Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 98: kṣatriyadharmapraśaṃsā Der Kṣatriya-Dharma: Der Kampftod des Helden führt zu Indras Welt

Yudhiṣṭhira beklagt die Gewalt der Kṣatriya-Pflicht; Bhīṣma rechtfertigt sie durch Schutz der Wesen und preist den Tod im Kampf, während Flucht und Tod im Bett als unwürdig gelten.

yudhiṣṭhira uvāca; kṣatradharmān na pāpīyān dharmo 'sti bharatarṣabha; abhiyāne ca yuddhe ca rājā hanti mahājanam

Yudhiṣṭhira sprach: „Es gibt keine Pflicht, die schlimmer wäre als die Pflicht des Kṣatriya, o Stier der Bharatas: Beim Ausrücken und im Kampf tötet der König eine große Menge.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kṣatradharmān na pāpīyān dharmo 'sti
als die Kṣatriya-Pflicht gibt es keine schlimmere Pflicht (Abl. des Vergleichs/Nom. Komp.; 3.Sg.Präs.)
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas (Vok.)
abhiyāne ca yuddhe ca
beim Ausrücken und im Kampf (Lok.)
rājā hanti mahājanam
der König tötet die große Menge (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)

atha sma karmaṇā yena lokāñ jayati pārthivaḥ; vidvañ jijñāsamānāya prabrūhi bharatarṣabha

„Nun, durch welche Tat der Fürst die Welten erobert, das sage mir, dem Wissbegierigen, o Wissender, Stier der Bharatas.“

Wort für Wort
atha sma
nun (Partikeln)
karmaṇā yena
durch welche Tat (Instr.)
lokāñ jayati pārthivaḥ
die Welten gewinnt der Fürst (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
vidvañ jijñāsamānāya
o Wissender, dem Wissbegierigen (Vok.; Dat.Part.Desid.)
prabrūhi bharatarṣabha
sprich, o Stier der Bharatas (2.Sg.Imp.; Vok.)

bhīṣma uvāca; nigraheṇa ca pāpānāṃ sādhūnāṃ pragraheṇa ca; yajñair dānaiś ca rājāno bhavanti śucayo 'malāḥ

Bhīṣma sprach: „Durch die Bezwingung der Sünder und die Förderung der Guten, durch Opfer und Gaben werden Könige rein und makellos.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
nigraheṇa ca pāpānām
durch die Bezwingung der Sünder (Instr.; Gen.Pl.)
sādhūnāṃ pragraheṇa ca
und durch die Förderung der Guten (Gen.Pl.; Instr.)
yajñair dānaiś ca
durch Opfer und Gaben (Instr.Pl.)
rājāno bhavanti śucayo 'malāḥ
Könige werden rein [und] makellos (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)

uparundhanti rājāno bhūtāni vijayārthinaḥ; ta eva vijayaṃ prāpya vardhayanti punaḥ prajāḥ

Die Könige, nach Sieg strebend, bedrängen die Wesen; dieselben aber lassen, nachdem sie den Sieg errungen haben, die Untertanen wieder gedeihen.

Wort für Wort
uparundhanti rājāno
bedrängen die Könige (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
bhūtāni vijayārthinaḥ
die Wesen, siegesbegierig (Akk.Pl.; Nom.Pl.)
ta eva vijayaṃ prāpya
eben diese, nach Erlangung des Sieges (Nom.Pl.; Abs.)
vardhayanti punaḥ prajāḥ
lassen wieder gedeihen die Untertanen (3.Pl.Kaus.; Akk.Pl.)

apavidhyanti pāpāni dānayajñatapobalaiḥ; anugraheṇa bhūtānāṃ puṇyam eṣāṃ pravardhate

Sie schütteln die Sünden ab durch die Kraft von Gaben, Opfern und Askese; durch Wohlwollen gegenüber den Wesen wächst ihr Verdienst.

