Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 82: jñātisaṃgharakṣopadeśaḥ Nārada lehrt Kṛṣṇa, den Streit unter den Verwandten mit der „nicht eisernen Waffe“ zu besänftigen

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Umgang mit Verwandten erzählt Bhīṣma das Gespräch zwischen Kṛṣṇa und Nārada: Kṛṣṇa klagt über seine Lage zwischen den Yādava-Parteien; Nārada rät zu Nachsicht, Freigebigkeit und sanfter Rede.

yudhiṣṭhira uvāca; evam agrāhyake tasmiñ jñātisaṃbandhimaṇḍale; mitreṣv amitreṣv api ca kathaṃ bhāvo vibhāvyate

Yudhiṣṭhira sprach: „So [steht es] bei dieser nicht zu fassenden [Gruppe], diesem Kreis von Verwandten und Verschwägerten; wie wird die Gesinnung erkannt bei Freunden und auch bei Feinden?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
evam agrāhyake tasmin
so bei jenem nicht zu Ergreifenden/Unfassbaren (Lok. Sg. n.)
jñātisaṃbandhimaṇḍale
im Kreis der Verwandten und Verschwägerten (Lok. Sg., Kompositum)
mitreṣv amitreṣv api ca
bei Freunden und auch bei Nicht-Freunden (Lok. Pl.)
kathaṃ bhāvo vibhāvyate
wie wird die Gesinnung erkannt/unterschieden (Nom. Sg. / 3.Sg.Pass.)

agrāhyaka: hier wohl „nicht zu gewinnen/unfassbar“ (Gruppe, auf die man sich nicht verlassen kann).

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; vāsudevasya saṃvādaṃ surarṣer nāradasya ca

Bhīṣma sprach: „Hierzu erzählt man diese alte Geschichte: das Gespräch Vāsudevas und des Göttersehers Nārada.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atrāpy udāharanti
hierzu auch führt man an (3.Pl.Präs.)
imam itihāsaṃ purātanam
diese alte Überlieferung (Akk. Sg. m.)
vāsudevasya saṃvādam
das Gespräch des Vāsudeva (Gen./Akk. Sg.)
surarṣer nāradasya ca
und des Götterweisen Nārada (Gen. Sg.)

vāsudeva uvāca; nāsuhṛt paramaṃ mantraṃ nāradārhati veditum; apaṇḍito vāpi suhṛt paṇḍito vāpi nātmavān

Vāsudeva sprach: „Ein Nicht-Freund, Nārada, darf den höchsten geheimen Rat nicht erfahren; auch ein unweiser Freund nicht, und auch ein weiser nicht, der nicht Herr seiner selbst ist.“

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach (Perf.)
nāsuhṛt paramaṃ mantram
nicht ein Nicht-Freund [darf] den höchsten Rat (Nom./Akk. Sg.)
nārada arhati veditum
Nārada, [er] darf/verdient zu erfahren (Vok.; 3.Sg.Präs.; Inf.)
apaṇḍito vāpi suhṛt
oder auch ein unweiser Freund (Nom. Sg.)
paṇḍito vāpi nātmavān
oder auch ein Weiser, [der] nicht selbstbeherrscht ist (Nom. Sg.)

Ellipse: „nicht“ ist zu apaṇḍitaḥ suhṛt und paṇḍitaḥ zu ergänzen.

sa te sauhṛdam āsthāya kiṃ cid vakṣyāmi nārada; kṛtsnāṃ ca buddhiṃ saṃprekṣya saṃpṛcche tridivaṃgama

„Auf deine Freundschaft gestützt werde ich dir etwas sagen, Nārada; und nachdem ich [deine] gesamte Einsicht bedacht habe, frage ich dich, Himmelsgänger.“

Wort für Wort
sa te sauhṛdam āsthāya
ich (so), auf Freundschaft zu dir gestützt (Abs.)
kiṃ cid vakṣyāmi nārada
werde etwas sagen, Nārada (1.Sg.Fut.; Vok.)
kṛtsnāṃ ca buddhiṃ saṃprekṣya
und die ganze Einsicht [von dir] betrachtend/bedenkend (Abs.)
saṃpṛcche tridivaṃgama
frage [ich dich], Himmelsgänger (1.Sg.Präs.; Vok.)

