Pl.) [?]
pālanaṃ puruṣavyāghra
Schutz (Nom.), Tiger unter den Männern
gṛhāśramapadaṃ bhavet
die Stätte der Hausherren-Lebensstufe möge sein

āśramasthāni sarvāṇi yas tu veśmani bhārata; ādadīteha bhojyena tad gārhasthyaṃ yudhiṣṭhira

„Wer aber in seinem Haus alle in den Lebensstufen Stehenden, Bhārata, hier mit Speise annimmt [versorgt] [?], das ist der Hausstand, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
āśramasthāni sarvāṇi
alle in den Lebensstufen Befindlichen (Akk.Pl.n.)
yas tu veśmani bhārata
wer aber im Haus (Lok.), Bhārata
ādadīteha bhojyena
möge hier aufnehmen (Opt.Med.) mit Speise (Instr.)
tad gārhasthyaṃ yudhiṣṭhira
das ist der Hausstand, Yudhiṣṭhira

yaḥ sthitaḥ puruṣo dharme dhātrā sṛṣṭe yathārthavat; āśramāṇāṃ sa sarveṣāṃ phalaṃ prāpnoty anuttamam

„Der Mann, der im Dharma steht, wie er vom Schöpfer der Wirklichkeit gemäß geschaffen wurde, erlangt die unübertreffliche Frucht aller Lebensstufen.“

Wort für Wort
yaḥ sthitaḥ puruṣo dharme
welcher Mann im Dharma steht (Part.)
dhātrā sṛṣṭe yathārthavat
im vom Schöpfer geschaffenen, sachgemäß (Lok.Part., Instr.)
āśramāṇāṃ sa sarveṣām
der [erlangt] von allen Lebensstufen (Gen.Pl.)
phalaṃ prāpnoty anuttamam
die unübertreffliche Frucht (Akk.), erlangt (3.Sg.Präs.)

yasmin na naśyanti guṇāḥ kaunteya puruṣe sadā; āśramasthaṃ tam apy āhur naraśreṣṭhaṃ yudhiṣṭhira

„Bei welchem Mann, Kaunteya, die Tugenden niemals zugrunde gehen, den nennen sie auch [dann] einen in einer Lebensstufe Stehenden, den Besten der Männer, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
yasmin na naśyanti guṇāḥ
in dem die Tugenden nicht zugrunde gehen (3.Pl.Präs.)
kaunteya puruṣe sadā
Kaunteya, im Mann, stets (Lok.)
āśramasthaṃ tam apy āhuḥ
auch den nennen sie einen in einer Lebensstufe Stehenden (3.Pl.Perf.)
naraśreṣṭhaṃ yudhiṣṭhira
den Besten der Männer (Akk.), Yudhiṣṭhira

sthānamānaṃ vayomānaṃ kulamānaṃ tathaiva ca; kurvan vasati sarveṣu hy āśrameṣu yudhiṣṭhira

„Das Maß des Standes, das Maß des Alters und ebenso das Maß der Familie beachtend, weilt man, Yudhiṣṭhira, in allen Lebensstufen.“

Wort für Wort
sthānamānaṃ vayomānam
Maß des Standes, Maß des Alters (Akk.)
kulamānaṃ tathaiva ca
und ebenso das Maß der Familie
kurvan vasati sarveṣu
[dies] beachtend/tuend, weilt er in allen (Part., 3.Sg.Präs.)
hy āśrameṣu yudhiṣṭhira
in den Lebensstufen (Lok.Pl.), Yudhiṣṭhira

deśadharmāṃś ca kaunteya kuladharmāṃs tathaiva ca; pālayan puruṣavyāghra rājā sarvāśramī bhavet

„Die Landessitten und ebenso die Familiensitten bewahrend, Kaunteya, Tiger unter den Männern, möge ein König in allen Lebensstufen [zugleich] stehen.“

Wort für Wort
deśadharmāṃś ca kaunteya
und die Landesbräuche (Akk.Pl.), Kaunteya
kuladharmāṃs tathaiva ca
und ebenso die Familienbräuche
pālayan puruṣavyāghra
bewahrend (Part.), Tiger unter den Männern
rājā sarvāśramī bhavet
ein König möge einer werden, der alle Lebensstufen innehat (Opt.)

