Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 332: puruṣottamadarśanam Nara und Nārāyaṇa erklären Nāradas Vision und den Weg der Erlösung

Nara und Nārāyaṇa deuten Nāradas Erscheinung des höchsten Purusha, erläutern die aus ihm entstandenen Grundeigenschaften der Elemente und den Stufenweg der Erlösung über das Sonnentor und die vier Vyūha-Gestalten bis zu Vāsudeva. Am Ende begibt sich Nārada in ihrer Einsiedelei zu jahrtausendlanger Askese.

naranārāyaṇāv ūcatuḥ; dhanyo 'sy anugṛhīto 'si yat te dṛṣṭaḥ svayaṃ prabhuḥ; na hi taṃ dṛṣṭavān kaś cit padmayonir api svayam

Nara und Nārāyaṇa sprachen: „Glücklich bist du, begünstigt bist du, dass du selbst den Herrn gesehen hast; denn ihn hat niemand gesehen, nicht einmal der Lotusgeborene selbst.

Wort für Wort
naranārāyaṇāv ūcatuḥ
Nara und Nārāyaṇa (Nom.Du.) sprachen (3.Du.Perf.)
dhanyo 'sy
glücklich bist du (Nom.Sg./2.Sg.Präs.)
anugṛhīto 'si
begünstigt bist du (PPP Nom.Sg./2.Sg.Präs.)
yat te dṛṣṭaḥ svayaṃ prabhuḥ
weil von dir der Herr selbst gesehen wurde (Instr./PPP Nom./Nom.)
na hi taṃ dṛṣṭavān kaś cit
denn niemand hat ihn gesehen (Neg./Akk./PPA Nom./Nom.)
padmayonir api svayam
der Lotusgeborene selbst auch nicht (Nom.)

avyaktayonir bhagavān durdarśaḥ puruṣottamaḥ; nāradaitad dhi te satyaṃ vacanaṃ samudāhṛtam

Der Erhabene, dessen Ursprung unmanifest ist, der höchste Purusha, ist schwer zu erblicken, o Nārada; wahrlich, dieses Wort, das du gesprochen hast, ist wahr.

Wort für Wort
avyaktayonir bhagavān
der Erhabene, dessen Ursprung unmanifest ist (Nom.Sg.)
durdarśaḥ puruṣottamaḥ
schwer zu erblicken, der höchste Purusha (Nom.Sg.)
nārada
o Nārada (Vok.)
etad dhi te
dies wahrlich, von dir (Nom./Gen.)
satyaṃ vacanaṃ
das wahre Wort (Nom./Nom.)
samudāhṛtam
ist ausgesprochen worden (PPP Nom.Sg.)

nāsya bhaktaiḥ priyataro loke kaś cana vidyate; tataḥ svayaṃ darśitavān svam ātmānaṃ dvijottama

Es gibt in der Welt niemanden, der ihm lieber ist als seine Verehrer; deshalb hat er dir selbst sein eigenes Wesen gezeigt, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
nāsya bhaktaiḥ
nicht ihm, mehr als die Verehrer (Gen./Instr.Pl.)
priyataro loke
lieber in der Welt (Nom.Kompar./Lok.)
kaś cana vidyate
irgendjemand gibt es (Nom./3.Sg.Präs.Med.)
tataḥ svayaṃ
deshalb, selbst (Adv.)
darśitavān
hat gezeigt (PPA Nom.Sg.)
svam ātmānaṃ
sein eigenes Selbst (Akk.)
dvijottama
o Bester der Zweifachgeborenen (Vok.)

tapo hi tapyatas tasya yat sthānaṃ paramātmanaḥ; na tat saṃprāpnute kaś cid ṛte hy āvāṃ dvijottama

Denn nur durch die Askese des Übenden [gelangt man zu] jenem Reich des höchsten Selbst; das erreicht niemand außer uns beiden, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tapo hi tapyatas tasya
denn die Askese des Übenden (Nom./Gen.Ptz./Gen.)
yat sthānaṃ paramātmanaḥ
welcher Ort des höchsten Selbst (Nom./Nom./Gen.)
na tat saṃprāpnute
das erreicht nicht (Neg./Akk./3.Sg.Präs.)
kaś cid ṛte
irgendjemand, außer (Nom./Präp.)
hy āvāṃ dvijottama
wir beide, o Bester der Zweifachgeborenen (Akk.Du./Vok.)

tapyataḥ tasya als Genitiv des Übenden gedeutet, nicht als Eigenname; die Ergänzung des Verbs in Pāda 1 ist sinngemäß.

yā hi sūryasahasrasya samastasya bhaved dyutiḥ; sthānasya sā bhavet tasya svayaṃ tena virājatā

Welcher Glanz von tausend Sonnen zusammen wäre – das wäre der Glanz jenes Ortes, durch ihn selbst, der da strahlt.

