Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 205: ahaṃkāradoṣaparīkṣā Nahrung als Wegzehrung, die Guṇas und die Prüfung der Fehler im Ich-Machen

Beginn einer Lehrunterweisung zwischen Lehrer und Schüler: Erkenntnis muss von Trübungen gereinigt werden, der Körper besteht aus Erdstoff, und die Guṇas sowie der Ahaṃkāra (das Ich-Machen) sind als Ursache des Kreislaufs zu prüfen. Einige Zusatzverse sind stark verderbt.

gurur uvāca; pravṛttilakṣaṇo dharmo yathāyam upapadyate; teṣāṃ vijñānaniṣṭhānām anyat tattvaṃ na rocate

Der Lehrer sprach: Die durch Tätigkeit gekennzeichnete Pflicht (dharma), so wie sie sich hier darbietet – für jene, die im Erkennen fest gegründet sind, findet kein anderes Wesensprinzip Gefallen [?].

Wort für Wort
gurur uvāca
Der Lehrer sprach (Nom.Sg.; Perf.)
pravṛttilakṣaṇo dharmo
der durch Tätigkeit gekennzeichnete Dharma (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
yathāyam upapadyate
wie dieser sich ergibt/darbietet (3.Sg.Med.Präs.)
teṣāṃ vijñānaniṣṭhānām
für jene, die im Erkennen gegründet sind (Gen.Pl.)
anyat tattvaṃ na rocate
ein anderes Wesensprinzip gefällt nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; Sinn unsicher.

durlabhā vedavidvāṃso vedokteṣu vyavasthitāḥ; prayojanam atas tv atra mārgam icchanti saṃstutam

Selten sind Veda-Kundige, die in dem im Veda Gesagten fest stehen; wegen des Nutzens aber wünschen sie hierbei den gepriesenen Weg.

Wort für Wort
durlabhā vedavidvāṃsaḥ
selten sind Veda-Kundige (Nom.Pl.m.)
vedokteṣu vyavasthitāḥ
in den im Veda [Gesagten] fest gegründet (Lok.Pl.; Part.Pass.)
prayojanam atas tv atra
aber wegen des Nutzens daher hierbei (Akk./Abl.-Adv.)
mārgam icchanti saṃstutam
den Weg wünschen sie, den gepriesenen (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)

vedasya na vidur bhāvaṃ jñānamārgapratiṣṭhitam

Den Sinn des Veda, der im Weg der Erkenntnis gegründet ist, kennen sie nicht.

Wort für Wort
vedasya na vidur bhāvam
des Veda Sinn/Wesen kennen sie nicht (Gen.Sg.; 3.Pl.Perf.; Akk.Sg.)
jñānamārgapratiṣṭhitam
im Weg der Erkenntnis gegründet (Akk.Sg.m.; Tatpuruṣa, Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

sadbhir ācaritatvāt tu vṛttam etad agarhitam; iyaṃ sā buddhir anyeyaṃ yayā yāti parāṃ gatim

Weil es von den Guten geübt wird, ist dieses Verhalten aber untadelig. Dies ist jene Einsicht; eine andere ist diese, durch die man zum höchsten Ziel gelangt.

Wort für Wort
sadbhir ācaritatvāt tu
aber weil von den Guten geübt (Instr.Pl.; Abl.Sg. Abstraktum)
vṛttam etad agarhitam
dieses Verhalten [ist] untadelig (Nom.Sg.n.)
iyaṃ sā buddhir
dies ist jene Einsicht (Nom.Sg.f.)
anyeyaṃ yayā yāti
eine andere ist diese, durch die man geht (Nom.Sg.f.; Instr.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
parāṃ gatim
zum höchsten Ziel (Akk.Sg.f.)

śarīravān upādatte mohāt sarvaparigrahān; kāmakrodhādibhir bhāvair yukto rājasatāmasaiḥ

Der Verkörperte nimmt aus Verblendung alle Aneignungen an, verbunden mit Zuständen wie Begierde und Zorn, die von rajas und tamas geprägt sind.

Wort für Wort
śarīravān upādatte
der Körperbehaftete nimmt an (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Med.Präs.)
mohāt sarvaparigrahān
aus Verblendung alle Aneignungen (Abl.Sg.; Akk.Pl.m.)
kāmakrodhādibhir bhāvair
mit Zuständen wie Begierde, Zorn usw. (Instr.Pl.)
yukto rājasatāmasaiḥ
verbunden mit rajasischen und tamasischen (Nom.Sg.m.; Instr.Pl.)

nāśuddham ācaret tasmād abhīpsan dehayāpanam; karmaṇo vivaraṃ kurvan na lokān āpnuyāc chubhān

Deshalb soll er, der den Unterhalt des Körpers erstrebt, nichts Unreines tun; wer im Handeln eine Lücke lässt [?], erlangt nicht die glücklichen Welten.

Wort für Wort
nāśuddham ācaret tasmād
nichts Unreines soll er tun, deshalb (Opt.3.Sg.; Abl.)
abhīpsan dehayāpanam
den Unterhalt des Körpers erstrebend (Part.Präs.; Akk.Sg.)
karmaṇo vivaraṃ kurvan
eine Lücke im Handeln machend (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Part.Präs.)
na lokān āpnuyāc chubhān
nicht erlangte er glückliche Welten (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.)

karmaṇo vivaraṃ kurvan: „eine Lücke/Fehlstelle im Handeln machend“; Sinn nicht ganz sicher.

lohayuktaṃ yathā hema vipakvaṃ na virājate; tathāpakvakaṣāyākhyaṃ vijñānaṃ na prakāśate

Wie Gold, das mit Eisen vermischt und nicht ausgeschmolzen ist, nicht glänzt, so leuchtet auch die Erkenntnis nicht, der die Bezeichnung „unreife Trübung“ anhaftet.

