Kapitel 323: śvetadvīpopākhyānam
Vasus Opfer, Bṛhaspatis Zorn und die Kunde von der Weißen Insel
Bhīṣma erzählt, wie beim großen Rossopfer des Königs Uparicara Vasu der unsichtbare Gott Hari selbst einen Opferanteil nahm und der Opferpriester Bṛhaspati darüber in Zorn geriet. Die Weisen Ekata, Dvita und Trita besänftigen ihn und berichten von ihrer eigenen einstigen Bußreise zur Weißen Insel (Śvetadvīpa) im Norden, wo Nārāyaṇa von seinen ausschließlich Ergebenen verehrt wird. Damit beginnt die Nārāyaṇīya-Erzählung im Mokṣadharma-Teil des Śāntiparva.
Bhīṣma sprach: „Danach, als jenes große Weltzeitalter vergangen war, als der Sohn des Aṅgiras entstanden war, wurden die Götter froh, da der Hauspriester der Götter geboren war.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
tato 'tīte mahākalpe
danach, als das große Weltzeitalter vergangen war (Adv./Lok.Part./Lok.)
utpanne 'ṅgirasaḥ sute
als der Sohn des Aṅgiras entstanden war (Lok.Part./Gen./Lok.)
babhūvur nirvṛtā devā
wurden die Götter froh (3.Pl.Perf./Nom.Pl./Nom.Pl.)
jāte devapurohite
als der Hauspriester der Götter geboren war (Lok.Part./Lok.)
„Bṛhad“, „Brahma“ und „Mahat“ – das sind gleichbedeutende Wörter [für „groß“]; mit diesen Eigenschaften ausgestattet [war], o König, der weise Bṛhaspati.
Wort für Wort
bṛhad brahma mahac ca iti
‚bṛhat‘, ‚brahma‘, ‚mahat‘ - so (Nom./Nom./Nom./Partikel)
śabdāḥ paryāyavācakāḥ
Wörter, die Synonyme ausdrücken (Nom.Pl./Nom.Pl.)
ebhiḥ samanvito rājan
mit diesen ausgestattet, o König (Instr.Pl./Nom.Part./Vok.)
guṇair vidvān bṛhaspatiḥ
an Eigenschaften, der weise Bṛhaspati (Instr.Pl./Nom./Nom.)
Etymologisierendes Wortspiel: der Name Bṛhaspati wird von bṛhat/mahat (‚groß‘) hergeleitet.
ādyaḥ kaṭhas taittiriś ca vaiśaṃpāyanapūrvajaḥ; kaṇvo 'tha devahotraś ca ete ṣoḍaśa kīrtitāḥ; saṃbhṛtāḥ sarvasaṃbhārās tasmin rājan mahākratau
der erste Kaṭha und Taittiri, der Vorgänger Vaiśaṃpāyanas, Kaṇva und ferner Devahotra – diese sechzehn wurden genannt; alle Erfordernisse wurden bei diesem großen Opfer, o König, zusammengebracht.
Wort für Wort
ādyaḥ kaṭhas taittiriś ca
der erste Kaṭha und Taittiri (Nom./Nom./Nom.)
vaiśaṃpāyanapūrvajaḥ
der Vorgänger Vaiśaṃpāyanas (Nom.)
kaṇvo 'tha devahotraś ca
Kaṇva und ferner Devahotra (Nom./Nom.)
ete ṣoḍaśa kīrtitāḥ
diese sechzehn wurden genannt (Nom.Pl./Nom.Pl./Nom.Pl.Part.)
saṃbhṛtāḥ sarvasaṃbhārās
alle Erfordernisse wurden zusammengebracht (Nom.Pl.Part./Nom.Pl.)
na tatra paśughāto 'bhūt sa rājaivaṃ sthito 'bhavat; ahiṃsraḥ śucir akṣudro nirāśīḥ karmasaṃstutaḥ; āraṇyakapadodgītā bhāgās tatropakalpitāḥ
Dort gab es kein Töten von Tieren; der König war so beschaffen: gewaltlos, rein, nicht kleinlich, ohne [eigensüchtiges] Verlangen, im [rechten] Handeln gefestigt; die mit Āraṇyaka-Sprüchen gesungenen Anteile wurden dort dargebracht.
