Kapitel 249: mṛtyūtpatti
Sthāṇus Fürbitte und die Entstehung der Göttin Mṛtyu
Rudra (Sthāṇu) bittet Brahmā, das die Geschöpfe verzehrende Feuer zurückzunehmen; aus Brahmās Zorn geht die Göttin Mṛtyu (der Tod) hervor, die er mit der Vernichtung der Geschöpfe betraut.
Sthāṇu sprach: „Im Hinblick auf die Erschaffung der Geschöpfe [gilt] mir diese Zielstrebigkeit [?], Herr; wisse, diese hier sind ja von dir erschaffen. Zürne [ihnen] nicht, Großvater.“
Wort für Wort
sthāṇur uvāca
Sthāṇu sprach (3.Sg.Perf.)
prajāsarganimittaṃ me
um der Erschaffung der Geschöpfe willen, mir (Akk./Gen.-Dat.)
kāryavattām imāṃ prabho
diese Zweckhaftigkeit/Zielstrebigkeit [?], Herr (Akk.Sg.f./Vok.)
viddhi sṛṣṭās tvayā hy imāḥ
wisse, erschaffen von dir sind ja diese (Imp./Part.Pass./Instr.)
mā kupyāsāṃ pitāmaha
zürne nicht auf diese [?], Großvater (Prohibitiv/Vok.)
Die Form „kupyāsām“ ist unklar (evtl. mā kupya + āsām oder verderbt); sinngemäß „zürne nicht“.
prajāpatir uvāca; na kupye na ca me kāmo na bhaveran prajā iti; lāghavārthaṃ dharaṇyās tu tataḥ saṃhāra iṣyate
Prajāpati sprach: „Ich zürne nicht, und es ist auch nicht mein Wunsch, dass es keine Geschöpfe gäbe; zur Entlastung der Erde aber wird [ihre] Vernichtung gewollt.“
Wort für Wort
prajāpatir uvāca
Prajāpati sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
na kupye na ca me kāmaḥ
ich zürne nicht, und nicht ist mein Wunsch (1.Sg.Präs./Nom.)
Sthāṇu sprach: „Sei gnädig [und lass ab] von der Vernichtung [?]; zürne nicht, Herr der Dreißig [Götter]. Nicht sollst du Unbewegliches und Bewegliches zugrunde richten.“
Wort für Wort
sthāṇur uvāca
Sthāṇu sprach
saṃhārāntaṃ prasīdasva
bis zum Ende der Vernichtung [?] sei gnädig (Akk./Imp.Med.)
mā krudhaḥ tridaśeśvara
zürne nicht, Herr der Dreißig (Prohibitiv/Vok.)
mā prajāḥ sthāvaram
nicht die Geschöpfe, Unbewegliches (Akk.)
vā ca jaṅgamaṃ ca
und Bewegliches (Akk.)
vinīnaśaḥ
sollst du zugrunde richten (2.Sg.Aor.Kaus.-Inj.)
saṃhārāntam und vaica sind unsicher; die Konstruktion ist gedrängt.
Ersinne aus dem Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe ein anderes Mittel, wodurch alle diese Wesen ablassen [bzw. zurückkehren] können, Bezwinger der Feinde.
Wort für Wort
upāyam anyaṃ saṃpaśya
ein anderes Mittel ersieh (Akk./Imp.)
prajānāṃ hitakāmyayā
aus Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe (Gen.Pl./Instr.)
Da du mich durch Askese auch als Sohn erdacht hast, Ungeborener [, bin ich …].
Wort für Wort
putratvena anusaṃkalpya
als Sohnschaft ersonnen habend (Instr./Abs.)
tvayā aham
von dir ich (Instr./Nom.)
tapasā api aja
auch durch Askese, Ungeborener (Instr./Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz abgebrochen bzw. mit Vers 14 zu verbinden; Konstruktion unsicher.
Aus dir ist ja die Welt, Unbewegliches und Bewegliches, entstanden, Herr der Welt. Ich besänftige dich, Mahādeva, und erbitte, dass die Geschöpfe durch Wiederkehr [neu] entstehen [?].
Wort für Wort
tvad-bhavaṃ hi jagannātha
aus dir entstanden ja, Herr der Welt (Nom.n./Vok.)
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, Unbewegliches und Bewegliches (Nom.n.)
prasādya tvāṃ mahādeva
dich besänftigt habend, Mahādeva (Abs./Akk./Vok.)
yācāmi āvṛttijāḥ prajāḥ
ich bitte um die durch Wiederkehr geborenen Geschöpfe [?] (1.Sg.Präs./Akk.Pl.)
[Sie war] dunkel, in rotes Gewand gekleidet, mit roten Augen und roten Innenflächen [?], mit göttlichen Ohrringen versehen, mit göttlichem Schmuck geziert.
Wort für Wort
kṛṣṇā raktāmbaradharā
dunkel, rotes Gewand tragend (Nom.f.)
rakta-netra-talāntarā
rot an Augen und Innenflächen [?] (Nom.f.)
divya-kuṇḍala-saṃpannā
mit göttlichen Ohrringen ausgestattet (Nom.f.)
divyābharaṇa-bhūṣitā
mit göttlichem Schmuck geschmückt (Nom.f.)
raktanetratalāntarā unsicher (etwa: rot an den Augen und den Handflächen/Innenseiten).
sā viniḥsṛtya vai khebhyo dakṣiṇām āśritā diśam; dadṛśāte 'tha tau kanyāṃ devau viśveśvarāv ubhau
Sie trat aus den Öffnungen hervor und wandte sich der südlichen Himmelsrichtung zu; da erblickten die beiden Götter, die beiden Herren des Alls, das Mädchen.
Wort für Wort
sā viniḥsṛtya vai khebhyaḥ
sie, hervorgetreten aus den Öffnungen (Nom.f./Abs./Abl.Pl.)
dakṣiṇām āśritā diśam
die südliche Richtung aufgesucht habend (Akk./Part.Perf.)
dadṛśāte atha tau kanyām
da erblickten die beiden das Mädchen (3.Du.Perf./Akk.)
devau viśveśvarau ubhau
die beiden Götter, Herren des Alls, beide (Nom.Du.)