Wort für Wort
lohayuktaṃ yathā hema
wie Gold, mit Eisen vermischt (Nom.Sg.n.)
vipakvaṃ na virājate
nicht ausgeschmolzen, glänzt nicht (Part.Pass.; 3.Sg.Med.Präs.)
tathāpakvakaṣāyākhyaṃ
so, [die] „unreife Trübung“ genannt (Nom.Sg.n.; Bahuvrīhi)
vijñānaṃ na prakāśate
die Erkenntnis leuchtet nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Med.Präs.)

ke cid ātmaguṇaṃ prāptās te muktāś cakrabandhanāt; itare duḥkhasadvaṃdvās tathā duḥkhaparāyaṇāḥ; śukākarmānurūpaṃ te jāyamānāḥ punaḥ punaḥ; krodhalobhamadāviṣṭā mūḍhāntaḥkaraṇāḥ sadā; yathā.......saṃchāyā nāsti nityatayā purā; guṇān eva tathā cintyā santy eti ca vidur budhāḥ

Manche, die die Eigenschaft des Selbst erlangt haben, sind vom Fesselrad befreit. Die anderen sind mit den Gegensatzpaaren des Leids verbunden, ganz dem Leid hingegeben; gemäß ihrem Handeln [?] werden sie immer wieder geboren, von Zorn, Gier und Rausch erfüllt, stets verwirrten Inneren. Wie [Lücke] … nicht … Schatten … von jeher durch Beständigkeit; die Eigenschaften allein seien zu bedenken; „sie sind“ und „er geht“, so wissen die Weisen [?].

Wort für Wort
ke cid ātmaguṇaṃ prāptās
manche, die die Eigenschaft des Selbst erlangt haben (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
te muktāś cakrabandhanāt
sie sind befreit vom Fesselrad (Nom.Pl.; Abl.Sg.)
itare duḥkhasadvaṃdvās tathā duḥkhaparāyaṇāḥ
die anderen mit Leidens-Gegensatzpaaren, so dem Leid ergeben (Nom.Pl.m.)
śukākarmānurūpaṃ te jāyamānāḥ punaḥ punaḥ
[?] gemäß dem Handeln, sie immer wieder geboren werdend (Part.Präs.Med.)
krodhalobhamadāviṣṭā mūḍhāntaḥkaraṇāḥ sadā
von Zorn, Gier, Rausch erfüllt, stets verwirrten Inneren (Nom.Pl.m.)
yathā saṃchāyā nāsti nityatayā purā
wie …, Schatten ist nicht, durch Beständigkeit von früher [?] (Lücke)
guṇān eva tathā cintyā santy eti ca vidur budhāḥ
die Eigenschaften allein seien zu bedenken; „sie sind“ und „er geht“, wissen die Weisen [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stark verderbter Zusatzpassage mit Lücke im Text; śukākarmānurūpaṃ und die letzten Pādas sind unklar, die Wiedergabe ist unsicher.

yaś cādharmaṃ caren mohāt kāmalobhāv anu plavan; dharmyaṃ panthānam ākramya sānubandho vinaśyati

Und wer aus Verblendung Unrecht tut, indem er Begierde und Gier nachgleitet, geht, obwohl er den Weg des Dharma betreten hat, samt seinen Folgen zugrunde.

Wort für Wort
yaś cādharmaṃ caren mohāt
und wer Unrecht tun sollte aus Verblendung (Opt.3.Sg.; Abl.)
kāmalobhāv anu plavan
Begierde und Gier nachgleitend (Akk.Du.; Part.Präs.)
dharmyaṃ panthānam ākramya
den rechtmäßigen Weg betreten habend (Akk.Sg.; Gerundium)
sānubandho vinaśyati
samt Folgen geht er zugrunde (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)

acalaṃ jñānam aprāpya calacittaś calān iyāt

Wer unbewegliche Erkenntnis nicht erlangt hat, gelangt mit schwankendem Geist zu Schwankendem.

Wort für Wort
acalaṃ jñānam aprāpya
unbewegliche Erkenntnis nicht erlangt habend (Akk.Sg.n.; Gerundium)
calacittaś calān iyāt
mit schwankendem Geist käme er zu Schwankendem (Nom.Sg.m.; Akk.Pl.; Opt.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

śandādīn viṣayāṃs tasmād asaṃrāgād anuplavet; krodhaharṣau viṣādaś ca jāyante hi parasparam

Deshalb soll man Gegenständen wie dem Klang [?] ohne Anhaftung folgen; denn Zorn, Freude und Niedergeschlagenheit entstehen wechselseitig auseinander.

Wort für Wort
śandādīn viṣayāṃs tasmād
Gegenstände wie „Klang“ usw., deshalb (Akk.Pl.; Abl.)
asaṃrāgād anuplavet
ohne Anhaftung folge man (Abl.Sg.; Opt.3.Sg.)
krodhaharṣau viṣādaś ca
Zorn, Freude und Niedergeschlagenheit (Nom.Du./Sg.m.)
jāyante hi parasparam
entstehen ja wechselseitig (3.Pl.Med.Präs.; Adv.)

śandādīn ist vermutlich Schreibfehler für śabdādīn („Klang usw.“).

guṇāḥ kāryāḥ krodhaharṣau sukhaduḥkhe priyāpriye; dvaṃdvāny athaivamādīni vijayec caiva sarvavit

Die Guṇas sind zu bewirkende [?]: Zorn und Freude, Glück und Leid, Liebes und Unliebes und ebensolche Gegensatzpaare; und der Allwissende soll sie besiegen.

Wort für Wort
guṇāḥ kāryāḥ
die Guṇas sind zu bewirken/Wirkungen (Nom.Pl.m.; Gerundiv) [?]
krodhaharṣau sukhaduḥkhe priyāpriye
Zorn und Freude, Glück und Leid, Liebes und Unliebes (Nom.Du.)
dvaṃdvāny athaivamādīni
Gegensatzpaare, ebenso und dergleichen (Nom.Pl.n.)
vijayec caiva sarvavit
und besiegen soll der Allwissende (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

pañcabhūtātmake dehe sattvarājasatāmase; kam abhiṣṭuvate cāyaṃ kaṃ vā krośati kiṃ vadet

In dem aus den fünf Elementen bestehenden Körper, der von sattva, rajas und tamas [geprägt] ist – wen sollte dieser preisen, wen schmähen, was sagen?