Wort für Wort
apavidhyanti pāpāni
sie schütteln ab die Sünden (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
dānayajñatapobalaiḥ
durch die Kräfte von Gabe, Opfer und Askese (Instr.Pl. Komp.)
anugraheṇa bhūtānām
durch Wohlwollen gegenüber den Wesen (Instr.; Gen.Pl.)
puṇyam eṣāṃ pravardhate
ihr Verdienst wächst (Nom.; Gen.Pl.; 3.Sg.Med.)

yathaiva kṣetranirdātā nirdan vai kṣetram ekadā; hinasti kakṣaṃ dhānyaṃ ca na ca dhānyaṃ vinaśyati

Wie ein Jäter des Feldes, wenn er einmal das Feld abmäht [?], das Unkraut und auch das Korn verletzt, und das Korn dennoch nicht zugrunde geht,

Wort für Wort
yathaiva kṣetranirdātā
wie ein Feldjäter (Nom.)
nirdan vai kṣetram ekadā
wenn er das Feld abmäht/durchschneidet, einmal (Part.Präs.; Akk.)
hinasti kakṣaṃ dhānyaṃ ca
verletzt Unkraut und Korn (3.Sg.Präs.; Akk.)
na ca dhānyaṃ vinaśyati
und doch geht das Korn nicht zugrunde (Nom.; 3.Sg.Präs.)

nirdan (Form von nir-√dā, „schneiden, mähen“) ist morphologisch ungewöhnlich; sinngemäß gedeutet.

evaṃ śastrāṇi muñcanto ghnanti vadhyān athaikadā; tasyaiṣā niṣkṛtiḥ kṛtsnā bhūtānāṃ bhāvanaṃ punaḥ

so töten diejenigen, die Waffen schleudern, einmal die zu Tötenden; dies ist für ihn die vollständige Sühne: die abermalige Mehrung der Wesen.

Wort für Wort
evaṃ śastrāṇi muñcanto
so, Waffen schleudernd (Akk.Pl.; Part.Nom.Pl.)
ghnanti vadhyān athaikadā
töten die zu Tötenden, dann einmal (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
tasyaiṣā niṣkṛtiḥ kṛtsnā
für ihn ist dies die vollständige Sühne (Gen.; Nom.)
bhūtānāṃ bhāvanaṃ punaḥ
der Wesen erneutes Gedeihenlassen (Gen.Pl.; Nom.n.)

yo bhūtāni dhanajyānād vadhāt kleśāc ca rakṣati; dasyubhyaḥ prāṇadānāt sa dhanadaḥ sukhado virāṭ

Wer die Wesen vor Vermögensverlust, vor Tötung und Leid schützt und den Räubern gegenüber [ihnen] das Leben schenkt, der ist ein Geber von Reichtum, ein Geber von Wohl, ein Herrscher.

Wort für Wort
yo bhūtāni dhanajyānād
wer die Wesen vor Vermögensverlust (Nom.; Akk.Pl.; Abl.)
vadhāt kleśāc ca rakṣati
vor Tötung und Leid schützt (Abl.; 3.Sg.Präs.)
dasyubhyaḥ prāṇadānāt
vor den Räubern durch Lebensgabe (Abl.Pl.; Abl.)
sa dhanadaḥ sukhado virāṭ
der ist Reichtumsgeber, Wohlgeber, Herrscher (Nom.)

dasyubhyaḥ prāṇadānāt: Konstruktion gedeutet (Abl. der Trennung / Lebensgabe); Sinn: Rettung des Lebens vor Räubern.

sa sarvayajñair ījāno rājāthābhayadakṣiṇaiḥ; anubhūyeha bhadrāṇi prāpnotīndrasalokatām

Dieser König, der mit allen Opfern geopfert hat, deren Opferlohn Furchtlosigkeit ist, erlangt, nachdem er hier Glück erfahren hat, die Weltgemeinschaft mit Indra.

Wort für Wort
sa sarvayajñair ījānaḥ
er, mit allen Opfern geopfert habend (Instr.Pl.; Part.Perf.Med.)
rājāthābhayadakṣiṇaiḥ
der König, mit Furchtlosigkeit als Opferlohn (Nom.; Instr.Pl.)
anubhūyeha bhadrāṇi
nachdem er hier Glück erfahren (Abs.; Akk.Pl.)
prāpnotīndrasalokatām
erlangt Weltgemeinschaft mit Indra (3.Sg.Präs.; Akk.)

brāhmaṇārthe samutpanne yo 'bhiniḥsṛtya yudhyate; ātmānaṃ yūpam ucchritya sa yajño 'nantadakṣiṇaḥ

Wenn eine Angelegenheit der Brahmanen aufgekommen ist und einer ausrückt und kämpft, sich selbst als Opferpfosten aufrichtend, so ist das ein Opfer mit unendlichem Opferlohn.

