Kapitel 98: kṣatriyadharmapraśaṃsā
Der Kṣatriya-Dharma: Der Kampftod des Helden führt zu Indras Welt
Yudhiṣṭhira beklagt die Gewalt der Kṣatriya-Pflicht; Bhīṣma rechtfertigt sie durch Schutz der Wesen und preist den Tod im Kampf, während Flucht und Tod im Bett als unwürdig gelten.
yudhiṣṭhira uvāca; kṣatradharmān na pāpīyān dharmo 'sti bharatarṣabha; abhiyāne ca yuddhe ca rājā hanti mahājanam
Yudhiṣṭhira sprach: „Es gibt keine Pflicht, die schlimmer wäre als die Pflicht des Kṣatriya, o Stier der Bharatas: Beim Ausrücken und im Kampf tötet der König eine große Menge.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kṣatradharmān na pāpīyān dharmo 'sti
als die Kṣatriya-Pflicht gibt es keine schlimmere Pflicht (Abl. des Vergleichs/Nom. Komp.; 3.Sg.Präs.)
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas (Vok.)
abhiyāne ca yuddhe ca
beim Ausrücken und im Kampf (Lok.)
rājā hanti mahājanam
der König tötet die große Menge (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
yo bhūtāni dhanajyānād vadhāt kleśāc ca rakṣati; dasyubhyaḥ prāṇadānāt sa dhanadaḥ sukhado virāṭ
Wer die Wesen vor Vermögensverlust, vor Tötung und Leid schützt und den Räubern gegenüber [ihnen] das Leben schenkt, der ist ein Geber von Reichtum, ein Geber von Wohl, ein Herrscher.
Wort für Wort
yo bhūtāni dhanajyānād
wer die Wesen vor Vermögensverlust (Nom.; Akk.Pl.; Abl.)
vadhāt kleśāc ca rakṣati
vor Tötung und Leid schützt (Abl.; 3.Sg.Präs.)
dasyubhyaḥ prāṇadānāt
vor den Räubern durch Lebensgabe (Abl.Pl.; Abl.)
sa dhanadaḥ sukhado virāṭ
der ist Reichtumsgeber, Wohlgeber, Herrscher (Nom.)
dasyubhyaḥ prāṇadānāt: Konstruktion gedeutet (Abl. der Trennung / Lebensgabe); Sinn: Rettung des Lebens vor Räubern.
sa sarvayajñair ījāno rājāthābhayadakṣiṇaiḥ; anubhūyeha bhadrāṇi prāpnotīndrasalokatām
Dieser König, der mit allen Opfern geopfert hat, deren Opferlohn Furchtlosigkeit ist, erlangt, nachdem er hier Glück erfahren hat, die Weltgemeinschaft mit Indra.
Wort für Wort
sa sarvayajñair ījānaḥ
er, mit allen Opfern geopfert habend (Instr.Pl.; Part.Perf.Med.)
rājāthābhayadakṣiṇaiḥ
der König, mit Furchtlosigkeit als Opferlohn (Nom.; Instr.Pl.)
anubhūyeha bhadrāṇi
nachdem er hier Glück erfahren (Abs.; Akk.Pl.)
prāpnotīndrasalokatām
erlangt Weltgemeinschaft mit Indra (3.Sg.Präs.; Akk.)
brāhmaṇārthe samutpanne yo 'bhiniḥsṛtya yudhyate; ātmānaṃ yūpam ucchritya sa yajño 'nantadakṣiṇaḥ
Wenn eine Angelegenheit der Brahmanen aufgekommen ist und einer ausrückt und kämpft, sich selbst als Opferpfosten aufrichtend, so ist das ein Opfer mit unendlichem Opferlohn.
Wort für Wort
brāhmaṇārthe samutpanne
bei entstandener Brahmanenangelegenheit (Lok.abs.)
yo 'bhiniḥsṛtya yudhyate
wer ausrückend kämpft (Abs.; 3.Sg.Med.)
ātmānaṃ yūpam ucchritya
sich selbst als Opferpfosten aufrichtend (Akk.; Abs.)
puruṣāṇāṃ samānānāṃ dṛśyate mahad antaram; saṃgrāme 'nīkavelāyām utkruṣṭe 'bhipatatsu ca
Zwischen gleichen Männern sieht man einen großen Unterschied in der Schlacht, in der Stunde der Heeresaufstellung, wenn Geschrei erhoben ist und sie angreifen.
Wort für Wort
puruṣāṇāṃ samānānām
zwischen gleichen Männern (Gen.Pl.)
dṛśyate mahad antaram
sieht man einen großen Unterschied (3.Sg.Pass.; Nom.)
saṃgrāme 'nīkavelāyām
in der Schlacht, zur Zeit der Heeresformation (Lok.)
utkruṣṭe 'bhipatatsu ca
bei erhobenem Geschrei und unter den Angreifenden (Lok.abs.; Part.Lok.Pl.)
Der Held fällt dem Feind zugewandt; der Feige flieht vor den Feinden, den nicht zum Himmel führenden Weg beschreitend, die Gefährten in der Not im Stich lassend.