Wort für Wort
pañcabhūtātmake dehe
im aus fünf Elementen bestehenden Körper (Lok.Sg.m.)
sattvarājasatāmase
sattvisch, rajasisch, tamasisch (Lok.Sg.m.)
kam abhiṣṭuvate cāyaṃ
und wen preist dieser (Akk.Sg.; 3.Sg.Med.Präs.)
kaṃ vā krośati kiṃ vadet
oder wen schmäht er, was sagte er (3.Sg.Präs.; Opt.3.Sg.)

sparśarūparasādyeṣu saṅgaṃ gacchanti bāliśāḥ; nāvagacchanty avijñānād ātmajaṃ pārthivaṃ guṇam

An Berührung, Gestalt, Geschmack und dergleichen haften die Törichten; aus Unwissen erkennen sie die aus dem Selbst [Körper] geborene irdische Eigenschaft nicht [?].

Wort für Wort
sparśarūparasādyeṣu
an Berührung, Gestalt, Geschmack usw. (Lok.Pl.)
saṅgaṃ gacchanti bāliśāḥ
Anhaftung gehen ein die Törichten (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
nāvagacchanty avijñānād
sie erkennen nicht aus Nichterkennen (3.Pl.Präs.; Abl.Sg.)
ātmajaṃ pārthivaṃ guṇam
die aus dem Selbst geborene irdische Eigenschaft (Akk.Sg.m.)

ātmajaṃ pārthivaṃ guṇam: „körpergeboren, irdisch“; Deutung leicht unsicher.

mṛnmayaṃ śaraṇaṃ yadvan mṛdaiva parilipyate; pārthivo 'yaṃ tathā deho mṛdvikārair vilipyate

Wie ein Haus aus Lehm eben mit Lehm überstrichen wird, so wird dieser irdische Körper mit Umwandlungen der Erde bestrichen.

Wort für Wort
mṛnmayaṃ śaraṇaṃ yadvan
wie ein Lehmhaus (Nom.Sg.n.)
mṛdaiva parilipyate
eben mit Lehm wird es überstrichen (Instr.Sg.; 3.Sg.Pass.)
pārthivo 'yaṃ tathā deho
so [ist] dieser irdische Körper (Nom.Sg.m.)
mṛdvikārair vilipyate
mit Erdumwandlungen wird er bestrichen (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)

madhu tailaṃ payaḥ sarpir māṃsāni lavaṇaṃ guḍaḥ; dhānyāni phalamūlāni mṛdvikārāḥ sahāmbhasā

Honig, Öl, Milch, Ghee, Fleisch, Salz, Rohzucker, Getreide, Früchte und Wurzeln sind Umwandlungen der Erde, zusammen mit dem Wasser.

Wort für Wort
madhu tailaṃ payaḥ sarpir
Honig, Öl, Milch, Ghee (Nom.Sg.n.)
māṃsāni lavaṇaṃ guḍaḥ
Fleisch, Salz, Rohzucker (Nom.)
dhānyāni phalamūlāni
Getreide, Früchte und Wurzeln (Nom.Pl.n.)
mṛdvikārāḥ sahāmbhasā
Umwandlungen der Erde, mit Wasser (Nom.Pl.m.; Instr.Sg.n.)

yadvat kāntāram ātiṣṭhan nautsukyaṃ samanuvrajet; śramād āhāram ādadyād asvādv api hi yāpanam

Wie einer, der eine Wildnis durchzieht, keinem Eifer folgt und aus Erschöpfung Nahrung zu sich nimmt, selbst wenn sie fade ist, um sich am Leben zu halten,

Wort für Wort
yadvat kāntāram ātiṣṭhan
wie einer, der eine Wildnis betreten hat/durchzieht (Akk.Sg.n.; Part.Präs.)
nautsukyaṃ samanuvrajet
keinem Eifer/Verlangen folge er (Akk.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
śramād āhāram ādadyād
aus Erschöpfung Nahrung nähme er (Abl.Sg.; Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)
asvādv api hi yāpanam
auch fade, zum Lebensunterhalt (Akk.Sg.n.; Akk.Sg.n.)

tadvat saṃsārakāntāram ātiṣṭhañ śramatatparaḥ; yātrārtham adyād āhāraṃ vyādhito bheṣajaṃ yathā

so soll, wer in der Wildnis des Saṃsāra steht, der Mühe ergeben, Nahrung nur zum Weiterkommen essen, wie ein Kranker Arznei.

Wort für Wort
tadvat saṃsārakāntāram
ebenso die Wildnis des Saṃsāra (Akk.Sg.n.; Tatpuruṣa)
ātiṣṭhañ śramatatparaḥ
betretend/darin stehend, der Mühe ergeben (Part.Präs.; Nom.Sg.m.)
yātrārtham adyād āhāraṃ
zum Zweck des Weiterkommens esse er Nahrung (Adv.; Opt.3.Sg.; Akk.Sg.)
vyādhito bheṣajaṃ yathā
wie ein Kranker Arznei (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.)

bhakṣaṇe śvāpadair mārgād iti cāraṃ karoti cet; evaṃ saṃsāramārgeṇa yātrārthaṃ viṣayāṇi ca; na gacched bhogavijñānād unmārge padyate tadā; tasmād aduḥkhato mārgam āsthitas tam anusmaret; nānāparṇaphalā vṛkṣā bahavaḥ santi tatra hi; bhoktāro munayaś caiva tasmāt parataraṃ vanam; anumānais tathā śāstrair yaśasā vikrameṇa ca

Wenn er wegen des Gefressenwerdens durch Raubtiere vom Weg [?] eine Bewegung macht [?], so [gilt] ebenso auf dem Weg des Saṃsāra zum Zweck der Reise auch für die Gegenstände: Er soll nicht aus Kenntnis des Genusses gehen; dann fällt er auf einen Irrweg. Deshalb soll der, der ohne Leid auf dem Weg steht, jenen [Weg] erinnern. Bäume mit mannigfachen Blättern und Früchten gibt es dort viele; Genießer und Weise gibt es auch; darum ist der Wald jenseits [davon] höher – [erkennbar] durch Schlussfolgerungen und Lehrbücher, durch Ruhm und Tapferkeit.

