Kapitel 199: brahmaparamārthavicāraḥ saṃsāracakropākhyānaṃ ca
Über das Höchste Brahman, das Rad des Saṃsāra und Nāradas Schau Viṣṇus
Das Kapitel beginnt mit einer Zusatzpassage (Manu) und einer Lehrrede über die Unterscheidung von Wirken, Wissen und dem eigenschaftslosen Brahman. Die lange Zusatzpassage am Ende erzählt das Gleichnis vom Mann im Brunnen (Saṃsāra-Deutung) und Nāradas Begegnung mit Sāvitrī und Viṣṇu.
manur uvāca; tad eva satataṃ manye na śakyam anuvarṇitum; yathānidarśanaṃ vastu na śakyam anubodhitum; yathā hi sāraṃ jānāti na kathaṃ cana saṃsthitam; parakāyacchavis tadvad dehe 'yaṃ cetanas tathā; vinā kāyaṃ na sā chāyā tāṃ vinā kāyam asty uta; tadvad eva vinā nāsti prakṛter iha vartanam; idaṃ vinā paraṃ nāsti nedam asti paraṃ vinā; jīvātmanā tv asau chinnas tv eṣa caiva parātmanā; tat tatheti viduḥ ke cid atathyam iti cāpare; ubhayaṃ me mataṃ vidvan muktihetau samāhitam; vimuktaiś ca mṛgaḥ so 'pi dṛśyate saṃyatendriyaḥ; sarveṣāṃ na hi dṛśyo hi taḍidvat sphurati hy asau; brāhmaṇasya samādṛśyo vartate so 'pi kiṃ punaḥ; vidyate paramaḥ śuddhaḥ sākṣibhūto vibhāvasuḥ; śrutir eṣā tato nityā tasmād ekaḥ paro mataḥ; na prayojanam uddiśya ceṣṭā tasya mahātmanaḥ; tādṛśo 'stv iti mantavyas tathā satyaṃ mahātmanā; nānāsaṃsthena bhedena sadā gativibhedavat; tasya bhedaḥ samākhyāto bhedo hy asti tathāvidhaḥ; evaṃ vidvan vijānīhi paramātmānam avyayam; tattadguṇaviśeṣeṇa saṃjñānām anusaṃyutam; sarveśvaraḥ sarvamayaḥ sa ca sarvapravartakaḥ; sarvātmakaḥ sarvaśaktiḥ sarvakāraṇakāraṇam; sarvasādhāraṇaḥ sarvair upāsyaś ca mahātmabhiḥ; vāsudeveti vikhyātas taṃ viditvāśnute 'mṛtam
Manu sprach: „Eben dies halte ich beständig [für richtig]: Es lässt sich nicht [erschöpfend] beschreiben; ein Ding ohne Beispiel lässt sich nicht verständlich machen. Wie einer das Wesentliche nicht erkennt, [wenn es] in keiner Weise feststeht [?], so [verhält es sich] mit dem Schimmer eines fremden Körpers, ebenso mit dem Bewusstsein in diesem Körper. Ohne Körper gibt es jenen Schatten nicht, und ohne ihn gibt es, so heißt es, [auch] den Körper [nicht]; ebenso gibt es hier ohne … der Prakṛti keinen Ablauf. Ohne dies gibt es nichts Höheres, ohne das Höhere gibt es dies nicht; durch das Lebens-Selbst ist dieser [vom Höchsten] abgetrennt, und dieser [ist es] durch das Höchste Selbst. ‚So ist es‘, wissen manche; ‚unwahr‘, [sagen] andere. Beides, Wissender, gilt mir als Ansicht, [beides] ist in der Ursache der Befreiung zusammengefasst. Auch jener Hirsch mit gezügelten Sinnen wird von den Befreiten gesehen; von allen wird er nicht gesehen, denn er blitzt gleich einem Blitz auf; für einen Brahmanen ist er gut sichtbar – was [gilt] erst [für andere]? Es gibt den Höchsten, Reinen, zum Zeugen Gewordenen, den Lichtschaffenden [Feuer/Sonne]; dies ist die Überlieferung, daher ewig; deshalb gilt der Eine als der Höchste. Nicht auf einen Zweck hin gerichtet ist das Wirken jenes Hochgesinnten; ‚So sei er!‘ ist zu bedenken, und so ist es wahr für den Hochgesinnten. Durch die in vielfältigem Zustand bestehende Unterscheidung, stets wie die Unterschiede des Gehens [?], – sein Unterschied ist genannt, denn ein solcher Unterschied besteht. So, Wissender, erkenne das Höchste Selbst, das Unvergängliche, verbunden mit Benennungen gemäß den jeweiligen besonderen Eigenschaften: Herr von allem, aus allem bestehend, Antreiber von allem, Selbst von allem, allmächtig, Ursache der Ursache von allem, allen gemeinsam und von allen Hochgesinnten zu verehren, unter dem Namen Vāsudeva berühmt – wer ihn erkannt hat, erlangt Unsterblichkeit.“
Wort für Wort
manur uvāca
Manu sprach (Perf.)
tad eva satataṃ manye na śakyam anuvarṇitum
eben dies halte ich beständig [dafür]: es ist nicht zu beschreiben (1.Sg.Präs./Inf.)
yathānidarśanaṃ vastu na śakyam anubodhitum
ein Ding ohne Beispiel ist nicht verständlich zu machen (Nom./Inf.)
yathā hi sāraṃ jānāti na kathaṃ cana saṃsthitam
wie einer das Wesentliche nicht erkennt, [das] in keiner Weise feststeht [?] (3.Sg.Präs./Part.)
parakāyacchavis tadvad dehe 'yaṃ cetanas tathā
der Schimmer eines fremden Körpers, so [ist] in diesem Körper dieses Bewusstsein (Nom./Lok.)
vinā kāyaṃ na sā chāyā tāṃ vinā kāyam asty uta
ohne Körper gibt es jenen Schatten nicht, ohne ihn [auch] den Körper [nicht] (Präp./3.Sg.Präs.)
tadvad eva vinā nāsti prakṛter iha vartanam
ebenso gibt es ohne [?] der Prakṛti hier keinen Ablauf (Gen./Nom.)
idaṃ vinā paraṃ nāsti nedam asti paraṃ vinā
ohne dies gibt es nichts Höheres, ohne das Höhere nicht dies (3.Sg.Präs.)
jīvātmanā tv asau chinnas tv eṣa caiva parātmanā
durch das Lebens-Selbst ist jener abgetrennt, dieser durch das Höchste Selbst (Instr./PPP)
tat tatheti viduḥ ke cid atathyam iti cāpare
das [halten] manche für ‚so‘, andere für ‚unwahr‘ (3.Pl.Perf. wissen)
ubhayaṃ me mataṃ vidvan muktihetau samāhitam
beides gilt mir, Wissender, als Ansicht, in der Ursache der Befreiung zusammengefasst (Nom./Vok./Lok./PPP)
vimuktaiś ca mṛgaḥ so 'pi dṛśyate saṃyatendriyaḥ
und von den Befreiten wird auch jener Hirsch mit gezügelten Sinnen gesehen (Instr./Pass.Präs.)
sarveṣāṃ na hi dṛśyo hi taḍidvat sphurati hy asau
von allen nicht sichtbar, denn er blitzt wie ein Blitz (Gen.Pl./3.Sg.Präs.)
brāhmaṇasya samādṛśyo vartate so 'pi kiṃ punaḥ
für einen Brahmanen ist er gut sichtbar – was erst [sonst]? (Gen./Gerundiv)
vidyate paramaḥ śuddhaḥ sākṣibhūto vibhāvasuḥ
es gibt den Höchsten, Reinen, zum Zeugen Gewordenen, den Lichtschaffenden (3.Sg.Pass./Nom.)
śrutir eṣā tato nityā tasmād ekaḥ paro mataḥ
dies ist Überlieferung, daher ewig; deshalb gilt der Eine als der Höchste (Nom./PPP)
na prayojanam uddiśya ceṣṭā tasya mahātmanaḥ
nicht auf einen Zweck hin ist das Wirken jenes Hochgesinnten (Abs./Nom./Gen.)
tādṛśo 'stv iti mantavyas tathā satyaṃ mahātmanā
‚so sei er‘ ist zu bedenken, so ist es wahr für den Hochgesinnten (Imp./Gerundiv/Instr.)
nānāsaṃsthena bhedena sadā gativibhedavat
durch die in vielfältigem Zustand bestehende Unterscheidung, stets gleich Unterschieden des Gehens (Instr./Adv.)
tasya bhedaḥ samākhyāto bhedo hy asti tathāvidhaḥ
sein Unterschied ist genannt, denn ein solcher Unterschied besteht (PPP/3.Sg.Präs.)
evaṃ vidvan vijānīhi paramātmānam avyayam
so, Wissender, erkenne das Höchste Selbst, das Unvergängliche (Imp./Akk.)
tattadguṇaviśeṣeṇa saṃjñānām anusaṃyutam
verbunden mit Benennungen gemäß den jeweiligen besonderen Eigenschaften (Instr./Gen.Pl./PPP)
sarveśvaraḥ sarvamayaḥ sa ca sarvapravartakaḥ
Herr von allem, aus allem bestehend, Antreiber von allem (Nom.)
sarvātmakaḥ sarvaśaktiḥ sarvakāraṇakāraṇam
Selbst von allem, allmächtig, Ursache der Ursache von allem (Nom.)
sarvasādhāraṇaḥ sarvair upāsyaś ca mahātmabhiḥ
allen gemeinsam und von allen Hochgesinnten zu verehren (Nom./Gerundiv/Instr.Pl.)
vāsudeveti vikhyātas taṃ viditvāśnute 'mṛtam
als Vāsudeva berühmt; ihn erkannt habend erlangt man Unsterblichkeit (PPP/Abs./3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr knapper, teils verderbter Zusatztext (Vers 2, 3, 5, 7, 12, 15 unsicher); Zeile ‚sāraṃ … saṃsthitam‘ und ‚mṛgaḥ‘ nur vorläufig gedeutet.
yadā te pañcabhiḥ pañca vimuktā manasā saha; atha tad drakṣyase brahma maṇau sūtram ivārpitam
Wenn du mit den fünf [Sinnen] die fünf [Objekte] samt dem Denkorgan losgelöst hast, dann wirst du jenes Brahman schauen, wie einen auf einen Edelstein [gefädelten] Faden aufgereiht.
