Kapitel 205: ahaṃkāradoṣaparīkṣā
Nahrung als Wegzehrung, die Guṇas und die Prüfung der Fehler im Ich-Machen
Beginn einer Lehrunterweisung zwischen Lehrer und Schüler: Erkenntnis muss von Trübungen gereinigt werden, der Körper besteht aus Erdstoff, und die Guṇas sowie der Ahaṃkāra (das Ich-Machen) sind als Ursache des Kreislaufs zu prüfen. Einige Zusatzverse sind stark verderbt.
Der Lehrer sprach: Die durch Tätigkeit gekennzeichnete Pflicht (dharma), so wie sie sich hier darbietet – für jene, die im Erkennen fest gegründet sind, findet kein anderes Wesensprinzip Gefallen [?].
Wort für Wort
gurur uvāca
Der Lehrer sprach (Nom.Sg.; Perf.)
pravṛttilakṣaṇo dharmo
der durch Tätigkeit gekennzeichnete Dharma (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
yathāyam upapadyate
wie dieser sich ergibt/darbietet (3.Sg.Med.Präs.)
teṣāṃ vijñānaniṣṭhānām
für jene, die im Erkennen gegründet sind (Gen.Pl.)
anyat tattvaṃ na rocate
ein anderes Wesensprinzip gefällt nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; Sinn unsicher.
Weil es von den Guten geübt wird, ist dieses Verhalten aber untadelig. Dies ist jene Einsicht; eine andere ist diese, durch die man zum höchsten Ziel gelangt.
Wort für Wort
sadbhir ācaritatvāt tu
aber weil von den Guten geübt (Instr.Pl.; Abl.Sg. Abstraktum)
vṛttam etad agarhitam
dieses Verhalten [ist] untadelig (Nom.Sg.n.)
iyaṃ sā buddhir
dies ist jene Einsicht (Nom.Sg.f.)
anyeyaṃ yayā yāti
eine andere ist diese, durch die man geht (Nom.Sg.f.; Instr.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
Deshalb soll er, der den Unterhalt des Körpers erstrebt, nichts Unreines tun; wer im Handeln eine Lücke lässt [?], erlangt nicht die glücklichen Welten.
Wort für Wort
nāśuddham ācaret tasmād
nichts Unreines soll er tun, deshalb (Opt.3.Sg.; Abl.)
abhīpsan dehayāpanam
den Unterhalt des Körpers erstrebend (Part.Präs.; Akk.Sg.)
karmaṇo vivaraṃ kurvan
eine Lücke im Handeln machend (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Part.Präs.)
na lokān āpnuyāc chubhān
nicht erlangte er glückliche Welten (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.)
karmaṇo vivaraṃ kurvan: „eine Lücke/Fehlstelle im Handeln machend“; Sinn nicht ganz sicher.
lohayuktaṃ yathā hema vipakvaṃ na virājate; tathāpakvakaṣāyākhyaṃ vijñānaṃ na prakāśate
Wie Gold, das mit Eisen vermischt und nicht ausgeschmolzen ist, nicht glänzt, so leuchtet auch die Erkenntnis nicht, der die Bezeichnung „unreife Trübung“ anhaftet.
Wort für Wort
lohayuktaṃ yathā hema
wie Gold, mit Eisen vermischt (Nom.Sg.n.)
vipakvaṃ na virājate
nicht ausgeschmolzen, glänzt nicht (Part.Pass.; 3.Sg.Med.Präs.)
tathāpakvakaṣāyākhyaṃ
so, [die] „unreife Trübung“ genannt (Nom.Sg.n.; Bahuvrīhi)
vijñānaṃ na prakāśate
die Erkenntnis leuchtet nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Med.Präs.)