Wort für Wort
brāhmaṇārthe samutpanne
bei entstandener Brahmanenangelegenheit (Lok.abs.)
yo 'bhiniḥsṛtya yudhyate
wer ausrückend kämpft (Abs.; 3.Sg.Med.)
ātmānaṃ yūpam ucchritya
sich selbst als Opferpfosten aufrichtend (Akk.; Abs.)
sa yajño 'nantadakṣiṇaḥ
das ist ein Opfer mit unendlichem Lohn (Nom.)

abhīto vikirañ śatrūn pratigṛhṇañ śarāṃs tathā; na tasmāt tridaśāḥ śreyo bhuvi paśyanti kiṃ cana

Furchtlos, die Feinde zerstreuend und ebenso die Pfeile auffangend: Besseres als ihn sehen die Götter auf Erden nicht im Geringsten.

Wort für Wort
abhīto vikirañ śatrūn
furchtlos, Feinde zerstreuend (Nom.; Part.; Akk.Pl.)
pratigṛhṇañ śarāṃs tathā
und ebenso Pfeile auffangend (Part.; Akk.Pl.)
na tasmāt tridaśāḥ śreyo
nichts Besseres als er, die Götter (Abl.; Nom.Pl.; Akk.)
bhuvi paśyanti kiṃ cana
auf Erden sehen sie irgend etwas (Lok.; 3.Pl.Präs.)

tasya yāvanti śastrāṇi tvacaṃ bhindanti saṃyuge; tāvataḥ so 'śnute lokān sarvakāmaduho 'kṣayān

So viele Waffen seine Haut im Kampf durchbohren, so viele unvergängliche, alle Wünsche melkende Welten genießt er.

Wort für Wort
tasya yāvanti śastrāṇi
wie viele Waffen ihm (Gen.; Nom.Pl.)
tvacaṃ bhindanti saṃyuge
die Haut durchbohren im Kampf (Akk.; 3.Pl.Präs.; Lok.)
tāvataḥ so 'śnute lokān
so viele Welten genießt er (Akk.Pl.; 3.Sg.Med.)
sarvakāmaduho 'kṣayān
alle Wünsche melkende, unvergängliche (Akk.Pl.)

na tasya rudhiraṃ gātrād āvedhebhyaḥ pravartate; sa ha tenaiva raktena sarvapāpaiḥ pramucyate

Nicht fließt ihm Blut aus den Gliedern durch die Wunden [wörtlich: Durchbohrungen]; eben durch dieses Blut wird er von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
na tasya rudhiraṃ gātrād
nicht [fließt] sein Blut aus dem Körper (Gen.; Nom.; Abl.)
āvedhebhyaḥ pravartate
aus den Stichwunden fließt hervor (Abl.Pl.; 3.Sg.Med.)
sa ha tenaiva raktena
er eben durch dieses Blut (Instr.)
sarvapāpaiḥ pramucyate
von allen Sünden wird er befreit (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)

Der Vers ist im ersten Halbvers schwer zu deuten (na … pravartate); Sinn nach dem zweiten Halbvers: das Blut reinigt ihn.

yāni duḥkhāni sahate vraṇānām abhitāpane; na tato 'sti tapo bhūya iti dharmavido viduḥ

Die Leiden, die er beim Brennen der Wunden erträgt: größere Askese als diese gibt es nicht, so wissen die Kenner des Dharma.