Wort für Wort
na tatra paśughāto 'bhūt
dort gab es kein Tiertöten (Neg./Adv./Nom./3.Sg.Impf.)
sa rāja evaṃ sthito 'bhavat
der König war so beschaffen (Nom./Adv./Nom.Part./3.Sg.Impf.)
ahiṃsraḥ śucir akṣudro nirāśīḥ
gewaltlos, rein, nicht kleinlich, ohne Verlangen (Nom.Nom.Nom.Nom.)
karmasaṃstutaḥ
im [rechten] Handeln gefestigt (Nom.)
āraṇyakapadodgītā bhāgās
die mit Āraṇyaka-Sprüchen gesungenen Anteile (Nom.Pl./Nom.Pl.)
Bṛhaspati, darüber erzürnt, hob hastig den Opferlöffel (Sruva) empor; die Luft mit den Schlägen des Opferlöffels schlagend, ließ er im Zorn Tränen rollen.
Wort für Wort
bṛhaspatis tataḥ kruddhaḥ
Bṛhaspati, darauf erzürnt (Nom./Adv./Nom.)
sruvam udyamya vegitaḥ
hob rasch den Opferlöffel empor (Akk./Gerundiv.Abs./Nom.)
ākāśaṃ ghnan sruvapātaiḥ
mit Schlägen des Opferlöffels die Luft schlagend [?] (Akk./Part.Präs./Instr.)
roṣād aśrūṇy avartayat
ließ er aus Zorn Tränen rollen (Abl./Akk.Pl./3.Sg.Impf.)
Die Wortfolge „sruvaḥ pātai“ ist grammatisch unklar; hier als sruva-pātaiḥ (Instr., ‚mit Schlägen des Opferlöffels‘) gedeutet [?].
uvāca coparicaraṃ mayā bhāgo 'yam udyataḥ; grāhyaḥ svayaṃ hi devena matpratyakṣaṃ na saṃśayaḥ
Und er sprach zu Uparicara: „Diesen Anteil habe ich dargebracht; er sollte doch vom Gott selbst offen genommen werden, vor meinen Augen – kein Zweifel.“
Wort für Wort
uvāca ca uparicaram
und er sprach zu Uparicara (3.Sg.Perf./Akk.)
mayā bhāgo 'yam udyataḥ
von mir wurde dieser Anteil dargebracht (Instr./Nom./Nom.Part.)
grāhyaḥ svayaṃ hi devena
er sollte doch vom Gott selbst genommen werden (Nom.Ger./Adv./Instr.)
udyatā yajñabhāgā hi sākṣāt prāptāḥ surair iha; kimartham iha na prāpto darśanaṃ sa harir vibhuḥ
„Die dargebrachten Opferanteile wurden hier doch unmittelbar von den Göttern [sichtbar] empfangen – warum aber ist der mächtige Hari hier nicht zum Anblick gekommen [warum hat er sich nicht gezeigt]?“
Wort für Wort
udyatā yajñabhāgā hi
die dargebrachten Opferanteile ja (Nom.Pl./Nom.Pl.)
sākṣāt prāptāḥ surair iha
wurden hier unmittelbar von den Göttern empfangen (Adv./Nom.Pl.Part./Instr.Pl.)
kimartham iha na prāpto
warum ist hier nicht gekommen (Interr./Adv./Nom.Part.)
darśanaṃ sa harir vibhuḥ
zum Anblick, der mächtige Hari (Akk./Nom./Nom./Nom.)