Wort für Wort
bhakṣaṇe śvāpadair mārgād
beim Gefressenwerden durch Raubtiere, vom Weg (Lok.Sg.n.; Instr.Pl.; Abl.Sg.) [?]
iti cāraṃ karoti cet
wenn er so eine Bewegung macht (3.Sg.Präs.) [?]
evaṃ saṃsāramārgeṇa yātrārthaṃ viṣayāṇi ca
ebenso auf dem Saṃsāra-Weg zum Zweck der Reise und die Gegenstände (Instr.Sg.; Akk./Nom.Pl.n.)
na gacched bhogavijñānād
er soll nicht gehen aus Kenntnis des Genusses (Opt.3.Sg.; Abl.Sg.)
unmārge padyate tadā
auf einen Irrweg gerät er dann (Lok./Akk.; 3.Sg.Med.Präs.)
tasmād aduḥkhato mārgam āsthitas tam anusmaret
deshalb, ohne Leid den Weg bestiegen habend, erinnere er jenen (Nom.Sg.m.; Opt.3.Sg.)
nānāparṇaphalā vṛkṣā bahavaḥ santi tatra hi
Bäume mit vielerlei Blättern und Früchten gibt es dort viele (Nom.Pl.m.)
bhoktāro munayaś caiva tasmāt parataraṃ vanam
Genießer und Weise, darum ist der Wald weiter/höher (Nom.Pl.; Nom.Sg.n.)
anumānais tathā śāstrair yaśasā vikrameṇa ca
durch Schlüsse, Lehrbücher, Ruhm und Tapferkeit (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stark verderbte Zusatzpassage; der Satzbau (besonders der erste Halbvers und die letzten Pādas) ist unsicher.

satyaśaucārjavatyāgair yaśasā vikrameṇa ca; kṣāntyā dhṛtyā ca buddhyā ca manasā tapasaiva ca

Durch Wahrheit, Reinheit, Aufrichtigkeit und Entsagung, durch Ruhm und Tapferkeit, durch Nachsicht, Standhaftigkeit, Einsicht, durch den Geist und durch Askese.

Wort für Wort
satyaśaucārjavatyāgair
durch Wahrheit, Reinheit, Aufrichtigkeit, Entsagung (Instr.Pl.)
yaśasā vikrameṇa ca
durch Ruhm und Tapferkeit (Instr.Sg.)
kṣāntyā dhṛtyā ca buddhyā ca
durch Nachsicht, Standhaftigkeit und Einsicht (Instr.Sg.f.)
manasā tapasaiva ca
durch Geist und eben durch Askese (Instr.Sg.n.)

Der Satz wird in V. 21 fortgeführt.

bhāvān sarvān yathāvṛttān saṃvaseta yathākramam; śāntim icchann adīnātmā saṃyacched indriyāṇi ca

Alle Zustände, wie sie eintreten, soll er der Reihe nach [in sich] wohnen lassen; Frieden erstrebend, mit unverzagtem Selbst, soll er die Sinne zügeln.

Wort für Wort
bhāvān sarvān yathāvṛttān
alle Zustände, wie sie eingetreten sind (Akk.Pl.m.; Part.Pass.)
saṃvaseta yathākramam
er soll [mit ihnen] leben, der Reihe nach (Opt.3.Sg.Med.; Adv.)
śāntim icchann adīnātmā
Frieden wünschend, mit unverzagtem Selbst (Part.Präs.; Nom.Sg.m.)
saṃyacched indriyāṇi ca
und zügeln soll er die Sinne (Opt.3.Sg.; Akk.Pl.n.)

sattvena rajasā caiva tamasā caiva mohitāḥ; cakravat parivartante hy ajñānāj jantavo bhṛśam

Von sattva, von rajas und von tamas verblendet, drehen sich die Wesen aus Unwissen heftig wie ein Rad.

Wort für Wort
sattvena rajasā caiva tamasā caiva
durch sattva, rajas und tamas (Instr.Sg.)
mohitāḥ
verblendet (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
cakravat parivartante
wie ein Rad drehen sie sich (Adv.; 3.Pl.Med.Präs.)
hy ajñānāj jantavo bhṛśam
ja aus Unwissen die Wesen heftig (Abl.Sg.; Nom.Pl.m.; Adv.)

tasmāt samyak parīkṣeta doṣān ajñānasaṃbhavān; ajñānaprabhavaṃ nityam ahaṃkāraṃ parityajet

Deshalb soll man die aus Unwissen entstandenen Fehler recht prüfen; das aus Unwissen entspringende Ich-Machen soll man stets aufgeben.

Wort für Wort
tasmāt samyak parīkṣeta
deshalb prüfe man recht (Abl.; Opt.3.Sg.Med.)
doṣān ajñānasaṃbhavān
die aus Unwissen entstandenen Fehler (Akk.Pl.m.)
ajñānaprabhavaṃ nityam
aus Unwissen entspringend, stets (Akk.Sg.m.; Adv.)
ahaṃkāraṃ parityajet
das Ich-Machen gebe er auf (Akk.Sg.m.; Opt.3.Sg.)

mahābhūtānīndriyāṇi guṇāḥ sattvaṃ rajas tamaḥ

Die großen Elemente, die Sinne, die Guṇas: sattva, rajas, tamas.

Wort für Wort
mahābhūtāni indriyāṇi
die großen Elemente, die Sinne (Nom.Pl.n.)
guṇāḥ sattvaṃ rajas tamaḥ
die Guṇas: sattva, rajas, tamas (Nom.Pl.m.; Nom.Sg.n.)