Wort für Wort
yāni duḥkhāni sahate
welche Leiden er erträgt (Nom./Akk.Pl.; 3.Sg.Med.)
vraṇānām abhitāpane
beim Brennen der Wunden (Gen.Pl.; Lok.)
na tato 'sti tapo bhūyaḥ
als das gibt es keine größere Askese (Abl.; 3.Sg.; Nom.; Kompar.)
iti dharmavido viduḥ
so wissen die Dharma-Kundigen (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)

pṛṣṭhato bhīravaḥ saṃkhye vartante 'dhamapūruṣāḥ; śūrāc charaṇam icchantaḥ parjanyād iva jīvanam

Im Rücken [des Helden] stehen im Kampf die Furchtsamen, die niedrigsten Männer, die beim Helden Zuflucht suchen, wie Lebensunterhalt vom Regengott.

Wort für Wort
pṛṣṭhato bhīravaḥ saṃkhye
im Rücken die Feigen im Kampf (Nom.Pl.; Lok.)
vartante 'dhamapūruṣāḥ
stehen/verweilen die niedrigsten Männer (3.Pl.Med.; Nom.Pl.)
śūrāc charaṇam icchantaḥ
vom Helden Zuflucht wünschend (Abl.; Akk.; Part.)
parjanyād iva jīvanam
wie Lebensunterhalt vom Regengott (Abl.; Akk.)

yadi śūras tathā kṣeme pratirakṣet tathā bhaye; pratirūpaṃ janāḥ kuryur na ca tad vartate tathā

Wenn der Held so in Sicherheit und ebenso in Gefahr [sie] beschützte, würden die Leute Entsprechendes tun; doch das geschieht nicht so.

Wort für Wort
yadi śūras tathā kṣeme
wenn der Held ebenso in Sicherheit (Nom.; Lok.)
pratirakṣet tathā bhaye
beschützte und ebenso in Gefahr (3.Sg.Opt.; Lok.)
pratirūpaṃ janāḥ kuryuḥ
Entsprechendes würden die Leute tun (Akk.; Nom.Pl.; 3.Pl.Opt.)
na ca tad vartate tathā
doch das verhält sich nicht so (3.Sg.Med.)

yadi te kṛtam ājñāya namaskuryuḥ sadaiva tam; yuktaṃ nyāyyaṃ ca kuryus te na ca tad vartate tathā

Wenn sie, sein Getanes erkennend, sich stets vor ihm verneigten, würden sie Passendes und Rechtes tun; doch das geschieht nicht so.

Wort für Wort
yadi te kṛtam ājñāya
wenn sie das Getane erkannt habend (Nom.Pl.; Akk.; Abs.)
namaskuryuḥ sadaiva tam
sich stets vor ihm verneigten (3.Pl.Opt.; Akk.)
yuktaṃ nyāyyaṃ ca kuryus te
Geziemendes und Rechtes täten sie (Akk.; 3.Pl.Opt.)
na ca tad vartate tathā
doch das geschieht nicht so (3.Sg.Med.)

puruṣāṇāṃ samānānāṃ dṛśyate mahad antaram; saṃgrāme 'nīkavelāyām utkruṣṭe 'bhipatatsu ca

Zwischen gleichen Männern sieht man einen großen Unterschied in der Schlacht, in der Stunde der Heeresaufstellung, wenn Geschrei erhoben ist und sie angreifen.

Wort für Wort
puruṣāṇāṃ samānānām
zwischen gleichen Männern (Gen.Pl.)
dṛśyate mahad antaram
sieht man einen großen Unterschied (3.Sg.Pass.; Nom.)
saṃgrāme 'nīkavelāyām
in der Schlacht, zur Zeit der Heeresformation (Lok.)
utkruṣṭe 'bhipatatsu ca
bei erhobenem Geschrei und unter den Angreifenden (Lok.abs.; Part.Lok.Pl.)

pataty abhimukhaḥ śūraḥ parān bhīruḥ palāyate; āsthāyāsvargyam adhvānaṃ sahāyān viṣame tyajan

Der Held fällt dem Feind zugewandt; der Feige flieht vor den Feinden, den nicht zum Himmel führenden Weg beschreitend, die Gefährten in der Not im Stich lassend.

