Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 139: viśvāmitracaṇḍālasaṃvādārambhaḥ Notzeit: Viśvāmitra und der Caṇḍāla in der Hungersnot

Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie man in der Zeit des Niedergangs leben solle, erzählt Bhīṣma die alte Geschichte von Viśvāmitra, der in einer zwölfjährigen Dürre beim Hundekoch-Volk Nahrung sucht, und ihrem Streitgespräch über Dharma in der Not.

yudhiṣṭhira uvāca; hīne paramake dharme sarvalokātilaṅghini; adharme dharmatāṃ nīte dharme cādharmatāṃ gate

Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn das höchste Dharma gemindert ist, das alle Welten überragt, wenn Adharma zu Dharma geworden und Dharma zu Adharma geworden ist,

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
hīne paramake dharme
wenn das höchste Dharma gemindert ist (Lok. abs.)
sarvalokātilaṅghini
das alle Welten überschreitet (Lok.Sg.m., Kompositum)
adharme dharmatāṃ nīte
wenn Adharma zur Dharma-Natur geführt ist (Lok. abs., Part.Pass.)
dharme ca adharmatāṃ gate
und wenn Dharma zur Adharma-Natur gelangt ist (Lok. abs.)

maryādāsu prabhinnāsu kṣubhite dharmaniścaye; rājabhiḥ pīḍite loke corair vāpi viśāṃ pate

wenn die Schranken zerbrochen sind, die Bestimmung des Dharma erschüttert ist, wenn die Welt von Königen bedrängt wird oder auch von Dieben, Herr der Menschen,

Wort für Wort
maryādāsu prabhinnāsu
wenn die Grenzen/Schranken zerbrochen sind (Lok.Pl.f., abs.)
kṣubhite dharmaniścaye
wenn die Gewissheit über das Dharma erschüttert ist (Lok. abs.)
rājabhiḥ pīḍite loke
wenn die Welt von Königen bedrängt wird (Instr.Pl./Lok. abs.)
corair vā api
oder auch von Dieben (Instr.Pl.)
viśāṃ pate
Herr der Menschen (Vok.Sg.)

sarvāśrameṣu mūḍheṣu karmasūpahateṣu ca; kāmān mohāc ca lobhāc ca bhayaṃ paśyatsu bhārata

wenn in allen Lebensstufen Verwirrung herrscht und die Riten zerstört sind, wenn man aus Begierde, Verblendung und Gier Gefahr sieht, Bhārata,

Wort für Wort
sarvāśrameṣu mūḍheṣu
wenn in allen Lebensstufen [Menschen] verwirrt sind (Lok.Pl., abs.)
karmasu upahateṣu ca
und die Riten zerstört sind (Lok.Pl.)
kāmān mohāc ca lobhāc ca
aus Begierde, aus Verblendung und aus Gier (Abl.Sg.)
bhayaṃ paśyatsu
wenn sie Furcht/Gefahr sehen (Akk.Sg.; Part.Präs. Lok.Pl.)
bhārata
Bhārata (Vok.Sg.)

Die Konstruktion mit paśyatsu ist elliptisch (Subjekt „die Menschen“ ergänzt).

aviśvasteṣu sarveṣu nityabhīteṣu pārthiva; nikṛtyā hanyamāneṣu vañcayatsu parasparam

wenn alle misstrauisch sind, stets in Furcht, Fürst, durch Betrug erschlagen werden und einander betrügen,

Wort für Wort
aviśvasteṣu sarveṣu
wenn alle misstrauisch sind (Lok.Pl., abs.)
nityabhīteṣu pārthiva
stets furchtsam, o Fürst (Lok.Pl.; Vok.Sg.)
nikṛtyā hanyamāneṣu
wenn sie durch Betrug erschlagen werden (Instr.Sg.; Part.Pass.Lok.Pl.)
vañcayatsu parasparam
wenn sie einander täuschen (Part.Präs.Lok.Pl.; Adv.)

saṃpradīpteṣu deśeṣu brāhmaṇye cābhipīḍite; avarṣati ca parjanye mitho bhede samutthite

wenn die Gegenden in Flammen stehen und das Brahmanentum bedrängt ist, wenn der Regen ausbleibt und gegenseitige Spaltung entstanden ist,

Wort für Wort
saṃpradīpteṣu deśeṣu
wenn die Landstriche in Flammen stehen (Lok.Pl., abs.)
brāhmaṇye ca abhipīḍite
und wenn das Brahmanentum bedrängt ist (Lok.Sg.)
avarṣati ca parjanye
und wenn der Regenspender nicht regnet (Lok.Sg., abs.)
mithaḥ bhede samutthite
wenn gegenseitige Spaltung entstanden ist (Lok.Sg., abs.)

sarvasmin dasyusād bhūte pṛthivyām upajīvane; kena svid brāhmaṇo jīvej jaghanye kāla āgate

wenn die ganze Erde, die Lebensgrundlage, den Räubern verfallen ist – wovon soll ein Brahmane leben, wenn die schlimmste Zeit eingetreten ist?

Wort für Wort
sarvasmin dasyusād bhūte
wenn alles den Räubern anheimgefallen ist (Lok. abs.; dasyusāt bhū: zum Besitz der Räuber werden)
pṛthivyām upajīvane
auf der Erde, [der] Lebensgrundlage (Lok.Sg.)
kena svid brāhmaṇo jīvet
wovon wohl soll ein Brahmane leben (Instr.Sg.; Opt.3.Sg.)
jaghanye kāle āgate
wenn die schlimmste Zeit gekommen ist (Lok. abs.)

upajīvane pṛthivyām evtl. auch: „für die Lebensführung auf der Erde“.

atityakṣuḥ putrapautrān anukrośān narādhipa; katham āpatsu varteta tan me brūhi pitāmaha

[Wenn er] Söhne und Enkel aus Mitleid nicht preisgeben will, Herrscher der Menschen: Wie soll er in Nöten leben? Das sage mir, Großvater.

Wort für Wort
atityakṣuḥ
nicht aufgeben wollend (Nom.Sg.m., a-Priv. + Desid.-Adj. von tyaj)
putrapautrān anukrośāt
Söhne und Enkel aus Mitleid (Akk.Pl.; Abl.Sg.)
narādhipa
Herrscher der Menschen (Vok.Sg.)
katham āpatsu varteta
wie soll er in Nöten leben (Lok.Pl.; Opt.Med.3.Sg.)
tat me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg.; Vok.)

atityakṣuḥ nicht ganz sicher gedeutet (a-tityakṣu, „nicht zu verlassen wünschend“); Lesart mit wenigsten Zusatzannahmen.

kathaṃ ca rājā varteta loke kaluṣatāṃ gate; katham arthāc ca dharmāc ca na hīyeta paraṃtapa

Und wie soll ein König leben, wenn die Welt in Verderbnis geraten ist? Wie soll er weder von Nutzen noch von Dharma abfallen, Bezwinger der Feinde?

Wort für Wort
katham ca rājā varteta
und wie soll ein König verfahren/leben (Opt.Med.3.Sg.)
loke kaluṣatāṃ gate
wenn die Welt in Verderbtheit geraten ist (Lok. abs.)
katham arthāc ca dharmāc ca
wie von Nutzen und von Dharma (Abl.Sg.)
na hīyeta
nicht abfallen/nicht verlieren soll (Opt.Pass.3.Sg.)
paraṃtapa
Bezwinger der Feinde (Vok.Sg.)

bhīṣma uvāca; rājamūlā mahārāja yogakṣemasuvṛṣṭayaḥ; prajāsu vyādhayaś caiva maraṇaṃ ca bhayāni ca

Bhīṣma sprach: „Den König zur Wurzel haben, großer König, Wohlstand und Sicherheit und guter Regen, ebenso Krankheiten unter den Geschöpfen, Tod und Gefahren.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
rājamūlā mahārāja
den König zur Wurzel habend, großer König (Nom.Pl.m./Vok.)
yogakṣemasuvṛṣṭayaḥ
Erwerb und Bewahrung [des Besitzes] und guter Regen (Nom.Pl.)
prajāsu vyādhayaḥ ca eva
und Krankheiten unter den Geschöpfen (Lok.Pl.; Nom.Pl.)
maraṇaṃ ca bhayāni ca
und Tod und Gefahren (Nom.Sg.; Nom.Pl.)

kṛtaṃ tretā dvāparaś ca kaliś ca bharatarṣabha; rājamūlāni sarvāṇi mama nāsty atra saṃśayaḥ

Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali, Stier der Bharatas – alles das hat den König zur Wurzel; darüber habe ich keinen Zweifel.

Wort für Wort
kṛtaṃ tretā dvāparaḥ ca
Kṛta[-Zeitalter], Tretā und Dvāpara (Nom.Sg.)
kaliḥ ca
und Kali (Nom.Sg.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.Sg.)
rājamūlāni sarvāṇi
alles hat den König zur Wurzel (Nom.Pl.n.)
mama na asti atra saṃśayaḥ
ich habe hierin keinen Zweifel (Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.)

tasmiṃs tv abhyāgate kāle prajānāṃ doṣakārake; vijñānabalam āsthāya jīvitavyaṃ tadā bhavet

Doch wenn jene für die Geschöpfe schädliche Zeit eingetreten ist, dann muss man sich auf die Kraft der Einsicht stützen und [so] leben.

Wort für Wort
tasmin tu abhyāgate kāle
wenn aber jene Zeit eingetreten ist (Lok. abs.)
prajānāṃ doṣakārake
die für die Geschöpfe Schaden bringt (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
vijñānabalam āsthāya
gestützt auf die Kraft der Einsicht (Abs.)
jīvitavyaṃ tadā bhavet
dann muss gelebt werden (Gerundiv; Opt.3.Sg.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; viśvāmitrasya saṃvādaṃ caṇḍālasya ca pakkaṇe

Auch hierzu führt man diese uralte Erzählung an: das Gespräch zwischen Viśvāmitra und einem Caṇḍāla in einem Hüttendorf.

Wort für Wort
atra api udāharanti imam
auch hierzu führt man diesen an (3.Pl.Präs.)
itihāsaṃ purātanam
die alte Erzählung (Akk.Sg.)
viśvāmitrasya saṃvādam
das Gespräch des Viśvāmitra (Gen.Sg.; Akk.Sg.)
caṇḍālasya ca pakkaṇe
und eines Caṇḍāla im Dorf der Ausgestoßenen (Gen.Sg.; Lok.Sg.)

tretādvāparayoḥ saṃdhau purā daivavidhikramāt; anāvṛṣṭir abhūd ghorā rājan dvādaśavārṣikī

Am Übergang von Tretā und Dvāpara, einst, infolge des Waltens des Schicksals, trat, König, eine furchtbare Dürre von zwölf Jahren ein.

Wort für Wort
tretādvāparayoḥ saṃdhau
an der Nahtstelle von Tretā und Dvāpara (Gen.Du.; Lok.Sg.)
purā
einst (Adv.)
daivavidhikramāt
infolge des Ablaufs der göttlichen Fügung (Abl.Sg.)
anāvṛṣṭiḥ abhūt ghorā
es entstand furchtbare Regenlosigkeit (Nom.Sg.f.; Aor.3.Sg.)
rājan dvādaśavārṣikī
König, zwölfjährige (Vok.; Nom.Sg.f.)

prajānām abhivṛddhānāṃ yugānte paryupasthite; tretānirmokṣasamaye dvāparapratipādane

Als die Geschöpfe sich sehr vermehrt hatten, am nahenden Ende des Zeitalters, zur Zeit des Endes der Tretā, beim Beginn der Dvāpara,

Wort für Wort
prajānām abhivṛddhānām
als die Geschöpfe sehr zugenommen hatten (Gen.Pl.; Part.Pass.)
yugānte paryupasthite
als das Ende des Zeitalters bevorstand (Lok. abs.)
tretānirmokṣasamaye
zur Zeit der Lösung/des Endes der Tretā (Lok.Sg.)
dvāparapratipādane
beim Herbeiführen/Anbruch der Dvāpara (Lok.Sg.)

na vavarṣa sahasrākṣaḥ pratilomo 'bhavad guruḥ; jagāma dakṣiṇaṃ mārgaṃ somo vyāvṛttalakṣaṇaḥ

regnete der Tausendäugige [Indra] nicht; Guru [Jupiter] lief rückläufig; Soma [der Mond] ging den südlichen Weg, sein Merkmal verkehrt.

