Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 221: śrīśakrasaṃvādaḥ Śrī erzählt Indra, warum sie die Dānavas verließ und zu den Göttern kam

Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Frage nach den Vorzeichen von Gedeihen und Untergang das Gespräch der Glücksgöttin Śrī mit Indra in Nāradas Gegenwart: Sie verlässt die Asuras, weil diese ihre Tugenden aufgegeben haben, und wendet sich den Göttern zu.

yudhiṣṭhira uvāca; pūrvarūpāṇi me rājan puruṣasya bhaviṣyataḥ; parābhaviṣyataś caiva tvaṃ me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Die Vorzeichen eines Menschen, der Gedeihen haben wird, und ebenso [die] dessen, der zugrunde gehen wird – sag sie mir, König, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
pūrvarūpāṇi me rājan
die Vorzeichen mir, o König (Akk.Pl.n. / Dat.-Gen. / Vok.)
puruṣasya bhaviṣyataḥ
des Menschen, der sein/gedeihen wird (Gen.Sg., Part.Fut.)
parābhaviṣyataḥ ca eva
und ebenso dessen, der zugrunde gehen wird (Gen.Sg., Part.Fut.)
tvaṃ me brūhi pitāmaha
du sag mir (Imp.2.Sg.), Großvater (Vok.)

bhīṣma uvāca; mana eva manuṣyasya pūrvarūpāṇi śaṃsati; bhaviṣyataś ca bhadraṃ te tathaiva nabhaviṣyataḥ

Bhīṣma sprach: „Der Geist allein verkündet die Vorzeichen des Menschen – sowohl dessen, der Gedeihen haben wird, Heil dir, als auch ebenso dessen, der keines haben wird.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
manaḥ eva manuṣyasya
der Geist allein des Menschen (Nom.Sg.n. / Gen.Sg.)
pūrvarūpāṇi śaṃsati
die Vorzeichen verkündet (Akk.Pl.n., 3.Sg.Präs.)
bhaviṣyataḥ ca bhadraṃ te
und dessen, der gedeihen wird (Gen., Part.Fut.); Heil dir (Nom./Gen.-Dat.)
tathā eva na bhaviṣyataḥ
ebenso dessen, der nicht sein/gedeihen wird (Gen., Part.Fut. mit Negation)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; śriyā śakrasya saṃvādaṃ tan nibodha yudhiṣṭhira

Auch hierzu führt man diese alte Erzählung an: das Gespräch der Śrī mit Śakra. Dieses vernimm, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
atra api udāharanti imam
auch hierbei führen sie an (3.Pl.Präs.), diese (Akk.Sg.m.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.Sg.m.)
śriyā śakrasya saṃvādam
der Śrī und des Śakra Gespräch (Instr./Gen.Sg./Akk.Sg.)
tat nibodha yudhiṣṭhira
dieses vernimm (Imp.2.Sg.), Yudhiṣṭhira (Vok.)

mahatas tapaso vyuṣṭyā paśyaṃl lokau parāvarau; sāmānyam ṛṣibhir gatvā brahmalokanivāsibhiḥ

Durch die Frucht großer Askese die höhere und die niedere Welt schauend, nachdem er mit den in der Brahmawelt wohnenden Sehern Gemeinsamkeit erlangt hatte [?] –

Wort für Wort
mahataḥ tapasaḥ vyuṣṭyā
durch [den Ertrag/die Frucht] großer Askese (Gen.Sg.n. / Instr.Sg.f.)
paśyan
schauend (Part.Präs.Nom.Sg.m.)
lokau parāvarau
die beiden Welten, höhere und niedere (Akk.Du.m.)
sāmānyam ṛṣibhiḥ gatvā
Gemeinsamkeit mit den Sehern erlangt habend (Akk.Sg.n., Instr.Pl., Abs.)
brahmaloka-nivāsibhiḥ
mit den in der Brahmawelt Wohnenden (Instr.Pl., Kompositum)

Bezug: Nārada im folgenden Vers. sāmānyam gatvā: wohl „Gleichstellung/Verkehr mit den Sehern“; vyuṣṭi hier als „Ertrag, Ergebnis“ gedeutet.

brahmaivāmitadīptaujāḥ śāntapāpmā mahātapāḥ; vicacāra yathākāmaṃ triṣu lokeṣu nāradaḥ

Nārada, gleichsam Brahman selbst, von unermesslich leuchtender Kraft, frei von Sünde, ein großer Asket, wanderte nach Belieben durch die drei Welten.

Wort für Wort
brahmā eva amitadīptaojāḥ
gleichsam Brahman selbst, von unermesslich leuchtender Kraft (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
śāntapāpmā mahātapāḥ
dessen Sünde erloschen ist, großer Asket (Nom.Sg.m.)
vicacāra yathākāmam
wanderte umher (Perf.3.Sg.), nach Belieben (Adv.)
triṣu lokeṣu nāradaḥ
in den drei Welten (Lok.Pl.), Nārada (Nom.Sg.)

kadā cit prātar utthāya pispṛkṣuḥ salilaṃ śuci; dhruvadvārabhavāṃ gaṅgāṃ jagāmāvatatāra ca

Eines Tages, am Morgen aufgestanden, ging er, weil er reines Wasser berühren wollte, zur Gaṅgā, die dem Tor des Dhruva entspringt, und stieg [in sie] hinab.

Wort für Wort
kadācit prātar utthāya
eines Tages, morgens aufgestanden (Adv., Abs.)
pispṛkṣuḥ salilaṃ śuci
berühren wollend (Desid.-Adj.Nom.), Wasser, reines (Akk.Sg.n.)
dhruvadvārabhavāṃ gaṅgām
die aus dem Tor des Dhruva Entsprungene, Gaṅgā (Akk.Sg.f.)
jagāma avatatāra ca
ging (Perf.3.Sg.) und stieg hinab (Perf.3.Sg.)

merupādodbhavāṃ gaṅgāṃ nārāyaṇapadacyutām; sa vīkṣamāṇo hṛṣṭātmā taṃ deśam abhijagmivān; yaṃ * devajavā[?nā]kīrṇaṃ sūkṣmakāñcanavālukam; gaṅgādvīpaṃ samāsādya nānāvṛkṣair alaṃkṛtam; sālatālāśvakarṇānāṃ candanānāṃ ca rājibhiḥ; maṇḍitaṃ vividhaiḥ puṣpair haṃsakāraṇḍavāyutam; nadīpulinam āsādya snātvā saṃtarpya devatāḥ; jajāpa japyaṃ dharmātmā tanmayatvena bhāsvatā

Er, die vom Fuß des Meru entsprungene, von Nārāyaṇas Fuß herabgefallene Gaṅgā erblickend, frohen Herzens, gelangte an jene Stelle, die [... Text verderbt ...] mit feinem goldenem Sand [bedeckt war]; er erreichte die Gaṅgā-Insel, mit vielerlei Bäumen geschmückt, mit Reihen von Sāla-, Tāla-, Aśvakarṇa- und Sandelbäumen, verziert mit mannigfachen Blüten, voll von Gänsen und Kāraṇḍava-Enten. Am Flussufer angekommen, badete er, befriedigte die Götter und murmelte das Gebet, der dharmabewusste, ganz in den Strahlenden [Sonne] versunken.

Wort für Wort
merupādodbhavāṃ gaṅgāṃ nārāyaṇapadacyutām
die vom Fuß des Meru entsprungene Gaṅgā, vom Fuß Nārāyaṇas herabgefallen (Akk.Sg.f.)
sa vīkṣamāṇo hṛṣṭātmā
er, erblickend, frohen Herzens (Nom.Sg.m., Part.Präs.)
taṃ deśam abhijagmivān
jene Gegend erreichte er (Akk.Sg.m., Part.Perf. als Verb)
yaṃ * devajavā[?nā]kīrṇaṃ sūkṣmakāñcanavālukam
welche [Lücke; Text verderbt] bestreut, mit feinem Goldsand (Akk./Adj.)
gaṅgādvīpaṃ samāsādya nānāvṛkṣair alaṃkṛtam
die Gaṅgā-Insel erreicht habend, mit vielerlei Bäumen geschmückt (Abs., Instr.Pl.)
sālatālāśvakarṇānāṃ candanānāṃ ca rājibhiḥ
mit Reihen von Sāla-, Tāla-, Aśvakarṇa- und Sandelbäumen (Gen.Pl., Instr.Pl.)
maṇḍitaṃ vividhaiḥ puṣpair haṃsakāraṇḍavāyutam
geschmückt mit mannigfachen Blüten, mit Gänsen und Kāraṇḍavas erfüllt (Part.Akk., Instr.Pl.)
nadīpulinam āsādya snātvā saṃtarpya devatāḥ jajāpa japyaṃ dharmātmā tanmayatvena bhāsvatā
das Flussufer erreicht, gebadet, die Götter befriedigt (Abs.), murmelte das Gebet (Perf.3.Sg.), der dharmabewusste, in Einssein mit dem Strahlenden (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Stelle „yaṃ * devajavā[?nā]kīrṇaṃ“ ist verderbt, die Wiedergabe unsicher.

sahasranayanaś cāpi vajrī śambarapākahā; tasyā devarṣijuṣṭāyās tīram abhyājagāma ha

Auch der Tausendäugige, der Vajra-Träger, Śambaras und Pākas Töter, kam an das Ufer jener von Göttersehern besuchten [Gaṅgā].

Wort für Wort
sahasranayanaḥ ca api
und auch der Tausendäugige (Nom.Sg.m.)
vajrī śambarapākahā
der Vajra-Träger, Töter des Śambara und Pāka (Nom.Sg.m.)
tasyāḥ devarṣijuṣṭāyāḥ
von dieser, von Göttersehern besuchten (Gen.Sg.f.)
tīram abhyājagāma ha
zum Ufer kam (Perf.3.Sg.), fürwahr

tāv āplutya yatātmānau kṛtajapyau samāsatuḥ; nadyāḥ pulinam āsādya sūkṣmakāñcanavālukam

Beide, gebadet, selbstbeherrscht und das Murmeln vollendet, ließen sich nieder, nachdem sie das Flussufer mit dem feinen Goldsand erreicht hatten.

Wort für Wort
tau āplutya yatātmānau
die beiden, gebadet, selbstbeherrscht (Nom.Du.m., Abs.)
kṛtajapyau samāsatuḥ
das Murmeln vollbracht habend, setzten sich (Perf.3.Du.)
nadyāḥ pulinam āsādya
des Flusses Ufer erreicht habend (Gen.Sg.f., Akk.Sg.n., Abs.)
sūkṣmakāñcanavālukam
mit feinem Goldsand (Akk.Sg.n., Bahuvrīhi)

puṇyakarmabhir ākhyātā devarṣikathitāḥ kathāḥ; cakratus tau kathāśīlau śucisaṃhṛṣṭamānasau; pūrvavṛttavyapetāni kathayantau samāhitau

Sie erzählten Geschichten, die von Tugendhaften berichtet und von Göttersehern erzählt worden waren; die beiden, erzählfreudig, mit reinem, frohem Sinn, gesammelt, sprachen über längst Vergangenes.

Wort für Wort
puṇyakarmabhiḥ ākhyātāḥ
von Tugendhaften berichtet (Instr.Pl., Part.Nom.Pl.f.)
devarṣikathitāḥ kathāḥ
von Göttersehern erzählte Geschichten (Nom./Akk.Pl.f.)
cakratuḥ tau kathāśīlau
führten [sie] (Perf.3.Du.), die beiden, erzählfreudig (Nom.Du.m.)
śucisaṃhṛṣṭamānasau
mit reinem, frohem Sinn (Nom.Du.m., Bahuvrīhi)
pūrvavṛttavyapetāni kathayantau samāhitau
über längst Vergangenes, Verflossenes erzählend, gesammelt (Akk.Pl.n., Part.Präs.Du., Part.Du.)

atha bhāskaram udyantaṃ raśmijālapuraskṛtam; pūrṇamaṇḍalam ālokya tāv utthāyopatasthatuḥ

Als sie dann die aufgehende Sonne erblickten, von einem Netz von Strahlen angeführt, mit vollem Rund, standen die beiden auf und verehrten sie.

Wort für Wort
atha bhāskaram udyantam
da die Sonne, aufgehende (Akk.Sg.m., Part.Präs.)
raśmijālapuraskṛtam
von einem Strahlennetz vorangestellt/umgeben (Akk.Sg.m.)
pūrṇamaṇḍalam ālokya
mit vollem Rund, erblickt habend (Akk.Sg.m., Abs.)
tau utthāya upatasthatuḥ
die beiden, aufgestanden, verehrten [sie] (Abs., Perf.3.Du.)

vivikte puṇyadeśe tu ramamāṇau mudā yutau; dadṛśāte 'ntarikṣe tau sūryasyodayanaṃ prati; jyotir jvālasamākīrṇaṃ jyotiṣāṃ gaṇamaṇḍitam

An einem einsamen, heiligen Ort, sich freudig ergötzend, erblickten die beiden am Himmel, dem Aufgang der Sonne zu, ein von Flammenlicht erfülltes, von einer Schar von Lichtern geschmücktes Licht.

Wort für Wort
vivikte puṇyadeśe tu
an einsamem, heiligem Ort (Lok.Sg.m.)
ramamāṇau mudā yutau
sich ergötzend, mit Freude verbunden (Nom.Du.m.)
dadṛśāte antarikṣe tau
erblickten (Perf.3.Du. Med.), am Himmel (Lok.), die beiden
sūryasya udayanaṃ prati
der Sonne Aufgang entgegen (Gen., Akk., Postp.)
jyotiḥ jvālasamākīrṇam
ein Licht, von Flammen erfüllt (Akk.Sg.n.)
jyotiṣāṃ gaṇamaṇḍitam
von Scharen von Lichtern geschmückt (Gen.Pl., Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Konstruktion (Akk. jyotiḥ) ist aus dem Kontext ergänzt.

abhitas tūdayantaṃ tam arkam arkam ivāparam; ākāśe dadṛśe jyotir udyatārciḥsamaprabham

Und rings um jene aufgehende Sonne wurde am Himmel ein Licht gesehen, wie eine zweite Sonne, gleich an Glanz [einer Sonne] mit erhobenen Strahlen.

