Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 28: aśmagītā Aśmas Belehrung an König Janaka: Leid und Freude folgen der Zeit und der Fügung, darum soll man die Trauer lassen

Vyāsa erzählt Yudhiṣṭhira zum Trost die alte Geschichte vom Gespräch zwischen König Janaka von Videha und dem Brahmanen Aśma über den Umgang mit Verlust und Leid. Das Kapitel läuft bis zur Anwendung auf Yudhiṣṭhira (Vers 58).

vaiśaṃpāyana uvāca; jñātiśokābhitaptasya prāṇān abhyutsisṛkṣataḥ; jyeṣṭhasya pāṇḍuputrasya vyāsaḥ śokam apānudat

Vaiśaṃpāyana sprach: Dem von Trauer um die Verwandten Gequälten, der [seine] Lebensatem aufzugeben trachtete, dem ältesten Sohn Pāṇḍus, vertrieb Vyāsa den Kummer.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
jñātiśokābhitaptasya
dem von Trauer um die Verwandten Gequälten (Gen.Sg., Kompositum)
prāṇān abhyutsisṛkṣataḥ
der die Lebenshauche aufzugeben wünschte (Akk.Pl. / Gen.Sg. Part.Desid.)
jyeṣṭhasya pāṇḍuputrasya
des ältesten Sohnes Pāṇḍus (Gen.Sg.)
vyāsaḥ śokam apānudat
Vyāsa vertrieb den Kummer (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)

vyāsa uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; aśmagītaṃ naravyāghra tan nibodha yudhiṣṭhira

Vyāsa sprach: Hierzu erzählt man diese uralte Geschichte, die „Aśma-Gesänge“. Höre sie, Tiger unter den Männern, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach
atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam
auch hierzu führt man diese alte Erzählung an (Adv. / 3.Pl.Präs. / Akk.Sg.)
aśmagītaṃ
das von Aśma Gesungene (Akk.Sg.n., Kompositum)
naravyāghra
Tiger unter den Männern (Vok.Sg.)
tan nibodha yudhiṣṭhira
dies vernimm, Yudhiṣṭhira (Imp.2.Sg. / Vok.Sg.)

aśmānaṃ brāhmaṇaṃ prājñaṃ vaideho janako nṛpaḥ; saṃśayaṃ paripapraccha duḥkhaśokapariplutaḥ

Den weisen Brahmanen Aśma befragte der Videher, König Janaka, [der] von Leid und Kummer überflutet [war], über einen Zweifel.

Wort für Wort
aśmānaṃ brāhmaṇaṃ prājñam
den Aśma, den weisen Brahmanen (Akk.Sg.)
vaideho janako nṛpaḥ
der Videher, König Janaka (Nom.Sg.)
saṃśayaṃ paripapraccha
über einen Zweifel befragte (Akk.Sg. / Perf.3.Sg.)
duḥkhaśokapariplutaḥ
von Leid und Kummer überflutet (Nom.Sg., Kompositum)

janaka uvāca; āgame yadi vāpāye jñātīnāṃ draviṇasya ca; nareṇa pratipattavyaṃ kalyāṇaṃ katham icchatā

Janaka sprach: Wie muss ein Mensch, der das Heil wünscht, sich verhalten bei Gewinn oder Verlust von Verwandten und von Besitz?

Wort für Wort
janaka uvāca
Janaka sprach
āgame yadi vāpāye
bei Gewinn oder bei Verlust (Lok.Sg.)
jñātīnāṃ draviṇasya ca
der Verwandten und des Besitzes (Gen.Pl. / Gen.Sg.)
nareṇa pratipattavyaṃ
muss vom Menschen gehandelt werden (Gerundiv, Instr.Sg.)
kalyāṇaṃ katham icchatā
wie einer, der das Heil wünscht (Akk.Sg. / Instr.Sg. Part.Präs.)

aśmovāca; utpannam imam ātmānaṃ narasyānantaraṃ tataḥ; tāni tāny abhivartante duḥkhāni ca sukhāni ca

Aśma sprach: Kaum ist dieses Selbst [das Wesen] entstanden, so treten sogleich an den Menschen bald diese, bald jene Leiden und Freuden heran.

Wort für Wort
aśmovāca
Aśma sprach
utpannam imam ātmānaṃ
dies entstandene Selbst (Akk.Sg.)
narasyānantaraṃ tataḥ
des Menschen, unmittelbar darauf (Gen.Sg. / Adv.)
tāni tāny abhivartante
jene und jene treten heran (3.Pl.Präs.)
duḥkhāni ca sukhāni ca
Leiden und Freuden (Nom.Pl.)

Syntax des ersten Halbverses knapp; ātmānam als Akk. der Beziehung/Objekt gefasst.

teṣām anyatarāpattau yad yad evopasevate; tat tad dhi cetanām asya haraty abhram ivānilaḥ

Sobald einem von beiden [Leid oder Freude] etwas widerfährt, dem er sich hingibt, das raubt ihm jeweils den Verstand, wie der Wind eine Wolke [fortträgt].

Wort für Wort
teṣām anyatarāpattau
beim Eintritt einer von diesen (Lok.Sg., Kompositum)
yad yad evopasevate
was immer er pflegt/erfährt (3.Sg.Med.Präs.)
tat tad dhi cetanām asya
eben dies [nimmt] ihm das Bewusstsein (Nom. / Akk.Sg. / Gen.Sg.)
haraty abhram ivānilaḥ
raubt, wie der Wind eine Wolke (3.Sg.Präs. / Akk.Sg. / Nom.Sg.)

abhijāto 'smi siddho 'smi nāsmi kevalamānuṣaḥ; ity evaṃ hetubhis tasya tribhiś cittaṃ prasicyati

„Ich bin von edler Herkunft, ich bin vollendet, ich bin kein bloßer Mensch“: aus diesen drei Gründen wird sein Geist [von Dünkel] durchtränkt.

Wort für Wort
abhijāto 'smi siddho 'smi
ich bin von edler Geburt, ich bin vollendet (Part. + 1.Sg.)
nāsmi kevalamānuṣaḥ
ich bin nicht bloß ein Mensch (1.Sg. / Nom.Sg.)
ity evaṃ hetubhis tasya
so, aus diesen Gründen, seiner (Instr.Pl. / Gen.Sg.)
tribhiś cittaṃ prasicyati
durch drei wird der Geist durchtränkt (Instr.Pl. / Nom.Sg. / Pass.3.Sg.)

sa prasiktamanā bhogān visṛjya pitṛsaṃcitān; parikṣīṇaḥ parasvānām ādānaṃ sādhu manyate

Mit so durchtränktem Sinn verschleudert er die vom Vater angehäuften Genüsse; verarmt hält er es für gut, fremdes Gut an sich zu nehmen.

