Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 103: jayalakṣaṇāni sāmādinītiś ca Vorzeichen des Sieges und kluge Kriegführung: Güte, Nachsicht und Milde des Königs

Bhīṣma zählt günstige Vorzeichen und Zustände eines siegreichen Heeres auf und rät dann, den Kampf erst nach Güte, Spaltung und Gabe zu wählen; ferner lehrt er das rechte Maß von Strenge und Nachsicht gegenüber Feinden und Untertanen.

yudhiṣṭhira uvāca; jaitryā vā kāni rūpāṇi bhavanti puruṣarṣabha; pṛtanāyāḥ praśastāni tānīhecchāmi veditum

Yudhiṣṭhira sprach: „Welche siegverheißenden Kennzeichen gibt es, o Stier unter den Männern? Die für ein Heer günstigen [Zeichen] möchte ich kennenlernen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
jaitryā vā kāni rūpāṇi bhavanti
welche siegbringenden Kennzeichen es gibt (jaitryā vā = jaitrāṇi [?]; Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.)
puruṣarṣabha
o Stier unter den Männern (Vok.)
pṛtanāyāḥ praśastāni
für ein Heer günstige (Gen.Sg.f.; Nom.Pl.n.)
tāni icchāmi veditum
diese wünsche ich zu erkennen (Akk.Pl.n.; 1.Sg.Präs.; Inf.)

bhīṣma uvāca; jaitryā vā yāni rūpāṇi bhavanti puruṣarṣabha; pṛtanāyāḥ praśastāni tāni vakṣyāmi sarvaśaḥ

Bhīṣma sprach: „Die siegbringenden Kennzeichen, die es gibt, o Stier unter den Männern, die für ein Heer günstigen, will ich dir alle nennen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
jaitryā vā yāni rūpāṇi bhavanti
welche siegbringenden Kennzeichen es gibt (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.)
puruṣarṣabha
o Stier unter den Männern (Vok.)
pṛtanāyāḥ praśastāni
für ein Heer günstige (Gen.Sg.f.; Nom.Pl.n.)
tāni vakṣyāmi sarvaśaḥ
diese werde ich nennen, vollständig (1.Sg.Fut.; Adv.)

daivaṃ pūrvaṃ vikurute mānuṣe kālacodite; tad vidvāṃso 'nupaśyanti jñānadīrgheṇa cakṣuṣā

Das Schicksal bewirkt zuvor Veränderungen [in Form von Vorzeichen], wenn das Menschliche von der Zeit angetrieben wird; das nehmen die Wissenden wahr mit dem durch Wissen weitreichenden Auge.

Wort für Wort
daivaṃ pūrvaṃ vikurute
das Schicksal wirkt zuvor Veränderungen (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Med.Präs.)
mānuṣe kālacodite
wenn das Menschliche von der Zeit angetrieben wird (Lok.abs.)
tad vidvāṃsaḥ anupaśyanti
das nehmen die Wissenden wahr (Akk.Sg.n.; Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
jñānadīrgheṇa cakṣuṣā
mit dem durch Wissen weitreichenden Auge (Instr.Sg.n.)

prāyaścittavidhiṃ cātra japahomāṃś ca tadvidaḥ; maṅgalāni ca kurvantaḥ śamayanty ahitāny api

Und hierbei [kennen] die Kundigen das Sühneverfahren, Gebetsmurmeln und Opfer; indem sie Segensriten vollziehen, beschwichtigen sie selbst Unheilvolles.

Wort für Wort
prāyaścittavidhiṃ ca atra
und das Sühneverfahren hierbei (Akk.Sg.m.; Adv.)
japahomān ca tadvidaḥ
und Gebetsmurmeln und Opfer, die Kundigen davon (Akk.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
maṅgalāni ca kurvantaḥ
und Segensriten vollziehend (Akk.Pl.n.; Part.Präs. Nom.Pl.m.)
śamayanti ahitāni api
beschwichtigen selbst Unheilvolles (3.Pl.Präs.Kaus.; Akk.Pl.n.)

udīrṇamanaso yodhā vāhanāni ca bhārata; yasyāṃ bhavanti senāyāṃ dhruvaṃ tasyāṃ jayaṃ vadet

Bei dessen Heer die Krieger und Reittiere hochgestimmt sind, o Bhārata, dort soll man gewiss den Sieg verkünden.

Wort für Wort
udīrṇamanasaḥ yodhāḥ
Krieger von gehobenem Mut (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
vāhanāni ca bhārata
und Reittiere, o Bhārata (Nom.Pl.n.; Vok.)
yasyāṃ bhavanti senāyām
in wessen Heer sie sind (Lok.Sg.f.; 3.Pl.Präs.)
dhruvaṃ tasyāṃ jayaṃ vadet
gewiss soll man in diesem den Sieg verkünden (Adv.; Lok.; Akk.; 3.Sg.Opt.)

anv enāṃ vāyavo vānti tathaivendradhanūṃṣi ca; anuplavante meghāś ca tathādityasya raśmayaḥ

Hinter diesem [Heer] her wehen Winde, ebenso Regenbogen [Indras Bogen], und Wolken ziehen ihm nach, ebenso die Strahlen der Sonne.