ke cid ātmaguṇaṃ prāptās te muktāś cakrabandhanāt; itare duḥkhasadvaṃdvās tathā duḥkhaparāyaṇāḥ; śukākarmānurūpaṃ te jāyamānāḥ punaḥ punaḥ; krodhalobhamadāviṣṭā mūḍhāntaḥkaraṇāḥ sadā; yathā.......saṃchāyā nāsti nityatayā purā; guṇān eva tathā cintyā santy eti ca vidur budhāḥ
Manche, die die Eigenschaft des Selbst erlangt haben, sind vom Fesselrad befreit. Die anderen sind mit den Gegensatzpaaren des Leids verbunden, ganz dem Leid hingegeben; gemäß ihrem Handeln [?] werden sie immer wieder geboren, von Zorn, Gier und Rausch erfüllt, stets verwirrten Inneren. Wie [Lücke] … nicht … Schatten … von jeher durch Beständigkeit; die Eigenschaften allein seien zu bedenken; „sie sind“ und „er geht“, so wissen die Weisen [?].
Wort für Wort
ke cid ātmaguṇaṃ prāptās
manche, die die Eigenschaft des Selbst erlangt haben (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
te muktāś cakrabandhanāt
sie sind befreit vom Fesselrad (Nom.Pl.; Abl.Sg.)
itare duḥkhasadvaṃdvās tathā duḥkhaparāyaṇāḥ
die anderen mit Leidens-Gegensatzpaaren, so dem Leid ergeben (Nom.Pl.m.)
śukākarmānurūpaṃ te jāyamānāḥ punaḥ punaḥ
[?] gemäß dem Handeln, sie immer wieder geboren werdend (Part.Präs.Med.)
krodhalobhamadāviṣṭā mūḍhāntaḥkaraṇāḥ sadā
von Zorn, Gier, Rausch erfüllt, stets verwirrten Inneren (Nom.Pl.m.)
yathā saṃchāyā nāsti nityatayā purā
wie …, Schatten ist nicht, durch Beständigkeit von früher [?] (Lücke)
guṇān eva tathā cintyā santy eti ca vidur budhāḥ
die Eigenschaften allein seien zu bedenken; „sie sind“ und „er geht“, wissen die Weisen [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stark verderbter Zusatzpassage mit Lücke im Text; śukākarmānurūpaṃ und die letzten Pādas sind unklar, die Wiedergabe ist unsicher.
Und wer aus Verblendung Unrecht tut, indem er Begierde und Gier nachgleitet, geht, obwohl er den Weg des Dharma betreten hat, samt seinen Folgen zugrunde.
Wort für Wort
yaś cādharmaṃ caren mohāt
und wer Unrecht tun sollte aus Verblendung (Opt.3.Sg.; Abl.)
kāmalobhāv anu plavan
Begierde und Gier nachgleitend (Akk.Du.; Part.Präs.)
dharmyaṃ panthānam ākramya
den rechtmäßigen Weg betreten habend (Akk.Sg.; Gerundium)
sānubandho vinaśyati
samt Folgen geht er zugrunde (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
Die Guṇas sind zu bewirkende [?]: Zorn und Freude, Glück und Leid, Liebes und Unliebes und ebensolche Gegensatzpaare; und der Allwissende soll sie besiegen.
Wort für Wort
guṇāḥ kāryāḥ
die Guṇas sind zu bewirken/Wirkungen (Nom.Pl.m.; Gerundiv) [?]
krodhaharṣau sukhaduḥkhe priyāpriye
Zorn und Freude, Glück und Leid, Liebes und Unliebes (Nom.Du.)
dvaṃdvāny athaivamādīni
Gegensatzpaare, ebenso und dergleichen (Nom.Pl.n.)
vijayec caiva sarvavit
und besiegen soll der Allwissende (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
An Berührung, Gestalt, Geschmack und dergleichen haften die Törichten; aus Unwissen erkennen sie die aus dem Selbst [Körper] geborene irdische Eigenschaft nicht [?].
Wort für Wort
sparśarūparasādyeṣu
an Berührung, Gestalt, Geschmack usw. (Lok.Pl.)
saṅgaṃ gacchanti bāliśāḥ
Anhaftung gehen ein die Törichten (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
nāvagacchanty avijñānād
sie erkennen nicht aus Nichterkennen (3.Pl.Präs.; Abl.Sg.)
