Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 107: vaidehakausalyasaṃdhiḥ Der weise Ratgeber stiftet Frieden zwischen dem Vaideha und dem Kausalya

Ein Weiser vermittelt zwischen dem Vaideha-König und dem vertriebenen Königssohn von Kosala, der lieber redlich als durch Betrug leben will; der Kampf endet in Bündnis und gegenseitiger Ehrung.

rājaputra uvāca; na nikṛtyā na dambhena brahmann icchāmi jīvitum; nādharmayuktān iccheyam arthān sumahato 'py aham

Der Königssohn sprach: „Weder durch Betrug noch durch Heuchelei, Brahmane, will ich leben; auch nicht möchte ich Güter, die mit Adharma verbunden sind, und seien sie noch so gewaltig.“

Wort für Wort
rājaputra uvāca
der Königssohn sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
na nikṛtyā na dambhena
nicht durch Betrug, nicht durch Heuchelei (Instr.Sg.)
brahman icchāmi jīvitum
Brahmane (Vok.), ich will leben (1.Sg.Präs.; Inf.)
na adharmayuktān iccheyam
nicht möchte ich (1.Sg.Opt.) mit Adharma verbundene (Akk.Pl.)
arthān sumahataḥ api aham
Güter (Akk.Pl.), auch wenn sehr groß (Abl./Gen.Sg.), ich (Nom.)

purastād eva bhagavan mayaitad apavarjitam; yena māṃ nābhiśaṅketa yad vā kṛtsnaṃ hitaṃ bhavet

Schon zuvor, Erhabener, habe ich dies von mir gewiesen [?], [nämlich das,] wodurch er mir nicht misstrauen würde, oder was insgesamt heilsam wäre.

Wort für Wort
purastāt eva bhagavan
schon zuvor, Erhabener (Vok.)
mayā etat apavarjitam
von mir dieses zurückgewiesen (Instr.; Part.Pass. n.)
yena mām na abhiśaṅketa
wodurch er mich nicht beargwöhnen würde (Instr.; 3.Sg.Opt.Med.)
yat vā kṛtsnam hitam bhavet
oder was ganz heilsam wäre (Nom.n.; 3.Sg.Opt.)

Der Halbvers ist syntaktisch knapp; die Zuordnung von yena und yad vā ist unsicher.

ānṛśaṃsyena dharmeṇa loke hy asmiñ jijīviṣuḥ; nāham etad alaṃ kartuṃ naitan mayy upapadyate

Da ich in dieser Welt in mitleidsvoller Rechtschaffenheit zu leben wünsche, vermag ich dies nicht zu tun; dies geziemt sich nicht für mich.

Wort für Wort
ānṛśaṃsyena dharmeṇa
durch mitleidsvolle Rechtschaffenheit (Instr.Sg.)
loke hi asmin
in dieser Welt ja (Lok.Sg.)
jijīviṣuḥ
leben wollend (Nom.Sg.m., Desiderativ-Adj.)
na aham etat alam kartum
nicht ich, dies zu tun imstande (Inf.)
na etat mayi upapadyate
nicht passt dies zu mir (Lok.; 3.Sg.Präs.Med.)

munir uvāca; upapannas tvam etena yathā kṣatriya bhāṣase; prakṛtyā hy upapanno 'si buddhyā cādbhutadarśana

Der Weise sprach: „Du bist damit begabt, wie du sprichst, Kṣatriya; von Natur bist du begabt und durch Einsicht, du Mann mit wunderbarem Blick.“

Wort für Wort
munir uvāca
der Weise sprach (Nom.; Perf.)
upapannaḥ tvam etena
begabt/ausgestattet du mit diesem (Nom.; Instr.)
yathā kṣatriya bhāṣase
wie, Kṣatriya (Vok.), du sprichst (2.Sg.Präs.Med.)
prakṛtyā hi upapannaḥ asi
von Natur ja begabt bist du (Instr.; 2.Sg.Präs.)
buddhyā ca adbhutadarśana
und durch Einsicht (Instr.), Wunderbares Schauender (Vok.)

ubhayor eva vām arthe yatiṣye tava tasya ca; saṃśleṣaṃ vā kariṣyāmi śāśvataṃ hy anapāyinam

Für euch beide will ich mich bemühen, für dich und für ihn; oder ich werde eine Verbindung stiften, ewig und unvergänglich.