Wort für Wort
pataty abhimukhaḥ śūraḥ
es fällt zugewandt der Held (3.Sg.Präs.; Nom.)
parān bhīruḥ palāyate
vor den Feinden flieht der Feige (Akk.Pl.; Nom.; 3.Sg.Med.)
āsthāyāsvargyam adhvānaṃ
den nicht himmelwärts führenden Weg betretend (Abs.; Akk.)
sahāyān viṣame tyajan
die Gefährten in der Not verlassend (Akk.Pl.; Lok.; Part.)

mā sma tāṃs tādṛśāṃs tāta janiṣṭhāḥ puruṣādhamān; ye sahāyān raṇe hitvā svastimanto gṛhān yayuḥ

„Werde du, mein Lieber, nicht [als einer] von solchen niedrigsten Männern geboren, die, die Gefährten im Kampf verlassend, wohlbehalten nach Hause gingen.“

Wort für Wort
mā sma tāṃs tādṛśāṃs tāta
nicht [sollst du] solche, mein Lieber (Prohib.; Akk.Pl.; Vok.)
janiṣṭhāḥ puruṣādhamān
[geboren] werden/erzeugen, niedrigste Männer (2.Sg.Aor.Med.; Akk.Pl.)
ye sahāyān raṇe hitvā
die, die Gefährten im Kampf verlassend (Nom.Pl.; Akk.Pl.; Lok.; Abs.)
svastimanto gṛhān yayuḥ
wohlbehalten nach Hause gingen (Nom.Pl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Perf.)

janiṣṭhāḥ mit Akk. ist ungewöhnlich; sinngemäß: „werde nicht einer von ihnen“ bzw. „zeuge/gebäre solche nicht“ [?].

asvasti tebhyaḥ kurvanti devā indrapurogamāḥ; tyāgena yaḥ sahāyānāṃ svān prāṇāṃs trātum icchati

Unheil bereiten ihnen die Götter mit Indra an der Spitze, [nämlich dem,] der durch das Verlassen der Gefährten seine Lebenshauche retten will.

Wort für Wort
asvasti tebhyaḥ kurvanti
Unheil bereiten ihnen (Akk.; Dat.Pl.; 3.Pl.Präs.)
devā indrapurogamāḥ
die Götter, Indra an der Spitze (Nom.Pl.)
tyāgena yaḥ sahāyānām
durch das Verlassen der Gefährten, wer (Instr.; Nom.; Gen.Pl.)
svān prāṇāṃs trātum icchati
seine Lebenshauche zu retten wünscht (Akk.Pl.; Inf.; 3.Sg.Präs.)

taṃ hanyuḥ kāṣṭhaloṣṭair vā daheyur vā kaṭāgninā; paśuvan mārayeyur vā kṣatriyā ye syur īdṛśāḥ

Ihn sollen sie mit Holz und Erdklumpen erschlagen oder mit einem Strohfeuer verbrennen oder wie ein Tier töten, [alle] Kṣatriyas, die so beschaffen sind.

Wort für Wort
taṃ hanyuḥ kāṣṭhaloṣṭair vā
ihn sollen sie erschlagen mit Holz und Erdklumpen (Akk.; 3.Pl.Opt.; Instr.Pl.)
daheyur vā kaṭāgninā
oder verbrennen mit Strohfeuer (3.Pl.Opt.; Instr.)
paśuvan mārayeyur vā
oder wie ein Tier töten (Adv.; 3.Pl.Opt.Kaus.)
kṣatriyā ye syur īdṛśāḥ
die Kṣatriyas, die so beschaffen sind (Nom.Pl.; 3.Pl.Opt.)

adharmaḥ kṣatriyasyaiṣa yac chayyāmaraṇaṃ bhavet; visṛjañ śleṣmapittāni kṛpaṇaṃ paridevayan

Ein Unrecht ist es für den Kṣatriya, wenn er auf dem Lager stirbt, Schleim und Galle von sich gebend, kläglich jammernd.

Wort für Wort
adharmaḥ kṣatriyasyaiṣa
Unrecht für den Kṣatriya ist dies (Nom.; Gen.)
yac chayyāmaraṇaṃ bhavet
dass ein Tod auf dem Bett eintrete (Nom.; 3.Sg.Opt.)
visṛjañ śleṣmapittāni
Schleim und Galle ausscheidend (Part.; Akk.Pl.)
kṛpaṇaṃ paridevayan
kläglich jammernd (Adv.; Part.)

avikṣatena dehena pralayaṃ yo 'dhigacchati; kṣatriyo nāsya tat karma praśaṃsanti purāvidaḥ

Wer mit unversehrtem Körper zum Untergang gelangt: dieses Tun des Kṣatriya loben die Kundigen der Vorzeit nicht.

