Kapitel 299: kālasaṃkhyā-bhūtasarga-manaḥ
Zeitmaße der Schöpfung, Entstehung der Elemente und die Herrschaft des Manas
Yājñavalkya lehrt Janaka die Tage und Nächte der Schöpfungsstufen (Avyakta, Brahmā, Ahaṃkāra, Elemente, Manas) und die Rolle des Manas gegenüber den Sinnen.
Ein Jahr im Ei verweilt und dann herausgetreten, fügte der große Weise, Prajāpati, die ganze Erde als eine Hälfte und den Himmel als die andere Hälfte zusammen.
Wort für Wort
saṃvatsaram uṣitvā aṇḍe
ein Jahr [lang] im Ei geweilt (Akk./Abs./Lok.)
niṣkramya ca mahāmuniḥ
und herausgetreten, der große Weise (Abs./Nom.)
saṃdadhe ardhaṃ mahīṃ kṛtsnām
fügte zusammen als Hälfte die ganze Erde (3.Sg.Perf.Med./Akk.)
Auch dessen Zeitmaß [nennen] die in Veda und Vedāṅgas Bewanderten: Zehn Tausend Kalpas, um ein Viertel vermindert, heißt [sein] Tag; ebenso lang [ist] seine Nacht, sagen die, die über das Selbst [adhyātma] nachdenken.
Wort für Wort
etasya api ca saṃkhyānam
und auch dessen Zählung/Maß (Gen./Nom. n.)
vedavedāṅgapāragaiḥ
von den in Veda und Vedāṅga Vollendeten (Instr. Pl.)
daśa kalpasahasrāṇi pādonāni
zehn Tausend Kalpas, um ein Viertel vermindert (Nom. Pl.)
Der Weise erschafft den Ahaṃkāra [das Ich-Prinzip] und das Element [bhūta] göttlichen Wesens, und vier weitere Söhne aus [seinem] früheren Körper, der große Ṛṣi.
Wort für Wort
sṛjaty ahaṃkāram ṛṣiḥ
erschafft den Ahaṃkāra, der Ṛṣi (3.Sg.Präs./Akk./Nom.)
bhūtaṃ divyātmakaṃ tathā
das Element/Wesen göttlichen Wesens ebenso (Akk. n.)
caturaś ca aparān putrān
und vier andere Söhne (Akk. Pl.)
dehāt pūrvaṃ mahān ṛṣiḥ
aus dem [früheren] Körper, der große Ṛṣi (Abl./Adv./Nom.)
dehāt pūrvam: Bezug unklar (‚aus dem Körper zuvor‘ oder ‚zuerst aus dem Körper‘).
Die Götter sind die Söhne der Väter, und von den Göttern sind die Welten erfüllt, die beweglichen und unbeweglichen, o Bester der Männer. So haben wir es gehört.
Wort für Wort
devāḥ pitṝṇāṃ ca sutāḥ
und die Götter [sind] Söhne der Väter (Nom. Pl./Gen. Pl.)
devair lokāḥ samāvṛtāḥ
von den Göttern [sind] die Welten erfüllt/umhüllt (Instr. Pl./Nom. Pl./Part.)
carācarā naraśreṣṭha
die beweglichen und unbeweglichen, o Bester der Männer (Nom. Pl./Vok.)
śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca raso gandhaś ca pañcamaḥ; ete viśeṣā rājendra mahābhūteṣu pañcasu; yair āviṣṭāni bhūtāni ahany ahani pārthiva
Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und als fünfter der Geruch: Dies sind, König der Könige, die Besonderheiten in den fünf großen Elementen, von denen die Wesen Tag für Tag durchdrungen sind, o Fürst.
Wort für Wort
śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca
Klang, Berührung und Gestalt (Nom.)
raso gandhaś ca pañcamaḥ
Geschmack und Geruch als fünfter (Nom.)
ete viśeṣā rājendra
dies sind die Besonderheiten, o Herr der Könige (Nom. Pl./Vok.)
mahābhūteṣu pañcasu
in den fünf großen Elementen (Lok. Pl.)
yair āviṣṭāni bhūtāni
von denen durchdrungen die Wesen (Instr. Pl./Part./Nom. Pl.)
manaś carati rājendra caritaṃ sarvam indriyaiḥ; na cendriyāṇi paśyanti mana evātra paśyati
Das Manas [der Geist] wandelt umher, o Fürst der Könige; alles Durchlaufene [geschieht] durch die Sinne. Nicht die Sinne sehen, das Manas allein sieht hier.
Wort für Wort
manaś carati rājendra
das Manas wandelt, o Herr der Könige (Nom./3.Sg.Präs./Vok.)
caritaṃ sarvam indriyaiḥ
alles Durchlaufene durch die Sinne (Part. n./Instr. Pl.)
cakṣuḥ paśyati rūpāṇi manasā tu na cakṣuṣā; manasi vyākule cakṣuḥ paśyann api na paśyati; tathendriyāṇi sarvāṇi paśyantīty abhicakṣate
Das Auge sieht die Formen, aber mit dem Manas, nicht mit dem Auge. Ist das Manas verwirrt, so sieht das Auge, obwohl es hinblickt, nicht. So sagt man, alle Sinne sähen.
Wort für Wort
cakṣuḥ paśyati rūpāṇi
das Auge sieht Formen (Nom./3.Sg./Akk. Pl.)
manasā tu na cakṣuṣā
aber mit dem Manas, nicht mit dem Auge (Instr.)
manasi vyākule
wenn das Manas verwirrt ist (Lok. abs.)
cakṣuḥ paśyann api na paśyati
das Auge, obwohl sehend, sieht nicht (Part. Präs./3.Sg.)
Ist das Manas zur Ruhe gekommen, o König, tritt Stillstand der Sinne ein; bei Ruhe der Sinne aber tritt nicht [notwendig] Ruhe des Manas ein. So soll man die Sinne als vom Manas bestimmt erkennen.