Wort für Wort
sa prasiktamanā
er, dessen Sinn durchtränkt ist (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
bhogān visṛjya
die Genüsse verschleudernd (Akk.Pl. / Abs.)
pitṛsaṃcitān
vom Vater angehäuft (Akk.Pl.)
parikṣīṇaḥ
verarmt (Nom.Sg.)
parasvānām ādānaṃ sādhu manyate
das Nehmen fremden Besitzes hält er für gut (Gen.Pl. / Akk.Sg. / 3.Sg.Med.)

tam atikrāntamaryādam ādadānam asāṃpratam; pratiṣedhanti rājāno lubdhā mṛgam iveṣubhiḥ

Ihn, der die Schranke überschritten hat und Unziemliches an sich reißt, halten die Könige, [selbst] gierig, mit Pfeilen zurück wie ein Wild.

Wort für Wort
tam atikrāntamaryādam
ihn, der die Schranke überschritten hat (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
ādadānam asāṃpratam
der Unziemliches nimmt (Part.Med.Akk.Sg. / Akk.Sg.)
pratiṣedhanti rājāno
wehren ab die Könige (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.)
lubdhā mṛgam iveṣubhiḥ
gierige, wie ein Wild mit Pfeilen (Nom.Pl. / Akk.Sg. / Instr.Pl.)

ye ca viṃśativarṣā vā triṃśadvarṣāś ca mānavāḥ; pareṇa te varṣaśatān na bhaviṣyanti pārthiva

Und [die] Menschen, die zwanzig oder dreißig Jahre [alt sind], werden, o Fürst, nach [Ablauf von] hundert Jahren nicht mehr da sein.

Wort für Wort
ye ca viṃśativarṣā vā
und die, die zwanzigjährig oder (Nom.Pl.)
triṃśadvarṣāś ca mānavāḥ
dreißigjährig, die Menschen (Nom.Pl.)
pareṇa te varṣaśatāt
jenseits von hundert Jahren (Abl.Sg.)
na bhaviṣyanti pārthiva
werden nicht sein, o Fürst (Fut.3.Pl. / Vok.Sg.)

Im Text varṣaśatān (Sandhi vor na); Abl. „nach hundert Jahren“.

teṣāṃ paramaduḥkhānāṃ buddhyā bheṣajam ādiśet; sarvaprāṇabhṛtāṃ vṛttaṃ prekṣamāṇas tatas tataḥ

Für diese äußerst schmerzhaften [Leiden] soll man durch Einsicht das Heilmittel verordnen, indem man den Lebenslauf aller Wesen hier und dort betrachtet.

Wort für Wort
teṣāṃ paramaduḥkhānāṃ
dieser überaus schmerzlichen (Gen.Pl.)
buddhyā bheṣajam ādiśet
durch Einsicht ein Heilmittel verordne man (Instr.Sg. / Akk.Sg. / Opt.3.Sg.)
sarvaprāṇabhṛtāṃ vṛttaṃ
das Verhalten/Geschick aller Lebewesen (Gen.Pl. / Akk.Sg.)
prekṣamāṇas tatas tataḥ
betrachtend, von da und dort (Part.Präs.Med. / Adv.)

mānasānāṃ punar yonir duḥkhānāṃ cittavibhramaḥ; aniṣṭopanipāto vā tṛtīyaṃ nopapadyate

Der Ursprung geistiger Leiden ist Verwirrung des Sinnes oder das Eintreffen von Unerwünschtem; ein drittes kommt nicht vor.

Wort für Wort
mānasānāṃ punar yonir
der geistigen [Leiden] Ursprung aber (Gen.Pl. / Nom.Sg.)
duḥkhānāṃ cittavibhramaḥ
der Leiden: Verwirrung des Sinnes (Gen.Pl. / Nom.Sg.)
aniṣṭopanipāto vā
oder das Eintreffen von Unerwünschtem (Nom.Sg.)
tṛtīyaṃ nopapadyate
ein drittes findet sich nicht (Nom.Sg.n. / 3.Sg.Pass.)

evam etāni duḥkhāni tāni tānīha mānavam; vividhāny upavartante tathā sāṃsparśakāni ca

So treten hier an den Menschen diese und jene mannigfaltigen Leiden heran, ebenso auch die durch Berührung [des Körpers] bedingten.

Wort für Wort
evam etāni duḥkhāni
so diese Leiden (Adv. / Nom.Pl.)
tāni tānīha mānavam
jene und jene hier an den Menschen (Nom.Pl. / Akk.Sg.)
vividhāny upavartante
mannigfaltig treten heran (Nom.Pl. / 3.Pl.Präs.)
tathā sāṃsparśakāni ca
ebenso die durch Berührung bedingten (Nom.Pl.)

jarāmṛtyū ha bhūtāni khāditārau vṛkāv iva; balināṃ durbalānāṃ ca hrasvānāṃ mahatām api

Alter und Tod fressen die Wesen wie zwei Wölfe, [seien sie] stark oder schwach, klein oder auch groß.

Wort für Wort
jarāmṛtyū ha bhūtāni
Alter und Tod, fürwahr, die Wesen (Nom.Du. / Akk.Pl.)
khāditārau vṛkāv iva
die zwei Fresser, wie zwei Wölfe (Nom.Du. Nomen agentis / Nom.Du.)
balināṃ durbalānāṃ ca
der Starken und der Schwachen (Gen.Pl.)
hrasvānāṃ mahatām api
der Kleinen und auch der Großen (Gen.Pl.)

na kaś cij jātv atikrāmej jarāmṛtyū ha mānavaḥ; api sāgaraparyantāṃ vijityemāṃ vasuṃdharām

Niemals wird ein Mensch Alter und Tod entgehen, selbst wenn er diese meerumgürtete Erde erobert hat.

Wort für Wort
na kaś cij jātv atikrāmej
keiner wird je überschreiten (Pron. / Adv. / Opt.3.Sg.)
jarāmṛtyū ha mānavaḥ
Alter und Tod, fürwahr, der Mensch (Akk.Du. / Nom.Sg.)
api sāgaraparyantāṃ
selbst die bis zum Meer reichende (Akk.Sg.f., Kompositum)
vijityemāṃ vasuṃdharām
nachdem er diese Erde erobert hat (Abs. / Akk.Sg.)

sukhaṃ vā yadi vā duḥkhaṃ bhūtānāṃ paryupasthitam; prāptavyam avaśaiḥ sarvaṃ parihāro na vidyate

Ob Glück oder Leid, was den Wesen zugestoßen ist, muss alles unweigerlich erlangt werden; ein Ausweichen gibt es nicht.

