Kapitel 346: brāhmaṇanāgasaṃvāda
Der fastende Brahmane und die bittenden Verwandten des Nāga
Episode aus dem Mokṣadharma-Teil des Śāntiparva: Ein büßender Brahmane fastet einsam am Flussufer und wartet auf die Rückkehr eines Nāga. Dessen Angehörige bitten ihn vergeblich zu essen, da sein Fasten sie in einen Gastfreundschaftskonflikt (dharmasaṃkaṭa) bringt; der Brahmane erklärt sein Gelübde und schickt sie unverrichteter Dinge fort.
Um uns eine Gunst zu erweisen, solltest du Nahrung zu dir nehmen; wenn du nicht isst, o Brahmane, würden wir in die Hölle gehen.
Wort für Wort
anugrahārtham asmākam
zu unserer Gunst (Akk.Adv. + Gen.Pl.)
āhāraṃ kartum arhasi
solltest du Nahrung nehmen (Akk.Sg. + Inf. + 2.Sg.)
anaśnati tvayi
wenn du nicht isst (Lok.Sg.Part.Abs.)
brahman
o Brahmane (Vok.Sg.)
gacchema narakaṃ vayam
würden wir in die Hölle gehen (1.Pl.Opt. + Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe, nur in einem Teil der Handschriften überliefert; keine Textlücken markiert.
na hi no bhrūṇahā kaś cid rājāpathyo 'nṛto 'pi vā; pūrvāśī vā kule hy asmin devatātithibandhuṣu
Denn keiner von uns in dieser Familie ist ein Kindesmörder, noch einer, der dem König Schaden zufügt, noch ein Lügner, noch jemand, der vor Göttern, Gästen und Verwandten zuerst isst.“
Wort für Wort
na hi no kaś cid
denn keiner von uns (Nom.Sg.)
bhrūṇahā
ein Kindesmörder (Nom.Sg.)
rājāpathyo
oder dem König Schaden zufügend (Nom.Sg.)
anṛto api vā
oder auch ein Lügner (Nom.Sg.)
pūrvāśī vā
oder ein zuerst Essender (Nom.Sg.)
kule hy asmin
denn in dieser Familie (Lok.Sg.)
devatātithibandhuṣu
gegenüber Göttern, Gästen und Verwandten (Lok.Pl.)
brāhmaṇa uvāca; upadeśena yuṣmākam āhāro 'yaṃ mayā vṛtaḥ; dvirūnaṃ daśarātraṃ vai nāgasyāgamanaṃ prati
Der Brahmane sprach: „Zur Erklärung für euch: Diese Nahrungsenthaltung habe ich gewählt – acht Nächte, wahrlich, im Hinblick auf die Rückkehr des Nāga.
Wort für Wort
upadeśena yuṣmākam
zur Erklärung für euch (Instr.Sg. + Gen.Pl.)
āhāro 'yaṃ mayā vṛtaḥ
diese Nahrungsregel wurde von mir gewählt (Nom.Sg. + Instr. + Ppp.)
dvirūnaṃ daśarātraṃ vai
acht Nächte, wahrlich [wörtl. zehn, um zwei vermindert] (Akk.Sg.)
nāgasya āgamanaṃ prati
im Hinblick auf die Ankunft des Nāga (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Postp.)
'dvirūnaṃ daśarātram' wörtlich 'zehn Nächte, um zwei vermindert' = acht Nächte; entsprechend 'upadeśena' als 'zur Erklärung' gedeutet (nicht als 'auf euren Rat hin').
Wenn nach Verstreichen der achten Nacht die Schlange nicht gekommen sein wird, dann werde ich Nahrung nehmen; dieses Gelübde hat jenen Grund zum Anlass.