Halbvers; die Fortsetzung steht in Einheit 26 (nach dem Zusatzvers).

dehamūlaṃ vijānīhi naitāni bhagavān ataḥ; upāyataḥ pravakṣyāmi taṃ ca mṛtyuṃ durāsadam

Erkenne es als Wurzel des Körpers; diese sind nicht der Erhabene, daher [?]. Auf geeignetem Weg werde ich ihn und den schwer zu bezwingenden Tod verkünden.

Wort für Wort
dehamūlaṃ vijānīhi
erkenne als Wurzel des Körpers (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.)
naitāni bhagavān ataḥ
diese nicht, der Erhabene, daher [?] (Nom.Pl.n.; Nom.Sg.m.)
upāyataḥ pravakṣyāmi
auf geeignetem Weg werde ich verkünden (Adv.; 1.Sg.Fut.)
taṃ ca mṛtyuṃ durāsadam
ihn und den Tod, schwer zu bezwingen (Akk.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). naitāni bhagavān ataḥ ist unklar; wohl verderbt.

trailokyaṃ seśvaraṃ sarvam ahaṃkāre pratiṣṭhitam

Die Dreiwelt samt ihren Herren, alles, ist im Ich-Machen gegründet.

Wort für Wort
trailokyaṃ seśvaraṃ sarvam
die Dreiwelt samt Herren, alles (Nom.Sg.n.)
ahaṃkāre pratiṣṭhitam
im Ich-Machen gegründet (Lok.Sg.m.; Part.Pass.)

yatheha niyataṃ kālo darśayaty ārtavān guṇān; tadvad bhūteṣv ahaṃkāraṃ vidyād bhūtapravartakam

Wie hier die Zeit regelmäßig die jahreszeitlichen Eigenschaften zeigt, so soll man das Ich-Machen bei den Wesen als Antreiber der Wesen erkennen.

Wort für Wort
yatheha niyataṃ kālo
wie hier regelmäßig die Zeit (Adv.; Nom.Sg.m.)
darśayaty ārtavān guṇān
zeigt die jahreszeitlichen Eigenschaften (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.m.)
tadvad bhūteṣv ahaṃkāraṃ
ebenso bei den Wesen das Ich-Machen (Lok.Pl.; Akk.Sg.m.)
vidyād bhūtapravartakam
man erkenne als Antreiber der Wesen (Opt.3.Sg.; Akk.Sg.m.)

saṃmohakaṃ tamo vidyāt kṛṣṇam ajñānasaṃbhavam

Das Verwirrende, das Finstere (tamas), soll man als dunkel kennen, aus Unwissen entstanden.

Wort für Wort
saṃmohakaṃ tamo vidyāt
das Verwirrende, das Finstere (tamas) soll man kennen (Akk.; 3.Sg.Opt.)
kṛṣṇam
als dunkel (Akk.)
ajñānasaṃbhavam
aus Unwissen entstanden (Bahuvrīhi, Akk.)

prakṛter guṇasaṃjāto mahān ahaṃkriyā tataḥ; ahaṃkārāt punaḥ paścād bhūtagrāmam udāhṛtam; avyaktasya guṇebhyas tu tadguṇāṃś ca nibodha tān

Aus der Urnatur, aus den Eigenschaften geboren, [entstand] das Große (mahat); daraus die Ichbildung; aus dem Ichbewusstsein danach, so wird gesagt, die Schar der Wesen. Vernimm nun von den Eigenschaften des Unmanifesten auch deren Eigenschaften, jene.

Wort für Wort
prakṛter guṇasaṃjāto
aus der Urnatur, aus den Eigenschaften geboren (Abl.; Bahuvrīhi/Nom.)
mahān ahaṃkriyā tataḥ
das Große, die Ichbildung, daraus (Nom.; Adv.)
ahaṃkārāt punaḥ paścād
aus dem Ichbewusstsein, wiederum danach (Abl.; Adv.)
bhūtagrāmam udāhṛtam
die Schar der Wesen, wird gesagt (Akk.; Part.Perf.Pass.)
avyaktasya guṇebhyas tu
vom Unmanifesten, aus/von den Eigenschaften aber (Gen.; Abl.Pl.)
tadguṇāṃś ca nibodha tān
und deren Eigenschaften vernimm, jene (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers ist verkürzt und syntaktisch locker; Bezug von avyaktasya guṇebhyas tu unsicher.

prītiduḥkhanibaddhāṃś ca samastāṃs trīn atho guṇān; sattvasya rajasaś caiva tamasaś ca nibodha tān

Die insgesamt drei Eigenschaften, die an Freude und Leid gebunden sind, sodann – von sattva, von rajas und von tamas: diese vernimm.

Wort für Wort
prītiduḥkhanibaddhāṃś ca
und die an Freude und Leid gebundenen (Akk.Pl.)
samastāṃs trīn atho guṇān
die insgesamt drei Eigenschaften, sodann (Akk.Pl.)
sattvasya rajasaś caiva
von sattva und von rajas (Gen.)
tamasaś ca nibodha tān
und von tamas; vernimm jene (Gen.; Imp.2.Sg.)

pramoho harṣajaḥ prītir asaṃdeho dhṛtiḥ smṛtiḥ; etān sattvaguṇān vidyād imān rājasatāmasān

Verzückung [?], aus Freude geboren, Zuneigung, Zweifellosigkeit, Standhaftigkeit, Erinnerung: diese soll man als die sattva-Eigenschaften kennen; diese [folgenden] aber als rājasische und tāmasische.