Wort für Wort
yā hi sūryasahasrasya
welcher denn von tausend Sonnen (Nom.f./Gen.)
samastasya bhaved dyutiḥ
von der Gesamtheit wäre der Glanz (Gen./3.Sg.Opt./Nom.)
sthānasya sā bhavet tasya
das wäre der [Glanz] jenes Ortes (Gen./Nom./3.Sg.Opt./Gen.)
svayaṃ tena virājatā
durch ihn selbst, der strahlt (Adv./Instr./Ptz.Instr.)

tasmād uttiṣṭhate vipra devād viśvabhuvaḥ pateḥ; kṣamā kṣamāvatāṃ śreṣṭha yayā bhūmis tu yujyate

Daraus, o Weiser, entsteht von jenem Gott, dem Herrn der Weltentstehung, die Geduld, o Bester der Geduldigen, durch die die Erde [ihre Eigenschaft] erhält.

Wort für Wort
tasmād uttiṣṭhate vipra
daraus entsteht, o Weiser (Abl./3.Sg.Präs.Med./Vok.)
devād viśvabhuvaḥ pateḥ
von dem Gott, dem Herrn der Weltentstehung (Abl./Gen./Gen.)
kṣamā kṣamāvatāṃ śreṣṭha
die Geduld, o Bester der Geduldigen (Nom./Gen.Pl./Vok.)
yayā bhūmis tu yujyate
durch die die Erde ausgestattet wird (Instr.f./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

tasmāc cottiṣṭhate devāt sarvabhūtahito rasaḥ; āpo yena hi yujyante dravatvaṃ prāpnuvanti ca

Und daraus entsteht von dem Gott der Geschmack, der allen Wesen zugute kommt, durch den die Gewässer [ihre Eigenschaft] erhalten und Flüssigkeit erlangen.

Wort für Wort
tasmāc cottiṣṭhate devāt
und daraus entsteht von dem Gott (Abl./3.Sg.Präs./Abl.)
sarvabhūtahito rasaḥ
der allen Wesen zugute kommende Geschmack (Nom.)
āpo yena hi yujyante
die Gewässer, durch den sie ausgestattet werden (Nom.Pl./Instr./3.Pl.Präs.Pass.)
dravatvaṃ prāpnuvanti ca
und Flüssigkeit erlangen (Akk./3.Pl.Präs.)

tasmād eva samudbhūtaṃ tejo rūpaguṇātmakam; yena sma yujyate sūryas tato lokān virājate

Aus ihm selbst entstand der Glanz, dessen Wesen die Eigenschaft der Form ist, durch den die Sonne [ihre Eigenschaft] erhält und daher über die Welten strahlt.

Wort für Wort
tasmād eva samudbhūtaṃ
aus ihm selbst entstanden (Abl./PPP Nom.)
tejo rūpaguṇātmakam
der Glanz, dessen Wesen die Eigenschaft der Form ist (Nom.)
yena sma yujyate sūryas
durch den die Sonne ausgestattet wird (Instr./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)
tato lokān virājate
daher strahlt er über die Welten (Adv./Akk.Pl./3.Sg.Präs.)

tasmād devāt samudbhūtaḥ sparśas tu puruṣottamāt; yena sma yujyate vāyus tato lokān vivāty asau

Aus jenem Gott, dem höchsten Purusha, entstand die Berührung; durch die der Wind [seine Eigenschaft] erhält und daher die Welten durchweht.

Wort für Wort
tasmād devāt samudbhūtaḥ
aus jenem Gott entstanden (Abl./Abl./Nom.PPP)
sparśas tu puruṣottamāt
die Berührung aber vom höchsten Purusha (Nom./Abl.)
yena sma yujyate vāyus
durch die der Wind ausgestattet wird (Instr./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)
tato lokān vivāty asau
daher durchweht er die Welten (Adv./Akk.Pl./3.Sg.Präs./Nom.)

tasmāc cottiṣṭhate śabdaḥ sarvalokeśvarāt prabhoḥ; ākāśaṃ yujyate yena tatas tiṣṭhaty asaṃvṛtam

Und daraus entsteht von dem Herrn, dem Gebieter aller Welten, der Klang, durch den der Äther [seine Eigenschaft] erhält und dadurch unverdeckt besteht.

