Kapitel 105: kṣemadarśa-kālakavṛkṣīya-saṃvāda
Der Weise Kālakavṛkṣīya tröstet den entthronten Königssohn Kṣemadarśa mit Lehren über Vergänglichkeit und Gleichmut
Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie ein rechtschaffener, um Reich und Macht gebrachter Mann leben solle, erzählt Bhīṣma das Gespräch zwischen dem Königssohn Kṣemadarśa und dem Weisen Kālakavṛkṣīya; dieser lehrt, das Vergängliche nicht zu betrauern, sich mit dem Erreichbaren zu begnügen und Neid zu meiden.
yudhiṣṭhira uvāca; dhārmiko 'rthān asaṃprāpya rājāmātyaiḥ prabādhitaḥ; cyutaḥ kośāc ca daṇḍāc ca sukham icchan kathaṃ caret
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie soll einer leben, der rechtschaffen ist, aber Besitz nicht erlangt hat, von den Ministern des Königs bedrängt wurde, um Schatzkammer und Heeresmacht [daṇḍa] gekommen ist und dennoch Glück wünscht?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
dhārmiko 'rthān asaṃprāpya
der Rechtschaffene, Güter nicht erlangt habend (Nom.Sg., Abs.)
rājāmātyaiḥ prabādhitaḥ
von den Ministern des Königs bedrängt (Instr.Pl., Part.Pass.)
cyutaḥ kośāc ca daṇḍāc ca
verlustig der Schatzkammer und der Heeres-/Strafgewalt (Abl.Sg.)
sukham icchan kathaṃ caret
Glück wünschend, wie soll er leben (Part.Präs./3.Sg.Opt.)
Zu Kṣemadarśa, dem Königssohn, dessen Kraft einst geschwunden war, kam, so haben wir gehört, der Weise Kālakavṛkṣīya. Ihn fragte jener, nachdem er ihm ehrfürchtig die Füße umfasst hatte, in schwere Not geraten:
Wort für Wort
kṣemadarśaṃ nṛpasutaṃ
zu Kṣemadarśa, dem Königssohn (Akk.Sg.)
yatra kṣīṇabalaṃ purā
wo/bei dem, dessen Macht einst geschwunden war (Adv./Bahuvrīhi Akk.)
muniḥ kālakavṛkṣīya ājagāma
der Weise Kālakavṛkṣīya kam (3.Sg.Perf.)
iti naḥ śrutam
so ist uns überliefert (Part.Pass.)
taṃ papracchopasaṃgṛhya
ihn fragte er, [die Füße] umfassend (3.Sg.Perf./Abs.)
„Ausgenommen der Tod, ausgenommen Diebstahl, ausgenommen die Abhängigkeit von anderen, ausgenommen niedriges Verhalten – das sage mir, Bester der Guten.“
nirvidya hi naraḥ kāmān niyamya sukham edhate; tyaktvā prītiṃ ca śokaṃ ca labdhvāprītimayaṃ vasu
„Denn der Mensch gedeiht in Glück, wenn er der Begierden überdrüssig geworden ist und sich zügelt, Freude und Kummer aufgegeben und einen Reichtum erlangt hat, der nicht in Lust besteht [?].“
Wort für Wort
nirvidya hi naraḥ kāmān
denn der Mensch, der Begierden überdrüssig geworden (Abs./Nom.Sg./Akk.Pl.)
niyamya sukham edhate
sich zügelnd, gedeiht im Glück (Abs./3.Sg.Präs.Med.)
tyaktvā prītiṃ ca śokaṃ ca
Freude und Kummer aufgegeben habend (Abs./Akk.Sg.)
labdhvāprītimayaṃ vasu
erlangt habend Reichtum, der nicht aus Zuneigung besteht (Abs./Akk.Sg.)
aprītimayaṃ vasu ist schwer zu fassen; wörtlich etwa „nicht aus Zuneigung/Lust bestehender Reichtum“.
duṣkaraṃ bata kurvanti mahato 'rthāṃs tyajanti ye; vayaṃ tv enān parityaktum asato 'pi na śaknumaḥ
„Schwer Tun es fürwahr, die große Güter aufgeben; wir aber vermögen selbst diese nicht aufzugeben, obwohl sie [für uns] nicht [mehr] wirklich sind [?].“
Wort für Wort
duṣkaraṃ bata kurvanti
Schweres fürwahr tun sie (Akk.Sg.n./3.Pl.Präs.)
mahato 'rthāṃs tyajanti ye
die große Güter aufgeben (Akk.Pl./3.Pl.Präs.)