uparicaravasur uvāca; hutaṃ tvayāvadānīha puroḍāśasya yāvatī; gṛhītā devadevena matpratyakṣaṃ na saṃśayaḥ; ity evam ukto vasunā saroṣaś cābravīd guruḥ; na yajeyam ahaṃ cātra paribhūtas tvayānagha; tvayā paśur vāritaś ca kṛtaḥ piṣṭamayaḥ paśuḥ; vasur uvāca; tvaṃ devaṃ paśyase nityaṃ na paśyeyam ahaṃ katham; paśuhiṃsā vāritā ca yajurvedādimantrataḥ; ahaṃ na vāraye hiṃsāṃ drakṣyāmy ekāntiko harim; bhīṣma uvāca; tasmāt kopo na kartavyo bhavatā guruṇā mayi; vasum evaṃ bruvāṇaṃ tu kruddha eva bṛhaspatiḥ; uvāca ṛtvijaś caiva kiṃ naḥ karmeti vārayan; athaikato dvitaś caiva tritaś caiva maharṣayaḥ
Uparicara Vasu sprach: „Der Opferanteil[?] des Puroḍāśa, den du hier dargebracht hast, wie groß er auch war – er wurde vom Gott der Götter genommen, vor meinen eigenen Augen, ohne Zweifel.“ So von Vasu angesprochen, sagte der zornige Lehrer [Bṛhaspati]: „Ich werde hier nicht [mehr] opfern, von dir gedemütigt, o Sündenloser; und von dir wurde das Opfertier verhindert und [statt dessen] ein aus Mehl gemachtes [Ersatz-]Tier gemacht.“ Vasu sprach: „Du siehst den Gott beständig – wie sollte ich ihn nicht sehen? Das Töten von Tieren ist ja durch die Sprüche des Yajurveda und anderer [Texte] verboten; ich [selbst] verbiete die Gewalt nicht [aus eigenem Antrieb] – als ausschließlich [ihm] Ergebener werde ich Hari [dennoch] sehen.“ [Bhīṣma sprach:] „Deshalb solltest du, o Lehrer, keinen Zorn gegen mich hegen.“ Während Vasu so sprach, wurde Bṛhaspati nur noch zorniger und sagte zu den Opferpriestern, das Opfer unterbrechend: „Was [soll] uns [noch] dieses Ritual?“ Da [traten] Ekata, Dvita und Trita, die großen Weisen, [herzu],
Wort für Wort
uparicaravasur uvāca
Uparicara Vasu sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
hutaṃ tvayā avadānī
das von dir geopferte Anteilsstück (Nom.Part./Instr./Nom.Fem.)
iha puroḍāśasya yāvatī
hier vom Opferkuchen, so viel es war (Adv./Gen./Nom.Fem.)
gṛhītā devadevena
wurde vom Gott der Götter genommen (Nom.Fem.Part./Instr.)
matpratyakṣaṃ na saṃśayaḥ
vor meinen Augen, kein Zweifel (Akk./Nom.)
ity evam ukto vasunā
so von Vasu angesprochen (Nom.Part./Instr.)
saroṣaś ca abravīt guruḥ
und zornig sprach der Lehrer (Nom./3.Sg.Impf./Nom.)
na yajeyam ahaṃ ca atra
ich werde hier nicht opfern (1.Sg.Opt./Nom.)
paribhūtas tvayā anagha
von dir gedemütigt, o Sündenloser (Nom.Part./Instr./Vok.)
tvayā paśur vāritaś ca
und von dir wurde das Opfertier verhindert (Instr./Nom./Nom.Part.)
kṛtaḥ piṣṭamayaḥ paśuḥ
ein aus Mehl gemachtes [Ersatz-]Tier wurde gemacht (Nom.Part./Nom./Nom.)
vasur uvāca
Vasu sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
tvaṃ devaṃ paśyase nityaṃ
du siehst den Gott beständig (Nom./Akk./2.Sg.Präs./Adv.)
na paśyeyam ahaṃ katham
wie sollte ich ihn nicht sehen (1.Sg.Opt./Nom./Adv.)
paśuhiṃsā vāritā ca
und Tiertötung ist verboten (Nom./Nom.Part.)
yajurvedādimantrataḥ
durch die Sprüche des Yajurveda u.a. (Abl.)
ahaṃ na vāraye hiṃsāṃ
ich verbiete die Gewalt nicht (Nom./1.Sg.Präs./Akk.)
drakṣyāmy ekāntiko harim
ich werde, ausschließlich ergeben, Hari sehen (1.Sg.Fut./Nom./Akk.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
tasmāt kopo na kartavyo
deshalb sollte kein Zorn geübt werden (Abl./Nom./Nom.Ger.)
bhavatā guruṇā mayi
von dir, dem Lehrer, gegen mich (Instr./Instr./Lok.)