Wort für Wort
pramoho harṣajaḥ prītir
Verzückung [?], aus Freude geboren, Zuneigung (Nom.)
asaṃdeho dhṛtiḥ smṛtiḥ
Zweifellosigkeit, Standhaftigkeit, Erinnerung (Nom.)
etān sattvaguṇān vidyād
diese sattva-Eigenschaften soll man kennen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
imān rājasatāmasān
diese rājasischen und tāmasischen (Akk.Pl.)

pramoha bedeutet sonst Verwirrung, passt hier nicht zu sattva; vermutlich pramoda (Entzücken) gemeint.

asaṃtoṣo 'kṣamā dhairyam atṛptir viṣayādiṣu; rājasāś ca guṇā hy ete tatparaṃ tāmasāñ śṛṇu; mohas tandrī tathā duḥkhaṃ nidrālasyaṃ pramādatā; viṣādī dīrghasūtraś ca tat tāmasam udāhṛtam

Unzufriedenheit, Ungeduld, Standhaftigkeit [?], Unersättlichkeit an Sinnesobjekten und dergleichen: dies sind die rājasischen Eigenschaften. Höre nun das darauf Folgende, die tāmasischen: Verblendung, Mattigkeit und Leid, Schlaf, Trägheit, Nachlässigkeit; niedergeschlagen und zaudernd zu sein: das wird tāmasisch genannt.

Wort für Wort
asaṃtoṣo 'kṣamā dhairyam
Unzufriedenheit, Ungeduld, Standhaftigkeit [?] (Nom.)
atṛptir viṣayādiṣu
Unersättlichkeit an Sinnesobjekten und dergleichen (Nom.; Lok.Pl.)
rājasāś ca guṇā hy ete
dies sind ja die rājasischen Eigenschaften (Nom.Pl.)
tatparaṃ tāmasāñ śṛṇu
danach die tāmasischen höre (Adv.; Akk.Pl.; Imp.2.Sg.)
mohas tandrī tathā duḥkhaṃ
Verblendung, Mattigkeit, ebenso Leid (Nom.)
nidrālasyaṃ pramādatā
Schlaf, Trägheit, Nachlässigkeit (Nom.)
viṣādī dīrghasūtraś ca
niedergeschlagen und zaudernd (Adj., Nom.Sg.m.)
tat tāmasam udāhṛtam
das wird tāmasisch genannt (Nom.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). dhairya unter den rājasischen Eigenschaften auffällig; Text evtl. verderbt.

kāmakrodhau pramādaś ca lobhamohau bhayaṃ klamaḥ; viṣādaśokāv aratir mānadarpāv anāryatā

Begierde und Zorn, Nachlässigkeit, Gier und Verblendung, Furcht, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Kummer, Unlust, Stolz und Hochmut, Unedelkeit.

Wort für Wort
kāmakrodhau pramādaś ca
Begierde und Zorn und Nachlässigkeit (Nom.)
lobhamohau bhayaṃ klamaḥ
Gier und Verblendung, Furcht, Erschöpfung (Nom.)
viṣādaśokāv aratir
Niedergeschlagenheit und Kummer, Unlust (Nom.)
mānadarpāv anāryatā
Stolz und Hochmut, Unedelkeit (Nom.)

doṣāṇām evamādīnāṃ parīkṣya gurulāghavam; vimṛśed ātmasaṃsthānām ekaikam anusaṃtatam

Nachdem man von solchen und ähnlichen Fehlern Schwere und Leichtigkeit geprüft hat, soll man einen jeden von denen, die im Selbst ihren Sitz haben und fortwährend anhaften, erwägen.

Wort für Wort
doṣāṇām evamādīnāṃ
von solchen und ähnlichen Fehlern (Gen.Pl.)
parīkṣya gurulāghavam
nachdem man geprüft hat, Schwere und Leichtigkeit (Abs.; Akk.)
vimṛśed
soll man erwägen (3.Sg.Opt.)
ātmasaṃsthānām
der im Selbst befindlichen (Gen.Pl.)
ekaikam anusaṃtatam
jeden einzelnen, fortwährend anhaftenden (Akk.Sg.)

ātmasaṃsthānām und anusaṃtatam grammatisch/sinngemäß unsicher.

yasmin pratiṣṭhitaṃ cedaṃ yasmin sajjñānanirgatiḥ; sarvabhūtādhikaṃ nityam ahaṃkāraṃ vilokayet; vilokamānaḥ sa tadā svabuddhyā sūkṣmayā punaḥ; tad eva bhāti tad rūpam ātmanā yat sunirmalam

[Das,] worin dies gegründet ist, worin das Hervorgehen des rechten Wissens [liegt], das über allen Wesen Stehende, beständig: das Ichbewusstsein soll man betrachten. Es betrachtend, dann wieder mit dem eigenen feinen Verstand: eben das erscheint, jene Gestalt, die durch das Selbst ganz rein ist [?].

Wort für Wort
yasmin pratiṣṭhitaṃ cedaṃ
worin dies gegründet ist (Lok.; Part.)
yasmin sajjñānanirgatiḥ
worin das Hervorgehen des rechten Wissens [liegt] (Lok.; Nom.)
sarvabhūtādhikaṃ nityam
über allen Wesen stehend, beständig (Akk.; Adv.)
ahaṃkāraṃ vilokayet
das Ichbewusstsein soll man betrachten (Akk.; 3.Sg.Opt.)
vilokamānaḥ sa tadā
es betrachtend, er dann (Part.Präs.Med.; Nom.)
svabuddhyā sūkṣmayā punaḥ
mit dem eigenen feinen Verstand, wieder (Instr.; Adv.)
tad eva bhāti tad rūpam
eben das erscheint, jene Gestalt (3.Sg.Präs.; Nom.)
ātmanā yat sunirmalam
die durch das Selbst ganz rein ist (Instr.; Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sinn der letzten Zeile unsicher.