Wort für Wort
tasmāc cottiṣṭhate śabdaḥ
und daraus entsteht der Klang (Abl./3.Sg.Präs./Nom.)
sarvalokeśvarāt prabhoḥ
von dem Herrn aller Welten (Abl./Abl.)
ākāśaṃ yujyate yena
der Äther wird ausgestattet, durch den (Nom./3.Sg.Präs.Pass./Instr.)
tatas tiṣṭhaty asaṃvṛtam
dadurch besteht er unverdeckt (Adv./3.Sg.Präs./Nom.Adj.)

tasmāc cottiṣṭhate devāt sarvabhūtagataṃ manaḥ; candramā yena saṃyuktaḥ prakāśaguṇadhāraṇaḥ

Und daraus entsteht von dem Gott der Geist, der in allen Wesen wohnt, durch den der Mond verbunden ist, der die Eigenschaft des Leuchtens trägt.

Wort für Wort
tasmāc cottiṣṭhate devāt
und daraus entsteht von dem Gott (Abl./3.Sg.Präs./Abl.)
sarvabhūtagataṃ manaḥ
der in allen Wesen befindliche Geist (Nom.)
candramā yena saṃyuktaḥ
der Mond, durch den verbunden (Nom./Instr./PPP Nom.)
prakāśaguṇadhāraṇaḥ
der die Eigenschaft des Leuchtens trägt (Nom.)

ṣaḍbhūtotpādakaṃ nāma tat sthānaṃ vedasaṃjñitam; vidyāsahāyo yatrāste bhagavān havyakavyabhuk

Jener Ort, der die sechs Elemente hervorbringt, wird Veda genannt; dort verweilt, von Wissen begleitet, der Erhabene, der Genießer der Opfergaben für Götter und Ahnen.

Wort für Wort
ṣaḍbhūtotpādakaṃ nāma
der Erzeuger der sechs Elemente, genannt (Nom./Adv.)
tat sthānaṃ vedasaṃjñitam
jener Ort, der Veda bezeichnet wird (Nom./Nom.PPP)
vidyāsahāyo yatrāste
von Wissen begleitet, wo weilt (Nom./Adv.+3.Sg.Präs.)
bhagavān havyakavyabhuk
der Erhabene, der Genießer der Götter- und Ahnenopfer (Nom./Nom.)

ye hi niṣkalmaṣā loke puṇyapāpavivarjitāḥ; teṣāṃ vai kṣemam adhvānaṃ gacchatāṃ dvijasattama; sarvalokatamohantā ādityo dvāram ucyate

Für jene, die in der Welt fehlerlos sind, frei von Verdienst und Sünde, die den sicheren Weg gehen, o Bester der Zweifachgeborenen – für sie wird Āditya, der die Finsternis aller Welten vertreibt, als Tor bezeichnet.

Wort für Wort
ye hi niṣkalmaṣā loke
die denn fehlerlosen in der Welt (Nom.Pl./Lok.)
puṇyapāpavivarjitāḥ
die frei von Verdienst und Sünde sind (Nom.Pl.)
teṣāṃ vai kṣemam adhvānaṃ
für sie den sicheren Weg (Gen.Pl./Akk./Akk.)
gacchatāṃ dvijasattama
die gehen, o Bester der Zweifachgeborenen (Gen.Pl.Ptz./Vok.)
sarvalokatamohantā ādityo
Āditya, der die Finsternis aller Welten vertreibt (Nom./Nom.)
dvāram ucyate
wird als Tor bezeichnet (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

jvālāmālī mahātejā yenedaṃ dhāryate jagat

Er, der einen Kranz von Flammen trägt, von großer Glut, durch den diese Welt getragen wird.

Wort für Wort
jvālāmālī
der mit einem Kranz von Flammen (Nom.)
mahātejā
der von großer Glut (Nom.)
yenedaṃ dhāryate
durch den diese getragen wird (Instr./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
jagat
die Welt (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star), setzt die Beschreibung des Āditya aus dem vorigen Vers fort.