ātmajaṃ pārthivaṃ guṇam
die aus dem Selbst geborene irdische Eigenschaft (Akk.Sg.m.)
yadvat kāntāram ātiṣṭhan nautsukyaṃ samanuvrajet; śramād āhāram ādadyād asvādv api hi yāpanam
Wie einer, der eine Wildnis durchzieht, keinem Eifer folgt und aus Erschöpfung Nahrung zu sich nimmt, selbst wenn sie fade ist, um sich am Leben zu halten,
Wort für Wort
yadvat kāntāram ātiṣṭhan
wie einer, der eine Wildnis betreten hat/durchzieht (Akk.Sg.n.; Part.Präs.)
nautsukyaṃ samanuvrajet
keinem Eifer/Verlangen folge er (Akk.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
śramād āhāram ādadyād
aus Erschöpfung Nahrung nähme er (Abl.Sg.; Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)
asvādv api hi yāpanam
auch fade, zum Lebensunterhalt (Akk.Sg.n.; Akk.Sg.n.)
Wenn er wegen des Gefressenwerdens durch Raubtiere vom Weg [?] eine Bewegung macht [?], so [gilt] ebenso auf dem Weg des Saṃsāra zum Zweck der Reise auch für die Gegenstände: Er soll nicht aus Kenntnis des Genusses gehen; dann fällt er auf einen Irrweg. Deshalb soll der, der ohne Leid auf dem Weg steht, jenen [Weg] erinnern. Bäume mit mannigfachen Blättern und Früchten gibt es dort viele; Genießer und Weise gibt es auch; darum ist der Wald jenseits [davon] höher – [erkennbar] durch Schlussfolgerungen und Lehrbücher, durch Ruhm und Tapferkeit.
Wort für Wort
bhakṣaṇe śvāpadair mārgād
beim Gefressenwerden durch Raubtiere, vom Weg (Lok.Sg.n.; Instr.Pl.; Abl.Sg.) [?]
iti cāraṃ karoti cet
wenn er so eine Bewegung macht (3.Sg.Präs.) [?]
evaṃ saṃsāramārgeṇa yātrārthaṃ viṣayāṇi ca
ebenso auf dem Saṃsāra-Weg zum Zweck der Reise und die Gegenstände (Instr.Sg.; Akk./Nom.Pl.n.)
na gacched bhogavijñānād
er soll nicht gehen aus Kenntnis des Genusses (Opt.3.Sg.; Abl.Sg.)
unmārge padyate tadā
auf einen Irrweg gerät er dann (Lok./Akk.; 3.Sg.Med.Präs.)
tasmād aduḥkhato mārgam āsthitas tam anusmaret
deshalb, ohne Leid den Weg bestiegen habend, erinnere er jenen (Nom.Sg.m.; Opt.3.Sg.)
nānāparṇaphalā vṛkṣā bahavaḥ santi tatra hi
Bäume mit vielerlei Blättern und Früchten gibt es dort viele (Nom.Pl.m.)
bhoktāro munayaś caiva tasmāt parataraṃ vanam
Genießer und Weise, darum ist der Wald weiter/höher (Nom.Pl.; Nom.Sg.n.)
anumānais tathā śāstrair yaśasā vikrameṇa ca
durch Schlüsse, Lehrbücher, Ruhm und Tapferkeit (Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stark verderbte Zusatzpassage; der Satzbau (besonders der erste Halbvers und die letzten Pādas) ist unsicher.
satyaśaucārjavatyāgair yaśasā vikrameṇa ca; kṣāntyā dhṛtyā ca buddhyā ca manasā tapasaiva ca
Durch Wahrheit, Reinheit, Aufrichtigkeit und Entsagung, durch Ruhm und Tapferkeit, durch Nachsicht, Standhaftigkeit, Einsicht, durch den Geist und durch Askese.