vasum evaṃ bruvāṇaṃ tu
während Vasu aber so sprach (Akk./Adv./Akk.Part.)
kruddha eva bṛhaspatiḥ
wurde Bṛhaspati nur zorniger (Nom.Part./Partikel/Nom.)
uvāca ṛtvijaś caiva
und sprach zu den Opferpriestern (3.Sg.Perf./Akk.Pl.)
kiṃ naḥ karma iti vārayan
‚was [nützt] uns das Ritual‘, es unterbrechend (Interr./Dat./Nom./Part.Präs.)
athaikato dvitaś caiva
da [kamen] Ekata und Dvita (Adv./Nom./Nom.)
tritaś caiva maharṣayaḥ
und Trita, die großen Weisen (Nom./Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Redezuweisung „bhīṣma uvāca“ an dieser Stelle ist im Text auffällig, da der Inhalt („du, der Lehrer, gegen mich“) eher zu Vasus Rede an Bṛhaspati passt als zum Rahmenerzähler Bhīṣma; vermutlich Verwechslung/Variante in dieser Zusatzpassage. Wörtlich übersetzt, nichts hinzuerfunden.
aroṣaṇo hy asau devo yasya bhāgo 'yam udyataḥ; na sa śakyas tvayā draṣṭum asmābhir vā bṛhaspate; yasya prasādaṃ kurute sa vai taṃ draṣṭum arhati
„Denn jener Gott, dem dieser Anteil dargebracht wurde, kennt keinen Zorn; weder von dir noch von uns kann er gesehen werden, o Bṛhaspati; wem er seine Gnade erweist, der allein ist würdig, ihn zu sehen.“
Wort für Wort
aroṣaṇo hy asau devo
denn jener Gott ist ohne Zorn (Nom./Partikel/Nom./Nom.)
yasya bhāgo 'yam udyataḥ
dessen Anteil dies hier dargebracht wurde (Gen./Nom./Nom./Nom.Part.)
na sa śakyas tvayā draṣṭum
er kann von dir nicht gesehen werden (Neg./Nom./Nom.Ger./Instr./Inf.)
asmābhir vā bṛhaspate
noch von uns, o Bṛhaspati (Instr.Pl./Partikel/Vok.)
yasya prasādaṃ kurute
wem er Gnade erweist (Gen./Akk./3.Sg.Präs.)
sa vai taṃ draṣṭum arhati
der allein ist würdig, ihn zu sehen (Nom./Partikel/Akk./Inf./3.Sg.Präs.)
Ekata, Dvita und Trita sprachen – [nach anderer Lesart der Textzeugen:] und Ekata, Dvita und Trita, die Citraśikhaṇḍins, sprachen darauf:
Wort für Wort
ekatadvitatritā ūcuḥ
Ekata, Dvita und Trita sprachen (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
ekatadvitatritaś ca ūcus
und Ekata, Dvita, Trita sprachen [Var.] (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
tataś citraśikhaṇḍinaḥ
darauf, die Citraśikhaṇḍins (Adv./Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Doppelte, sich überschneidende Sprechereinleitung; vermutlich zwei Textvarianten in dieser Zusatzpassage zusammengefasst.
meror uttarabhāge tu kṣīrodasyānukūlataḥ; sa deśo yatra nas taptaṃ tapaḥ paramadāruṇam; kathaṃ paśyemahi vayaṃ devaṃ nārāyaṇaṃ tv iti
Im nördlichen Teil des Meru, dem Milchmeer zugewandt – das ist der Ort, wo wir die überaus gewaltige Askese übten, [denkend]: „Wie könnten wir den Gott Nārāyaṇa sehen?“
Wort für Wort
meror uttarabhāge tu
im nördlichen Teil des Meru aber (Gen./Lok.)
kṣīrodasya anukūlataḥ
dem Milchmeer zugewandt (Gen./Adv.)
sa deśo yatra nas
das ist der Ort, wo von uns (Nom./Nom./Rel.Adv./Instr.)
taptaṃ tapaḥ paramadāruṇam
die überaus gewaltige Askese geübt wurde (Nom.Part./Nom./Nom.)
kathaṃ paśyemahi vayaṃ
wie könnten wir sehen (Interr./1.Pl.Opt./Nom.)
devaṃ nārāyaṇaṃ tv iti
den Gott Nārāyaṇa – [so dachten wir] (Akk./Akk./Partikel)
tatra nārāyaṇaparā mānavāś candravarcasaḥ; ekāntabhāvopagatās te bhaktāḥ puruṣottamam
Dort [leben] Menschen, die Nārāyaṇa ganz ergeben sind, mondgleich an Glanz; sie sind zu ausschließlicher Hingabe an den höchsten Menschen (Puruṣottama) gelangt.