Wort für Wort
abhitaḥ tu udayantaṃ tam arkam
ringsum, doch, jene aufgehende Sonne (Adv., Akk.Sg.m.)
arkam iva aparam
gleichsam eine zweite Sonne (Akk.Sg.m.)
ākāśe dadṛśe
am Himmel wurde gesehen (Lok., Perf.3.Sg. Pass.)
jyotiḥ udyatārciḥsamaprabham
ein Licht, gleich an Glanz mit erhobenen Strahlen (Nom.Sg.n.)

arkasya tejasā tulyaṃ tad bhāskarasamaprabham

Der Kraft der Sonne gleich, von Glanz der Sonne ähnlich.

Wort für Wort
arkasya tejasā tulyam
der Sonne an Glut gleich (Gen., Instr.Sg.n., Adj.)
tat bhāskarasamaprabham
jenes, der Sonne an Glanz gleich (Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Halbvers ohne eigenes Verb; bezieht sich auf das Licht von 221.011.

tayoḥ samīpaṃ saṃprāptaṃ pratyadṛśyata bhārata; tat suparṇārkacaritam āsthitaṃ vaiṣṇavaṃ padam; bhābhir apratimaṃ bhāti trailokyam avabhāsayat

Bei den beiden angekommen, wurde es sichtbar, Bhārata: jenes, das die von Suparṇa und Sonne durchzogene Bahn innehatte, die Viṣṇu-Stätte; an Strahlen unvergleichlich leuchtete es und erhellte die drei Welten.

Wort für Wort
tayoḥ samīpaṃ saṃprāptam
zu den beiden nahe gelangt (Gen.Du., Akk.Sg.n., Part.Pass.)
pratyadṛśyata bhārata
wurde sichtbar (Impf.3.Sg. Pass.), Bhārata (Vok.)
tat suparṇārkacaritam
jenes, von Suparṇa und Sonne befahren (Nom.Sg.n.)
āsthitaṃ vaiṣṇavaṃ padam
innehabend, Viṣṇus Stätte/Bahn (Part.Nom., Nom.Sg.n.)
bhābhiḥ apratimam bhāti
an Strahlen unvergleichlich leuchtet es (Instr.Pl., 3.Sg.Präs.)
trailokyam avabhāsayat
die drei Welten erhellend (Nom.Sg.n., Part.Kaus.)

Das Wesen des Erscheinenden (Vimāna der Śrī, vgl. 221.012*) bleibt hier noch unbenannt; „āsthitam“ ist als „innehabend“ gedeutet [?].

taṃ dṛṣṭvā tau tu vikrāntau prāñjalī samupasthitau; kramāt saṃprekṣyamāṇau tau vimānaṃ divyam adbhutam; tasmiṃs tadā satīṃ kāntāṃ lokakāntāṃ parāṃ śubhām; dhātrīṃ lokasya ramaṇīṃ lokamātaram acyutām

Als die beiden Tapferen es erblickten, traten sie mit gefalteten Händen heran; der Reihe nach schauten die beiden das göttliche, wunderbare Himmelsgefährt, und darin damals die tugendhafte, geliebte, von der Welt geliebte, höchste, glückverheißende, Nährerin der Welt, Freude der Welt, Mutter der Welt, die Unvergängliche.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā tau tu vikrāntau
es erblickt habend, die beiden, tapfer (Abs., Nom.Du.m.)
prāñjalī samupasthitau
mit gefalteten Händen herangetreten (Nom.Du.m.)
kramāt saṃprekṣyamāṇau tau
der Reihe nach erblickend, die beiden (Abl., Part.Präs.Pass./Med.)
vimānaṃ divyam adbhutam
das Himmelsgefährt, göttliche, wunderbare (Akk.Sg.n.)
tasmin tadā satīṃ kāntāṃ lokakāntāṃ parāṃ śubhām
darin damals die Tugendhafte, Geliebte, von der Welt Geliebte, Höchste, Glückverheißende (Lok., Akk.Sg.f.)
dhātrīṃ lokasya ramaṇīṃ lokamātaram acyutām
Nährerin der Welt, Freude, Mutter der Welt, Unvergängliche (Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Satz führt ohne Verb weiter; das Objekt „śriyam“ folgt in 221.014.

divyābhirūpaśobhābhir apsarobhiḥ puraskṛtām; bṛhatīm aṃśumatprakhyāṃ bṛhadbhānor ivārciṣam

[Sie,] von Apsarasen mit göttlich schöner Anmut vorangestellt, die Hohe, an Strahlkraft gleich der Flamme des großen Lichts.

Wort für Wort
divyābhirūpaśobhābhiḥ
mit göttlicher Schönheit und Anmut (Instr.Pl.f.)
apsarobhiḥ puraskṛtām
von Apsarasen vorangestellt/begleitet (Instr.Pl., Part.Akk.Sg.f.)
bṛhatīm aṃśumatprakhyām
die Hohe, strahlend anzusehen (Akk.Sg.f.)
bṛhadbhānoḥ iva arciṣam
wie die Flamme des großen Lichts/der Sonne (Gen.Sg.m., Akk.Sg.f.)

Bezug auf śriyam in 221.014; bṛhadbhānu kann Sonne oder Agni bezeichnen.

nakṣatrakalpābharaṇāṃ tārābhaktisamasrajam; śriyaṃ dadṛśatuḥ padmāṃ sākṣāt padmatalasthitām

Deren Schmuck Sternen glich, deren Kranz wie die Reihung der Sterne war – Śrī, Padmā, sahen die beiden leibhaftig auf dem Grund eines Lotos stehen.

Wort für Wort
nakṣatrakalpābharaṇām
deren Schmuck Sternen gleicht (Akk.Sg.f.)
tārābhaktisamasrajam
deren Kranz der Sternenreihung gleicht (Akk.Sg.f.)
śriyaṃ dadṛśatuḥ padmām
Śrī sahen sie beide (Perf.3.Du.), Padmā (Akk.Sg.f.)
sākṣāt padmatalasthitām
leibhaftig, auf dem Lotosgrund stehend (Adv., Akk.Sg.f.)

sāvaruhya vimānāgrād aṅganānām anuttamā; abhyagacchat trilokeśaṃ śakraṃ carṣiṃ ca nāradam

Sie stieg von der Spitze des Himmelsgefährts herab, die Unübertroffene unter den Frauen, und trat zu Śakra, dem Herrn der drei Welten, und zum Seher Nārada.

Wort für Wort
sā avaruhya vimānāgrāt
sie, herabgestiegen, von der Spitze des Vimāna (Abs., Abl.)
aṅganānām anuttamā
unter den Frauen die Unübertroffene (Gen.Pl.f., Nom.Sg.f.)
abhyagacchat trilokeśam
trat heran (Impf.3.Sg.), zum Herrn der drei Welten (Akk.Sg.m.)
śakraṃ ca ṛṣim ca nāradam
zu Śakra und zum Seher Nārada (Akk.Sg.m.)

nāradānugataḥ sākṣān maghavāṃs tām upāgamat; kṛtāñjalipuṭo devīṃ nivedyātmānam ātmanā

Von Nārada begleitet, trat Maghavan selbst zu ihr, mit zum Gefäß gefalteten Händen, sich der Göttin selbst mit [eigenem Namen] vorstellend.

Wort für Wort
nāradānugataḥ sākṣāt
von Nārada begleitet, persönlich (Nom.Sg.m., Adv.)
maghavān tām upāgamat
Maghavan zu ihr trat heran (Impf.3.Sg.)
kṛtāñjalipuṭaḥ devīm
mit zur Schale gefalteten Händen, [zur] Göttin (Nom.Sg.m., Akk.Sg.f.)
nivedya ātmānam ātmanā
sich selbst durch sich selbst kundgetan habend (Abs., Akk., Instr.)

nivedya ātmānam ātmanā: „sich selbst (namentlich) vorgestellt“; Deutung [?].

cakre cānupamāṃ pūjāṃ tasyāś cāpi sa sarvavit; devarājaḥ śriyaṃ rājan vākyaṃ cedam uvāca ha

Und der Allwissende, der Götterkönig, erwies ihr unvergleichliche Verehrung; und zu Śrī, o König, sprach er dieses Wort.

Wort für Wort
cakre ca anupamām pūjām
erwies (Perf.3.Sg. Med.) und unvergleichliche Verehrung (Akk.Sg.f.)
tasyāḥ ca api sa sarvavit
ihr und auch er, der Allwissende (Gen.Sg.f., Nom.Sg.m.)
devarājaḥ śriyaṃ rājan
der Götterkönig, zu Śrī, o König (Nom., Akk., Vok.)
vākyam ca idam uvāca ha
und dieses Wort sprach er (Akk.Sg.n., Perf.3.Sg.)

kā tvaṃ kena ca kāryeṇa saṃprāptā cāruhāsini; kutaś cāgamyate subhru gantavyaṃ kva ca te śubhe

„Wer bist du, und in welcher Absicht bist du gekommen, Schönlächelnde? Woher kommst du, Schönbrauige, und wohin, Glückliche, hast du zu gehen?“

Wort für Wort
kā tvam kena ca kāryeṇa
wer [bist] du, und zu welchem Zweck (Nom.Sg.f., Instr.Sg.n.)
saṃprāptā cāruhāsini
angekommen, Schönlächelnde (Part.Nom.Sg.f., Vok.)
kutaḥ ca āgamyate subhru
und woher wird gekommen (Präs.Pass. unpers.), Schönbrauige (Vok.)
gantavyam kva ca te śubhe
wohin und von dir zu gehen ist (Gerundiv), Glückliche (Nom.n., Gen./Dat.-Instr., Vok.)

śrīr uvāca; puṇyeṣu triṣu lokeṣu sarve sthāvarajaṅgamāḥ; mamātmabhāvam icchanto yatante paramātmanā

Śrī sprach: „In den drei heiligen Welten mühen sich alle, Bewegliche und Unbewegliche, um mein Wesen zu erlangen, es wünschend, mit höchster Hingabe.“

Wort für Wort
śrīḥ uvāca
Śrī sprach (Perf.)
puṇyeṣu triṣu lokeṣu
in den drei heiligen Welten (Lok.Pl.m.)
sarve sthāvarajaṅgamāḥ
alle, Unbewegliche und Bewegliche (Nom.Pl.m.)
mama ātmabhāvam icchantaḥ
mein Wesen/Dasein [bei sich] wünschend (Gen.Sg., Akk.Sg.m., Part.Nom.Pl.)
yatante paramātmanā
sie bemühen sich (3.Pl.Präs. Med.), mit höchstem Eifer (Instr.Sg.m.)

sāhaṃ vai paṅkaje jātā sūryaraśmivibodhite; bhūtyarthaṃ sarvabhūtānāṃ padmā śrīḥ padmamālinī

„Ich bin im Lotos geboren, vom Strahl der Sonne erweckt, zum Gedeihen aller Wesen: Padmā, Śrī, die Lotoskranz-Trägerin.“

Wort für Wort
sā aham vai paṅkaje jātā
ich, fürwahr, im Lotos geboren (Nom.Sg.f., Lok.Sg.n.)
sūryaraśmivibodhite
vom Sonnenstrahl erweckt (Lok.Sg.n.)
bhūtyartham sarvabhūtānām
zum Gedeihen der Wesen (Adv., Gen.Pl.)
padmā śrīḥ padmamālinī
Padmā, Śrī, Lotoskranzträgerin (Nom.Sg.f.)

ahaṃ lakṣmīr ahaṃ bhūtiḥ śrīś cāhaṃ balasūdana; ahaṃ śraddhā ca medhā ca sannatir vijitiḥ sthitiḥ

„Ich bin Lakṣmī, ich Bhūti, und ich Śrī, Töter des Bala; ich bin Glaube und Einsicht, Neigung, Sieg und Beständigkeit.“

Wort für Wort
aham lakṣmīḥ aham bhūtiḥ
ich Lakṣmī, ich Gedeihen (Nom.Sg.f.)
śrīḥ ca aham
und ich Śrī (Nom.Sg.f.)
balasūdana
Töter des Bala (Vok.)
aham śraddhā ca medhā ca
ich Glaube und Einsicht (Nom.Sg.f.)
sannatiḥ vijitiḥ sthitiḥ
Neigung/Demut, Sieg, Beständigkeit (Nom.Sg.f.)

ahaṃ dhṛtir ahaṃ siddhir ahaṃ tviḍ bhūtir eva ca; ahaṃ svāhā svadhā caiva saṃstutir niyatiḥ kṛtiḥ

„Ich bin Standhaftigkeit, ich Vollendung, ich Glanz und Gedeihen; ich Svāhā und Svadhā, Lobpreis, Ordnung und Tat.“

Wort für Wort
aham dhṛtiḥ aham siddhiḥ
ich Standhaftigkeit, ich Vollendung (Nom.Sg.f.)
aham tviṭ bhūtiḥ eva ca
ich Glanz und Gedeihen (Nom.Sg.f.)
aham svāhā svadhā ca eva
ich Svāhā und Svadhā (Nom.Sg.f.)
saṃstutiḥ niyatiḥ kṛtiḥ
Lobpreis, Ordnung/Schicksal, Tat (Nom.Sg.f.)

rājñāṃ vijayamānānāṃ senāgreṣu dhvajeṣu ca; nivāse dharmaśīlānāṃ viṣayeṣu pureṣu ca

„[Ich wohne] bei siegreichen Königen, an den Spitzen der Heere und auf den Bannern, im Wohnsitz der Rechtschaffenen, in Ländern und in Städten.“

Wort für Wort
rājñām vijayamānānām
bei den Königen, den siegenden (Gen.Pl.m., Part.Gen.Pl.)
senāgreṣu dhvajeṣu ca
an den Heeresspitzen und auf den Bannern (Lok.Pl.)
nivāse dharmaśīlānām
im Wohnsitz der dem Dharma Ergebenen (Lok.Sg.m., Gen.Pl.)
viṣayeṣu pureṣu ca
in Ländern und Städten (Lok.Pl.)