Wort für Wort
sukhaṃ vā yadi vā duḥkhaṃ
ob Glück oder Leid (Nom.Sg.)
bhūtānāṃ paryupasthitam
den Wesen zugekommen (Gen.Pl. / Part.Nom.Sg.)
prāptavyam avaśaiḥ sarvaṃ
muss erlangt werden von den Machtlosen, alles (Gerundiv / Instr.Pl. / Nom.Sg.)
parihāro na vidyate
ein Vermeiden gibt es nicht (Nom.Sg. / Pass.3.Sg.)

pūrve vayasi madhye vāpy uttame vā narādhipa; avarjanīyās te 'rthā vai kāṅkṣitāś ca tato 'nyathā

Ob in der ersten, mittleren oder letzten Lebenszeit, Herr der Menschen: jene Dinge sind unvermeidlich, und ebenso das Erwünschte, [wenn es] anders [kommt].

Wort für Wort
pūrve vayasi madhye vā
im früheren Alter oder in der Mitte (Lok.Sg.)
apy uttame vā narādhipa
oder auch im letzten, Herr der Menschen (Lok.Sg. / Vok.Sg.)
avarjanīyās te 'rthā vai
unvermeidlich sind jene Dinge fürwahr (Gerundiv Nom.Pl.)
kāṅkṣitāś ca tato 'nyathā
und Ersehntes [ist] danach anders (Part.Nom.Pl. / Adv.)

Zweiter Halbvers etwas dunkel; „kāṅkṣitāś ca tato 'nyathā“ als „und das Erwünschte [tritt] anders ein“ gefasst [?].

supriyair viprayogaś ca saṃprayogas tathāpriyaiḥ; arthānarthau sukhaṃ duḥkhaṃ vidhānam anuvartate

Trennung von den Liebsten und Verbindung mit den Unlieben, Gewinn und Verlust, Glück und Leid: der Fügung folgt dies alles.

Wort für Wort
supriyair viprayogaś ca
Trennung von den Liebsten (Instr.Pl. / Nom.Sg.)
saṃprayogas tathāpriyaiḥ
Verbindung ebenso mit Unlieben (Nom.Sg. / Instr.Pl.)
arthānarthau sukhaṃ duḥkhaṃ
Gewinn und Verlust, Glück, Leid (Nom.Du. / Nom.Sg.)
vidhānam anuvartate
der Fügung folgt es (Akk.Sg. / 3.Sg.Med.)

vidhānam anuvartate: Kongruenz unklar; „folgt der Fügung“.

prādurbhāvaś ca bhūtānāṃ dehanyāsas tathaiva ca; prāptivyāyāmayogaś ca sarvam etat pratiṣṭhitam

Das Hervortreten der Wesen und ebenso das Ablegen des Leibes, das Erlangen und das Streben [danach]: dies alles ist festgegründet.

Wort für Wort
prādurbhāvaś ca bhūtānāṃ
und das Hervortreten der Wesen (Nom.Sg. / Gen.Pl.)
dehanyāsas tathaiva ca
und ebenso das Ablegen des Leibes (Nom.Sg.)
prāptivyāyāmayogaś ca
und Verbindung von Erlangen und Bemühen (Nom.Sg.)
sarvam etat pratiṣṭhitam
dies alles ist festgegründet (Nom.Sg.n. / Part.)

gandhavarṇarasasparśā nivartante svabhāvataḥ; tathaiva sukhaduḥkhāni vidhānam anuvartate

Duft, Farbe, Geschmack und Berührung entstehen aus ihrer Natur; ebenso folgen Glück und Leid der Fügung.

Wort für Wort
gandhavarṇarasasparśā
Duft, Farbe, Geschmack, Berührung (Nom.Pl.)
nivartante svabhāvataḥ
gehen hervor/treten ein aus der Eigennatur (3.Pl.Med. / Abl.-Adv.)
tathaiva sukhaduḥkhāni
ebenso Glück und Leiden (Nom.Pl.)
vidhānam anuvartate
folgen der Fügung (Akk.Sg. / 3.Sg.Med.)

nivartante hier im Sinn von „stellen sich ein/ergeben sich“ [?].

āsanaṃ śayanaṃ yānam utthānaṃ pānabhojanam; niyataṃ sarvabhūtānāṃ kālenaiva bhavanty uta

Sitzen, Liegen, Fahren, Aufstehen, Trinken und Essen: all dies steht für alle Wesen fest und geschieht allein durch die Zeit.

Wort für Wort
āsanaṃ śayanaṃ yānam
Sitzen, Liegen, Fahren (Nom.Sg.)
utthānaṃ pānabhojanam
Aufstehen, Trinken und Essen (Nom.Sg.)
niyataṃ sarvabhūtānāṃ
bestimmt für alle Wesen (Part.Nom.Sg. / Gen.Pl.)
kālenaiva bhavanty uta
geschehen allein durch die Zeit, ja (Instr.Sg. / 3.Pl.Präs.)

vaidyāś cāpy āturāḥ santi balavantaḥ sudurbalāḥ; strīmantaś ca tathā ṣaṇḍhā vicitraḥ kālaparyayaḥ

Auch Ärzte gibt es [die] krank [sind], Starke [die] sehr schwach [sind], Männer mit Frauen und ebenso Impotente: bunt ist der Umschwung der Zeit.

Wort für Wort
vaidyāś cāpy āturāḥ santi
auch Ärzte sind krank (Nom.Pl. / Nom.Pl. / 3.Pl.)
balavantaḥ sudurbalāḥ
Starke, sehr Schwache (Nom.Pl.)
strīmantaś ca tathā ṣaṇḍhāḥ
Männer mit Frauen und ebenso Impotente (Nom.Pl.)
vicitraḥ kālaparyayaḥ
bunt ist der Umlauf der Zeit (Nom.Sg.)

Im Text ṣaṇḍhā (Sandhi); „Männer mit Frauen“ und „Impotente“ als Gegensatz gefasst; der Halbvers ist elliptisch.

kule janma tathā vīryam ārogyaṃ dhairyam eva ca; saubhāgyam upabhogaś ca bhavitavyena labhyate

Herkunft aus [gutem] Geschlecht, Tatkraft, Gesundheit, Standhaftigkeit, Glück und Genuss: durch das, was [ihm] bestimmt ist, wird [alles] erlangt.

