Kapitel 139: viśvāmitracaṇḍālasaṃvādārambhaḥ
Notzeit: Viśvāmitra und der Caṇḍāla in der Hungersnot
Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie man in der Zeit des Niedergangs leben solle, erzählt Bhīṣma die alte Geschichte von Viśvāmitra, der in einer zwölfjährigen Dürre beim Hundekoch-Volk Nahrung sucht, und ihrem Streitgespräch über Dharma in der Not.
Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn das höchste Dharma gemindert ist, das alle Welten überragt, wenn Adharma zu Dharma geworden und Dharma zu Adharma geworden ist,
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
hīne paramake dharme
wenn das höchste Dharma gemindert ist (Lok. abs.)
sarvalokātilaṅghini
das alle Welten überschreitet (Lok.Sg.m., Kompositum)
adharme dharmatāṃ nīte
wenn Adharma zur Dharma-Natur geführt ist (Lok. abs., Part.Pass.)
dharme ca adharmatāṃ gate
und wenn Dharma zur Adharma-Natur gelangt ist (Lok. abs.)
wenn die Schranken zerbrochen sind, die Bestimmung des Dharma erschüttert ist, wenn die Welt von Königen bedrängt wird oder auch von Dieben, Herr der Menschen,
Wort für Wort
maryādāsu prabhinnāsu
wenn die Grenzen/Schranken zerbrochen sind (Lok.Pl.f., abs.)
kṣubhite dharmaniścaye
wenn die Gewissheit über das Dharma erschüttert ist (Lok. abs.)
rājabhiḥ pīḍite loke
wenn die Welt von Königen bedrängt wird (Instr.Pl./Lok. abs.)
bhīṣma uvāca; rājamūlā mahārāja yogakṣemasuvṛṣṭayaḥ; prajāsu vyādhayaś caiva maraṇaṃ ca bhayāni ca
Bhīṣma sprach: „Den König zur Wurzel haben, großer König, Wohlstand und Sicherheit und guter Regen, ebenso Krankheiten unter den Geschöpfen, Tod und Gefahren.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
rājamūlā mahārāja
den König zur Wurzel habend, großer König (Nom.Pl.m./Vok.)
yogakṣemasuvṛṣṭayaḥ
Erwerb und Bewahrung [des Besitzes] und guter Regen (Nom.Pl.)
prajāsu vyādhayaḥ ca eva
und Krankheiten unter den Geschöpfen (Lok.Pl.; Nom.Pl.)
nāvaśyāyo 'pi rātryante kuta evābhrarājayaḥ; nadyaḥ saṃkṣiptatoyaughāḥ kva cid antargatābhavan
Nicht einmal Tau [fiel] am Ende der Nacht, wie erst Wolkenreihen; die Flüsse mit geschrumpften Wasserfluten waren stellenweise nach innen [in ihr Bett] zurückgewichen.
Wort für Wort
na avaśyāyaḥ api rātryante
nicht einmal Tau am Ende der Nacht (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
kutaḥ eva abhrarājayaḥ
wie erst Wolkenreihen (Adv.; Nom.Pl.)
nadyaḥ saṃkṣiptatoyaughāḥ
die Flüsse mit zusammengezogenen Wasserfluten (Nom.Pl.f.)
kva cit antargatā abhavan
stellenweise ins Innere gegangen waren (Nom.Pl.f.; Impf.3.Pl.)
[Die Erde war] mit fast ausgetrockneten Wasserstellen, ohne Versammlungshallen und Tränken, ohne Opfer und Vedastudium, ohne Vaṣaṭ-Ruf und Segensriten,
Wort für Wort
upaśuṣkajalasthāyā
mit ausgetrockneten Wasserstellen (Nom.Sg.f., zu vasudhā V. 23)
vinivṛttasabhāprapā
mit aufgehörten Versammlungshallen und Trinkhütten (Nom.Sg.f.)
nivṛttayajñasvādhyāyā
mit eingestellten Opfern und Vedarezitation (Nom.Sg.f.)
nirvaṣaṭkāramaṅgalā
ohne Vaṣaṭ-Ruf und Segensriten (Nom.Sg.f.)
V. 18-23: Reihe von Adjektiven zu vasudhā (V. 23); Verbindung mit upaśuṣkajalasthāyā leicht unsicher [?].
mit zerstörtem Ackerbau und Rinderhut, mit eingestelltem Handel in Läden und Märkten, mit aufgegebenen Gemeinschaftsabmachungen, mit gänzlich verschwundenen großen Festen,
Wort für Wort
utsannakṛṣigorakṣyā
mit vernichtetem Ackerbau und Rinderschutz (Nom.Sg.f.)
nivṛttavipaṇāpaṇā
mit aufgehörtem Handel in Läden und Märkten (Nom.Sg.f.)