Verb „nivasāmi“ folgt in 221.024.

jitakāśini śūre ca saṃgrāmeṣv anivartini; nivasāmi manuṣyendre sadaiva balasūdana

„Bei dem sieggekrönten Helden, der in Schlachten nicht umkehrt, bei dem Menschenfürsten wohne ich allezeit, Töter des Bala.“

Wort für Wort
jitakāśini śūre ca
beim Siegesstolzen und Helden (Lok.Sg.m.)
saṃgrāmeṣu anivartini
der in Schlachten nicht umkehrt (Lok.Pl., Lok.Sg.m.)
nivasāmi manuṣyendre
ich wohne (1.Sg.Präs.), beim Menschenfürsten (Lok.Sg.m.)
sadā eva balasūdana
allezeit, Balatöter (Adv., Vok.)

dharmanitye mahābuddhau brahmaṇye satyavādini; praśrite dānaśīle ca sadaiva nivasāmy aham

„Bei dem, der dem Dharma zugetan, hochgesinnt, brahmanenfreundlich und wahrredend ist, bescheiden und gabenfreudig, wohne ich stets.“

Wort für Wort
dharmanitye mahābuddhau
bei dem dem Dharma Ergebenen, Hochgesinnten (Lok.Sg.m.)
brahmaṇye satyavādini
beim brahmanenfreundlichen, Wahrredenden (Lok.Sg.m.)
praśrite dānaśīle ca
beim Bescheidenen und Gabenfreudigen (Lok.Sg.m.)
sadā eva nivasāmi aham
stets wohne ich (Adv., 1.Sg.Präs.)

ahiṃsānirate nityaṃ satyavākye yatendriye

[Bei dem,] der stets der Gewaltlosigkeit ergeben ist, wahrhaftig in der Rede, die Sinne bändigend.

Wort für Wort
ahiṃsānirate nityam
bei dem der Gewaltlosigkeit stets Ergebenen (Lok.Sg.m.)
satyavākye yatendriye
beim Wahrhaftigen, der die Sinne bändigt (Lok.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Fortsetzung der Aufzählung von 221.025.

asureṣv avasaṃ pūrvaṃ satyadharmanibandhanā; viparītāṃs tu tān buddhvā tvayi vāsam arocayam

„Bei den Asuras wohnte ich früher, an Wahrheit und Dharma gebunden; als ich sie aber als gegenteilig erkannte, gefiel mir das Wohnen bei dir.“

Wort für Wort
asureṣu avasam pūrvam
bei den Asuras wohnte ich (Lok.Pl., Impf.1.Sg.) früher
satyadharmanibandhanā
an Wahrheit und Dharma gebunden (Nom.Sg.f.)
viparītān tu tān buddhvā
sie aber als verkehrt erkannt habend (Akk.Pl.m., Abs.)
tvayi vāsam arocayam
bei dir das Wohnen gefiel mir (Lok., Akk., Impf.Kaus.1.Sg.)

śakra uvāca; kathaṃvṛtteṣu daityeṣu tvam avātsīr varānane; dṛṣṭvā ca kim ihāgās tvaṃ hitvā daiteyadānavān

Śakra sprach: „Bei welchem Verhalten der Daityas wohntest du [bei ihnen], Schönwangige? Und was hast du gesehen, dass du die Daiteyas und Dānavas verlassen hast und hierher gekommen bist?“

Wort für Wort
śakraḥ uvāca
Śakra sprach (Perf.)
kathaṃvṛtteṣu daityeṣu
bei den Daityas von welcherlei Verhalten (Lok.Pl.m.)
tvam avātsīḥ varānane
du wohntest (Aor.2.Sg.), Schönwangige (Vok.)
dṛṣṭvā ca kim iha āgāḥ tvam
und was gesehen habend, kamst du hierher (Abs., Aor.2.Sg.)
hitvā daiteyadānavān
verlassen habend die Daiteyas und Dānavas (Abs., Akk.Pl.m.)

śrīr uvāca; svadharmam anutiṣṭhatsu dhairyād acaliteṣu ca; svargamārgābhirāmeṣu sattveṣu niratā hy aham

Śrī sprach: „Bei den Wesen, die ihre eigene Pflicht erfüllten und aus Festigkeit nicht wankten und am Weg zum Himmel Freude hatten, fand ich Gefallen.“

Wort für Wort
śrīḥ uvāca
Śrī sprach (Perf.)
svadharmam anutiṣṭhatsu
bei denen, die die eigene Pflicht befolgen (Lok.Pl., Part.Präs.)
dhairyāt acaliteṣu ca
und aus Festigkeit nicht Gewankten (Abl., Lok.Pl.)
svargamārgābhirāmeṣu sattveṣu
bei den am Himmelsweg sich erfreuenden Wesen (Lok.Pl.n.)
niratā hi aham
erfreut/zugetan, fürwahr ich (Nom.Sg.f.)

dānādhyayanayajñejyā gurudaivatapūjanam; viprāṇām atithīnāṃ ca teṣāṃ nityam avartata

„Gaben, Studium, Opfer und Verehrung, die Verehrung der Lehrer und Götter, der Brahmanen und Gäste – dies war bei ihnen beständig im Gang.“

Wort für Wort
dānādhyayanayajñejyā
Gaben, Studium, Opfer und Verehrung (Nom.Sg.f./Kompositum)
gurudaivatapūjanam
Verehrung der Lehrer und Gottheiten (Nom.Sg.n.)
viprāṇām atithīnām ca
der Brahmanen und der Gäste (Gen.Pl.)
teṣām nityam avartata
bei ihnen beständig war im Gang (Gen.Pl., Adv., Impf.3.Sg. Med.)

susaṃmṛṣṭagṛhāś cāsañ jitastrīkā hutāgnayaḥ; guruśuśrūṣavo dāntā brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ

„Ihre Häuser waren gut gefegt, die Frauen hatten sie im Griff [?], sie unterhielten die Opferfeuer; den Lehrern dienstbereit, selbstbeherrscht, brahmanenfreundlich und wahrredend.“

Wort für Wort
susaṃmṛṣṭagṛhāḥ ca āsan
und gut gefegte Häuser hatten sie, waren (Nom.Pl.m., Impf.3.Pl.)
jitastrīkāḥ
die Frauen bezwungen habend (Nom.Pl.m.)
hutāgnayaḥ
die Opferfeuer beschickt habend (Nom.Pl.m.)
guruśuśrūṣavaḥ dāntāḥ
den Lehrern dienstbereit, selbstbeherrscht (Nom.Pl.m.)
brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ
brahmanenfreundlich, wahrredend (Nom.Pl.m.)

jitastrīka: „die Frauen bezwungen“ (nicht von ihnen beherrscht) ist unsicher.

śraddadhānā jitakrodhā dānaśīlānasūyakāḥ; bhṛtaputrā bhṛtāmātyā bhṛtadārā hy anīrṣavaḥ

Gläubig, den Zorn besiegt, der Mildtätigkeit ergeben, ohne Missgunst; sie unterhielten Söhne, Minister und Frauen, und sie waren ohne Neid.

Wort für Wort
śraddadhānā jitakrodhā
gläubig, zornbesiegt (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
dānaśīlā anasūyakāḥ
der Gabe ergeben, ohne Missgunst (Nom.Pl.m.)
bhṛtaputrā bhṛtāmātyā
Söhne unterhaltend, Minister unterhaltend (Nom.Pl.m.; Part.Pass. bhṛta- im Bahuvrīhi)
bhṛtadārā hy anīrṣavaḥ
Frauen unterhaltend, ja ohne Neid (Nom.Pl.m.)

amarṣaṇā na cānyonyaṃ spṛhayanti kadā cana; na ca jātūpatapyante dhīrāḥ parasamṛddhibhiḥ

Nicht unduldsam gegeneinander, begehrten sie niemals nach dem des anderen; und die Weisen grämten sich nie über den Wohlstand anderer.

Wort für Wort
amarṣaṇā na ca anyonyaṃ
nicht unduldsam, [und] nicht gegeneinander (Nom.Pl.m.; Adv.)
spṛhayanti kadā cana
sie begehren, jemals (3.Pl.Präs.; Adv.)
na ca jātu upatapyante
und niemals grämen sie sich (3.Pl.Präs.Pass./Med.)
dhīrāḥ parasamṛddhibhiḥ
die Weisen, über die Blüte anderer (Nom.Pl.m.; Instr.Pl.f.)

dātāraḥ saṃgṛhītāra āryāḥ karuṇavedinaḥ; mahāprasādā ṛjavo dṛḍhabhaktā jitendriyāḥ

Geber und Unterstützer, edel, Mitleid kennend, sehr gnädig, aufrichtig, fest ergeben, die Sinne bezwingend.

Wort für Wort
dātāraḥ saṃgṛhītāraḥ
Geber, Unterstützer/Aufnehmende (Nom.Pl.m.; Nomina agentis)
āryāḥ karuṇavedinaḥ
edel, Mitleid kennend (Nom.Pl.m.)
mahāprasādā ṛjavaḥ
sehr gnädig/gütig, aufrichtig (Nom.Pl.m.)
dṛḍhabhaktā jitendriyāḥ
fest ergeben, sinnesbesiegt (Nom.Pl.m.)

saṃtuṣṭabhṛtyasacivāḥ kṛtajñāḥ priyavādinaḥ; yathārthamānārthakarā hrīniṣedhā yatavratāḥ

Mit Dienern und Ratgebern zufrieden, dankbar, freundlich redend, je nach Sache Ehre und Nutzen schaffend, durch Scham gehemmt, fest in ihren Gelübden.

Wort für Wort
saṃtuṣṭabhṛtyasacivāḥ
mit Dienern und Ministern zufrieden (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
kṛtajñāḥ priyavādinaḥ
dankbar, freundlich redend (Nom.Pl.m.)
yathārthamānārthakarāḥ
je nach Sachlage Ehre und Nutzen schaffend (Nom.Pl.m.)
hrīniṣedhāḥ yatavratāḥ
durch Scham gezügelt, in Gelübden gebunden/beherrscht (Nom.Pl.m.)

nityaṃ parvasu susnātāḥ svanuliptāḥ svalaṃkṛtāḥ; upavāsatapaḥśīlāḥ pratītā brahmavādinaḥ

Stets an den Parvan-Tagen gut gebadet, gut gesalbt, gut geschmückt, dem Fasten und der Askese als ihrer Sitte ergeben, angesehen, Redner über das Brahman.

Wort für Wort
nityaṃ parvasu
stets, an den Parvan-Tagen (Adv.; Lok.Pl.n.)
susnātāḥ svanuliptāḥ
gut gebadet, gut gesalbt (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
svalaṃkṛtāḥ
gut geschmückt (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
upavāsatapaḥśīlāḥ
Fasten und Askese als Sitte habend (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
pratītā brahmavādinaḥ
angesehen/bekannt, Brahman-Redner (Nom.Pl.m.)

nainān abhyudiyāt sūryo na cāpy āsan prageniśāḥ; rātrau dadhi ca saktūṃś ca nityam eva vyavarjayan

Die Sonne ging nicht über ihnen auf [d. h. sie schliefen nicht in den Sonnenaufgang hinein], und sie waren auch keine Morgen- und Nachtschläfer [?]; nachts mieden sie stets Dickmilch und Gerstenmehl.

Wort für Wort
na enān abhyudiyāt sūryaḥ
nicht ging über ihnen auf die Sonne (Opt./Prek. 3.Sg. abhi-ud-i; Akk.Pl.m.; Nom.Sg.m.)
na ca api āsan prageniśāḥ
und auch waren sie nicht Frühe-/Nacht-[Schläfer] [?] (3.Pl.Impf. as; Nom.Pl.m.)
rātrau dadhi ca saktūn ca
nachts Dickmilch und Gerstenmehl (Lok.Sg.f.; Akk.Sg.n.; Akk.Pl.m.)
nityam eva vyavarjayan
stets mieden sie (Adv.; 3.Pl.Impf. vi-ava-√vṛj)

prageniśāḥ: Lesart/Deutung unsicher (vermutlich: Schläfer in der Frühe und in der Nacht).

kālyaṃ ghṛtaṃ cānvavekṣan prayatā brahmacāriṇaḥ; maṅgalān api cāpaśyan brāhmaṇāṃś cāpy apūjayan

Am Morgen schauten sie auf die Butter, rein und keusch lebend; auch Glückverheißendes erblickten sie und verehrten Brahmanen.

Wort für Wort
kālyaṃ ghṛtaṃ ca anvavekṣan
am Morgen auch die Butter betrachteten sie (Adv.; Akk.Sg.n.; 3.Pl.Impf.)
prayatā brahmacāriṇaḥ
rein/gesammelt, Brahmacārins (Nom.Pl.m.)
maṅgalān api ca apaśyan
auch Glückbringendes und erblickten sie (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Impf.)
brāhmaṇān ca api apūjayan
und Brahmanen ebenso verehrten sie (Akk.Pl.m.; 3.Pl.Impf.)

sadā hi dadatāṃ dharmaḥ sadā cāpratigṛhṇatām; ardhaṃ ca rātryāḥ svapatāṃ divā cāsvapatāṃ tathā

Denn bei denen, die stets geben und stets nichts annehmen, die nur die halbe Nacht schlafen und tagsüber nicht schlafen, war stets der Dharma [zu Hause].

Wort für Wort
sadā hi dadatāṃ dharmaḥ
denn stets bei den Gebenden [war] der Dharma (Gen.Pl. Part.Präs.; Nom.Sg.m.)
sadā ca apratigṛhṇatām
und stets bei den Nichtannehmenden (Gen.Pl. Part.Präs. mit a-)
ardhaṃ ca rātryāḥ svapatām
und die halbe Nacht bei den Schlafenden (Akk.Sg.n. Adv.; Gen.Sg.f.; Gen.Pl. Part.Präs.)
divā ca asvapatāṃ tathā
und am Tage bei den Nichtschlafenden ebenso (Adv.; Gen.Pl. Part.Präs.)

Der Satz bleibt syntaktisch offen; der Hauptbegriff dharmaḥ gehört zu den Genitiven in Vers 43 und 44 zusammen. Ergänzung [zu Hause] sinngemäß.

kṛpaṇānāthavṛddhānāṃ durbalāturayoṣitām; dāyaṃ ca saṃvibhāgaṃ ca nityam evānumodatām

Bei denen, die Gabe und Anteilgeben an Elende, Schutzlose, Alte, Schwache, Kranke und Frauen stets gutheißen.

Wort für Wort
kṛpaṇānāthavṛddhānām
Elenden, Schutzlosen, Alten (Gen.Pl.m.; Dvandva)
durbalāturayoṣitām
Schwachen, Kranken, Frauen (Gen.Pl.; Dvandva)
dāyaṃ ca saṃvibhāgaṃ ca
Gabe und Zuteilung/Teilen (Akk.Sg.m.)
nityam eva anumodatām
stets nur bei den Gutheißenden (Adv.; Gen.Pl. Part.Präs.)

kālo yātaḥ sukhe caiva dharmamārge ca vartatām

Ihre Zeit verging im Glück, denen, die auf dem Pfad des Dharma wandelten.