Wort für Wort
kule janma tathā vīryam
Geburt in [gutem] Geschlecht und Kraft (Lok.Sg. / Nom.Sg.)
ārogyaṃ dhairyam eva ca
Gesundheit und ebenso Festigkeit (Nom.Sg.)
saubhāgyam upabhogaś ca
Glück und Genuss (Nom.Sg.)
bhavitavyena labhyate
durch das Bestimmte wird erlangt (Gerundiv Instr.Sg. / Pass.3.Sg.)

santi putrāḥ subahavo daridrāṇām anicchatām; bahūnām icchatāṃ nāsti samṛddhānāṃ viceṣṭatām

Es gibt sehr viele Söhne bei den Armen, die keine wollen; bei den vielen, die sie wünschen, gibt es keine, [ebenso] bei den Reichen, die sich mühen.

Wort für Wort
santi putrāḥ subahavo
es gibt sehr viele Söhne (3.Pl. / Nom.Pl.)
daridrāṇām anicchatām
bei Armen, die nicht wünschen (Gen.Pl. / Part.Gen.Pl.)
bahūnām icchatāṃ nāsti
bei vielen, die wünschen, gibt es nicht (Gen.Pl. Part. / 3.Sg.)
samṛddhānāṃ viceṣṭatām
bei Reichen, die sich bemühen (Gen.Pl. / Part.Gen.Pl.)

Der dritte Teil ist elliptisch; „nāsti“ wird auf „samṛddhānāṃ viceṣṭatām“ bezogen [?].

vyādhir agnir jalaṃ śastraṃ bubhukṣā śvāpadaṃ viṣam; rajjvā ca maraṇaṃ jantor uccācca patanaṃ tathā

Krankheit, Feuer, Wasser, Waffe, Hunger, ein wildes Tier, Gift, Strick, ebenso der Sturz aus der Höhe: [dadurch kommt] der Tod des Lebewesens.

Wort für Wort
vyādhir agnir jalaṃ śastraṃ
Krankheit, Feuer, Wasser, Waffe (Nom.Sg.)
bubhukṣā śvāpadaṃ viṣam
Hunger, wildes Tier, Gift (Nom.Sg.)
rajjvā ca maraṇaṃ jantor
durch den Strick und der Tod des Wesens (Instr.Sg. / Nom.Sg. / Gen.Sg.)
uccāt ca patanaṃ tathā
und Fall aus der Höhe ebenso (Abl.Sg. / Nom.Sg.)

niryāṇaṃ yasya yad diṣṭaṃ tena gacchati hetunā; dṛśyate nābhyatikrāmann atikrānto na vā punaḥ

Auf welchem Weg [zum Tod] einem bestimmt ist zu gehen, auf jenem Weg geht er; man sieht nicht, dass einer [dem] entgeht, [weder] wer entkommen [ist] noch [wer] nicht.

Wort für Wort
niryāṇaṃ yasya yad diṣṭaṃ
der Abgang, der jemandem bestimmt ist (Nom.Sg. / Gen.Sg. / Part.)
tena gacchati hetunā
auf diesem Grund/Weg geht er (Instr.Sg. / 3.Sg.)
dṛśyate nābhyatikrāman
man sieht nicht, dass er entkommt (Pass.3.Sg. / Part.Präs.)
atikrānto na vā punaḥ
entkommen oder wiederum nicht (Part.Nom.Sg.)

Zweiter Halbvers schwer verständlich; Wiedergabe unsicher [?].

dṛśyate hi yuvaiveha vinaśyan vasumān naraḥ; daridraś ca parikliṣṭaḥ śatavarṣo janādhipa

Man sieht ja hier, dass ein Reicher schon als Jüngling zugrunde geht und ein Armer, geplagt, hundert Jahre alt wird, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
dṛśyate hi yuvaiveha
man sieht nämlich, dass ein Jüngling schon hier (Pass.3.Sg. / Nom.Sg.)
vinaśyan vasumān naraḥ
zugrunde geht ein reicher Mann (Part.Präs. / Nom.Sg.)
daridraś ca parikliṣṭaḥ
und ein Armer, geplagt (Nom.Sg. / Part.)
śatavarṣo janādhipa
hundertjährig, Herr der Menschen (Nom.Sg. / Vok.Sg.)

akiṃcanāś ca dṛśyante puruṣāś cirajīvinaḥ; samṛddhe ca kule jātā vinaśyanti pataṃgavat

Auch Besitzlose sieht man, [die] lange leben, und in reichem Geschlecht Geborene gehen zugrunde wie Falter.

Wort für Wort
akiṃcanāś ca dṛśyante
und Besitzlose sieht man (Nom.Pl. / Pass.3.Pl.)
puruṣāś cirajīvinaḥ
Männer, langlebig (Nom.Pl.)
samṛddhe ca kule jātā
und im reichen Geschlecht Geborene (Lok.Sg. / Part.Nom.Pl.)
vinaśyanti pataṃgavat
gehen zugrunde wie Falter (3.Pl.Präs. / Adv.)

prāyeṇa śrīmatāṃ loke bhoktuṃ śaktir na vidyate; kāṣṭhāny api hi jīryante daridrāṇāṃ narādhipa

Meistens fehlt in der Welt den Glücklichen [Wohlhabenden] die Fähigkeit zu genießen; selbst Holz wird bei den Armen verdaut, Herr der Menschen.

Wort für Wort
prāyeṇa śrīmatāṃ loke
meistens bei den Wohlhabenden in der Welt (Instr.-Adv. / Gen.Pl. / Lok.Sg.)
bhoktuṃ śaktir na vidyate
Fähigkeit zu genießen gibt es nicht (Inf. / Nom.Sg. / Pass.3.Sg.)
kāṣṭhāny api hi jīryante
selbst Holz wird verdaut (Nom.Pl. / 3.Pl.Pass.)
daridrāṇāṃ narādhipa
bei den Armen, Herr der Menschen (Gen.Pl. / Vok.Sg.)

aham etat karomīti manyate kālacoditaḥ; yad yad iṣṭam asaṃtoṣād durātmā pāpam ācaran

„Ich tue dies“, so meint einer, von der Zeit getrieben; der Böswillige, aus Unzufriedenheit, begeht [zu allem] Erwünschten Übles.