vayaṃ tv enān parityaktum
wir aber, diese aufzugeben (Nom.Pl./Akk.Pl./Inf.)
asato 'pi na śaknumaḥ
auch wenn sie nicht seiend sind, vermögen wir nicht (Gen./Abl.Sg./1.Pl.Präs.)
asato 'pi mehrdeutig: „obwohl unwirklich“ oder „obwohl nicht [mehr] vorhanden“.
imām avasthāṃ saṃprāptaṃ dīnam ārtaṃ śriyaś cyutam; yad anyat sukham astīha tad brahmann anuśādhi mām
„Der ich in diesen Zustand geraten bin, elend, gequält, vom Glanz [der Herrschaft] gefallen: Welches andere Glück es hier gibt, das lehre mich, Brahmane.“
Wort für Wort
imām avasthāṃ saṃprāptaṃ
der diesen Zustand erreicht hat (Akk.Sg./Part.Pass.)
dīnam ārtaṃ śriyaś cyutam
elend, gequält, von Glück/Glanz gefallen (Akk.Sg./Abl.)
yad anyat sukham astīha
welches andere Glück es hier gibt (Nom.Sg.n./3.Sg.Präs.)
yad dhi bhūtaṃ bhaviṣyac ca dhruvaṃ tan na bhaviṣyati; evaṃ viditavedyas tvam adharmebhyaḥ pramokṣyase
„Denn was gewesen ist und was sein wird, das wird gewiss nicht [bleibend] sein. Wenn du so das Wißbare erkannt hast, wirst du von Unrechtem befreit werden.“
Wort für Wort
yad dhi bhūtaṃ bhaviṣyac ca
denn was geworden ist und was sein wird (Part.Pass./Part.Fut.)
dhruvaṃ tan na bhaviṣyati
gewiss wird es nicht sein (Adv./3.Sg.Fut.)
evaṃ viditavedyas tvam
so das Wißbare erkannt habend, du (Bahuvrīhi/Nom.Sg.)
adharmebhyaḥ pramokṣyase
wirst du von Unrecht befreit werden (Abl.Pl./2.Sg.Fut.Pass.)
yac ca pūrve samāhāre yac ca pūrvatare pare; sarvaṃ tan nāsti tac caiva taj jñātvā ko 'nusaṃjvaret
„Was in früherer Zusammenkunft [?] war und was in noch früherer und späterer: alles das ist nicht [mehr], und eben dies: Wer sollte, es erkennend, sich [noch] grämen?“
Wort für Wort
yac ca pūrve samāhāre
und was in früherem Zusammentreffen (Lok.Sg.)
yac ca pūrvatare pare
und was in noch früherem und in späterem (Lok.Sg.)
sarvaṃ tan nāsti tac caiva
alles das ist nicht, und eben das (3.Sg.Präs.)
taj jñātvā ko 'nusaṃjvaret
das erkannt habend, wer sollte sich grämen (Abs./3.Sg.Opt.)
samāhāre ist unsicher (etwa „Zusammenkunft/Zusammenfassung“, vielleicht „Weltperiode“).
bhūtvā ca na bhavaty etad abhūtvā ca bhavaty api; śoke na hy asti sāmarthyaṃ śokaṃ kuryāt kathaṃ naraḥ
„Was geworden ist, ist [alsbald] nicht mehr, und was nicht geworden war, wird doch; im Kummer liegt keine Kraft: Wie sollte ein Mensch da Kummer hegen?“
Wort für Wort
bhūtvā ca na bhavaty etad
geworden seiend ist dies nicht mehr (Abs./3.Sg.Präs.)
abhūtvā ca bhavaty api
und nicht geworden seiend, wird es doch (Abs./3.Sg.Präs.)
śoke na hy asti sāmarthyaṃ
denn im Kummer ist keine Kraft (Lok.Sg./Nom.Sg.)
śokaṃ kuryāt kathaṃ naraḥ
wie sollte der Mensch Kummer machen (Akk.Sg./3.Sg.Opt.)
anāgataṃ yan na mameti vidyād; atikrāntaṃ yan na mameti vidyāt; diṣṭaṃ balīya iti manyamānās; te paṇḍitās tat satāṃ sthānam āhuḥ
„Wer weiß: ‚Das Künftige ist nicht mein‘, wer weiß: ‚Das Vergangene ist nicht mein‘, und das Schicksal für stärker hält – diese Weisen, sagt man, nennen das den Standort der Guten.“
Wort für Wort
anāgataṃ yan na mameti vidyād
das Künftige, von dem man weiß: nicht mein (Akk.Sg./3.Sg.Opt.)
atikrāntaṃ yan na mameti vidyāt
das Vergangene, von dem man weiß: nicht mein (Part.Pass.)
diṣṭaṃ balīya iti manyamānāḥ
das Schicksal für stärker haltend (Akk.Sg./Komp./Part.Präs.Med.)
te paṇḍitās tat satāṃ sthānam āhuḥ
diese Weisen nennen das den Ort der Guten (3.Pl.Perf.)