„sa“ am Versanfang ist Sandhi-Form für „saḥ“ (= ich, der Sprecher, in Bezug auf te); te = „dir“.

dāsyam aiśvaryavādena jñātīnāṃ vai karomy aham; ardhabhoktāsmi bhogānāṃ vāgduruktāni ca kṣame

„Im Namen der Herrschaft leiste ich den Verwandten Knechtsdienst; ich esse [nur] die Hälfte der Genüsse und ertrage [ihre] harten Worte.“

Wort für Wort
dāsyam aiśvaryavādena
Knechtsdienst durch das Wort der Herrschaft [d. h. im Namen der Herrschaft] (Akk./Instr.)
jñātīnāṃ vai karomy aham
den Verwandten fürwahr leiste ich (Gen. Pl.; 1.Sg.Präs.)
ardhabhoktāsmi bhogānām
ich bin Genießer der Hälfte der Genüsse (Periphr.; Gen. Pl.)
vāgduruktāni ca kṣame
und schlechte Reden ertrage ich (Akk. Pl.; 1.Sg.Präs.)

araṇīm agnikāmo vā mathnāti hṛdayaṃ mama; vācā duruktaṃ devarṣe tan me dahati nityadā

„Wie einer, der Feuer haben will, das Reibholz reibt, so reibt das Wort mein Herz; das böse Wort, Götterseher, verbrennt mich beständig.“

Wort für Wort
araṇīm agnikāmo vā
wie einer, der Feuer wünscht, das Reibholz (Akk. Sg. f.; Nom.)
mathnāti hṛdayaṃ mama
[so] reibt/quält mein Herz (3.Sg.Präs.; Akk.; Gen.)
vācā duruktaṃ devarṣe
durch Rede [entstandenes] Schlechtgesagtes, Götterseher (Instr./Nom.; Vok.)
tan me dahati nityadā
das verbrennt mich stets (3.Sg.Präs.)

vācā duruktam: wörtlich „das durch Rede Übelgesagte“.

balaṃ saṃkarṣaṇe nityaṃ saukumāryaṃ punar gade; rūpeṇa mattaḥ pradyumnaḥ so 'sahāyo 'smi nārada

„Bei Saṃkarṣaṇa ist stets Stärke, bei Gada wiederum Zartheit; Pradyumna ist von [seiner] Schönheit berauscht; so bin ich ohne Helfer, Nārada.“

Wort für Wort
balaṃ saṃkarṣaṇe nityam
Stärke ist bei Saṃkarṣaṇa stets (Nom. n.; Lok.)
saukumāryaṃ punar gade
Zartheit dagegen bei Gada (Nom.; Lok.)
rūpeṇa mattaḥ pradyumnaḥ
durch Schönheit berauscht Pradyumna (Instr.; Nom. Sg.)
so 'sahāyo 'smi nārada
so bin ich ohne Helfer, Nārada (1.Sg.Präs.; Vok.)

anye hi sumahābhāgā balavanto durāsadāḥ; nityotthānena saṃpannā nāradāndhakavṛṣṇayaḥ

„Andere aber, sehr glückvolle, starke, schwer Angreifbare, mit beständiger Tatkraft Begabte, sind die Andhakas und Vṛṣṇis, Nārada.“

Wort für Wort
anye hi sumahābhāgāḥ
andere nämlich, sehr Glückvolle (Nom. Pl.)
balavanto durāsadāḥ
stark, schwer angreifbar (Nom. Pl.)
nityotthānena saṃpannāḥ
mit beständiger Tatkraft ausgestattet (Instr.; Nom. Pl.)
nārada andhakavṛṣṇayaḥ
Nārada, die Andhakas und Vṛṣṇis (Vok.; Nom. Pl.)