Wort für Wort
anu enām vāyavaḥ vānti
hinter diesem [Heer] wehen die Winde (Präp.; Akk.Sg.f.; Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
tathā eva indradhanūṃṣi ca
und ebenso Regenbogen (Nom.Pl.n.)
anuplavante meghāḥ ca
und Wolken ziehen nach (3.Pl.Med.Präs.; Nom.Pl.m.)
tathā ādityasya raśmayaḥ
ebenso die Strahlen der Sonne (Gen.Sg.m.; Nom.Pl.m.)

gomāyavaś cānulomā vaḍā gṛdhrāś ca sarvaśaḥ; ācareyur yadā senāṃ tadā siddhir anuttamā

Wenn Schakale in günstiger Richtung, [Vögel namens] Vaḍā [?] und Geier von allen Seiten dem Heer folgen, dann ist der unübertreffliche Erfolg da.

Wort für Wort
gomāyavaḥ ca anulomāḥ
und Schakale in günstiger Richtung (Nom.Pl.m.; Adj.)
vaḍāḥ gṛdhrāḥ ca sarvaśaḥ
Vaḍā-[Vögel] [?] und Geier überall (Nom.Pl.)
ācareyuḥ yadā senām
wenn sie das Heer umgeben/begleiten (3.Pl.Opt.; Akk.Sg.f.)
tadā siddhiḥ anuttamā
dann [ist] Erfolg unübertrefflich (Nom.Sg.f.)

vaḍā: Bedeutung unsicher (ein Vogel?).

prasannabhāḥ pāvaka ūrdhvaraśmiḥ; pradakṣiṇāvartaśikho vidhūmaḥ; puṇyā gandhāś cāhutīnāṃ pravānti; jayasyaitad bhāvino rūpam āhuḥ

Wenn das Feuer klar leuchtet, mit aufwärts gerichteten Strahlen, mit rechtsdrehend gewundener Flamme, rauchlos, und heilvolle Düfte der Opfergaben wehen, das nennt man das Kennzeichen eines künftigen Sieges.

Wort für Wort
prasannabhāḥ pāvakaḥ ūrdhvaraśmiḥ
das Feuer, klar leuchtend, mit aufwärts gerichteten Strahlen (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
pradakṣiṇāvartaśikhaḥ vidhūmaḥ
mit rechtsdrehender Flamme, rauchlos (Nom.Sg.m.)
puṇyāḥ gandhāḥ ca āhutīnām
und heilvolle Düfte der Opfergaben (Nom.Pl.m.; Gen.Pl.f.)
pravānti
wehen (3.Pl.Präs.)
jayasya etat bhāvinaḥ rūpam āhuḥ
dies nennen sie das Kennzeichen des künftigen Sieges (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.n.; 3.Pl.Perf.)

gambhīraśabdāś ca mahāsvanāś ca; śaṅkhāś ca bheryaś ca nadanti yatra; yuyutsavaś cāpratīpā bhavanti; jayasyaitad bhāvino rūpam āhuḥ

Wo tiefe, gewaltig tönende Muschelhörner und Pauken erschallen und die Kampfbegierigen ohne Widerstreben sind, das nennt man das Kennzeichen eines künftigen Sieges.

Wort für Wort
gambhīraśabdāḥ ca mahāsvanāḥ ca
tief tönend und gewaltig lärmend (Nom.Pl.m.)
śaṅkhāḥ ca bheryaḥ ca
Muschelhörner und Pauken (Nom.Pl.m.; Nom.Pl.f.)
nadanti yatra
erschallen, wo (3.Pl.Präs.)
yuyutsavaḥ ca apratīpāḥ bhavanti
und die Kampfbegierigen sind nicht widerstrebend (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
jayasya etat bhāvinaḥ rūpam āhuḥ
dies nennen sie das Kennzeichen des künftigen Sieges

iṣṭā mṛgāḥ pṛṣṭhato vāmataś ca; saṃprasthitānāṃ ca gamiṣyatāṃ ca; jighāṃsatāṃ dakṣiṇāḥ siddhim āhur; ye tv agratas te pratiṣedhayanti

Günstig sind Wildtiere hinter [dem Heer] und links; für die Aufgebrochenen, die künftig Aufbrechenden und die Tötungswilligen nennen sie die rechts [Erscheinenden] als Erfolg [bringend]; die aber vorn sind, die halten ab.