Wort für Wort
kālaḥ yātaḥ
die Zeit verging (Nom.Sg.m.; Part.Pass. √yā)
sukhe ca eva
im Glück ebenso (Lok.Sg.n.)
dharmamārge ca vartatām
und auf dem Dharma-Pfad bei den Wandelnden (Lok.Sg.m.; Gen.Pl. Part.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

viṣaṇṇaṃ trastam udvignaṃ bhayārtaṃ vyādhipīḍitam; hṛtasvaṃ vyasanārtaṃ ca nityam āśvāsayanti te

Den Verzagten, Verängstigten, Aufgeregten, von Furcht Gequälten, von Krankheit Geplagten, Besitzlosen und vom Unglück Bedrängten – ihnen spendeten sie stets Trost.

Wort für Wort
viṣaṇṇaṃ trastam udvignam
den Verzagten, Erschrockenen, Aufgeschreckten (Akk.Sg.m.; Part.Pass.)
bhayārtaṃ vyādhipīḍitam
von Furcht Bedrängten, von Krankheit Gequälten (Akk.Sg.m.)
hṛtasvaṃ vyasanārtaṃ ca
den seiner Habe Beraubten, vom Unglück Betroffenen (Akk.Sg.m.)
nityam āśvāsayanti te
stets trösten sie, jene (Adv.; 3.Pl.Präs. Kaus.; Nom.Pl.m.)

dharmam evānvavartanta na hiṃsanti parasparam; anukūlāś ca kāryeṣu guruvṛddhopasevinaḥ

Nur dem Dharma folgten sie und verletzten einander nicht; sie waren in ihren Aufgaben zuvorkommend und dienten Lehrern und Alten.

Wort für Wort
dharmam eva anvavartanta
dem Dharma nur folgten sie (Akk.Sg.m.; 3.Pl.Impf.Med.)
na hiṃsanti parasparam
nicht verletzen sie einander (3.Pl.Präs.; Adv.)
anukūlāḥ ca kāryeṣu
und gefällig/zuvorkommend in den Aufgaben (Nom.Pl.m.; Lok.Pl.n.)
guruvṛddhopasevinaḥ
Lehrer und Alte bedienend (Nom.Pl.m.; Tatpuruṣa)

pitṛdevātithīṃś caiva yathāvat te 'bhyapūjayan; avaśeṣāṇi cāśnanti nityaṃ satyataporatāḥ

Den Vätern, Göttern und Gästen erwiesen sie gebührend Verehrung; sie aßen stets nur die Reste, der Wahrheit und Askese ergeben.

Wort für Wort
pitṛdevātithīn ca eva
Väter, Götter und Gäste (Akk.Pl.m.; Dvandva)
yathāvat te abhyapūjayan
gebührend verehrten sie, jene (Adv.; 3.Pl.Impf.)
avaśeṣāṇi ca aśnanti
und Reste essen sie (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Präs.)
nityaṃ satyataporatāḥ
stets an Wahrheit und Askese sich erfreuend (Adv.; Nom.Pl.m.)

naike 'śnanti susaṃpannaṃ na gacchanti parastriyam; sarvabhūteṣv avartanta yathātmani dayāṃ prati

Nicht einzeln [für sich allein] aßen sie das reich Bereitete [?], sie gingen nicht zur Frau eines anderen; gegenüber allen Wesen verhielten sie sich mit Mitgefühl wie gegenüber sich selbst.

Wort für Wort
na eke aśnanti susaṃpannam
nicht einzeln essen sie das gut Bereitete [?] (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.n.)
na gacchanti parastriyam
sie gehen nicht zur Frau eines anderen (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.)
sarvabhūteṣu avartanta
gegenüber allen Wesen verhielten sie sich (Lok.Pl.n.; 3.Pl.Impf.Med.)
yathā ātmani dayāṃ prati
wie gegenüber dem Selbst, hin zum Mitleid (Lok.Sg.m.; Akk.Sg.f.; Postp.)

naike 'śnanti: Deutung als na + eke [nicht allein] unsicher.

naivākāśe na paśuṣu nāyonau na ca parvasu; indriyasya visargaṃ te 'rocayanta kadā cana

Weder im Freien noch bei Tieren, weder in einem [ungeeigneten] Nicht-Schoß noch an den Parvan-Tagen fanden sie jemals Gefallen an der Entladung des Zeugungsorgans.

Wort für Wort
na eva ākāśe na paśuṣu
weder im Freien noch bei Tieren (Lok.Sg.m.; Lok.Pl.m.)
na ayonau na ca parvasu
weder im Nicht-Schoß noch an Parvan-Tagen (Lok.Sg.f.; Lok.Pl.n.)
indriyasya visargam
die Entladung des Zeugungsorgans (Gen.Sg.n.; Akk.Sg.m.)
te arocayanta kadā cana
sie fanden Gefallen, jemals (3.Pl.Impf.Med.; Adv.)

nityaṃ dānaṃ tathā dākṣyam ārjavaṃ caiva nityadā; utsāhaś cānahaṃkāraḥ paramaṃ sauhṛdaṃ kṣamā

Stets Gabe, ebenso Geschicklichkeit, stets Aufrichtigkeit, Tatkraft, Freisein von Ichbezogenheit, höchste Herzensfreundschaft und Nachsicht.

Wort für Wort
nityaṃ dānaṃ tathā dākṣyam
stets Gabe, ebenso Geschick (Nom.Sg.n.)
ārjavaṃ ca eva nityadā
Aufrichtigkeit und ebenso stets (Nom.Sg.n.; Adv.)
utsāhaḥ ca anahaṃkāraḥ
Tatkraft und Ichlosigkeit (Nom.Sg.m.)
paramaṃ sauhṛdaṃ kṣamā
höchste Freundschaft/Wohlgesinntheit, Nachsicht (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.f.)

satyaṃ dānaṃ tapaḥ śaucaṃ kāruṇyaṃ vāg aniṣṭhurā; mitreṣu cānabhidrohaḥ sarvaṃ teṣv abhavat prabho

Wahrheit, Gabe, Askese, Reinheit, Mitleid, nicht harte Rede und Nichtfeindschaft gegen Freunde – all das war bei ihnen, o Herr.

Wort für Wort
satyaṃ dānaṃ tapaḥ śaucam
Wahrheit, Gabe, Askese, Reinheit (Nom.Sg.n.)
kāruṇyaṃ vāk aniṣṭhurā
Mitleid, nicht harte Rede (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.f.)
mitreṣu ca anabhidrohaḥ
und Nichtanfeindung gegenüber Freunden (Lok.Pl.m.; Nom.Sg.m.)
sarvaṃ teṣu abhavat prabho
alles war bei ihnen, o Herr (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Impf.; Vok.Sg.m.)

nidrā tandrīr asaṃprītir asūyā cānavekṣitā; aratiś ca viṣādaś ca na spṛhā cāviśanta tān

Schlaf, Trägheit, Unzufriedenheit, Missgunst, Rücksichtslosigkeit, Unlust und Verzagtheit, auch Begehren drangen nicht in sie ein.

Wort für Wort
nidrā tandrīḥ asaṃprītiḥ
Schlaf, Trägheit, Unzufriedenheit (Nom.Sg.f.)
asūyā ca anavekṣitā
Missgunst und Rücksichtslosigkeit (Nom.Sg.f.)
aratiḥ ca viṣādaḥ ca
Unlust und Verzagtheit (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
na spṛhā ca aviśanta tān
nicht auch Begierde drangen ein in sie (Nom.Sg.f.; 3.Pl.Impf.Med.; Akk.Pl.m.)

sāham evaṃguṇeṣv eva dānaveṣv avasaṃ purā; prajāsargam upādāya naikaṃ yugaviparyayam

Ich wohnte einst bei den Dānavas, die diese Tugenden besaßen, von der Erschaffung der Geschöpfe an, über mehr als einen Umschwung der Zeitalter.

Wort für Wort
sā aham evaṃguṇeṣu eva
ich, jene, bei so beschaffenen Tugenden [Besitzenden] eben (Nom.Sg.f.; Lok.Pl.m.)
dānaveṣu avasaṃ purā
bei den Dānavas wohnte ich einst (Lok.Pl.m.; 1.Sg.Impf. √vas; Adv.)
prajāsargam upādāya
von der Schöpfung der Geschöpfe an (Akk.Sg.m.; Abs. upa-ā-√dā)
na ekaṃ yugaviparyayam
nicht einen [nur] Wechsel der Zeitalter (Akk.Sg.m.)

tataḥ kālaviparyāse teṣāṃ guṇaviparyayāt; apaśyaṃ vigataṃ dharmaṃ kāmakrodhavaśātmanām

Dann, beim Umschwung der Zeit, sah ich, weil sich ihre Tugenden verkehrten, den Dharma bei ihnen entschwunden, bei denen, die unter der Herrschaft von Begierde und Zorn standen.

Wort für Wort
tataḥ kālaviparyāse
dann beim Umschwung der Zeit (Adv.; Lok.Sg.m.)
teṣāṃ guṇaviparyayāt
wegen der Verkehrung ihrer Tugenden (Gen.Pl.m.; Abl.Sg.m.)
apaśyaṃ vigataṃ dharmam
ich sah den entschwundenen Dharma (1.Sg.Impf.; Part.Pass.; Akk.Sg.m.)
kāmakrodhavaśātmanām
bei denen, die Begierde und Zorn unterworfen sind (Gen.Pl.m.; Bahuvrīhi)

sabhāsadāṃ te vṛddhānāṃ satyāḥ kathayatāṃ kathāḥ; prāhasann abhyasūyaṃś ca sarvavṛddhān guṇāvarāḥ

Über die alten Mitglieder der Versammlung, die wahre Geschichten erzählten, lachten sie höhnisch und schmähten alle Alten, sie, die an Tugend Geringeren.

Wort für Wort
sabhāsadāṃ te vṛddhānām
der Versammlungsmitglieder, jene, der Alten (Gen.Pl.m.; Nom.Pl.m.; Gen.Pl.m.)
satyāḥ kathayatāṃ kathāḥ
wahre Geschichten der Erzählenden (Akk.Pl.f.; Gen.Pl. Part.Präs.; Akk.Pl.f.)
prāhasan abhyasūyan ca
sie lachten höhnisch und schmähten (3.Pl.Impf.)
sarvavṛddhān guṇāvarāḥ
alle Alten, die an Tugenden Geringeren (Akk.Pl.m.; Nom.Pl.m.)

yūnaḥ sahasamāsīnān vṛddhān abhigatān sataḥ; nābhyutthānābhivādābhyāṃ yathāpūrvam apūjayan

Junge Leute [saßen beisammen]; die herangekommenen, würdigen Alten ehrten sie nicht mehr wie früher durch Aufstehen und Begrüßung.

Wort für Wort
yūnaḥ sahasamāsīnān
die Jungen, zusammensitzend [?] (Nom./Akk.Pl.m.; Part.Perf.Med.)
vṛddhān abhigatān sataḥ
die Alten, herangekommen, würdige (Akk.Pl.m.; Part.Pass.; Part.Präs. von √as)
na abhyutthānābhivādābhyām
nicht durch Aufstehen und Begrüßung (Instr.Du.)
yathāpūrvam apūjayan
wie früher ehrten sie (Adv.; 3.Pl.Impf.)

yūnaḥ sahasamāsīnān: Kasusbezug unsicher; sinngemäß wiedergegeben [?].

vartayanty eva pitari putrāḥ prabhavatā ''tmanaḥ; amitrabhṛtyatāṃ prāpya khyāpayanto 'napatrapāḥ

Während der Vater noch da war, verfuhren die Söhne kraft eigener Machtvollkommenheit [selbstherrlich] [?]; sie gerieten in den Dienst von Feinden und rühmten sich dessen schamlos.

Wort für Wort
vartayanti eva pitari
sie verfahren/leben, während der Vater [da ist] (3.Pl.Präs. Kaus.; Lok.Sg.m.)
putrāḥ prabhavatā ātmanaḥ
die Söhne, kraft Macht ihrer selbst [?] (Nom.Pl.m.; Instr.Sg.m.; Gen.Sg.m.)
amitrabhṛtyatāṃ prāpya
in den Stand von Feindesdienern gelangt (Akk.Sg.f.; Abs.)
khyāpayantaḥ anapatrapāḥ
es verkündend, schamlos (Nom.Pl.m. Part.Präs. Kaus.; Nom.Pl.m.)

vartayanty eva pitari ... prabhavatā ''tmanaḥ: Konstruktion unsicher.

tathā dharmād apetena karmaṇā garhitena ye; mahataḥ prāpnuvanty arthāṃs teṣv eṣām abhavat spṛhā

Ebenso: Diejenigen, die durch dharmwidrige, getadelte Handlung große Reichtümer erlangen – bei diesen [Reichen] entstand bei ihnen [den Dānavas] Verlangen.

Wort für Wort
tathā dharmāt apetena
ebenso durch vom Dharma abgewichene (Adv.; Abl.Sg.m.; Part.Pass. Instr.Sg.n.)
karmaṇā garhitena ye
durch getadelte Handlung, welche (Instr.Sg.n.; Nom.Pl.m.)
mahataḥ prāpnuvanti arthān
große Güter erlangen sie (Akk.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
teṣu eṣām abhavat spṛhā
bei jenen, bei diesen entstand Begehren (Lok.Pl.m.; Gen.Pl.m.; 3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f.)

ucchaiś cāpy avadan rātrau nīcais tatrāgnir ajvalat; putrāḥ pitṝn abhyavadan bhāryāś cābhyavadan patīn

Nachts redeten sie laut, und das Feuer brannte dort nur niedrig; Söhne fuhren ihre Väter an, und Frauen fuhren ihre Gatten an.

Wort für Wort
uccaiḥ ca api avadan rātrau
laut auch sprachen sie nachts (Adv.; 3.Pl.Impf.; Lok.Sg.f.)
nīcaiḥ tatra agniḥ ajvalat
niedrig dort das Feuer brannte (Adv.; Adv.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Impf.)
putrāḥ pitṝn abhyavadan
die Söhne fuhren die Väter an (Nom.Pl.m.; Akk.Pl.m.; 3.Pl.Impf.)
bhāryāḥ ca abhyavadan patīn
und die Frauen fuhren die Gatten an (Nom.Pl.f.; Akk.Pl.m.)

abhi-√vad hier als Widerrede/Anfahren gedeutet.

mātaraṃ pitaraṃ vṛddham ācāryam atithiṃ gurum; guruvan nābhyanandanta kumārān nānvapālayan

Mutter, Vater, alten Lehrer, Gast und Guru hießen sie nicht wie Ehrwürdige willkommen, und die Kinder beschützten sie nicht.