Wort für Wort
na vavarṣa sahasrākṣaḥ
der Tausendäugige (Indra) regnete nicht (3.Sg.Perf.; Nom.Sg.)
pratilomaḥ abhavat guruḥ
Guru (Jupiter) wurde gegenläufig (Nom.Sg.; Impf.3.Sg.)
jagāma dakṣiṇaṃ mārgam
ging den südlichen Weg (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.)
somaḥ vyāvṛttalakṣaṇaḥ
Soma, mit umgekehrtem Merkmal (Nom.Sg.m.)

vyāvṛttalakṣaṇaḥ unsicher: „dessen Zeichen (Hase/Fleck) abgewendet/verändert“ [?].

nāvaśyāyo 'pi rātryante kuta evābhrarājayaḥ; nadyaḥ saṃkṣiptatoyaughāḥ kva cid antargatābhavan

Nicht einmal Tau [fiel] am Ende der Nacht, wie erst Wolkenreihen; die Flüsse mit geschrumpften Wasserfluten waren stellenweise nach innen [in ihr Bett] zurückgewichen.

Wort für Wort
na avaśyāyaḥ api rātryante
nicht einmal Tau am Ende der Nacht (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
kutaḥ eva abhrarājayaḥ
wie erst Wolkenreihen (Adv.; Nom.Pl.)
nadyaḥ saṃkṣiptatoyaughāḥ
die Flüsse mit zusammengezogenen Wasserfluten (Nom.Pl.f.)
kva cit antargatā abhavan
stellenweise ins Innere gegangen waren (Nom.Pl.f.; Impf.3.Pl.)

sarāṃsi saritaś caiva kūpāḥ prasravaṇāni ca; hatatviṭkāny alakṣyanta nisargād daivakāritāt

Teiche und Flüsse, Brunnen und Quellen sah man ihres Glanzes beraubt, infolge der von den Göttern bewirkten Naturgesetzlichkeit.

Wort für Wort
sarāṃsi saritaḥ ca eva
Teiche und Flüsse (Nom.Pl.)
kūpāḥ prasravaṇāni ca
Brunnen und Quellen (Nom.Pl.)
hatatviṭkāni alakṣyanta
ihres Glanzes beraubt wurden sie gesehen (Nom.Pl.n.; Impf.Pass.3.Pl.)
nisargāt daivakāritāt
infolge der von den Göttern bewirkten Naturordnung (Abl.Sg.)

upaśuṣkajalasthāyā vinivṛttasabhāprapā; nivṛttayajñasvādhyāyā nirvaṣaṭkāramaṅgalā

[Die Erde war] mit fast ausgetrockneten Wasserstellen, ohne Versammlungshallen und Tränken, ohne Opfer und Vedastudium, ohne Vaṣaṭ-Ruf und Segensriten,

Wort für Wort
upaśuṣkajalasthāyā
mit ausgetrockneten Wasserstellen (Nom.Sg.f., zu vasudhā V. 23)
vinivṛttasabhāprapā
mit aufgehörten Versammlungshallen und Trinkhütten (Nom.Sg.f.)
nivṛttayajñasvādhyāyā
mit eingestellten Opfern und Vedarezitation (Nom.Sg.f.)
nirvaṣaṭkāramaṅgalā
ohne Vaṣaṭ-Ruf und Segensriten (Nom.Sg.f.)

V. 18-23: Reihe von Adjektiven zu vasudhā (V. 23); Verbindung mit upaśuṣkajalasthāyā leicht unsicher [?].

utsannakṛṣigorakṣyā nivṛttavipaṇāpaṇā; nivṛttapūgasamayā saṃpranaṣṭamahotsavā

mit zerstörtem Ackerbau und Rinderhut, mit eingestelltem Handel in Läden und Märkten, mit aufgegebenen Gemeinschaftsabmachungen, mit gänzlich verschwundenen großen Festen,

Wort für Wort
utsannakṛṣigorakṣyā
mit vernichtetem Ackerbau und Rinderschutz (Nom.Sg.f.)
nivṛttavipaṇāpaṇā
mit aufgehörtem Handel in Läden und Märkten (Nom.Sg.f.)
nivṛttapūgasamayā
mit eingestellten Gildenabmachungen (Nom.Sg.f.)
saṃpranaṣṭamahotsavā
mit ganz verschwundenen Großfesten (Nom.Sg.f.)

asthikaṅkālasaṃkīrṇā hāhābhūtajanākulā; śūnyabhūyiṣṭhanagarā dagdhagrāmaniveśanā

übersät mit Knochen und Skeletten, erfüllt von Menschen im Wehgeschrei „Ach, ach“, mit größtenteils leeren Städten, mit verbrannten Dörfern und Niederlassungen,

Wort für Wort
asthikaṅkālasaṃkīrṇā
mit Knochen und Skeletten übersät (Nom.Sg.f.)
hāhābhūtajanākulā
voll von Leuten, die „Weh, weh“ riefen (Nom.Sg.f.)
śūnyabhūyiṣṭhanagarā
mit meist leeren Städten (Nom.Sg.f.)
dagdhagrāmaniveśanā
mit verbrannten Dörfern und Siedlungen (Nom.Sg.f.)

kva cic coraiḥ kva cic chastraiḥ kva cid rājabhir āturaiḥ; parasparabhayāc caiva śūnyabhūyiṣṭhanirjanā

hier von Dieben, dort von Waffen, dort von bedrängten Königen [heimgesucht], und aus gegenseitiger Furcht größtenteils leer und menschenlos.

Wort für Wort
kva cit coraiḥ
hier durch Diebe (Instr.Pl.)
kva cit śastraiḥ
dort durch Waffen (Instr.Pl.)
kva cit rājabhiḥ āturaiḥ
dort durch bedrängte Könige (Instr.Pl.)
parasparabhayāt ca eva
und aus gegenseitiger Furcht (Abl.Sg.)
śūnyabhūyiṣṭhanirjanā
größtenteils leer und menschenleer (Nom.Sg.f.)

gatadaivatasaṃkalpā vṛddhabālavinākṛtā; gojāvimahiṣair hīnā parasparaharāharā

der Vorstellung von Göttern beraubt, ohne Alte und Kinder, ohne Rinder, Schafe und Büffel, [die Menschen] einander täglich beraubend,

Wort für Wort
gatadaivatasaṃkalpā
bei der die Vorstellung von Göttern geschwunden ist (Nom.Sg.f.)
vṛddhabālavinākṛtā
ohne Greise und Kinder (Nom.Sg.f.)
gojāvimahiṣaiḥ hīnā
ohne Rinder, Ziegen, Schafe, Büffel (Instr.Pl.; Nom.Sg.f.)
parasparaharāharā
einander stets beraubend (Nom.Sg.f.)

parasparaharāharā: Deutung unsicher [?]; „bei der einer den anderen ständig beraubt“.

hataviprā hatārakṣā pranaṣṭauṣadhisaṃcayā; śyāvabhūtanaraprāyā babhūva vasudhā tadā

mit erschlagenen Brahmanen, ohne Schutz, mit verlorenen Heilkräutervorräten, großenteils von fahlgrauen Menschen [bevölkert] – so wurde damals die Erde.

Wort für Wort
hataviprā hatārakṣā
mit erschlagenen Brahmanen, ohne Schutz (Nom.Sg.f.)
pranaṣṭauṣadhisaṃcayā
mit verlorenen Kräutervorräten (Nom.Sg.f.)
śyāvabhūtanaraprāyā
großenteils mit fahl-dunkel gewordenen Menschen (Nom.Sg.f.)
babhūva vasudhā tadā
so wurde damals die Erde (Perf.3.Sg.; Nom.Sg.f.)

tasmin pratibhaye kāle kṣīṇe dharme yudhiṣṭhira; babhramuḥ kṣudhitā martyāḥ khādantaḥ sma parasparam

In jener furchterregenden Zeit, als das Dharma geschwunden war, Yudhiṣṭhira, irrten hungrige Sterbliche umher und fraßen einander.

Wort für Wort
tasmin pratibhaye kāle
in jener furchtbaren Zeit (Lok.Sg.)
kṣīṇe dharme yudhiṣṭhira
als das Dharma geschwunden war, Yudhiṣṭhira (Lok. abs.; Vok.)
babhramuḥ kṣudhitāḥ martyāḥ
hungrige Sterbliche irrten umher (Perf.3.Pl.; Nom.Pl.)
khādantaḥ sma parasparam
aßen einander (Part.Präs. + sma, vergangenheitsbildend)

ṛṣayo niyamāṃs tyaktvā parityaktāgnidaivatāḥ; āśramān saṃparityajya paryadhāvann itas tataḥ

Die Ṛṣis gaben ihre Gelübde auf, verließen Feuer und Gottheiten und rannten, die Einsiedeleien verlassend, hierhin und dorthin.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ niyamān tyaktvā
die Ṛṣis, die Gelübde aufgegeben habend (Nom.Pl.; Abs.)
parityaktāgnidaivatāḥ
Feuer und Gottheiten verlassend (Nom.Pl.m.)
āśramān saṃparityajya
die Einsiedeleien ganz verlassend (Akk.Pl.; Abs.)
paryadhāvan itaḥ tataḥ
liefen hierhin und dorthin (Impf.3.Pl.)

viśvāmitro 'tha bhagavān maharṣir aniketanaḥ; kṣudhā parigato dhīmān samantāt paryadhāvata

Da lief auch der ehrwürdige Großseher Viśvāmitra, ohne Haus, vom Hunger ergriffen, der Weise, überallhin umher.

Wort für Wort
viśvāmitraḥ atha bhagavān
da der ehrwürdige Viśvāmitra (Nom.Sg.)
maharṣiḥ aniketanaḥ
der große Seher, ohne Heimstatt (Nom.Sg.)
kṣudhā parigataḥ
vom Hunger ergriffen (Instr.Sg.; Part.Pass.)
dhīmān samantāt paryadhāvata
der Weise lief ringsum umher (Nom.Sg.; Impf.Med.3.Sg.)

tyaktvā dārāṃś ca putrāṃś ca kasmiṃś cij janasaṃsadi; bhakṣyābhakṣyasamo bhūtvā niragnir aniketanaḥ

Frau und Söhne verlassend, in irgendeiner Menschenversammlung, gegenüber Essbarem und Nichtessbarem gleichgültig geworden, ohne Feuer, ohne Haus,

Wort für Wort
tyaktvā dārān ca putrān ca
Frauen und Söhne verlassen habend (Abs.; Akk.Pl.)
kasmiṃś cit janasaṃsadi
in irgendeiner Menschenversammlung (Lok.Sg.)
bhakṣyābhakṣyasamaḥ bhūtvā
gegenüber Essbarem und Nichtessbarem gleich geworden (Nom.Sg.; Abs.)
niragniḥ aniketanaḥ
ohne Feuer, ohne Haus (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; dārān (Pl.) = „die Ehefrau/Frauen“.

sa kadā cit paripatañ śvapacānāṃ niveśanam; hiṃsrāṇāṃ prāṇihantṝṇām āsasāda vane kva cit

Als er einmal umherirrte, gelangte er irgendwo im Wald zur Siedlung der Hundeköche, grausamer Tiertöter.