Wort für Wort
ubhayoḥ eva vām arthe
für euch beide (Gen.Du.), wahrlich, um der Sache willen (Lok.)
yatiṣye tava tasya ca
ich werde mich bemühen (1.Sg.Fut.Med.), für dich und für ihn (Gen.)
saṃśleṣam vā kariṣyāmi
oder eine Verbindung (Akk.) werde ich schaffen (1.Sg.Fut.)
śāśvatam hi anapāyinam
ewig ja, unvergänglich (Akk.Sg.m.)

tvādṛśaṃ hi kule jātam anṛśaṃsaṃ bahuśrutam; amātyaṃ ko na kurvīta rājyapraṇayakovidam

Einen wie dich, in [edler] Familie geboren, mitleidsvoll, vielgelehrt, kundig in der Leitung des Königtums: wer würde den nicht zum Minister machen?

Wort für Wort
tvādṛśam hi kule jātam
einen wie dich ja, in [einer] Familie geboren (Akk.; Lok.; Part.)
anṛśaṃsam bahuśrutam
mitleidsvoll, vielgelehrt (Akk.)
amātyam kaḥ na kurvīta
zum Minister – wer würde nicht machen (Akk.; Nom.; 3.Sg.Opt.Med.)
rājyapraṇayakovidam
kundig der Lenkung des Königtums (Akk.; Kompositum)

yas tvaṃ pravrajito rājyād vyasanaṃ cottamaṃ gataḥ; ānṛśaṃsyena vṛttena kṣatriyecchasi jīvitum

Du, der du aus dem Reich vertrieben und in höchstes Unglück geraten bist, willst, Kṣatriya, mit mitleidsvollem Verhalten leben.

Wort für Wort
yaḥ tvam pravrajitaḥ rājyāt
du, der du ausgezogen/vertrieben (Nom.; Part.) aus dem Reich (Abl.)
vyasanam ca uttamam gataḥ
und ins höchste Unglück (Akk.) gegangen (Part.)
ānṛśaṃsyena vṛttena
durch mitleidsvolles Verhalten (Instr.Sg.)
kṣatriya icchasi jīvitum
Kṣatriya (Vok.), du willst (2.Sg.Präs.) leben (Inf.)

āgantā madgṛhaṃ tāta vaidehaḥ satyasaṃgaraḥ; yathāhaṃ taṃ niyokṣyāmi tat kariṣyaty asaṃśayam

„Zu meinem Haus wird kommen, mein Lieber, der Vaideha, der zu seinem Versprechen steht; wie ich ihn anweisen werde, das wird er ohne Zweifel tun.“

Wort für Wort
āgantā mad-gṛham tāta
er wird kommen (3.Sg.Periphr.Fut.), zu meinem Haus, Lieber (Vok.)
vaidehaḥ satyasaṃgaraḥ
der Vaideha, in seinem Versprechen wahrhaftig (Nom.; Kompositum)
yathā aham tam niyokṣyāmi
wie ich ihn anweisen werde (1.Sg.Fut.)
tat kariṣyati asaṃśayam
das wird er tun (3.Sg.Fut.), zweifellos (Adv.)

bhīṣma uvāca; tata āhūya vaidehaṃ munir vacanam abravīt; ayaṃ rājakule jāto viditābhyantaro mama

Bhīṣma sprach: Darauf rief der Weise den Vaideha herbei und sprach [diese] Rede: „Dieser, in einem Königshaus geboren, ist mir innerlich wohlbekannt.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tataḥ āhūya vaidehaṃ
darauf, herbeigerufen habend (Abs.), den Vaideha (Akk.)
munir vacanam abravīt
der Weise sprach (Impf.) das Wort (Akk.)
ayam rājakule jātaḥ
dieser im Königshaus geboren (Nom.; Lok.)
vidita-abhyantaraḥ mama
in seinem Inneren bekannt, von mir (Nom.; Kompositum; Gen. als Agens)

ādarśa iva śuddhātmā śāradaś candramā iva; nāsmin paśyāmi vṛjinaṃ sarvato me parīkṣitaḥ

Rein im Wesen wie ein Spiegel, wie der herbstliche Mond: keinen Makel sehe ich an ihm, von allen Seiten von mir geprüft.