yasya na syur na vai sa syād yasya syuḥ kṛcchram eva tat; dvābhyāṃ nivārito nityaṃ vṛṇomy ekataraṃ na ca

„Wem sie nicht [zur Seite] stünden, der wäre gar nicht [bestehend]; wem sie [zur Seite] stehen, dem ist das nur Not; von beiden [Seiten] ständig zurückgehalten, wähle ich keinen von beiden.“

Wort für Wort
yasya na syur na vai sa syāt
wem sie nicht wären, der wäre fürwahr nicht (Opt.)
yasya syuḥ kṛcchram eva tat
wem sie wären, das ist nur Not (Opt.; Nom. n.)
dvābhyāṃ nivārito nityam
von beiden ständig abgehalten (Instr. Du.; PPP)
vṛṇomy ekataraṃ na ca
ich wähle auch keinen von beiden (1.Sg.Präs.; Akk. Sg.)

Sinn: Ohne die Verwandten wäre man verloren, mit ihnen hat man nur Not. Der Text ist knapp.

syātāṃ yasyāhukākrūrau kiṃ nu duḥkhataraṃ tataḥ; yasya vāpi na tau syātāṃ kiṃ nu duḥkhataraṃ tataḥ

„Wessen [Beistand] Āhuka und Akrūra wären, was wäre leidvoller als das? Und wessen sie nicht wären, was wäre leidvoller als das?“

Wort für Wort
syātāṃ yasyāhukākrūrau
zu wem Āhuka und Akrūra gehörten (Opt. Du.; Nom. Du.)
kiṃ nu duḥkhataraṃ tataḥ
was wäre da leidvoller als das (Komp.)
yasya vāpi na tau syātām
oder auch wem diese beiden nicht [zur Seite] stünden (Opt. Du.)
kiṃ nu duḥkhataraṃ tataḥ
was wäre da leidvoller als das

so 'haṃ kitavamāteva dvayor api mahāmune; ekasya jayam āśaṃse dvitīyasyāparājayam

„So bin ich, großer Weiser, wie die Mutter eines Spielers bei beiden: für den einen erhoffe ich den Sieg, für den anderen die Nichtniederlage.“

Wort für Wort
so 'haṃ kitavamāteva
ich also wie die Mutter eines Spielers (Nom.; Vergleich)
dvayor api mahāmune
bei beiden, großer Weiser (Gen./Lok. Du.; Vok.)
ekasya jayam āśaṃse
für den einen erhoffe ich Sieg (Gen.; Akk.; 1.Sg.Präs.)
dvitīyasyāparājayam
für den zweiten Nichtbesiegtwerden (Gen.; Akk.)

mamaivaṃ kliśyamānasya nāradobhayataḥ sadā; vaktum arhasi yac chreyo jñātīnām ātmanas tathā

„Mir, der ich so beständig nach beiden Seiten hin gequält werde, Nārada, solltest du sagen, was heilsam ist für die Verwandten und ebenso für mich selbst.“

Wort für Wort
mamaivaṃ kliśyamānasya
mir, der ich so gequält werde (Gen. Sg.; Part. Pass.)
nāradobhayataḥ sadā
Nārada, von beiden Seiten stets (Vok.; Adv.)
vaktum arhasi yac chreyaḥ
du solltest sagen, was das Bessere/Heilsame ist (Inf.; 2.Sg.Präs.)
jñātīnām ātmanas tathā
für die Verwandten und ebenso für mich selbst (Gen.)

nārada uvāca; āpado dvividhāḥ kṛṣṇa bāhyāś cābhyantarāś ca ha; prādurbhavanti vārṣṇeya svakṛtā yadi vānyataḥ

Nārada sprach: „Zweierlei sind die Nöte, Kṛṣṇa: äußere und innere; sie treten auf, Vārṣṇeya, entweder selbstverursacht oder von anderswoher.“