Wort für Wort
yadā te pañcabhiḥ pañca vimuktā manasā saha
wenn dir die fünf [Objekte] mit den fünf [Sinnen] samt dem Denkorgan losgelöst sind (Instr./Nom.Pl.f./Instr.) [?]
atha tad drakṣyase brahma
dann wirst du jenes Brahman sehen (2.Sg.Fut.)
maṇau sūtram ivārpitam
wie einen Faden, in einen Edelstein eingefügt (Lok./PPP)
Ebenso in Rindern und Menschen, ebenso in Elefanten, Tieren und dergleichen, ebenso in Würmern und Faltern: [überall] haftet das Selbst durch seine Taten [an].
Wort für Wort
tadvad goṣu manuṣyeṣu
ebenso in Rindern, in Menschen (Lok.Pl.)
tadvad hastimṛgādiṣu
ebenso in Elefanten, Wild und Ähnlichem (Lok.Pl.)
tadvat kīṭapataṃgeṣu
ebenso in Würmern und Faltern (Lok.Pl.)
prasaktātmā svakarmabhiḥ
das Selbst haftet an durch die eigenen Taten (PPP/Instr.Pl.)
Aus Wissen entsteht das Begehren, aus dem Begehren [folgt] die Absicht; die Tat hat die Absicht zur Voraussetzung, aus der Tat als Wurzel [erwächst] dann die Frucht.
Wort für Wort
jñānapūrvodbhavā lipsā
das Begehren, dessen Entstehen Wissen vorausgeht (Nom.f.)
lipsāpūrvābhisaṃdhitā
Absichtlichkeit, der Begehren vorausgeht (Nom.f.)
abhisaṃdhipūrvakaṃ karma
die Tat, der Absicht vorausgeht (Nom.n.)
karmamūlaṃ tataḥ phalam
dann die Frucht, deren Wurzel die Tat ist (Nom.n./Adv.)
Man soll wissen: Die Frucht ist von der Natur der Tat, die Tat von der Natur des zu Erkennenden; das zu Erkennende ist von der Natur des Wissens, und das Wissen ist von der Natur von Seiend und Nicht-Seiend.
Wort für Wort
phalaṃ karmātmakaṃ vidyāt
die Frucht möge man als das Wesen der Tat habend wissen (Akk./3.Sg.Opt.)
karma jñeyātmakaṃ tathā
ebenso die Tat als das Wesen des zu Erkennenden habend (Akk.)
jñeyaṃ jñānātmakaṃ vidyāt
das zu Erkennende als Wissen-Wesen (Akk.)
jñānaṃ sadasadātmakam
das Wissen als vom Wesen Seiend-und-Nichtseiend (Akk.)
jñānānāṃ ca phalānāṃ ca jñeyānāṃ karmaṇāṃ tathā; kṣayānte tat phalaṃ divyaṃ jñānaṃ jñeyapratiṣṭhitam
Am Ende des Vergehens der Erkenntnisse, der Früchte, des zu Erkennenden und der Taten [bleibt] jene göttliche Frucht: das im zu Erkennenden gegründete Wissen.
Wort für Wort
jñānānāṃ ca phalānāṃ ca
der Erkenntnisse und der Früchte (Gen.Pl.)
jñeyānāṃ karmaṇāṃ tathā
des zu Erkennenden, ebenso der Taten (Gen.Pl.)
kṣayānte tat phalaṃ divyam
am Ende des Schwindens jene göttliche Frucht (Lok./Nom.)
jñānaṃ jñeyapratiṣṭhitam
das Wissen, im zu Erkennenden gegründet (Nom./PPP)
mahad dhi paramaṃ bhūtaṃ yuktāḥ paśyanti yoginaḥ; abudhās taṃ na paśyanti hy ātmasthā guṇabuddhayaḥ
Denn das Große, Höchste Seiende schauen die Yoga-Geübten, die Yogins; die Unverständigen schauen es nicht, [sie,] die im [eigenen] Selbst stehen [und] die Eigenschaften für das Erkennen halten.
Wort für Wort
mahad dhi paramaṃ bhūtam
denn das große, höchste Seiende (Akk.)
yuktāḥ paśyanti yoginaḥ
die Gesammelten, die Yogins, schauen [es] (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
abudhās taṃ na paśyanti
die Unverständigen sehen es nicht (Nom.Pl.)
hy ātmasthā guṇabuddhayaḥ
denn im Selbst stehend, mit auf die Eigenschaften gerichtetem Erkennen (Nom.Pl.)
Und größer als der Wind ist der Raum, höher als dieser das Denkorgan; größer als das Denkorgan ist die Erkenntnisfähigkeit, größer als die Erkenntnisfähigkeit gilt die Zeit.
Wort für Wort
pavanāc ca mahad vyoma
und größer als der Wind der Raum (Abl./Nom.)
tasmāt parataraṃ manaḥ
höher als dieser das Denkorgan (Abl./Kompar.)
manaso mahatī buddhiḥ
größer als das Denkorgan die Erkenntnisfähigkeit (Abl./Nom.f.)
buddheḥ kālo mahān smṛtaḥ
größer als die Erkenntnisfähigkeit gilt die Zeit (Abl./PPP)
tad brahma paramaṃ proktaṃ tad dhāma paramaṃ smṛtam; tad gatvā kālaviṣayād vimuktā mokṣam āśritāḥ
Jenes wird als das höchste Brahman bezeichnet, jenes gilt als die höchste Stätte; dorthin gelangt, [sind] die aus dem Bereich der Zeit Befreiten in die Erlösung gegangen.
Wort für Wort
tad brahma paramaṃ proktam
jenes Brahman wird als das höchste bezeichnet (PPP)
tad dhāma paramaṃ smṛtam
jene Stätte gilt als die höchste (PPP)
tad gatvā kālaviṣayād vimuktāḥ
dorthin gegangen, vom Bereich der Zeit befreit (Abs./Abl./Nom.Pl.)
Durch diese Eigenschaften [freilich] leuchten sie auf; darüber hinaus, wegen der Eigenschaftslosigkeit, [liegt jenes]. Die Pflicht, die das Merkmal des Ablassens [vom Handeln] hat, taugt so zum Unendlichen.
Wort für Wort
guṇais tv etaiḥ prakāśante
durch diese Eigenschaften leuchten sie auf (Instr.Pl./3.Pl.Med.)
nirguṇatvāt tataḥ param
wegen der Eigenschaftslosigkeit darüber hinaus (Abl./Adv.)
nivṛttilakṣaṇo dharmaḥ
die Pflicht mit dem Merkmal des Ablassens (Nom.)
tathānantyāya kalpate
so taugt sie zur Unendlichkeit (Dat./3.Sg.Med.)
„tathānantyāya kalpate“ wörtlich: ‚wird geeignet zur Endlosigkeit‘.
Ṛc-Verse, Yajus-Formeln und Sāman-Gesänge, an Körper gebunden, treten auf den Zungenspitzen hervor; durch Anstrengung zu vollbringen, sind sie vergänglich.
Wort für Wort
ṛco yajūṃṣi sāmāni
Ṛc-Verse, Yajus-Sprüche, Sāman-Gesänge (Nom.Pl.)
śarīrāṇi vyapāśritāḥ
auf Körper gestützt (Akk.Pl./PPP)
jihvāgreṣu pravartante
auf den Zungenspitzen treten sie hervor (Lok.Pl./3.Pl.Med.)
yatnasādhyā vināśinaḥ
durch Anstrengung zu vollbringen, vergänglich (Nom.Pl.)
na caivam iṣyate brahma śarīrāśrayasaṃbhavam; na yatnasādhyaṃ tad brahma nādimadhyaṃ na cāntavat
Und so wird Brahman nicht gedacht: nicht als im Körper gegründet und entstanden, nicht durch Anstrengung zu vollbringen; jenes Brahman hat weder Anfang noch Mitte noch Ende.
Wort für Wort
na caivam iṣyate brahma
und so wird Brahman nicht angenommen (3.Sg.Pass.Präs.)
śarīrāśrayasaṃbhavam
im Körper seine Stütze und Entstehung habend (Nom.n.)
na yatnasādhyaṃ tad brahma
nicht durch Anstrengung zu erreichen, jenes Brahman
Der Anfang der Ṛc-Verse, ebenso der Sāmans und der Yajus wird genannt; bei den mit einem Anfang Versehenen sieht man auch das Ende; Brahman aber gilt als anfanglos.
Wort für Wort
ṛcām ādis tathā sāmnāṃ
der Anfang der Ṛc, ebenso der Sāmans (Gen.Pl.)
yajuṣām ādir ucyate
der Anfang der Yajus wird genannt (Gen.Pl./3.Sg.Pass.)
antaś cādimatāṃ dṛṣṭaḥ
und ein Ende ist bei denen mit Anfang gesehen (Gen.Pl./PPP)
anāditvād anantatvāt tad anantam athāvyayam; avyayatvāc ca nirdvaṃdvaṃ dvaṃdvābhāvāt tataḥ param
Wegen der Anfangs- und Endlosigkeit ist es unendlich und unvergänglich; wegen der Unvergänglichkeit frei von Gegensatzpaaren, und wegen des Fehlens der Gegensatzpaare darüber hinaus.
Wort für Wort
anāditvād anantatvāt
wegen Anfangslosigkeit, wegen Endlosigkeit (Abl.)
tad anantam athāvyayam
daher unendlich und unvergänglich (Nom.n.)
avyayatvāc ca nirdvaṃdvam
und wegen der Unvergänglichkeit gegensatzfrei (Abl./Nom.n.)
dvaṃdvābhāvāt tataḥ param
wegen des Fehlens der Gegensatzpaare darüber hinaus (Abl./Adv.)
adṛṣṭato 'nupāyāc ca apy abhisaṃdheś ca karmaṇaḥ; na tena martyāḥ paśyanti yena gacchanti tat param
Weil es nicht gesehen wird, weil es kein [gangbares] Mittel gibt und wegen der [Ziel-]Absicht des Handelns: darum sehen die Sterblichen nicht jenes, wodurch sie zum Höchsten gehen.
Wort für Wort
adṛṣṭato 'nupāyāc ca
wegen Ungesehenseins und wegen Fehlens eines Mittels (Abl.)
apy abhisaṃdheś ca karmaṇaḥ
und auch wegen der Absicht des Handelns (Abl./Gen.)
na tena martyāḥ paśyanti
darum sehen die Sterblichen nicht (Instr./Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
yena gacchanti tat param
wodurch sie zu jenem Höchsten gehen (Instr./3.Pl.Präs.)