kāle vibhūtiṃ bhūtānām upahārāṃs tathaiva ca; arhayan puruṣavyāghra sādhūnām āśrame vaset

„Zur rechten Zeit den Wohlstand der Wesen und ebenso die Gaben ehrend [?], Tiger unter den Männern, möge man in der Lebensstufe der Guten weilen.“

Wort für Wort
kāle vibhūtiṃ bhūtānām
zur rechten Zeit die Macht/den Wohlstand der Wesen (Lok., Akk., Gen.Pl.)
upahārāṃs tathaiva ca
und ebenso die Gaben (Akk.Pl.)
arhayan puruṣavyāghra
ehrend (Part.), Tiger unter den Männern
sādhūnām āśrame vaset
in der Lebensstufe der Guten möge er weilen (Opt.)

vibhūtiṃ bhūtānām arhayan ist im Anschluss unklar (Ehrung des Wohlstands der Wesen oder Verehrung der Mächtigen unter den Wesen).

daśadharmagataś cāpi yo dharmaṃ pratyavekṣate; sarvalokasya kaunteya rājā bhavati so ''śramī

„Und wer, [den] zehn Pflichten zugetan [?], den Dharma für die ganze Welt im Blick behält, Kaunteya, der König wird ein Lebensstufenträger.“

Wort für Wort
daśadharmagataś cāpi
und auch wer zu den zehn Pflichten gegangen/an ihnen ausgerichtet ist [?]
yo dharmaṃ pratyavekṣate
wer den Dharma im Auge behält (3.Sg.Präs.Med.)
sarvalokasya kaunteya
für die ganze Welt (Gen.), Kaunteya
rājā bhavati so 'śramī
der König wird ein Āśramin, ein Lebensstufenträger

daśadharma nicht sicher zu bestimmen (etwa die zehn Tugenden/Pflichten).

ye dharmakuśalā loke dharmaṃ kurvanti sādhavaḥ; pālitā yasya viṣaye pādo 'ṃśas tasya bhūpateḥ

„Die in der Welt im Dharma Kundigen, die Guten, die den Dharma üben: sind sie im Reich eines [Königs] beschützt, so gehört diesem Herrscher ein Viertel [davon] als Anteil.“

Wort für Wort
ye dharmakuśalā loke
die im Dharma Geschickten in der Welt (Nom.Pl.)
dharmaṃ kurvanti sādhavaḥ
die den Dharma üben, die Guten (3.Pl.Präs.)
pālitā yasya viṣaye
beschützt in wessen Herrschaftsgebiet (Part., Lok.)
pādo 'ṃśas tasya bhūpateḥ
ein Viertel als Anteil [gehört] diesem Herrscher (Nom., Gen.)

dharmārāmān dharmaparān ye na rakṣanti mānavān; pārthivāḥ puruṣavyāghra teṣāṃ pāpaṃ haranti te

„Die Herrscher, Tiger unter den Männern, die die Menschen, die sich am Dharma erfreuen und dem Dharma ergeben sind, nicht schützen, deren Sünde nehmen jene auf sich [?].“

Wort für Wort
dharmārāmān dharmaparān
die am Dharma sich Erfreuenden, dem Dharma Ergebenen (Akk.Pl.)
ye na rakṣanti mānavān
die nicht schützen, die Menschen (3.Pl.Präs.)
pārthivāḥ puruṣavyāghra
die Herrscher (Nom.), Tiger unter den Männern
teṣāṃ pāpaṃ haranti te
deren Sünde nehmen sie (3.Pl.Präs.) [?]