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Perf.)
āpado dvividhāḥ kṛṣṇa
Nöte sind zweifach, Kṛṣṇa (Nom. Pl.; Vok.)
bāhyāś cābhyantarāś ca ha
äußere und innere fürwahr (Nom. Pl.)
prādurbhavanti vārṣṇeya
sie treten hervor, Vārṣṇeya (3.Pl.Präs.; Vok.)
svakṛtā yadi vānyataḥ
selbstgemacht oder von anderswoher (Nom. Pl.; Adv.)

seyam ābhyantarā tubhyam āpat kṛcchrā svakarmajā; akrūrabhojaprabhavāḥ sarve hy ete tadanvayāḥ

„Diese hier ist für dich die innere Not, schwer, aus eigenem Tun geboren; denn alle diese, die Akrūra und Bhoja zum Ursprung haben, sind seine [d. h. deine] Sippe.“

Wort für Wort
seyam ābhyantarā tubhyam
diese ist die innere für dich (Nom. Sg. f.; Dat.)
āpat kṛcchrā svakarmajā
Not, schwer, aus eigenem Tun geboren (Nom. Sg. f.)
akrūrabhojaprabhavāḥ sarve
von Akrūra und Bhoja ausgehend/[von ihnen] angeführt, alle (Nom. Pl.)
hy ete tadanvayāḥ
denn diese sind von dessen Geschlecht (Nom. Pl.)

Zweiter Halbvers unsicher: prabhava kann „Ursprung“ oder „Herrschaft/Macht“ heißen, tadanvayāḥ ist knapp [?].

arthahetor hi kāmād vādvārā bībhatsayāpi vā; ātmanā prāptam aiśvaryam anyatra pratipāditam

„Aus Gewinnstreben oder Begierde, oder auch auf abscheuliche Weise, wurde die selbst erlangte Herrschaft anderswohin weitergegeben.“

Wort für Wort
arthahetor hi kāmād vā
aus Beweggrund des Gewinns oder aus Begierde (Abl.)
advārā bībhatsayāpi vā
oder auch durch ein abscheuliches Mittel [wörtl. „Tür“] (Instr. f.)
ātmanā prāptam aiśvaryam
durch dich selbst erlangte Herrschaft (Instr.; PPP n.)
anyatra pratipāditam
anderswohin übergeben (Adv.; PPP)

Der Text von 15a/b ist schwierig (dvārā bībhatsayā) [?].

kṛtamūlam idānīṃ taj jātaśabdaṃ sahāyavat; na śakyaṃ punar ādātuṃ vāntam annam iva tvayā

„Jetzt ist es fest verwurzelt, hat einen Namen bekommen und Verbündete; es kann von dir nicht wieder zurückgenommen werden, wie erbrochene Speise.“

Wort für Wort
kṛtamūlam idānīṃ tat
jetzt hat es Wurzeln geschlagen, das (Nom. n.)
jātaśabdaṃ sahāyavat
zu Ruf gekommen, mit Helfern versehen (Nom. n.)
na śakyaṃ punar ādātum
nicht kann wieder zurückgenommen werden (Inf.)
vāntam annam iva tvayā
wie ausgespieene Speise, von dir (PPP; Instr.)

babhrūgrasenayo rājyaṃ nāptuṃ śakyaṃ kathaṃ cana; jñātibhedabhayāt kṛṣṇa tvayā cāpi viśeṣataḥ

„Die Herrschaft von Babhru und Ugrasena kann auf keine Weise zurückgewonnen werden, aus Furcht vor einer Spaltung der Verwandten, Kṛṣṇa, und besonders von dir.“

Wort für Wort
babhrūgrasenayo rājyam
die Herrschaft von Babhru und Ugrasena (Gen. Du.; Nom.)
nāptuṃ śakyaṃ kathaṃ cana
kann auf keine Weise erlangt werden (Inf.)
jñātibhedabhayāt kṛṣṇa
aus Furcht vor Spaltung der Verwandten, Kṛṣṇa (Abl.; Vok.)
tvayā cāpi viśeṣataḥ
und auch von dir, besonders (Instr.; Adv.)