übersät mit Knochen und Skeletten, erfüllt von Menschen im Wehgeschrei „Ach, ach“, mit größtenteils leeren Städten, mit verbrannten Dörfern und Niederlassungen,
Wort für Wort
asthikaṅkālasaṃkīrṇā
mit Knochen und Skeletten übersät (Nom.Sg.f.)
hāhābhūtajanākulā
voll von Leuten, die „Weh, weh“ riefen (Nom.Sg.f.)
śūnyabhūyiṣṭhanagarā
mit meist leeren Städten (Nom.Sg.f.)
dagdhagrāmaniveśanā
mit verbrannten Dörfern und Siedlungen (Nom.Sg.f.)
mit erschlagenen Brahmanen, ohne Schutz, mit verlorenen Heilkräutervorräten, großenteils von fahlgrauen Menschen [bevölkert] – so wurde damals die Erde.
Wort für Wort
hataviprā hatārakṣā
mit erschlagenen Brahmanen, ohne Schutz (Nom.Sg.f.)
pranaṣṭauṣadhisaṃcayā
mit verlorenen Kräutervorräten (Nom.Sg.f.)
śyāvabhūtanaraprāyā
großenteils mit fahl-dunkel gewordenen Menschen (Nom.Sg.f.)
tyaktvā dārāṃś ca putrāṃś ca kasmiṃś cij janasaṃsadi; bhakṣyābhakṣyasamo bhūtvā niragnir aniketanaḥ
Frau und Söhne verlassend, in irgendeiner Menschenversammlung, gegenüber Essbarem und Nichtessbarem gleichgültig geworden, ohne Feuer, ohne Haus,
Wort für Wort
tyaktvā dārān ca putrān ca
Frauen und Söhne verlassen habend (Abs.; Akk.Pl.)
kasmiṃś cit janasaṃsadi
in irgendeiner Menschenversammlung (Lok.Sg.)
bhakṣyābhakṣyasamaḥ bhūtvā
gegenüber Essbarem und Nichtessbarem gleich geworden (Nom.Sg.; Abs.)
niragniḥ aniketanaḥ
ohne Feuer, ohne Haus (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; dārān (Pl.) = „die Ehefrau/Frauen“.
kukkuṭārāvabahulaṃ gardabhadhvanināditam; tad yoṣidbhiḥ kharair vākyaiḥ kalahadbhiḥ parasparam
voll vom Krähen der Hähne, vom Schreien der Esel erfüllt, [und] von Frauen, die einander mit harten Worten zankten.
Wort für Wort
kukkuṭārāvabahulam
reich an Hahnenkrähen (Sg.n.)
gardabhadhvanināditam
vom Eselsgeschrei erfüllt (Sg.n.)
tad yoṣidbhiḥ
jenes [Dorf] von Frauen (Instr.Pl.)
kharair vākyaiḥ kalahadbhiḥ parasparam
die mit harten Worten einander zankten (Instr.Pl.; Part.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Konstruktion (Instr. yoṣidbhiḥ ohne Verb) ist elliptisch, der Satz wirkt unvollständig [?].
sa dadarśa śvamāṃsasya kutantīṃ vitatāṃ muniḥ; caṇḍālasya gṛhe rājan sadyaḥ śastrahatasya ca
Der Weise sah im Haus eines Caṇḍāla, o König, eine ausgebreitete Kutantī [?] von Hundefleisch, [von einem Hund], der eben erst durch eine Waffe erschlagen worden war.
Wort für Wort
sa dadarśa
er sah (3.Sg.Perf.)
śvamāṃsasya kutantīṃ vitatām
die ausgebreitete Kutantī [?] von Hundefleisch (Gen.Sg./Akk.Sg.f./Part.)
muniḥ
der Weise (Nom.Sg.)
caṇḍālasya gṛhe rājan
im Haus des Caṇḍāla, o König (Gen./Lok.Sg./Vok.)
sadyaḥ śastrahatasya ca
eben erst durch eine Waffe erschlagen (Adv./Gen.Sg.)
kutantī: Bedeutung unsicher (Gestell, Behälter oder Fleischstück); hier offen gelassen.
In Notlagen ist Diebstahl vorgesehen – [aus dem Besitz von] Höherem, Gleichem, Niedrigerem; das jeweils Spätere soll dem Früheren [vorgehen], [vor] dem Nicht-Stehlen: so lautet die Entscheidung [?].
Wort für Wort
āpatsu vihitaṃ steyam
in Notlagen vorgeschrieben ist Diebstahl (Lok.Pl./Part.Nom.Sg.n.)
viśiṣṭasamahīnataḥ
von Höherem, Gleichem, Niedrigerem her (Abl.-Adv., Dvandva)
param param bhavet pūrvam
das jeweils Spätere möge dem Früheren [vorangehen] (Nom.Sg./3.Sg.Opt./Nom.Sg.)
asteyam iti niścayaḥ
[vor] dem Nicht-Stehlen, so die Entscheidung (Nom.Sg./Nom.Sg.)