Wort für Wort
iṣṭāḥ mṛgāḥ pṛṣṭhataḥ vāmataḥ ca
günstig sind Wildtiere hinten und links (Nom.Pl.m.; Adv.)
saṃprasthitānāṃ ca gamiṣyatāṃ ca
für die Aufgebrochenen und die künftig Gehenden (Gen.Pl.m.; Part.Fut.)
jighāṃsatāṃ dakṣiṇāḥ
für die Tötenwollenden [die] rechten (Gen.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
siddhim āhuḥ
nennen sie Erfolg (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Perf.)
ye tu agrataḥ te pratiṣedhayanti
die aber vorn [sind], die halten ab (Nom.Pl.; Adv.; 3.Pl.Kaus.)

maṅgalyaśabdāḥ śakunā vadanti; haṃsāḥ krauñcāḥ śatapatrāś ca cāṣāḥ; hṛṣṭā yodhāḥ sattvavanto bhavanti; jayasyaitad bhāvino rūpam āhuḥ

Wenn Vögel segensverheißende Laute von sich geben, Gänse, Kraunca-Kraniche, Śatapatra-Vögel und Cāṣa-Vögel, und die Krieger froh und tapfer sind, das nennt man das Kennzeichen eines künftigen Sieges.

Wort für Wort
maṅgalyaśabdāḥ śakunāḥ vadanti
segensverheißend lautend, die Vögel sprechen (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
haṃsāḥ krauñcāḥ
Gänse, Kraunca-Kraniche (Nom.Pl.m.)
śatapatrāḥ ca cāṣāḥ
und Śatapatra-Vögel und Cāṣa-Vögel (Nom.Pl.m.)
hṛṣṭāḥ yodhāḥ sattvavantaḥ bhavanti
froh, die Krieger, tapfer sind sie (Nom.Pl.m.)
jayasya etat bhāvinaḥ rūpam āhuḥ
dies nennen sie das Kennzeichen des künftigen Sieges

śastraiḥ patraiḥ kavacaiḥ ketubhiś ca; subhānubhir mukhavarṇaiś ca yūnām

Durch Waffen, Pfeile, Rüstungen und Feldzeichen, durch schön strahlenden Glanz und die Gesichtsfarben der jungen Männer –

Wort für Wort
śastraiḥ patraiḥ
durch Waffen, durch Pfeile (Instr.Pl.n.)
kavacaiḥ ketubhiḥ ca
durch Rüstungen und Feldzeichen (Instr.Pl.)
subhānubhiḥ
durch schönes Leuchten (Instr.Pl.m.)
mukhavarṇaiḥ ca yūnām
und durch Gesichtsfarben der Jungen (Instr.Pl.m.; Gen.Pl.m.)

Satz setzt sich in n=13 und n=14 fort.

tathā gajair vājibhir heṣamāṇaiḥ

[Ebenso] durch Elefanten und wiehernde Pferde –

Wort für Wort
tathā gajaiḥ
ebenso durch Elefanten (Adv.; Instr.Pl.m.)
vājibhiḥ heṣamāṇaiḥ
durch wiehernde Pferde (Instr.Pl.m.; Part.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satz setzt sich in n=14 fort.

bhrājiṣmatī duṣpratiprekṣaṇīyā; yeṣāṃ camūs te 'bhibhavanti śatrūn

– das Heer, [das] strahlend und schwer anzublicken ist: diejenigen, deren Heer so ist, überwältigen die Feinde.

Wort für Wort
bhrājiṣmatī
strahlend (Nom.Sg.f.)
duṣpratiprekṣaṇīyā
schwer anzuschauen (Nom.Sg.f.)
yeṣāṃ camūḥ te
deren Heer, diese (Gen.Pl.; Nom.Sg.f.; Nom.Pl.)
abhibhavanti śatrūn
überwältigen die Feinde (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.m.)

śuśrūṣavaś cānabhimāninaś ca; parasparaṃ sauhṛdam āsthitāś ca; yeṣāṃ yodhāḥ śaucam anuṣṭhitāś ca; jayasyaitad bhāvino rūpam āhuḥ

Wenn sie gehorsam und nicht eingebildet sind, untereinander in Freundschaft verbunden, und die Krieger Lauterkeit üben, das nennt man das Kennzeichen eines künftigen Sieges.

Wort für Wort
śuśrūṣavaḥ ca anabhimāninaḥ ca
gehorsam und nicht eingebildet (Nom.Pl.m.)
parasparaṃ sauhṛdam āsthitāḥ ca
untereinander zur Freundschaft gelangt/ihr verpflichtet (Adv.; Akk.Sg.n.; Part.Perf.)
yeṣāṃ yodhāḥ śaucam anuṣṭhitāḥ ca
deren Krieger Lauterkeit üben (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.; Akk.Sg.n.; Part.Perf.)
jayasya etat bhāvinaḥ rūpam āhuḥ
dies nennen sie das Kennzeichen des künftigen Sieges

śabdāḥ sparśās tathā gandhā vicaranti manaḥpriyāḥ; dhairyaṃ cāviśate yodhān vijayasya mukhaṃ tu tat

Töne, Berührungen und Düfte, herzerfreuend, ziehen umher, und Standhaftigkeit ergreift die Krieger: das aber ist der Eingang zum Sieg.