Wort für Wort
aham etat karomīti manyate
„ich tue dies“, meint er (1.Sg. / 3.Sg.Med.)
kālacoditaḥ
von der Zeit angetrieben (Nom.Sg.)
yad yad iṣṭam asaṃtoṣāt
was immer erwünscht ist, aus Unzufriedenheit (Nom.Sg. / Abl.Sg.)
durātmā pāpam ācaran
der Böswillige Übles begehend (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Part.Präs.)

Der Halbvers yad yad iṣṭam … ist syntaktisch locker; Wiedergabe sinngemäß [?].

striyo 'kṣā mṛgayā pānaṃ prasaṅgān ninditā budhaiḥ; dṛśyante cāpi bahavaḥ saṃprasaktā bahuśrutāḥ

Frauen, Würfelspiel, Jagd und Trunk sind wegen der Anhänglichkeit [an sie] von den Weisen getadelt; und doch sieht man viele, auch Vielgelehrte, ihnen ergeben.

Wort für Wort
striyo 'kṣā mṛgayā pānam
Frauen, Würfel(spiel), Jagd, Trunk (Nom.Pl./Nom.Sg.)
prasaṅgān ninditā budhaiḥ
wegen der Anhänglichkeit getadelt von den Weisen (Abl./Part.Pass. Nom.Pl./Instr.Pl.)
dṛśyante ca api bahavaḥ
man sieht auch viele (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
saṃprasaktā bahuśrutāḥ
ergeben, vielgelehrt (Nom.Pl.)

iti kālena sarvārthānīpsitānīpsitāni ca; spṛśanti sarvabhūtāni nimittaṃ nopalabhyate

So berühren durch die Zeit alle Wesen alle Dinge, unerwünschte wie erwünschte; eine [andere] Ursache ist nicht zu finden.

Wort für Wort
iti kālena
so durch die Zeit (Instr.)
sarvārthān īpsitān anīpsitān ca
alle Dinge, erwünschte und unerwünschte (Akk.Pl.)
spṛśanti sarvabhūtāni
berühren, alle Wesen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
nimittaṃ na upalabhyate
eine Ursache wird nicht wahrgenommen (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)

Sandhi-Kette sarvārthānīpsitānīpsitāni ca ist mehrdeutig; Auflösung mit Vorbehalt.

vāyum ākāśam agniṃ ca candrādityāv ahaḥkṣape; jyotīṃṣi saritaḥ śailān kaḥ karoti bibharti vā

Wind, Himmelsraum und Feuer, Mond und Sonne, Tag und Nacht, die Gestirne, Flüsse und Berge – wer schafft oder trägt sie?

Wort für Wort
vāyum ākāśam agniṃ ca
Wind, Raum/Äther, Feuer (Akk.Sg.)
candrādityāv ahaḥkṣape
Mond und Sonne, Tag und Nacht (Nom./Akk.Du.)
jyotīṃṣi saritaḥ śailān
Lichter/Gestirne, Flüsse, Berge (Akk.Pl.)
kaḥ karoti bibharti vā
wer macht oder trägt (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

śītam uṣṇaṃ tathā varṣaṃ kālena parivartate; evam eva manuṣyāṇāṃ sukhaduḥkhe nararṣabha

Kälte, Hitze und ebenso Regen wechseln mit der Zeit; ebenso [wechseln] der Menschen Glück und Leid, Stier unter den Männern.

Wort für Wort
śītam uṣṇaṃ tathā varṣam
Kälte, Hitze, ebenso Regen (Nom.Sg.)
kālena parivartate
wechselt durch die Zeit (Instr./3.Sg.Präs.)
evam eva manuṣyāṇām
ebenso bei den Menschen (Gen.Pl.)
sukhaduḥkhe nararṣabha
Glück und Leid, Stier unter den Männern (Nom.Du./Vok.Sg.)

nauṣadhāni na śāstrāṇi na homā na punar japāḥ; trāyante mṛtyunopetaṃ jarayā vāpi mānavam

Weder Heilkräuter noch Lehrschriften, weder Opfergüsse noch Murmelgebete retten den vom Tod oder auch vom Alter befallenen Menschen.

Wort für Wort
na oṣadhāni na śāstrāṇi
nicht Heilkräuter, nicht Lehrschriften (Nom.Pl.)
na homā na punar japāḥ
nicht Opfergüsse, nicht Murmelgebete (Nom.Pl.)
trāyante
retten (3.Pl.Präs.Med.)
mṛtyunā upetaṃ jarayā vā api mānavam
den vom Tod ereilten, oder auch vom Alter, Menschen (Instr./Part.Akk.Sg.)

yathā kāṣṭhaṃ ca kāṣṭhaṃ ca sameyātāṃ mahodadhau; sametya ca vyatīyātāṃ tadvad bhūtasamāgamaḥ

Wie zwei Holzstücke im großen Ozean zusammentreffen und, zusammengetroffen, wieder auseinandertreiben, so ist das Zusammenkommen der Wesen.

Wort für Wort
yathā kāṣṭhaṃ ca kāṣṭhaṃ ca
wie ein Holzstück und [ein zweites] Holzstück (Nom.Sg.)
sameyātāṃ mahodadhau
mögen zusammentreffen, im großen Meer (3.Du.Opt./Lok.)
sametya ca vyatīyātām
und nach dem Zusammentreffen auseinandergehen (Abs./3.Du.Opt.)
tadvad bhūtasamāgamaḥ
ebenso ist die Begegnung der Wesen (Adv./Nom.Sg.)

ye cāpi puruṣaiḥ strībhir gītavādyair upasthitāḥ; ye cānāthāḥ parānnādāḥ kālas teṣu samakriyaḥ

Auch die, die von Männern und Frauen mit Gesang und Instrumentenspiel umgeben sind, und die, die schutzlos sind und von fremder Speise leben – die Zeit verfährt an ihnen gleich.

Wort für Wort
ye ca api puruṣaiḥ strībhiḥ
und auch die, die von Männern, Frauen (Nom.Pl./Instr.Pl.)
gītavādyair upasthitāḥ
mit Gesang und Musik umgeben (Instr.Pl./Part.Nom.Pl.)
ye ca anāthāḥ parānnādāḥ
und die, die schutzlos sind, fremde Speise essend (Nom.Pl.)
kālas teṣu samakriyaḥ
die Zeit an ihnen gleich handelnd (Nom.Sg./Lok.Pl./Adj.)

mātṛpitṛsahasrāṇi putradāraśatāni ca; saṃsāreṣv anubhūtāni kasya te kasya vā vayam

Tausende von Müttern und Vätern und Hunderte von Söhnen und Frauen sind in den Wiedergeburten erfahren worden; wessen [sind] jene, oder wessen sind wir?

Wort für Wort
mātṛpitṛsahasrāṇi
Tausende von Müttern und Vätern (Nom.Pl.)
putradāraśatāni ca
und Hunderte von Söhnen und Frauen (Nom.Pl.)
saṃsāreṣu anubhūtāni
in den Daseinskreisläufen erfahren (Lok.Pl./Part.Nom.Pl.)
kasya te kasya vā vayam
wessen [sind] jene, oder wessen wir (Gen.Sg./Nom.Pl.)

naivāsya kaś cid bhavitā nāyaṃ bhavati kasya cit; pathi saṃgatam evedaṃ dārabandhusuhṛdgaṇaiḥ

Weder wird jemand ihm angehören, noch gehört dieser jemandem; nur ein Zusammentreffen auf dem Weg ist dies mit der Schar der Frauen, Verwandten und Freunde.

Wort für Wort
na eva asya kaś cid bhavitā
auch nicht wird ihm jemand [zugehörig] sein (Gen./Nom./Fut.)
na ayaṃ bhavati kasya cit
und dieser gehört nicht jemandem (Nom./3.Sg.Präs./Gen.)
pathi saṃgatam eva idam
auf dem Weg nur ein Zusammentreffen ist dies (Lok./Part.Nom.Sg.n.)
dārabandhusuhṛdgaṇaiḥ
mit den Scharen von Frauen, Verwandten, Freunden (Instr.Pl.)

kvāsaṃ kvāsmi gamiṣyāmi ko nv ahaṃ kim ihāsthitaḥ; kasmāt kam anuśoceyam ity evaṃ sthāpayen manaḥ; anitye priyasaṃvāse saṃsāre cakravad gatau

„Wo war ich, wo bin ich, wohin werde ich gehen? Wer bin ich, wozu stehe ich hier? Weshalb, wen sollte ich beklagen?“ – so soll man den Geist festigen [angesichts] der vergänglichen Welt lieber Gemeinschaft, des Daseinskreislaufs, der wie ein Rad läuft.

Wort für Wort
kva āsaṃ kva asmi gamiṣyāmi
wo war ich, wo bin ich, [wohin] werde ich gehen (Impf./Präs./Fut.1.Sg.)
kaḥ nu aham kim iha āsthitaḥ
wer [bin] ich, was [tue ich] hier stehend (Nom.Sg./Part.)
kasmāt kam anuśoceyam
weshalb, wen sollte ich beklagen (Abl./Akk./1.Sg.Opt.)
iti evaṃ sthāpayet manaḥ
so soll man festigen den Geist (Kaus.3.Sg.Opt./Akk.Sg.)
anitye priyasaṃvāse
im vergänglichen, in dem lieben Zusammenleben (Lok.Sg.)
saṃsāre cakravad gatau
im Kreislauf, radgleich im Gang (Lok.Sg./Lok.Sg.)

Der letzte Pāda ist syntaktisch lose angeschlossen; Lokative als Bezugsrahmen gedeutet.

pathi saṃgatam evaitad bhrātā mātā pitā sakhā

Nur ein Zusammentreffen auf dem Weg ist dies: Bruder, Mutter, Vater, Freund.

Wort für Wort
pathi saṃgatam eva etat
auf dem Weg nur ein Zusammentreffen ist dies (Lok./Part.Nom.Sg.n.)
bhrātā mātā pitā sakhā
Bruder, Mutter, Vater, Freund (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

na dṛṣṭapūrvaṃ pratyakṣaṃ paralokaṃ vidur budhāḥ; āgamāṃs tv anatikramya śraddhātavyaṃ bubhūṣatā

Die Weisen kennen die jenseitige Welt nicht als je zuvor unmittelbar gesehen; ohne die Überlieferungen zu übertreten, soll man Glauben haben, wer gedeihen will.

Wort für Wort
na dṛṣṭapūrvaṃ pratyakṣam
nicht früher gesehen, unmittelbar (Part.Akk.Sg./Adv.)
paralokaṃ vidur budhāḥ
die jenseitige Welt kennen die Weisen (Akk./3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
āgamān tu anatikramya
die Überlieferungen aber nicht übertretend (Akk.Pl./Abs.)
śraddhātavyaṃ bubhūṣatā
Glauben ist zu haben von dem, der gedeihen will (Gerundiv/Part.Des.Instr.)

kurvīta pitṛdaivatyaṃ dharmāṇi ca samācaret; yajec ca vidvān vidhivat trivargaṃ cāpy anuvrajet

Man soll den Ahnen und Göttern [die Riten] darbringen, die Pflichten ausüben, als Wissender vorschriftsgemäß opfern und dem Dreiklang [Dharma, Artha, Kāma] folgen.

Wort für Wort
kurvīta pitṛdaivatyam
man soll vollziehen den Ahnen- und Götterdienst (3.Sg.Opt.Med./Akk.)
dharmāṇi ca samācaret
und die Pflichten üben (Akk.Pl./3.Sg.Opt.)
yajet ca vidvān vidhivat
und opfern soll der Wissende nach Vorschrift (3.Sg.Opt./Nom./Adv.)
trivargaṃ ca api anuvrajet
und auch dem Dreiklang folgen (Akk.Sg./3.Sg.Opt.)

saṃnimajjaj jagad idaṃ gambhīre kālasāgare; jarāmṛtyumahāgrāhe na kaś cid avabudhyate

Diese Welt versinkt im tiefen Ozean der Zeit, in dem Alter und Tod die großen Krokodile sind; keiner erwacht [dazu].

Wort für Wort
saṃnimajjat jagad idam
versinkend diese Welt (Part.Nom.Sg./Nom.Sg.)
gambhīre kālasāgare
im tiefen Ozean der Zeit (Lok.Sg.)
jarāmṛtyumahāgrāhe
der Alter und Tod als große Krokodile hat (Lok.Sg., Bahuvrīhi)
na kaś cid avabudhyate
keiner erkennt/erwacht (3.Sg.Präs.Med.)

āyurvedam adhīyānāḥ kevalaṃ saparigraham; dṛśyante bahavo vaidyā vyādhibhiḥ samabhiplutāḥ

Die, die nur die Heilkunde samt allem Zubehör studieren – viele solche Ärzte sieht man von Krankheiten überflutet.