Syntax des zweiten Halbverses unsicher; Auslegung aus v. 40 (erst vom Niedrigen, dann vom Gleichen, zuletzt vom Höheren nehmen).
so 'ham antāvasānānāṃ haramāṇaḥ parigrahāt; na steyadoṣaṃ paśyāmi hariṣyāmy etad āmiṣam
Ich, der ich von der Habe der am Ende Stehenden [d. h. der Untersten] nehme, sehe darin keinen Fehler des Diebstahls; ich werde dieses Fleisch stehlen.
Wort für Wort
so 'ham antāvasānānām
ich also, von den am Ende Stehenden (Nom./Gen.Pl.)
haramāṇaḥ parigrahāt
nehmend aus dem Besitz (Part.Präs.Nom.Sg./Abl.Sg.)
na steyadoṣaṃ paśyāmi
ich sehe keinen Diebstahlsfehler (1.Sg.Präs./Akk.Sg.)
hariṣyāmi etad āmiṣam
ich werde nehmen dieses Fleisch (1.Sg.Fut./Akk.Sg.n.)
Nachdem er diesen Entschluss gefasst hatte, o Bhārata, legte sich der große Weise Viśvāmitra an eben dem Ort zum Schlafen nieder, wo er hingefallen war.
Wort für Wort
etāṃ buddhiṃ samāsthāya
diesen Entschluss fassend (Akk.Sg./Abs.)
viśvāmitro mahāmuniḥ
Viśvāmitra, der große Weise (Nom.Sg.)
tasmin deśe prasuṣvāpa
an jenem Ort schlief er ein (Lok./3.Sg.Perf.)
patito yatra bhārata
wo er gefallen war, o Bhārata (Part.Nom.Sg./Adv./Vok.)
„Umherwandernd finde ich keine Bettelspeise; da ich nun in eurem Haus bin, ist im Sinn der Entschluss zum Bösen gefasst: Ich werde die Hundekeule stehlen.“
Wort für Wort
aṭan bhaikṣaṃ na vindāmi
umherziehend finde ich keine Bettelspeise (Part.Präs./Akk./1.Sg.)
yadā yuṣmākam ālaye
als/da [ich] in eurem Haus [bin] (Adv./Gen.Pl./Lok.Sg.)
tadā buddhiḥ kṛtā pāpe
da ist der Entschluss gefasst zum Bösen (Nom.Sg.f./Part./Lok.)
hariṣyāmi śvajāghanīm
ich werde die Hundekeule nehmen (1.Sg.Fut.)
yadā … tadā: Bezug des Nebensatzes locker; Wiedergabe sinngemäß.
agnir mukhaṃ purodhāś ca devānāṃ śucipād vibhuḥ; yathā sa sarvabhug brahmā tathā māṃ viddhi dharmataḥ
„Agni ist der Mund und der Vorangestellte [Hauspriester] der Götter, der Allmächtige mit reinem Fuß [?]; wie er, so ist auch der Brahmane Allesesser; als solchen erkenne mich nach dem Dharma.“
Wort für Wort
agnir mukhaṃ purodhāś ca devānām
Agni ist der Mund und Purohita der Götter (Nom./Nom./Gen.Pl.)
śucipād vibhuḥ
reinfüßig [?], allmächtig (Nom.Sg.)
yathā sa sarvabhug brahmā
wie er, Allesesser, [so] der Brahmane/Brahman (Nom.Sg.)
tathā māṃ viddhi dharmataḥ
so erkenne mich nach dem Dharma (Imp.2.Sg./Abl.-Adv.)
śucipād und brahmā unsicher: brahmā könnte Brahman/Brahmane oder Brahmā bezeichnen.
jānato 'vihito mārgo na kāryo dharmasaṃkaraḥ; mā sma dharmaṃ parityākṣīs tvaṃ hi dharmavid uttamaḥ
„Wer es weiß, soll nicht einen nicht vorgeschriebenen Weg gehen, keine Vermischung der Pflichten [herbeiführen]; gib den Dharma nicht auf, denn du bist der beste Kenner des Dharma.“
Wort für Wort
jānataḥ avihitaḥ mārgaḥ
für den Wissenden [ist] ein nicht vorgeschriebener Weg (Gen./Nom.Sg.)
na kāryaḥ dharmasaṃkaraḥ
nicht zu machen [ist] Vermischung der Pflichten (Gerundiv/Nom.Sg.)
mā sma dharmaṃ parityākṣīḥ
gib den Dharma nicht auf (Prohibitiv Aor.2.Sg.)
tvaṃ hi dharmavid uttamaḥ
denn du [bist] der beste Dharma-Kenner (Nom./Nom.Sg.)