śiṣya uvāca; ke doṣā manasā tyaktāḥ ke buddhyā śithilīkṛtāḥ; ke punaḥ punar āyānti ke mohād aphalā iva

Der Schüler sprach: „Welche Fehler werden vom Geist aufgegeben, welche vom Verstand gelockert? Welche kehren immer wieder, welche sind aus Verblendung gleichsam ohne Frucht?“

Wort für Wort
śiṣya uvāca
der Schüler sprach (Nom.; Perf.)
ke doṣā manasā tyaktāḥ
welche Fehler sind vom Geist aufgegeben (Nom.Pl.; Instr.; Part.)
ke buddhyā śithilīkṛtāḥ
welche vom Verstand gelockert (Instr.; Part.)
ke punaḥ punar āyānti
welche kehren immer wieder (3.Pl.Präs.)
ke mohād aphalā iva
welche sind aus Verblendung gleichsam fruchtlos (Abl.; Nom.Pl.)

keṣāṃ balābalaṃ buddhyā hetubhir vimṛśed budhaḥ; etat sarvaṃ samācakṣva yathā vidyām ahaṃ prabho

„Von welchen soll der Weise Stärke und Schwäche mit dem Verstand durch Gründe erwägen? Erkläre mir dies alles, Herr, damit ich [es] erkenne.“

Wort für Wort
keṣāṃ balābalaṃ
von welchen Stärke und Schwäche (Gen.Pl.; Akk.)
buddhyā hetubhir
mit dem Verstand, durch Gründe (Instr.)
vimṛśed budhaḥ
soll erwägen der Weise (3.Sg.Opt.; Nom.)
etat sarvaṃ samācakṣva
dies alles erkläre (Akk.; Imp.Med.2.Sg.)
yathā vidyām ahaṃ prabho
damit ich erkenne, Herr (Opt.1.Sg.; Vok.)

mahyaṃ śuśrūṣave vidvan vakṣy etad buddhiniścitam; śāntatvād aparāntāc ca ārambhād api caikataḥ; prokto hy atra yathā hetur evam āhur manīṣiṇaḥ

„Mir, dem Dienstbereiten, o Wissender, wirst du dies verstandesgewiss sagen; wegen der Beruhigung, wegen des Endes [?] und wegen des Anfangs und zugleich des Einen; wie hier der Grund dargelegt ist, so sagen die Weisen.“

Wort für Wort
mahyaṃ śuśrūṣave vidvan
mir, dem Dienstbereiten, o Wissender (Dat.; Vok.)
vakṣy etad buddhiniścitam
du wirst dies verstandesgewiss sagen (2.Sg.Fut.; Akk.)
śāntatvād aparāntāc ca
wegen der Beruhigung und wegen des Endes [?] (Abl.)
ārambhād api caikataḥ
und wegen des Anfangs, auch einerseits (Abl.; Adv.)
prokto hy atra yathā hetur
wie hier der Grund dargelegt ist (Part.; Nom.)
evam āhur manīṣiṇaḥ
so sagen die Weisen (3.Pl.Perf.; Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe, Text erkennbar verderbt; Wiedergabe der Mittelzeilen unsicher.

gurur uvāca; gauravaṃ tu guṇānāṃ syāt taddhetūnāṃ balābalāt

Der Lehrer sprach: „Gewicht aber wird den Eigenschaften zukommen, je nach Stärke und Schwäche ihrer Ursachen.“

Wort für Wort
gurur uvāca
der Lehrer sprach (Nom.; Perf.)
gauravaṃ tu guṇānāṃ syāt
Gewicht aber wird den Eigenschaften zukommen (Nom.; Gen.Pl.; 3.Sg.Opt.)
taddhetūnāṃ balābalāt
nach Stärke und Schwäche ihrer Ursachen (Gen.Pl.; Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

doṣair mūlād avacchinnair viśuddhātmā vimucyate; vināśayati saṃbhūtam ayasmayamayo yathā

Wenn die Fehler von der Wurzel her abgeschnitten sind, wird der Geläuterte befreit; er vernichtet das Entstandene, wie [das Eisen] [?].

Wort für Wort
doṣair mūlād avacchinnair
durch von der Wurzel abgeschnittene Fehler (Instr.Pl.; Abl.; Part.)
viśuddhātmā vimucyate
der Geläuterte wird befreit (Nom.; 3.Sg.Pass.)
vināśayati saṃbhūtam
er vernichtet das Entstandene (3.Sg.Präs.Kaus.; Akk.)
ayasmayamayo yathā
wie ayasmayamaya [verderbt] (Nom.; Adv.)

ayasmayamayo ist verderbt (vermutlich Vergleich mit Eisen); Sinn des Vergleichs unklar.

sahajair aviśuddhātmā doṣair naśyati rājasaiḥ

Wer nicht geläutert ist, geht durch angeborene, rājasische Fehler zugrunde.

Wort für Wort
sahajair aviśuddhātmā
durch angeborene; der Ungeläuterte (Instr.Pl.; Nom.)
doṣair naśyati rājasaiḥ
durch Fehler geht er zugrunde, rājasische (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tathākṛtātmā sahajair doṣair naśyati rājasaiḥ

Ebenso geht der, dessen Selbst ungeschult ist, durch angeborene, rājasische Fehler zugrunde.

Wort für Wort
tathākṛtātmā
ebenso der mit ungeschultem Selbst (Adv.; Nom.)
sahajair doṣair
durch angeborene Fehler (Instr.Pl.)
naśyati rājasaiḥ
geht zugrunde, durch rājasische (3.Sg.Präs.; Instr.Pl.)

rājasaṃ tāmasaṃ caiva śuddhātmākarmasaṃbhavam

Das Rājasische und das Tāmasische, [beides] aus dem Handeln des Geläuterten [bzw. nicht aus Handeln des Geläuterten] entstanden [?].

Wort für Wort
rājasaṃ tāmasaṃ caiva
das Rājasische und das Tāmasische (Nom./Akk.n.)
śuddhātmākarmasaṃbhavam
aus dem (Nicht-)Handeln des Geläuterten entstanden [?] (Bahuvrīhi)

śuddhātmākarmasaṃbhavam mehrdeutig: śuddhātma-karma-saṃbhavam oder śuddhātmā-akarma-saṃbhavam; halber Vers, Satz unvollständig.

śamayet sattvam āsthāya svabuddhyā kevalaṃ dvijaḥ

Man soll [es] beruhigen, indem man sich auf sattva stützt, allein durch den eigenen Verstand, [als] Zweimalgeborener.