Wort für Wort
satyaśaucārjavatyāgair
durch Wahrheit, Reinheit, Aufrichtigkeit, Entsagung (Instr.Pl.)
yaśasā vikrameṇa ca
durch Ruhm und Tapferkeit (Instr.Sg.)
kṣāntyā dhṛtyā ca buddhyā ca
durch Nachsicht, Standhaftigkeit und Einsicht (Instr.Sg.f.)
Alle Zustände, wie sie eintreten, soll er der Reihe nach [in sich] wohnen lassen; Frieden erstrebend, mit unverzagtem Selbst, soll er die Sinne zügeln.
Wort für Wort
bhāvān sarvān yathāvṛttān
alle Zustände, wie sie eingetreten sind (Akk.Pl.m.; Part.Pass.)
saṃvaseta yathākramam
er soll [mit ihnen] leben, der Reihe nach (Opt.3.Sg.Med.; Adv.)
śāntim icchann adīnātmā
Frieden wünschend, mit unverzagtem Selbst (Part.Präs.; Nom.Sg.m.)
saṃyacched indriyāṇi ca
und zügeln soll er die Sinne (Opt.3.Sg.; Akk.Pl.n.)
Erkenne es als Wurzel des Körpers; diese sind nicht der Erhabene, daher [?]. Auf geeignetem Weg werde ich ihn und den schwer zu bezwingenden Tod verkünden.
Wort für Wort
dehamūlaṃ vijānīhi
erkenne als Wurzel des Körpers (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.)
naitāni bhagavān ataḥ
diese nicht, der Erhabene, daher [?] (Nom.Pl.n.; Nom.Sg.m.)
upāyataḥ pravakṣyāmi
auf geeignetem Weg werde ich verkünden (Adv.; 1.Sg.Fut.)
taṃ ca mṛtyuṃ durāsadam
ihn und den Tod, schwer zu bezwingen (Akk.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). naitāni bhagavān ataḥ ist unklar; wohl verderbt.
prakṛter guṇasaṃjāto mahān ahaṃkriyā tataḥ; ahaṃkārāt punaḥ paścād bhūtagrāmam udāhṛtam; avyaktasya guṇebhyas tu tadguṇāṃś ca nibodha tān
Aus der Urnatur, aus den Eigenschaften geboren, [entstand] das Große (mahat); daraus die Ichbildung; aus dem Ichbewusstsein danach, so wird gesagt, die Schar der Wesen. Vernimm nun von den Eigenschaften des Unmanifesten auch deren Eigenschaften, jene.
Wort für Wort
prakṛter guṇasaṃjāto
aus der Urnatur, aus den Eigenschaften geboren (Abl.; Bahuvrīhi/Nom.)
mahān ahaṃkriyā tataḥ
das Große, die Ichbildung, daraus (Nom.; Adv.)
ahaṃkārāt punaḥ paścād
aus dem Ichbewusstsein, wiederum danach (Abl.; Adv.)
bhūtagrāmam udāhṛtam
die Schar der Wesen, wird gesagt (Akk.; Part.Perf.Pass.)
avyaktasya guṇebhyas tu
vom Unmanifesten, aus/von den Eigenschaften aber (Gen.; Abl.Pl.)
tadguṇāṃś ca nibodha tān
und deren Eigenschaften vernimm, jene (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers ist verkürzt und syntaktisch locker; Bezug von avyaktasya guṇebhyas tu unsicher.
Verzückung [?], aus Freude geboren, Zuneigung, Zweifellosigkeit, Standhaftigkeit, Erinnerung: diese soll man als die sattva-Eigenschaften kennen; diese [folgenden] aber als rājasische und tāmasische.
Wort für Wort
pramoho harṣajaḥ prītir
Verzückung [?], aus Freude geboren, Zuneigung (Nom.)
asaṃtoṣo 'kṣamā dhairyam atṛptir viṣayādiṣu; rājasāś ca guṇā hy ete tatparaṃ tāmasāñ śṛṇu; mohas tandrī tathā duḥkhaṃ nidrālasyaṃ pramādatā; viṣādī dīrghasūtraś ca tat tāmasam udāhṛtam
Unzufriedenheit, Ungeduld, Standhaftigkeit [?], Unersättlichkeit an Sinnesobjekten und dergleichen: dies sind die rājasischen Eigenschaften. Höre nun das darauf Folgende, die tāmasischen: Verblendung, Mattigkeit und Leid, Schlaf, Trägheit, Nachlässigkeit; niedergeschlagen und zaudernd zu sein: das wird tāmasisch genannt.