„Durch jede beliebige, auch besondere Handlung, wie auch immer, soll der Bedrängte sich am Leben erhalten; ist er [wieder] fähig, soll er den Dharma üben.“
Wort für Wort
yena tena viśeṣeṇa karmaṇā
durch jedes beliebige, besondere Werk (Instr.)
yena kena cit
auf irgendeine Weise (Instr.)
abhyujjīvet sīdamānaḥ
soll sich am Leben erhalten der Bedrängte (3.Sg.Opt./Part.Präs.)
samarthaḥ dharmam ācaret
fähig, soll den Dharma üben (Nom.Sg./Akk./3.Sg.Opt.)
„Der Dharma der Kṣatriyas ist der des Indra, der der Brahmanen aber der des Agni; die Flamme des Brahman ist meine Kraft; ich werde, vom Hunger [getrieben], die Satzung [?] verzehren.“
Wort für Wort
aindro dharmaḥ kṣatriyāṇām
indrisch ist der Dharma der Kṣatriyas (Nom.Sg./Gen.Pl.)
brāhmaṇānām atha āgnikaḥ
der Brahmanen aber agnisch (Gen.Pl./Nom.Sg.)
brahmavahnir mama balam
Brahman-Feuer ist meine Kraft (Nom./Gen./Nom.)
bhakṣyāmi samayaṃ kṣudhā
ich werde essen/verzehren die Satzung [?], durch Hunger (1.Sg.Fut./Akk./Instr.)
samayam unsicher (Satzung/Übereinkunft oder Adverb „für die Zeit“).
śvapaca uvāca; naitat khādan prāpsyase prāṇam anyaṃ; nāyur dīrghaṃ nāmṛtasyeva tṛptim; bhikṣām anyāṃ bhikṣa mā te mano 'stu; śvabhakṣaṇe śvā hy abhakṣo dvijānām
Der Śvapaca sprach: „Hiervon essend wirst du kein [anderes] Leben erlangen, kein langes Leben, keine Sättigung wie durch Unsterblichkeit; erbitte andere Bettelspeise; dein Sinn stehe nicht danach. Denn beim Hundeessen ist der Hund für Zweimalgeborene unessbar.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Śvapaca sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
na etat khādan prāpsyase prāṇam anyam
dies essend wirst du nicht anderes Leben erlangen (Part./2.Sg.Fut.Med.)
na āyur dīrghaṃ na amṛtasya iva tṛptim
weder langes Leben noch Sättigung gleichsam des Unsterblichen (Akk./Gen.)
bhikṣām anyāṃ bhikṣa
andere Bettelspeise erbitte (Akk./Imp.2.Sg.)
mā te manaḥ astu
dein Sinn sei nicht [darauf] (Prohibitiv/Nom./3.Sg.Imp.)
śvabhakṣaṇe śvā hi abhakṣaḥ dvijānām
beim Hundeessen: der Hund ist unessbar für die Zweimalgeborenen (Lok./Nom./Gen.Pl.)
Der dritte Pāda ist syntaktisch knapp; mano 'stu mit Ergänzung „[darauf]“ wiedergegeben.
viśvāmitra uvāca; na durbhikṣe sulabhaṃ māṃsam anyac; chvapāka nānnaṃ na ca me 'sti vittam; kṣudhārtaś cāham agatir nirāśaḥ; śvamāṃse cāsmin ṣaḍrasān sādhu manye
Viśvāmitra sprach: „In der Hungersnot ist anderes Fleisch nicht leicht zu haben, Śvapāka; weder Speise noch Besitz habe ich; hungergequält bin ich ohne Ausweg und ohne Hoffnung; und an diesem Hundefleisch halte ich die sechs Geschmäcke für gut.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
na durbhikṣe sulabhaṃ māṃsam anyat
in der Hungersnot ist anderes Fleisch nicht leicht (Lok./Nom.Sg.n.)
śvapāka na annaṃ na ca me asti vittam
Śvapāka, keine Speise, und mir ist kein Besitz (Vok./Nom./Gen.)
kṣudhārtaḥ ca aham agatiḥ nirāśaḥ
hungergequält bin ich, ohne Ausweg, hoffnungslos (Nom.Sg.)
śvamāṃse ca asmin ṣaḍrasān
und an diesem Hundefleisch die sechs Geschmäcke (Lok./Akk.Pl.)
śvapaca uvāca; bhikṣām anyām āhareti na caitat kartum arhasi; na nūnaṃ kāryam etad vai hara kāmaṃ śvajāghanīm
Der Hundekocher sprach: „Erbitte andere Almosen; dies darfst du nicht tun. Gewiss ist dies nicht zu tun; [doch] nimm nach Belieben die Hundekeule [?].“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
bhikṣām anyām āhara iti
andere Almosen bringe (Imp.2.Sg.), so
na ca etat kartum arhasi
und nicht darfst du dies tun (2.Sg./Inf.)
na nūnam kāryam etat vai
gewiss nicht zu tun [ist] dies fürwahr (Gerundiv)
hara kāmam śvajāghanīm
nimm nach Belieben die Hundekeule (Imp.2.Sg./Adv./Akk.)
na nūnaṃ kāryam etad vai hara kāmaṃ śvajāghanīm: der Schluss steht in Spannung zum vorangehenden Verbot; Sinn unsicher (ironisch? Text verderbt?).