Wort für Wort
avikṣatena dehena
mit unverletztem Körper (Instr.)
pralayaṃ yo 'dhigacchati
wer zum Untergang/Tod gelangt (Akk.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
kṣatriyo nāsya tat karma
dem Kṣatriya dies Tun nicht (Nom.; Gen.; Nom.)
praśaṃsanti purāvidaḥ
loben die Kenner der Vorzeit (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

Der erste Halbvers und nāsya sind syntaktisch knapp; Sinn: Ein Kṣatriya, der unverwundet stirbt, gilt nicht als lobenswert.

na gṛhe maraṇaṃ tāta kṣatriyāṇāṃ praśasyate; śauṭīrāṇām aśauṭīram adharmyaṃ kṛpaṇaṃ ca tat

Nicht im Haus, mein Lieber, wird der Tod für Kṣatriyas gepriesen; für die Heldenmütigen ist das ein Unrecht und ein elender [Tod].

Wort für Wort
na gṛhe maraṇaṃ tāta
nicht im Haus der Tod, mein Lieber (Lok.; Nom.; Vok.)
kṣatriyāṇāṃ praśasyate
für Kṣatriyas wird gepriesen (Gen.Pl.; 3.Sg.Pass.)
śauṭīrāṇām aśauṭīram
für Heldenmütige das Un-Heldenhafte (Gen.Pl.; Nom.n.)
adharmyaṃ kṛpaṇaṃ ca tat
unrecht und elend ist das (Nom.n.)

idaṃ duḥkham aho kaṣṭaṃ pāpīya iti niṣṭanan; pratidhvastamukhaḥ pūtir amātyān bahu śocayan

„Dies Leid, ach, welche Qual, [immer] schlimmer!“, so stöhnend, mit zerstörtem Gesicht, faulig, die Minister sehr betrauern lassend;

Wort für Wort
idaṃ duḥkham aho kaṣṭam
dieses Leid, ach, Qual (Nom.; Interj.; Nom.)
pāpīya iti niṣṭanan
schlimmer, so stöhnend (Kompar.; Part.)
pratidhvastamukhaḥ pūtiḥ
mit zerstörtem Gesicht, faulig (Nom.)
amātyān bahu śocayan
die Minister sehr betrauern lassend (Akk.Pl.; Part.Kaus.)

pratidhvastamukhaḥ pūtiḥ: Deutung unsicher (pūti „faulig, stinkend“).

arogāṇāṃ spṛhayate muhur mṛtyum apīcchati; vīro dṛpto 'bhimānī ca nedṛśaṃ mṛtyum arhati

Er sehnt sich nach den Gesunden, wünscht sich wiederholt den Tod; ein Held, stolz und ehrbewusst, verdient einen solchen Tod nicht.

Wort für Wort
arogāṇāṃ spṛhayate
er sehnt sich nach den Gesunden (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)
muhur mṛtyum apīcchati
wiederholt wünscht er auch den Tod (Adv.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
vīro dṛpto 'bhimānī ca
ein Held, stolz und ehrbewusst (Nom.)
nedṛśaṃ mṛtyum arhati
einen solchen Tod verdient er nicht (Akk.; 3.Sg.Präs.)

raṇeṣu kadanaṃ kṛtvā jñātibhiḥ parivāritaḥ; tīkṣṇaiḥ śastraiḥ suvikliṣṭaḥ kṣatriyo mṛtyum arhati

Nachdem er in den Schlachten Gemetzel angerichtet hat, von Verwandten umringt, von scharfen Waffen schwer zerfetzt: einen [solchen] Tod verdient der Kṣatriya.