Wort für Wort
śabdāḥ sparśāḥ tathā gandhāḥ
Töne, Berührungen und ebenso Düfte (Nom.Pl.m.)
vicaranti manaḥpriyāḥ
ziehen umher, herzerfreuend (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
dhairyaṃ ca āviśate yodhān
und Standhaftigkeit ergreift die Krieger (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.; Akk.Pl.m.)
vijayasya mukhaṃ tu tat
das aber ist der Eingang zum Sieg (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.n.)

iṣṭo vāmaḥ praviṣṭasya dakṣiṇaḥ pravivikṣataḥ; paścāt saṃsādhayaty arthaṃ purastāt pratiṣedhati

Links ist [das Zeichen] günstig für den, der eintritt, rechts für den, der einzutreten begehrt; hinten führt es das Ziel herbei, vorn hält es ab.

Wort für Wort
iṣṭaḥ vāmaḥ praviṣṭasya
günstig [ist das] linke für den Eingetretenen (Nom.Sg.m.; Gen.Sg.m.)
dakṣiṇaḥ pravivikṣataḥ
das rechte für den Eintretenwollenden (Nom.Sg.m.; Gen.Sg.m.; Desiderativ-Part.)
paścāt saṃsādhayati artham
von hinten bringt es das Ziel zustande (Adv.; 3.Sg.Präs.Kaus.; Akk.Sg.m.)
purastāt pratiṣedhati
von vorn hält es ab (Adv.; 3.Sg.Präs.)

saṃbhṛtya mahatīṃ senāṃ caturaṅgāṃ yudhiṣṭhira; sāmnaivāvartane pūrvaṃ prayatethās tatho yudhi

Nachdem du ein großes, vierteiliges Heer gesammelt hast, Yudhiṣṭhira, sollst du dich zuerst durch bloße Güte um [des Feindes] Umkehr bemühen, [und erst] dann im Kampf.

Wort für Wort
saṃbhṛtya mahatīṃ senām
nachdem du ein großes Heer gesammelt (Abs.; Akk.Sg.f.)
caturaṅgāṃ yudhiṣṭhira
vierteilig, Yudhiṣṭhira (Akk.Sg.f.; Vok.)
sāmnā eva āvartane pūrvam
allein durch Güte, zuerst, für [seine] Umkehr (Instr.Sg.n.; Lok.Sg.n.; Adv.)
prayatethāḥ tathā yudhi
sollst dich bemühen, [und] so im Kampf [?] (2.Sg.Opt.Med.; Adv.; Lok.)

tathā yudhi: Sinn unsicher.

jaghanya eṣa vijayo yad yuddhaṃ nāma bhārata; yādṛcchiko yudhi jayo daivo veti vicāraṇam

Ein geringer Sieg ist dieser, o Bhārata, der „Kampf“ heißt; der Sieg im Kampf ist zufällig – ob er vom Schicksal [kommt], darüber [lässt sich nur] erwägen.

Wort für Wort
jaghanyaḥ eṣaḥ vijayaḥ
gering [ist] dieser Sieg (Nom.Sg.m.)
yat yuddhaṃ nāma bhārata
der, was „Kampf“ genannt wird, o Bhārata (Nom.Sg.n.; Adv.; Vok.)
yādṛcchikaḥ yudhi jayaḥ
zufällig [ist] der Sieg im Kampf (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.f.)
daivaḥ vā iti vicāraṇam
ob vom Schicksal, so [lautet] die Erwägung (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)

apām iva mahāvegas trastā mṛgagaṇā iva; durnivāryatamā caiva prabhagnā mahatī camūḥ

Wie die gewaltige Wucht der Wasser, wie erschreckte Wildherden und äußerst schwer aufzuhalten ist ein großes Heer, wenn es zersprengt ist.

Wort für Wort
apām iva mahāvegā
wie Wasser von großer Wucht (Gen.Pl.f.; Nom.Sg.f.)
trastāḥ mṛgagaṇāḥ iva
wie erschreckte Wildherden (Nom.Pl.m.)
durnivāryatamā ca eva
und aufs Äußerste schwer aufzuhalten (Superl. Nom.Sg.f.)
prabhagnā mahatī camūḥ
zersprengt, ein großes Heer (Part.Nom.Sg.f.)

bhagnā ity eva bhajyante vidvāṃso 'pi nakāraṇam; udārasārā mahatī rurusaṃghopamā camūḥ

„Es ist zerbrochen“ – so allein werden [sie] zerbrochen, selbst die Kundigen, ohne [sonstigen] Grund; ein großes Heer von edler Kraft gleicht einer Schar von Ruru-Antilopen.

Wort für Wort
bhagnā iti eva bhajyante
„es ist zerbrochen“, nur deshalb werden sie zerbrochen (Part.Nom.Sg.f.; 3.Pl.Pass.)
vidvāṃsaḥ api na kāraṇam
auch die Kundigen; nicht [ist] ein Grund [sonst] [?] (Nom.Pl.m.; Nom.Sg.n.)
udārasārā mahatī
von edler Kraft, groß (Nom.Sg.f.)
rurusaṃghopamā camūḥ
einer Herde von Ruru-Antilopen gleich, das Heer (Nom.Sg.f.)