Viśvāmitra sprach: „Die Gebildeten sind der Maßstab im Dharma; deren Verhalten befolge ich. Ich halte diese Hundekeule für essbar, höher als [gewöhnliche] reine Speise.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
śiṣṭāḥ vai kāraṇam dharme
die Gebildeten fürwahr [sind] Grund/Maßstab im Dharma (Nom.Pl./Lok.)
tad-vṛttam anuvartaye
deren Verhalten befolge ich (Akk./1.Sg.)
parām medhya-aśanāt etām
diese [ist] höher als reine Speise (Akk.Sg.f./Abl.)
śvapaca uvāca; asatā yat samācīrṇaṃ na sa dharmaḥ sanātanaḥ; nāvṛttam anukāryaṃ vai mā chalenānṛtaṃ kṛthāḥ
Der Hundekocher sprach: „Was von Schlechten geübt wurde, ist nicht ewiger Dharma; Unsittliches ist nicht nachzuahmen. Mache das Unwahre nicht durch Spitzfindigkeit [zur Wahrheit].“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
asatā yat samācīrṇam
was von einem Schlechten geübt wurde (Instr./Part.Pass.)
na saḥ dharmaḥ sanātanaḥ
das ist nicht ewiger Dharma (Nom.Sg.)
na avṛttam anukāryam vai
Unsittliches ist nicht nachzuahmen (Gerundiv)
mā chalena anṛtam kṛthāḥ
mache nicht durch Trug das Unwahre (Instr./Akk./Inj.2.Sg.)
avṛttam: als „Unsittliches, schlechtes Verhalten“ gedeutet.
śvapaca uvāca; yad brāhmaṇārthe kṛtam arthitena; tenarṣiṇā tac ca bhakṣyādhikāram; sa vai dharmo yatra na pāpam asti; sarvair upāyair hi sa rakṣitavyaḥ
Der Hundekocher sprach: „Was von einem Bittenden um eines Brāhmaṇa willen getan wurde, das gilt für jenen Seher auch als Berechtigung zum Essen [?]. Das ist Dharma, wo keine Sünde ist; mit allen Mitteln ist er zu bewahren.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
yat brāhmaṇa-arthe kṛtam arthitena
was um eines Brāhmaṇa willen getan wurde von einem Bittenden (Lok./Part./Instr.)
tena ṛṣiṇā tat ca
von/für jenen Seher, und das (Instr.)
bhakṣya-adhikāram
Berechtigung zum Essen (Akk./Nom.)
saḥ vai dharmaḥ yatra na pāpam asti
das ist Dharma, wo keine Sünde ist
sarvaiḥ upāyaiḥ hi saḥ rakṣitavyaḥ
mit allen Mitteln ja ist er zu bewahren (Instr.Pl./Gerundiv)
Erste Zeile syntaktisch schwierig; Wiedergabe unsicher.
viśvāmitra uvāca; mitraṃ ca me brāhmaṇaś cāyam ātmā; priyaś ca me pūjyatamaś ca loke; taṃ bhartukāmo 'ham imāṃ hariṣye; nṛśaṃsānām īdṛśānāṃ na bibhye
Viśvāmitra sprach: „Und dieser Brāhmaṇa ist mein Freund und mein eigenes Selbst, mir lieb und der Verehrungswürdigste in der Welt. Da ich ihn erhalten will, werde ich dies nehmen; vor Grausamen wie dir fürchte ich mich nicht.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
mitram ca me brāhmaṇaḥ ca ayam ātmā
Freund und mir [ist] der Brāhmaṇa, und dieser [mein] Selbst (Nom.Sg.)
priyaḥ ca me pūjyatamaḥ ca loke
lieb mir und der Verehrungswürdigste in der Welt (Superl./Lok.)
tam bhartu-kāmaḥ aham imām hariṣye
ihn zu erhalten wünschend werde ich diese nehmen (Nom./1.Sg.Fut.)
nṛśaṃsānām īdṛśānām na bibhye
vor Grausamen solchen [Art] fürchte ich nicht (Gen.Pl./1.Sg.Präs.)
śvapaca uvāca; kāmaṃ narā jīvitaṃ saṃtyajanti; na cābhakṣyaiḥ pratikurvanti tatra; sarvān kāmān prāpnuvantīha vidvan; priyasva kāmaṃ sahitaḥ kṣudhā vai
Der Hundekocher sprach: „Nach Belieben mögen Menschen das Leben aufgeben, doch gleichen sie [den Hunger] nicht mit Unessbarem aus. Alle Wünsche erlangen sie hier, o Wissender; so stirb [?] nach Belieben, vereint mit dem Hunger.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
kāmam narāḥ jīvitam saṃtyajanti
nach Belieben geben Menschen das Leben auf (3.Pl.Präs.)
na ca abhakṣyaiḥ pratikurvanti tatra
und sie gleichen nicht mit Unessbarem aus dabei (Instr.Pl./3.Pl.)
sarvān kāmān prāpnuvanti iha vidvan
alle Wünsche erlangen sie hier, o Wissender (Vok.)
priyasva [mriyasva?] kāmam sahitaḥ kṣudhā vai
stirb nach Belieben, vereint mit Hunger (Imp.Med.2.Sg.?/Instr.)
priyasva: überliefert; vermutlich mriyasva („stirb“) zu lesen; Wiedergabe unsicher.
Viśvāmitra sprach: „Berechtigt ist zunächst der Zweifel am Dasein nach dem Tode, oder aber ohne Zweifel die Vernichtung der Taten. Ich hingegen, [mit dem Gedanken:] ‚Ich bestehe [noch]‘ gesinnt, werde, die Wurzel [des Lebens] schützend, Unessbares essen.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
sthāne tāvat saṃśayaḥ pretyabhāve
berechtigt zunächst [ist] Zweifel am Dasein nach dem Tod (Nom./Lok.)
niḥsaṃśayam karmaṇām vā vināśaḥ
zweifellos oder Untergang der Taten (Gen.Pl./Nom.)
[…] [Text verderbt] […]; beim Verblendeten, wo wie bei der eigenen Speise [?].
Wort für Wort
mūla-ṛtuṃ-la-stritti-puṇyam (sic)
verderbt, unübersetzbar
mohātmake
beim Verblendeten (Lok.Sg.)
yatra yathā
wo, wie
sva-bhakṣe
in der eigenen Speise (Lok.Sg.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile stark verderbt (sic in der Ausgabe: mūlartuṃlastrittipuṇyaṃ); Wiedergabe nur tastend.
śvapaca uvāca; suhṛd bhūtvānuśāsmi tvā kṛpā hi tvayi me dvija; tad evaṃ śreya ādhatsva mā lobhāc chvānam ādithāḥ
Der Hundekocher sprach: „Als Freund unterweise ich dich, denn Mitleid mit dir habe ich, o Zweimalgeborener. Nimm also dieses Bessere auf dich; iss nicht aus Gier den Hund.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
suhṛd bhūtvā anuśāsmi tvā
als Freund geworden unterweise ich dich (Abs./1.Sg.Präs.)
kṛpā hi tvayi me dvija
denn Mitleid mit dir [ist] mir, o Zweimalgeborener (Nom./Lok.)
Viśvāmitra sprach: „Bist du mein Freund und wünschst mein Wohl, so zieh mich aus der Not heraus. Ich kenne mich selbst nach dem Dharma; lass die Hundekeule los [?].“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
suhṛt me tvam sukha-īpsuḥ cet
Freund mir [bist] du, Wohl wünschend, wenn (Nom.)
āpadaḥ mām samuddhara
aus der Not mich zieh heraus (Abl./Imp.2.Sg.)
jāne aham dharmataḥ ātmānam
ich kenne mich selbst gemäß dem Dharma (1.Sg./Adv./Akk.)
śvapaca uvāca; naivotsahe bhavate dātum etāṃ; nopekṣituṃ hriyamāṇaṃ svam annam; ubhau syāvaḥ svamalenāvaliptau; dātāhaṃ ca tvaṃ ca vipra pratīcchan
Der Hundekocher sprach: „Ich bringe es nicht über mich, dir diese zu geben, noch zuzusehen, wie meine Speise weggenommen wird. Beide wären wir mit eigenem Schmutz befleckt: ich als Geber und du, Weiser, als Empfänger.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
na eva utsahe bhavate dātum etām
nicht vermag ich, dir diese zu geben (1.Sg./Dat./Inf.)
na upekṣitum hriyamāṇam svam annam
noch zuzusehen, wie die eigene Speise geraubt wird (Inf./Part.Pass.)
ubhau syāvaḥ sva-malena avaliptau
beide wären wir mit eigenem Schmutz befleckt (Opt.Du./Instr.)
dātā aham ca tvam ca vipra pratīcchan
ich Geber und du, Weiser, Empfangender (Nom./Vok./Part.)
viśvāmitra uvāca; adyāham etad vṛjinaṃ karma kṛtvā; jīvaṃś cariṣyāmi mahāpavitram; prapūtātmā dharmam evābhipatsye; yad etayor guru tad vai bravīhi
Viśvāmitra sprach: „Heute, nachdem ich diese arge Tat getan, werde ich lebend [danach] höchste Reinigung üben; von Selbst geläutert, werde ich zum Dharma gelangen. Sage mir, was von beiden schwerer wiegt.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
adya aham etat vṛjinam karma kṛtvā
heute, diese üble Tat getan habend (Abs.)
jīvan cariṣyāmi mahā-pavitram
lebend werde ich üben das große Reinigende (Part./1.Sg.Fut.)
prapūta-ātmā dharmam eva abhipatsye
geläutert im Selbst werde ich zum Dharma gelangen (Fut.Med.)
yat etayoḥ guru tat vai bravīhi
was von beiden schwerer [ist], das sag (Gen.Du./Imp.2.Sg.)