Vers grammatisch schwierig (‚apy‘ nach ‚ca‘ wohl Füllwort); Wiedergabe sinngemäß.
viṣayeṣu ca saṃsargāc chāśvatasya ca darśanāt; manasā cānyad ākāṅkṣan paraṃ na pratipadyate
Wegen der Verhaftung an die Sinnesobjekte und weil [nur] das Vergängliche [als] Ewiges gesehen wird, gelangt einer, der mit dem Denkorgan etwas anderes begehrt, nicht zum Höchsten.
Wort für Wort
viṣayeṣu ca saṃsargāt
und wegen der Verbindung mit den Sinnesobjekten (Lok.Pl./Abl.)
śāśvatasya ca darśanāt
und wegen des Sehens des Ewigen [?] (Gen./Abl.)
manasā cānyad ākāṅkṣan
und mit dem Denkorgan anderes erstrebend (Instr./Part.)
paraṃ na pratipadyate
erreicht das Höchste nicht (Akk./3.Sg.Präs.Med.)
‚śāśvatasya ca darśanāt‘ vieldeutig: vermutlich ‚weil das Ewige [in Vergänglichem] gesehen wird‘ [?].
guṇān yad iha paśyanti tad icchanty apare janāḥ; paraṃ naivābhikāṅkṣanti nirguṇatvād guṇārthinaḥ
Die Eigenschaften, die die [anderen] Menschen hier sehen, die wünschen sie; das Höchste begehren sie nicht, weil es eigenschaftslos ist – sie streben nach Eigenschaften.
Wort für Wort
guṇān yad iha paśyanti
was an Eigenschaften sie hier sehen (Akk.Pl./3.Pl.Präs.)
tad icchanty apare janāḥ
das wünschen andere Menschen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
paraṃ naivābhikāṅkṣanti
das Höchste begehren sie gar nicht (3.Pl.Präs.)
nirguṇatvād guṇārthinaḥ
wegen der Eigenschaftslosigkeit, Eigenschaften zum Ziel habend (Abl./Nom.Pl.)
guṇair yas tv avarair yuktaḥ kathaṃ vidyād guṇān imān; anumānād dhi gantavyaṃ guṇair avayavaiḥ saha
Wer aber mit den niedrigeren Eigenschaften verbunden ist, wie sollte der diese Eigenschaften [wirklich] erkennen? Man muss ja durch Schlussfolgern gehen, mit den Eigenschaften samt [ihren] Teilen.
Wort für Wort
guṇair yas tv avarair yuktaḥ
wer mit niedrigeren Eigenschaften verbunden ist (Instr.Pl./Nom.)
kathaṃ vidyād guṇān imān
wie sollte er diese Eigenschaften erkennen? (3.Sg.Opt./Akk.Pl.)
anumānād dhi gantavyam
denn durch Schluss ist zu gehen (Abl./Gerundiv)
guṇair avayavaiḥ saha
mit den Eigenschaften, den Teilen zusammen (Instr.Pl./Präp.)
„anumānād gantavyam“: durch Schluss zu gehen; Sinn der zweiten Hälfte unsicher [?].
sūkṣmeṇa manasā vidmo vācā vaktuṃ na śaknumaḥ; mano hi manasā grāhyaṃ darśanena ca darśanam
Mit feinem Denkorgan erkennen wir [es], mit Worten können wir [es] nicht sagen; denn das Denkorgan ist durch das Denkorgan zu erfassen, und durch die Schau [auch] die Schau.
Wort für Wort
sūkṣmeṇa manasā vidmaḥ
mit feinem Denken wissen wir (Instr./1.Pl.Präs.)
vācā vaktuṃ na śaknumaḥ
mit Worten zu sagen vermögen wir nicht (Instr./Inf./1.Pl.)
mano hi manasā grāhyam
denn das Denkorgan ist durch das Denkorgan zu erfassen (Gerundiv)
Wenn man durch Wissen die Erkenntnisfähigkeit geläutert hat, durch die Erkenntnisfähigkeit das Denkorgan, durch das Denkorgan die Schar der Sinne, so erreicht man das Unendliche.
Wort für Wort
jñānena nirmalīkṛtya buddhim
durch Wissen die Erkenntnisfähigkeit geläutert habend (Instr./Abs./Akk.)
buddhyā tathā manaḥ
durch die Erkenntnisfähigkeit ebenso das Denkorgan (Instr./Akk.)
manasā cendriyagrāmam
durch das Denkorgan die Schar der Sinne (Instr./Akk.)
Wer der Erkenntnisfähigkeit entbehrt, mit dem Denkorgan nicht gedeiht und [darum] ohne Hoffnung ist, gerät in den Zustand der Eigenschaften; das Höchste lassen sie hier fahren, verlockt, wie der Wind das Feuer, das im Brennstoff steht.
Wort für Wort
buddhiprahīṇo manasāsamṛddhaḥ
der Erkenntnisfähigkeit verlustig, im Denken nicht gedeihend (Nom.)
tathā nirāśīr guṇatām upaiti
und ohne Hoffnung gerät er in den Zustand der Eigenschaften (Nom./3.Sg.Präs.)
paraṃ tyajantīha vilobhyamānāḥ
das Höchste verlassen sie hier, verlockt (3.Pl.Präs./Part.Pass.)
hutāśanaṃ vāyur ivendhanastham
wie der Wind das im Brennholz stehende Feuer (Akk.)
Zweite Hälfte elliptisch; Bezug von ‚vilobhyamānā‘ (Pl.) unsicher [?].
guṇādāne viprayoge ca teṣāṃ; manaḥ sadā buddhiparāvarābhyām; anenaiva vidhinā saṃpravṛtto; guṇādāne brahmaśarīram eti
Beim Ergreifen und beim Lassen der Eigenschaften ist das Denkorgan stets [im Wechsel] von der Erkenntnisfähigkeit, dem Höheren und dem Niederen, abhängig; nach genau diesem Verfahren beim Ergreifen der Eigenschaften in Gang gesetzt, geht man in einen Brahman-Körper ein.
Wort für Wort
guṇādāne viprayoge ca teṣām
beim Ergreifen und beim Lösen von ihnen (Lok./Gen.Pl.)
manaḥ sadā buddhiparāvarābhyām
das Denkorgan stets mit Erkenntnisfähigkeit, Höherem und Niederem [?] (Instr.Du.)
anenaiva vidhinā saṃpravṛttaḥ
nach eben diesem Verfahren in Gang gesetzt (Instr./PPP)
guṇādāne brahmaśarīram eti
beim Ergreifen der Eigenschaften geht er in einen Brahman-Körper ein (Lok./Akk./3.Sg.Präs.)
„buddhiparāvarābhyām“ Dual: ‚durch Erkenntnis und Niederes/Höheres‘; Deutung unsicher [?].
avyaktātmā puruṣo 'vyaktakarmā; so 'vyaktatvaṃ gacchati hy antakāle; tair evāyaṃ cendriyair vardhamānair; glāyadbhir vā vartate karmarūpaḥ
Der Puruṣa, dessen Selbst unmanifest [und] dessen Handeln unmanifest ist, geht am Ende [der Zeit] eben in den Zustand des Unmanifesten ein; mit ebendiesen Sinnen, wachsend oder schwindend, lebt dieser als Träger der Tat.
Wort für Wort
avyaktātmā puruṣo 'vyaktakarmā
der Puruṣa mit unmanifestem Selbst und unmanifester Tat (Nom.)
so 'vyaktatvaṃ gacchati hy antakāle
der geht in Unmanifestheit ein zur Zeit des Endes (Akk./3.Sg.Präs./Lok.)
tair evāyaṃ cendriyair vardhamānaiḥ
und mit ebendiesen Sinnen, wachsenden (Instr.Pl./Part.)
glāyadbhir vā vartate karmarūpaḥ
oder schwindenden lebt er, die Tat zur Gestalt habend (Instr.Pl./3.Sg.Präs./Nom.)
Mit allen Sinnen ausgestattet sei dieser Körper, der die fünf Elemente zur Stütze hat, [in Existenz] gelangt; wegen [seines] Nichtvermögens geht er hier durch Handeln nicht [dorthin], bleibt zurück hinter jenem Höchsten, Unvergänglichen.
Wort für Wort
sarvair ayaṃ cendriyaiḥ saṃprayuktaḥ
dieser, mit allen Sinnen ausgestattet (Instr.Pl./PPP)
dehaḥ prāptaḥ pañcabhūtāśrayaḥ syāt
der Körper, gelangt, die fünf Elemente als Stütze habend, möge sein (Nom./PPP/3.Sg.Opt.)
nāsāmarthyād gacchati karmaṇeha
wegen Nichtvermögens geht er durch Handeln hier nicht [?] (Abl./3.Sg.Präs./Instr.)
hīnas tena parameṇāvyayena
bleibt zurück hinter jenem Höchsten, Unvergänglichen (PPP/Instr.)
Vers verdichtet; ‚nāsāmarthyād‘ ist als ‚na asāmarthyāt‘ gedeutet [?].
Der Mensch sieht kein Ende dieser Erde; wisse: sie wird [doch] ein Ende haben. Das Höchste führen sie hier den Verlockten [dahin], wie der Wind ein Floß auf dem Meer.
Wort für Wort
pṛthvyā naraḥ paśyati nāntam asyāḥ
vom Erdreich sieht der Mensch kein Ende davon (Gen./Nom./3.Sg.Präs.)
hy antaś cāsyā bhavitā ceti viddhi
und ein Ende wird sie haben – so wisse (Nom./Part.Fut./Imp.)
paraṃ nayantīha vilobhyamānam
das Höchste führen sie hier den Verlockten [?] (3.Pl.Präs./Part.Pass.)
yathā plavaṃ vāyur ivārṇavastham
wie der Wind ein Floß auf dem Meer (Akk./Kompos.)
‚paraṃ nayanti … vilobhyamānam‘ nur sinngemäß; Bezug unsicher [?].
divākaro guṇam upalabhya nirguṇo; yathā bhaved vyapagataraśmimaṇḍalaḥ; tathā hy asau munir iha nirviśeṣavān; sa nirguṇaṃ praviśati brahma cāvyayam
Wie die Sonne, [wenn sie] eine Eigenschaft [d.h. ihre Strahlen] aufgenommen hat, [dennoch] eigenschaftslos sein kann, sobald ihre Strahlenscheibe verschwunden ist, so geht der Weise hier, ohne Besonderheit, in das eigenschaftslose, unvergängliche Brahman ein.