Wort für Wort
saḥ kadā cit paripatan
er, einmal umherstreifend (Nom.Sg.; Part.Präs.)
śvapacānāṃ niveśanam
zur Niederlassung der Hundeköche (Gen.Pl.; Akk.Sg.)
hiṃsrāṇāṃ prāṇihantṝṇām
grausamer Lebewesen-Töter (Gen.Pl.)
āsasāda vane kva cit
erreichte irgendwo im Wald (Perf.3.Sg.; Lok.Sg.)

vibhinnakalaśākīrṇaṃ śvacarmācchādanāyutam; varāhakharabhagnāsthikapālaghaṭasaṃkulam

[sie war] voll zerbrochener Krüge, mit Hundehäuten als Bedeckung, dicht besetzt mit Töpfen aus zerbrochenen Knochen und Schädeln von Ebern und Eseln,

Wort für Wort
vibhinnakalaśākīrṇam
mit zerbrochenen Krügen übersät (Akk./Nom.Sg.n.)
śvacarmācchādanāyutam
mit Hundehäuten als Decken versehen (Sg.n.)
varāhakharabhagnāsthikapālaghaṭasaṃkulam
dicht mit Töpfen aus Knochen und Schädeln von Ebern und Eseln (Sg.n., Kompositum)

Kompositum varāha-khara-bhagnāsthi-kapāla-ghaṭa-saṃkulam: Deutung „Töpfe aus zerbrochenen Knochen/Schädeln“ leicht unsicher [?].

mṛtacelaparistīrṇaṃ nirmālyakṛtabhūṣaṇam; sarpanirmokamālābhiḥ kṛtacihnakuṭīmaṭham

mit Leichentüchern ausgebreitet, mit abgelegtem Blumenschmuck als Zierrat, mit Girlanden aus Schlangenhäuten, mit Hütten und Klausen als Kennzeichen,

Wort für Wort
mṛtacelaparistīrṇam
mit Kleidern von Toten bedeckt (Sg.n.)
nirmālyakṛtabhūṣaṇam
mit abgelegten Opferkränzen als Schmuck (Sg.n.)
sarpanirmokamālābhiḥ
mit Girlanden aus Schlangenhäuten (Instr.Pl.f.)
kṛtacihnakuṭīmaṭham
mit Hütten und Klausen als Kennzeichen (Sg.n.)

kukkuṭārāvabahulaṃ gardabhadhvanināditam; tad yoṣidbhiḥ kharair vākyaiḥ kalahadbhiḥ parasparam

voll vom Krähen der Hähne, vom Schreien der Esel erfüllt, [und] von Frauen, die einander mit harten Worten zankten.

Wort für Wort
kukkuṭārāvabahulam
reich an Hahnenkrähen (Sg.n.)
gardabhadhvanināditam
vom Eselsgeschrei erfüllt (Sg.n.)
tad yoṣidbhiḥ
jenes [Dorf] von Frauen (Instr.Pl.)
kharair vākyaiḥ kalahadbhiḥ parasparam
die mit harten Worten einander zankten (Instr.Pl.; Part.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Konstruktion (Instr. yoṣidbhiḥ ohne Verb) ist elliptisch, der Satz wirkt unvollständig [?].

ulūkapakṣadhvajibhir devatāyatanair vṛtam; lohaghaṇṭāpariṣkāraṃ śvayūthaparivāritam

umgeben von Götterschreinen mit Eulenfederfahnen, mit eisernen Glocken als Gerät, von Hundemeuten umringt.

Wort für Wort
ulūkapakṣadhvajibhiḥ
mit Fahnen aus Eulenfedern (Instr.Pl.)
devatāyatanaiḥ vṛtam
von Götterschreinen umgeben (Instr.Pl.; Part.Pass.)
lohaghaṇṭāpariṣkāram
mit eisernen Glocken als Gerät (Sg.n.)
śvayūthaparivāritam
von Hundemeuten umringt (Sg.n.)

tat praviśya kṣudhāviṣṭo gādheḥ putro mahān ṛṣiḥ; āhārānveṣaṇe yuktaḥ paraṃ yatnaṃ samāsthitaḥ

Dorthin trat er ein, vom Hunger erfüllt, der Sohn Gādhis, der große Ṛṣi, und wandte höchste Mühe auf bei der Suche nach Nahrung.

Wort für Wort
tat praviśya
dort eingetreten (Abs.)
kṣudhāviṣṭaḥ
vom Hunger erfüllt (Nom.Sg.m.)
gādheḥ putraḥ mahān ṛṣiḥ
der Sohn Gādhis, der große Ṛṣi (Nom.Sg.)
āhārānveṣaṇe yuktaḥ
auf die Nahrungssuche gerichtet (Lok.Sg.; Part.Pass.)
param yatnam samāsthitaḥ
höchste Anstrengung aufgewandt habend (Akk.Sg.; Part.Pass.)

na ca kva cid avindat sa bhikṣamāṇo 'pi kauśikaḥ; māṃsam annaṃ mūlaphalam anyad vā tatra kiṃ cana

Doch nirgends fand er, obwohl er bettelte, der Kauśika, Fleisch, Speise, Wurzeln, Früchte oder sonst irgendetwas dort.

Wort für Wort
na ca kva cit avindat saḥ
und er fand nirgends (Impf.3.Sg.)
bhikṣamāṇaḥ api kauśikaḥ
obwohl er bettelte, der Kauśika (Part.Präs.Med.; Nom.Sg.)
māṃsam annam
Fleisch, Speise (Akk.Sg.)
mūlaphalam
Wurzeln und Früchte (Akk.Sg.n.)
anyat vā tatra kiṃ cana
oder irgendetwas anderes dort (Akk.Sg.n.)

aho kṛcchraṃ mayā prāptam iti niścitya kauśikaḥ; papāta bhūmau daurbalyāt tasmiṃś caṇḍālapakkaṇe

„Ach, schwere Not habe ich erlangt“, so entschied Kauśika und fiel vor Schwäche zu Boden, in jener Caṇḍāla-Siedlung.

Wort für Wort
aho kṛcchram mayā prāptam
ach, Not ist von mir erlangt (Instr.Sg.; Part.Pass.)
iti niścitya kauśikaḥ
so entschieden habend, Kauśika (Abs.; Nom.Sg.)
papāta bhūmau daurbalyāt
fiel zu Boden aus Schwäche (Perf.3.Sg.; Lok.Sg.; Abl.Sg.)
tasmin caṇḍālapakkaṇe
in jenem Caṇḍāla-Dorf (Lok.Sg.)

cintayām āsa sa muniḥ kiṃ nu me sukṛtaṃ bhavet; kathaṃ vṛthā na mṛtyuḥ syād iti pārthivasattama

Der Muni überlegte: „Was wäre für mich [jetzt] das Gutgetane? Wie könnte [mein] Tod nicht vergeblich sein?“ – bester der Fürsten.

Wort für Wort
cintayām āsa saḥ muniḥ
der Muni überlegte (periphr. Perf.3.Sg.)
kiṃ nu me sukṛtam bhavet
was wäre wohl für mich das Gutgetane (Opt.3.Sg.; Gen./Dat.)
katham vṛthā na mṛtyuḥ syāt
wie könnte der Tod nicht umsonst sein (Opt.3.Sg.)
iti pārthivasattama
so [dachte er], bester der Fürsten (Vok.Sg.)

sa dadarśa śvamāṃsasya kutantīṃ vitatāṃ muniḥ; caṇḍālasya gṛhe rājan sadyaḥ śastrahatasya ca

Der Weise sah im Haus eines Caṇḍāla, o König, eine ausgebreitete Kutantī [?] von Hundefleisch, [von einem Hund], der eben erst durch eine Waffe erschlagen worden war.

Wort für Wort
sa dadarśa
er sah (3.Sg.Perf.)
śvamāṃsasya kutantīṃ vitatām
die ausgebreitete Kutantī [?] von Hundefleisch (Gen.Sg./Akk.Sg.f./Part.)
muniḥ
der Weise (Nom.Sg.)
caṇḍālasya gṛhe rājan
im Haus des Caṇḍāla, o König (Gen./Lok.Sg./Vok.)
sadyaḥ śastrahatasya ca
eben erst durch eine Waffe erschlagen (Adv./Gen.Sg.)

kutantī: Bedeutung unsicher (Gestell, Behälter oder Fleischstück); hier offen gelassen.

sa cintayām āsa tadā steyaṃ kāryam ito mayā; na hīdānīm upāyo 'nyo vidyate prāṇadhāraṇe

Da dachte er: „Diebstahl muss ich von hier aus begehen; denn jetzt gibt es kein anderes Mittel, das Leben zu erhalten.“

Wort für Wort
sa cintayām āsa tadā
er dachte damals (Perf.periphr./Adv.)
steyaṃ kāryam ito mayā
Diebstahl ist von hier aus/von jetzt an von mir zu tun (Nom.Sg.n./Gerundiv/Instr.)
na hi idānīm upāyaḥ anyaḥ
denn jetzt [gibt es] kein anderes Mittel (Nom.Sg.m.)
vidyate prāṇadhāraṇe
ist vorhanden zur Erhaltung des Lebens (3.Sg.Pass./Lok.)

āpatsu vihitaṃ steyaṃ viśiṣṭasamahīnataḥ; paraṃ paraṃ bhavet pūrvam asteyam iti niścayaḥ

In Notlagen ist Diebstahl vorgesehen – [aus dem Besitz von] Höherem, Gleichem, Niedrigerem; das jeweils Spätere soll dem Früheren [vorgehen], [vor] dem Nicht-Stehlen: so lautet die Entscheidung [?].

Wort für Wort
āpatsu vihitaṃ steyam
in Notlagen vorgeschrieben ist Diebstahl (Lok.Pl./Part.Nom.Sg.n.)
viśiṣṭasamahīnataḥ
von Höherem, Gleichem, Niedrigerem her (Abl.-Adv., Dvandva)
param param bhavet pūrvam
das jeweils Spätere möge dem Früheren [vorangehen] (Nom.Sg./3.Sg.Opt./Nom.Sg.)
asteyam iti niścayaḥ
[vor] dem Nicht-Stehlen, so die Entscheidung (Nom.Sg./Nom.Sg.)

Syntax des zweiten Halbverses unsicher; Auslegung aus v. 40 (erst vom Niedrigen, dann vom Gleichen, zuletzt vom Höheren nehmen).

hīnād ādeyam ādau syāt samānāt tadanantaram; asaṃbhavād ādadīta viśiṣṭād api dhārmikāt

Vom Niedrigeren ist zuerst zu nehmen, danach vom Gleichen; wo das nicht möglich ist, darf man auch vom Höheren nehmen, wenn er rechtschaffen ist.

Wort für Wort
hīnād ādeyam ādau syāt
vom Niedrigeren ist zu nehmen zuerst (Abl./Gerundiv/Lok./3.Sg.Opt.)
samānāt tadanantaram
vom Gleichen unmittelbar danach (Abl./Adv.)
asaṃbhavād ādadīta
aus Nichtmöglichkeit [d. h. wenn unmöglich] soll er nehmen (Abl./3.Sg.Opt.Med.)
viśiṣṭād api dhārmikāt
auch von einem Höheren, Rechtschaffenen (Abl.Sg.)

so 'ham antāvasānānāṃ haramāṇaḥ parigrahāt; na steyadoṣaṃ paśyāmi hariṣyāmy etad āmiṣam

Ich, der ich von der Habe der am Ende Stehenden [d. h. der Untersten] nehme, sehe darin keinen Fehler des Diebstahls; ich werde dieses Fleisch stehlen.

Wort für Wort
so 'ham antāvasānānām
ich also, von den am Ende Stehenden (Nom./Gen.Pl.)
haramāṇaḥ parigrahāt
nehmend aus dem Besitz (Part.Präs.Nom.Sg./Abl.Sg.)
na steyadoṣaṃ paśyāmi
ich sehe keinen Diebstahlsfehler (1.Sg.Präs./Akk.Sg.)
hariṣyāmi etad āmiṣam
ich werde nehmen dieses Fleisch (1.Sg.Fut./Akk.Sg.n.)

etāṃ buddhiṃ samāsthāya viśvāmitro mahāmuniḥ; tasmin deśe prasuṣvāpa patito yatra bhārata

Nachdem er diesen Entschluss gefasst hatte, o Bhārata, legte sich der große Weise Viśvāmitra an eben dem Ort zum Schlafen nieder, wo er hingefallen war.