Unersättlichkeit an Sinnesobjekten und dergleichen (Nom.; Lok.Pl.)
rājasāś ca guṇā hy ete
dies sind ja die rājasischen Eigenschaften (Nom.Pl.)
tatparaṃ tāmasāñ śṛṇu
danach die tāmasischen höre (Adv.; Akk.Pl.; Imp.2.Sg.)
mohas tandrī tathā duḥkhaṃ
Verblendung, Mattigkeit, ebenso Leid (Nom.)
nidrālasyaṃ pramādatā
Schlaf, Trägheit, Nachlässigkeit (Nom.)
viṣādī dīrghasūtraś ca
niedergeschlagen und zaudernd (Adj., Nom.Sg.m.)
tat tāmasam udāhṛtam
das wird tāmasisch genannt (Nom.; Part.Perf.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). dhairya unter den rājasischen Eigenschaften auffällig; Text evtl. verderbt.
Nachdem man von solchen und ähnlichen Fehlern Schwere und Leichtigkeit geprüft hat, soll man einen jeden von denen, die im Selbst ihren Sitz haben und fortwährend anhaften, erwägen.
Wort für Wort
doṣāṇām evamādīnāṃ
von solchen und ähnlichen Fehlern (Gen.Pl.)
parīkṣya gurulāghavam
nachdem man geprüft hat, Schwere und Leichtigkeit (Abs.; Akk.)
vimṛśed
soll man erwägen (3.Sg.Opt.)
ātmasaṃsthānām
der im Selbst befindlichen (Gen.Pl.)
ekaikam anusaṃtatam
jeden einzelnen, fortwährend anhaftenden (Akk.Sg.)
ātmasaṃsthānām und anusaṃtatam grammatisch/sinngemäß unsicher.
yasmin pratiṣṭhitaṃ cedaṃ yasmin sajjñānanirgatiḥ; sarvabhūtādhikaṃ nityam ahaṃkāraṃ vilokayet; vilokamānaḥ sa tadā svabuddhyā sūkṣmayā punaḥ; tad eva bhāti tad rūpam ātmanā yat sunirmalam
[Das,] worin dies gegründet ist, worin das Hervorgehen des rechten Wissens [liegt], das über allen Wesen Stehende, beständig: das Ichbewusstsein soll man betrachten. Es betrachtend, dann wieder mit dem eigenen feinen Verstand: eben das erscheint, jene Gestalt, die durch das Selbst ganz rein ist [?].
Wort für Wort
yasmin pratiṣṭhitaṃ cedaṃ
worin dies gegründet ist (Lok.; Part.)
yasmin sajjñānanirgatiḥ
worin das Hervorgehen des rechten Wissens [liegt] (Lok.; Nom.)
sarvabhūtādhikaṃ nityam
über allen Wesen stehend, beständig (Akk.; Adv.)
ahaṃkāraṃ vilokayet
das Ichbewusstsein soll man betrachten (Akk.; 3.Sg.Opt.)
vilokamānaḥ sa tadā
es betrachtend, er dann (Part.Präs.Med.; Nom.)
svabuddhyā sūkṣmayā punaḥ
mit dem eigenen feinen Verstand, wieder (Instr.; Adv.)
tad eva bhāti tad rūpam
eben das erscheint, jene Gestalt (3.Sg.Präs.; Nom.)
ātmanā yat sunirmalam
die durch das Selbst ganz rein ist (Instr.; Nom.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sinn der letzten Zeile unsicher.