tac cet sidhyet prayatnena kṛtvā karma suduṣkaram; mahākṣayavyayaṃ vā syād vināśo vā punar bhavet

„Wenn jenes durch Anstrengung gelänge, indem man eine äußerst schwere Tat vollbringt, so gäbe es entweder großen Verlust und Aufwand, oder wiederum Untergang.“

Wort für Wort
tac cet sidhyet prayatnena
wenn jenes durch Anstrengung gelänge (Opt.; Instr.)
kṛtvā karma suduṣkaram
nach Vollbringen einer sehr schwierigen Tat (Abs.; Akk.)
mahākṣayavyayaṃ vā syāt
oder es wäre großer Schwund und Aufwand (Opt.)
vināśo vā punar bhavet
oder wiederum Untergang würde entstehen (Nom.; Opt.)

anāyasena śastreṇa mṛdunā hṛdayacchidā; jihvām uddhara sarveṣāṃ parimṛjyānumṛjya ca

„Mit einer nicht eisernen, sanften Waffe, die das Herz durchschneidet: ziehe die Zunge aller heraus, indem du [sie] abwischst und nachwischst.“

Wort für Wort
anāyasena śastreṇa
mit einer nicht eisernen Waffe (Instr.)
mṛdunā hṛdayacchidā
mit einer sanften, herzdurchtrennenden (Instr.)
jihvām uddhara sarveṣām
ziehe die Zunge heraus von allen (Imp.; Gen.)
parimṛjyānumṛjya ca
abwischend und nachwischend (Abs.)

Bild: einen Stachel/Dorn aus der Zunge ziehen und die Stelle säubern, d. h. besänftigen; parimṛjya/anumṛjya wörtlich „abwischend/nachwischend“.

vāsudeva uvāca; anāyasaṃ mune śastraṃ mṛdu vidyām ahaṃ katham; yenaiṣām uddhare jihvāṃ parimṛjyānumṛjya ca

Vāsudeva sprach: „Welche nicht eiserne, sanfte Waffe soll ich, Weiser, kennen lernen, mit der ich ihnen die Zunge herausziehe, indem ich [sie] abwische und nachwische?“

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach
anāyasaṃ mune śastram
die nicht eiserne Waffe, Weiser (Akk.; Vok.)
mṛdu vidyām ahaṃ katham
die sanfte, wie könnte ich [sie] kennen (Opt. 1.Sg.)
yenaiṣām uddhare jihvām
durch die ich von diesen die Zunge herausziehe (Instr.; Opt./Präs. 1.Sg.)
parimṛjyānumṛjya ca
abwischend und nachwischend (Abs.)

nārada uvāca; śaktyānnadānaṃ satataṃ titikṣā dama ārjavam; yathārhapratipūjā ca śastram etad anāyasam

Nārada sprach: „Nach Kräften Speisegabe, stete Nachsicht, Selbstbezwingung, Geradheit und angemessene Verehrung: das ist die nicht eiserne Waffe.“

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
śaktyānnadānaṃ satatam
nach Kraft Speisespende stets (Instr.; Nom.)
titikṣā dama ārjavam
Nachsicht, Selbstbezwingung, Geradheit (Nom.)
yathārhapratipūjā ca
und Verehrung nach Gebühr (Nom. f.)
śastram etad anāyasam
das ist die nicht eiserne Waffe (Nom. n.)

jñātīnāṃ vaktukāmānāṃ kaṭūni ca laghūni ca; girā tvaṃ hṛdayaṃ vācaṃ śamayasva manāṃsi ca

„Wenn Verwandte reden wollen, harte oder leichte [Worte], so besänftige du mit [deiner] Rede ihr Herz, ihre Rede und ihre Gemüter.“

Wort für Wort
jñātīnāṃ vaktukāmānām
der Verwandten, die reden wollen (Gen. Pl.)
kaṭūni ca laghūni ca
harte und leichte [Worte] (Akk. Pl. n.)
girā tvaṃ hṛdayaṃ vācam
du mit Rede das Herz, die Rede (Instr.; Akk.)
śamayasva manāṃsi ca
besänftige und [ihre] Gemüter (Imp. Med.; Akk. Pl.)