Wort für Wort
āyurvedam adhīyānāḥ
die Heilkunde studierend (Akk.Sg./Part.Nom.Pl.)
kevalaṃ saparigraham
ausschließlich, samt Zubehör (Adv./Adv.)
dṛśyante bahavo vaidyāḥ
man sieht viele Ärzte (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
vyādhibhiḥ samabhiplutāḥ
von Krankheiten überflutet (Instr.Pl./Part.Nom.Pl.)

te pibantaḥ kaṣāyāṃś ca sarpīṃṣi vividhāni ca; na mṛtyum ativartante velām iva mahodadhiḥ

Sie trinken Absude und vielerlei Butterschmalz-Zubereitungen und überschreiten doch den Tod nicht, so wie das große Meer seine Küste nicht [überschreitet].

Wort für Wort
te pibantaḥ kaṣāyān ca
sie, trinkend Absude (Nom.Pl./Part./Akk.Pl.)
sarpīṃṣi vividhāni ca
und Schmalzarten mannigfacher Art (Akk.Pl.)
na mṛtyum ativartante
überschreiten den Tod nicht (Akk./3.Pl.Präs.Med.)
velām iva mahodadhiḥ
wie das große Meer die Küste (Akk.Sg./Nom.Sg.)

rasāyanavidaś caiva suprayuktarasāyanāḥ; dṛśyante jarayā bhagnā nagā nāgair ivottamaiḥ

Auch die Kenner der Verjüngungsmittel, die die Verjüngungsmittel richtig anwenden, sieht man vom Alter gebrochen, wie Bäume von den mächtigsten Elefanten.

Wort für Wort
rasāyanavidaḥ ca eva
und auch die Kenner der Verjüngungskunst (Nom.Pl.)
suprayuktarasāyanāḥ
die die Verjüngungsmittel gut angewendet haben (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
dṛśyante jarayā bhagnāḥ
man sieht vom Alter gebrochen (3.Pl.Pass./Instr./Part.Nom.Pl.)
nagā nāgair iva uttamaiḥ
Bäume wie von den besten Elefanten (Nom.Pl./Instr.Pl.)

tathaiva tapasopetāḥ svādhyāyābhyasane ratāḥ; dātāro yajñaśīlāś ca na taranti jarāntakau

Ebenso überwinden weder die, die mit Askese begabt und dem Vedastudium und seiner Übung ergeben sind, noch die Gebenden und Opferfreudigen Alter und Tod.

Wort für Wort
tathā eva tapasā upetāḥ
ebenso mit Askese begabt (Instr./Part.Nom.Pl.)
svādhyāyābhyasane ratāḥ
an Vedarezitation und deren Übung erfreut (Lok.Sg./Nom.Pl.)
dātāro yajñaśīlāḥ ca
Gebende und dem Opfer Zugetane (Nom.Pl.)
na taranti jarāntakau
überwinden nicht Alter und Tod (3.Pl.Präs./Akk.Du.)

na hy ahāni nivartante na māsā na punaḥ samāḥ; jātānāṃ sarvabhūtānāṃ na pakṣā na punaḥ kṣapāḥ

Denn nicht kehren die Tage um, nicht die Monate, nicht die Jahre; für alle geborenen Wesen nicht die Halbmonate, nicht die Nächte.

Wort für Wort
na hi ahāni nivartante
denn nicht kehren Tage um (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
na māsā na punaḥ samāḥ
nicht Monate, nicht Jahre (Nom.Pl.)
jātānāṃ sarvabhūtānām
für alle geborenen Wesen (Gen.Pl.)
na pakṣā na punaḥ kṣapāḥ
nicht Halbmonate, nicht Nächte (Nom.Pl.)

so 'yaṃ vipulam adhvānaṃ kālena dhruvam adhruvaḥ; naro 'vaśaḥ samabhyeti sarvabhūtaniṣevitam

Dieser Mensch, wiewohl unbeständig, geht durch die Zeit gewiss und ohnmächtig auf den weiten, von allen Wesen begangenen Weg zu.

Wort für Wort
so ayaṃ vipulam adhvānam
dieser da, den weiten Weg (Nom.Sg./Akk.Sg.)
kālena dhruvam adhruvaḥ
durch die Zeit gewiss, [selbst] unbeständig (Instr./Adv./Nom.Sg.)
naro avaśaḥ samabhyeti
der Mensch, willenlos, kommt heran (Nom./Nom./3.Sg.Präs.)
sarvabhūtaniṣevitam
von allen Wesen begangen (Part.Akk.Sg.)

deho vā jīvato 'bhyeti jīvo vābhyeti dehataḥ; pathi saṃgatam evedaṃ dārair anyaiś ca bandhubhiḥ

Entweder kommt der Körper zum Lebenden heran, oder der Lebensträger kommt vom Körper her; nur ein Zusammentreffen auf dem Weg ist dies mit Ehefrauen und anderen Verwandten.

Wort für Wort
deho vā jīvataḥ abhyeti
der Körper kommt zum Lebenden (Nom./Gen.Sg./3.Sg.Präs.)
jīvo vā abhyeti dehataḥ
oder der Lebensträger kommt vom Körper (Nom./Abl.)
pathi saṃgatam eva idam
auf dem Weg nur ein Zusammentreffen ist dies (Lok./Part.Nom.Sg.n.)
dārair anyaiḥ ca bandhubhiḥ
mit Ehefrauen und anderen Verwandten (Instr.Pl.)

Die Halbverszeile deho vā jīvato 'bhyeti … ist syntaktisch knapp; Deutung mit Vorbehalt [?].

nāyam atyantasaṃvāso labhyate jātu kena cit; api svena śarīreṇa kim utānyena kena cit

Dieses dauernde Zusammenleben wird von niemandem je erlangt, sogar mit dem eigenen Körper nicht, geschweige denn mit irgendeinem anderen.

Wort für Wort
na ayam atyantasaṃvāsaḥ
nicht dieses ewige Zusammenleben (Nom.Sg.)
labhyate jātu kena cit
wird erlangt je von jemandem (3.Sg.Pass./Instr.)
api svena śarīreṇa
sogar mit dem eigenen Körper (Instr.Sg.)
kim uta anyena kena cit
geschweige denn mit irgendeinem anderen (Instr.Sg.)

kva nu te 'dya pitā rājan kva nu te 'dya pitāmahaḥ; na tvaṃ paśyasi tān adya na tvāṃ paśyanti te 'pi ca

Wo sind dir heute der Vater, König, wo dein Großvater? Du siehst sie heute nicht, und auch sie sehen dich nicht.