ādityadagdhasarvāṅgā adṛśyāḥ kena cit kva cit; paramāṇubhūtā bhūtvā tu taṃ devaṃ praviśanty uta

Nachdem all ihre Glieder von der Sonne verbrannt wurden, für niemanden irgendwo mehr sichtbar, werden sie zu feinsten Teilchen und betreten jenen Gott.

Wort für Wort
ādityadagdhasarvāṅgā
deren sämtliche Glieder von der Sonne verbrannt sind (Nom.Pl.)
adṛśyāḥ kena cit kva cit
unsichtbar für irgendjemanden irgendwo (Nom.Pl./Instr./Adv.)
paramāṇubhūtā bhūtvā tu
nachdem sie aber zu feinsten Teilchen geworden sind (Nom.Pl./Ger.)
taṃ devaṃ praviśanty uta
betreten jenen Gott (Akk./3.Pl.Präs.)

tasmād api vinirmuktā aniruddhatanau sthitāḥ; manobhūtās tato bhūyaḥ pradyumnaṃ praviśanty uta

Von ihm wieder entlassen, weilen sie im Leib des Aniruddha, zu Geist geworden; von dort betreten sie weiterhin den Pradyumna.

Wort für Wort
tasmād api vinirmuktā
von ihm auch befreit (Abl./Nom.Pl.PPP)
aniruddhatanau sthitāḥ
im Leib des Aniruddha weilend (Lok./Nom.Pl.)
manobhūtās tato bhūyaḥ
zu Geist geworden, von dort weiter (Nom.Pl./Adv.)
pradyumnaṃ praviśanty uta
betreten den Pradyumna (Akk./3.Pl.Präs.)

pradyumnāc cāpi nirmuktā jīvaṃ saṃkarṣaṇaṃ tathā; viśanti viprapravarāḥ sāṃkhyā bhāgavataiḥ saha

Und von Pradyumna befreit, betreten sie ebenso das Lebensprinzip [namens] Saṃkarṣaṇa – die vorzüglichsten der Weisen, die Sāṃkhyas zusammen mit den Bhāgavatas.

Wort für Wort
pradyumnāc cāpi nirmuktā
und von Pradyumna auch befreit (Abl./Nom.Pl.)
jīvaṃ saṃkarṣaṇaṃ tathā
das Lebensprinzip Saṃkarṣaṇa ebenso (Akk./Akk.)
viśanti viprapravarāḥ
betreten die vorzüglichsten der Weisen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
sāṃkhyā bhāgavataiḥ saha
die Sāṃkhyas zusammen mit den Bhāgavatas (Nom.Pl./Instr.Pl.)

tatas traiguṇyahīnās te paramātmānam añjasā; praviśanti dvijaśreṣṭha kṣetrajñaṃ nirguṇātmakam; sarvāvāsaṃ vāsudevaṃ kṣetrajñaṃ viddhi tattvataḥ

Dann betreten sie, frei von den drei Guṇas, geradewegs den höchsten Selbst, o Bester der Zweifachgeborenen, den Feldkenner, dessen Wesen eigenschaftslos ist; wisse in Wahrheit: Vāsudeva, die Wohnstatt aller, ist der Feldkenner.

Wort für Wort
tatas traiguṇyahīnās te
dann sie, frei von den drei Guṇas (Adv./Nom.Pl./Nom.Pl.)
paramātmānam añjasā
den höchsten Selbst geradewegs (Akk./Adv.)
praviśanti dvijaśreṣṭha
betreten, o Bester der Zweifachgeborenen (3.Pl.Präs./Vok.)
kṣetrajñaṃ nirguṇātmakam
den Feldkenner, dessen Wesen eigenschaftslos ist (Akk.)
sarvāvāsaṃ vāsudevaṃ
Vāsudeva, die Wohnstatt aller (Akk./Akk.)
kṣetrajñaṃ viddhi tattvataḥ
wisse in Wahrheit als den Feldkenner (Akk./2.Sg.Imp./Adv.)

samāhitamanaskāś ca niyatāḥ saṃyatendriyāḥ; ekāntabhāvopagatā vāsudevaṃ viśanti te

Und mit gesammeltem Geist, gezügelt, mit gebändigten Sinnen, zur Hingabe an das Eine gelangt, betreten sie Vāsudeva.