Die Konstruktion (Gen. abs.-artig, kaṭūni als Objekt von vaktukāma) ist knapp; Sinn wie übersetzt.

nāmahāpuruṣaḥ kaś cin nānātmā nāsahāyavān; mahatīṃ dhuram ādatte tām udyamyorasā vaha

„Es gibt keinen, der nicht ein großer Mann, nicht selbstbeherrscht, nicht mit Helfern versehen wäre und [doch] eine große Last aufnimmt; diese hebe [du] mit der Brust und trage sie.“

Wort für Wort
nāmahāpuruṣaḥ kaś cit
keiner, der nicht ein großer Mann ist (Nom.)
nānātmā nāsahāyavān
nicht ohne Selbst [d. h. nicht unbeherrscht], nicht ohne Helfer (Nom.)
mahatīṃ dhuram ādatte
eine große Last nimmt auf (Akk.; 3.Sg.Präs. Med.)
tām udyamyorasā vaha
diese, nachdem du [sie] mit der Brust gehoben, trage (Abs.; Instr.; Imp.)

Wörtliche Struktur der Negationen ist verschachtelt; gemeint: Nur ein großer, selbstbeherrschter, unterstützter Mann übernimmt eine große Last [?].

sarva eva guruṃ bhāram anaḍvān vahate same; durge pratīkaḥ sugavo bhāraṃ vahati durvaham

„Jeder Zugochse trägt auf ebenem [Boden] die schwere Last; im Unwegsamen trägt der vorderste, gute Stiere Habende die schwer zu tragende Last.“

Wort für Wort
sarva eva guruṃ bhāram
jeder ja die schwere Last (Nom.; Akk.)
anaḍvān vahate same
ein Ochse trägt auf ebenem [Grund] (Nom.; 3.Sg. Med.; Lok.)
durge pratīkaḥ sugavaḥ
im Schwierigen [Gelände] der vordere, gute Rinder [habende] (Lok.; Nom.)
bhāraṃ vahati durvaham
trägt die schwer tragbare Last (Akk.; 3.Sg.Präs.)

pratīkaḥ sugavaḥ ist unsicher [?]; gemeint wohl der vorderste, kräftige Zugstier.

bhedād vināśaḥ saṃghānāṃ saṃghamukhyo 'si keśava; yathā tvāṃ prāpya notsīded ayaṃ saṃghas tathā kuru

„Durch Spaltung [kommt] der Untergang der Genossenschaften; du bist das Haupt der Genossenschaft, Keśava; handle so, dass diese Genossenschaft, nachdem sie dich erreicht hat, nicht zugrunde geht.“

Wort für Wort
bhedād vināśaḥ saṃghānām
aus Spaltung [folgt] der Untergang der Verbände (Abl.; Nom.; Gen. Pl.)
saṃghamukhyo 'si keśava
du bist Hauptmann des Verbandes, Keśava (2.Sg.; Vok.)
yathā tvāṃ prāpya notsīded
so dass er, dich erlangend, nicht zugrunde geht (Abs.; Opt.)
ayaṃ saṃghas tathā kuru
dieser Verband; so handle (Imp.)

nānyatra buddhikṣāntibhyāṃ nānyatrendriyanigrahāt; nānyatra dhanasaṃtyāgād gaṇaḥ prājñe 'vatiṣṭhate

„Nicht anders als durch Einsicht und Geduld, nicht anders als durch Zügelung der Sinne, nicht anders als durch Hingabe von Besitz besteht eine Gemeinschaft bei einem Weisen.“

Wort für Wort
nānyatra buddhikṣāntibhyām
nicht außer durch Einsicht und Geduld (Instr. Du.)
nānyatrendriyanigrahāt
nicht außer durch Bezähmung der Sinne (Abl.)
nānyatra dhanasaṃtyāgāt
nicht außer durch Aufgeben von Reichtum (Abl.)
gaṇaḥ prājñe 'vatiṣṭhate
die Gemeinschaft besteht bei einem Weisen (Nom.; Lok.; 3.Sg.Präs.)

dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svapakṣodbhāvanaṃ śubham; jñātīnām avināśaḥ syād yathā kṛṣṇa tathā kuru

„Segensreich, ruhmbringend, lebensfördernd, [ein] Hervortretenlassen der eigenen Partei, heilvoll: so handle, Kṛṣṇa, dass es den Verwandten nicht zum Untergang gerät.“

Wort für Wort
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyam
segensreich, ruhmbringend, lebensfördernd (Nom. n.)
svapakṣodbhāvanaṃ śubham
Stärkung der eigenen Seite, heilvoll (Nom. n.)
jñātīnām avināśaḥ syāt
der Verwandten Nichtuntergang möge sein (Gen.; Opt.)
yathā kṛṣṇa tathā kuru
wie [es sei], Kṛṣṇa, so handle (Vok.; Imp.)

āyatyāṃ ca tadātve ca na te 'sty aviditaṃ prabho; ṣāḍguṇyasya vidhānena yātrāyānavidhau tathā

„Für die Zukunft und für die Gegenwart ist dir nichts unbekannt, Herr; auch nicht in der Anwendung der sechs Maßnahmen und in der Regel von Feldzug und Marsch.“

Wort für Wort
āyatyāṃ ca tadātve ca
und in Zukunft und in Gegenwart (Lok.)
na te 'sty aviditam prabho
nicht ist dir etwas unbekannt, Herr (Nom. n.; Vok.)
ṣāḍguṇyasya vidhānena
durch Anwendung der Sechsheit [der Politik-Maßnahmen] (Gen.; Instr.)
yātrāyānavidhau tathā
und in der Regel von Feldzug und Marsch (Lok.)

mādhavāḥ kukurā bhojāḥ sarve cāndhakavṛṣṇayaḥ; tvayy āsaktā mahābāho lokā lokeśvarāś ca ye

„Die Mādhavas, Kukuras, Bhojas und alle Andhakas und Vṛṣṇis sind an dich gebunden, Starkarmiger, und ebenso die Welten und Weltherren, die es gibt.“

Wort für Wort
mādhavāḥ kukurā bhojāḥ
Mādhavas, Kukuras, Bhojas (Nom. Pl.)
sarve cāndhakavṛṣṇayaḥ
und alle Andhakas und Vṛṣṇis (Nom. Pl.)
tvayy āsaktā mahābāho
an dich gebunden, Starkarmiger (Lok.; PPP; Vok.)
lokā lokeśvarāś ca ye
und die Welten und Weltherren, welche [es gibt] (Nom. Pl.)

upāsate hi tvadbuddhim ṛṣayaś cāpi mādhava; tvaṃ guruḥ sarvabhūtānāṃ jānīṣe tvaṃ gatāgatam; tvām āsādya yaduśreṣṭham edhante jñātinaḥ sukham

„Auch die Seher, Mādhava, verehren deine Einsicht; du bist der Lehrer aller Wesen, du kennst Gehen und Kommen [Ablauf und Wiederkehr]; wenn sie dich, den Besten der Yadus, erreicht haben, gedeihen die Verwandten in Glück.“

Wort für Wort
upāsate hi tvadbuddhim
sie verehren ja deine Einsicht (3.Pl.Präs.; Akk.)
ṛṣayaś cāpi mādhava
auch die Seher, Mādhava (Nom. Pl.; Vok.)
tvaṃ guruḥ sarvabhūtānām
du bist Lehrer aller Wesen (Nom.; Gen. Pl.)
jānīṣe tvaṃ gatāgatam
du kennst Gehen und Kommen (2.Sg.Präs. Med.; Akk.)
tvām āsādya yaduśreṣṭham
dich, den besten der Yadus, erreicht habend (Abs.; Akk.)
edhante jñātinaḥ sukham
gedeihen die Verwandten glücklich (3.Pl.Präs.; Nom.; Adv.)

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