Wort für Wort
tatra nārāyaṇaparā mānavāḥ
dort [leben] Menschen, Nārāyaṇa ergeben (Adv./Nom.Pl./Nom.Pl.)
candravarcasaḥ
mondgleich an Glanz (Nom.Pl.)
ekāntabhāvopagatās te
sie, die zu ausschließlicher Hingabe gelangt sind (Nom.Pl./Nom.Pl.)
na ca paśyāma puruṣaṃ tattejohṛtadarśanāḥ; tato naḥ prādurabhavad vijñānaṃ devayogajam
Und wir sahen den Mann nicht, da unser Blick durch dessen Glanz genommen war; da erwuchs uns eine Erkenntnis, die aus der Verbindung mit dem Gott entstand.
Wort für Wort
na ca paśyāma
und wir sahen nicht (1.Pl.Präs. in erzählendem Sinn)
puruṣam
den Mann, die Gestalt (Akk.Sg.)
tattejohṛtadarśanāḥ
denen der Blick durch dessen Glanz genommen war (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
tataḥ naḥ
dann uns (Adv. + Dat.Pl.)
prādurabhavat
entstand, erschien (3.Sg.Impf.)
vijñānaṃ devayogajam
eine Erkenntnis, aus der Verbindung mit dem Gott entstanden (Nom.Sg., Kompositum)
Gewiss kann er von einem, dessen Askese nicht [zur Reife] geglüht ist, nicht wahrhaftig gesehen werden; da glühten wir wiederum hundert Jahre lang eine große, dem Augenblick gemäße [Askese].
Wort für Wort
na kila
gewiss nicht (Negation + Partikel)
ataptatapasā
von einem, dessen Askese nicht geglüht ist (Instr.Sg., Bahuvrīhi)
śakyate draṣṭum añjasā
kann wahrhaftig gesehen werden (Passiv 3.Sg. + Inf. + Adv.)
tataḥ punar
dann wiederum (Adv.)
varṣaśataṃ taptvā
nachdem [wir] hundert Jahre lang geglüht hatten (Akk. Zeitdauer + Absolutiv)
tātkālikaṃ mahat
eine große, dem Augenblick gemäße [Askese] (Akk.Sg.)
Syntax von „tātkālikaṃ mahat“ (Akk., Objekt zu taptvā) leicht verdichtet wiedergegeben.
nityāñjalikṛtān brahma japataḥ prāgudaṅmukhān; mānaso nāma sa japo japyate tair mahātmabhiḥ; tenaikāgramanastvena prīto bhavati vai hariḥ
[Wir sahen sie], die ständig die Hände gefaltet, das Brahman murmelnd, das Gesicht nach Osten und Norden gewandt; jenes Murmeln, „geistig“ [mānasa] genannt, wird von jenen Hochgesinnten vollzogen; durch diese Einspitzigkeit des Geistes wird Hari wahrlich erfreut.
Wort für Wort
nityāñjalikṛtān
die ständig die Hände gefaltet haben (Akk.Pl., Kompositum)
brahma japataḥ
das Brahman murmelnd (Akk.Sg. + Präs.Part.Akk.Pl.)
prāgudaṅmukhān
mit dem Gesicht nach Osten und Norden gewandt (Akk.Pl.)
mānaso nāma sa japaḥ
jenes „geistige“ Murmeln (Nom.Sg.)
japyate tair mahātmabhiḥ
wird von jenen Hochgesinnten vollzogen (Passiv 3.Sg. + Instr.Pl.)
tenaikāgramanastvena
durch diese Einspitzigkeit des Geistes (Instr.Sg.)
prīto bhavati vai hariḥ
wird Hari wahrlich erfreut (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
Welcher Glanz, o Tiger unter den Weisen, der Sonne beim Untergang eines Weltzeitalters eigen wäre – ein solcher Glanz war es, der einem jeden dieser Menschen eigen war.