Konstruktion des zweiten Halbverses etwas locker; „tat satāṃ sthānam“ als Prädikat zu „āhuḥ“ gefasst.
Der Weise sprach: „Wie du Künftiges und Vergangenes aus der Gewissheit über das Wirkliche nicht betrauerst, Kausalya, so sei es auch in allen Belangen.“
Wort für Wort
munir uvāca
der Weise sprach (3.Sg.Perf.)
anāgatam atītaṃ ca
Künftiges und Vergangenes (Akk.Sg.)
yathā tathyaviniścayāt
wie aus Gewissheit über das Wirkliche (Abl.Sg.)
nānuśocasi kausalya
betrauerst du nicht, Kosalaner (2.Sg.Präs./Vok.)
sarvārtheṣu tathā bhava
in allen Angelegenheiten sei ebenso (Lok.Pl./2.Sg.Imp.)
„Wie einer, dem das Erlangte zuteilgeworden ist, wirst du dich, Kausalya, [daran] erfreuen. Hoffentlich grämst du dich nicht, des Glanzes beraubt, aus [deiner] reinen Wesensart [?].“
Wort für Wort
yathā labdhopapannārthas
wie einer, dem Erlangtes zuteil geworden (Nom.Sg.)
tathā kausalya raṃsyase
so wirst du dich erfreuen, Kosalaner (2.Sg.Fut.Med./Vok.)
kaccic chuddhasvabhāvena
hoffentlich, aus reiner Wesensart (Partikel/Instr.Sg.)
śriyā hīno na śocasi
des Glanzes beraubt, grämst du dich nicht (Instr.Sg./Nom.Sg./2.Sg.Präs.)
Der zweite Halbvers ist syntaktisch knapp; die Wiedergabe von „śuddhasvabhāvena“ ist unsicher.
purastād bhūtapūrvatvād dhīnabhāgyo hi durmatiḥ; dhātāraṃ garhate nityaṃ labdhārthāṃś ca na mṛṣyate
Weil es ihm früher [anders] ergangen war, schilt der schlecht Gesinnte, dem das Glück fehlt, beständig den Schöpfer und erträgt die nicht, die Besitz erlangt haben.
Wort für Wort
purastād bhūtapūrvatvāt
wegen des Früher-so-gewesen-Seins (Abl. Sg. n., Abstraktum)
hīnabhāgyaḥ hi durmatiḥ
der vom Los Verlassene, der Schlechtgesinnte (Nom. Sg. m.; Bahuvrīhi)
dhātāraṃ garhate nityaṃ
den Schöpfer schilt er beständig (Akk. Sg.; 3.Sg.Präs. Med.)
labdhārthān ca na mṛṣyate
und die, die Besitz erlangt haben, erträgt er nicht (Akk. Pl.; 3.Sg.Präs. Med.)
purastād bhūtapūrvatvāt: Bezug unsicher (früherer Zustand des Betreffenden).
īrṣyāticchedasaṃpannā rājan puruṣamāninaḥ; kaccit tvaṃ na tathā prājña matsarī kosalādhipa
Menschen, die mit Neid und Übertreibung [?] ausgestattet sind, o König, halten sich für [wahre] Männer. Bist du, Weiser, Herr der Kosaler, hoffentlich nicht ebenso missgünstig?
Wort für Wort
īrṣyāticchedasaṃpannāḥ
mit Neid und Übermaß/Abschneiden [?] begabt (Nom. Pl. m.; Kompositum)
rājan puruṣamāninaḥ
o König, sich für Männer haltend (Vok.; Nom. Pl. m.)
kaccit tvaṃ na tathā prājña
hoffentlich bist du nicht so, Weiser (Fragepartikel; Vok.)
sahasva śriyam anyeṣāṃ yady api tvayi nāsti sā; anyatrāpi satīṃ lakṣmīṃ kuśalā bhuñjate janāḥ; abhiviṣyandate śrīr hi saty api dviṣato janāt
Ertrage das Glück anderer, auch wenn du selbst es nicht hast. Auch das anderswo vorhandene Glück genießen kundige Leute; denn Glück strömt [zu anderen] über, selbst von einem feindlichen Menschen her, der es besitzt [?].