Wort für Wort
etāṃ buddhiṃ samāsthāya
diesen Entschluss fassend (Akk.Sg./Abs.)
viśvāmitro mahāmuniḥ
Viśvāmitra, der große Weise (Nom.Sg.)
tasmin deśe prasuṣvāpa
an jenem Ort schlief er ein (Lok./3.Sg.Perf.)
patito yatra bhārata
wo er gefallen war, o Bhārata (Part.Nom.Sg./Adv./Vok.)

sa vigāḍhāṃ niśāṃ dṛṣṭvā supte caṇḍālapakkaṇe; śanair utthāya bhagavān praviveśa kuṭīmaṭham

Als er sah, dass die Nacht tief geworden war und im Dorf der Caṇḍālas alles schlief, erhob sich der Ehrwürdige leise und trat in die Hüttenkammer ein.

Wort für Wort
sa vigāḍhāṃ niśāṃ dṛṣṭvā
er, die tiefe Nacht sehend (Akk.Sg.f./Abs.)
supte caṇḍālapakkaṇe
während im Caṇḍāla-Dorf geschlafen wurde (Lok.abs.)
śanair utthāya
leise aufstehend (Adv./Abs.)
bhagavān praviveśa
der Ehrwürdige trat ein (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
kuṭīmaṭham
die Hüttenkammer (Akk.Sg.)

sa supta eva caṇḍālaḥ śleṣmāpihitalocanaḥ; paribhinnasvaro rūkṣa uvācāpriyadarśanaḥ

Der Caṇḍāla aber, der noch schlief, die Augen von Schleim verklebt, mit gebrochener, rauer Stimme und von widerwärtigem Anblick, sprach:

Wort für Wort
sa supta eva caṇḍālaḥ
der Caṇḍāla, noch schlafend (Nom.Sg./Part.)
śleṣmāpihitalocanaḥ
dessen Augen von Schleim bedeckt waren (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
paribhinnasvaraḥ rūkṣaḥ
mit gebrochener Stimme, rau (Nom.Sg.)
uvāca apriyadarśanaḥ
sprach, unerfreulich anzusehen (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)

kaḥ kutantīṃ ghaṭṭayati supte caṇḍālapakkaṇe; jāgarmi nāvasupto 'smi hato 'sīti ca dāruṇaḥ

„Wer rührt an die Kutantī [?], während im Caṇḍāla-Dorf geschlafen wird? Ich wache, ich schlafe nicht; du bist erschlagen!“ [rief] der Grimmige.

Wort für Wort
kaḥ kutantīṃ ghaṭṭayati
wer rührt die Kutantī [?] an (Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
supte caṇḍālapakkaṇe
während im Caṇḍāla-Dorf geschlafen wird (Lok.abs.)
jāgarmi na avasuptaḥ asmi
ich wache, ich schlafe nicht (1.Sg.Präs./Part.)
hataḥ asi iti ca dāruṇaḥ
„du bist erschlagen“, [sprach] der Grimmige (Part./2.Sg./Nom.Sg.)

viśvāmitro 'ham ity eva sahasā tam uvāca saḥ; sahasābhyāgatabhayaḥ sodvegas tena karmaṇā

Plötzlich sagte jener zu ihm: „Ich bin Viśvāmitra“, plötzlich von Furcht ergriffen und durch die Tat beunruhigt.

Wort für Wort
viśvāmitro 'ham ity eva
„Ich bin Viśvāmitra“ eben (Nom.)
sahasā tam uvāca saḥ
plötzlich sagte er zu ihm (Adv./Akk./3.Sg.Perf.)
sahasābhyāgatabhayaḥ
dem plötzlich Furcht gekommen war (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
sodvegaḥ tena karmaṇā
voll Unruhe wegen dieser Handlung (Nom.Sg./Instr.)

viśvāmitro 'ham āyuṣmann āgato 'haṃ bubhukṣitaḥ; mā vadhīr mama sadbuddher yadi samyak prapaśyasi

„Ich bin Viśvāmitra, Langlebiger; ich bin hungrig gekommen. Erschlage mich nicht, der ich guten Sinnes bin, wenn du recht siehst.“

Wort für Wort
viśvāmitro 'ham āyuṣman
ich bin Viśvāmitra, Langlebiger (Nom./Vok.Sg.)
āgato 'haṃ bubhukṣitaḥ
ich bin gekommen, hungrig (Part.Nom.Sg.)
mā vadhīr mama sadbuddheḥ
erschlage nicht mich, den Gutgesinnten (Prohibitiv Aor./Gen.Sg.)
yadi samyak prapaśyasi
wenn du recht einsiehst (2.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

caṇḍālas tad vacaḥ śrutvā maharṣer bhāvitātmanaḥ; śayanād upasaṃbhrānta iyeṣotpatituṃ tataḥ

Als der Caṇḍāla diese Worte des Großen Sehers mit geläutertem Selbst gehört hatte, wollte er verwirrt vom Lager aufspringen.

Wort für Wort
caṇḍālas tad vacaḥ śrutvā
der Caṇḍāla, diese Rede hörend (Nom./Akk./Abs.)
maharṣer bhāvitātmanaḥ
des Großen Sehers, mit geläutertem Selbst (Gen.Sg.)
śayanād upasaṃbhrāntaḥ
vom Lager, verwirrt (Abl./Part.Nom.Sg.)
iyeṣa utpatitum tataḥ
wollte aufspringen, dann (3.Sg.Perf./Inf.)

sa visṛjyāśru netrābhyāṃ bahumānāt kṛtāñjaliḥ; uvāca kauśikaṃ rātrau brahman kiṃ te cikīrṣitam

Er vergoss Tränen aus den Augen, legte aus Ehrerbietung die Hände zusammen und sprach in der Nacht zu Kauśika: „Brahmane, was hast du vor?“

Wort für Wort
sa visṛjya aśru netrābhyām
er, Tränen aus den Augen entlassend (Abs./Akk./Abl.Du.)
bahumānāt kṛtāñjaliḥ
aus Hochachtung mit gefalteten Händen (Abl./Bahuvrīhi)
uvāca kauśikaṃ rātrau
sprach zu Kauśika in der Nacht (3.Sg.Perf./Akk./Lok.)
brahman kiṃ te cikīrṣitam
Brahmane, was ist von dir beabsichtigt (Vok./Nom./Gen./Part.)

viśvāmitras tu mātaṅgam uvāca parisāntvayan; kṣudhito 'haṃ gataprāṇo hariṣyāmi śvajāghanīm

Viśvāmitra aber sprach zu dem Mātaṅga und beruhigte ihn: „Ich bin hungrig, das Leben ist mir entschwunden; ich werde die Hundekeule stehlen.“

Wort für Wort
viśvāmitras tu mātaṅgam
Viśvāmitra aber, zu dem Mātaṅga (Nom./Akk.Sg.)
uvāca parisāntvayan
sprach beschwichtigend (3.Sg.Perf./Part.Präs.)
kṣudhito 'haṃ gataprāṇaḥ
ich bin hungrig, dem der Atem entwichen ist (Part./Bahuvrīhi Nom.Sg.)
hariṣyāmi śvajāghanīm
ich werde die Hundekeule nehmen (1.Sg.Fut./Akk.Sg.f.)

avasīdanti me prāṇāḥ smṛtir me naśyati kṣudhā

„Meine Lebenskräfte sinken hin, mein Gedächtnis schwindet vor Hunger.“

Wort für Wort
avasīdanti me prāṇāḥ
es sinken meine Lebenskräfte (3.Pl.Präs./Gen./Nom.Pl.)
smṛtir me naśyati kṣudhā
mein Gedächtnis schwindet durch Hunger (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Instr.)

**** **** tṛṣitaḥ param asmy aham

[…] „Durstig bin ich über die Maßen.“

Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
tṛṣitaḥ param asmi aham
durstig bin ich äußerst (Part./Adv./1.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der erste Halbvers ist in der Ausgabe als Lücke angegeben.

durbalo naṣṭasaṃjñaś ca bhakṣyābhakṣyavivarjitaḥ

„Schwach, bewusstlos und ohne Unterscheidung von Essbarem und Nichtessbarem [bin ich].“

Wort für Wort
durbalaḥ naṣṭasaṃjñaḥ ca
schwach und mit verlorenem Bewusstsein (Nom.Sg.)
bhakṣyābhakṣyavivarjitaḥ
frei/ohne [Unterscheidung] von Essbarem und Nichtessbarem (Part.Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

svadharmaṃ budhyamāno 'pi hariṣyāmi śvajāghanīm

„Obwohl ich [meinen] eigenen Dharma kenne, werde ich die Hundekeule stehlen.“

Wort für Wort
svadharmaṃ budhyamānaḥ api
obwohl den eigenen Dharma erkennend (Akk./Part.Präs.Med.)
hariṣyāmi śvajāghanīm
ich werde die Hundekeule nehmen (1.Sg.Fut./Akk.)

aṭan bhaikṣaṃ na vindāmi yadā yuṣmākam ālaye; tadā buddhiḥ kṛtā pāpe hariṣyāmi śvajāghanīm

„Umherwandernd finde ich keine Bettelspeise; da ich nun in eurem Haus bin, ist im Sinn der Entschluss zum Bösen gefasst: Ich werde die Hundekeule stehlen.“

Wort für Wort
aṭan bhaikṣaṃ na vindāmi
umherziehend finde ich keine Bettelspeise (Part.Präs./Akk./1.Sg.)
yadā yuṣmākam ālaye
als/da [ich] in eurem Haus [bin] (Adv./Gen.Pl./Lok.Sg.)
tadā buddhiḥ kṛtā pāpe
da ist der Entschluss gefasst zum Bösen (Nom.Sg.f./Part./Lok.)
hariṣyāmi śvajāghanīm
ich werde die Hundekeule nehmen (1.Sg.Fut.)

yadā … tadā: Bezug des Nebensatzes locker; Wiedergabe sinngemäß.

tṛṣitaḥ kaluṣaṃ pātā nāsti hrīr aśanārthinaḥ; kṣud dharmaṃ dūṣayaty atra hariṣyāmi śvajāghanīm

„Der Durstige trinkt Unreines; der nach Speise Verlangende kennt keine Scham; der Hunger verdirbt hier den Dharma. Ich werde die Hundekeule stehlen.“

Wort für Wort
tṛṣitaḥ kaluṣaṃ pātā
der Durstige [ist] Trinker von Unreinem (Nom./Akk./Nom.Sg.)
na asti hrīḥ aśanārthinaḥ
keine Scham gibt es für den Speise Suchenden (3.Sg./Nom./Gen.Sg.)
kṣud dharmaṃ dūṣayati atra
der Hunger verdirbt den Dharma hier (Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
hariṣyāmi śvajāghanīm
ich werde die Hundekeule nehmen (1.Sg.Fut.)

agnir mukhaṃ purodhāś ca devānāṃ śucipād vibhuḥ; yathā sa sarvabhug brahmā tathā māṃ viddhi dharmataḥ

„Agni ist der Mund und der Vorangestellte [Hauspriester] der Götter, der Allmächtige mit reinem Fuß [?]; wie er, so ist auch der Brahmane Allesesser; als solchen erkenne mich nach dem Dharma.“

Wort für Wort
agnir mukhaṃ purodhāś ca devānām
Agni ist der Mund und Purohita der Götter (Nom./Nom./Gen.Pl.)
śucipād vibhuḥ
reinfüßig [?], allmächtig (Nom.Sg.)
yathā sa sarvabhug brahmā
wie er, Allesesser, [so] der Brahmane/Brahman (Nom.Sg.)
tathā māṃ viddhi dharmataḥ
so erkenne mich nach dem Dharma (Imp.2.Sg./Abl.-Adv.)