Wort für Wort
ādarśaḥ iva śuddhātmā
wie ein Spiegel, reinen Wesens (Nom.)
śāradaḥ candramāḥ iva
wie der herbstliche Mond (Nom.)
na asmin paśyāmi vṛjinam
nicht an ihm sehe ich (1.Sg.Präs.) Makel/Falsch (Akk.)
sarvataḥ me parīkṣitaḥ
allseitig von mir geprüft (Instr.; Part.)

tena te saṃdhir evāstu viśvasāsmin yathā mayi; na rājyam anamātyena śakyaṃ śāstum amitrahan

Darum sei zwischen dir und ihm ein Bündnis; vertraue ihm wie mir. Ohne Minister lässt sich ein Reich nicht beherrschen, Vernichter der Feinde.

Wort für Wort
tena te saṃdhiḥ eva astu
darum sei dein Bündnis (Nom.; 3.Sg.Imp.)
viśvasa asmin yathā mayi
vertraue (2.Sg.Imp.) ihm, wie mir (Lok.)
na rājyam anamātyena
nicht ein Reich ohne Minister (Instr.)
śakyam śāstum amitrahan
möglich zu beherrschen (Inf.), Feindtöter (Vok.)

amātyaḥ śūra eva syād buddhisaṃpanna eva ca; tābhyāṃ caiva bhayaṃ rājñaḥ paśya rājyasya yojanam; dharmātmanāṃ kva cil loke nānyāsti gatir īdṛśī

Ein Minister sei tapfer und zugleich mit Einsicht begabt; und von eben diesen beiden [droht] dem König Gefahr – sieh [darauf] die Fügung des Reiches [?]; bei den Rechtschaffenen gibt es in der Welt nirgends einen anderen solchen Weg.

Wort für Wort
amātyaḥ śūraḥ eva syāt
der Minister sei tapfer (Nom.; 3.Sg.Opt.)
buddhisaṃpannaḥ eva ca
und mit Einsicht begabt (Nom.)
tābhyām ca eva bhayam rājñaḥ
und von diesen beiden Gefahr für den König (Abl.Du.; Gen.)
paśya rājyasya yojanam
sieh (2.Sg.Imp.) die Fügung/Einrichtung des Reiches (Akk.; Gen.)
dharmātmanām kva cit loke
bei den dharmagesinnten (Gen.Pl.) irgendwo in der Welt (Lok.)
na anyā asti gatiḥ īdṛśī
nicht gibt es (3.Sg.Präs.) einen anderen, solchen Weg (Nom.f.)

Der Mittelteil (tābhyāṃ caiva bhayaṃ rājñaḥ … yojanam) ist knapp und unsicher; die Wiedergabe ist vorläufig.

kṛtātmā rājaputro 'yaṃ satāṃ mārgam anuṣṭhitaḥ; susaṃgṛhītas tv evaiṣa tvayā dharmapurogamaḥ; saṃsevyamānaḥ śatrūṃs te gṛhṇīyān mahato gaṇān

Dieser Königssohn ist geläutert und hat den Weg der Guten betreten; von dir gut gewonnen, hat er den Dharma an der Spitze. Wird ihm gedient, so würde er deine Feinde, große Scharen, ergreifen.

Wort für Wort
kṛtātmā rājaputraḥ ayam
geläutert/gebildet, dieser Königssohn (Nom.)
satām mārgam anuṣṭhitaḥ
den Weg der Guten (Akk.) befolgend (Part.)
susaṃgṛhītaḥ tu eva eṣaḥ tvayā
gut gewonnen, dieser, von dir (Nom.; Instr.)
dharmapurogamaḥ
den Dharma vorangehen lassend (Nom.; Kompositum)
saṃsevyamānaḥ śatrūn te
umsorgt/bedient, deine Feinde (Akk.Pl.)
gṛhṇīyāt mahataḥ gaṇān
würde ergreifen (3.Sg.Opt.) große Scharen (Akk.Pl.)

yady ayaṃ pratiyudhyet tvāṃ svakarma kṣatriyasya tat; jigīṣamāṇas tvāṃ yuddhe pitṛpaitāmahe pade

Wenn dieser dich bekämpfte – das ist die Eigenpflicht eines Kṣatriya –, im Streben zu siegen im Kampf um den väterlichen und großväterlichen Rang [Anm.: Satz syntaktisch unvollständig].