Bezug von teṣām/te unklar: entweder nehmen die Könige die Sünde der Ungeschützten auf sich, oder umgekehrt.

ye ca rakṣāsahāyāḥ syuḥ pārthivānāṃ yudhiṣṭhira; te caivāṃśaharāḥ sarve dharme parakṛte 'nagha

„Und die, die den Herrschern beim Schutz Helfer sind, Yudhiṣṭhira, auch sie alle nehmen Anteil, wenn von anderen Dharma getan wird, Sündloser.“

Wort für Wort
ye ca rakṣāsahāyāḥ syuḥ
und die, die Helfer beim Schutz sein mögen (Opt.)
pārthivānāṃ yudhiṣṭhira
der Herrscher (Gen.Pl.), Yudhiṣṭhira
te caivāṃśaharāḥ sarve
auch diese alle sind Anteilnehmer (Nom.Pl.)
dharme parakṛte 'nagha
wenn der Dharma von anderen getan ist (Lok.), Sündloser

sarvāśramapade hy āhur gārhasthyaṃ dīptanirṇayam; pāvanaṃ puruṣavyāghra yaṃ vayaṃ paryupāsmahe

„Im Hinblick auf die Stätte aller Lebensstufen, sagen sie, ist der Hausstand von strahlender Entscheidung [?], reinigend, Tiger unter den Männern; ihm dienen wir.“

Wort für Wort
sarvāśramapade hy āhuḥ
für die Stätte aller Lebensstufen sagen sie (Lok., 3.Pl.Perf.)
gārhasthyaṃ dīptanirṇayam
den Hausstand, von glänzender Entscheidung/klarem Ausgang [?] (Akk.)
pāvanaṃ puruṣavyāghra
reinigend (Akk.), Tiger unter den Männern
yaṃ vayaṃ paryupāsmahe
dem wir dienen/den wir verehren (1.Pl.Präs.Med.)

ātmopamas tu bhūteṣu yo vai bhavati mānavaḥ; nyastadaṇḍo jitakrodhaḥ sa pretya labhate sukham

„Wer aber unter den Wesen sich selbst gleich ist, der Mensch, der die Rute niedergelegt und den Zorn besiegt hat, der erlangt nach dem Tod Glück.“

Wort für Wort
ātmopamas tu bhūteṣu
wer sich selbst gleich [ist] unter den Wesen (Lok.Pl.)
yo vai bhavati mānavaḥ
der Mensch, der ist
nyastadaṇḍo jitakrodhaḥ
der die Rute niedergelegt, den Zorn besiegt hat
sa pretya labhate sukham
der erlangt nach dem Tod Glück (Abs., 3.Sg.Präs.)

dharmotthitā sattvavīryā dharmasetuvaṭākarā; tyāgavātādhvagā śīghrā naus tvā saṃtārayiṣyati

„Aus dem Dharma erhoben, mit Wesenskraft und Stärke, mit dem Dharma als Damm [und mit Tauen] [?], vom Wind des Verzichts getrieben, schnell: [so] wird das Schiff dich hinüberführen.“

Wort für Wort
dharmotthitā sattvavīryā
aus dem Dharma erhoben, mit Wesenskraft und Stärke (Nom.Sg.f.)
dharmasetuvaṭākarā
mit dem Dharma als Damm/Brücke und Tauen/Halt [?] (Nom.Sg.f.)
tyāgavātādhvagā śīghrā
vom Wind des Verzichts fahrend, schnell (Nom.Sg.f.)
naus tvā saṃtārayiṣyati
das Schiff wird dich hinüberbringen (Fut.Kaus.)

vaṭākarā ist unsicher (vaṭa „Seil/Tau“ + ākara?).

yadā nivṛttaḥ sarvasmāt kāmo yo 'sya hṛdi sthitaḥ; tadā bhavati sattvasthas tato brahma samaśnute

„Wenn von allem das Begehren abgelassen hat, das in seinem Herzen sitzt, dann wird er im Wesenhaften gegründet, und dann erlangt er Brahman.“

Wort für Wort
yadā nivṛttaḥ sarvasmāt
wenn abgelassen hat von allem (Part., Abl.)
kāmo yo 'sya hṛdi sthitaḥ
das Begehren, das in seinem Herzen steht (Nom., Lok.)
tadā bhavati sattvasthaḥ
dann wird er im Sattva gegründet
tato brahma samaśnute
dann erlangt er Brahman (3.Sg.Präs.Med.)