śucipād und brahmā unsicher: brahmā könnte Brahman/Brahmane oder Brahmā bezeichnen.

tam uvāca sa caṇḍālo maharṣe śṛṇu me vacaḥ; śrutvā tathā samātiṣṭha yathā dharmān na hīyase

Zu ihm sprach jener Caṇḍāla: „Großer Seher, höre meine Rede; und nachdem du sie gehört hast, handle so, dass du nicht vom Dharma abfällst.“

Wort für Wort
tam uvāca sa caṇḍālaḥ
zu ihm sprach jener Caṇḍāla (Akk./3.Sg.Perf.)
maharṣe śṛṇu me vacaḥ
großer Seher, höre meine Rede (Vok./Imp./Gen./Akk.)
śrutvā tathā samātiṣṭha
nachdem du gehört, verfahre so (Abs./Imp.2.Sg.)
yathā dharmān na hīyase
dass du vom Dharma nicht abfällst (Abl.Sg./3.Sg.Pass.Präs. 2.Sg.)

dharmaṃ tavāpi viprarṣe śṛṇu yat te bravīmy aham

„Auch deinen Dharma, Brahmanen-Seher, höre, den ich dir sage.“

Wort für Wort
dharmaṃ tava api viprarṣe
auch deinen Dharma, Brahmanen-Seher (Akk./Gen./Vok.)
śṛṇu yat te bravīmi aham
höre, was ich dir sage (Imp./Rel./Dat./1.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

mṛgāṇām adhamaṃ śvānaṃ pravadanti manīṣiṇaḥ; tasyāpy adhama uddeśaḥ śarīrasyorujāghanī

„Unter den Tieren, sagen die Weisen, ist der Hund das niedrigste; und dessen niedrigster Teil ist am Körper die Schenkelkeule.“

Wort für Wort
mṛgāṇām adhamaṃ śvānam
unter den Tieren das niedrigste, den Hund (Gen.Pl./Akk.Sg.)
pravadanti manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
tasya api adhamaḥ uddeśaḥ
auch von diesem der niedrigste Teil (Gen./Nom.Sg.)
śarīrasya ūrujāghanī
des Körpers die Schenkelkeule (Gen./Nom.Sg.f.)

nedaṃ samyag vyavasitaṃ maharṣe karma vaikṛtam; caṇḍālasvasya haraṇam abhakṣyasya viśeṣataḥ

„Das ist nicht recht beschlossen, großer Seher, [es ist] ein verkehrtes Tun: das Wegnehmen von Eigentum eines Caṇḍāla, zumal von Unessbarem.“

Wort für Wort
na idaṃ samyag vyavasitam
dies ist nicht recht beschlossen (Part.Nom.Sg.n.)
maharṣe karma vaikṛtam
großer Seher, ein verkehrtes Werk (Vok./Nom.Sg.n.)
caṇḍālasvasya haraṇam
das Nehmen von Caṇḍāla-Eigentum (Gen./Nom.Sg.n.)
abhakṣyasya viśeṣataḥ
zumal von Unessbarem (Gen./Adv.)

sādhv anyam anupaśya tvam upāyaṃ prāṇadhāraṇe; na māṃsalobhāt tapaso nāśas te syān mahāmune

„Suche du gut ein anderes Mittel zur Erhaltung des Lebens; nicht aus Fleischgier möge dir, großer Weiser, deine Askese zugrunde gehen.“

Wort für Wort
sādhu anyam anupaśya tvam
suche gut/recht ein anderes (Adv./Akk./Imp.2.Sg./Nom.)
upāyaṃ prāṇadhāraṇe
Mittel zur Lebenserhaltung (Akk./Lok.)
na māṃsalobhāt tapasaḥ
nicht aus Fleischgier, der Askese (Abl./Gen.)
nāśaḥ te syāt mahāmune
Verlust dir sei, großer Weiser (Nom./Dat.Gen./3.Sg.Opt./Vok.)

jānato 'vihito mārgo na kāryo dharmasaṃkaraḥ; mā sma dharmaṃ parityākṣīs tvaṃ hi dharmavid uttamaḥ

„Wer es weiß, soll nicht einen nicht vorgeschriebenen Weg gehen, keine Vermischung der Pflichten [herbeiführen]; gib den Dharma nicht auf, denn du bist der beste Kenner des Dharma.“

Wort für Wort
jānataḥ avihitaḥ mārgaḥ
für den Wissenden [ist] ein nicht vorgeschriebener Weg (Gen./Nom.Sg.)
na kāryaḥ dharmasaṃkaraḥ
nicht zu machen [ist] Vermischung der Pflichten (Gerundiv/Nom.Sg.)
mā sma dharmaṃ parityākṣīḥ
gib den Dharma nicht auf (Prohibitiv Aor.2.Sg.)
tvaṃ hi dharmavid uttamaḥ
denn du [bist] der beste Dharma-Kenner (Nom./Nom.Sg.)

viśvāmitras tato rājann ity ukto bharatarṣabha; kṣudhārtaḥ pratyuvācedaṃ punar eva mahāmuniḥ

Darauf sprach Viśvāmitra, o König, Stier unter den Bhāratas, so angeredet, vom Hunger gequält, der große Weise, abermals dies:

Wort für Wort
viśvāmitras tato rājan
Viśvāmitra dann, o König (Nom./Adv./Vok.)
iti uktaḥ bharatarṣabha
so angeredet, Stier der Bharatas (Part./Vok.)
kṣudhārtaḥ pratyuvāca idam
hungergequält antwortete dies (Nom.Sg./3.Sg.Perf./Akk.)
punar eva mahāmuniḥ
abermals der große Weise (Adv./Nom.Sg.)

nirāhārasya sumahān mama kālo 'bhidhāvataḥ; na vidyate 'bhyupāyaś ca kaś cin me prāṇadhāraṇe

„Mir, der ich ohne Nahrung bin, ist eine sehr lange Zeit verlaufen; und es gibt für mich kein Mittel, das Leben zu erhalten.“

Wort für Wort
nirāhārasya sumahān
des Speiselosen, sehr lange (Gen.Sg./Nom.Sg.)
mama kālaḥ abhidhāvataḥ
meine Zeit, [mir] Dahineilendem (Gen./Nom./Gen.Part.)
na vidyate abhyupāyaḥ ca
es gibt keinen Ausweg (3.Sg.Pass./Nom.Sg.)
kaś cin me prāṇadhāraṇe
irgendeinen für mich zur Lebenserhaltung (Nom./Gen./Lok.)

abhidhāvataḥ: Bezug unsicher; sinngemäß wiedergegeben.

yena tena viśeṣeṇa karmaṇā yena kena cit; abhyujjīvet sīdamānaḥ samartho dharmam ācaret

„Durch jede beliebige, auch besondere Handlung, wie auch immer, soll der Bedrängte sich am Leben erhalten; ist er [wieder] fähig, soll er den Dharma üben.“

Wort für Wort
yena tena viśeṣeṇa karmaṇā
durch jedes beliebige, besondere Werk (Instr.)
yena kena cit
auf irgendeine Weise (Instr.)
abhyujjīvet sīdamānaḥ
soll sich am Leben erhalten der Bedrängte (3.Sg.Opt./Part.Präs.)
samarthaḥ dharmam ācaret
fähig, soll den Dharma üben (Nom.Sg./Akk./3.Sg.Opt.)

aindro dharmaḥ kṣatriyāṇāṃ brāhmaṇānām athāgnikaḥ; brahmavahnir mama balaṃ bhakṣyāmi samayaṃ kṣudhā

„Der Dharma der Kṣatriyas ist der des Indra, der der Brahmanen aber der des Agni; die Flamme des Brahman ist meine Kraft; ich werde, vom Hunger [getrieben], die Satzung [?] verzehren.“

Wort für Wort
aindro dharmaḥ kṣatriyāṇām
indrisch ist der Dharma der Kṣatriyas (Nom.Sg./Gen.Pl.)
brāhmaṇānām atha āgnikaḥ
der Brahmanen aber agnisch (Gen.Pl./Nom.Sg.)
brahmavahnir mama balam
Brahman-Feuer ist meine Kraft (Nom./Gen./Nom.)
bhakṣyāmi samayaṃ kṣudhā
ich werde essen/verzehren die Satzung [?], durch Hunger (1.Sg.Fut./Akk./Instr.)

samayam unsicher (Satzung/Übereinkunft oder Adverb „für die Zeit“).

yathā yathā vai jīved dhi tat kartavyam apīḍayā; jīvitaṃ maraṇāc chreyo jīvan dharmam avāpnuyāt

„Wie auch immer man am Leben bleiben kann, das ist zu tun, ohne [andere] zu quälen [?]; Leben ist besser als Tod; lebend erlangt man den Dharma.“

Wort für Wort
yathā yathā vai jīvet hi
wie immer man leben kann (Adv./3.Sg.Opt.)
tat kartavyam apīḍayā
das ist zu tun, ohne Bedrängnis [?] (Gerundiv/Instr.)
jīvitaṃ maraṇāt śreyaḥ
Leben ist besser als Tod (Nom./Abl./Nom.)
jīvan dharmam avāpnuyāt
lebend erlangt man den Dharma (Part./Akk./3.Sg.Opt.)

so 'haṃ jīvitam ākāṅkṣann abhakṣasyāpi bhakṣaṇam; vyavasye buddhipūrvaṃ vai tad bhavān anumanyatām

„So begehre ich, das Leben wünschend, selbst das Essen von Nichtessbarem; ich beschließe es mit Bedacht; dem mögest du zustimmen.“

Wort für Wort
so 'haṃ jīvitam ākāṅkṣan
ich, das Leben wünschend (Nom./Akk./Part.Präs.)
abhakṣyasya api bhakṣaṇam
auch das Essen von Nichtessbarem (Gen./Akk.)
vyavasye buddhipūrvaṃ vai
ich beschließe mit Bedacht (1.Sg.Präs.Med./Adv.)
tad bhavān anumanyatām
dem möge Eure Hoheit zustimmen (Nom./Imp.Med.)

jīvan dharmaṃ cariṣyāmi praṇotsyāmy aśubhāni ca; tapobhir vidyayā caiva jyotīṃṣīva mahat tamaḥ

„Lebend werde ich den Dharma üben und das Unheilvolle vertreiben, durch Askesen und Wissen, wie Lichter das große Dunkel.“

Wort für Wort
jīvan dharmaṃ cariṣyāmi
lebend werde ich den Dharma üben (Part./Akk./1.Sg.Fut.)
praṇotsyāmi aśubhāni ca
ich werde forttreiben das Unheilvolle (1.Sg.Fut./Akk.Pl.)
tapobhir vidyayā ca eva
durch Askesen und durch Wissen (Instr.Pl./Instr.Sg.)
jyotīṃṣi iva mahat tamaḥ
wie Lichter das große Dunkel (Nom.Pl./Akk.Sg.)

śvapaca uvāca; naitat khādan prāpsyase prāṇam anyaṃ; nāyur dīrghaṃ nāmṛtasyeva tṛptim; bhikṣām anyāṃ bhikṣa mā te mano 'stu; śvabhakṣaṇe śvā hy abhakṣo dvijānām

Der Śvapaca sprach: „Hiervon essend wirst du kein [anderes] Leben erlangen, kein langes Leben, keine Sättigung wie durch Unsterblichkeit; erbitte andere Bettelspeise; dein Sinn stehe nicht danach. Denn beim Hundeessen ist der Hund für Zweimalgeborene unessbar.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Śvapaca sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
na etat khādan prāpsyase prāṇam anyam
dies essend wirst du nicht anderes Leben erlangen (Part./2.Sg.Fut.Med.)
na āyur dīrghaṃ na amṛtasya iva tṛptim
weder langes Leben noch Sättigung gleichsam des Unsterblichen (Akk./Gen.)
bhikṣām anyāṃ bhikṣa
andere Bettelspeise erbitte (Akk./Imp.2.Sg.)
mā te manaḥ astu
dein Sinn sei nicht [darauf] (Prohibitiv/Nom./3.Sg.Imp.)
śvabhakṣaṇe śvā hi abhakṣaḥ dvijānām
beim Hundeessen: der Hund ist unessbar für die Zweimalgeborenen (Lok./Nom./Gen.Pl.)