Wort für Wort
pataty abhimukhaḥ śūraḥ
es fällt zugewandt der Held (3.Sg.Präs.; Nom.)
parān bhīruḥ palāyate
vor den Feinden flieht der Feige (Akk.Pl.; Nom.; 3.Sg.Med.)
āsthāyāsvargyam adhvānaṃ
den nicht himmelwärts führenden Weg betretend (Abs.; Akk.)
sahāyān viṣame tyajan
die Gefährten in der Not verlassend (Akk.Pl.; Lok.; Part.)
mā sma tāṃs tādṛśāṃs tāta janiṣṭhāḥ puruṣādhamān; ye sahāyān raṇe hitvā svastimanto gṛhān yayuḥ
„Werde du, mein Lieber, nicht [als einer] von solchen niedrigsten Männern geboren, die, die Gefährten im Kampf verlassend, wohlbehalten nach Hause gingen.“
Wort für Wort
mā sma tāṃs tādṛśāṃs tāta
nicht [sollst du] solche, mein Lieber (Prohib.; Akk.Pl.; Vok.)
Ihn sollen sie mit Holz und Erdklumpen erschlagen oder mit einem Strohfeuer verbrennen oder wie ein Tier töten, [alle] Kṣatriyas, die so beschaffen sind.
Wort für Wort
taṃ hanyuḥ kāṣṭhaloṣṭair vā
ihn sollen sie erschlagen mit Holz und Erdklumpen (Akk.; 3.Pl.Opt.; Instr.Pl.)
daheyur vā kaṭāgninā
oder verbrennen mit Strohfeuer (3.Pl.Opt.; Instr.)
paśuvan mārayeyur vā
oder wie ein Tier töten (Adv.; 3.Pl.Opt.Kaus.)
kṣatriyā ye syur īdṛśāḥ
die Kṣatriyas, die so beschaffen sind (Nom.Pl.; 3.Pl.Opt.)
Nachdem er in den Schlachten Gemetzel angerichtet hat, von Verwandten umringt, von scharfen Waffen schwer zerfetzt: einen [solchen] Tod verdient der Kṣatriya.
Wort für Wort
raṇeṣu kadanaṃ kṛtvā
in den Schlachten Gemetzel angerichtet habend (Lok.Pl.; Akk.; Abs.)
jñātibhiḥ parivāritaḥ
von Verwandten umgeben (Instr.Pl.; Part.Pass.)
tīkṣṇaiḥ śastraiḥ suvikliṣṭaḥ
von scharfen Waffen schwer zugerichtet (Instr.Pl.; Part.)
kṣatriyo mṛtyum arhati
der Kṣatriya verdient den Tod (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
Nachdem er im Kampf den gepriesenen, von der Welt verehrten Tod gefunden und reiche eigene Pflichterfüllung erlangt hat, gelangt er zur Weltgemeinschaft mit Śakra.
Wort für Wort
sa saṃkhye nidhanaṃ prāpya
er, im Kampf den Tod erlangt habend (Nom.; Lok.; Akk.; Abs.)
praśastaṃ lokapūjitam
gepriesen, von der Welt verehrt (Akk.)
svadharmaṃ vipulaṃ prāpya
reiche eigene Pflicht erlangt habend (Akk.; Abs.)
śakrasyaiti salokatām
geht zur Weltgemeinschaft mit Śakra (Gen.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
Jeder Krieger, der entschlossen ist, das Äußerste aufzugeben [?], das Leben hingegeben, erlangt die Weltgemeinschaft mit Indra, [wenn er] als Held den Rücken nicht zeigt.
Wort für Wort
sarvo yodhaḥ paraṃ tyaktum
jeder Krieger, das Höchste/den Feind aufzugeben [?] (Nom.; Akk.; Inf.)
āviṣṭas tyaktajīvitaḥ
erfüllt [davon], das Leben preisgegeben habend (Part.; Nom.)
prāpnotīndrasya sālokyam
erlangt Weltgemeinschaft mit Indra (3.Sg.Präs.; Gen.; Akk.)
śūraḥ pṛṣṭham adarśayan
der Held, den Rücken nicht zeigend (Nom.; Akk.; Part.)
paraṃ tyaktum ist unklar: „das Höchste“ (Adv./Akk.) oder „den Gegner“; Wiedergabe unsicher.
Wo immer der Held, von Feinden umringt, fällt, gewinnt er unvergängliche Welten, wenn er keine Kläglichkeit hegt.
Wort für Wort
yatra yatra hataḥ śūraḥ
wo immer der Held erschlagen wird (Adv.; Part.; Nom.)
śatrubhiḥ parivāritaḥ
von Feinden umringt (Instr.Pl.; Part.)
akṣayāṃl labhate lokān
unvergängliche Welten erlangt er (Akk.Pl.; 3.Sg.Med.)
yadi dainyaṃ na sevate
wenn er Kläglichkeit nicht pflegt (Akk.; 3.Sg.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in Teilen der Handschriften).