Wort für Wort
yā bhaven
welcher [Glanz] wäre (Rel.Pron. + 3.Sg.Opt.)
muniśārdūla
o Tiger unter den Weisen (Vok.Sg.)
bhāḥ sūryasya
der Glanz der Sonne (Nom.Sg. + Gen.Sg.)
yugakṣaye
beim Untergang des Weltzeitalters (Lok.Sg.)
ekaikasya
eines jeden einzelnen (Gen.Sg.)
prabhā tādṛk
ein solcher Glanz (Nom.Sg. + Adj.)
sābhavan mānavasya ha
so war es bei [jedem] Menschen, wahrlich (Impf. + Gen.Sg. + Partikel)
sābhavan (Pl.-Form bei eigentlich singularischem Bezug) ist episches Metrum/Sprachgebrauch.
den ganzen Himmelsraum erfüllend, verbunden mit den [regelrechten] Silben der Lautlehre —
Wort für Wort
ākāśam
den Himmelsraum (Akk.Sg.)
pūrayan sarvam
ganz erfüllend (Präs.Part.Nom.Sg. + Akk.Sg.)
śikṣākṣarasamanvitaḥ
verbunden mit den Silben der Lautlehre (Nom.Sg., Kompositum)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur Teil der Handschriften); syntaktisch Fortsetzung des vorigen und Vorbereitung des folgenden Verses.
die mit höchster Hingabe, mit Geist, Rede und Tat [ihm zugewandt], versehen waren,
Wort für Wort
bhaktyā paramayā
mit höchster Hingabe (Instr.Sg.)
yuktair
die ausgestattet waren (Instr.Pl.Part.)
manovākkarmabhis
mit Geist, Rede und Tat (Instr.Pl., Dvandva-Kompositum)
tadā
damals (Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur Teil der Handschriften), syntaktisch Fortsetzung des vorigen Verses.
Auch jene in sich ruhenden Scharen von Weisen, der Einheit [mit dem Einen] ergeben, richteten keine Aufmerksamkeit auf uns, im Zustand des Brahman verweilend.
Wort für Wort
te 'pi svasthā munigaṇā
auch jene in sich ruhenden Scharen von Weisen (Nom.Pl.)
ekabhāvam anuvratāḥ
der Einheit ergeben (Akk.Sg. + Nom.Pl.)
nāsmāsu dadhire bhāvaṃ
richteten keine Aufmerksamkeit auf uns (Neg. + Lok.Pl. + 3.Pl.Perf.Med. + Akk.Sg.)
brahmabhāvam anuṣṭhitāḥ
im Zustand des Brahman verweilend (Akk.Sg. + Nom.Pl.Part.)
„Gesehen wurden von euch die weißen Männer, die aller Sinne entbehren; durch diese Gesehenen wird [auch] der Herr der Götter gesehen, o ihr Besten der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
dṛṣṭā vaḥ puruṣāḥ śvetāḥ
gesehen wurden von euch die weißen Männer (Nom.Pl.Part. + Instr.Pl. + Nom.Pl.)
sarvendriyavivarjitāḥ
die aller Sinne entbehren (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
dṛṣṭo bhavati deveśaḥ
so wird der Herr der Götter gesehen (Nom.Sg.Part. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
ebhir dṛṣṭair
durch diese Gesehenen (Instr.Pl. + Instr.Pl.Part.)
dvijottamāḥ
o Beste der Zweifachgeborenen (Vok.Pl.)
„deveśa“ als Nom.Sg. (deveśaḥ) mit Sandhi-Elision vor dem folgenden Vokal gedeutet.
gacchadhvaṃ munayaḥ sarve yathāgatam ito 'cirāt; na sa śakyo abhaktena draṣṭuṃ devaḥ kathaṃ cana
Geht, all ihr Weisen, von hier fort, unverzüglich, auf demselben Wege, wie ihr gekommen seid; denn jener Gott kann von einem, der ihm nicht ergeben ist, auf keine Weise gesehen werden.
