Kapitel 34: vyāsasāntvanam aśvamedhaprāyaścittopadeśaś ca
Vyāsa tröstet Yudhiṣṭhira: Die Zeit als Ursache, das Rossopfer als Sühne
Vyāsa mahnt Yudhiṣṭhira, nicht zu trauern: Die Gefallenen seien durch die Zeit und ihr eigenes Handeln umgekommen, ihr Tod sei Kṣatriya-Pflicht gewesen; als Sühne empfiehlt er das Rossopfer.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als Dvaipāyana damals jene Rede des Yudhiṣṭhira gehört hatte, sprach der Ṛṣi, nachdem er sie mit dem Verstand genau erwogen hatte, zum Pāṇḍava.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
yudhiṣṭhirasya tad vākyaṃ
jene Rede des Yudhiṣṭhira (Gen.Sg./Akk.Sg.)
śrutvā dvaipāyanas tadā
gehört habend, Dvaipāyana damals (Abs./Nom.Sg.)
samīkṣya nipuṇaṃ buddhyā
genau erwogen habend mit dem Verstand (Abs./Adv./Instr.Sg.)
ṛṣiḥ provāca pāṇḍavam
der Ṛṣi sprach zum Pāṇḍava (Nom.Sg./Perf. 3.Sg./Akk.Sg.)
Verfalle nicht in Trübsal, König; gedenke des Kṣatriya-Dharma. Durch ihr eigenes Dharma sind diese Kṣatriyas gefallen [wörtlich: erschlagen], Stier unter den Kṣatriyas.
Wort für Wort
mā viṣādaṃ kṛthā rājan
verfalle nicht in Trübsal, König (Prohib. Aor.; Akk.Sg.; Vok.Sg.)
kṣatradharmam anusmara
gedenke des Kṣatriya-Dharma (Imp. 2.Sg.; Akk.Sg.)
svadharmeṇa hatā hy ete
durch das eigene Dharma erschlagen ja diese (Instr.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabha
Kṣatriyas, Stier unter den Kṣatriyas (Nom.Pl.; Vok.Sg.)
na tvaṃ hantā na bhīmo 'pi nārjuno na yamāv api; kālaḥ paryāyadharmeṇa prāṇān ādatta dehinām
Weder du bist der Töter, noch Bhīma, noch Arjuna, noch die beiden Zwillinge; die Zeit nimmt gemäß dem Gesetz des Wechsels den Verkörperten die Lebenshauche.
Wort für Wort
na tvaṃ hantā
nicht du [bist] der Töter (Nom.Sg. Nomen agentis)
na bhīmo 'pi nārjuno na yamāv api
auch nicht Bhīma, nicht Arjuna, auch nicht die Zwillinge (Nom.Sg.; Nom.Du.)
kālaḥ paryāyadharmeṇa
die Zeit nach dem Gesetz des Wechsels/der Reihenfolge (Nom.Sg.; Instr.Sg.)
prāṇān ādatta dehinām
nimmt die Lebenshauche der Verkörperten (Impf. 3.Sg.Med.; Akk.Pl.; Gen.Pl.)
Verbform ādatta: Impf./Aor.-Form mit präsentischem Sinn im Epos.
na yasya mātāpitarau nānugrāhyo 'sti kaś cana; karmasākṣī prajānāṃ yas tena kālena saṃhṛtāḥ
Sie, die weder Mutter noch Vater hat, der niemand zu begünstigen ist, die Zeugin der Taten der Geschöpfe ist – von dieser Zeit sind sie hinweggerafft worden.
Wort für Wort
na yasya mātāpitarau
deren weder Mutter noch Vater [sind] (Gen.Sg.; Nom.Du.)
nānugrāhyo 'sti kaś cana
[und] kein Begünstigenswerter ist da (Gerundiv Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
karmasākṣī prajānāṃ
Zeugin der Taten der Geschöpfe (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
yas tena kālena saṃhṛtāḥ
die/wer, durch diese Zeit hinweggerafft (Nom.Sg.; Instr.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
Relativsatz ohne klaren Bezug im Genus; kāla ist Maskulinum, daher wörtlich „der“; zur besseren Lesbarkeit mit „sie/diese“ wiedergegeben.
Wisse die Zeit als aus Tat gestaltet, als Zeugin von Gutem und Bösem, als jene, deren Ausgang in den Eigenschaften von Glück und Leid besteht, als Geberin der zeitgemäßen Frucht.
Wort für Wort
karmamūrtyātmakaṃ viddhi
als aus Tat und Gestalt bestehend wisse (Kompos. Akk.Sg.; Imp. 2.Sg.)
sākṣiṇaṃ śubhapāpayoḥ
Zeugen von Gutem und Bösem (Akk.Sg.; Gen.Du.)
sukhaduḥkhaguṇodarkaṃ
dessen Folge die Eigenschaften Glück und Leid sind (Kompos. Akk.Sg.)
kālaṃ kālaphalapradam
die Zeit, die Frucht zu ihrer Zeit Gebende (Akk.Sg.; Kompos. Akk.Sg.)
karmamūrtyātmaka: Kompositum unsicher, hier als „aus Tat als Gestalt bestehend“ gedeutet [?]; kālaphalapradam: „Frucht der Zeit gebend“ oder „Frucht zur rechten Zeit gebend“.
Wie ein von Tvaṣṭṛ gefertigtes Werkzeug in der Gewalt dessen steht, der es aufstellt, so wird diese Welt durch die mit der Zeit verbundene Tat im Kreise gedreht.