Wort für Wort
samāhitamanaskāś ca
und mit gesammeltem Geist (Nom.Pl.)
niyatāḥ saṃyatendriyāḥ
gezügelt, mit gebändigten Sinnen (Nom.Pl.)
ekāntabhāvopagatā
zur Hingabe an das Eine gelangt (Nom.Pl.)
vāsudevaṃ viśanti te
sie betreten Vāsudeva (Akk./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

āvām api ca dharmasya gṛhe jātau dvijottama; ramyāṃ viśālām āśritya tapa ugraṃ samāsthitau

Auch wir beide, im Haus des Dharma geboren, o Bester der Zweifachgeborenen, haben eine liebliche, weite [Stätte] aufgesucht und uns strenger Askese unterzogen.

Wort für Wort
āvām api ca
auch wir beide (Nom.Du.)
dharmasya gṛhe jātau
im Haus des Dharma geboren (Gen./Lok./Nom.Du.PPP)
dvijottama
o Bester der Zweifachgeborenen (Vok.)
ramyāṃ viśālām āśritya
eine liebliche, weite [Stätte] aufsuchend (Akk./Akk./Ger.)
tapa ugraṃ samāsthitau
uns strenger Askese hingebend (Akk./Nom.Du.Ptz.)

Das Bezugswort zu ramyāṃ viśālām ist im Sanskrit nicht genannt; sinngemäß als Ort/Stätte ergänzt.

ye tu tasyaiva devasya prādurbhāvāḥ surapriyāḥ; bhaviṣyanti trilokasthās teṣāṃ svastīty ato dvija

Doch die Erscheinungsformen jenes selben Gottes, die den Göttern lieb sind und die künftig in den drei Welten entstehen werden – ihnen sei Heil, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
ye tu tasyaiva devasya
die aber jenes selben Gottes (Nom.Pl./Gen.)
prādurbhāvāḥ surapriyāḥ
Erscheinungsformen, den Göttern lieb (Nom.Pl.)
bhaviṣyanti trilokasthās
künftig sein werden, in den drei Welten weilend (3.Pl.Fut./Nom.Pl.)
teṣāṃ svastīty ato dvija
ihnen sei Heil, so, deshalb, o Zweifachgeborener (Gen.Pl./Nom./Adv./Vok.)

vidhinā svena yuktābhyāṃ yathāpūrvaṃ dvijottama; āsthitābhyāṃ sarvakṛcchraṃ vrataṃ samyak tad uttamam

Wir beide, ausgestattet mit der uns eigenen Ordnung wie zuvor, o Bester der Zweifachgeborenen, haben uns in rechter Weise dem höchst schwierigen, vorzüglichen Gelübde unterzogen.

Wort für Wort
vidhinā svena yuktābhyāṃ
mit der eigenen Ordnung ausgestattet, wir beide (Instr./Instr./Instr.Du.)
yathāpūrvaṃ dvijottama
wie zuvor, o Bester der Zweifachgeborenen (Adv./Vok.)
āsthitābhyāṃ sarvakṛcchraṃ vrataṃ
wir beide, die uns unterzogen haben, dem höchst schwierigen Gelübde (Instr.Du./Akk./Akk.)
samyak tad uttamam
in rechter Weise, jenem vorzüglichen (Adv./Akk./Akk.)

Die Dual-Instrumentalformen (yuktābhyām, āsthitābhyām) knüpfen sinngemäß an āvām aus Vers 19 an.

svārthena vidhinā yuktaḥ sarvakṛcchravrate sthitaḥ

Verbunden mit der dem eigenen Zweck dienenden Ordnung, verharrte [jeder von uns][?] im höchst schwierigen Gelübde.

Wort für Wort
svārthena vidhinā yuktaḥ
verbunden mit der dem eigenen Zweck dienenden Ordnung (Instr./Instr./Nom.PPP)
sarvakṛcchravrate sthitaḥ
verharrend im höchst schwierigen Gelübde (Lok./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); die Sanskrit-Formen stehen im Singular, obwohl der Kontext von beiden (Nara und Nārāyaṇa) spricht - Ergänzung markiert.

āvābhyām api dṛṣṭas tvaṃ śvetadvīpe tapodhana; samāgato bhagavatā saṃjalpaṃ kṛtavān yathā

Auch von uns beiden wurdest du gesehen, auf der Weißen Insel, o du Schatz der Askese, wie du, mit dem Erhabenen zusammengetroffen, ein Gespräch geführt hast.

Wort für Wort
āvābhyām api dṛṣṭas tvaṃ
auch von uns beiden gesehen, du (Instr.Du./Nom.PPP/Nom.)
śvetadvīpe tapodhana
auf der Weißen Insel, o Schatz der Askese (Lok./Vok.)
samāgato bhagavatā
mit dem Erhabenen zusammengetroffen (Nom.PPA/Instr.)
saṃjalpaṃ kṛtavān yathā
wie du ein Gespräch geführt hast (Akk./PPA Nom./Adv.)

sarvaṃ hi nau saṃviditaṃ trailokye sacarācare; yad bhaviṣyati vṛttaṃ vā vartate vā śubhāśubham

Denn uns beiden ist alles bekannt, was in den drei mit Beweglichem und Unbeweglichem [erfüllten] Welten künftig sein wird, geschehen ist oder gerade geschieht, sei es glückverheißend oder unheilvoll.

Wort für Wort
sarvaṃ hi nau saṃviditaṃ
alles ist uns beiden denn bekannt (Nom./Gen.Du./Nom.PPP)
trailokye sacarācare
in den drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem (Lok./Lok.)
yad bhaviṣyati vṛttaṃ vā
was künftig sein wird oder geschehen ist (Nom./3.Sg.Fut./Nom.PPP)
vartate vā śubhāśubham
oder gerade geschieht, glückverheißend oder unheilvoll (3.Sg.Präs./Nom.)

sarvaṃ sa te kathitavān devadevo mahāmune

Das alles hat er dir verkündet, der Gott der Götter, o großer Weiser.“

Wort für Wort
sarvaṃ sa te kathitavān
alles hat er dir verkündet (Akk./Nom./Dat./PPA Nom.)
devadevo mahāmune
der Gott der Götter, o großer Weiser (Nom./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); schließt die wörtliche Rede von Nara und Nārāyaṇa ab.

vaiśaṃpāyana uvāca; etac chrutvā tayor vākyaṃ tapasy ugre 'bhyavartata; nāradaḥ prāñjalir bhūtvā nārāyaṇaparāyaṇaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er dieses Wort der beiden gehört hatte, wandte sich Nārada, die Hände gefaltet, ganz Nārāyaṇa zugewandt, der strengen Askese zu.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
etac chrutvā tayor vākyaṃ
nachdem er dieses Wort der beiden gehört hatte (Akk./Ger./Gen.Du./Akk.)
tapasy ugre 'bhyavartata
wandte er sich der strengen Askese zu (Lok./Lok./3.Sg.Impf.)
nāradaḥ prāñjalir bhūtvā
Nārada, die Hände gefaltet (Nom./Nom./Ger.)
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa zugewandt (Nom.)

jajāpa vidhivan mantrān nārāyaṇagatān bahūn; divyaṃ varṣasahasraṃ hi naranārāyaṇāśrame

Er murmelte vorschriftsgemäß viele auf Nārāyaṇa bezogene Mantras, ein göttliches Jahrtausend lang, in der Einsiedelei von Nara und Nārāyaṇa.

Wort für Wort
jajāpa vidhivan mantrān
er murmelte vorschriftsgemäß Mantras (3.Sg.Perf./Adv./Akk.Pl.)
nārāyaṇagatān bahūn
viele, auf Nārāyaṇa bezogene (Akk.Pl./Akk.Pl.)
divyaṃ varṣasahasraṃ hi
ein göttliches Jahrtausend lang (Akk./Akk./Partikel)
naranārāyaṇāśrame
in der Einsiedelei von Nara und Nārāyaṇa (Lok.)

avasat sa mahātejā nārado bhagavān ṛṣiḥ; tam evābhyarcayan devaṃ naranārāyaṇau ca tau

Dort weilte der hochglanzvolle Nārada, der erhabene Seher, und verehrte eben jenen Gott sowie die beiden, Nara und Nārāyaṇa.

Wort für Wort
avasat sa mahātejā
er weilte, der hochglanzvolle (3.Sg.Impf./Nom./Nom.)
nārado bhagavān ṛṣiḥ
Nārada, der erhabene Seher (Nom./Nom./Nom.)
tam evābhyarcayan devaṃ
eben jenen Gott verehrend (Akk./Ptz.Nom./Akk.)
naranārāyaṇau ca tau
und die beiden, Nara und Nārāyaṇa (Akk.Du./Akk.Du.)

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