Wort für Wort
gacchadhvaṃ munayaḥ sarve
geht, all ihr Weisen (2.Pl.Imp. + Vok.Pl. + Adj.)
yathāgatam ito 'cirāt
auf demselben Weg, wie ihr gekommen seid, von hier bald (Adv. + Adv. + Adv.)
na sa śakyo draṣṭum
er kann nicht gesehen werden (Neg. + Nom.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Inf.)
abhaktena devaḥ
von einem Nicht-Ergebenen, der Gott (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
kāmaṃ kālena mahatā ekāntitvaṃ samāgataiḥ; śakyo draṣṭuṃ sa bhagavān prabhāmaṇḍaladurdṛśaḥ
Wohl kann jener Erhabene, der wegen seines Strahlenkranzes schwer zu erblicken ist, nach langer Zeit von denen gesehen werden, die zur ausschließlichen Hingabe gelangt sind.
Wort für Wort
kāmaṃ kālena mahatā
wohl, durch lange Zeit (Partikel + Instr.Sg.)
ekāntitvaṃ samāgataiḥ
von denen, die zur ausschließlichen Hingabe gelangt sind (Akk.Sg. + Instr.Pl.Part.)
śakyo draṣṭuṃ
kann gesehen werden (Adj.Nom.Sg. + Inf.)
sa bhagavān
jener Erhabene (Nom.Sg.)
prabhāmaṇḍaladurdṛśaḥ
schwer zu erblicken wegen seines Strahlenkranzes (Nom.Sg., Kompositum)
mahat kāryaṃ tu kartavyaṃ yuṣmābhir dvijasattamāḥ; itaḥ kṛtayuge 'tīte viparyāsaṃ gate 'pi ca
Eine große Aufgabe aber müsst ihr vollbringen, o ihr Besten der Zweifachgeborenen, von jetzt an, wenn das Kṛtayuga vergangen und auch in sein Gegenteil verkehrt ist,
Wort für Wort
mahat kāryaṃ tu kartavyaṃ
eine große Aufgabe aber ist zu vollbringen (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gerundiv.Nom.Sg.)
yuṣmābhir
von euch (Instr.Pl.)
dvijasattamāḥ
o Beste der Zweifachgeborenen (Vok.Pl.)
itaḥ kṛtayuge 'tīte
von jetzt an, wenn das Kṛtayuga vergangen ist (Adv. + Lok.Sg.Abs.)
viparyāsaṃ gate 'pi ca
und auch wenn es zum Umschlag gelangt ist (Akk.Sg. + Lok.Sg.Part.Abs. + Partikel)
im Manvantara des Vaivasvata, o Brahmanen, wenn dann das Tretāyuga angebrochen ist, werdet ihr wahrlich Helfer sein, damit das Werk der Götter gelinge.“
Wort für Wort
vaivasvate 'ntare
im Manvantara des Vaivasvata (Lok.Sg.)
viprāḥ
o Brahmanen (Vok.Pl.)
prāpte tretāyuge tataḥ
wenn dann das Tretāyuga angebrochen ist (Lok.Sg.Abs. + Adv.)
surāṇāṃ kāryasiddhyarthaṃ
zum Zweck der Erfüllung der Aufgabe der Götter (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
sahāyā vai bhaviṣyatha
werdet ihr wahrlich Helfer sein (Nom.Pl. + Partikel + 2.Pl.Fut.)
evaṃ sutapasā caiva havyakavyais tathaiva ca; devo 'smābhir na dṛṣṭaḥ sa kathaṃ tvaṃ draṣṭum arhasi; nārāyaṇo mahad bhūtaṃ viśvasṛg ghavyakavyabhuk
So wurde der Gott, selbst durch [unsere] gute Askese und ebenso durch Havya- und Kavya-Opfer, von uns nicht gesehen – wie solltest du ihn da sehen können, Nārāyaṇa, das große Wesen, den Weltenschöpfer, den Genießer der Havya- und Kavya-Opfer,
Wort für Wort
evaṃ sutapasā caiva
so, sogar durch gute Askese (Adv. + Instr.Sg. + Konj.)
havyakavyais tathaiva ca
und ebenso durch Havya- und Kavya-Opfer (Instr.Pl. + Adv. + Konj.)