Wort für Wort
divākaro guṇam upalabhya nirguṇaḥ
die Sonne, eine Eigenschaft erfasst habend, eigenschaftslos (Nom./Abs.)
yathā bhaved vyapagataraśmimaṇḍalaḥ
wie sie sein kann, wenn die Strahlenscheibe verschwunden ist (3.Sg.Opt./PPP)
tathā hy asau munir iha nirviśeṣavān
so ist jener Weise hier ohne Besonderheit (Nom.)
sa nirguṇaṃ praviśati brahma cāvyayam
er tritt in das eigenschaftslose und unvergängliche Brahman ein (Akk./3.Sg.Präs.)
‚upalabhya‘ hier vermutlich ‚wahrgenommen habend / im Besitz von‘; Vers verdichtet [?].
Wer ihn bedacht hat – das Nicht-Wiederkehren, das höchste Ziel der Tugendhaften, den Selbstentstandenen, Ursprung und Bewahrungsort [aller Dinge], den Unvergänglichen, den Ewigen, jenen unsterblichen, unvergänglichen Zustand –, der erlangt Ruhe [und] Unsterblichkeit.
Wort für Wort
anāgatiṃ sukṛtimatāṃ parāṃ gatim
das Nicht-Wiederkehren, das höchste Ziel der Tugendhaften (Akk./Gen.Pl.)
svayaṃbhuvaṃ prabhavanidhānam avyayam
den Selbstentstandenen, Ursprung und Ruheort, den Unvergänglichen (Akk.)
sanātanaṃ yad amṛtam avyayaṃ padam
den Ewigen, das, was der unsterbliche, unvergängliche Zustand ist (Akk./Rel.)
vicārya taṃ śamam amṛtatvam aśnute
nachdem er ihn bedacht hat, erlangt er Ruhe und Unsterblichkeit (Abs./Akk./3.Sg.Med.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, überaus Weiser! Wenn die Welt von Leid und Kummer erfüllt ist, im Rad des Saṃsāra der Wesen – gibt es da keinen Überdruss [an der Welt]? Was ist das nur?“ Bhīṣma sprach: „Hierzu erzählt man diese uralte Geschichte, das Zwiegespräch des Nibandhana mit Bhogavatī, o bester der Könige. [Man erzählt von] einem Weisen namens Nibandhana, dürr, von der Gestalt eines Adernbündels, ohne Unternehmen, ohne Stütze und ohne Anhaften an Tätigkeit. Als seine Mutter Bhogavatī [ihren] Sohn so sah, sprach sie ihn bekümmert an: ‚Steh auf, Tor! Was liegst du da, ohne Rücksicht auf [deine] Freunde und Verwandten? Ohne Stütze in [Fragen des] Gelderwerbs – was ist dein väterliches Vermögen?‘ Nibandhana sprach: ‚Mein väterliches [Erbe] ist groß, Mutter, aber es ist hier ein Haus allen Leidens. Es gibt es [dennoch]; um dieses [Leid] zu zerstören, will ich mich darum bemühen – sorge dich nicht. Dieser überaus furchtbare Körper wurde mir ohne Zweifel vom Vater gegeben; wenn man zu ebendiesem Vater gegangen ist, bleibt das ewige Gut. Irgendjemand, der im großen Saṃsāra lebt, aus Verlangen nach Reichtum …“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca; pitāmaha mahāprājña
Yudhiṣṭhira sprach; Großvater, Hochweiser (Vok.)
duḥkhaśokasamākule saṃsāracakre lokānām
im von Leid und Kummer erfüllten Rad des Saṃsāra der Menschen (Lok./Gen.Pl.)
nirvedo nāsti kiṃ nv idam
Überdruss gibt es nicht? Was ist das nur? (Nom./3.Sg.Präs.)
Bhīṣma sprach; hierzu erzählt man diese alte Geschichte (3.Pl.Präs./Akk.)
nibandhanasya saṃvādaṃ bhogavatyā nṛpottama
das Gespräch des Nibandhana mit Bhogavatī, bester der Könige (Gen./Akk./Instr./Vok.)
muniṃ nibandhanaṃ śuṣkaṃ dhamanīyākṛtiṃ tathā
den Weisen Nibandhana, dürr und von Adern-Gestalt (Akk.)
nirārambhaṃ nirālambam asajjantaṃ ca karmaṇi
ohne Unternehmung, ohne Stütze, nicht am Handeln haftend (Akk./Part.)
putraṃ dṛṣṭvāpy uvācārtaṃ mātā bhogavatī tadā
den bekümmerten Sohn gesehen habend, sprach da die Mutter Bhogavatī (Abs./Perf.)
uttiṣṭha mūḍha kiṃ śeṣe nirapekṣaḥ suhṛjjanaiḥ
steh auf, Tor! was liegst du, unbekümmert um Freunde? (Imp./2.Sg.Präs.)
nirālambo dhanopāye paitṛkaṃ tava kiṃ dhanam
ohne Stütze im Gelderwerb – was ist dein väterliches Vermögen? (Lok./Nom.)
nibandhana uvāca; paitṛkaṃ me mahan mātaḥ
Nibandhana sprach; mein väterliches [Erbe] ist groß, Mutter (Vok.)
sarvaduḥkhālayaṃ tv iha
aber hier ein Haus allen Leids (Nom.n.)
asty etat tadvighātāya yatiṣye tatra mā śucaḥ
dies gibt es; zu dessen Zerstörung will ich mich bemühen, dabei sorge dich nicht (Dat./1.Sg.Fut./Prohib.)
idaṃ śarīram atyugraṃ pitrā dattam asaṃśayam
dieser überaus furchtbare Körper, vom Vater gegeben, zweifellos (Nom./PPP/Instr.)
tam eva pitaraṃ gatvā dhanaṃ tiṣṭhati śāśvatam
zu ebendiesem Vater gegangen besteht das ewige Gut (Abs./3.Sg.Präs.)
kaś cin mahati saṃsāre vartamāno dhanecchayā
irgendeiner, im großen Saṃsāra weilend, aus Reichtumswunsch (Lok./Part./Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text bricht am Ende mitten im Satz ab (Fortsetzung in Einheit 36). Bhogavatī vermutlich Schlangenfrau.
vanadurgam abhiprāpto mahat kravyādasaṃkulam; siṃhavyāghragajākārair atighorair mahāśanaiḥ; samantāt suparikṣiptaṃ sa dṛṣṭvā vyathate pumān; sa tad vanaṃ hy anucaran vipradhāvann itas tataḥ; vīkṣamāṇo diśaḥ sarvāḥ śaraṇārthaṃ pradhāvati; athāpaśyad vanaṃ rūḍhaṃ samantād vāgurāvṛtam; vanamadhye ca tatrāsīd udapānaḥ samāvṛtaḥ; vallibhis tṛṇasaṃchinnair gūḍhābhir abhisaṃvṛtaḥ; sa papāta dvijas tatra vijane salilāśaye; vilagnaś cābhavat tasmiṃl latāsaṃtānasaṃkule; bāhubhyāṃ saṃpariṣvaktas tayā paramasattvayā; sa tathā lambate tatra ūrdhvapādo hy adhaḥśirāḥ; adhas tatraiva jātaś ca jambūvṛkṣaḥ sudustaraḥ; kūpasya tasya velāyā apaśyat sumahāphalam
[…] gelangte in eine Waldwildnis, groß, voller Raubtiere, ringsum dicht umgeben von überaus furchtbaren, gewaltig fressenden [Wesen] in Gestalt von Löwen, Tigern und Elefanten; als der Mann [das] sah, erbebte er. Er irrte in jenem Wald umher und lief hierhin und dorthin; alle Himmelsrichtungen absuchend, rannte er um Zuflucht. Da erblickte er einen dichten, ringsum von Dornengestrüpp umschlossenen Wald; mitten im Wald war ein Brunnen, verdeckt von Schlingpflanzen, die von Gras überwuchert und verborgen ihn ringsum verhüllten. In den einsamen Wasserort fiel der Zweimalgeborene; er blieb hängen in dem Geflecht der Ranken. Umschlungen an [beiden] Armen von jener [Frau] höchster Kraft, hängt er dort mit den Füßen nach oben, mit dem Kopf nach unten. Unten [im Brunnen] war dort ein Rosenapfelbaum gewachsen, sehr schwer zu überwinden; am Rand jenes Brunnens erblickte er [einen Baum] mit sehr großen Früchten.
Wort für Wort
vanadurgam abhiprāpto mahat kravyādasaṃkulam
in eine Waldwildnis gelangt, groß, voller Fleischfresser (Akk./PPP)
siṃhavyāghragajākārair atighorair mahāśanaiḥ
von löwen-, tiger- und elefantengestaltigen, überaus furchtbaren Großfressern (Instr.Pl.)
samantāt suparikṣiptaṃ sa dṛṣṭvā vyathate pumān
ringsum umgeben; als er [das] sah, erbebt der Mann (PPP/Abs./3.Sg.Präs.)
sa tad vanaṃ hy anucaran vipradhāvann itas tataḥ
er, jenen Wald durchstreifend, hierhin und dorthin rennend (Part.)
vīkṣamāṇo diśaḥ sarvāḥ śaraṇārthaṃ pradhāvati
alle Richtungen absuchend rennt er um Zuflucht (Part./3.Sg.Präs.)
athāpaśyad vanaṃ rūḍhaṃ samantād vāgurāvṛtam
da sah er einen bewachsenen, ringsum von Netz/Dornengeflecht umgebenen Wald (Impf./PPP)
vanamadhye ca tatrāsīd udapānaḥ samāvṛtaḥ
und mitten im Wald war dort ein Brunnen, verhüllt (Lok./PPP)
vallibhis tṛṇasaṃchinnair gūḍhābhir abhisaṃvṛtaḥ
von Ranken, mit Gras bedeckt, verborgen umhüllt (Instr.Pl.)
sa papāta dvijas tatra vijane salilāśaye
dorthin fiel der Zweimalgeborene, in den einsamen Wasserort (Perf./Lok.)
vilagnaś cābhavat tasmiṃl latāsaṃtānasaṃkule
und blieb hängen in jenem rankendichten Geflecht (PPP/Impf./Lok.)