Wort für Wort
yadi ayam pratiyudhyet tvām
wenn dieser dich bekämpfte (3.Sg.Opt.)
svakarma kṣatriyasya tat
Eigenpflicht eines Kṣatriya ist das (Nom.; Gen.)
jigīṣamāṇaḥ tvām yuddhe
siegen wollend, dich, im Kampf (Part.Med.; Lok.)
pitṛpaitāmahe pade
im väterlichen und großväterlichen Stand/Thron (Lok.)

Der Satz bleibt ohne Nachsatz; jigīṣamāṇaḥ tvāṃ ist am ehesten „dich zu besiegen suchend“.

tvaṃ cāpi pratiyudhyethā vijigīṣuvrate sthitaḥ; ayuddhvaiva niyogān me vaśe vaideha te sthitaḥ

Und auch du solltest ihn bekämpfen, im Gelübde des Siegeswillens stehend; [doch] ohne gekämpft zu haben, ist er auf meine Weisung hin in deiner Gewalt, Vaideha.

Wort für Wort
tvam ca api pratiyudhyethāḥ
und auch du solltest bekämpfen (2.Sg.Opt.Med.)
vijigīṣuvrate sthitaḥ
im Gelübde des Siegeswillens stehend (Lok.; Part.)
ayuddhvā eva niyogāt me
ohne gekämpft zu haben (Abs.), auf meine Weisung (Abl.)
vaśe vaideha te sthitaḥ
in deiner Gewalt, Vaideha (Vok.), befindet er sich (Part.)

sa tvaṃ dharmam avekṣasva tyaktvādharmam asāṃpratam; na hi kāmān na ca drohāt svadharmaṃ hātum arhasi

So achte du auf den Dharma und lass den jetzt unpassenden Adharma; weder aus Begierde noch aus Feindseligkeit darfst du deine Eigenpflicht aufgeben.

Wort für Wort
sa tvam dharmam avekṣasva
so du, den Dharma beachte (2.Sg.Imp.Med.)
tyaktvā adharmam asāṃpratam
aufgegeben habend den Adharma, den unpassenden (Abs.)
na hi kāmāt na ca drohāt
denn nicht aus Begierde und nicht aus Feindseligkeit (Abl.)
svadharmam hātum arhasi
deine Eigenpflicht (Akk.) aufzugeben (Inf.) darfst du (2.Sg.Präs.)

naiva nityaṃ jayas tāta naiva nityaṃ parājayaḥ; tasmād bhojayitavyaś ca bhoktavyaś ca paro janaḥ

Nicht immer ist der Sieg, Lieber, nicht immer die Niederlage; darum ist der andere Mensch zu speisen [bzw. zu bewirten] und [auch] zu genießen/nutzen [?].

Wort für Wort
na eva nityam jayaḥ tāta
nicht immer der Sieg, Lieber (Vok.)
na eva nityam parājayaḥ
nicht immer die Niederlage (Nom.)
tasmāt bhojayitavyaḥ ca
darum ist zu speisen (Gerundiv Kaus.)
bhoktavyaḥ ca paraḥ janaḥ
und zu genießen/nutzen (Gerundiv), der andere Mensch (Nom.)

bhoktavya kann „zu genießen, zu nutzen“ oder „zu speisen (mit)“ bedeuten; der Sinn ist am ehesten wechselseitige Bewirtung bzw. Nutzen voneinander.

ātmany eva hi saṃdṛśyāv ubhau jayaparājayau; niḥśeṣakāriṇāṃ tāta niḥśeṣakaraṇād bhayam

Im eigenen Selbst sind ja beide, Sieg und Niederlage, zu erkennen; bei denen, die nichts übrig lassen, Lieber, entsteht aus dem restlosen Tun Furcht.