Zweite Hälfte (nakāraṇam, rurusaṃghopamā) im Sinn unsicher.

parasparajñāḥ saṃhṛṣṭās tyaktaprāṇāḥ suniścitāḥ; api pañcāśatiḥ śūrā mṛdnanti paravāhinīm

Einander kennend, hochgestimmt, das Leben aufgebend, fest entschlossen – schon fünfzig Helden zermalmen das Heer der Feinde.

Wort für Wort
parasparajñāḥ saṃhṛṣṭāḥ
einander kennend, hochgestimmt (Nom.Pl.m.)
tyaktaprāṇāḥ suniścitāḥ
das Leben preisgegeben, fest entschlossen (Nom.Pl.m.)
api pañcāśatiḥ śūrāḥ
schon fünfzig Helden (Nom.Sg.f.; Nom.Pl.m.)
mṛdnanti paravāhinīm
zermalmen das feindliche Heer (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.)

atha vā pañca ṣaṭ sapta sahitāḥ kṛtaniścayāḥ; kulīnāḥ pūjitāḥ samyag vijayantīha śātravān

Oder fünf, sechs, sieben, die vereint und entschlossen sind, edel [und] geachtet, besiegen hier recht die Feinde.

Wort für Wort
atha vā pañca ṣaṭ sapta
oder fünf, sechs, sieben (Num.)
sahitāḥ kṛtaniścayāḥ
vereint, entschlossen (Nom.Pl.m.)
kulīnāḥ pūjitāḥ samyak
edel, geehrt, recht (Nom.Pl.m.; Adv.)
vijayanti iha śātravān
besiegen hier die Feinde (3.Pl.Präs.; Adv.; Akk.Pl.m.)

saṃnipāto na gantavyaḥ śakye sati kathaṃ cana; sāntvabhedapradānānāṃ yuddham uttaram ucyate

In ein Zusammentreffen soll man auf keine Weise gehen, wenn es [anders] möglich ist; von Güte, Spaltung und Gabe [her gesehen] heißt der Kampf das letzte [Mittel].

Wort für Wort
saṃnipātaḥ na gantavyaḥ
ein Zusammenprall ist nicht einzugehen (Nom.Sg.m.; Gerundiv)
śakye sati kathaṃ cana
wenn es möglich ist, auf keine Weise (Lok.abs.; Adv.)
sāntvabhedapradānānām
von Güte, Spaltung und Gabe (Gen.Pl.n.)
yuddham uttaram ucyate
der Kampf wird das spätere/letzte genannt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

saṃsarpaṇād dhi senāyā bhayaṃ bhīrūn prabādhate; vajrād iva prajvalitād iyaṃ kva nu patiṣyati

Denn beim Heranrücken des Heeres bedrängt die Furcht die Furchtsamen: „Wohin wird [der Schlag] wohl fallen, gleichsam wie von einem flammenden Donnerkeil?“

Wort für Wort
saṃsarpaṇāt hi senāyāḥ
denn durch das Heranrücken des Heeres (Abl.Sg.n.; Gen.Sg.f.)
bhayaṃ bhīrūn prabādhate
Furcht bedrängt die Furchtsamen (Nom.Sg.n.; Akk.Pl.m.; 3.Sg.Präs.)
vajrāt iva prajvalitāt
wie von einem flammenden Donnerkeil (Abl.Sg.m.; Part.)
iyaṃ kva nu patiṣyati
diese [?] wohin wird sie wohl fallen (Nom.Sg.f.; Fragepart.; 3.Sg.Fut.)

iyam (fem.): Beziehungswort unsicher.

abhiprayātāṃ samitiṃ jñātvā ye pratiyānty atha; teṣāṃ spandanti gātrāṇi yodhānāṃ viṣayasya ca

Wenn sie erfahren, dass das Heer heranzieht, und ihm dann entgegenziehen – bei diesen Kriegern zucken die Glieder, [ebenso bei denen] des Landes.

Wort für Wort
abhiprayātāṃ samitiṃ jñātvā
nachdem sie das heranziehende Heer erkannt (Part.Akk.Sg.f.; Akk.Sg.f.; Abs.)
ye pratiyānti atha
die entgegenziehen, dann (3.Pl.Präs.)
teṣāṃ spandanti gātrāṇi
bei ihnen zucken die Glieder (Gen.Pl.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.n.)
yodhānāṃ viṣayasya ca
der Krieger und des Landes [?] (Gen.Pl.m.; Gen.Sg.m.)

viṣayasya ca: Beziehung unsicher.

viṣayo vyathate rājan sarvaḥ sasthāṇujaṅgamaḥ; śastrapratāpataptānāṃ majjā sīdati dehinām

Das Land, o König, zittert ganz, samt Unbeweglichem und Beweglichem; bei den von der Waffenglut Versengten sinkt das Mark der Körperträger.