bāhubhyāṃ saṃpariṣvaktas tayā paramasattvayā
an beiden Armen umschlungen von jener Höchstkräftigen (Du.Instr./PPP)
sa tathā lambate tatra ūrdhvapādo hy adhaḥśirāḥ
so hängt er dort, Füße oben, Kopf unten (3.Sg.Präs./Kompos.)
adhas tatraiva jātaś ca jambūvṛkṣaḥ sudustaraḥ
und unten dort gewachsen ein Rosenapfelbaum, sehr schwer zu überwinden (PPP)
kūpasya tasya velāyā apaśyat sumahāphalam
am Rand jenes Brunnens sah er [Baum] mit sehr großen Früchten (Gen./Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Fortsetzung von Einheit 35 (Satz beginnt mitten im Satz: „gelangte …“); Subjekt ‚kaś cid‘ aus 35. ‚Zweimalgeborener‘ = Brahmane. ‚Frau höchster Kraft‘ (paramasattvā) bezieht sich auf Alter (Jarā) nach späterer Deutung; hier nur wörtlich.
vṛkṣaṃ bahuvidhaṃ vyomavallīpuṣpasamākulam; nānārūpā madhukarās tasmin vṛkṣe 'bhavan kila; teṣāṃ madhūnāṃ bahudhā dhārā pravavṛte tadā; vilambamānaḥ sa pumān dhārāṃ pibati sarvadā; na tasya tṛṣṇā viratā pīyamānasya saṃkaṭe; parīpsati ca tāṃ nityam atṛptaḥ sa punaḥ punaḥ; evaṃ sa vasate tatra duḥkhiduḥkhī punaḥ punaḥ; mayā tu tad dhanaṃ deyaṃ tava dāsyāmi cecchasi; tasya ca prārthitaḥ so 'tha dattvā muktim avāpa saḥ; sā ca tyaktvārthasaṃkalpaṃ jagāma paramāṃ gatim; evaṃ saṃsāracakrasya svarūpajñā nṛpottama; yudhiṣṭhira uvāca; paraṃ vairāgyam āgamya gacchanti paramaṃ padam; evaṃ saṃsāracakrasya svarūpaṃ viditaṃ na me; paitṛkaṃ tu dhanaṃ proktaṃ kiṃ tad vidvan mahātmanā
Einen vielgestaltigen Baum, voller Blüten von Himmelsranken; in diesem Baum waren, wie es heißt, Bienen in verschiedenster Gestalt. Von deren Honig floss damals vielfach ein Strom; hängend trinkt jener Mann fortwährend den Strom. Nicht hört sein Durst auf, während er in der Enge trinkt; er, ungesättigt, trachtet immer wieder danach. So lebt er dort, leidgeplagt, immer wieder. [Doch:] ‚Von mir ist dir jenes Gut zu geben; ich werde [es] dir geben, wenn du willst.‘ Von ihm erbeten, gab sie [es] und erlangte er die Befreiung; und sie, den Gedanken an Besitz aufgebend, ging zum höchsten Ziel. So [ist] die Wesensart des Rades des Saṃsāra [zu verstehen], bester der Könige. Yudhiṣṭhira sprach: „Zum höchsten Nicht-Begehren gelangt, gehen sie zur höchsten Stätte. Doch die Wesensart des Rades des Saṃsāra habe ich so nicht erkannt; und das väterliche Gut ist genannt – was ist jenes, Wissender, [gemeint] vom Hochgesinnten?“
Wort für Wort
vṛkṣaṃ bahuvidhaṃ vyomavallīpuṣpasamākulam
einen vielartigen Baum, voller Blüten von Himmelsranken (Akk.)
nānārūpā madhukarās tasmin vṛkṣe 'bhavan kila
vielgestaltige Bienen waren, wie es heißt, in diesem Baum (Nom.Pl./Impf.)
teṣāṃ madhūnāṃ bahudhā dhārā pravavṛte tadā
von deren Honig floss damals vielfach ein Strom (Gen.Pl./Perf.)
vilambamānaḥ sa pumān dhārāṃ pibati sarvadā
hängend trinkt der Mann den Strom allezeit (Part./3.Sg.Präs.)
na tasya tṛṣṇā viratā pīyamānasya saṃkaṭe
sein Durst hört nicht auf, während er in der Enge trinkt (PPP/Part.Pass.)
parīpsati ca tāṃ nityam atṛptaḥ sa punaḥ punaḥ
und begehrt sie stets, ungesättigt, immer wieder (3.Sg.Desid.)
evaṃ sa vasate tatra duḥkhiduḥkhī punaḥ punaḥ
so lebt er dort, leidbeladen, immer wieder (3.Sg.Präs.)
mayā tu tad dhanaṃ deyaṃ tava dāsyāmi cecchasi
von mir ist jenes Gut zu geben; ich werde dir geben, wenn du willst (Gerundiv/1.Sg.Fut./2.Sg.Präs.)
tasya ca prārthitaḥ so 'tha dattvā muktim avāpa saḥ
von ihm erbeten, gab er, dann erlangte er Befreiung (PPP/Abs./Perf.)
sā ca tyaktvārthasaṃkalpaṃ jagāma paramāṃ gatim
und sie, den Besitzwunsch aufgegeben, ging zum höchsten Ziel (Abs./Perf.)
evaṃ saṃsāracakrasya svarūpajñā nṛpottama
so [ist] das Wesen des Saṃsāra-Rades zu erkennen, bester der Könige (Gen./Nom.f./Vok.)
Yudhiṣṭhira sprach; zu höchstem Nichtbegehren gelangt, gehen sie zur höchsten Stätte (Abs./3.Pl.Präs.)
evaṃ saṃsāracakrasya svarūpaṃ viditaṃ na me
so ist das Wesen des Saṃsāra-Rades mir nicht bekannt (PPP)
paitṛkaṃ tu dhanaṃ proktaṃ kiṃ tad vidvan mahātmanā
das väterliche Gut ist gesagt; was ist es, Wissender, vom Hochgesinnten [gemeint]? (PPP/Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext, mit Sprecherwechsel mitten im Vers; die Zeilen ‚mayā tu … dāsyāmi‘ und ‚tasya ca prārthitaḥ …‘ sind wegen der Sprecher- und Subjektwechsel unsicher [?].
kāntāram iti kiṃ proktaṃ ko hastī sa tu kūpakaḥ; kiṃsaṃjñiko mahāvṛkṣo madhu vāpi pitāmaha; etaṃ me saṃśayaṃ viddhi dhanaśabdaṃ kim ucyate; bhīṣma uvāca; kathaṃ labdhaṃ dhanaṃ tena tathā ca kim idaṃ tv iha; upākhyānam idaṃ sarvaṃ mokṣavidbhir udāhṛtam; sumatiṃ vindate yena bandhanāśaś ca bhārata; etad uktaṃ hi kāntāraṃ mahān saṃsāra eva saḥ; ye te pratiṣṭhitā vyālā vyādhayas te prakīrtitāḥ; yā sā nārī mahāghorā varṇarūpavināśinī; tām āhuś ca jarāṃ prājñāḥ pariṣvaktaṃ yayā jagat; yas tatra kūpe vasate mahāhiḥ kāla eva saḥ; yo vṛkṣaḥ sa ca mṛtyur hi svakṛtaṃ tasya tat phalam; ye tu kṛṣṇāḥ sitā rājan mūṣikā rātryahāni vai; dviṣaṭkapadasaṃyukto yo hastī ṣaṇmukhākṛtiḥ
„Was ist mit ‚Wildnis‘ gesagt? Wer ist der Elefant, und was der Brunnen? Wie heißt der große Baum, und was ist der Honig, Großvater? Wisse, dies ist mein Zweifel: Was wird mit dem Wort ‚Gut‘ gesagt?“ Bhīṣma sprach: „Wie ist es von ihm erlangt worden, das Gut, und was ist dies hier? All diese Erzählung wurde von den Kennern der Erlösung vorgetragen; durch sie erlangt man gute Einsicht und die Zerstörung der Bindung, Bhārata. Die ‚Wildnis‘ ist gesagt: es ist der große Saṃsāra selbst. Die dort aufgestellten wilden Tiere sind als Krankheiten bezeichnet. Jene überaus furchtbare Frau, die Farbe und Gestalt vernichtet – sie nennen die Weisen Alter, von der die Welt umschlungen ist. Die große Schlange, die dort im Brunnen wohnt, ist eben die Zeit. Der Baum ist der Tod; die Frucht davon ist das selbst Getane. Die schwarzen und weißen Mäuse, o König, sind Nächte und Tage. Der Elefant, der zwölf Füße hat [und] sechs Gesichter, [ist …]“
Wort für Wort
kāntāram iti kiṃ proktaṃ ko hastī sa tu kūpakaḥ
was ist mit ‚Wildnis‘ gesagt? wer ist der Elefant, was der Brunnen? (PPP)
kiṃsaṃjñiko mahāvṛkṣo madhu vāpi pitāmaha
wie heißt der große Baum, und was der Honig, Großvater? (Nom./Vok.)
etaṃ me saṃśayaṃ viddhi dhanaśabdaṃ kim ucyate
wisse dies als meinen Zweifel: was wird mit dem Wort ‚Gut‘ gesagt? (Imp./3.Sg.Pass.)
bhīṣma uvāca; kathaṃ labdhaṃ dhanaṃ tena tathā ca kim idaṃ tv iha
Bhīṣma sprach; wie wurde das Gut von ihm erlangt, und was ist dies hier? [?] (PPP)
upākhyānam idaṃ sarvaṃ mokṣavidbhir udāhṛtam
diese ganze Erzählung wurde von den Kennern der Erlösung vorgetragen (PPP/Instr.Pl.)
sumatiṃ vindate yena bandhanāśaś ca bhārata
wodurch man gute Einsicht findet und Zerstörung der Bindung, Bhārata (3.Sg.Präs.Med./Vok.)
etad uktaṃ hi kāntāraṃ mahān saṃsāra eva saḥ
dies ist als ‚Wildnis‘ genannt: er ist der große Saṃsāra selbst (PPP)
ye te pratiṣṭhitā vyālā vyādhayas te prakīrtitāḥ
die dort aufgestellten Raubtiere sind als Krankheiten bezeichnet (PPP)
yā sā nārī mahāghorā varṇarūpavināśinī
jene überaus furchtbare Frau, Farbe und Gestalt vernichtend (Nom.f.)
tām āhuś ca jarāṃ prājñāḥ pariṣvaktaṃ yayā jagat
sie nennen die Weisen Alter, von der die Welt umschlungen ist (3.Pl.Perf./PPP/Instr.)