Wort für Wort
sahasva śriyam anyeṣām
ertrage das Glück der anderen (Imp. 2.Sg.; Akk. Sg.; Gen. Pl.)
yady api tvayi na asti sā
auch wenn bei dir sie nicht ist (Lok. Sg.; 3.Sg.Präs.)
tyaktaṃ svāyaṃbhuve vaṃśe śubhena bharatena ca; nānāratnasamākīrṇaṃ rājyaṃ sphītam iti śrutiḥ; tathānyair bhūmipālaiś ca tyaktaṃ rājyaṃ mahodayam; tyaktvā rājyāni te sarve vane vanyaphalāśinaḥ; gatāś ca tapasaḥ pāraṃ duḥkhasyāntaṃ ca bhūmipāḥ
Verlassen wurde [es] in der Svāyaṃbhuva-Linie und vom glücklichen Bharata: das mit mannigfachen Juwelen übersäte, blühende Königreich, so die Überlieferung. Ebenso wurde von anderen Erdherrschern das Königreich von großem Aufstieg verlassen. Nachdem sie alle die Königreiche verlassen hatten, [lebten] sie im Wald von wilden Früchten essend und gingen, die Erdherrscher, ans andere Ufer der Askese, zum Ende des Leidens.
Wort für Wort
tyaktaṃ svāyaṃbhuve vaṃśe
verlassen in der Svāyaṃbhuva-Linie (Part.Pass.; Lok.)
śubhena bharatena ca
und vom glückverheißenden Bharata (Instr.)
nānāratnasamākīrṇaṃ rājyaṃ sphītam iti śrutiḥ
das mit mannigfachen Juwelen übersäte, blühende Reich, so die Überlieferung (Nom./Akk. Sg. n.; Nom. f.)
tathā anyaiḥ bhūmipālaiḥ ca tyaktaṃ rājyaṃ mahodayam
ebenso von anderen Erdherrschern das Reich von großem Aufstieg verlassen (Instr. Pl.)
tyaktvā rājyāni te sarve vane vanyaphalāśinaḥ
nach Verlassen der Reiche alle jene im Wald, von wilden Früchten essend (Abs.; Nom. Pl.)
gatāḥ ca tapasaḥ pāram duḥkhasya antam ca bhūmipāḥ
und gingen zum jenseitigen Ufer der Askese, zum Ende des Leidens, die Erdherrscher (Part.Pass. Nom. Pl.; Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Konstruktion des Satzes im dritten Pāda etwas locker, Prädikat ergänzt.
Da sie [es] als sehr brüchig sehen und [als] durch das Streben nach Erlangen [erworben] [?], geben andere dies auf, indem sie es für höchst schwer erreichbar halten [?].
Wort für Wort
bahu saṃkasukaṃ dṛṣṭvā
sehr brüchig sehend (Abs.)
vivitsāsādhanena ca
und durch das Mittel des Erlangenwollens [?] (Instr. Sg. n.)
tathā anye saṃtyajanti enam
so geben andere dies auf (3.Pl.Präs.; Akk. Sg.)
matvā paramadurlabham
für höchst schwer erreichbar haltend (Abs.; Akk. Sg. n.)
Bezug von enam und Sinn von vivitsāsādhanena unsicher.
anyatropanatā hy āpat puruṣaṃ toṣayaty uta; tena śāntiṃ na labhate nāham eveti kāraṇāt
Denn ein anderswo eingetretenes Unglück stellt den Menschen zufrieden; Ruhe erlangt er dadurch [aber] nicht, aus dem Grund [des Gedankens] ‚nicht ich allein‘ [?].
Wort für Wort
anyatra upanatā hi āpat
denn ein anderswo eingetretenes Unglück (Part.Pass. Nom. Sg. f.)
puruṣaṃ toṣayati uta
den Menschen stellt es zufrieden, ja (Akk.; 3.Sg.Kaus.)
tena śāntiṃ na labhate
dadurch Ruhe erlangt er nicht (Instr.; Akk.; 3.Sg.Präs. Med.)
na aham eva iti kāraṇāt
‚nicht ich allein‘, aus diesem Grund (Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, Sinn unsicher; Zusammenhang von na labhate und nāham eveti unklar.
anyeṣām api naśyanti suhṛdaś ca dhanāni ca; paśya buddhyā manuṣyāṇāṃ rājann āpadam ātmanaḥ; niyaccha yaccha saṃyaccha indriyāṇi mano giram
Auch anderen schwinden Freunde und Reichtümer. Sieh mit Einsicht das Unglück der Menschen und deiner selbst, o König. Zügle, halte im Zaum, bändige die Sinne, den Geist, die Rede.