suprasannas tu bhāvena yogena ca narādhipa; dharmaṃ puruṣaśārdūla prāpsyase pālane rataḥ

„Ganz heiter durch [rechte] Gesinnung und Yoga, Herr der Menschen, Tiger unter den Männern, wirst du, im Schützen ergeben, den Dharma erlangen.“

Wort für Wort
suprasannas tu bhāvena
wohlgestimmt/klar, durch Gesinnung (Instr.)
yogena ca narādhipa
und durch Yoga, Herr der Menschen
dharmaṃ puruṣaśārdūla
den Dharma (Akk.), Tiger unter den Männern
prāpsyase pālane rataḥ
wirst du erlangen (2.Sg.Fut.Med.), im Schützen ergeben

vedādhyayanaśīlānāṃ viprāṇāṃ sādhukarmaṇām; pālane yatnam ātiṣṭha sarvalokasya cānagha

„Für die Brahmanen, die dem Vedastudium ergeben und von guten Werken sind, und für die ganze Welt, Sündloser: wende beim Schützen Mühe auf.“

Wort für Wort
vedādhyayanaśīlānām
die im Vedastudium ihre Gewohnheit haben (Gen.Pl.)
viprāṇāṃ sādhukarmaṇām
der Brahmanen mit guten Werken (Gen.Pl.)
pālane yatnam ātiṣṭha
beim Schützen Mühe wende an (Imp.)
sarvalokasya cānagha
und für die ganze Welt (Gen.), Sündloser

vane carati yo dharmam āśrameṣu ca bhārata; rakṣayā tac chataguṇaṃ dharmaṃ prāpnoti pārthivaḥ

„Den Dharma, den man im Wald und in den Lebensstufen übt, Bhārata, den erlangt der Herrscher durch Schutz hundertfach.“

Wort für Wort
vane carati yo dharmam
der Dharma, den man im Wald übt (Lok., 3.Sg.Präs.)
āśrameṣu ca bhārata
und in den Lebensstufen, Bhārata
rakṣayā tac chataguṇam
durch Schutz (Instr.) das hundertfach (Akk.)
dharmaṃ prāpnoti pārthivaḥ
den Dharma erlangt der Herrscher

eṣa te vividho dharmaḥ pāṇḍavaśreṣṭha kīrtitaḥ; anutiṣṭha tvam enaṃ vai pūrvair dṛṣṭaṃ sanātanam

„Dies ist dir als vielfältiger Dharma verkündet, Bester der Pāṇḍavas; übe ihn aus, den ewigen, von den Früheren geschauten.“

Wort für Wort
eṣa te vividho dharmaḥ
dieser dein vielfältiger Dharma (Nom.)
pāṇḍavaśreṣṭha kīrtitaḥ
Bester der Pāṇḍavas (Vok.), verkündet (Part.)
anutiṣṭha tvam enaṃ vai
übe du ihn aus (Imp.)
pūrvair dṛṣṭaṃ sanātanam
von den Früheren geschaut, ewig (Instr.Pl., Part.)

cāturāśramyam ekāgraḥ cāturvarṇyaṃ ca pāṇḍava; dharmaṃ puruṣaśārdūla prāpsyase pālane rataḥ

„Die Vier-Lebensstufen-Ordnung [und] die Vier-Stände-Ordnung [beachtend], gesammelt, Pāṇḍava, wirst du den Dharma erlangen, Tiger unter den Männern, im Schützen ergeben.“

Wort für Wort
cāturāśramyam ekāgraḥ
die Vier-Lebensstufen-Ordnung (Akk.), gesammelt (Nom.)
cāturvarṇyaṃ ca pāṇḍava
und die Vier-Stände-Ordnung (Akk.), Pāṇḍava
dharmaṃ puruṣaśārdūla
den Dharma, Tiger unter den Männern
prāpsyase pālane rataḥ
wirst du erlangen, im Schützen ergeben

Die beiden ersten Akkusative sind ohne Verb; ein Verb wie „beachtend“ ist zu ergänzen. Der Halbvers wiederholt Vers 37.

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