Wort für Wort
ātmani eva hi saṃdṛśyau
im Selbst ja allein sichtbar (Lok.; Gerundiv Du.)
ubhau jayaparājayau
beide, Sieg und Niederlage (Nom.Du.)
niḥśeṣakāriṇām tāta
bei den restlos Handelnden (Gen.Pl.), Lieber (Vok.)
niḥśeṣakaraṇāt bhayam
aus dem Nichts-übrig-Lassen (Abl.), Furcht (Nom.)

ity uktaḥ pratyuvācedaṃ vacanaṃ brāhmaṇarṣabham; abhipūjyābhisatkṛtya pūjārham anumānya ca

So angesprochen, erwiderte er dem Stier unter den Brahmanen diese Rede, nachdem er ihn verehrt, hoch geachtet und als Verehrungswürdigen anerkannt hatte.

Wort für Wort
iti uktaḥ pratyuvāca idam
so angesprochen antwortete er dies (Part.; Perf.)
vacanam brāhmaṇarṣabham
Rede zum Stier unter den Brahmanen (Akk.)
abhipūjya abhisatkṛtya
verehrt habend, geehrt habend (Abs.)
pūjārham anumānya ca
als Verehrungswürdigen anerkannt habend (Akk.; Abs.)

yathā brūyān mahāprājño yathā brūyād bahuśrutaḥ; śreyaskāmo yathā brūyād ubhayor yat kṣamaṃ bhavet

„Wie ein sehr Weiser sprechen würde, wie ein Vielgelehrter sprechen würde, wie ein Heilswünschender sprechen würde, [nämlich so,] was für beide zuträglich sein möge –

Wort für Wort
yathā brūyāt mahāprājñaḥ
wie sprechen würde ein sehr Weiser (3.Sg.Opt.; Nom.)
yathā brūyāt bahuśrutaḥ
wie sprechen würde ein Vielgelehrter
śreyaskāmaḥ yathā brūyāt
ein Heilswünschender, wie er sprechen würde
ubhayoḥ yat kṣamam bhavet
was für beide angemessen wäre (Gen.; Nom.n.; 3.Sg.Opt.)

tathā vacanam ukto 'smi kariṣyāmi ca tat tathā; etad dhi paramaṃ śreyo na me 'trāsti vicāraṇā

so bin ich angesprochen worden, und ich werde das so tun; dies ist ja das höchste Heil, darüber habe ich keine Überlegung [mehr].“

Wort für Wort
tathā vacanam uktaḥ asmi
so bin ich angesprochen worden (Part.; 1.Sg.Präs.), mit einer Rede (Akk.)
kariṣyāmi ca tat tathā
und ich werde es so tun (1.Sg.Fut.)
etat hi paramam śreyaḥ
dies ja ist das höchste Heil (Nom.n.)
na me atra asti vicāraṇā
nicht ist mir hierbei Überlegung/Zweifel (Nom.)

tataḥ kauśalyam āhūya vaideho vākyam abravīt; dharmato nītitaś caiva balena ca jito mayā

Darauf rief der Vaideha den Kausalya herbei und sprach: „Nach Dharma, nach Politik und durch Macht [bist du] von mir besiegt.

Wort für Wort
tataḥ kauśalyam āhūya
darauf den Kausalya herbeigerufen habend (Akk.; Abs.)
vaidehaḥ vākyam abravīt
der Vaideha sprach das Wort (Impf.)
dharmataḥ nītitaḥ ca eva
nach dem Dharma und nach der Klugheitslehre (Abl.-Adv.)
balena ca jitaḥ mayā
und durch Macht besiegt (Part.) von mir (Instr.)

Das Subjekt zu jitaḥ (Kausalya) ist ergänzt; „von mir“ (mayā) bezieht sich auf den Sprecher, den Vaideha.

so 'haṃ tvayā tv ātmaguṇair jitaḥ pārthivasattama; ātmānam anavajñāya jitavad vartatāṃ bhavān

Ich aber bin von dir durch deine eigenen Vorzüge besiegt, bester der Fürsten. Ohne dich selbst geringzuschätzen, verhalte dich, Herr, wie ein Sieger.