Der dritte Pāda ist syntaktisch knapp; mano 'stu mit Ergänzung „[darauf]“ wiedergegeben.

viśvāmitra uvāca; na durbhikṣe sulabhaṃ māṃsam anyac; chvapāka nānnaṃ na ca me 'sti vittam; kṣudhārtaś cāham agatir nirāśaḥ; śvamāṃse cāsmin ṣaḍrasān sādhu manye

Viśvāmitra sprach: „In der Hungersnot ist anderes Fleisch nicht leicht zu haben, Śvapāka; weder Speise noch Besitz habe ich; hungergequält bin ich ohne Ausweg und ohne Hoffnung; und an diesem Hundefleisch halte ich die sechs Geschmäcke für gut.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
na durbhikṣe sulabhaṃ māṃsam anyat
in der Hungersnot ist anderes Fleisch nicht leicht (Lok./Nom.Sg.n.)
śvapāka na annaṃ na ca me asti vittam
Śvapāka, keine Speise, und mir ist kein Besitz (Vok./Nom./Gen.)
kṣudhārtaḥ ca aham agatiḥ nirāśaḥ
hungergequält bin ich, ohne Ausweg, hoffnungslos (Nom.Sg.)
śvamāṃse ca asmin ṣaḍrasān
und an diesem Hundefleisch die sechs Geschmäcke (Lok./Akk.Pl.)
sādhu manye
ich halte für gut (Adv./1.Sg.Präs.Med.)

śvapaca uvāca; pañca pañcanakhā bhakṣyā brahmakṣatrasya vai dvija

Der Hundekocher sprach: „Fünf der Fünfkralligen sind essbar für den Brāhmaṇa und den Kṣatriya, o Zweimalgeborener.

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach (Perf.)
pañca pañcanakhāḥ
fünf Fünfkrallige (Nom.Pl.)
bhakṣyāḥ
essbar (Nom.Pl.)
brahmakṣatrasya vai
für Brahmane[nstand] und Kṣatriya[nstand] fürwahr (Gen.Sg. Dvandva)
dvija
o Zweimalgeborener (Vok.)

śalyakaḥ śvāvidho godhāḥ śaśaḥ kūrmaś ca pañcamaḥ

Stachelschwein, Igel, Waran, Hase und als fünftes die Schildkröte.

Wort für Wort
śalyakaḥ śvāvidhaḥ
Stachelschwein, Igel (Nom.Sg.)
godhāḥ
Waran (Nom.Sg.)
śaśaḥ
Hase (Nom.Sg.)
kūrmaḥ ca pañcamaḥ
und die Schildkröte als fünfte (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yadi śāstraṃ pramāṇaṃ te mābhakṣye mānasaṃ kṛthāḥ

Wenn die Lehrvorschrift dir als Maßstab gilt, so richte deinen Sinn nicht auf Unessbares.“

Wort für Wort
yadi śāstram pramāṇam te
wenn die Lehrvorschrift Maßstab für dich [ist] (Nom./Gen.)
mā abhakṣye
nicht auf Unessbares (Lok.Sg.)
mānasam kṛthāḥ
richte den Sinn (Aor.-Injunktiv 2.Sg. Med.)

viśvāmitra uvāca; agastyenāsuro jagdho vātāpiḥ kṣudhitena vai; aham āpadgataḥ kṣubdho bhakṣayiṣye śvajāghanīm

Viśvāmitra sprach: „Vom hungrigen Agastya wurde der Asura Vātāpi verzehrt; ich, in Not geraten und aufgewühlt, werde die Hundekeule essen.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach (Perf.)
agastyena asuraḥ jagdhaḥ vātāpiḥ
von Agastya wurde der Asura Vātāpi gegessen (Instr./Part.Pass.)
kṣudhitena vai
vom Hungrigen fürwahr (Instr.)
aham āpadgataḥ kṣubdhaḥ
ich, in Not geraten, aufgewühlt (Nom.Sg.)
bhakṣayiṣye śvajāghanīm
werde essen die Hundekeule (1.Sg.Fut./Akk.)

śvapaca uvāca; bhikṣām anyām āhareti na caitat kartum arhasi; na nūnaṃ kāryam etad vai hara kāmaṃ śvajāghanīm

Der Hundekocher sprach: „Erbitte andere Almosen; dies darfst du nicht tun. Gewiss ist dies nicht zu tun; [doch] nimm nach Belieben die Hundekeule [?].“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
bhikṣām anyām āhara iti
andere Almosen bringe (Imp.2.Sg.), so
na ca etat kartum arhasi
und nicht darfst du dies tun (2.Sg./Inf.)
na nūnam kāryam etat vai
gewiss nicht zu tun [ist] dies fürwahr (Gerundiv)
hara kāmam śvajāghanīm
nimm nach Belieben die Hundekeule (Imp.2.Sg./Adv./Akk.)

na nūnaṃ kāryam etad vai hara kāmaṃ śvajāghanīm: der Schluss steht in Spannung zum vorangehenden Verbot; Sinn unsicher (ironisch? Text verderbt?).

viśvāmitra uvāca; śiṣṭā vai kāraṇaṃ dharme tadvṛttam anuvartaye; parāṃ medhyāśanād etāṃ bhakṣyāṃ manye śvajāghanīm

Viśvāmitra sprach: „Die Gebildeten sind der Maßstab im Dharma; deren Verhalten befolge ich. Ich halte diese Hundekeule für essbar, höher als [gewöhnliche] reine Speise.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
śiṣṭāḥ vai kāraṇam dharme
die Gebildeten fürwahr [sind] Grund/Maßstab im Dharma (Nom.Pl./Lok.)
tad-vṛttam anuvartaye
deren Verhalten befolge ich (Akk./1.Sg.)
parām medhya-aśanāt etām
diese [ist] höher als reine Speise (Akk.Sg.f./Abl.)
bhakṣyām manye śvajāghanīm
für essbar halte ich die Hundekeule (1.Sg.Präs.)

śvapaca uvāca; asatā yat samācīrṇaṃ na sa dharmaḥ sanātanaḥ; nāvṛttam anukāryaṃ vai mā chalenānṛtaṃ kṛthāḥ

Der Hundekocher sprach: „Was von Schlechten geübt wurde, ist nicht ewiger Dharma; Unsittliches ist nicht nachzuahmen. Mache das Unwahre nicht durch Spitzfindigkeit [zur Wahrheit].“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
asatā yat samācīrṇam
was von einem Schlechten geübt wurde (Instr./Part.Pass.)
na saḥ dharmaḥ sanātanaḥ
das ist nicht ewiger Dharma (Nom.Sg.)
na avṛttam anukāryam vai
Unsittliches ist nicht nachzuahmen (Gerundiv)
mā chalena anṛtam kṛthāḥ
mache nicht durch Trug das Unwahre (Instr./Akk./Inj.2.Sg.)

avṛttam: als „Unsittliches, schlechtes Verhalten“ gedeutet.

viśvāmitra uvāca; na pātakaṃ nāvamatam ṛṣiḥ san kartum arhasi; samau ca śvamṛgau manye tasmād bhakṣyā śvajāghanī

Viśvāmitra sprach: „Weder Sünde noch Missachtetes darfst du als Seher tun [?]. Hund und Wild halte ich für gleich; darum ist die Hundekeule essbar.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
na pātakam na avamatam
nicht Sünde, nicht Missachtetes (Akk.Sg.n.)
ṛṣiḥ san kartum arhasi
als Seher seiend darfst du tun (Part./Inf./2.Sg.)
samau ca śva-mṛgau manye
und Hund und Wild [als] gleich halte ich (Nom.Du./1.Sg.)
tasmāt bhakṣyā śvajāghanī
darum essbar [ist] die Hundekeule (Nom.Sg.f.)

na pātakaṃ nāvamatam ṛṣiḥ san kartum arhasi: grammatisch 2.Sg. („du darfst“) trotz Sprecher Viśvāmitra; Sinn unsicher.

śvapaca uvāca; yad brāhmaṇārthe kṛtam arthitena; tenarṣiṇā tac ca bhakṣyādhikāram; sa vai dharmo yatra na pāpam asti; sarvair upāyair hi sa rakṣitavyaḥ

Der Hundekocher sprach: „Was von einem Bittenden um eines Brāhmaṇa willen getan wurde, das gilt für jenen Seher auch als Berechtigung zum Essen [?]. Das ist Dharma, wo keine Sünde ist; mit allen Mitteln ist er zu bewahren.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
yat brāhmaṇa-arthe kṛtam arthitena
was um eines Brāhmaṇa willen getan wurde von einem Bittenden (Lok./Part./Instr.)
tena ṛṣiṇā tat ca
von/für jenen Seher, und das (Instr.)
bhakṣya-adhikāram
Berechtigung zum Essen (Akk./Nom.)
saḥ vai dharmaḥ yatra na pāpam asti
das ist Dharma, wo keine Sünde ist
sarvaiḥ upāyaiḥ hi saḥ rakṣitavyaḥ
mit allen Mitteln ja ist er zu bewahren (Instr.Pl./Gerundiv)

Erste Zeile syntaktisch schwierig; Wiedergabe unsicher.

viśvāmitra uvāca; mitraṃ ca me brāhmaṇaś cāyam ātmā; priyaś ca me pūjyatamaś ca loke; taṃ bhartukāmo 'ham imāṃ hariṣye; nṛśaṃsānām īdṛśānāṃ na bibhye

Viśvāmitra sprach: „Und dieser Brāhmaṇa ist mein Freund und mein eigenes Selbst, mir lieb und der Verehrungswürdigste in der Welt. Da ich ihn erhalten will, werde ich dies nehmen; vor Grausamen wie dir fürchte ich mich nicht.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
mitram ca me brāhmaṇaḥ ca ayam ātmā
Freund und mir [ist] der Brāhmaṇa, und dieser [mein] Selbst (Nom.Sg.)
priyaḥ ca me pūjyatamaḥ ca loke
lieb mir und der Verehrungswürdigste in der Welt (Superl./Lok.)
tam bhartu-kāmaḥ aham imām hariṣye
ihn zu erhalten wünschend werde ich diese nehmen (Nom./1.Sg.Fut.)
nṛśaṃsānām īdṛśānām na bibhye
vor Grausamen solchen [Art] fürchte ich nicht (Gen.Pl./1.Sg.Präs.)