Wort für Wort
mātaraṃ pitaraṃ vṛddham
Mutter, Vater, den Alten (Akk.Sg.)
ācāryam atithiṃ gurum
Lehrer, Gast, Guru (Akk.Sg.m.)
guruvat na abhyanandanta
nicht wie einen Guru begrüßten sie (Adv.; 3.Pl.Impf.Med.)
kumārān na anvapālayan
die Kinder beschützten sie nicht (Akk.Pl.m.; 3.Pl.Impf.)

bhikṣāṃ balim adattvā ca svayam annāni bhuñjate; aniṣṭvā saṃvibhajyātha pitṛdevātithīn gurūn

Ohne Almosen und Opfergabe gegeben zu haben, essen sie selbst die Speisen; ohne geopfert und mit Vätern, Göttern, Gästen und Lehrern geteilt zu haben.

Wort für Wort
bhikṣāṃ balim adattvā ca
ohne Almosen und Opfergabe gegeben zu haben (Akk.Sg.f.; Akk.Sg.m.; Abs.)
svayam annāni bhuñjate
selbst essen sie die Speisen (Adv.; Akk.Pl.n.; 3.Pl.Präs.Med.)
aniṣṭvā saṃvibhajya atha
ohne geopfert, ohne geteilt zu haben, dann (Abs.; Abs.)
pitṛdevātithīn gurūn
Väter, Götter, Gäste, Lehrer (Akk.Pl.m.)

na śaucam anurudhyanta teṣāṃ sūdajanās tathā; manasā karmaṇā vācā bhaktam āsīd anāvṛtam

Auf Reinheit achteten ihre Köche nicht; in Gedanken, Tat und Rede stand das Essen unbedeckt.

Wort für Wort
na śaucam anurudhyanta
nicht Reinheit beachteten sie (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Impf.Med.)
teṣāṃ sūdajanāḥ tathā
ihre Köche, ebenso (Gen.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
manasā karmaṇā vācā
in Gedanken, Tat, Rede (Instr.Sg.)
bhaktam āsīt anāvṛtam
das Essen war unbedeckt [?] (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Impf.; Nom.Sg.n.)

bhaktam āsīd anāvṛtam: Deutung von bhakta als Speise, sinngemäß [?].

bālānāṃ prekṣamāṇānāṃ bhaktāny aśnanti mohitāḥ; eko dāso bhavet teṣāṃ teṣāṃ dāsīdvayaṃ tathā; trigavā dānavāḥ ke cic caturojās tathāpare; ṣaḍaśvāḥ saptamātaṅgāḥ pañcamāhiṣikāḥ pare; rātrau dadhi ca saktūṃś ca nityam evāvivarjitā; antardaśāhe cāśnanti gavāṃ kṣīraṃ vicetanāḥ; kramadohaṃ na kurvanti vatsastanyāni bhuñjate; anāthāṃ kṛpaṇāṃ bhāryāṃ ghnanti nityaṃ śapanti ca; śūdrānnapuṣṭā viprās tu nirlajjāś ca bhavanty uta; saṃkīrṇāni ca dhānyāni nātyavekṣat kuṭumbinī; mārjārakukkuṭaśvānaiḥ krīḍāṃ kurvanti mānavāḥ; gṛhe kaṇṭakino vṛkṣās tathā niṣpāva[?ṣparṇa]vallarī; yajñiyāś ca tathā vṛścyās teṣām āsan durātmanām; kūpasnānaratā nityaṃ parvamaithunagāminaḥ; tilān aśnanti rātrau ca tailābhyaktāś ca śerate; vibhītakakarañjānāṃ chāyāmūlanivāsinaḥ; karavīraṃ ca te puṣpaṃ dhārayanti ca mohitāḥ; padmabījāni khādanti puṣpaṃ jighranti mohitāḥ; na bhokṣyanti tathā nityaṃ daityāḥ kālena mohitāḥ; nindanti stavanaṃ viṣṇos tasya nityadviṣo janāḥ; homadhūmo na tatrāsīd vedaghoṣas tathaiva ca; yajñāś ca na pravartante yathāpūrvaṃ gṛhe gṛhe; śiṣyācāryakramo nāsīt putrair ātmapituḥ pitā; viṣṇuṃ brahmaṇyadeveśaṃ hitvā pāṣaṇḍam āśritāḥ; havyakavyavihīnāś ca jñānādhyayanavarjitāḥ; devasvādānarucayo brahmasvarucayas tathā; stutimaṅgalahīnāni devasthānāni sarvaśaḥ

Vor den Augen der Kinder essen sie, betört, die Speisen. Der eine hätte [nur] einen Diener, der andere ebenso zwei Dienerinnen. Manche Dānavas haben drei Kühe, andere vier ... [?]; sechs Rosse, sieben Elefanten, fünf Büffel andere. Nachts mieden sie Dickmilch und Gerstenmehl stets nicht. Innerhalb der zehn Tage [nach dem Kalben] essen die Unverständigen die Milch der Kühe. Sie melken nicht der Reihe nach und verzehren, was den Kälbern an den Zitzen zusteht. Die schutzlose, elende Ehefrau schlagen sie beständig und verfluchen sie. Brahmanen aber, von Śūdra-Speise genährt, werden auch schamlos. Die Hausfrau achtete nicht auf die vermischt liegenden Körner. Mit Katzen, Hähnen und Hunden treiben die Menschen Spiel. Im Haus stehen dornige Bäume und ebenso Nispāva-[?]-Ranken. Und die für das Opfer tauglichen [Bäume] waren bei ihnen, den Übelgesinnten, zu fällen. Stets dem Baden am Brunnen zugetan, an Parvan-Tagen dem Beischlaf nachgehend; Sesam essen sie nachts und schlafen mit Öl gesalbt; im Schatten und an den Wurzeln von Vibhītaka- und Karañja-Bäumen wohnend; Oleanderblüten tragen sie, betört; Lotossamen essen sie, an Blüten riechen sie, betört. So werden die Daityas, von der Zeit betört, [ordnungsgemäß] nicht genießen [?]. Sie tadeln den Lobpreis Viṣṇus, jene stets Hassenden. Kein Homa-Rauch war dort und ebenso kein Veda-Klang; Opfer wurden nicht mehr vollzogen wie früher, Haus für Haus. Die Ordnung von Schüler und Lehrer bestand nicht, [und] der Vater des eigenen Vaters durch die Söhne [?]. Viṣṇu, den Herrn der Götter, den Brahmanenfreund, verlassend, nahmen sie Zuflucht zur Häresie; ohne Havya und Kavya, frei von Wissen und Studium, am Nehmen von Götter- und Brahmanen-Eigentum Gefallen findend; die Götterstätten überall ohne Lobpreis und Segensriten.

Wort für Wort
bālānāṃ prekṣamāṇānāṃ bhaktāny aśnanti mohitāḥ
vor den Augen der Kinder essen sie, betört, die Speisen (Gen.Pl.m.; Akk.Pl.n.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
eko dāso bhavet teṣāṃ teṣāṃ dāsīdvayaṃ tathā
einer wäre der Diener, bei anderen ebenso zwei Dienerinnen (Opt.3.Sg.; Gen.Pl.m.; Nom.Sg.n.)
trigavā dānavāḥ ke cit caturojās tathā apare
manche Dānavas mit drei Kühen, andere ebenso mit vier ...[?] (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
ṣaḍaśvāḥ saptamātaṅgāḥ pañcamāhiṣikāḥ pare
sechs Rosse, sieben Elefanten, fünf Büffel [haben] andere (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
rātrau dadhi ca saktūn ca nityam eva avivarjitā
nachts Dickmilch und Gerstenmehl stets nicht gemieden (Lok.Sg.f.; Akk.; Adv.; Part.Pass.)
antardaśāhe ca aśnanti gavāṃ kṣīraṃ vicetanāḥ
innerhalb der zehn Tage essen sie die Milch der Kühe, unverständig (Lok.Sg.m.; Gen.Pl.f.; Nom.Pl.m.)
kramadohaṃ na kurvanti vatsastanyāni bhuñjate
sie melken nicht der Reihe nach, sie verzehren die Zitzenmilch der Kälber (Akk.Sg.m.; 3.Pl.Präs.; Akk.Pl.n.)
anāthāṃ kṛpaṇāṃ bhāryāṃ ghnanti nityaṃ śapanti ca
die schutzlose, elende Frau schlagen sie stets und verfluchen (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Präs.)
śūdrānnapuṣṭāḥ viprāḥ tu nirlajjāḥ ca bhavanti uta
von Śūdra-Speise genährte Brahmanen aber werden auch schamlos (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
saṃkīrṇāni ca dhānyāni na atyavekṣat kuṭumbinī
vermischte Körner beachtete die Hausfrau nicht (Akk.Pl.n.; 3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f.)
mārjārakukkuṭaśvānaiḥ krīḍāṃ kurvanti mānavāḥ
mit Katzen, Hähnen, Hunden treiben Spiel die Menschen (Instr.Pl.m.; Akk.Sg.f.; Nom.Pl.m.)
gṛhe kaṇṭakinaḥ vṛkṣāḥ tathā niṣpāva[?ṣparṇa]vallarī
im Haus dornige Bäume und ebenso Nispāva-Ranke [?] (Lok.Sg.n.; Nom.Pl.m.; Nom.Sg.f.)
yajñiyāḥ ca tathā vṛścyāḥ teṣām āsan durātmanām
und die Opfertauglichen [Bäume] waren bei ihnen, den Übelgesinnten, zu fällen (Nom.Pl.m.; Gerundiv; Gen.Pl.m.)
kūpasnānaratāḥ nityaṃ parvamaithunagāminaḥ
dem Brunnenbad zugetan, stets an Parvan-Tagen dem Beischlaf nachgehend (Nom.Pl.m.)
tilān aśnanti rātrau ca tailābhyaktāḥ ca śerate
Sesam essen sie nachts und ölgesalbt schlafen sie (Akk.Pl.m.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.Med.)
vibhītakakarañjānāṃ chāyāmūlanivāsinaḥ
im Schatten und an den Wurzeln von Vibhītaka und Karañja wohnend (Gen.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
karavīraṃ ca te puṣpaṃ dhārayanti ca mohitāḥ
Oleanderblüte tragen sie, betört (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Präs.; Part.Pass.)
padmabījāni khādanti puṣpaṃ jighranti mohitāḥ
Lotossamen essen sie, Blüten riechen sie, betört (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Präs.)
na bhokṣyanti tathā nityaṃ daityāḥ kālena mohitāḥ
nicht werden genießen so stets die Daityas, von der Zeit betört [?] (3.Pl.Fut.; Nom.Pl.m.; Instr.Sg.m.)
nindanti stavanaṃ viṣṇoḥ tasya nityadviṣaḥ janāḥ
sie tadeln den Lobpreis Viṣṇus, jene, stets Hassenden, Leute (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.n.; Gen.Sg.m.; Nom.Pl.m.)
homadhūmaḥ na tatra āsīt vedaghoṣaḥ tathā eva ca
Opferrauch war dort nicht, ebenso Veda-Klang (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Impf.)
yajñāḥ ca na pravartante yathāpūrvaṃ gṛhe gṛhe
und Opfer werden nicht vollzogen wie früher, Haus um Haus (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.Med.; Lok.Sg.n.)
śiṣyācāryakramaḥ na āsīt putraiḥ ātmapituḥ pitā
die Ordnung Schüler-Lehrer bestand nicht, durch die Söhne der Vater des eigenen Vaters [?] (Nom.Sg.m.; Instr.Pl.m.; Gen.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
viṣṇuṃ brahmaṇyadeveśaṃ hitvā pāṣaṇḍam āśritāḥ
Viṣṇu, den brahmanenfreundlichen Götterherrn, verlassend, bei der Häresie Zuflucht nehmend (Akk.Sg.m.; Abs.; Akk.Sg.m.; Part.Pass.)
havyakavyavihīnāḥ ca jñānādhyayanavarjitāḥ
ohne Götter- und Väteropfer, ohne Wissen und Studium (Nom.Pl.m.)
devasvādānarucayaḥ brahmasvarucayaḥ tathā
am Nehmen von Götter-Eigentum Gefallen findend, ebenso an Brahmanen-Eigentum (Nom.Pl.m.)
stutimaṅgalahīnāni devasthānāni sarvaśaḥ
Götterstätten überall ohne Lobpreis und Segensriten (Nom.Pl.n.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star) mit unsicheren Stellen: caturojāḥ, niṣpāva[?ṣparṇa]vallarī, na bhokṣyanti (Futur im Erzählzusammenhang), śiṣyācāryakramo nāsīt putrair ātmapituḥ pitā (Konstruktion unklar). Mehrere Pādas schildern Missstände in Auflistung, teils in Präsens, teils Imperfekt.

viprakīrṇāni dhānyāni kākamūṣakabhojanam; apāvṛtaṃ payo 'tiṣṭhad ucchiṣṭāś cāspṛśan ghṛtam

Zerstreute Körner dienten Krähen und Mäusen als Nahrung; die Milch stand unbedeckt, und Unreine, mit Speiseresten Befleckte, berührten die Butter.

Wort für Wort
viprakīrṇāni dhānyāni
zerstreute Körner (Nom.Pl.n.)
kākamūṣakabhojanam
Nahrung für Krähen und Mäuse (Nom.Sg.n.)
apāvṛtaṃ payaḥ atiṣṭhat
unbedeckt stand die Milch (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Impf.)
ucchiṣṭāḥ ca aspṛśan ghṛtam
und Speisereste-Befleckte berührten die Butter (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Impf.; Akk.Sg.n.)

kuddālapāṭīpiṭakaṃ prakīrṇaṃ kāṃsyabhājanam; dravyopakaraṇaṃ sarvaṃ nānvavaikṣat kuṭumbinī

Hacke, [pāṭī-]Korb [?] und Bronzegefäß lagen verstreut; die Hausfrau beaufsichtigte all die Geräte und Utensilien nicht.