Wort für Wort
anyeṣām api naśyanti
auch bei anderen gehen zugrunde (Gen. Pl.; 3.Pl.Präs.)
suhṛdaḥ ca dhanāni ca
Freunde und Reichtümer (Nom. Pl.)
paśya buddhyā manuṣyāṇām
sieh mit Einsicht der Menschen (Imp.; Instr.; Gen. Pl.)
rājan āpadam ātmanaḥ
o König, das Unglück deiner selbst (Vok.; Akk.; Gen.)
Über das Verwehrte, das nicht zu Erlangende, schwer Erreichbare, Schädliche, Zurückgedrängte, weit Abgedrängte, Unmögliche trauert ein durch Erkenntnis gesättigter, tatkräftiger Mann wie du nicht.
Wort für Wort
pratiṣiddhān avāpyeṣu
bei Verwehrtem, nicht zu Erlangendem (Akk. Pl. [?]; Lok. Pl.)
durlabheṣu ahiteṣu ca
bei schwer Erreichbarem und Schädlichem (Lok. Pl.)
pratikṛṣṭeṣu bhāveṣu
bei zurückgedrängten Dingen (Lok. Pl.)
vyatikṛṣṭeṣu asaṃbhave
bei weit Abgedrängtem, im Unmöglichen (Lok.)
prajñānatṛptaḥ vikrāntaḥ
durch Erkenntnis gesättigt, tatkräftig (Nom. Sg. m.)
tvadvidhaḥ na anuśocati
ein Mann wie du trauert nicht (Nom.; 3.Sg.Präs.)
pratiṣiddhān: Form im Kontext unsicher (Akk. neben Lokativen).
na tv eva jālmīṃ kāpālīṃ vṛttim eṣitum arhasi; nṛśaṃsavṛttiṃ pāpiṣṭhāṃ duḥkhāṃ kāpuruṣocitām
Nie aber solltest du ein betrügerisches [?] Bettelschalen-Leben anstreben, eine grausame, sehr üble, leidvolle, für Erbärmliche geziemende Lebensweise.
api mūlaphalājīvo ramasvaiko mahāvane; vāgyataḥ saṃgṛhītātmā sarvabhūtadayānvitaḥ
Selbst wenn du von Wurzeln und Früchten lebst, freue dich allein im großen Wald, die Rede zügelnd, selbstbeherrscht, mit Mitgefühl für alle Wesen begabt.
Wort für Wort
api mūlaphalājīvaḥ
selbst von Wurzeln und Früchten lebend (Nom. Sg. m.)
ramasva ekaḥ mahāvane
freue dich allein im großen Wald (Imp. Med.; Lok.)
Angemessen ist dies für einen Gelehrten, [wie] für den Elefanten mit pflugdeichselartigen Stoßzähnen: dass er allein im Wald sich freut und mit wenigem zufrieden ist.
Wort für Wort
sadṛśaṃ paṇḍitasya etat
angemessen für einen Gelehrten ist dies (Nom. Sg. n.; Gen.)
īṣādantena dantinā
wie für den Elefanten mit pflugdeichselartigen Stoßzähnen (Instr. Sg.)
yad ekaḥ ramate araṇye
dass einer allein sich freut im Wald (3.Sg.Präs. Med.; Lok.)
yat ca api alpena tuṣyati
und dass er auch mit wenig zufrieden ist (Instr.; 3.Sg.Präs.)
Instrumental dantinā im Sinne eines Vergleichs (‚wie beim Elefanten') aufgefasst.
Wenn Glück unmöglich ist, o König, du der Minister und der übrigen beraubt bist und das Schicksal sich festgesetzt hat: was hältst du, Herr, für besser?
Wort für Wort
asaṃbhave śriyaḥ rājan
bei Unmöglichkeit des Glücks, o König (Lok.; Gen.; Vok.)
hīnasya sacivādibhiḥ
des von Ministern usw. Beraubten (Gen. Sg.; Instr. Pl.)
daive pratiniviṣṭe ca
und wenn das Schicksal sich festgesetzt hat (Lok. abs.)
kiṃ śreyaḥ manyate bhavān
was hältst du für besser, Herr (Akk.; 2.Sg. höflich)