Wort für Wort
saḥ aham tvayā tu
ich also von dir aber (Instr.)
ātmaguṇaiḥ jitaḥ
durch eigene Vorzüge besiegt (Instr.Pl.; Part.)
pārthivasattama
bester der Fürsten (Vok.)
ātmānam anavajñāya
dich selbst nicht geringschätzend (Akk.; Abs.)
jitavat vartatām bhavān
wie ein Sieger verhalte sich (3.Sg.Imp.Med.) Euer Ehren (Nom.)

nāvamanye ca te buddhiṃ nāvamanye ca pauruṣam; nāvamanye jayāmīti jitavad vartatāṃ bhavān

Ich verachte weder deinen Verstand noch deine Mannhaftigkeit; ich verachte dich nicht [mit dem Gedanken:] „Ich habe gesiegt“. Verhalte dich wie ein Sieger.

Wort für Wort
na avamanye ca te buddhim
und nicht missachte ich deinen Verstand (1.Sg.Präs.; Akk.)
na avamanye ca pauruṣam
und nicht missachte ich deine Mannhaftigkeit (Akk.)
na avamanye jayāmi iti
nicht missachte ich [dich mit:] „ich siege/habe gesiegt“ (1.Sg.Präs.)
jitavat vartatām bhavān
wie ein Sieger verhalte sich Euer Ehren

yathāvat pūjito rājan gṛhaṃ gantāsi me gṛhāt; tataḥ saṃpūjya tau vipraṃ viśvastau jagmatur gṛhān

„Gebührend geehrt wirst du, König, aus [deinem] Haus in mein Haus gehen [?].“ Darauf verehrten beide den Brahmanen, und im Vertrauen zueinander gingen sie nach Hause.

Wort für Wort
yathāvat pūjitaḥ rājan
gebührend geehrt (Part.), König (Vok.)
gṛham gantā asi me gṛhāt
in das Haus wirst du gehen (Periphr.Fut.), aus meinem Haus (Abl.)
tataḥ saṃpūjya tau vipram
darauf, verehrt habend (Abs.) die beiden den Brahmanen (Akk.)
viśvastau jagmatuḥ gṛhān
vertrauend, gingen sie beide (Perf.3.Du.) zu den Häusern (Akk.Pl.)

Der erste Halbvers ist knapp; die Angabe von Ausgangs- und Zielhaus (gṛhaṃ … me gṛhāt) ist unsicher.

vaidehas tv atha kausalyaṃ praveśya gṛham añjasā; pādyārghyamadhuparkais taṃ pūjārhaṃ pratyapūjayat

Der Vaideha aber führte den Kausalya alsbald in sein Haus und erwiderte ihm, dem Verehrungswürdigen, die Ehre mit Fußwasser, Ehrengabe und Honigmilch.

Wort für Wort
vaidehaḥ tu atha kausalyam
der Vaideha aber darauf den Kausalya (Akk.)
praveśya gṛham añjasā
hineingeführt habend (Abs.) ins Haus, sogleich (Adv.)
pādya-arghya-madhuparkaiḥ
mit Fußwasser, Ehrengabe und Honigmilch (Instr.Pl.)
tam pūjārham pratyapūjayat
ihn, den Verehrungswürdigen, verehrte er wieder (Impf.3.Sg.)

dadau duhitaraṃ cāsmai ratnāni vividhāni ca; eṣa rājñāṃ paro dharmaḥ sahyau jayaparājayau

Und er gab ihm seine Tochter und Edelsteine von mancherlei Art. Dies ist der höchste Dharma der Könige: Sieg und Niederlage sind zu ertragen.

Wort für Wort
dadau duhitaram ca asmai
er gab (Perf.3.Sg.) die Tochter (Akk.) und ihm (Dat.)
ratnāni vividhāni ca
und Juwelen verschiedener Art (Akk.Pl.)
eṣaḥ rājñām paraḥ dharmaḥ
dies ist der Könige höchster Dharma (Gen.Pl.; Nom.)
sahyau jayaparājayau
zu ertragen sind Sieg und Niederlage (Gerundiv Nom.Du.)

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