yas tatra kūpe vasate mahāhiḥ kāla eva saḥ
die große Schlange, die dort im Brunnen wohnt, ist eben die Zeit (Lok./3.Sg.Präs.)
yo vṛkṣaḥ sa ca mṛtyur hi svakṛtaṃ tasya tat phalam
der Baum ist der Tod; dessen Frucht ist das selbst Getane (Nom./Nom.n.)
ye tu kṛṣṇāḥ sitā rājan mūṣikā rātryahāni vai
die schwarzen und weißen Mäuse, König, sind Nächte und Tage (Nom.Pl./Vok.)
dviṣaṭkapadasaṃyukto yo hastī ṣaṇmukhākṛtiḥ
der Elefant, mit zwölf Füßen versehen, sechsgesichtig gestaltet (Nom./PPP)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext; Satz bricht am Ende ab und setzt sich in Einheit 39 fort. Die Zeilen ‚kathaṃ labdhaṃ dhanaṃ tena tathā ca kim idaṃ tv iha‘ sind knapp/unklar [?]. ‚Jambū-Baum‘ und ‚Schlange‘ (mahāhi) stehen hier als Deutungselemente.
sa ca saṃvatsaraḥ proktaḥ pādamāsartavo mukhāḥ; etat saṃsāracakrasya svarūpaṃ vyāhṛtaṃ mayā; evaṃ labdhadhanaṃ rājaṃs tat svarūpaṃ vināśaya; etaj jñātvā tu sā rājan paraṃ vairāgyam āsthitā; yathoktavidhinā bhūyaḥ paraṃ padam avāpa saḥ; dhatte dhārayate caiva etasmāt kāraṇād dhanam; tad gaccha cāmṛtaṃ śuddhaṃ hiraṇyam amṛtaṃ tapaḥ; tatsvarūpo mahādevaḥ kṛṣṇo devakinandanaḥ; tasya prasādād duḥkhasya nāśaṃ prāpsyasi mānada; ekaḥ kartā sa kṛṣṇaś ca jñānināṃ paramā gatiḥ; idam āśritya devendro devā rudrās tathāśvinau; sve sve pade viviśire bhuktimuktivido janāḥ; bhūtānām antarātmāsau sa nityapadasaṃvṛtaḥ; śrūyatām asya sadbhāvaḥ samyag jñānaṃ yathā tava
„[…] Er ist das Jahr, genannt; die Füße sind die Monate, die Gesichter die Jahreszeiten. Dies ist das Wesen des Rades des Saṃsāra, von mir ausgesprochen. So hast du das Gut erlangt, König: Zerstöre dieses Wesen! Dies erkannt habend, König, ist jene [Mutter] zum höchsten Nicht-Begehren gelangt; nach dem genannten Verfahren erlangte er wiederum die höchste Stätte. Es trägt und erhält [alles]; aus diesem Grund [heißt es] ‚Gut‘. Geh zu jenem [Gut], dem unsterblichen, reinen, dem Gold, der Unsterblichkeit, der Askese: dessen Wesen ist der Große Gott, Kṛṣṇa, der Sohn der Devakī. Durch seine Gnade wirst du die Vernichtung des Leidens erlangen, Ehrengeber. Der Eine ist der Täter, und jener Kṛṣṇa ist das höchste Ziel der Wissenden. Auf dieses gestützt sind Devendra [Indra], die Götter, die Rudras und die beiden Aśvins, [und] die Menschen, die Genuss und Erlösung kennen, in ihre jeweiligen Stätten eingegangen. Er ist das innere Selbst der Wesen, von der ewigen Stätte umhüllt. Vernimm sein wahres Wesen, wie das vollständige Wissen für dich [entsteht].“
Wort für Wort
sa ca saṃvatsaraḥ proktaḥ pādamāsartavo mukhāḥ
und er ist das Jahr genannt; die Füße Monate, die Gesichter Jahreszeiten (Nom./PPP)
etat saṃsāracakrasya svarūpaṃ vyāhṛtaṃ mayā
dies ist das Wesen des Saṃsāra-Rades, von mir dargelegt (PPP/Instr.)
evaṃ labdhadhanaṃ rājaṃs tat svarūpaṃ vināśaya
so, König, [nachdem du] das Gut erlangt [hast], zerstöre jenes Wesen [?] (Akk./Imp.)
etaj jñātvā tu sā rājan paraṃ vairāgyam āsthitā
dies erkannt habend, ist jene, König, zum höchsten Nichtbegehren gelangt (Abs./PPP)
yathoktavidhinā bhūyaḥ paraṃ padam avāpa saḥ
nach dem gesagten Verfahren erlangte er wiederum die höchste Stätte (Instr./Perf.)
dhatte dhārayate caiva etasmāt kāraṇād dhanam
es trägt und erhält; aus diesem Grund [heißt es] ‚Gut‘ (3.Sg.Präs./Abl.)
tad gaccha cāmṛtaṃ śuddhaṃ hiraṇyam amṛtaṃ tapaḥ
zu jenem geh: unsterblich, rein, Gold, Unsterblichkeit, Askese (Imp./Akk.)
tatsvarūpo mahādevaḥ kṛṣṇo devakinandanaḥ
dessen Wesen ist der Große Gott Kṛṣṇa, Sohn der Devakī (Nom.)
tasya prasādād duḥkhasya nāśaṃ prāpsyasi mānada
durch seine Gnade wirst du Vernichtung des Leidens erlangen, Ehrengeber (Abl./2.Sg.Fut./Vok.)
ekaḥ kartā sa kṛṣṇaś ca jñānināṃ paramā gatiḥ
der Eine ist Täter, und Kṛṣṇa das höchste Ziel der Wissenden (Nom./Gen.Pl.)
idam āśritya devendro devā rudrās tathāśvinau
dieses als Zuflucht genommen, Indra, die Götter, Rudras und die beiden Aśvins (Abs./Nom.)
sve sve pade viviśire bhuktimuktivido janāḥ
in ihre jeweiligen Stätten gingen ein die Genuss und Erlösung kennenden Menschen (Lok./Perf.)
bhūtānām antarātmāsau sa nityapadasaṃvṛtaḥ
er ist das innere Selbst der Wesen, von der ewigen Stätte umhüllt (Gen.Pl./PPP)
śrūyatām asya sadbhāvaḥ samyag jñānaṃ yathā tava
vernimm dessen wahres Wesen, wie das rechte Wissen für dich [entsteht] (Imp.Pass./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext; beginnt mitten im Satz (Fortsetzung des Deutungskatalogs aus 38: ‚Der Elefant … das ist das Jahr‘). Zeilen ‚dhatte dhārayate … dhanam‘ (Etymologie) und ‚evaṃ labdhadhanaṃ … vināśaya‘ unsicher [?].
„Es möge so sein. Vernimm dies: Einst zeigte Hari dem Nārada seine Gestalt, und [vernimm], was der Allmächtige selbst sagte. Einst zog der göttliche Weise, der glückselige Nārada, der das höchste Ziel kannte, über die ganze Erde, die heiligen Furten aufsuchend, der Herr. Am Fuß des Himavat angelangt, sinnierte er immer wieder. Er erblickte dort einen See, voller Lotos und Wasserlilien. Am Ufer erblickte er ein Mädchen, mit allem Schmuck geschmückt, in Schönheit strahlend, o König, und mit Lilien spielend. Als sie den Hochgesinnten bemerkte, sagte die Schöne: ‚Nārada!‘ Zu ihr trat er heran und stand [da], mit staunendem Gemüt. Das Mädchen, [ihn] betrachtend und bemerkend, mit schönem Lachen, gähnte, die Hochglückliche, immer wieder lächelnd. Aus ihrem Mund entstand ein Wesen von menschlicher Gestalt, an den Gliedern mit Juwelentropfen gezeichnet, mit allem Schmuck geschmückt, der Sonne gleich an Gestalt, auf dem Haupt einen Edelstein tragend.“
Wort für Wort
bhaved etan nibodha tvaṃ nāradāya purā hariḥ
es möge so sein; vernimm du: einst [zeigte] Hari dem Nārada (3.Sg.Opt./Imp./Dat.)
darśayitvātmano rūpaṃ yad avocat svayaṃ vibhuḥ
seine Gestalt gezeigt habend – was der Allmächtige selbst sagte (Abs./Impf.)
purā deva ṛṣiḥ śrīmān nāradaḥ paramārthavān
einst der göttliche Seher, glückselige Nārada, kundig des höchsten Sinns (Nom.)
cacāra pṛthivīṃ kṛtsnāṃ tīrthāny anucaran prabhuḥ
er durchzog die ganze Erde, heilige Furten aufsuchend, der Herr (Perf./Part.)
himavatpādam āśritya vicārya ca punaḥ punaḥ
zum Fuß des Himavat gelangt und immer wieder sinnend (Abs.)
sa dadarśa hradaṃ tatra padmotpalasamākulam
er sah dort einen See, voll von Lotos und Lilien (Perf./Akk.)
dadarśa kanyāṃ tattīre sarvābharaṇabhūṣitām
er sah am Ufer ein Mädchen, mit allem Schmuck geziert (Akk.f./PPP)
śobhamānāṃ śriyā rājan krīḍantīm utpalais tathā
in Schönheit leuchtend, König, und mit Lilien spielend (Part.f./Vok.)
sā mahātmānam ālokya nāradety āha bhāminī
als sie den Hochgesinnten erblickte, sagte die Schöne: ‚Nārada!‘ (Abs./Perf.)
tasyāḥ samīpam āsādya tasthau vismitamānasaḥ
zu ihr herangetreten, stand er mit staunendem Sinn (Abs./Perf.)
vīkṣamāṇaṃ tam ājñāya sā kanyā cāruhāsinī
ihn Blickenden bemerkend, das Mädchen mit schönem Lachen (Part./Abs.)
vijajṛmbhe mahābhāgā smayamānā punaḥ punaḥ
sie gähnte, die Hochglückliche, immer wieder lächelnd (Perf.Med./Part.)
tasmāt samabhavad vaktrāt puruṣākṛtisaṃyutaḥ
aus jenem Mund entstand einer, mit Menschengestalt versehen (Abl./Impf.)
ratnabinducitāṅgas tu sarvābharaṇabhūṣitaḥ
mit juwelentropfenbezeichneten Gliedern, mit allem Schmuck geziert (Nom.)