śvapaca uvāca; ātmaiva sākṣī kila lokakṛtye; tvam eva jānāsi yad atra duṣṭam; yo hy ādriyed bhakṣyam iti śvamāṃsaṃ; manye na tasyāsti vivarjanīyam
Der Hundekocher sprach: „Das Selbst ist ja Zeuge in weltlichen Dingen; du selbst weißt, was hier verwerflich ist. Wer Hundefleisch als essbar achtet – für den, meine ich, gibt es nichts zu meiden.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
ātmā eva sākṣī kila loka-kṛtye
das Selbst ist Zeuge, wie es heißt, in weltlichem Tun (Nom./Lok.)
tvam eva jānāsi yat atra duṣṭam
du selbst weißt, was hier verwerflich ist
yaḥ hi ādriyet bhakṣyam iti śva-māṃsam
wer nämlich Hundefleisch als essbar achtete (Opt.3.Sg.)
manye na tasya asti vivarjanīyam
ich meine, für ihn gibt es nichts zu Meidendes (Gerundiv)
viśvāmitra uvāca; upādāne khādane vāsya doṣaḥ; kāryo nyāyair nityam atrāpavādaḥ; yasmin na hiṃsā nānṛte vākyaleśo; bhakṣyakriyā tatra na tad garīyaḥ
Viśvāmitra sprach: „Beim Annehmen oder beim Essen davon ist ein Makel; stets ist hier nach den Regeln Tadel auszusprechen [?]. Wo keine Gewalt, keine Unwahrheit, nicht ein Rest von [unwahrer] Rede ist, dort wiegt der Akt des Essens nicht schwerer.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
upādāne khādane vā asya doṣaḥ
beim Annehmen oder Essen [ist] dessen Makel (Lok./Nom.)
kāryaḥ nyāyaiḥ nityam atra apavādaḥ
zu machen [ist] nach Regeln stets hier Tadel [?] (Gerundiv/Instr.)
yasmin na hiṃsā na anṛte vāk-yaleśaḥ
wo nicht Gewalt, nicht Unwahres, ein Rest von Rede (Lok.)
bhakṣya-kriyā tatra na tat garīyaḥ
die Tat des Essens dort [ist] nicht schwerer als das (Komp.)
śvapaca uvāca; yady eṣa hetus tava khādanasya; na te vedaḥ kāraṇaṃ nānyadharmaḥ; tasmād abhakṣye bhakṣaṇād vā dvijendra; doṣaṃ na paśyāmi yathedam āttha
Der Hundekocher sprach: „Wenn dies dein Grund zum Essen ist, so ist dir weder der Veda Maßstab noch ein anderer Dharma. Darum sehe ich, Herr der Zweimalgeborenen, keinen Makel im Essen von Unessbarem, so wie du es hier darlegst [?].“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
yadi eṣaḥ hetuḥ tava khādanasya
wenn dies der Grund für dein Essen [ist] (Nom./Gen.)
na te vedaḥ kāraṇam na anya-dharmaḥ
dir [ist] weder Veda Maßstab noch ein anderer Dharma
tasmāt abhakṣye bhakṣaṇāt vā dvija-indra
darum im Unessbaren / vom Essen, o Herr der Zweimalgeborenen (Abl./Vok.)
doṣam na paśyāmi yathā idam āttha
Makel sehe ich nicht, wie du dies sagst (1.Sg./2.Sg.Perf.)
viśvāmitra uvāca; na pātakaṃ bhakṣaṇam asya dṛṣṭaṃ; surāṃ pītvā patatītīha śabdaḥ; anyonyakarmāṇi tathā tathaiva; na leśamātreṇa kṛtyaṃ hinasti
Viśvāmitra sprach: „Im Essen davon ist keine Sünde zu sehen; ‚wer Branntwein trinkt, fällt‘ – das ist hier nur ein Wort. Ebenso [sind] Taten voneinander [verschieden]; eine Winzigkeit tut dem Werk keinen Schaden.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
na pātakam bhakṣaṇam asya dṛṣṭam
keine Sünde ist im Essen davon gesehen (Part.Pass.)
surām pītvā patati iti iha śabdaḥ
„Branntwein getrunken habend fällt“, so [ist] hier ein Wort
anyonya-karmāṇi tathā tathā eva
Taten gegenseitig ebenso, gerade so (Nom.Pl.)
na leśa-mātreṇa kṛtyam hinasti
nicht durch eine Winzigkeit schadet [er] dem Werk (Instr./3.Sg.)