Wort für Wort
śamayet sattvam āsthāya
man soll beruhigen, sich auf sattva stützend (3.Sg.Opt.Kaus.; Abs.)
svabuddhyā kevalaṃ dvijaḥ
durch den eigenen Verstand, allein, der Zweimalgeborene (Instr.; Adv.; Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tyajec ca manasā caitau śuddhātmā buddhim āsthitaḥ

Und man soll diese beiden mit dem Geist aufgeben, geläutert, im Verstand feststehend.

Wort für Wort
tyajec ca manasā caitau
und man soll aufgeben mit dem Geist diese beiden (3.Sg.Opt.; Instr.; Akk.Du.)
śuddhātmā buddhim āsthitaḥ
der Geläuterte, sich auf den Verstand gestellt habend (Nom.; Akk.; Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tat sarvaṃ dehināṃ bījaṃ sarvam ātmavataḥ samam

Dies alles ist der Same der Verkörperten; für den Selbstbeherrschten ist alles gleich.

Wort für Wort
tat sarvaṃ dehināṃ bījaṃ
dies alles ist der Same der Verkörperten (Nom.; Gen.Pl.)
sarvam ātmavataḥ samam
alles ist für den Selbstbeherrschten gleich (Nom.; Gen.; Nom.n.)

tasmād ātmavatā varjyaṃ rajaś ca tama eva ca; rajastamobhyāṃ nirmuktaṃ sattvaṃ nirmalatām iyāt

Deshalb ist von dem Selbstbeherrschten rajas und tamas zu meiden; von rajas und tamas befreit, möge sattva zur Reinheit gelangen.

Wort für Wort
tasmād ātmavatā varjyaṃ
deshalb ist vom Selbstbeherrschten zu meiden (Abl.; Instr.; Gerundiv)
rajaś ca tama eva ca
rajas und tamas (Nom.)
rajastamobhyāṃ nirmuktaṃ
von rajas und tamas befreit (Abl.Du.; Part.)
sattvaṃ nirmalatām iyāt
sattva möge zur Reinheit gelangen (Nom.; Akk.; 3.Sg.Opt.)

āhārān varjayen nityaṃ rājasāṃs tāmasān api

Man soll stets Speisen meiden, rājasische und auch tāmasische.

Wort für Wort
āhārān varjayen nityaṃ
Speisen soll man meiden, stets (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.Kaus.; Adv.)
rājasāṃs tāmasān api
rājasische und auch tāmasische (Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

te brahma punar āyānti na mohād acalā iva

Sie gehen wieder zu Brahman, nicht aus Verblendung, gleichsam unbewegt [?].

Wort für Wort
te brahma punar āyānti
sie gehen wieder zu Brahman (Nom.Pl.; Akk.; 3.Pl.Präs.)
na mohād acalā iva
nicht aus Verblendung, gleichsam unbewegt [?] (Abl.; Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Halbvers, Sinn und Bezug unsicher.

atha vā mantravad brūyur māṃsādānāṃ yajuṣkṛtam; hetuḥ sa evānādāne śuddhadharmānupālane

Oder sie könnten, mantragemäß, [das] sagen, was von den Fleischessern mit dem Yajus-Spruch getan ist; eben das ist der Grund beim Nichtessen, in der Wahrung der reinen Pflicht [?].

Wort für Wort
atha vā mantravad brūyur
oder sie könnten mantragemäß sagen (Adv.; 3.Pl.Opt.)
māṃsādānāṃ yajuṣkṛtam
das von den Fleischessern mit dem Yajus Getane (Gen.Pl.; Part./Nom.n.)
hetuḥ sa evānādāne
der Grund ist eben dieser beim Nichtessen (Nom.; Lok.)
śuddhadharmānupālane
in der Wahrung der reinen Pflicht (Lok.)

Vers schwer verständlich; Bezug von yajuṣkṛtam und Sinn insgesamt unsicher.

rajasā dharmayuktāni kāryāṇy api samāpnuyāt; arthayuktāni cātyarthaṃ kāmān sarvāṃś ca sevate

Durch rajas gelangt man auch zu pflichtgemäßen Handlungen; und zu nutzenbezogenen [gelangt man] übermäßig, und alle Begierden genießt er.

Wort für Wort
rajasā dharmayuktāni
durch rajas zu pflichtgemäßen (Instr.; Akk.Pl.n.)
kāryāṇy api samāpnuyāt
zu Handlungen auch gelangt man (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
arthayuktāni cātyartham
und nutzenbezogene, übermäßig (Akk.Pl.n.; Adv.)
kāmān sarvāṃś ca sevate
und alle Begierden genießt er (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)

tamasā lobhayuktāni krodhajāni ca sevate; hiṃsāvihārābhiratas tandrīnidrāsamanvitaḥ

Durch tamas übt er von Gier bestimmte und aus Zorn entstandene [Handlungen] aus; an Gewalt und Zerstreuung sich erfreuend, von Mattigkeit und Schlaf begleitet.

Wort für Wort
tamasā lobhayuktāni
durch tamas: mit Gier verbundene (Instr.; Akk.Pl.n.)
krodhajāni ca sevate
und aus Zorn entstandene übt er aus (Akk.Pl.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
hiṃsāvihārābhirato
an Gewalt und Zerstreuung sich erfreuend (Nom.)
tandrīnidrāsamanvitaḥ
von Mattigkeit und Schlaf begleitet (Nom.)

sattvasthaḥ sāttvikān bhāvāñ śuddhān paśyati saṃśritaḥ; sa dehī vimalaḥ śrīmāñ śuddho vidyāsamanvitaḥ

Der in sattva Stehende sieht die sattvischen Zustände als rein, sich darauf stützend; dieser Verkörperte ist makellos, glanzvoll, rein, mit Wissen begabt.

Wort für Wort
sattvasthaḥ sāttvikān bhāvāñ
der in sattva Stehende, die sattvischen Zustände (Nom.; Akk.Pl.)
śuddhān paśyati saṃśritaḥ
als rein sieht er, sich darauf stützend (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.; Part.)
sa dehī vimalaḥ śrīmāñ
dieser Verkörperte, makellos, glanzvoll (Nom.)
śuddho vidyāsamanvitaḥ
rein, mit Wissen begabt (Nom.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht