Kapitel 287: asaṅgādi-upadeśaḥ
Parāśaras Unterweisung Janakas über Ungebundenheit, Handeln und Frucht der Taten
Parāśara belehrt König Janaka: Ungebundenheit und Erkenntnis sind die Wurzel des Heils; jedes Lebewesen erntet die Frucht seiner eigenen Taten, und Familie und Besitz sind nur vergänglicher Halt.
kiṃ śreyaḥ kā gatir brahman kiṃ kṛtaṃ na vinaśyati; kva gato na nivarteta tan me brūhi mahāmune
„Was ist das Heilsamste, was ist das [Ziel und der] Weg, o Brahmane? Was, [einmal] getan, geht nicht verloren? Wohin gegangen kehrt man nicht zurück? Das sage mir, großer Weiser.“
Wort für Wort
kiṃ śreyaḥ kā gatiḥ
was [ist] das Heilsamste, welches der Weg/das Ziel (Nom.Sg.n. / Nom.Sg.f.)
brahman
o Brahmane (Vok.Sg.)
kiṃ kṛtaṃ na vinaśyati
was, getan, geht nicht zugrunde (PPP Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
kva gato na nivarteta
wohin gegangen, kehrt man nicht zurück (PPP; 3.Sg.Opt.Med.)
parāśara uvāca; asaṅgaḥ śreyaso mūlaṃ jñānaṃ jñānagatiḥ parā; cīrṇaṃ tapo na praṇaśyed vāpaḥ kṣetre na naśyati
Parāśara sprach: „Ungebundenheit ist die Wurzel des Heilsamen; Erkenntnis ist der höchste Weg der Erkenntnis [d. h. das höchste Ziel, zu dem Erkenntnis führt]. Geübte Askese geht nicht verloren, wie die auf dem Feld ausgesäte Saat nicht verdirbt.“
Wort für Wort
parāśara uvāca
Parāśara sprach
asaṅgaḥ śreyaso mūlaṃ
Ungebundenheit [ist] die Wurzel des Heilsamen (Nom.Sg.; Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
jñānaṃ jñānagatiḥ parā
Erkenntnis [ist] der höchste Weg der Erkenntnis (Nom.Sg.; Tatpuruṣa Nom.Sg.f.; Adj.)
cīrṇaṃ tapo na praṇaśyet
geübte Askese möge nicht zugrunde gehen (PPP; Nom.Sg.n.; 3.Sg.Opt.)
vāpaḥ kṣetre na naśyati
die Aussaat im Feld geht nicht verloren (Nom.Sg.; Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Lesart von jñānagatiḥ parā unsicher; wörtlich: Erkenntnis ist der höchste Gang/das höchste Ziel der Erkenntnis.
Hat man die aus Adharma gemachte Fessel durchtrennt und findet dann Gefallen am Dharma, so würde man, indem man die Gabe der Furchtlosigkeit gegeben hat, dann Vollendung erlangen.
Wort für Wort
chittvādharmamayaṃ pāśaṃ
nachdem er die aus Adharma bestehende Fessel durchtrennt hat (Abs.; Akk.Sg.)
yadā dharme 'bhirajyate
wenn er am Dharma Gefallen findet (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Pass./Med.)
dattvābhayakṛtaṃ dānaṃ
nachdem er die Gabe gegeben hat, die in Furchtlosigkeit besteht (Abs.; Akk.Sg.)
tadā siddhim avāpnuyāt
dann würde er Vollendung erreichen (Adv.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
Text von abhayakṛtaṃ dānam: wörtlich „die durch Furchtlosigkeit [Schutz] bewirkte Gabe“; Deutung unsicher.
vasan viṣayamadhye 'pi na vasaty eva buddhimān; saṃvasaty eva durbuddhir asatsu viṣayeṣv api
Auch inmitten der Sinnesobjekte lebend lebt der Verständige doch nicht [darin]; der Unverständige dagegen lebt [darin], selbst bei schlechten Sinnesobjekten [die ihn nicht binden sollten].
Wort für Wort
vasan viṣayamadhye 'pi
auch mitten unter den Sinnesobjekten weilend (Part.Präs.; Lok.Sg.)
na vasaty eva buddhimān
lebt doch nicht [dort], der Verständige (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
saṃvasaty eva durbuddhiḥ
der Unverständige aber lebt [darin] (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
asatsu viṣayeṣv api
selbst bei üblen Sinnesobjekten (Lok.Pl.)
Zweiter Halbvers etwas elliptisch; Wiedergabe von asatsu unsicher.
nādharmaḥ kāraṇāpekṣī kartāram abhimuñcati; kartā khalu yathākālaṃ tat sarvam abhipadyate; na bhidyante kṛtātmāna ātmapratyayadarśinaḥ
Adharma, der auf eine Ursache wartet, lässt den Täter nicht los; der Täter erlangt gewiss zur [rechten] Zeit alles [was er getan hat]. Die, deren Selbst geläutert ist und die auf das Vertrauen ins Selbst blicken, werden nicht zerrissen.
Wort für Wort
nādharmaḥ kāraṇāpekṣī
Adharma, der nicht auf eine Ursache angewiesen ist / der die Ursache abwartet (Nom.Sg.; Adj.)
kartāram abhimuñcati
lässt den Täter [nicht] los (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
kartā khalu yathākālaṃ
der Täter wahrlich, zur rechten Zeit (Nom.Sg.; Part.; Adv.)
tat sarvam abhipadyate
erlangt dies alles (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
na bhidyante kṛtātmānaḥ
werden nicht zerrissen, die Geläuterten (3.Pl.Präs.Pass.; Nom.Pl.)
ātmapratyayadarśinaḥ
die auf das Vertrauen ins Selbst schauen (Nom.Pl.; Tatpuruṣa)
Erster Halbvers grammatisch mehrdeutig (nādharmaḥ kāraṇāpekṣī kartāram abhimuñcati): auch möglich „Adharma lässt den Täter nicht los, ohne auf eine Ursache zu warten“. [?]
buddhikarmendriyāṇāṃ hi pramatto yo na budhyate; śubhāśubheṣu saktātmā prāpnoti sumahad bhayam
Wer unachtsam den Erkenntnis-, Handlungs- [und] Sinnesorganen gegenüber nicht aufwacht [d. h. sie nicht erkennt], und mit dem Selbst am Guten und Üblen hängt, gerät in sehr große Gefahr.
Wort für Wort
buddhikarmendriyāṇāṃ hi
der Erkenntnis- und Handlungsorgane fürwahr (Gen.Pl.; Kompositum)
pramatto yo na budhyate
wer unachtsam ist [und] nicht erwacht/erkennt (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
śubhāśubheṣu saktātmā
am Guten und Üblen haftend, sein Selbst (Lok.Pl.; Bahuvrīhi)
prāpnoti sumahad bhayam
gerät in sehr große Furcht/Gefahr (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.)
buddhikarmendriyāṇām: Deutung als Dvandva der Erkenntnis- und Handlungssinne (buddhīndriya, karmendriya).
vītarāgo jitakrodhaḥ samyag bhavati yaḥ sadā; viṣaye vartamāno 'pi na sa pāpena yujyate
Wer stets völlig frei von Leidenschaft ist und den Zorn besiegt hat, der wird, auch wenn er sich unter den Sinnesobjekten aufhält, vom Übel nicht befleckt.
Wort für Wort
vītarāgo jitakrodhaḥ
frei von Leidenschaft, den Zorn besiegt (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
samyag bhavati yaḥ sadā
der stets recht [handelnd] ist (Adv.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.; Adv.)
viṣaye vartamāno 'pi
auch wenn er im Sinnesobjekt weilt (Lok.Sg.; Part.Präs.Med.)
na sa pāpena yujyate
der wird nicht mit Übel verbunden (Nom.Sg.; Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.Pass.)
Der in der Schranke [des Rechten] festgemachte Damm des Dharma sinkt keineswegs ein; wie ein genährter Strom, der gestaut wird, wird die Ansammlung [des Verdienstes] anschwellend.
Wort für Wort
maryādāyāṃ dharmasetuḥ
in der Grenze/Schranke der Dharma-Damm (Lok.Sg.; Tatpuruṣa Nom.Sg.)
nibaddho naiva sīdati
festgebunden sinkt keineswegs ein (PPP Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
puṣṭasrota ivāyattaḥ
wie ein genährter Strom, gestaut/beherrscht (Bahuvrīhi/Kompositum; PPP Nom.Sg.)
sphīto bhavati saṃcayaḥ
angeschwollen wird die Ansammlung (PPP Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
Zweiter Halbvers nur sinngemäß gedeutet; Text möglicherweise verderbt. [?]
Wie ein reiner Edelstein die von der Sonne kommende Glut durch Sammlung [d. h. Bündelung] aufnimmt, o Tiger unter den Königen, so kommt der Yoga in Gang.
Wort für Wort
yathā bhānugataṃ tejaḥ
wie die zur Sonne gehörende/von der Sonne kommende Glut (Nom.Sg.n. / Akk.Sg.n.)
maṇiḥ śuddhaḥ samādhinā
ein reiner Edelstein durch Sammlung (Nom.Sg.; Adj.; Instr.Sg.)
ādatte rājaśārdūla
nimmt auf, o Tiger unter den Königen (3.Sg.Präs.Med.; Vok.Sg.)
tathā yogaḥ pravartate
so kommt der Yoga in Gang (Adv.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
Wie bei den Sesamkörnern hier, durch den Anschluss an Blüten, die Eigenschaft jeweils verschieden zu großer Feinheit [Duft] gelangt, so entfaltet sich bei den auf Erden [durch Übung] geläuterten Menschen die Eigenschaft der Güte [sattva] je nach dem Halt [worauf sie sich stützen].
Wort für Wort
yathā tilānām iha puṣpasaṃśrayāt
wie bei Sesamkörnern hier durch Anschluss an Blüten (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
pṛthak pṛthag yāti guṇo 'tisaumyatām
jeweils verschieden gelangt die Eigenschaft zu großer Feinheit (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.; Akk.Sg.f.)
tathā narāṇāṃ bhuvi bhāvitātmanām
so bei den Menschen auf Erden mit geläutertem Selbst (Gen.Pl.; Lok.Sg.; Gen.Pl.)
yathāśrayaṃ sattvaguṇaḥ pravartate
je nach Halt/Grundlage entfaltet sich die Eigenschaft der Güte (Adv.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
atisaumyatām: „zu großer Milde/Feinheit“; mit Sesam und Blüten ist das Parfümieren gemeint. Sinn sicher, Einzelwiedergabe teils unsicher.
jahāti dārān ihate na saṃpadaḥ; sadaśvayānaṃ vividhāś ca yāḥ kriyāḥ; triviṣṭape jātamatir yadā naras; tadāsya buddhir viṣayeṣu bhidyate
[Wer] Ehefrauen verlässt, nicht nach Reichtümern trachtet, [nach] Gespann mit guten Rossen und den vielfältigen Handlungen [ebenso nicht], wenn der Mensch seinen Sinn auf den Himmel [triviṣṭapa] gerichtet hat, dann wird sein Geist von den Sinnesobjekten gespalten [abgelöst].
Wort für Wort
jahāti dārān ihate na saṃpadaḥ
verlässt die Ehefrauen, erstrebt nicht Reichtümer (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Pl.)
sadaśvayānaṃ vividhāś ca yāḥ kriyāḥ
das Fahrzeug mit guten Rossen und die vielfältigen Handlungen (Akk.Sg.n.; Nom./Akk.Pl.f.)
triviṣṭape jātamatir yadā naraḥ
wenn der Mensch, dessen Sinn auf den Himmel gerichtet ist (Lok.Sg.; Bahuvrīhi; Nom.Sg.)
tadāsya buddhir viṣayeṣu bhidyate
dann wird sein Verstand gegenüber den Sinnesobjekten gespalten (Gen.Sg.; Nom.Sg.; Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Pass.)
Syntax des ersten Halbverses knapp und schwer; triviṣṭapa = Himmel (auch: höchstes Ziel). Wiedergabe unsicher. [?]
prasaktabuddhir viṣayeṣu yo naro; yo budhyate hy ātmahitaṃ kadā ca na; sa sarvabhāvānugatena cetasā; nṛpāmiṣeṇeva jhaṣo vikṛṣyate
Der Mensch, dessen Sinn an den Sinnesobjekten haftet und der nie sein eigenes Heil erkennt, wird mit einem Gemüt, das allen Daseinszuständen folgt, fortgezogen wie ein Fisch, o König, durch den Köder.
Wort für Wort
prasaktabuddhir viṣayeṣu yo naraḥ
der Mensch mit an Sinnesobjekte gehefteter Erkenntnis (Bahuvrīhi; Lok.Pl.; Nom.Sg.)
yo budhyate hy ātmahitaṃ kadā ca na
und der nie das eigene Wohl erkennt (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
sa sarvabhāvānugatena cetasā
er, mit allen Zuständen folgendem Geist (Nom.Sg.; Instr.Sg.)
nṛpāmiṣeṇeva jhaṣo vikṛṣyate
wie ein Fisch durch Köder, o König, wird er fortgezogen (Instr.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Pass.)
nṛpāmiṣeṇa: nṛpa-āmiṣa; Deutung „o König, durch den Köder“ (nṛpa Vokativ) oder „durch Köder des Königs“; Wiedergabe unsicher. [?]
Die Welt der Sterblichen ist eine [bloße] Ansammlung, [nur] gegenseitig gestützt, im Kern so wertlos wie der Bananenstamm; wie ein Schiff sinkt sie in den Wassern unter.
Wort für Wort
saṃghātavān martyalokaḥ
die Welt der Sterblichen, aus Zusammengesetztem bestehend (Nom.Sg.; Adj.)
parasparam apāśritaḥ
einander gegenseitig gestützt / ohne [festen] Halt (Adv.; PPP Nom.Sg.)
kadalīgarbhaniḥsāraḥ
kernlos wie das Innere der Banane (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
naur ivāpsu nimajjati
wie ein Schiff in den Wassern sinkt er unter (Nom.Sg.f.; Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.)
apāśritaḥ kann auch „ohne Halt“ bedeuten; Lesart unsicher. [?]
na dharmakālaḥ puruṣasya niścito; na cāpi mṛtyuḥ puruṣaṃ pratīkṣate; kriyā hi dharmasya sadaiva śobhanā; yadā naro mṛtyumukhe 'bhivartate
Eine [feste] Zeit für das Dharma ist beim Menschen nicht bestimmt, und auch der Tod wartet nicht auf den Menschen; das Handeln im Dharma ist stets schön, wenn der Mensch dem Rachen des Todes entgegengeht.
Wort für Wort
na dharmakālaḥ puruṣasya niścitaḥ
für den Menschen ist keine feste Zeit des Dharma bestimmt (Nom.Sg.; Gen.Sg.; PPP)
na cāpi mṛtyuḥ puruṣaṃ pratīkṣate
und auch der Tod wartet nicht auf den Menschen (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
kriyā hi dharmasya sadaiva śobhanā
denn das Handeln des Dharma ist stets schön (Nom.Sg.f.; Gen.Sg.; Adj.)
yadā naro mṛtyumukhe 'bhivartate
wenn der Mensch im Rachen des Todes sich befindet/darauf zugeht (Nom.Sg.; Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
Der Tod wird als in der Geburt [enthalten] gesagt, und die Geburt ruht wahrlich im Tod; wer die Lehren der Erlösung nicht kennt, gefesselt, dreht sich wie ein Rad.
Wort für Wort
maraṇaṃ janmani proktaṃ
der Tod ist in der Geburt [angelegt] gesagt (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; PPP)
janma vai maraṇāśritam
die Geburt ruht wahrlich im Tod (Nom.Sg.n.; Kompositum PPP)
avidvān mokṣadharmeṣu
der, der die Erlösungslehren nicht kennt (Nom.Sg.; Lok.Pl.)
baddho bhramati cakravat
gefesselt dreht er sich wie ein Rad (PPP; 3.Sg.Präs.; Adv.)
yathā mṛṇālo 'nugatam āśu muñcati kardamam; tathātmā puruṣasyeha manasā parimucyate; manaḥ praṇayate ''tmānaṃ sa enam abhiyuñjati
Wie ein Lotusstängel den anhaftenden Schlamm rasch abwirft, so wird das Selbst des Menschen hier durch den Geist völlig befreit; der Geist führt das Selbst [hin], dieses [Selbst] bindet ihn [wieder an].
Wort für Wort
yathā mṛṇālo 'nugatam āśu muñcati kardamam
wie ein Lotusstängel den anhaftenden Schlamm rasch abstreift (Nom.Sg.; PPP Akk.; Adv.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
tathātmā puruṣasyeha
so das Selbst des Menschen hier (Nom.Sg.; Gen.Sg.; Adv.)
manasā parimucyate
wird durch den Geist ganz befreit (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.Pass.)
manaḥ praṇayate 'tmānam
der Geist führt das Selbst (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.)
sa enam abhiyuñjati
dieses/er bindet/lenkt ihn (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Letzter Halbvers dunkel; Subjektwechsel sa – enam nicht sicher aufzulösen. [?]
parārthe vartamānas tu svakāryaṃ yo 'bhimanyate; indriyārtheṣu saktaḥ san svakāryāt parihīyate
Wer aber im Dienste eines anderen handelt [und] dabei [das]als sein Eigenes ansieht, und an Sinnesobjekten haftet, der wird um sein eigentliches Ziel gebracht.
Wort für Wort
parārthe vartamānas tu
wer aber für fremden Zweck tätig ist (Lok.Sg.; Part.Präs.Med.)
svakāryaṃ yo 'bhimanyate
wer [dies] als sein eigenes Geschäft ansieht (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
indriyārtheṣu saktaḥ san
an den Sinnesobjekten haftend seiend (Lok.Pl.; PPP; Part.Präs.)
svakāryāt parihīyate
wird um sein Eigenes/Ziel gebracht (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.Pass.)
Deutung „für Fremdes tätig, hält es für sein Ziel“ unsicher. [?]
Nach unten die Bahn der Tiere, im Himmel aber die höchste Bahn: dies erlangt das Selbst durch eigene Taten, beim Weisen wie beim Anderen [Nichtweisen].
Wort für Wort
adhas tiryaggatiṃ caiva
nach unten den Weg der Tiere (Adv.; Akk.Sg.f.)
svarge caiva parāṃ gatim
und im Himmel den höchsten Weg (Lok.Sg.; Akk.Sg.f.)
prāpnoti svakṛtair ātmā
erlangt durch selbstgetane [Taten] das Selbst (3.Sg.Präs.; Instr.Pl.; Nom.Sg.)
prājñasyehetarasya ca
beim Weisen hier und beim anderen (Gen.Sg.; Gen.Sg.)
Wie in einem gebrannten Tongefäß eine Flüssigkeit aufbewahrt wird, so genießt der durch Askese erhitzte Körper das Sinnesobjekt [und wird nicht zerstört].
Wort für Wort
mṛnmaye bhājane pakve
in einem tönernen gebrannten Gefäß (Lok.Sg.; PPP)
yathā vai nyasyate dravaḥ
wie eine Flüssigkeit hineingelegt wird (3.Sg.Präs.Pass.; Nom.Sg.)
tathā śarīraṃ tapasā taptaṃ
so der durch Askese erhitzte Körper (Nom.Sg.n.; Instr.Sg.; PPP)
viṣayam aśnute
erlangt/genießt das Objekt (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
viṣayān aśnute yas tu na sa bhokṣyaty asaṃśayam; yas tu bhogāṃs tyajed ātmā sa vai bhoktuṃ vyavasyati
Wer die Sinnesobjekte genießt, wird ohne Zweifel nicht [wirklich] genießen; wer aber, als Selbst, die Genüsse aufgibt, der ist wahrlich entschlossen zu genießen.
Wort für Wort
viṣayān aśnute yas tu
wer aber die Sinnesobjekte genießt (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
na sa bhokṣyaty asaṃśayam
der wird nicht genießen, ohne Zweifel (3.Sg.Fut.; Adv.)
yas tu bhogāṃs tyajed ātmā
wer aber als Selbst die Genüsse aufgäbe (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.)
sa vai bhoktuṃ vyavasyati
der ist wahrlich entschlossen zu genießen (Inf.; 3.Sg.Präs.)
Wie ein Kaufmann aus dem Meer den Reichtum je nach [Einsatz und] Sache erlangt, so [erlangt] das Lebewesen im Ozean der Sterblichen [seinen] Weg durch die Kenntnis des Handelns.
Wort für Wort
vaṇig yathā samudrād vai
wie ein Kaufmann aus dem Meer (Nom.Sg.; Abl.Sg.)
yathārthaṃ labhate dhanam
erlangt je nach Zweck/Einsatz den Reichtum (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.)
tathā martyārṇave jantoḥ
so im Ozean der Sterblichen des Lebewesens (Lok.Sg.; Gen.Sg.)
karmavijñānato gatiḥ
aus der Kenntnis des Handelns [kommt] der Weg (Abl.-Adv. Tatpuruṣa; Nom.Sg.f.)
na hy anyat tīram āsādya punas tartuṃ vyavasyati; durlabho dṛśyate hy asya vinipāto mahārṇave
Denn wer ein [anderes] Ufer erreicht hat, entschließt sich nicht, wieder [hin]überzusetzen; ein Untergang [dessen, der ins Wasser fiel] ist im großen Meer, so sieht man, schwer [wieder gutzumachen] für ihn.
Wort für Wort
na hy anyat tīram āsādya
denn wer ein anderes Ufer erreicht hat, nicht (Akk.Sg.n.; Abs.)
punas tartuṃ vyavasyati
entschließt sich wieder überzusetzen (Adv.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
durlabho dṛśyate hy asya
schwer zu erlangen erscheint fürwahr ihm (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Pass.; Gen.Sg.)
Wie auf allen Seiten um das Meer die übrigen Flüsse verwoben sind, so wird die ursprüngliche Natur [prakṛti] durch [ihre] Verbindung stets [mit anderem] verwoben.
Wort für Wort
yathā samudram abhitaḥ
wie rings um das Meer (Akk.Sg.; Adv.)
saṃsyūtāḥ sarito 'parāḥ
zusammengenäht/verwoben die übrigen Flüsse (PPP Nom.Pl.; Nom.Pl.; Adj.)
tathādyā prakṛtir yogāt
so die ursprüngliche Natur durch Verbindung (Nom.Sg.f.; Abl.Sg.)
śarīragṛhasaṃsthasya śaucatīrthasya dehinaḥ; buddhimārgaprayātasya sukhaṃ tv iha paratra ca
Für den Verkörperten, der im Haus des Körpers weilt, dessen Heilsfurt die Reinheit ist und der den Weg der Erkenntnis gegangen ist, [gibt es] Glück hier und im Jenseits.
Wort für Wort
śarīragṛhasaṃsthasya
für den im Haus des Körpers Weilenden (Gen.Sg.)
śaucatīrthasya dehinaḥ
des Verkörperten, dessen Furt die Reinheit ist (Bahuvrīhi Gen.Sg.; Gen.Sg.)
Ausdehnungen sind mit Leid verbunden, Beschränkungen aber bringen Glück; alles Ausgedehnte dient fremdem Zweck; Verzicht kennen sie als das dem Selbst Heilsame.
Wort für Wort
vistarāḥ kleśasaṃyuktāḥ
Ausdehnungen sind mit Leid verbunden (Nom.Pl.; Adj.)
saṃkṣepās tu sukhāvahāḥ
Beschränkungen aber bringen Glück (Nom.Pl.; Adj.)
parārthaṃ vistarāḥ sarve
zu fremdem Zweck sind alle Ausdehnungen (Adj./Adv.; Nom.Pl.)
tyāgam ātmahitaṃ viduḥ
Verzicht als für das Selbst heilsam kennen sie (Akk.Sg.; Akk.Sg.n.; 3.Pl.Perf.)
na mātā na pitā kiṃ cit kasya cit pratipadyate; dānapathyodano jantuḥ svakarmaphalam aśnute
Weder Mutter noch Vater verschaffen jemandem irgendetwas; nur wer Almosen als Reisezehrung mitführt, das Lebewesen, genießt die Frucht seines eigenen Handelns.
Wort für Wort
na mātā na pitā kiṃ cit
weder Mutter noch Vater irgendetwas (Nom.Sg.; Nom.Sg.; Akk.Sg.n.)
Alle früher getanen Taten, gute und schlechte, gehen zu dem Lebewesen [nach]; und wenn er die anstehende Tatfrucht erkannt hat, so treibt der innere Lenker den Verstand an.