śvapaca uvāca; asthānato hīnataḥ kutsitād vā; taṃ vidvāṃsaṃ bādhate sādhuvṛttam; sthānaṃ punar yo labhate niṣaṅgāt; tenāpi daṇḍaḥ sahitavya eva
Der Hundekocher sprach: „Aus schlechter, niedriger oder verachteter Stellung bedrängt es den Wissenden von gutem Wandel; wer aber wieder aus Anhaftung [eine] Stellung erlangt, von dem ist doch Strafe zu ertragen.“
Wort für Wort
śvapaca uvāca
der Hundekocher sprach
asthānataḥ hīnataḥ kutsitāt vā
aus schlechter, niedriger oder verachteter [Lage] (Abl.)
tam vidvāṃsam bādhate sādhu-vṛttam
ihn, den Wissenden von gutem Wandel, bedrängt es (Akk./3.Sg.) [?]
sthānam punaḥ yaḥ labhate niṣaṅgāt
wer wieder Stellung erlangt aus Anhaftung (Abl.)
tena api daṇḍaḥ sahitavyaḥ eva
von dem ist auch Strafe zu ertragen (Instr./Gerundiv)
Bhīṣma sprach: „Nachdem er so gesprochen hatte, wandte sich der Mātaṅga da von Kauśika ab; Viśvāmitra aber nahm mit gefasstem Entschluss die Hundekeule doch mit.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
evam uktvā nivavṛte
so gesprochen habend wandte er sich ab (Abs./Perf.)
mātaṅgaḥ kauśikam tadā
der Mātaṅga von Kauśika da (Nom./Akk.)
viśvāmitraḥ jahāra eva
Viśvāmitra nahm doch fort (Perf.)
kṛta-buddhiḥ śvajāghanīm
mit gefasstem Entschluss die Hundekeule (Nom./Akk.)
tato jagrāha pañcāṅgīṃ jīvitārthī mahāmuniḥ; sadāras tām upākṛtya vane yāto mahāmuniḥ
Da ergriff der große Muni, um sein Leben besorgt, die Fünfgliedrige; nachdem er sie mit seiner Frau herbeigeschafft hatte, zog der große Muni in den Wald.
Wort für Wort
tataḥ jagrāha pañcāṅgīm
da ergriff er die Fünfgliedrige (Perf./Akk.)
jīvita-arthī mahā-muniḥ
um Leben bemüht, der große Muni (Nom.)
sa-dāraḥ tām upākṛtya
mit Gattin, sie herbeigeschafft habend (Abs.)
vane yātaḥ mahā-muniḥ
in den Wald gegangen, der große Muni (Lok./Part.)
pañcāṅgī: „die Fünfgliedrige“ – hier als die Hundekeule/-teile gedeutet [?]; upākṛtya: „hergerichtet/herbeigebracht“.
So kam ihm der Gedanke: „Nach der Vorschrift will ich die Hundekeule nach Belieben essen, nachdem ich zuvor die Götter gesättigt habe.“ Dann, das Feuer heranbringend, ließ der Muni nach brahmanischer Vorschrift, nach indrāgnischem Ritus, selbst einen Opferbrei kochen [?]. Sodann begann er, Bhārata, das Götter- und Ahnenwerk, indem er Indra und die [anderen] Götter herbeirief, Anteil um Anteil in der Ordnung des Ritus.
Wort für Wort
tathā asya buddhiḥ abhavat
so wurde ihm der Gedanke (Impf.)
vidhinā aham śvajāghanīm bhakṣayāmi yathākāmam
nach Vorschrift esse ich die Hundekeule nach Belieben (1.Sg.Präs.)
pūrvam saṃtarpya devatāḥ
zuvor die Götter gesättigt habend (Abs.)
tataḥ agnim upasaṃhṛtya brāhmeṇa vidhinā muniḥ
dann das Feuer heranführend nach brahmanischer Vorschrift der Muni
aindra-āgneyena vidhinā carum śrapayata svayam
nach indrāgnischem Ritus Opferbrei kochen ließ er selbst (Impf.)
tataḥ samārabhat karma daivam pitryam ca bhārata
dann begann er das Götter- und Ahnenwerk, o Bhārata (Impf./Vok.)
āhūya devān indra-ādīn bhāgam bhāgam vidhi-kramāt
die Götter mit Indra an der Spitze herbeirufend, Anteil um Anteil nach Ritusfolge (Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). śrapayata: vermutlich Impf. śrapayat („ließ kochen“); Zusatzpassage.
Darum, Sohn der Kuntī, soll der Kundige in dieser Welt bei der Entscheidung über Dharma und Adharma den Verstand zugrunde legen und, selbstbeherrscht, [danach] handeln.
Wort für Wort
tasmāt kaunteya viduṣā
darum, Kuntīsohn, vom Kundigen (Vok./Instr.)
dharma-adharma-viniścaye
bei der Entscheidung über Dharma und Adharma (Lok.)
buddhim āsthāya
den Verstand zugrunde legend (Abs.)
loke asmin vartitavyam yata-ātmanā
in dieser Welt ist zu handeln vom Selbstbeherrschten (Lok./Gerundiv/Instr.)