ādityasadṛśākāraḥ śirasā dhārayan maṇim
der Sonne gleich an Gestalt, auf dem Haupt einen Edelstein tragend (Nom./Instr./Part.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext; ‚vibhu‘ als ‚Allmächtiger‘. ‚Bhīṣma‘ als Erzähler ohne ausdrückliche Sprecherangabe.
punar eva tadākārasadṛśaḥ samajāyata; tṛtīyas tu mahārāja vividhābharaṇair yutaḥ; pradakṣiṇaṃ tu tāṃ kṛtvā vividhadhvanayas tu tām; tataḥ sarveṇa viprarṣiḥ kanyāṃ papraccha tāṃ śubhām; kā tvaṃ paramakalyāṇi padmendusadṛśānane; kanyovāca; na jāne tvāṃ mahādevi brūhi satyam anindite; sāvitrī nāma viprarṣe śṛṇu bhadraṃ tavāstu vai; kiṃ kariṣyāmi tad brūhi tava yac cetasi sthitam; nārada uvāca; abhivādaye tvāṃ sāvitri kṛtārtho 'ham anindite; etaṃ me saṃśayaṃ devi vaktum arhasi śobhane; yas tu vai prathamotpannaḥ ko 'sau sa puruṣākṛtiḥ; kanyovāca; bindavas tu mahādevi mūrdhni jyotirmayākṛtiḥ; agrajaḥ prathamotpanno yajurvedas tathāparaḥ; tṛtīyaḥ sāmavedas tu saṃśayo vyetu te mune
„Wiederum entstand einer, an Gestalt jenem gleich; ein dritter, o Großkönig, [war] mit vielerlei Schmuck versehen. Nachdem sie [das Mädchen] im Uhrzeigersinn umschritten hatten, [erhoben sie] vielfältige Laute. Da fragte der Brahmanen-Seher jenes Mädchen [insgesamt] mit allen: ‚Wer bist du, höchst Glückliche, mit einem Antlitz gleich Lotos und Mond?‘ Das Mädchen sprach: ‚Ich kenne dich nicht, große Göttin; sage die Wahrheit, Untadelige.‘ ‚Sāvitrī heiße ich, Brahmanen-Seher; höre: Heil sei dir! Was soll ich tun? Sage, was dir im Sinn liegt.‘ Nārada sprach: ‚Ich begrüße dich, Sāvitrī; ich bin am Ziel, Untadelige. Diesen meinen Zweifel darfst du mir sagen, Göttin, Schöne: Der, der zuerst entstand – wer ist jener von menschlicher Gestalt?‘ Das Mädchen sprach: ‚Die Tropfen, große Göttin, [sind] auf dem Haupt von lichthafter Gestalt; der Erstgeborene, zuerst Entstandene [ist der Ṛgveda]; der andere ist der Yajurveda, der dritte der Sāmaveda: dein Zweifel möge schwinden, Weiser.‘“
Wort für Wort
punar eva tadākārasadṛśaḥ samajāyata
wiederum entstand einer, jener Gestalt gleich (Impf.)
tṛtīyas tu mahārāja vividhābharaṇair yutaḥ
der dritte, Großkönig, mit vielerlei Schmuck versehen (Nom./Instr.Pl.)
pradakṣiṇaṃ tu tāṃ kṛtvā vividhadhvanayas tu tām
sie im Uhrzeigersinn umkreist habend, von vielerlei Lauten (Abs.)
Nārada sprach: ich begrüße dich, Sāvitrī; ich bin am Ziel (Kaus.Präs.)
etaṃ me saṃśayaṃ devi vaktum arhasi śobhane
diesen meinen Zweifel darfst du sagen, Göttin, Schöne (Inf./2.Sg.Präs.)
yas tu vai prathamotpannaḥ ko 'sau sa puruṣākṛtiḥ
der aber zuerst Entstandene – wer ist jener von Menschengestalt? (Nom.)
kanyovāca; bindavas tu mahādevi mūrdhni jyotirmayākṛtiḥ
das Mädchen sprach: die Tropfen, große Göttin, auf dem Haupt lichtgestaltig (Nom.Pl./Lok.)
agrajaḥ prathamotpanno yajurvedas tathāparaḥ
der Erstgeborene, zuerst Entstandene; der andere der Yajurveda (Nom.)
tṛtīyaḥ sāmavedas tu saṃśayo vyetu te mune
der dritte der Sāmaveda; dein Zweifel möge schwinden, Weiser (Nom./3.Sg.Imp./Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zuordnung der drei Gestalten zu den Veden ist im Text nur teilweise ausdrücklich (‚agrajaḥ prathamotpanno‘ ohne Namen); ‚Ṛgveda‘ ist ergänzt [?]. Sprecherangaben ‚kanyovāca‘ hier als Sāvitrī zu lesen; die Zeile ‚kiṃ kariṣyāmi …‘ ist vermutlich Sāvitrīs Frage.
vedāś ca bindusaṃyuktā yajñasya phalasaṃśritāḥ; yat tad dṛṣṭaṃ mahaj jyotir jyotir ity ucyate budhaiḥ; ṛṣe jñeyaṃ mayā cāpīty uktvā cāntaradhīyata; tataḥ sa vismayāviṣṭo nāradaḥ puruṣarṣabha; dhyānayuktaḥ sa tu ciraṃ na bubodha mahāmatiḥ; tataḥ snātvā mahātejā vāgyato niyatendriyaḥ; tuṣṭāva puruṣavyāghro jijñāsuś ca tad adbhutam; tato varṣaśate pūrṇe bhagavāṃl lokabhāvanaḥ; prāduś cakāra viśvātmā ṛṣeḥ paramasauhṛdāt; tam āgataṃ jagannāthaṃ sarvakāraṇakāraṇam; akhilāmaramaulyaṅgarukmāruṇapadadvayam; vainateyapadasparśakaṇaśobhitajānukam; pītāmbaralasatkāñcīdāmabaddhakaṭītaṭam; śrīvatsavakṣasaṃ cārumaṇikaustubhakaṃdharam; mandasmitamukhāmbhojaṃ caladāyatalocanam
„‚Und die Veden sind mit den Tropfen verbunden, auf die Frucht des Opfers gestützt. Jenes große Licht, das du gesehen hast, wird von den Weisen ‚das Licht‘ genannt; ‚es ist, Seher, auch von mir zu wissen‘ – so sprach sie und verschwand.‘ Da, von Staunen ergriffen, o Stier unter den Männern, war Nārada, der Hochweise, lange in Meditation versunken und begriff nicht. Danach badete der Hochglänzende, redebeherrscht, die Sinne gezügelt; der Tiger unter den Männern pries [es], begierig, jenes Wunder zu erkennen. Als hundert Jahre voll waren, erschien der Erhabene, der Weltenschöpfer, das Selbst des Alls, aus höchster Zuneigung dem Seher. Ihn, den Gekommenen, den Herrn der Welt, die Ursache der Ursache von allem, [erblickte er]: mit den roten Sohlen [beider] Füße, geschmückt vom Gold der Kronen aller Unsterblichen; die Knie schön von Staubkörnchen, die der Fuß des Sohnes der Vinatā [Garuḍa] berührt hatte; die Hüfte gegürtet mit einer schimmernden Gürtelkette über gelbem Gewand; mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, den Hals von liebreizendem Kaustubha-Juwel [geschmückt]; das Lotosgesicht mit sanftem Lächeln, die Augen groß und beweglich.“
Wort für Wort
vedāś ca bindusaṃyuktā yajñasya phalasaṃśritāḥ
und die Veden mit den Tropfen verbunden, auf die Frucht des Opfers gestützt (Nom.Pl./PPP)
yat tad dṛṣṭaṃ mahaj jyotir jyotir ity ucyate budhaiḥ
jenes große Licht, das gesehen wurde, wird von den Weisen ‚Licht‘ genannt (PPP/Instr.Pl.)
ṛṣe jñeyaṃ mayā cāpīty uktvā cāntaradhīyata
‚Seher, auch von mir ist [es] zu wissen‘ – so sagend, verschwand sie (Gerundiv/Abs./Impf.)
tataḥ sa vismayāviṣṭo nāradaḥ puruṣarṣabha
da war Nārada, von Staunen erfüllt, Stier unter den Männern (PPP/Vok.)
dhyānayuktaḥ sa tu ciraṃ na bubodha mahāmatiḥ
in Meditation versunken, begriff der Hochweise lange nicht (Perf.)
tataḥ snātvā mahātejā vāgyato niyatendriyaḥ
dann, gebadet, der Hochglänzende, redebeherrscht, sinnenbezähmt (Abs.)
tuṣṭāva puruṣavyāghro jijñāsuś ca tad adbhutam
pries, der Tiger unter den Männern, jenes Wunder erkennen wollend (Perf./Desid.)
tato varṣaśate pūrṇe bhagavāṃl lokabhāvanaḥ
dann, als hundert Jahre voll waren, der Erhabene, Weltenschöpfer (Lok.abs.)
prāduś cakāra viśvātmā ṛṣeḥ paramasauhṛdāt
erschien, das Selbst des Alls, aus höchster Zuneigung zum Seher (Perf./Abl.)
tam āgataṃ jagannāthaṃ sarvakāraṇakāraṇam
ihn, den Gekommenen, den Herrn der Welt, Ursache der Ursache von allem (Akk.)
akhilāmaramaulyaṅgarukmāruṇapadadvayam
dessen Fußpaar von dem Gold der Kronen aller Götter rötlich [erglänzt] (Akk.)
vainateyapadasparśakaṇaśobhitajānukam
dessen Knie von Staubkörnern der Berührung des Garuḍa-Fußes geschmückt sind (Akk.)
pītāmbaralasatkāñcīdāmabaddhakaṭītaṭam
dessen Hüfte mit schimmernder Gürtelkette über gelbem Gewand gegürtet ist (Akk.)