Wort für Wort
tvaṣṭreva vihitaṃ yantraṃ
wie ein von Tvaṣṭṛ angefertigtes Werkzeug (Instr.Sg.; Part.Pass. Nom.Sg.n.)
yathā sthāpayitur vaśe
wie in der Gewalt des Aufstellers (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
karmaṇā kālayuktena
durch die mit der Zeit verbundene Tat (Instr.Sg.)
tathedaṃ bhrāmyate jagat
so wird diese Welt herumgedreht (3.Sg.Pass./Präs.; Nom.Sg.n.)
dharmavyucchittim icchanto ye 'dharmasya pravartakāḥ; hantavyās te durātmāno devair daityā ivolbaṇāḥ
Diejenigen, die den Abbruch des Dharma wünschen und Betreiber des Adharma sind, diese Bösgesinnten sind von den Göttern zu töten, wie die ungestümen Daityas.
Wort für Wort
dharmavyucchittim icchanto
den Abbruch des Dharma wünschend (Akk.Sg.; Part.Präs. Nom.Pl.)
ye 'dharmasya pravartakāḥ
die Betreiber des Adharma sind (Rel. Nom.Pl.; Gen.Sg.; Nom.Pl.)
hantavyās te durātmāno
zu töten sind sie, die Bösgesinnten (Gerundiv Nom.Pl.)
devair daityā ivolbaṇāḥ
von Göttern, wie ungestüme Daityas (Instr.Pl.; Nom.Pl.; Nom.Pl.)
ekaṃ hatvā yadi kule śiṣṭānāṃ syād anāmayam; kulaṃ hatvātha rāṣṭraṃ vā na tad vṛttopaghātakam
Wenn durch das Töten eines Einzelnen im Geschlecht den Übrigen Unversehrtheit entstünde, oder durch das Töten eines Geschlechts dem Reich, so ist das keine Schädigung der rechten Lebensführung.
Wort für Wort
ekaṃ hatvā yadi kule
einen getötet habend, wenn im Geschlecht (Akk.Sg.; Abs.; Lok.Sg.)
śiṣṭānāṃ syād anāmayam
den Übrigen sei Wohlergehen (Gen.Pl.; Opt. 3.Sg.; Nom.Sg.n.)
kulaṃ hatvātha rāṣṭraṃ vā
oder ein Geschlecht getötet habend [für] das Reich (Akk.Sg.; Abs.; Nom./Akk.Sg.n.)
na tad vṛttopaghātakam
das ist keine Schädigung der Lebensführung (Nom.Sg.n.)
Ellipse im zweiten Halbvers (Wohlergehen für das Reich ergänzt); [Anm.: Konstruktion knapp].
adharmarūpo dharmo hi kaś cid asti narādhipa; dharmaś cādharmarūpo 'sti tac ca jñeyaṃ vipaścitā
Es gibt bisweilen ein Dharma in der Gestalt des Adharma, Herrscher der Menschen, und ein Adharma in der Gestalt des Dharma; auch das muss der Einsichtige wissen.
Wort für Wort
adharmarūpo dharmo hi
denn ein Dharma von der Gestalt des Adharma (Nom.Sg.)
kaś cid asti narādhipa
irgendeines ist da, Herr der Menschen (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Vok.Sg.)
dharmaś cādharmarūpo 'sti
und ein Dharma... Adharma in Gestalt des Dharma ist da (3.Sg.Präs.)
tac ca jñeyaṃ vipaścitā
und das ist zu wissen vom Einsichtigen (Gerundiv Nom.Sg.n.; Instr.Sg.)
Im zweiten Halbvers steht dharmaś cādharmarūpo 'sti; sinngemäß „Adharma in der Gestalt des Dharma“ (dharma-rūpa-adharma), [Anm.: Lesart knapp].
Sündenrein, den Himmel erobert habend, nachdem er Welten von glückvollem Aufgang erlangt hatte, erstrahlte Śakra, von der Schar der Maruts umgeben, die Himmelsrichtungen erhellend.
Wort für Wort
pūtapāpmā jitasvargo
von Sünde gereinigt, den Himmel erobert habend (Kompos. Nom.Sg.)
lokān prāpya sukhodayān
Welten erlangt habend von glückhafter Entfaltung (Akk.Pl.; Abs.; Akk.Pl.)
marudgaṇavṛtaḥ śakraḥ
von der Marut-Schar umgeben, Śakra (Kompos. Nom.Sg.)
śuśubhe bhāsayan diśaḥ
erstrahlte, die Himmelsrichtungen erleuchtend (Perf. 3.Sg.Med.; Part.Kaus.; Akk.Pl.)
aśocyās te mahātmānaḥ kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabha; svakarmabhir gatā nāśaṃ kṛtāntabalamohitāḥ
Nicht zu beklagen sind jene großgesinnten Kṣatriyas, Stier unter den Kṣatriyas; durch eigene Taten sind sie zugrunde gegangen, von der Macht des Schicksals betört.
Wort für Wort
aśocyās te mahātmānaḥ
unbeklagenswert sind jene Großgesinnten (Gerundiv Nom.Pl.; Nom.Pl.)
kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabha
Kṣatriyas, Stier unter den Kṣatriyas (Nom.Pl.; Vok.Sg.)
svakarmabhir gatā nāśaṃ
durch eigene Taten in den Untergang gegangen (Instr.Pl.; Part.Pass.; Akk.Sg.)
kṛtāntabalamohitāḥ
von der Macht des Kṛtānta betört (Kompos. Nom.Pl.)