Wort für Wort
viṣayaḥ vyathate rājan
das Land bebt, o König (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Vok.)
sarvaḥ sasthāṇujaṅgamaḥ
ganz, samt Unbeweglichem und Beweglichem (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
śastrapratāpataptānām
von der Glut der Waffen Versengten (Gen.Pl.m.)
majjā sīdati dehinām
das Mark sinkt der Verkörperten (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.; Gen.Pl.m.)

teṣāṃ sāntvaṃ krūramiśraṃ praṇetavyaṃ punaḥ punaḥ; saṃpīḍyamānā hi pare yogam āyānti sarvaśaḥ

Ihnen soll man immer wieder Güte, mit Härte gemischt, entgegenbringen; denn bedrängt gelangen die Feinde von allen Seiten zur Fügung.

Wort für Wort
teṣāṃ sāntvaṃ krūramiśram
ihnen Güte, mit Härte gemischt (Gen.Pl.; Akk.Sg.n.)
praṇetavyaṃ punaḥ punaḥ
ist entgegenzubringen, immer wieder (Gerundiv; Adv.)
saṃpīḍyamānāḥ hi pare
denn bedrängt, die Feinde (Part.Pass. Nom.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
yogam āyānti sarvaśaḥ
gelangen zur Fügung [?], völlig (Akk.Sg.m.; 3.Pl.Präs.; Adv.)

yogam āyānti: „gelangen zur Einigung/Fügung“, Sinn nicht ganz sicher.

antarāṇāṃ ca bhedārthaṃ cārān abhyavacārayet; yaś ca tasmāt paro rājā tena saṃdhiḥ praśasyate

Und um die Bruchstellen [im feindlichen Gefüge] zu spalten, soll er Späher einschleusen; und mit dem König, der jenseits von ihm [steht], wird ein Bündnis empfohlen.

Wort für Wort
antarāṇāṃ ca bhedārtham
und zur Spaltung der Bruchstellen [?] (Gen.Pl.n.; Adv.)
cārān abhyavacārayet
soll Späher einschleusen (Akk.Pl.m.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
yaḥ ca tasmāt paraḥ rājā
und der König, der jenseits von ihm [ist] (Nom.Sg.m.; Abl.; Nom.Sg.m.)
tena saṃdhiḥ praśasyate
mit diesem wird ein Bündnis empfohlen (Instr.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.)

antarāṇām: „Bruchstellen/Zwischenglieder“, Wiedergabe unsicher.

na hi tasyānyathā pīḍā śakyā kartuṃ tathāvidhā; yathā sārdham amitreṇa sarvataḥ pratibādhanam

Denn auf keine andere Weise kann ihm eine solche Bedrängnis bereitet werden wie das Bedrängen von allen Seiten zusammen mit einem [anderen] Feind.

Wort für Wort
na hi tasya anyathā pīḍā
denn nicht auf andere Weise ihm Bedrängnis (Gen.; Adv.; Nom.Sg.f.)
śakyā kartuṃ tathāvidhā
kann eine solche bereitet werden (Nom.Sg.f.; Inf.)
yathā sārdham amitreṇa
wie zusammen mit einem Feind (Adv.; Instr.Sg.m.)
sarvataḥ pratibādhanam
das Bedrängen von allen Seiten (Adv.; Nom.Sg.n.)

kṣamā vai sādhumāyā hi na hi sādhv akṣamā sadā; kṣamāyāś cākṣamāyāś ca viddhi pārtha prayojanam

Nachsicht ist wahrlich gleichsam ein Kunstgriff der Guten [?]; denn Unnachsichtigkeit ist nicht immer gut. Erkenne, Pārtha, den Nutzen der Nachsicht und der Unnachsichtigkeit.

Wort für Wort
kṣamā vai sādhumāyā hi
Nachsicht ist wahrlich List der Guten [?] (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.f.)
na hi sādhu akṣamā sadā
denn Unnachsichtigkeit [ist] nicht immer gut (Nom.Sg.f.; Adv.)
kṣamāyāḥ ca akṣamāyāḥ ca
der Nachsicht und der Unnachsichtigkeit (Gen.Sg.f.)
viddhi pārtha prayojanam
erkenne, Pārtha, den Zweck (Imp.2.Sg.; Vok.; Akk.Sg.n.)

kṣamā vai sādhumāyā hi: Text schwierig, Wiedergabe unsicher.

vijitya kṣamamāṇasya yaśo rājño 'bhivardhate; mahāparādhā hy apy asmin viśvasanti hi śatravaḥ

Wenn er nach dem Sieg Nachsicht übt, wächst der Ruhm des Königs; selbst schwer Schuldige unter den Feinden fassen zu ihm Vertrauen.