Wort für Wort
sarvāṇi karmāṇi purā kṛtāni
alle früher getanen Taten (Nom.Pl.n.; Adv.; PPP)
śubhāśubhāny ātmano yānti jantoḥ
gute und üble, des Selbst, gehen zum Lebewesen (Nom.Pl.n.; Gen.Sg.; 3.Pl.Präs.; Gen./Dat.Sg.)
upasthitaṃ karmaphalaṃ viditvā
die bevorstehende Tatfrucht erkannt habend (PPP Akk.; Abs.)
buddhiṃ tathā codayate 'ntarātmā
ebenso treibt an den Verstand der innere Selbst (Akk.Sg.; Adv.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
āstikyavyavasāyābhyām upāyād vismayād dhiyā; yam ārabhaty anindyātmā na so 'rthaḥ parisīdati
Was ein Untadeliger mit Glauben an [das Jenseits] und Entschlossenheit, durch [rechte] Mittel, mit Staunen [Sammlung?] und Verstand unternimmt, dieses Ziel geht nicht zugrunde.
Wort für Wort
āstikyavyavasāyābhyām
durch Glauben und Entschlossenheit (Instr.Du.)
upāyād vismayād dhiyā
durch Mittel, durch Staunen [?], durch Verstand (Abl.Sg.; Abl.Sg.; Instr.Sg.)
yam ārabhaty anindyātmā
was der Untadelige unternimmt (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
na so 'rthaḥ parisīdati
dieses Ziel geht nicht zugrunde (Nom.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Jedes Lebewesen erlangt bestimmt seine guten und schlechten Taten selbst schon vom Mutterleib an, beides, was es früher getan hat; der Tod, unabwendbar, gleich in seinem Gang, durch die Zeit [herbeigeführt], würde es dem Ende des Handelns zuführen, wie man ein Holzstück zu Pulver zermahlt, mit Steinkern gemacht.
Wort für Wort
sarvaḥ svāni śubhāśubhāni niyataṃ
jeder seine guten und üblen [Taten] gewiss (Nom.Sg.; Akk.Pl.n.; Adv.)
karmāṇi jantuḥ svayaṃ
das Lebewesen selbst die Taten (Akk.Pl.; Nom.Sg.; Adv.)
garbhāt saṃpratipadyate tad ubhayaṃ
vom Mutterleib an erlangt es beides (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
yat tena pūrvaṃ kṛtam
was von ihm früher getan wurde (PPP; Instr.Sg.)
mṛtyuś cāparihāravān samagatiḥ
und der unabwendbare, gleichgängige Tod (Nom.Sg.; Adj.)
kālena viccheditā
durch die Zeit abgeschnitten (Instr.Sg.; PPP)
dāroś cūrṇam ivāśmasāravihitaṃ
wie Pulver von Holz, mit Steinkern gemacht (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Adv.; PPP)
karmāntikaṃ prāpayet
würde ans Ende der Taten bringen (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
Zweite Vershälfte und Bild (dāroś cūrṇam aśmasāravihitam) sind dunkel und vermutlich verderbt; Deutung unsicher. [?]
svarūpatām ātmakṛtaṃ ca vistaraṃ; kulānvayaṃ dravyasamṛddhisaṃcayam; naro hi sarvo labhate yathākṛtaṃ; śubhāśubhenātmakṛtena karmaṇā
Gestalt [Schönheit], das selbstgeschaffene Ausmaß, Herkunft der Familie, Anhäufung von Besitz und Wohlstand: all das erlangt jeder Mensch, wie er es [früher] getan hat, durch sein selbst getanes gutes oder schlechtes Handeln.
Wort für Wort
svarūpatām ātmakṛtaṃ ca vistaraṃ
Schönheit und das selbstgeschaffene Ausmaß (Akk.Sg.f.; PPP Akk.Sg.; Akk.Sg.)
kulānvayaṃ dravyasamṛddhisaṃcayam
Abkunft der Familie, Anhäufung von Reichtum und Wohlstand (Akk.Sg.; Akk.Sg.)
naro hi sarvo labhate yathākṛtaṃ
jeder Mensch erlangt es, wie es getan ist (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Adv.)
śubhāśubhenātmakṛtena karmaṇā
durch selbstgetanes gutes und schlechtes Handeln (Instr.Sg.)