Wort für Wort
kuddālapāṭīpiṭakam
Hacke, pāṭī, Korb [?] (Nom.Sg.n.; Dvandva)
prakīrṇaṃ kāṃsyabhājanam
verstreut, Bronzegefäß (Part.Pass.; Nom.Sg.n.)
dravyopakaraṇaṃ sarvam
Gerät und Zubehör, alles (Nom./Akk.Sg.n.)
na anvavaikṣat kuṭumbinī
nicht beaufsichtigte die Hausfrau (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f.)

kuddālapāṭīpiṭakam: pāṭī unklar [?].

prākārāgāravidhvaṃsān na sma te pratikurvate

Den Verfall von Mauern und Häusern besserten sie nicht aus.

Wort für Wort
prākārāgāravidhvaṃsān
den Verfall von Mauern und Häusern (Akk.Pl.m.)
na sma te pratikurvate
nicht, wahrlich, sie besserten aus (Part.; 3.Pl.Präs.Med.)

kṣudrāḥ saṃskārahīnāś ca nāryo hy udarapoṣaṇāḥ; śaucācāraparibhraṣṭā nirlajjā bhogavañcitāḥ; ubhābhyām eva pāṇibhyāṃ śiraḥkaṇḍūyanānvitāḥ; gṛhajālābhisaṃsthānā hy āsaṃs tatra striyaḥ punaḥ; śvaśrūśvaśurayor madhye bhartāraṃ kṛtakaṃ yathā; prekṣayanti ca nirlajjā nāryaḥ kulajalakṣaṇāḥ

Gemeine, ohne Läuterung, die Frauen nur den Bauch nährend, von Reinheit und Sitte abgefallen, schamlos, um Genüsse betrogen [?]; mit beiden Händen den Kopf kratzend; die Frauen dort wiederum am Hausgitter [?] stehend; zwischen Schwiegermutter und Schwiegervater den Gatten wie einen Scheingatten [?]; und die schamlosen Frauen lassen [ihn] zur Schau stellen, ... [?].

Wort für Wort
kṣudrāḥ saṃskārahīnāḥ ca nāryaḥ hi udarapoṣaṇāḥ
gemein, ohne Läuterung, die Frauen, den Bauch nährend (Nom.Pl.f.)
śaucācāraparibhraṣṭāḥ nirlajjāḥ bhogavañcitāḥ
von Reinheit und Sitte abgefallen, schamlos, um Genüsse betrogen [?] (Nom.Pl.f.)
ubhābhyām eva pāṇibhyām śiraḥkaṇḍūyanānvitāḥ
mit beiden Händen, den Kopf kratzend (Instr.Du.m.; Nom.Pl.f.)
gṛhajālābhisaṃsthānāḥ hi āsan tatra striyaḥ punaḥ
am Hausgitter [?] stehend waren dort die Frauen wiederum (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Impf.)
śvaśrūśvaśurayoḥ madhye bhartāraṃ kṛtakaṃ yathā
zwischen Schwiegermutter und Schwiegervater den Gatten wie einen Scheinhaften [?] (Gen.Du.; Akk.Sg.m.)
prekṣayanti ca nirlajjāḥ nāryaḥ kulajalakṣaṇāḥ
sie lassen zuschauen, die schamlosen Frauen, ...[?] (3.Pl.Präs. Kaus.; Nom.Pl.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, stark verderbt: gṛhajālābhisaṃsthānāḥ, kṛtakaṃ yathā, kulajalakṣaṇāḥ unsicher.

nādriyante paśūn baddhvā yavasenodakena ca

Die angebundenen Tiere beachteten sie nicht, [versorgten sie] mit Futter und Wasser [nicht].

Wort für Wort
na ādriyante paśūn baddhvā
nicht beachten sie die Tiere, angebunden habend (3.Pl.Präs.Med.; Akk.Pl.m.; Abs.)
yavasena udakena ca
mit Futter und mit Wasser (Instr.Sg.n.)

bālānāṃ prekṣamāṇānāṃ svayaṃ bhakṣān abhakṣayan; tathā bhṛtyajanaṃ sarvaṃ paryaśnanti ca dānavāḥ

Vor den Augen der Kinder aßen sie selbst die Speisen; und so aßen die Dānavas vor der ganzen Dienerschaft [?].

Wort für Wort
bālānāṃ prekṣamāṇānām
vor den Augen der Kinder (Gen.Pl.m.; Part.Präs.Med.)
svayaṃ bhakṣān abhakṣayan
selbst die Speisen aßen sie (Adv.; Akk.Pl.m.; 3.Pl.Impf.)
tathā bhṛtyajanaṃ sarvam
ebenso das ganze Dienstvolk (Adv.; Akk.Sg.m.)
paryaśnanti ca dānavāḥ
und essen ringsum/vor [?] die Dānavas (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)

paryaśnanti: Konstruktion mit bhṛtyajanam unsicher.

pāyasaṃ kṛsaraṃ māṃsam apūpān atha śaṣkulīḥ; apācayann ātmano 'rthe vṛthāmāṃsāny abhakṣayan

Milchreis, Reis-Sesam-Brei, Fleisch, Kuchen und Teigfladen ließen sie für sich allein zubereiten; sie aßen [sogar] Fleisch ohne [rituellen] Zweck.

Wort für Wort
pāyasaṃ kṛsaraṃ māṃsam
Milchreis, Reis-Sesam-Brei, Fleisch (Akk.Sg.n.)
apūpān atha śaṣkulīḥ
Kuchen und dann Teigfladen (Akk.Pl.)
apācayann ātmano 'rthe
sie ließen kochen für sich selbst (3.Pl.Impf.Kaus.; Lok./Gen. 'zum Zweck')
vṛthāmāṃsāny abhakṣayan
nutzloses/unrituelles Fleisch aßen sie (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Impf.)

utsūryaśāyinaś cāsan sarve cāsan prageniśāḥ; avartan kalahāś cātra divārātraṃ gṛhe gṛhe

Sie schliefen [noch] bei Sonnenaufgang und waren alle in der Nacht [noch] wach; und Streitigkeiten entstanden dort Tag und Nacht in Haus für Haus.

Wort für Wort
utsūryaśāyinaś ca āsan
und sie waren solche, die bei aufgegangener Sonne schlafen (Nom.Pl.; 3.Pl.Impf.)
sarve ca āsan prageniśāḥ
und alle waren beim Tagesanbruch noch in der Nacht [wachend] (Nom.Pl.; Kompositum)
avartan kalahāś ca atra
und es herrschten Streitigkeiten hier (3.Pl.Impf.; Nom.Pl.)
divārātraṃ gṛhe gṛhe
Tag und Nacht, in Haus für Haus (Akk.Adv.; Lok. distributiv)

prageniśāḥ: Deutung unsicher [?]; wörtlich etwa „die zur Morgenzeit noch Nacht haben“.

anāryāś cāryam āsīnaṃ paryupāsan na tatra ha; āśramasthān vikarmasthāḥ pradviṣanti parasparam; saṃkarāś cāpy avartanta na ca śaucam avartata

Die Unedlen [aber] warteten dem Edlen, der dasaß, dort nicht auf; die im Lebensabschnitt Stehenden [und] die in verbotenen Werken Stehenden hassen einander; Vermischungen entstanden, und Reinheit bestand nicht mehr.

Wort für Wort
anāryāś ca āryam āsīnaṃ
und die Unedlen [gegenüber] dem sitzenden Edlen (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Part.Med.)
paryupāsan na tatra ha
sie warteten nicht auf, dort fürwahr (3.Pl.Impf.)
āśramasthān vikarmasthāḥ pradviṣanti parasparam
die in Lebensabschnitten Stehenden [hassen] die in Fehlwerken Stehenden, sie hassen einander (Akk.Pl.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
saṃkarāś ca api avartanta
und auch Vermischungen traten ein (Nom.Pl.; 3.Pl.Impf.Med.)
na ca śaucam avartata
und Reinheit bestand nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Impf.Med.)

Syntax der Halbverse 1-2 knapp und mehrdeutig; Zuordnung von āśramasthān/vikarmasthāḥ unsicher [?].

ye ca vedavido viprā vispaṣṭam anṛcaś ca ye; nirantaraviśeṣās te bahumānāvamānayoḥ

Und die Brahmanen, die die Veden kennen, und die, die deutlich keine Ṛc-Strophen kennen, waren ohne Unterschied, [nur] in Ehrung und Missachtung [verschieden].

Wort für Wort
ye ca vedavido viprā
und welche Brahmanen die Veden kennen (Nom.Pl.)
vispaṣṭam anṛcaś ca ye
und welche offenkundig keine Ṛc kennen (Adv.; Nom.Pl.)
nirantaraviśeṣās te
sie ohne trennenden Unterschied (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
bahumānāvamānayoḥ
bei hoher Achtung und Geringschätzung (Lok.Du.)

Zweiter Halbvers sprachlich hart; Wiedergabe „ohne Unterschied, nur in Ehrung und Missachtung [verschieden]“ unsicher [?].

hāvam ābharaṇaṃ veṣaṃ gatiṃ sthitim avekṣitum; asevanta bhujiṣyā vai durjanācaritaṃ vidhim

Um Schmuck, Kleidung, Gang und Haltung zu beobachten, pflegten Dienstleute das Verfahren [= Benehmen] schlechter Menschen.

Wort für Wort
hāvam ābharaṇaṃ veṣaṃ
Gebärde, Schmuck, Tracht (Akk.Sg.)
gatiṃ sthitim avekṣitum
Gang [und] Haltung zu betrachten (Akk.; Inf.)
asevanta bhujiṣyā vai
es pflegten die Dienerinnen/Dienenden fürwahr (3.Pl.Impf.Med.; Nom.Pl.)
durjanācaritaṃ vidhim
das von Schlechten geübte Verfahren (Akk.Sg.)

hāvam: Bedeutung „Gebärde/Koketterie“ [?]; bhujiṣyā: Fem./Kollektiv „Dienerschaft“ [?].

striyaḥ puruṣaveṣeṇa puṃsaḥ strīveṣadhāriṇaḥ; krīḍārativihāreṣu parāṃ mudam avāpnuvan

Frauen [nahmen] Männertracht [an], Männer trugen Frauentracht; bei Spiel, Vergnügen und Lustbarkeiten erlangten sie höchste Freude.

Wort für Wort
striyaḥ puruṣaveṣeṇa
Frauen in Männertracht (Nom.Pl.; Instr.Sg.)
puṃsaḥ strīveṣadhāriṇaḥ
Männer, Frauentracht tragend (Nom.Pl.)
krīḍārativihāreṣu
bei Spielen, Vergnügungen, Lustwandeln (Lok.Pl.; Dvandva)
parāṃ mudam avāpnuvan
höchste Freude erlangten sie (Akk.Sg.; 3.Pl.Impf.)

prabhavadbhiḥ purā dāyān arhebhyaḥ pratipāditān; nābhyavartanta nāstikyād vartantaḥ saṃbhaveṣv api

Was die Mächtigen früher an Würdige als Gaben übergeben hatten, das erstatteten sie aus Unglauben nicht [zurück], obwohl Fälle des Vorkommens [= Möglichkeiten] bestanden.

Wort für Wort
prabhavadbhiḥ purā dāyān
von den Mächtigen früher die Gaben (Instr.Pl.; Akk.Pl.)
arhebhyaḥ pratipāditān
an Würdige übergebene (Dat.Pl.; Part.Akk.Pl.)
na abhyavartanta nāstikyāt
sie hielten sich nicht daran, aus Ungläubigkeit (3.Pl.Impf.Med.; Abl.)
vartantaḥ saṃbhaveṣv api
[obwohl] bestehend, in [vorhandenen] Möglichkeiten (Part.; Lok.Pl.)

Zweiter Halbvers verderbt/unklar; „vartantaḥ“ ist als Partizip formal unregelmäßig [?].

mitreṇābhyarthitaṃ mitram arthe saṃśayite kva cit; vālakoṭyagramātreṇa svārthenāghnata tad vasu

Wenn ein Freund von einem Freund in einer bestimmten Sache, wo Zweifel bestand, um [Beistand] gebeten wurde, so raubten sie dessen Vermögen um des eigenen Vorteils willen, [sei es auch nur] um die Haarspitze [= eine Winzigkeit].

Wort für Wort
mitreṇa abhyarthitaṃ mitram
den von einem Freund gebetenen Freund (Instr.; Part.Akk.; Akk.)
arthe saṃśayite kva cit
in einer Angelegenheit, die irgendwie zweifelhaft [war] (Lok.; Part.Lok.)
vālakoṭyagramātreṇa
um bloß die Spitze der Haarspitze (Instr.Sg.)
svārthena aghnata tad vasu
aus eigenem Interesse schlugen/raubten sie jenes Gut (Instr.; 3.Pl.Impf.Med.; Akk.)

Halbvers 1 elliptisch; Konstruktion unsicher [?].

parasvādānarucayo vipaṇyavyavahāriṇaḥ; adṛśyantāryavarṇeṣu śūdrāś cāpi tapodhanāḥ

Man sah [Leute], die am Fremdgut Gefallen fanden und Handel trieben, in den edlen Ständen, und auch Śūdras als Asketen.

Wort für Wort
parasvādānarucayaḥ
am Nehmen fremden Besitzes Gefallen habend (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
vipaṇyavyavahāriṇaḥ
Handel Treibende (Nom.Pl.)
adṛśyanta āryavarṇeṣu
sie wurden gesehen in den edlen Ständen (3.Pl.Impf.Pass.; Lok.Pl.)
śūdrāś ca api tapodhanāḥ
und auch Śūdras, [reich an] Askese (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)

adhīyante 'vratāḥ ke cid vṛthāvratam athāpare; aśuśrūṣur guroḥ śiṣyaḥ kaś cic chiṣyasakho guruḥ

Manche studieren ohne Gelübde, andere haben ein nutzloses Gelübde; der Schüler war dem Lehrer nicht dienstbereit, und mancher Lehrer wurde zum Freund des Schülers.

Wort für Wort
adhīyante 'vratāḥ ke cid
es studieren gelübdelos manche (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.)
vṛthāvratam athāpare
nutzloses Gelübde [halten] andere (Akk.Sg.n.; Nom.Pl.)
aśuśrūṣur guroḥ śiṣyaḥ
nicht dienstwillig gegenüber dem Lehrer [war] der Schüler (Nom.Sg.; Gen.)
kaś cic chiṣyasakho guruḥ
mancher Lehrer, Freund des Schülers (Nom.Sg.)

adhīyante steht im Präsens neben Imperfekten; Tempuswechsel im Text.

pitā caiva janitrī ca śrāntau vṛttotsavāv iva; aprabhutve sthitau vṛddhāv annaṃ prārthayataḥ sutān

Vater und Mutter, erschöpft [und] wie [zu] Festen [der Lebensunterhalt] entfallen, alt und ohne Macht dastehend, erbitten von den Söhnen Speise.

Wort für Wort
pitā ca eva janitrī ca
Vater und Mutter (Nom.Sg.)
śrāntau vṛttotsavāv iva
erschöpft, wie [solche], deren Unterhalt/Feste [vorbei sind] (Nom.Du.)
aprabhutve sthitau vṛddhau
in Machtlosigkeit stehend, alt (Lok.; Nom.Du.)
annaṃ prārthayataḥ sutān
Speise erbitten sie von den Söhnen (Akk.; 3.Du.Präs.; Akk.Pl.)

vṛttotsavāv iva: Deutung unsicher [?].

tatra vedavidaḥ prājñā gāmbhīrye sāgaropamāḥ; kṛṣyādiṣv abhavan saktā mūrkhāḥ śrāddhāny abhuñjata

Dort wurden die Veda-Kundigen, Weisen, tief wie das Meer, an Ackerbau und Ähnlichem hängend; Toren aßen [bei] Totenopfern.

Wort für Wort
tatra vedavidaḥ prājñā
dort die Veda-Kenner, Klugen (Nom.Pl.)
gāmbhīrye sāgaropamāḥ
in Tiefe dem Meer gleich (Lok.; Nom.Pl.)
kṛṣyādiṣv abhavan saktāḥ
an Ackerbau usw. wurden sie hängend (Lok.Pl.; 3.Pl.Impf.; Part.)
mūrkhāḥ śrāddhāny abhuñjata
Toren aßen die Totenopfer(speisen) (Nom.Pl.; Akk.Pl.n.; 3.Pl.Impf.Med.)

prātaḥ prātaś ca supraśnaṃ kalpanaṃ preṣaṇakriyāḥ; śiṣyānuprahitās tasminn akurvan guravaś ca ha

Morgen für Morgen verrichteten die Lehrer dort, von den Schülern angeleitet, gutes Fragen, Zurüstung und Botendienste.

Wort für Wort
prātaḥ prātaś ca
und Morgen für Morgen (Adv.)
supraśnaṃ kalpanaṃ preṣaṇakriyāḥ
Erkundigung, Zurichtung, Botengänge (Akk.Sg.; Akk.Pl.)
śiṣyānuprahitāḥ tasmin
von den Schülern entsandt/beauftragt, dabei (Nom.Pl.; Lok.)
akurvan guravaś ca ha
verrichteten die Lehrer fürwahr (3.Pl.Impf.; Nom.Pl.)

supraśnam: Bedeutung unsicher [?]; Rollenumkehr Lehrer/Schüler ist der Sinn.

śvaśrūśvaśurayor agre vadhūḥ preṣyān aśāsata; anvaśāsac ca bhartāraṃ samāhūyābhijalpatī

Vor Schwiegermutter und Schwiegervater befahl die Schwiegertochter den Dienern, und [sie] wies auch den Gatten an, ihn herbeirufend und ihn anredend.

Wort für Wort
śvaśrūśvaśurayor agre
vor der Schwiegermutter und dem Schwiegervater (Gen.Du.; Adv.)
vadhūḥ preṣyān aśāsata
die junge Frau befahl den Dienern (Nom.Sg.; Akk.Pl.; 3.Pl.Impf.Med.)
anvaśāsat ca bhartāram
und wies an den Gatten (3.Sg.Impf.; Akk.)
samāhūya abhijalpatī
herbeirufend, ihn ansprechend (Ger.; Part.Fem.)

aśāsata (3.Pl.) neben Singular-Subjekt vadhūḥ: formal auffällig [?].

prayatnenāpi cārakṣac cittaṃ putrasya vai pitā; vyabhajaṃś cāpi saṃrambhād duḥkhavāsaṃ tathāvasan

Und mit Mühe hütete der Vater [nur noch] den Sinn des Sohnes; und sie trennten sich aus Zorn und lebten [so] in leidvollem Wohnen.

Wort für Wort
prayatnena api ca arakṣat
und auch mit Anstrengung hütete (Instr.; 3.Sg.Impf.)
cittaṃ putrasya vai pitā
den Sinn des Sohnes fürwahr der Vater (Akk.; Gen.; Nom.)
vyabhajan ca api saṃrambhāt
und sie teilten sich [das Erbe]/trennten sich aus Aufbrausen (3.Pl.Impf.; Abl.)
duḥkhavāsaṃ tathā avasan
leidvolles Wohnen, so wohnten sie (Akk.; 3.Pl.Impf.)

Subjektwechsel Sg./Pl. im Vers; Sinn im Ganzen unsicher [?].

agnidāhena corair vā rājabhir vā hṛtaṃ dhanam; dṛṣṭvā dveṣāt prāhasanta suhṛtsaṃbhāvitā hy api

Sahen sie, dass Vermögen durch Brand, Diebe oder Könige weggenommen war, so lachten sie aus Missgunst, obwohl sie von Freunden geachtet [worden] waren.

Wort für Wort
agnidāhena corair vā rājabhir vā
durch Feuersbrunst oder durch Diebe oder durch Könige (Instr.)
hṛtaṃ dhanam
geraubtes Vermögen (Part.Akk.n.)
dṛṣṭvā dveṣāt prāhasanta
gesehen habend, aus Hass lachten sie (Ger.; Abl.; 3.Pl.Impf.Med.)
suhṛtsaṃbhāvitā hy api
obwohl von Freunden hochgeschätzt (Nom.Pl.; Part.)

Subjektbezug von suhṛtsaṃbhāvitāḥ (die Verlachenden bzw. die Betroffenen) unsicher [?].

kṛtaghnā nāstikāḥ pāpā gurudārābhimarśinaḥ; abhakṣyabhakṣaṇaratā nirmaryādā hatatviṣaḥ

Undankbar, Nāstika [= Leugner], sündhaft, an den Frauen der Lehrer sich vergreifend, an Verbotenem als Speise Freude findend, ohne Schranke, mit erloschenem Glanz.

Wort für Wort
kṛtaghnā nāstikāḥ pāpāḥ
Undankbare, Leugner [der Jenseitsordnung], Sünder (Nom.Pl.)
gurudārābhimarśinaḥ
die Frauen des Lehrers antastend (Nom.Pl.)
abhakṣyabhakṣaṇaratāḥ
am Essen von Unessbarem hängend (Nom.Pl.)
nirmaryādā hatatviṣaḥ
ohne Grenze/Sitte, mit zerstörtem Glanz (Nom.Pl.)

śvaśurānugatāḥ sarve hy utsṛjya pitarau sutāḥ; svakarmaṇā ca jāto 'ham ity evaṃvādinas tathā

Alle Söhne, den Schwiegervätern folgend, verließen ihre Eltern und sprachen so: „Ich bin durch eigenes Tun geboren.“

Wort für Wort
śvaśurānugatāḥ sarve
den Schwiegervätern nachfolgend alle (Nom.Pl.)
hi utsṛjya pitarau sutāḥ
denn die Eltern verlassen habend, die Söhne (Ger.; Akk.Du.; Nom.Pl.)
svakarmaṇā ca jātaḥ aham
und durch eigenes Werk bin ich geboren (Instr.; Part.; Pron.)
iti evaṃvādinaḥ tathā
„so“, dermaßen redend, ebenso (Part.; Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

teṣv evamādīn ācārān ācaratsu viparyaye; nāhaṃ devendra vatsyāmi dānaveṣv iti me matiḥ

Bei diesen, die solche und ähnliche Bräuche in verkehrter Weise übten, werde ich, Herr der Götter, nicht bei den Dānavas wohnen: das ist mein Entschluss.

Wort für Wort
teṣu evamādīn ācārān
bei ihnen, solche und ähnliche Bräuche (Lok.Pl.; Akk.Pl.)
ācaratsu viparyaye
bei den Übenden, in der Verkehrung (Part.Lok.Pl.; Lok.)
na aham devendra vatsyāmi
ich werde nicht, Götterfürst, wohnen (Vok.; 1.Sg.Fut.)
dānaveṣu iti me matiḥ
bei den Dānavas, so [lautet] mein Entschluss (Lok.Pl.; Nom.Sg.)

tāṃ māṃ svayam anuprāptām abhinanda śacīpate; tvayārcitāṃ māṃ deveśa purodhāsyanti devatāḥ

Nimm mich, die ich von selbst herangekommen bin, freudig auf, Herr der Śacī! Von dir geehrt, Herr der Götter, werden mich die Götter [in Ehren] voranstellen.

Wort für Wort
tāṃ mām svayam anuprāptām
mich, die so von selbst Herangekommene (Akk.Sg.f.)
abhinanda śacīpate
heiße willkommen, Gatte der Śacī (Imp.; Vok.)
tvayā arcitāṃ mām deveśa
von dir geehrt mich, Herr der Götter (Instr.; Part.Akk.; Vok.)
purodhāsyanti devatāḥ
werden voranstellen die Götter (3.Pl.Fut.; Nom.Pl.)

yatrāhaṃ tatra matkāntā madviśiṣṭā madarpaṇāḥ; sapta devyo mayāṣṭamyo vāsaṃ ceṣyanti me 'ṣṭadhā

Wo ich bin, dort sind meine Geliebten, mir vorzüglich, mir hingegeben: sieben Göttinnen, mit mir als achter, werden bei mir [ihre] Wohnung nehmen, achtfach.

Wort für Wort
yatra aham tatra matkāntāḥ
wo ich [bin], dort meine Geliebten (Nom.Pl.)
madviśiṣṭā madarpaṇāḥ
von mir ausgezeichnet, mir übergeben (Nom.Pl.)
sapta devyo mayā aṣṭamyaḥ
sieben Göttinnen, mit mir als Achter (Nom.Pl.; Instr.; Nom.Pl.f.)
vāsaṃ ceṣyanti me 'ṣṭadhā
werden Wohnung suchen/nehmen bei mir, achtfach (Akk.; 3.Pl.Fut.; Adv.)

ceṣyanti: von √ci/cit mit vāsam, „Wohnung wählen“ [?]; madviśiṣṭāḥ [?].

āśā śraddhā dhṛtiḥ kāntir vijitiḥ sannatiḥ kṣamā; aṣṭamī vṛttir etāsāṃ purogā pākaśāsana

Āśā [Hoffnung], Śraddhā [Vertrauen], Dhṛti [Standhaftigkeit], Kānti [Glanz], Vijiti [Sieg], Sannati [Demut], Kṣamā [Nachsicht]; die Achte von diesen ist Vṛtti, [sie] geht voran, Bezwinger des Pāka.

Wort für Wort
āśā śraddhā dhṛtiḥ kāntiḥ
Hoffnung, Vertrauen, Standhaftigkeit, Glanz (Nom.Sg.f.)
vijitiḥ sannatiḥ kṣamā
Sieg, Demut, Nachsicht (Nom.Sg.f.)
aṣṭamī vṛttiḥ etāsām
die Achte, Lebensweise/Verhalten, von diesen (Nom.; Gen.Pl.f.)
purogā pākaśāsana
vorangehend, Bezwinger des Pāka (Nom.Sg.f.; Vok.)

vṛtti: „Lebensweise/Verhalten“; als Personifikation unsicher [?].

tāś cāhaṃ cāsurāṃs tyaktvā yuṣmadviṣayam āgatā; tridaśeṣu nivatsyāmo dharmaniṣṭhāntarātmasu

Wir alle, ich und jene, die Asuras verlassend, sind in euer Gebiet gekommen; wir werden unter den Dreißig [Göttern] wohnen, deren Inneres im Dharma gegründet ist.

Wort für Wort
tāḥ ca aham ca asurān tyaktvā
und jene und ich, die Asuras verlassend (Nom.Pl.f.; Ger.)
yuṣmadviṣayam āgatā
in euer Gebiet gekommen (Akk.; Part.Nom.Pl.f.)
tridaśeṣu nivatsyāmaḥ
unter den Dreißig werden wir wohnen (Lok.Pl.; 1.Pl.Fut.)
dharmaniṣṭhāntarātmasu
bei denen, deren innerstes Selbst im Dharma steht (Bahuvrīhi, Lok.Pl.)

bhīṣma uvāca; ity uktavacanāṃ devīm atyarthaṃ tau nanandatuḥ; nāradaś ca trilokarṣir vṛtrahantā ca vāsavaḥ

Bhīṣma sprach: Über diese Rede der Göttin freuten sich beide überaus: Nārada, der Seher der drei Welten, und der Vṛtra-Töter Vāsava.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
iti uktavacanām devīm
„so“ die Göttin, die gesprochen hatte (Part.Akk.Sg.f.)
atyartham tau nanandatuḥ
überaus freuten sich die beiden (Adv.; Perf.3.Du.)
nāradaś ca trilokarṣiḥ
und Nārada, der Seher der drei Welten (Nom.)
vṛtrahantā ca vāsavaḥ
und der Vṛtra-Töter Vāsava/Indra (Nom.)

Der Akkusativ devīm ist als Objekt der Freude („über die Göttin“) gefasst.

tato 'nalasakho vāyuḥ pravavau devaveśmasu; iṣṭagandhaḥ sukhasparśaḥ sarvendriyasukhāvahaḥ

Da wehte der Wind, der Freund des Feuers, in den Wohnstätten der Götter, mit erwünschtem Duft, angenehmer Berührung, allen Sinnen Wohlgefühl bringend.

Wort für Wort
tato 'nalasakho vāyuḥ
da der Wind, Freund des Feuers (Nom.)
pravavau devaveśmasu
wehte in den Götterhäusern (3.Sg.Perf.; Lok.Pl.)
iṣṭagandhaḥ sukhasparśaḥ
von erwünschtem Duft, von angenehmer Berührung (Bahuvrīhi)
sarvendriyasukhāvahaḥ
allen Sinnen Wohl bringend (Nom.Sg.)

śucau cābhyarcite deśe tridaśāḥ prāyaśaḥ sthitāḥ; lakṣmyā sahitam āsīnaṃ maghavantaṃ didṛkṣavaḥ

Und an reinem, geehrtem Ort standen die Dreißig [Götter] größtenteils, den Maghavan zu sehen begierig, wie er mit Lakṣmī zusammen dasaß.