śvapaca uvāca; kāmaṃ narā jīvitaṃ saṃtyajanti; na cābhakṣyaiḥ pratikurvanti tatra; sarvān kāmān prāpnuvantīha vidvan; priyasva kāmaṃ sahitaḥ kṣudhā vai

Der Hundekocher sprach: „Nach Belieben mögen Menschen das Leben aufgeben, doch gleichen sie [den Hunger] nicht mit Unessbarem aus. Alle Wünsche erlangen sie hier, o Wissender; so stirb [?] nach Belieben, vereint mit dem Hunger.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
kāmam narāḥ jīvitam saṃtyajanti
nach Belieben geben Menschen das Leben auf (3.Pl.Präs.)
na ca abhakṣyaiḥ pratikurvanti tatra
und sie gleichen nicht mit Unessbarem aus dabei (Instr.Pl./3.Pl.)
sarvān kāmān prāpnuvanti iha vidvan
alle Wünsche erlangen sie hier, o Wissender (Vok.)
priyasva [mriyasva?] kāmam sahitaḥ kṣudhā vai
stirb nach Belieben, vereint mit Hunger (Imp.Med.2.Sg.?/Instr.)

priyasva: überliefert; vermutlich mriyasva („stirb“) zu lesen; Wiedergabe unsicher.

viśvāmitra uvāca; sthāne tāvat saṃśayaḥ pretyabhāve; niḥsaṃśayaṃ karmaṇāṃ vā vināśaḥ; ahaṃ punar varta ity āśayātmā; mūlaṃ rakṣan bhakṣayiṣyāmy abhakṣyam

Viśvāmitra sprach: „Berechtigt ist zunächst der Zweifel am Dasein nach dem Tode, oder aber ohne Zweifel die Vernichtung der Taten. Ich hingegen, [mit dem Gedanken:] ‚Ich bestehe [noch]‘ gesinnt, werde, die Wurzel [des Lebens] schützend, Unessbares essen.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
sthāne tāvat saṃśayaḥ pretyabhāve
berechtigt zunächst [ist] Zweifel am Dasein nach dem Tod (Nom./Lok.)
niḥsaṃśayam karmaṇām vā vināśaḥ
zweifellos oder Untergang der Taten (Gen.Pl./Nom.)
aham punar vartaḥ iti āśaya-ātmā
ich aber, „ich bestehe“ so gesinnt (Nom.)
mūlam rakṣan
die Wurzel schützend (Part.Präs.)
bhakṣayiṣyāmi abhakṣyam
werde essen Unessbares (1.Sg.Fut.)

* * mūlartuṃlastrittipuṇyaṃ (sic); mohātmake yatra yathā svabhakṣe

[…] [Text verderbt] […]; beim Verblendeten, wo wie bei der eigenen Speise [?].

Wort für Wort
mūla-ṛtuṃ-la-stritti-puṇyam (sic)
verderbt, unübersetzbar
mohātmake
beim Verblendeten (Lok.Sg.)
yatra yathā
wo, wie
sva-bhakṣe
in der eigenen Speise (Lok.Sg.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile stark verderbt (sic in der Ausgabe: mūlartuṃlastrittipuṇyaṃ); Wiedergabe nur tastend.

buddhyātmake vyastam astīti tuṣṭo; mohād ekatvaṃ yathā carma cakṣuḥ

Im Verstandeswesen [ist] das Getrennte, „es ist [da]“ – so zufrieden; aus Verblendung [nimmt man] Einheit an, wie [bei] Haut und Auge [?].

Wort für Wort
buddhi-ātmake vyastam asti iti
im Verstandeswesen [ist] Getrenntes da, so (Lok./Part.)
tuṣṭaḥ
zufrieden (Nom.Sg.)
mohāt ekatvam
aus Verblendung Einheit (Abl./Akk.)
yathā carma cakṣuḥ
wie Haut [und] Auge (Nom.Sg.)

Verse 85–87 (zwei davon Zusatzpassagen) sind textlich unsicher; Sinn: Erkenntnisvermögen und Sinnesorgan unterscheiden sich; Wiedergabe unsicher.

yathā cakṣuḥ śabdatattvaṃ na budhyed; rūpaṃ paśyec cakṣur evaṃ tathaiva

Wie das Auge die Wahrheit des Klangs nicht erfasst, [sondern] das Auge nur Gestalt sieht, ebenso [verhält es sich hier].

Wort für Wort
yathā cakṣuḥ
wie das Auge (Nom.Sg.)
śabda-tattvam na budhyet
die Wahrheit des Klangs nicht erfasse (Opt.3.Sg.)
rūpam paśyet cakṣuḥ
Gestalt sieht das Auge (Opt.)
evam tathā eva
so, ebenso (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yady apy enaḥ saṃśayād ācarāmi; nāhaṃ bhaviṣyāmi yathā tvam eva

Auch wenn ich aus Zweifel Verfehlung begehe, werde ich doch nicht so werden wie du.“

Wort für Wort
yadi api enaḥ
auch wenn Verfehlung (Akk.Sg.)
saṃśayāt ācarāmi
aus Zweifel begehe ich (Abl./1.Sg.Präs.)
na aham bhaviṣyāmi
nicht werde ich sein (1.Sg.Fut.)
yathā tvam eva
wie du gerade (Nom.)

śvapaca uvāca; patanīyam idaṃ duḥkham iti me vartate matiḥ; duṣkṛtī brāhmaṇaṃ santaṃ yas tvām aham upālabhe

Der Hundekocher sprach: „‚Dies Leid führt zum Fall‘ – so ist meine Überzeugung, dass ich Übeltäter dich, den [doch] Guten, einen Brāhmaṇa, tadle.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
patanīyam idam duḥkham
zum Fall führend dies Leid (Nom.Sg.)
iti me vartate matiḥ
so besteht meine Ansicht (3.Sg.Präs./Nom.)
duṣkṛtī brāhmaṇam santam
[ich] Übeltäter, den Brāhmaṇa, den Guten (Nom./Akk.)
yaḥ tvām aham upālabhe
der ich dich tadle (Rel./Akk./1.Sg.Präs.Med.)

Text: yas tvām aham upālabhe; „santam“ als „seiend/gut“.

viśvāmitra uvāca; pibanty evodakaṃ gāvo maṇḍūkeṣu ruvatsv api; na te 'dhikāro dharme 'sti mā bhūr ātmapraśaṃsakaḥ

Viśvāmitra sprach: „Auch wenn in den Fröschen quakend, trinken die Kühe doch Wasser. Du hast keine Zuständigkeit im Dharma; sei kein Selbstlober.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
pibanti eva udakam gāvaḥ
trinken doch Wasser die Kühe (3.Pl.)
maṇḍūkeṣu ruvatsu api
auch während die Frösche quaken (Lok.abs.)
na te adhikāraḥ dharme asti
nicht hast du Zuständigkeit im Dharma (Nom./Lok.)
mā bhūḥ ātma-praśaṃsakaḥ
sei nicht ein Selbstlobender (Inj.2.Sg./Nom.)

„Frösche quaken, Kühe trinken doch“: Sprichwort – Geschwätz hält nicht ab.

śvapaca uvāca; suhṛd bhūtvānuśāsmi tvā kṛpā hi tvayi me dvija; tad evaṃ śreya ādhatsva mā lobhāc chvānam ādithāḥ

Der Hundekocher sprach: „Als Freund unterweise ich dich, denn Mitleid mit dir habe ich, o Zweimalgeborener. Nimm also dieses Bessere auf dich; iss nicht aus Gier den Hund.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
suhṛd bhūtvā anuśāsmi tvā
als Freund geworden unterweise ich dich (Abs./1.Sg.Präs.)
kṛpā hi tvayi me dvija
denn Mitleid mit dir [ist] mir, o Zweimalgeborener (Nom./Lok.)
tat evam śreyaḥ ādhatsva
darum nimm so das Bessere an (Imp.Med.2.Sg.)
mā lobhāt śvānam ādithāḥ
nicht aus Gier den Hund iss (Abl./Akk./Inj.2.Sg.)

viśvāmitra uvāca; suhṛn me tvaṃ sukhepsuś ced āpado māṃ samuddhara; jāne 'haṃ dharmato ''tmānaṃ śvānīm utsṛja jāghanīm

Viśvāmitra sprach: „Bist du mein Freund und wünschst mein Wohl, so zieh mich aus der Not heraus. Ich kenne mich selbst nach dem Dharma; lass die Hundekeule los [?].“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
suhṛt me tvam sukha-īpsuḥ cet
Freund mir [bist] du, Wohl wünschend, wenn (Nom.)
āpadaḥ mām samuddhara
aus der Not mich zieh heraus (Abl./Imp.2.Sg.)
jāne aham dharmataḥ ātmānam
ich kenne mich selbst gemäß dem Dharma (1.Sg./Adv./Akk.)
śvānīm utsṛja jāghanīm
die Hündin[nkeule] lass los (Akk./Imp.)

śvānīm … jāghanīm: wörtlich „Hündin, Keule“; Wiedergabe unsicher.

śvapaca uvāca; naivotsahe bhavate dātum etāṃ; nopekṣituṃ hriyamāṇaṃ svam annam; ubhau syāvaḥ svamalenāvaliptau; dātāhaṃ ca tvaṃ ca vipra pratīcchan

Der Hundekocher sprach: „Ich bringe es nicht über mich, dir diese zu geben, noch zuzusehen, wie meine Speise weggenommen wird. Beide wären wir mit eigenem Schmutz befleckt: ich als Geber und du, Weiser, als Empfänger.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
na eva utsahe bhavate dātum etām
nicht vermag ich, dir diese zu geben (1.Sg./Dat./Inf.)
na upekṣitum hriyamāṇam svam annam
noch zuzusehen, wie die eigene Speise geraubt wird (Inf./Part.Pass.)
ubhau syāvaḥ sva-malena avaliptau
beide wären wir mit eigenem Schmutz befleckt (Opt.Du./Instr.)
dātā aham ca tvam ca vipra pratīcchan
ich Geber und du, Weiser, Empfangender (Nom./Vok./Part.)

viśvāmitra uvāca; adyāham etad vṛjinaṃ karma kṛtvā; jīvaṃś cariṣyāmi mahāpavitram; prapūtātmā dharmam evābhipatsye; yad etayor guru tad vai bravīhi

Viśvāmitra sprach: „Heute, nachdem ich diese arge Tat getan, werde ich lebend [danach] höchste Reinigung üben; von Selbst geläutert, werde ich zum Dharma gelangen. Sage mir, was von beiden schwerer wiegt.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
adya aham etat vṛjinam karma kṛtvā
heute, diese üble Tat getan habend (Abs.)
jīvan cariṣyāmi mahā-pavitram
lebend werde ich üben das große Reinigende (Part./1.Sg.Fut.)
prapūta-ātmā dharmam eva abhipatsye
geläutert im Selbst werde ich zum Dharma gelangen (Fut.Med.)
yat etayoḥ guru tat vai bravīhi
was von beiden schwerer [ist], das sag (Gen.Du./Imp.2.Sg.)

śvapaca uvāca; ātmaiva sākṣī kila lokakṛtye; tvam eva jānāsi yad atra duṣṭam; yo hy ādriyed bhakṣyam iti śvamāṃsaṃ; manye na tasyāsti vivarjanīyam

Der Hundekocher sprach: „Das Selbst ist ja Zeuge in weltlichen Dingen; du selbst weißt, was hier verwerflich ist. Wer Hundefleisch als essbar achtet – für den, meine ich, gibt es nichts zu meiden.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
ātmā eva sākṣī kila loka-kṛtye
das Selbst ist Zeuge, wie es heißt, in weltlichem Tun (Nom./Lok.)
tvam eva jānāsi yat atra duṣṭam
du selbst weißt, was hier verwerflich ist
yaḥ hi ādriyet bhakṣyam iti śva-māṃsam
wer nämlich Hundefleisch als essbar achtete (Opt.3.Sg.)
manye na tasya asti vivarjanīyam
ich meine, für ihn gibt es nichts zu Meidendes (Gerundiv)

viśvāmitra uvāca; upādāne khādane vāsya doṣaḥ; kāryo nyāyair nityam atrāpavādaḥ; yasmin na hiṃsā nānṛte vākyaleśo; bhakṣyakriyā tatra na tad garīyaḥ

Viśvāmitra sprach: „Beim Annehmen oder beim Essen davon ist ein Makel; stets ist hier nach den Regeln Tadel auszusprechen [?]. Wo keine Gewalt, keine Unwahrheit, nicht ein Rest von [unwahrer] Rede ist, dort wiegt der Akt des Essens nicht schwerer.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
upādāne khādane vā asya doṣaḥ
beim Annehmen oder Essen [ist] dessen Makel (Lok./Nom.)
kāryaḥ nyāyaiḥ nityam atra apavādaḥ
zu machen [ist] nach Regeln stets hier Tadel [?] (Gerundiv/Instr.)
yasmin na hiṃsā na anṛte vāk-yaleśaḥ
wo nicht Gewalt, nicht Unwahres, ein Rest von Rede (Lok.)
bhakṣya-kriyā tatra na tat garīyaḥ
die Tat des Essens dort [ist] nicht schwerer als das (Komp.)