Wort für Wort
vijitya kṣamamāṇasya
nach dem Sieg, dem Nachsicht Übenden (Abs.; Part.Gen.Sg.m.)
yaśaḥ rājñaḥ abhivardhate
Ruhm des Königs wächst (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
mahāparādhāḥ hi api asmin
auch die mit großer Schuld [Beladenen] ihm gegenüber (Nom.Pl.m.; Lok.)
viśvasanti hi śatravaḥ
fassen Vertrauen, die Feinde (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)

manyate karśayitvā tu kṣamā sādhv iti śambaraḥ; asaṃtaptaṃ tu yad dāru pratyeti prakṛtiṃ punaḥ

Śambara hält Nachsicht für gut, nachdem man [den Feind] geschwächt hat; Holz aber, das nicht erhitzt wurde, kehrt wieder in seine [ursprüngliche] Natur zurück.

Wort für Wort
manyate karśayitvā tu
er hält, nachdem man geschwächt hat, aber (3.Sg.Med.Präs.; Abs.)
kṣamā sādhu iti śambaraḥ
Nachsicht sei gut, [so] Śambara (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
asaṃtaptaṃ tu yat dāru
Holz aber, das nicht erhitzt ist (Part.Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
pratyeti prakṛtiṃ punaḥ
kehrt in seine Natur zurück, wieder (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.f.; Adv.)

naitat praśaṃsanty ācāryā na ca sādhu nidarśanam; akleśenāvināśena niyantavyāḥ svaputravat

Das loben die Lehrer nicht, und es ist kein gutes Beispiel; ohne Qual und ohne Vernichtung sind sie zu lenken wie eigene Söhne.

Wort für Wort
na etat praśaṃsanti ācāryāḥ
dies loben die Lehrer nicht (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
na ca sādhu nidarśanam
und [es ist] kein gutes Beispiel (Nom.Sg.n.)
akleśena avināśena
ohne Qual, ohne Vernichtung (Instr.Sg.m.)
niyantavyāḥ svaputravat
sind zu lenken wie eigene Söhne (Gerundiv Nom.Pl.m.; Adv.)

dveṣyo bhavati bhūtānām ugro rājā yudhiṣṭhira; mṛdum apy avamanyante tasmād ubhayabhāg bhavet

Verhasst wird bei den Wesen ein grimmiger König, Yudhiṣṭhira; auch den Milden verachten sie; darum soll er an beidem teilhaben.

Wort für Wort
dveṣyaḥ bhavati bhūtānām
verhasst wird er bei den Wesen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Gen.Pl.n.)
ugraḥ rājā yudhiṣṭhira
ein grimmiger König, Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.m.; Vok.)
mṛdum api avamanyante
auch den Milden verachten sie (Akk.Sg.m.; 3.Pl.Präs.)
tasmāt ubhayabhāk bhavet
darum soll er an beidem teilhaben (Abl.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)

prahariṣyan priyaṃ brūyāt praharann api bhārata; prahṛtya ca kṛpāyeta śocann iva rudann iva

Im Begriff zu schlagen, soll er Liebes sagen, auch während des Schlagens, Bhārata; und nach dem Schlagen soll er Mitleid zeigen, gleichsam klagend, gleichsam weinend.

Wort für Wort
prahariṣyan priyaṃ brūyāt
im Begriff zu schlagen soll er Liebes sagen (Part.Fut.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Opt.)
praharan api bhārata
auch beim Schlagen, Bhārata (Part.Präs.; Vok.)
prahṛtya ca kṛpāyeta
und nach dem Schlagen soll er Mitleid haben (Abs.; 3.Sg.Opt.Med.)
śocan iva rudan iva
gleichsam trauernd, gleichsam weinend (Part.Präs.)

na me priyaṃ yat sa hataḥ saṃprāhaivaṃ puro vacaḥ; na cakartha ca me vākyam ucyamānaḥ punaḥ punaḥ

„Nicht lieb ist mir, dass er erschlagen wurde“ – so sprach er zuvor die Worte; „und er tat nicht mein Wort, obwohl es ihm immer wieder gesagt wurde.“

Wort für Wort
na me priyaṃ yat sa hataḥ
nicht lieb ist mir, dass jener erschlagen wurde (Nom.Sg.n.; Part.Nom.Sg.m.)
saṃprāha evaṃ puraḥ vacaḥ
so sprach er zuvor die Worte (3.Sg.Perf.; Adv.; Akk.Sg.n.)
na cakartha ca me vākyam
und nicht befolgte er mein Wort (Perf.; Akk.Sg.n.) [?]
ucyamānaḥ punaḥ punaḥ
obwohl immer wieder ermahnt (Part.Pass. Nom.Sg.m.)