śrīvatsavakṣasaṃ cārumaṇikaustubhakaṃdharam
mit Śrīvatsa auf der Brust, mit dem schönen Kaustubha-Juwel am Hals (Akk.)
mandasmitamukhāmbhojaṃ caladāyatalocanam
mit lotosgleichem Gesicht in sanftem Lächeln, mit beweglichen, großen Augen (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext; die Beschreibung setzt sich in Einheit 43 fort (Satz ohne Prädikat). ‚Vainateya‘ = Garuḍa.
namracāpānukaraṇanamrabhrūyugaśobhitam; nānāratnamaṇīvajrasphuranmakarakuṇḍalam; indranīlanibhābhaṃ taṃ keyūramakuṭojjvalam; devair indrapurogaiś ca ṛṣisaṃghair abhiṣṭutam; nārado jayaśabdena vavande śirasā harim; tataḥ sa bhagavāñ śrīmān meghagambhīrayā girā; prāheśaḥ sarvabhūtānāṃ nāradaṃ patitaṃ kṣitau; bhadram astu ṛṣe tubhyaṃ varaṃ varaya suvrata; yat te manasi suvyaktam asti ca pradadāmi tat; sa cemaṃ jayaśabdena prasīdety āturo muniḥ; provāca hṛdi saṃrūḍhaṃ śaṅkhacakragadādharam; vivakṣitaṃ jagannātha mayā jñātaṃ tvayācyuta; tat prasīda hṛṣīkeśa śrotum icchāmi tad dhare; tataḥ smayan mahāviṣṇur abhyabhāṣata nāradam; yad dṛṣṭaṃ mama rūpaṃ tu vedānāṃ śirasi tvayā
„[…] mit Brauen, die, gleich einem geneigten Bogen, sich neigend schön sind; mit funkelnden Krokodil-Ohrringen aus mancherlei Edelsteinen, Juwelen und Diamanten; von der Farbe des Indranīla-Saphirs, strahlend von Armreifen und Krone; von Indra und den [anderen] Göttern, und von Scharen von Sehern gepriesen. Nārada verneigte sich mit dem Ruf ‚Sieg!‘ mit dem Haupt vor Hari. Da sprach der Erhabene, der glückselige Herr aller Wesen, mit wolkentiefer Stimme zu Nārada, der am Boden lag: ‚Heil sei dir, Seher! Wähle eine Gabe, du Gelübdefester! Was in deinem Sinn deutlich ist, das gewähre ich dir.‘ Und jener, [ihm] mit dem Ruf ‚Sieg‘ [dankend], [bat:] ‚Sei gnädig!‘ – so der bekümmerte Weise; er sprach zu dem, der Muschel, Diskus und Keule trägt, [was] im Herzen fest[saß]: ‚Was ich zu sagen wünsche, Herr der Welt, das hast du, Unfehlbarer, von mir erkannt. Darum sei gnädig, Hṛṣīkeśa; ich möchte [es] hören, Hara.‘ Da sprach der große Viṣṇu lächelnd zu Nārada: ‚Meine Gestalt, die du im Gipfel [d.h. Ende] der Veden gesehen hast …‘“
Wort für Wort
namracāpānukaraṇanamrabhrūyugaśobhitam
von einem Brauenpaar geschmückt, das sich wie ein gebogener Bogen neigt (Akk.)
nānāratnamaṇīvajrasphuranmakarakuṇḍalam
mit funkelnden Krokodil-Ohrringen aus mancherlei Juwelen, Edelsteinen und Diamanten (Akk.)
indranīlanibhābhaṃ taṃ keyūramakuṭojjvalam
ihn, mit Glanz gleich dem Indranīla, strahlend von Armreif und Krone (Akk.)
devair indrapurogaiś ca ṛṣisaṃghair abhiṣṭutam
von den Göttern mit Indra an der Spitze und Scharen von Sehern gepriesen (Instr.Pl./PPP)
nārado jayaśabdena vavande śirasā harim
Nārada verehrte mit dem Ruf ‚Sieg‘ mit dem Haupt Hari (Nom./Instr./Perf.)
tataḥ sa bhagavāñ śrīmān meghagambhīrayā girā
da der Erhabene, Glückselige, mit wolkentiefer Stimme (Instr.f.)
prāheśaḥ sarvabhūtānāṃ nāradaṃ patitaṃ kṣitau
sprach der Herr aller Wesen zu dem am Boden liegenden Nārada (Perf./PPP)
bhadram astu ṛṣe tubhyaṃ varaṃ varaya suvrata
Heil dir, Seher; wähle eine Gabe, Gelübdefester (Imp./Vok.)
yat te manasi suvyaktam asti ca pradadāmi tat
was in deinem Sinn deutlich ist, das gebe ich dir (3.Sg.Präs./1.Sg.Präs.)
sa cemaṃ jayaśabdena prasīdety āturo muniḥ
und der Weise, bekümmert: mit dem Ruf ‚Sieg‘ und ‚sei gnädig‘ [?] (Nom./Imp.)
provāca hṛdi saṃrūḍhaṃ śaṅkhacakragadādharam
sprach zu dem Muschel-, Diskus-, Keulenträger, [was] im Herzen fest[saß] (Perf./PPP)
vivakṣitaṃ jagannātha mayā jñātaṃ tvayācyuta
das von mir Zu-Sagende, Herr der Welt, ist von dir erkannt, Unfehlbarer (PPP/Instr./Vok.)
tat prasīda hṛṣīkeśa śrotum icchāmi tad dhare
darum sei gnädig, Hṛṣīkeśa; ich möchte es hören, Hara (Imp./Inf./1.Sg.)
tataḥ smayan mahāviṣṇur abhyabhāṣata nāradam
da sprach lächelnd der große Viṣṇu zu Nārada (Part./Impf.)
yad dṛṣṭaṃ mama rūpaṃ tu vedānāṃ śirasi tvayā
meine Gestalt, die von dir am Gipfel der Veden gesehen wurde (PPP/Gen.Pl./Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext; beginnt mitten in der Beschreibung (Fortsetzung von 42), endet mitten im Satz (setzt sich in 44 fort). Die Zeile ‚sa cemaṃ jayaśabdena prasīdety āturo muniḥ‘ ist syntaktisch knapp; sinngemäß wiedergegeben [?].
nirdvaṃdvā nirahaṃkārāḥ śucayaḥ śuddhalocanāḥ; taṃ māṃ paśyanti satataṃ tān pṛccha yad ihecchasi; ye yogino mahāprājñā madaṃśā ye vyavasthitāḥ; bhīṣma uvāca; teṣāṃ prasādaṃ devarṣe matprasādam avaihi tat; ity uktvā sa jagāmātha bhagavān bhūtabhāvanaḥ; tasmād vraja hṛṣīkeśaṃ kṛṣṇaṃ devakinandanam; etam ārādhya govindaṃ gatā muktiṃ maharṣayaḥ; eṣa kartā vikartā ca sarvakāraṇakāraṇam; mayāpy etac chrutaṃ rājan nāradāt tu nibodha tat; svayam eva samācaṣṭa nārado bhagavān muniḥ; samastasaṃsāravighātakāraṇaṃ; bhajanti ye viṣṇum ananyamānasāḥ; te yānti sāyujyam atīvadurlabham; itīva nityaṃ hṛdi varṇayanti
„[Die Yogins,] gegensatzfrei, ohne Ichbezogenheit, rein, mit reinem Blick, sehen mich beständig; frag sie, was du hier wünschst; die Yogins, die Hochweisen, die als meine Teile bestehen.“ Bhīṣma sprach: „‚Deren Gnade, Götterseher, wisse als meine Gnade.‘ So gesprochen, ging da der Erhabene, der Wesen-Schöpfer, [fort]. ‚Darum geh zu Hṛṣīkeśa, Kṛṣṇa, dem Sohn der Devakī. Ihn, Govinda, verehrt habend, sind die großen Seher zur Befreiung gegangen. Er ist Täter und Umwandler und Ursache der Ursache von allem. Auch von mir wurde dies von Nārada gehört, o König; vernimm es.‘ Der göttliche Weise Nārada erklärte es selbst. Die den Viṣṇu verehren, ungeteilten Sinnes, den Verursacher der Zerstörung des gesamten Saṃsāra, die erlangen die überaus schwer erreichbare Gemeinschaft [mit ihm]; so schildern sie es stets im Herzen.“
Wort für Wort
nirdvaṃdvā nirahaṃkārāḥ śucayaḥ śuddhalocanāḥ
gegensatzfrei, ohne Ichbezogenheit, rein, mit reinem Blick (Nom.Pl.)
taṃ māṃ paśyanti satataṃ tān pṛccha yad ihecchasi
die sehen mich beständig; frag sie, was du hier wünschst (3.Pl.Präs./Imp.)
ye yogino mahāprājñā madaṃśā ye vyavasthitāḥ
die Yogins, Hochweisen, die als meine Teile bestehen (Nom.Pl./PPP)
bhīṣma uvāca; teṣāṃ prasādaṃ devarṣe matprasādam avaihi tat
Bhīṣma sprach: deren Gnade, Götterseher, wisse als meine Gnade (Imp.)
ity uktvā sa jagāmātha bhagavān bhūtabhāvanaḥ
so gesagt habend, ging da der Erhabene, der Wesen-Schöpfer (Abs./Perf.)
tasmād vraja hṛṣīkeśaṃ kṛṣṇaṃ devakinandanam
darum geh zu Hṛṣīkeśa Kṛṣṇa, dem Sohn der Devakī (Imp.)
etam ārādhya govindaṃ gatā muktiṃ maharṣayaḥ
ihn, Govinda, verehrt habend, sind die großen Seher zur Befreiung gegangen (Abs./PPP)
eṣa kartā vikartā ca sarvakāraṇakāraṇam
er ist Täter und Umwandler und Ursache der Ursache von allem (Nom.)
mayāpy etac chrutaṃ rājan nāradāt tu nibodha tat
auch von mir wurde dies von Nārada gehört, König; vernimm es (PPP/Abl./Imp.)
svayam eva samācaṣṭa nārado bhagavān muniḥ
selbst erklärte es der göttliche Weise Nārada (Impf.Med.)
samastasaṃsāravighātakāraṇaṃ bhajanti ye viṣṇum ananyamānasāḥ
die Viṣṇu, die Ursache der Zerstörung des ganzen Saṃsāra, mit ungeteiltem Sinn verehren (Akk./3.Pl.Präs.)
te yānti sāyujyam atīvadurlabham
die gehen zur Vereinigung, überaus schwer erreichbar (3.Pl.Präs./Akk.)
itīva nityaṃ hṛdi varṇayanti
so schildern sie stets im Herzen (3.Pl.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatztext; Sprecherwechsel mitten im Text (Viṣṇu spricht bis ‚madaṃśā ye vyavasthitāḥ‘, dann Bhīṣma). Die Zeile ‚tasmād vraja …‘ folgt schwer ans Vorhergehende; wohl Bhīṣma zu Yudhiṣṭhira [?]. Schlusszeilen wirken wie ein Lobvers (phalaśruti).