devo 'smābhir na dṛṣṭaḥ
der Gott wurde von uns nicht gesehen (Nom.Sg. + Instr.Pl. + Neg. + Nom.Sg.Part.)
sa kathaṃ tvaṃ draṣṭum arhasi
wie solltest du ihn sehen können (Adv. + Nom.Sg. + Inf. + 2.Sg.Präs.)
nārāyaṇo mahad bhūtaṃ
Nārāyaṇa, das große Wesen (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
viśvasṛg havyakavyabhuk
den Weltenschöpfer, den Genießer der Havya- und Kavya-Opfer (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
ohne Anfang und Ende, unmanifest, von Göttern und Dānavas verehrt?
Wort für Wort
anādinidhano
ohne Anfang und Ende (Nom.Sg., Kompositum)
'vyakto
unmanifest (Nom.Sg.)
devadānavapūjitaḥ
von Göttern und Dānavas verehrt (Nom.Sg., Kompositum)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur Teil der Handschriften), Fortsetzung der Aufzählung von Epitheta Nārāyaṇas aus dem vorigen Vers.
bhīṣma uvāca; evam ekatavākyena dvitatritamatena ca; anunītaḥ sadasyaiś ca bṛhaspatir udāradhīḥ; samānīya tato yajñaṃ daivataṃ samapūjayat
Bhīṣma sprach: So wurde Bṛhaspati, der Hochgesinnte, durch die Rede Ekatas und die Meinung Dvitas und Tritas sowie von den Opferpriestern besänftigt; er führte darauf das Opfer fort und verehrte die Gottheit gebührend.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
evam ekatavākyena
so, durch die Rede Ekatas (Adv. + Instr.Sg.)
dvitatritamatena ca
und durch die Meinung Dvitas und Tritas (Instr.Sg., Kompositum + Konj.)
anunītaḥ sadasyaiś ca
und von den Opferpriestern besänftigt (Nom.Sg.Part. + Instr.Pl. + Konj.)
bṛhaspatir udāradhīḥ
Bṛhaspati, der Hochgesinnte (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
samānīya tato yajñaṃ
nachdem er das Opfer fortgeführt hatte (Absolutiv + Adv. + Akk.Sg.)
Auch der König Vasu, dessen Opfer nun vollendet war, beschützte [seine] Untertanen; durch den Fluch des Brahmanen [jedoch] vom Himmel gestürzt, ging er dann in die Erde ein.
Wort für Wort
samāptayajño rājāpi
auch der König, dessen Opfer vollendet war (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel)
jener König, o Tiger unter den Königen, der Wahrheit und Gerechtigkeit ergeben,
Wort für Wort
sa rājā
jener König (Nom.Sg.)
rājaśārdūla
o Tiger unter den Königen (Vok.Sg.)
satyadharmaparāyaṇaḥ
der Wahrheit und Gerechtigkeit ergeben (Nom.Sg., Kompositum)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur Teil der Handschriften), syntaktisch mit dem folgenden Vers verbunden.
tasyaiva ca prasādena punar evotthitas tu saḥ; mahītalād gataḥ sthānaṃ brahmaṇaḥ samanantaram; parāṃ gatim anuprāpta iti naiṣṭhikam añjasā
Und durch dessen Gnade allein erhob er sich wiederum; von der Erdoberfläche ging er unmittelbar danach zur Stätte Brahmans [und] erlangte den höchsten Gang – so [heißt es], endgültig und wahrhaftig.
Wort für Wort
tasyaiva ca prasādena
und durch dessen Gnade allein (Gen.Sg. + Instr.Sg.)
punar evotthitas tu saḥ
er aber erhob sich wiederum (Adv. + Nom.Sg.Part. + Partikel + Nom.Sg.)
mahītalād gataḥ sthānaṃ brahmaṇaḥ
ging von der Erdoberfläche zur Stätte Brahmans (Abl.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
samanantaram
unmittelbar danach (Adv.)
parāṃ gatim anuprāpta
erlangte den höchsten Gang (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
iti naiṣṭhikam añjasā
so, endgültig und wahrhaftig (Part. + Adv. + Adv.)