Wort für Wort
kva nu te adya pitā rājan
wo ist dir heute der Vater, König (Nom./Vok.)
kva nu te adya pitāmahaḥ
wo dein Großvater heute (Nom.Sg.)
na tvaṃ paśyasi tān adya
du siehst sie heute nicht (2.Sg.Präs./Akk.Pl.)
na tvāṃ paśyanti te api ca
und auch sie sehen dich nicht (3.Pl.Präs.)

na hy eva puruṣo draṣṭā svargasya narakasya vā; āgamas tu satāṃ cakṣur nṛpate tam ihācara

Denn nie ist der Mensch Seher des Himmels oder der Hölle; die Überlieferung aber ist das Auge der Guten – Herr der Menschen, richte dich hier danach.

Wort für Wort
na hi eva puruṣo draṣṭā
denn nie ist der Mensch Seher (Nom./Nom.Sg.)
svargasya narakasya vā
des Himmels oder der Hölle (Gen.Sg.)
āgamas tu satāṃ cakṣuḥ
die Überlieferung aber ist der Guten Auge (Nom./Gen.Pl./Nom.)
nṛpate tam iha ācara
Fürst, befolge sie hier (Vok./Akk./Imp.2.Sg.)

caritabrahmacaryo hi prajāyeta yajeta ca; pitṛdevamaharṣīṇām ānṛṇyāyānasūyakaḥ

Wer die Keuschheit [des Schülerstandes] durchlebt hat, soll Nachkommen zeugen und opfern, ohne Missgunst, um die Schuld gegenüber den Ahnen, Göttern und Großen Sehern zu begleichen.

Wort für Wort
caritabrahmacaryo hi
denn wer den Brahmacarya-Stand vollzogen hat (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
prajāyeta yajeta ca
soll sich fortpflanzen und opfern (3.Sg.Opt.Med.)
pitṛdevamaharṣīṇām
gegenüber Ahnen, Göttern und Großen Sehern (Gen.Pl.)
ānṛṇyāya anasūyakaḥ
zur Schuldenfreiheit, nicht missgünstig (Dat./Nom.Sg.)

sa yajñaśīlaḥ prajane niviṣṭaḥ; prāg brahmacārī pravibhaktapakṣaḥ; ārādhayan svargam imaṃ ca lokaṃ; paraṃ ca muktvā hṛdayavyalīkam

Er, dem Opfer ergeben, auf Fortpflanzung bedacht, zuvor Brahmacārin, mit wohlgeordneten Seiten [?], gewinnt sich diese Welt und den Himmel und die jenseitige, nachdem er den Kummer des Herzens abgelegt hat.

Wort für Wort
sa yajñaśīlaḥ prajane niviṣṭaḥ
er, dem Opfer zugetan, der Zeugung hingegeben (Nom./Lok./Part.)
prāg brahmacārī
zuvor Brahmacārin (Adv./Nom.Sg.)
pravibhaktapakṣaḥ
mit gesonderten/geordneten Seiten (Nom.Sg., Bahuvrīhi) [?]
ārādhayan svargam imaṃ ca lokam
zufriedenstellend/erwerbend den Himmel und diese Welt (Part.Kaus./Akk.)
paraṃ ca muktvā hṛdayavyalīkam
und die jenseitige, nachdem er den Herzenskummer abgelegt (Akk./Abs./Akk.)

pravibhaktapakṣaḥ und die Konstruktion von ārādhayan sind unsicher.

samyag ghi dharmaṃ carato nṛpasya; dravyāṇi cāpy āharato yathāvat; pravṛttacakrasya yaśo 'bhivardhate; sarveṣu lokeṣu carācareṣu

Denn für den König, der recht den Dharma übt und Güter der Ordnung gemäß herbeischafft, dessen Rad [der Herrschaft] in Gang ist, wächst der Ruhm in allen Welten, den beweglichen und unbeweglichen.

Wort für Wort
samyak hi dharmaṃ carato nṛpasya
denn dem König, der recht den Dharma übt (Adv./Akk./Part.Gen.)
dravyāṇi ca api āharato yathāvat
und Güter herbeibringt, wie es sich gehört (Akk.Pl./Part.Gen./Adv.)
pravṛttacakrasya
dessen Rad in Gang gesetzt ist (Gen.Sg., Bahuvrīhi)
yaśo abhivardhate
der Ruhm wächst (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
sarveṣu lokeṣu carācareṣu
in allen Welten, beweglichen und unbeweglichen (Lok.Pl.)

vyāsa uvāca; ity evam ājñāya videharājo; vākyaṃ samagraṃ paripūrṇahetuḥ; aśmānam āmantrya viśuddhabuddhir; yayau gṛhaṃ svaṃ prati śāntaśokaḥ

Vyāsa sprach: So hatte der König der Videher die ganze Rede erfasst, [er], dessen Anliegen vollständig erfüllt war; er verabschiedete sich von Aśman, mit geläutertem Verstand, und ging in sein Haus, mit gestilltem Kummer.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
iti evam ājñāya videharājo
so nach dem Verstehen, der König der Videher (Abs./Nom.Sg.)
vākyaṃ samagraṃ paripūrṇahetuḥ
die ganze Rede, dessen Beweggrund erfüllt war (Akk./Adj./Nom.Sg.) [?]
aśmānam āmantrya viśuddhabuddhiḥ
Aśman anredend/verabschiedend, mit geläutertem Verstand (Akk./Abs./Nom.)
yayau gṛhaṃ svaṃ prati śāntaśokaḥ
ging zu seinem Haus, dessen Kummer gestillt war (3.Sg.Perf./Akk./Adv./Nom.)

paripūrṇahetuḥ unsicher.

tathā tvam apy acyuta muñca śokam; uttiṣṭha śakropama harṣam ehi; kṣātreṇa dharmeṇa mahī jitā te; tāṃ bhuṅkṣva kuntīsuta mā viṣādīḥ

So lass auch du, Acyuta, den Kummer fahren; steh auf, dem Śakra Gleicher, komm zur Freude! Durch den Kṣatriya-Dharma ist die Erde von dir gewonnen; genieße sie, Sohn der Kuntī, verzage nicht!

Wort für Wort
tathā tvam api acyuta muñca śokam
so lass auch du, Unerschütterter, den Kummer (Imp.2.Sg./Akk.)
uttiṣṭha śakropama harṣam ehi
steh auf, dem Śakra Gleicher, komm zur Freude (Imp./Vok./Akk./Imp.)
kṣātreṇa dharmeṇa mahī jitā te
durch Kṣatriya-Pflicht die Erde gewonnen von dir (Instr./Nom./Part./Instr.)
tāṃ bhuṅkṣva kuntīsuta mā viṣādīḥ
genieße sie, Sohn der Kuntī, verzage nicht (Imp.Med./Vok./Injunktiv)

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