Wort für Wort
raṇeṣu kadanaṃ kṛtvā
in den Schlachten Gemetzel angerichtet habend (Lok.Pl.; Akk.; Abs.)
jñātibhiḥ parivāritaḥ
von Verwandten umgeben (Instr.Pl.; Part.Pass.)
tīkṣṇaiḥ śastraiḥ suvikliṣṭaḥ
von scharfen Waffen schwer zugerichtet (Instr.Pl.; Part.)
kṣatriyo mṛtyum arhati
der Kṣatriya verdient den Tod (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)

śūro hi satyamanyubhyām āviṣṭo yudhyate bhṛśam; kṛtyamānāni gātrāṇi parair naivāvabudhyate

Denn der Held, von Wahrhaftigkeit und Zorn erfüllt, kämpft heftig; die von den Feinden zerschnittenen Glieder bemerkt er gar nicht.

Wort für Wort
śūro hi satyamanyubhyām
der Held nämlich, von Wahrheit und Zorn (Nom.; Instr.Du.)
āviṣṭo yudhyate bhṛśam
erfüllt, kämpft heftig (Part.; 3.Sg.Med.; Adv.)
kṛtyamānāni gātrāṇi
zerschnittene Glieder (Part.Pass.Nom.Pl.)
parair naivāvabudhyate
von Feinden bemerkt er nicht (Instr.Pl.; 3.Sg.Med.)

sa saṃkhye nidhanaṃ prāpya praśastaṃ lokapūjitam; svadharmaṃ vipulaṃ prāpya śakrasyaiti salokatām

Nachdem er im Kampf den gepriesenen, von der Welt verehrten Tod gefunden und reiche eigene Pflichterfüllung erlangt hat, gelangt er zur Weltgemeinschaft mit Śakra.

Wort für Wort
sa saṃkhye nidhanaṃ prāpya
er, im Kampf den Tod erlangt habend (Nom.; Lok.; Akk.; Abs.)
praśastaṃ lokapūjitam
gepriesen, von der Welt verehrt (Akk.)
svadharmaṃ vipulaṃ prāpya
reiche eigene Pflicht erlangt habend (Akk.; Abs.)
śakrasyaiti salokatām
geht zur Weltgemeinschaft mit Śakra (Gen.; 3.Sg.Präs.; Akk.)

sarvo yodhaḥ paraṃ tyaktum āviṣṭas tyaktajīvitaḥ; prāpnotīndrasya sālokyaṃ śūraḥ pṛṣṭham adarśayan

Jeder Krieger, der entschlossen ist, das Äußerste aufzugeben [?], das Leben hingegeben, erlangt die Weltgemeinschaft mit Indra, [wenn er] als Held den Rücken nicht zeigt.

Wort für Wort
sarvo yodhaḥ paraṃ tyaktum
jeder Krieger, das Höchste/den Feind aufzugeben [?] (Nom.; Akk.; Inf.)
āviṣṭas tyaktajīvitaḥ
erfüllt [davon], das Leben preisgegeben habend (Part.; Nom.)
prāpnotīndrasya sālokyam
erlangt Weltgemeinschaft mit Indra (3.Sg.Präs.; Gen.; Akk.)
śūraḥ pṛṣṭham adarśayan
der Held, den Rücken nicht zeigend (Nom.; Akk.; Part.)

paraṃ tyaktum ist unklar: „das Höchste“ (Adv./Akk.) oder „den Gegner“; Wiedergabe unsicher.

yatra yatra hataḥ śūraḥ śatrubhiḥ parivāritaḥ; akṣayāṃl labhate lokān yadi dainyaṃ na sevate

Wo immer der Held, von Feinden umringt, fällt, gewinnt er unvergängliche Welten, wenn er keine Kläglichkeit hegt.

Wort für Wort
yatra yatra hataḥ śūraḥ
wo immer der Held erschlagen wird (Adv.; Part.; Nom.)
śatrubhiḥ parivāritaḥ
von Feinden umringt (Instr.Pl.; Part.)
akṣayāṃl labhate lokān
unvergängliche Welten erlangt er (Akk.Pl.; 3.Sg.Med.)
yadi dainyaṃ na sevate
wenn er Kläglichkeit nicht pflegt (Akk.; 3.Sg.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in Teilen der Handschriften).

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