Wort für Wort
śucau ca abhyarcite deśe
und an reinem, verehrtem Ort (Lok.Sg.)
tridaśāḥ prāyaśaḥ sthitāḥ
die Götter größtenteils stehend (Nom.Pl.; Adv.; Part.)
lakṣmyā sahitam āsīnam
mit Lakṣmī verbunden dasitzend (Instr.; Part.Akk.)
maghavantaṃ didṛkṣavaḥ
den Maghavan zu sehen wünschend (Akk.; Nom.Pl.)

tato divaṃ prāpya sahasralocanaḥ; śriyopapannaḥ suhṛdā surarṣiṇā; rathena haryaśvayujā surarṣabhaḥ; sadaḥ surāṇām abhisatkṛto yayau

Da gelangte der Tausendäugige zum Himmel, mit Śrī ausgestattet, mit dem Freund, dem göttlichen Seher, auf dem von falben Rossen gezogenen Wagen, der Stier der Götter, von der Versammlung der Götter geehrt, und ging [hinein].

Wort für Wort
tato divaṃ prāpya sahasralocanaḥ
da den Himmel erreicht habend, der Tausendäugige (Ger.; Nom.)
śriyā upapannaḥ suhṛdā surarṣiṇā
mit Śrī versehen, mit dem Freund, dem Götterseher (Instr.)
rathena haryaśvayujā
auf dem Wagen, der mit falben Rossen angeschirrt ist (Instr.)
surarṣabhaḥ sadaḥ surāṇām
der Stier der Götter, [zur] Versammlung der Götter (Nom.; Akk.; Gen.Pl.)
abhisatkṛto yayau
hoch geehrt ging er (Part.; 3.Sg.Perf.)

Gliederung nach Padas; Syntax der Strophe locker.

atheṅgitaṃ vajradharasya nāradaḥ; śriyāś ca devyā manasā vicārayan; śriyai śaśaṃsāmaradṛṣṭapauruṣaḥ; śivena tatrāgamanaṃ maharddhimat

Nun bedachte Nārada im Sinn die Absicht des Blitzträgers und der Göttin Śrī und sagte der Śrī [dann], er, dessen Mannhaftigkeit den Göttern bekannt war, [ihr] Kommen dorthin sei glückverheißend und reich an Fülle.

Wort für Wort
atha iṅgitaṃ vajradharasya nāradaḥ
nun die Absicht des Blitzträgers, Nārada (Akk.; Gen.; Nom.)
śriyāḥ ca devyāḥ manasā vicārayan
und der Göttin Śrī, im Geist erwägend (Gen.; Instr.; Part.)
śriyai śaṃsa amaradṛṣṭapauruṣaḥ
der Śrī sprach er, von den Göttern in seiner Mannhaftigkeit gesehen (Dat.; 3.Sg.Perf.; Bahuvrīhi)
śivena tatra āgamanaṃ maharddhimat
„glückvoll [ist] dort das Kommen“, überaus prächtig (Instr.; Nom.n.; Adj.)

śaśaṃsa steht in der Vorlage als śaśaṃsa; Sinn des Satzes im 4. Pāda unsicher [?].

tato 'mṛtaṃ dyauḥ pravavarṣa bhāsvatī; pitāmahasyāyatane svayaṃbhuvaḥ; anāhatā dundubhayaś ca nedire; tathā prasannāś ca diśaś cakāśire

Da regnete der strahlende Himmel Unsterblichkeitstrank [herab] auf den Wohnsitz des Großvaters, des Selbstentstandenen; ungeschlagen ertönten die Pauken, und die Himmelsrichtungen erglänzten klar.

Wort für Wort
tato 'mṛtaṃ dyauḥ pravavarṣa bhāsvatī
da Unsterblichkeitstrank regnete der strahlende Himmel (Akk.; Nom.f.; 3.Sg.Perf.)
pitāmahasya āyatane svayaṃbhuvaḥ
auf/an der Wohnstatt des Großvaters, des Selbstentstandenen (Gen.; Lok.; Gen.)
anāhatāḥ dundubhayaś ca nedire
ungeschlagene Pauken und ertönten (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)
tathā prasannāḥ ca diśaḥ cakāśire
und klar glänzten die Himmelsrichtungen (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)

yathartu sasyeṣu vavarṣa vāsavo; na dharmamārgād vicacāla kaś cana; anekaratnākarabhūṣaṇā ca bhūḥ; sughoṣaghoṣā bhuvanaukasāṃ jaye

Vāsava regnete auf die Saaten zur rechten Jahreszeit, niemand wich vom Pfad des Dharma ab; die Erde war mit vielen Kostbarkeiten der Fundstätten geschmückt, und laut war der Jubel der Erdbewohner beim Sieg.

Wort für Wort
yathartu sasyeṣu vavarṣa vāsavaḥ
der Jahreszeit gemäß auf die Saaten regnete Vāsava (Adv.; Lok.Pl.; 3.Sg.Perf.)
na dharmamārgād vicacāla kaś cana
niemand wich vom Dharma-Weg ab (Abl.; 3.Sg.Perf.)
anekaratnākarabhūṣaṇā ca bhūḥ
und die Erde, geschmückt mit vielen Juwelenminen (Bahuvrīhi; Nom.f.)
sughoṣaghoṣā bhuvanaukasāṃ jaye
von lautem Jubelruf, der Bewohner der Welt, beim Sieg (Bahuvrīhi; Gen.Pl.; Lok.)

Zuordnung von sughoṣaghoṣā unsicher [?].

kriyābhirāmā manujā yaśasvino; babhuḥ śubhe puṇyakṛtāṃ pathi sthitāḥ; narāmarāḥ kiṃnarayakṣarākṣasāḥ; samṛddhimantaḥ sukhino yaśasvinaḥ

Die Menschen, freudig an guten Werken, ruhmreich, wurden auf dem glückverheißenden Pfad der Tugendhaften stehend; Menschen und Götter, Kiṃnaras, Yakṣas und Rākṣasas waren wohlhabend, glücklich und ruhmreich.

Wort für Wort
kriyābhirāmā manujā yaśasvinaḥ
an Werken sich erfreuend, die Menschen, ruhmvoll (Nom.Pl.)
babhuḥ śubhe puṇyakṛtāṃ pathi sthitāḥ
wurden sie, auf glücklichem Pfad der Verdienstvollen stehend (3.Pl.Perf.; Lok.; Gen.Pl.)
narāmarāḥ kiṃnarayakṣarākṣasāḥ
Menschen und Götter, Kiṃnaras, Yakṣas, Rākṣasas (Nom.Pl.)
samṛddhimantaḥ sukhinaḥ yaśasvinaḥ
wohlhabend, glücklich, ruhmreich (Nom.Pl.)

na jātv akāle kusumaṃ kutaḥ phalaṃ; papāta vṛkṣāt pavaneritād api; rasapradāḥ kāmadughāś ca dhenavo; na dāruṇā vāg vicacāra kasya cit

Niemals fiel zur Unzeit eine Blüte, geschweige denn eine Frucht, vom Baum, auch nicht vom Wind bewegt; die Kühe gaben Saft und erfüllten Wünsche, und niemandes Rede war rau.

Wort für Wort
na jātu akāle kusumaṃ kutaḥ phalam
niemals zur Unzeit eine Blüte, wie erst eine Frucht (Lok.; Nom.; Adv.; Nom.)
papāta vṛkṣāt pavaneritāt api
fiel vom Baum, auch vom Wind bewegten (3.Sg.Perf.; Abl.; Part.Abl.)
rasapradāḥ kāmadughāḥ ca dhenavaḥ
saftspendend und wunscherfüllend die Kühe (Nom.Pl.)
na dāruṇā vāg vicacāra kasya cit
nicht [ging] eine harte Rede [um] von irgendjemandem (Nom.f.; 3.Sg.Perf.; Gen.)

imāṃ saparyāṃ saha sarvakāmadaiḥ; śriyāś ca śakrapramukhaiś ca daivataiḥ; paṭhanti ye viprasadaḥ samāgame; samṛddhakāmāḥ śriyam āpnuvanti te

Wer diese Verehrung der Śrī samt den Wunscherfüllern und den Göttern mit Śakra an der Spitze in der Versammlung der Brahmanen [oder] bei einer Zusammenkunft rezitiert, der erlangt, mit erfüllten Wünschen, Glück und Reichtum.

Wort für Wort
imāṃ saparyāṃ saha sarvakāmadaiḥ
diese Verehrung samt den Alles-Wunsch-Gebenden (Akk.; Instr.Pl.)
śriyāḥ ca śakrapramukhaiḥ ca daivataiḥ
der Śrī und mit den Göttern, Śakra an der Spitze (Gen.; Instr.Pl.)
paṭhanti ye viprasadaḥ samāgame
die rezitieren, welche in der Brahmanenrunde, bei der Zusammenkunft (3.Pl.Präs.; Rel.; Akk.Pl.; Lok.)
samṛddhakāmāḥ śriyam āpnuvanti te
mit erfüllten Wünschen Śrī erlangen sie (Nom.Pl.; Akk.; 3.Pl.Präs.)

viprasadaḥ: Formenbestimmung unsicher [?].

tvayā kurūṇāṃ vara yat pracoditaṃ; bhavābhavasyeha paraṃ nidarśanam; tad adya sarvaṃ parikīrtitaṃ mayā; parīkṣya tattvaṃ parigantum arhasi

Was du, Bester der Kuru, gefragt hast als das höchste Beispiel für Gedeihen und Verfall hier, das ist heute alles von mir dargelegt worden; nach Prüfung sollst du die Wahrheit erfassen.

Wort für Wort
tvayā kurūṇāṃ vara yat pracoditam
von dir, Bester der Kuru, was angeregt/gefragt wurde (Instr.; Vok.; Part.)
bhavābhavasya iha param nidarśanam
für Werden und Vergehen hier das höchste Beispiel (Gen.; Adv.; Nom.n.)
tad adya sarvaṃ parikīrtitaṃ mayā
das alles heute verkündet von mir (Nom.; Adv.; Part.; Instr.)
parīkṣya tattvaṃ parigantum arhasi
nach Prüfung die Wahrheit zu erfassen vermagst du (Ger.; Akk.; Inf.; 2.Sg.Präs.)

saṃsmṛtya buddhīndriyagocarātigaṃ; svagocare sarvakṛtālayaṃ tam; hariṃ mahāpāpaharaṃ janās te; saṃsmṛtya saṃpūjya vidhūtapāpāḥ; yamaiś ca nityaṃ niyamaiś ca saṃyatās; tattvaṃ ca viṣṇoḥ paripaśyamānāḥ; devānusāreṇa vimuktiyogaṃ; te gāhamānāḥ param āpnuvanti; evaṃ rājendra satataṃ japahomaparāyaṇaḥ; vāsudevaparo nityaṃ jñānadhyānaparāyaṇaḥ; dānadharmaratir nityaṃ prajās tvaṃ paripālaya; vāsudevaparo nityaṃ jñānadhyānaparāyaṇān; viśeṣeṇārcayethās tvaṃ satataṃ paryupāssva ca

Indem sie jenen, den über Verstand und Sinneswahrnehmung Hinausgehenden, in seinem eigenen Bereich Wohnsitz alles Geschaffenen, Hari, den Beseitiger großer Sünden, sich vergegenwärtigen und verehren, werden die Menschen von Sünde frei, mit Zügelungen (Yama) und Regeln (Niyama) beständig gebändigt, die Wahrheit Viṣṇus erschauend; dem Göttlichen folgend, in die Verwirklichung der Erlösung eintauchend, erlangen sie das Höchste. So, Herr der Könige, [sei] stets dem Murmeln und Opfern ergeben, Vāsudeva zugewandt, stets dem Wissen und der Versenkung hingegeben; Du, [Fürst], schütze die Untertanen, stets am Dharma erfreut; Vāsudeva zugewandt, stets dem Wissen und der Meditation ergeben [wie] [?] verehre besonders und diene stets.

Wort für Wort
saṃsmṛtya buddhīndriyagocarātigaṃ
sich erinnernd an den, der jenseits von Verstand und Sinnesbereich geht (Ger.; Akk.)
svagocare sarvakṛtālayaṃ tam
in seinem eigenen Bereich, den Ruheort alles Geschaffenen, ihn (Lok.; Akk.)
hariṃ mahāpāpaharaṃ janās te
Hari, den Beseitiger großer Sünden, jene Menschen (Akk.; Nom.Pl.)
saṃsmṛtya saṃpūjya vidhūtapāpāḥ
sich erinnert, verehrt habend, von Sünde geschüttelt/frei (Ger.; Nom.Pl.)
yamaiś ca nityaṃ niyamaiś ca saṃyatāḥ
durch Yamas und Niyamas stets gebändigt (Instr.Pl.; Nom.Pl.)
tattvaṃ ca viṣṇoḥ paripaśyamānāḥ
und die Wahrheit Viṣṇus rings erblickend (Akk.; Gen.; Part.Med.)
devānusāreṇa vimuktiyogaṃ te gāhamānāḥ param āpnuvanti
dem Göttlichen gemäß in den Erlösungs-Yoga eintauchend, erlangen sie das Höchste (Instr.; Akk.; Part.; Akk.; 3.Pl.Präs.)
evaṃ rājendra satataṃ japahomaparāyaṇaḥ
so, Herr der Könige, stets Murmeln und Opfer [als] Ziel habend (Vok.; Adv.; Nom.)
vāsudevaparo nityaṃ jñānadhyānaparāyaṇaḥ
Vāsudeva zugewandt, stets auf Wissen und Versenkung gerichtet (Nom.)
dānadharmaratir nityaṃ prajās tvaṃ paripālaya
an Gabe und Dharma erfreut, stets, die Untertanen du schütze (Nom.; Akk.Pl.; Imp.)
vāsudevaparo nityaṃ jñānadhyānaparāyaṇān
Vāsudeva zugewandt, stets [die] auf Wissen und Versenkung Gerichteten (Nom.; Akk.Pl.)
viśeṣeṇa arcayethāḥ tvaṃ satataṃ paryupāssva ca
besonders sollst du verehren, stets, und diene (Opt.Med.; Imp.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe mit stark verderbtem Schluss; Konstruktion der letzten Pādas (jñānadhyānaparāyaṇān, Akk.Pl.) unklar, Wiedergabe unsicher [?].

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