Sprecher und Rahmen der Rede sind unsicher.

aho jīvitam ākāṅkṣe nedṛśo vadham arhati; sudurlabhāḥ supuruṣāḥ saṃgrāmeṣv apalāyinaḥ

„Ach, ich wünsche [ihm] das Leben; ein solcher verdient den Tod nicht; sehr schwer zu finden sind gute Männer, die in Schlachten nicht fliehen.“

Wort für Wort
aho jīvitam ākāṅkṣe
ach, das Leben wünsche ich (Interj.; Akk.Sg.n.; 1.Sg.Med.Präs.)
na īdṛśaḥ vadham arhati
ein solcher verdient den Tod nicht (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
sudurlabhāḥ supuruṣāḥ
sehr schwer zu finden [sind] gute Männer (Nom.Pl.m.)
saṃgrāmeṣu apalāyinaḥ
in Schlachten nicht fliehend (Lok.Pl.m.; Nom.Pl.m.)

kṛtaṃ mamāpriyaṃ tena yenāyaṃ nihato mṛdhe; iti vācā vadan hantṝn pūjayeta rahogataḥ

„Unliebes ist mir von dem getan worden, durch den dieser im Kampf erschlagen wurde“ – so redend soll er die Töter im Verborgenen ehren.

Wort für Wort
kṛtaṃ mama apriyam
getan wurde mir Unliebes (Part.Nom.Sg.n.; Gen.; Nom.Sg.n.)
tena yena ayaṃ nihataḥ mṛdhe
von dem, durch den dieser im Kampf erschlagen wurde (Instr.; Instr.; Part.Nom.Sg.m.; Lok.)
iti vācā vadan
so mit Worten sprechend (Instr.Sg.f.; Part.Präs.)
hantṝn pūjayeta rahogataḥ
die Töter soll er ehren, im Geheimen (Akk.Pl.m.; 3.Sg.Opt.Kaus.; Nom.Sg.m.)

hantṝṇāṃ cāhatānāṃ ca yat kuryur aparādhinaḥ; krośed bāhuṃ pragṛhyāpi cikīrṣañ janasaṃgraham

Was die Schuldigen den Tötern und den [nicht] Erschlagenen [an Leid] zufügen mögen, darüber soll er, den Arm erhoben, laut klagen, wenn er die Zuneigung der Leute gewinnen will.

Wort für Wort
hantṝṇāṃ ca ahatānāṃ ca
der Töter und der Nichterschlagenen [?] (Gen.Pl.m.)
yat kuryuḥ aparādhinaḥ
was die Schuldigen tun mögen (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Opt.; Nom.Pl.m.)
krośet bāhum pragṛhya api
soll er klagen, auch den Arm erhoben (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.m.; Abs.)
cikīrṣan janasaṃgraham
wünschend die Gewinnung der Leute (Desid.Part.; Akk.Sg.m.)

Sinn der ersten Hälfte unsicher (cāhatānām).

evaṃ sarvāsv avasthāsu sāntvapūrvaṃ samācaran; priyo bhavati bhūtānāṃ dharmajño vītabhīr nṛpaḥ

So in allen Lagen, indem er mit Güte voran verfährt, wird ein König den Wesen lieb, [wenn er] das Recht kennt [und] furchtlos ist.

Wort für Wort
evaṃ sarvāsu avasthāsu
so in allen Lagen (Adv.; Lok.Pl.f.)
sāntvapūrvaṃ samācaran
mit Güte voran verfahrend (Adv.; Part.Präs.)
priyaḥ bhavati bhūtānām
lieb wird er den Wesen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Gen.Pl.n.)
dharmajñaḥ vītabhīḥ nṛpaḥ
der das Recht kennende, furchtlose König (Nom.Sg.m.)

viśvāsaṃ cātra gacchanti sarvabhūtāni bhārata; viśvastaḥ śakyate bhoktuṃ yathākāmam upasthitaḥ

Und dabei fassen alle Wesen Vertrauen, Bhārata; wer Vertrauen genießt, kann, wenn er herangetreten ist, nach Belieben genossen werden.

Wort für Wort
viśvāsaṃ ca atra gacchanti
und hierbei fassen sie Vertrauen (Akk.Sg.m.; Adv.; 3.Pl.Präs.)
sarvabhūtāni bhārata
alle Wesen, Bhārata (Nom.Pl.n.; Vok.)
viśvastaḥ śakyate bhoktum
wer vertraut, kann genossen werden (Part.Nom.Sg.m.; 3.Sg.Pass.; Inf.)
yathākāmam upasthitaḥ
nach Belieben, herangetreten (Adv.; Part.Nom.Sg.m.)

tasmād viśvāsayed rājā sarvabhūtāny amāyayā; sarvataḥ parirakṣec ca yo mahīṃ bhoktum icchati

Darum soll der König alle Wesen ohne Täuschung Vertrauen fassen lassen und sie von allen Seiten schützen – wer die Erde genießen will.

Wort für Wort
tasmāt viśvāsayet rājā
darum soll der König Vertrauen einflößen (Abl.; 3.Sg.Opt.Kaus.; Nom.Sg.m.)
sarvabhūtāni amāyayā
allen Wesen, ohne Trug (Akk.Pl.n.; Instr.Sg.f.)
sarvataḥ parirakṣet ca
und soll von allen Seiten schützen (Adv.; 3.Sg.Opt.)
yaḥ mahīṃ bhoktum icchati
wer die Erde genießen will (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.f.; Inf.; 3.Sg.Präs.)

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