Erste Hälfte unsicher.

śvapaca uvāca; yady eṣa hetus tava khādanasya; na te vedaḥ kāraṇaṃ nānyadharmaḥ; tasmād abhakṣye bhakṣaṇād vā dvijendra; doṣaṃ na paśyāmi yathedam āttha

Der Hundekocher sprach: „Wenn dies dein Grund zum Essen ist, so ist dir weder der Veda Maßstab noch ein anderer Dharma. Darum sehe ich, Herr der Zweimalgeborenen, keinen Makel im Essen von Unessbarem, so wie du es hier darlegst [?].“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
yadi eṣaḥ hetuḥ tava khādanasya
wenn dies der Grund für dein Essen [ist] (Nom./Gen.)
na te vedaḥ kāraṇam na anya-dharmaḥ
dir [ist] weder Veda Maßstab noch ein anderer Dharma
tasmāt abhakṣye bhakṣaṇāt vā dvija-indra
darum im Unessbaren / vom Essen, o Herr der Zweimalgeborenen (Abl./Vok.)
doṣam na paśyāmi yathā idam āttha
Makel sehe ich nicht, wie du dies sagst (1.Sg./2.Sg.Perf.)

viśvāmitra uvāca; na pātakaṃ bhakṣaṇam asya dṛṣṭaṃ; surāṃ pītvā patatītīha śabdaḥ; anyonyakarmāṇi tathā tathaiva; na leśamātreṇa kṛtyaṃ hinasti

Viśvāmitra sprach: „Im Essen davon ist keine Sünde zu sehen; ‚wer Branntwein trinkt, fällt‘ – das ist hier nur ein Wort. Ebenso [sind] Taten voneinander [verschieden]; eine Winzigkeit tut dem Werk keinen Schaden.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
na pātakam bhakṣaṇam asya dṛṣṭam
keine Sünde ist im Essen davon gesehen (Part.Pass.)
surām pītvā patati iti iha śabdaḥ
„Branntwein getrunken habend fällt“, so [ist] hier ein Wort
anyonya-karmāṇi tathā tathā eva
Taten gegenseitig ebenso, gerade so (Nom.Pl.)
na leśa-mātreṇa kṛtyam hinasti
nicht durch eine Winzigkeit schadet [er] dem Werk (Instr./3.Sg.)

śvapaca uvāca; asthānato hīnataḥ kutsitād vā; taṃ vidvāṃsaṃ bādhate sādhuvṛttam; sthānaṃ punar yo labhate niṣaṅgāt; tenāpi daṇḍaḥ sahitavya eva

Der Hundekocher sprach: „Aus schlechter, niedriger oder verachteter Stellung bedrängt es den Wissenden von gutem Wandel; wer aber wieder aus Anhaftung [eine] Stellung erlangt, von dem ist doch Strafe zu ertragen.“

Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
asthānataḥ hīnataḥ kutsitāt vā
aus schlechter, niedriger oder verachteter [Lage] (Abl.)
tam vidvāṃsam bādhate sādhu-vṛttam
ihn, den Wissenden von gutem Wandel, bedrängt es (Akk./3.Sg.) [?]
sthānam punaḥ yaḥ labhate niṣaṅgāt
wer wieder Stellung erlangt aus Anhaftung (Abl.)
tena api daṇḍaḥ sahitavyaḥ eva
von dem ist auch Strafe zu ertragen (Instr./Gerundiv)

Sehr dunkel; Wiedergabe unsicher [?].

bhīṣma uvāca; evam uktvā nivavṛte mātaṅgaḥ kauśikaṃ tadā; viśvāmitro jahāraiva kṛtabuddhiḥ śvajāghanīm

Bhīṣma sprach: „Nachdem er so gesprochen hatte, wandte sich der Mātaṅga da von Kauśika ab; Viśvāmitra aber nahm mit gefasstem Entschluss die Hundekeule doch mit.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
evam uktvā nivavṛte
so gesprochen habend wandte er sich ab (Abs./Perf.)
mātaṅgaḥ kauśikam tadā
der Mātaṅga von Kauśika da (Nom./Akk.)
viśvāmitraḥ jahāra eva
Viśvāmitra nahm doch fort (Perf.)
kṛta-buddhiḥ śvajāghanīm
mit gefasstem Entschluss die Hundekeule (Nom./Akk.)

tato jagrāha pañcāṅgīṃ jīvitārthī mahāmuniḥ; sadāras tām upākṛtya vane yāto mahāmuniḥ

Da ergriff der große Muni, um sein Leben besorgt, die Fünfgliedrige; nachdem er sie mit seiner Frau herbeigeschafft hatte, zog der große Muni in den Wald.

Wort für Wort
tataḥ jagrāha pañcāṅgīm
da ergriff er die Fünfgliedrige (Perf./Akk.)
jīvita-arthī mahā-muniḥ
um Leben bemüht, der große Muni (Nom.)
sa-dāraḥ tām upākṛtya
mit Gattin, sie herbeigeschafft habend (Abs.)
vane yātaḥ mahā-muniḥ
in den Wald gegangen, der große Muni (Lok./Part.)

pañcāṅgī: „die Fünfgliedrige“ – hier als die Hundekeule/-teile gedeutet [?]; upākṛtya: „hergerichtet/herbeigebracht“.

tathāsya buddhir abhavad vidhināhaṃ śvajāghanīm; bhakṣayāmi yathākāmaṃ pūrvaṃ saṃtarpya devatāḥ; tato 'gnim upasaṃhṛtya brāhmeṇa vidhinā muniḥ; aindrāgneyena vidhinā caruṃ śrapayata svayam; tataḥ samārabhat karma daivaṃ pitryaṃ ca bhārata; āhūya devān indrādīn bhāgaṃ bhāgaṃ vidhikramāt

So kam ihm der Gedanke: „Nach der Vorschrift will ich die Hundekeule nach Belieben essen, nachdem ich zuvor die Götter gesättigt habe.“ Dann, das Feuer heranbringend, ließ der Muni nach brahmanischer Vorschrift, nach indrāgnischem Ritus, selbst einen Opferbrei kochen [?]. Sodann begann er, Bhārata, das Götter- und Ahnenwerk, indem er Indra und die [anderen] Götter herbeirief, Anteil um Anteil in der Ordnung des Ritus.

Wort für Wort
tathā asya buddhiḥ abhavat
so wurde ihm der Gedanke (Impf.)
vidhinā aham śvajāghanīm bhakṣayāmi yathākāmam
nach Vorschrift esse ich die Hundekeule nach Belieben (1.Sg.Präs.)
pūrvam saṃtarpya devatāḥ
zuvor die Götter gesättigt habend (Abs.)
tataḥ agnim upasaṃhṛtya brāhmeṇa vidhinā muniḥ
dann das Feuer heranführend nach brahmanischer Vorschrift der Muni
aindra-āgneyena vidhinā carum śrapayata svayam
nach indrāgnischem Ritus Opferbrei kochen ließ er selbst (Impf.)
tataḥ samārabhat karma daivam pitryam ca bhārata
dann begann er das Götter- und Ahnenwerk, o Bhārata (Impf./Vok.)
āhūya devān indra-ādīn bhāgam bhāgam vidhi-kramāt
die Götter mit Indra an der Spitze herbeirufend, Anteil um Anteil nach Ritusfolge (Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). śrapayata: vermutlich Impf. śrapayat („ließ kochen“); Zusatzpassage.

etasminn eva kāle tu pravavarṣātha vāsavaḥ; saṃjīvayan prajāḥ sarvā janayām āsa cauṣadhīḥ

Genau zu dieser Zeit ließ Vāsava regnen; er belebte alle Geschöpfe und brachte die Pflanzen hervor.

Wort für Wort
etasmin eva kāle tu
gerade zu dieser Zeit (Lok.)
pravavarṣa atha vāsavaḥ
regnete da Vāsava (Perf.)
saṃjīvayan prajāḥ sarvāḥ
belebend alle Geschöpfe (Part./Akk.Pl.)
janayām āsa ca oṣadhīḥ
und brachte Pflanzen hervor (Perf.periphr.)

viśvāmitro 'pi bhagavāṃs tapasā dagdhakilbiṣaḥ; kālena mahatā siddhim avāpa paramādbhutām

Auch der ehrwürdige Viśvāmitra, dessen Schuld durch Askese verbrannt war, erlangte nach langer Zeit die höchst wunderbare Vollendung.

Wort für Wort
viśvāmitraḥ api bhagavān
auch der ehrwürdige Viśvāmitra (Nom.)
tapasā dagdha-kilbiṣaḥ
durch Askese, dessen Schuld verbrannt (Instr./Bahuvrīhi)
kālena mahatā
nach großer Zeit (Instr.)
siddhim avāpa parama-adbhutām
erlangte die höchst wunderbare Vollendung (Perf./Akk.)

sa saṃhṛtya ca tat karma anāsvādya ca tad dhaviḥ; toṣayām āsa devāṃś ca pitṝṃś ca dvijasattamaḥ

Er nahm jenes Werk zurück, ohne jene Opfergabe gekostet zu haben, und stellte die Götter und die Ahnen zufrieden, der Beste der Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
saḥ saṃhṛtya ca tat karma
und er, jenes Werk zurückgezogen habend (Abs.)
anāsvādya ca tat haviḥ
und ohne jene Opfergabe gekostet zu haben (Abs.)
toṣayām āsa devān ca pitṝn ca
stellte zufrieden die Götter und die Ahnen (Perf.periphr.)
dvija-sattamaḥ
der Beste der Zweimalgeborenen (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

evaṃ vidvān adīnātmā vyasanastho jijīviṣuḥ; sarvopāyair upāyajño dīnam ātmānam uddharet

So soll der Wissende, nicht mutlos im Geist, in Not lebenwollend, der Mittelkundige, sich, den Niedergeschlagenen, mit allen Mitteln herausziehen.

Wort für Wort
evam vidvān adīna-ātmā
so der Wissende, nicht kleinmütig (Nom.)
vyasana-sthaḥ jijīviṣuḥ
in Unglück stehend, leben wollend (Nom.)
sarva-upāyaiḥ upāya-jñaḥ
mit allen Mitteln, der Mittelkundige (Instr.Pl./Nom.)
dīnam ātmānam uddharet
den niedergeschlagenen Selbst[=sich] ziehe heraus (Akk./Opt.3.Sg.)

etāṃ buddhiṃ samāsthāya jīvitavyaṃ sadā bhavet; jīvan puṇyam avāpnoti naro bhadrāṇi paśyati

Wer diese Einsicht zugrunde legt, soll stets [am] Leben bleiben; lebend erlangt der Mensch Verdienst und sieht Glückliches.

Wort für Wort
etām buddhim samāsthāya
diese Einsicht zugrunde legend (Abs.)
jīvitavyam sadā bhavet
zu leben soll man stets (Gerundiv/Opt.)
jīvan puṇyam avāpnoti
lebend erlangt er Verdienst (Part./3.Sg.Präs.)
naraḥ bhadrāṇi paśyati
der Mensch sieht Glückliches (Akk.Pl.)

tasmāt kaunteya viduṣā dharmādharmaviniścaye; buddhim āsthāya loke 'smin vartitavyaṃ yatātmanā

Darum, Sohn der Kuntī, soll der Kundige in dieser Welt bei der Entscheidung über Dharma und Adharma den Verstand zugrunde legen und, selbstbeherrscht, [danach] handeln.

Wort für Wort
tasmāt kaunteya viduṣā
darum, Kuntīsohn, vom Kundigen (Vok./Instr.)
dharma-adharma-viniścaye
bei der Entscheidung über Dharma und Adharma (Lok.)
buddhim āsthāya
den Verstand zugrunde legend (Abs.)
loke asmin vartitavyam yata-ātmanā
in dieser Welt ist zu handeln vom Selbstbeherrschten (Lok./Gerundiv/Instr.)

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