śiṣya uvāca; ke doṣā manasā tyaktāḥ ke buddhyā śithilīkṛtāḥ; ke punaḥ punar āyānti ke mohād aphalā iva
Der Schüler sprach: „Welche Fehler werden vom Geist aufgegeben, welche vom Verstand gelockert? Welche kehren immer wieder, welche sind aus Verblendung gleichsam ohne Frucht?“
Wort für Wort
śiṣya uvāca
der Schüler sprach (Nom.; Perf.)
ke doṣā manasā tyaktāḥ
welche Fehler sind vom Geist aufgegeben (Nom.Pl.; Instr.; Part.)
ke buddhyā śithilīkṛtāḥ
welche vom Verstand gelockert (Instr.; Part.)
ke punaḥ punar āyānti
welche kehren immer wieder (3.Pl.Präs.)
ke mohād aphalā iva
welche sind aus Verblendung gleichsam fruchtlos (Abl.; Nom.Pl.)
mahyaṃ śuśrūṣave vidvan vakṣy etad buddhiniścitam; śāntatvād aparāntāc ca ārambhād api caikataḥ; prokto hy atra yathā hetur evam āhur manīṣiṇaḥ
„Mir, dem Dienstbereiten, o Wissender, wirst du dies verstandesgewiss sagen; wegen der Beruhigung, wegen des Endes [?] und wegen des Anfangs und zugleich des Einen; wie hier der Grund dargelegt ist, so sagen die Weisen.“
Wort für Wort
mahyaṃ śuśrūṣave vidvan
mir, dem Dienstbereiten, o Wissender (Dat.; Vok.)
vakṣy etad buddhiniścitam
du wirst dies verstandesgewiss sagen (2.Sg.Fut.; Akk.)
śāntatvād aparāntāc ca
wegen der Beruhigung und wegen des Endes [?] (Abl.)
ārambhād api caikataḥ
und wegen des Anfangs, auch einerseits (Abl.; Adv.)
prokto hy atra yathā hetur
wie hier der Grund dargelegt ist (Part.; Nom.)
evam āhur manīṣiṇaḥ
so sagen die Weisen (3.Pl.Perf.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe, Text erkennbar verderbt; Wiedergabe der Mittelzeilen unsicher.
atha vā mantravad brūyur māṃsādānāṃ yajuṣkṛtam; hetuḥ sa evānādāne śuddhadharmānupālane
Oder sie könnten, mantragemäß, [das] sagen, was von den Fleischessern mit dem Yajus-Spruch getan ist; eben das ist der Grund beim Nichtessen, in der Wahrung der reinen Pflicht [?].
Wort für Wort
atha vā mantravad brūyur
oder sie könnten mantragemäß sagen (Adv.; 3.Pl.Opt.)
māṃsādānāṃ yajuṣkṛtam
das von den Fleischessern mit dem Yajus Getane (Gen.Pl.; Part./Nom.n.)
hetuḥ sa evānādāne
der Grund ist eben dieser beim Nichtessen (Nom.; Lok.)
śuddhadharmānupālane
in der Wahrung der reinen Pflicht (Lok.)
Vers schwer verständlich; Bezug von yajuṣkṛtam und Sinn insgesamt unsicher.
tamasā lobhayuktāni krodhajāni ca sevate; hiṃsāvihārābhiratas tandrīnidrāsamanvitaḥ
Durch tamas übt er von Gier bestimmte und aus Zorn entstandene [Handlungen] aus; an Gewalt und Zerstreuung sich erfreuend, von Mattigkeit und Schlaf begleitet.
Wort für Wort
tamasā lobhayuktāni
durch tamas: mit Gier verbundene (Instr.; Akk.Pl.n.)
krodhajāni ca sevate
und aus Zorn entstandene übt er aus (Akk.Pl.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
Der in sattva Stehende sieht die sattvischen Zustände als rein, sich darauf stützend; dieser Verkörperte ist makellos, glanzvoll, rein, mit Wissen begabt.
Wort für Wort
sattvasthaḥ sāttvikān bhāvāñ
der in sattva Stehende, die sattvischen Zustände (Nom.; Akk.Pl.)
śuddhān paśyati saṃśritaḥ
als rein sieht er, sich darauf stützend (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.; Part.)