Kapitel 294: yogasāṃkhyadarśanam
Yoga und Sāṃkhya: Meditation, Kategorien, Erwachen und Befreiung
Auf Karālajanakas Bitte um Klärung von Vielfalt und Einheit folgt Vasiṣṭhas Darlegung der Yogapraxis und anschließend der Sāṃkhya-Kategorien bis zum Erwachen des fünfundzwanzigsten Prinzips.
Karālajanaka sprach: „Vielfalt und Einheit hast du, bester der Weisen, dies dargelegt; doch ich sehe hierin eine Unklarheit, was ihre Veranschaulichung betrifft.
Wort für Wort
karālajanaka uvāca
Karālajanaka sprach (Perf.3.Sg.)
nānātvaikatvam ity uktaṃ
„Vielfalt und Einheit“, so wurde gesagt (Nom.Sg.n., Part.Pass.)
tvayā etad ṛṣisattama
von dir dies, bester der Seher (Instr./Nom./Vok.)
paśyāmi ca abhisaṃdigdham
ich sehe aber [es] zweifelhaft (1.Sg.Präs./Part.Pass.)
etayoḥ vai nidarśanam
bei diesen beiden fürwahr die Veranschaulichung (Gen.Du./Nom.Sg.n.)
tathāprabuddhabuddhābhyāṃ budhyamānasya cānagha; sthūlabuddhyā na paśyāmi tattvam etan na saṃśayaḥ
Ebenso [sehe ich] bei dem Erwachten und dem Nicht-Erwachten und bei dem, der erwacht, Schuldloser, mit meinem groben Verstand nicht die Wahrheit hierin, daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
tathā prabuddhabuddhābhyāṃ
ebenso durch den Erwachten und den Erkannten [?] (Instr.Du.)
budhyamānasya ca anagha
und des Erwachenden, Schuldloser (Gen.Sg./Vok.)
sthūlabuddhyā na paśyāmi
mit grobem Verstand sehe ich nicht (Instr.Sg.f./1.Sg.Präs.)
tattvam etat na saṃśayaḥ
diese Wahrheit; kein Zweifel [besteht] (Akk.Sg.n./Nom.Sg.m.)
Lesart und Bezug von prabuddhabuddhābhyām unsicher; sinngemäß die drei Zustände buddha, apratibuddha, budhyamāna aus V. 4.
akṣarakṣarayor uktaṃ tvayā yad api kāraṇam; tad apy asthirabuddhitvāt pranaṣṭam iva me 'nagha
Auch das, was du als Grund für das Unvergängliche und das Vergängliche gesagt hast, ist mir wegen meines unsteten Verstandes wie verloren gegangen, Schuldloser.
Wort für Wort
akṣarakṣarayoḥ uktaṃ
des Unvergänglichen und des Vergänglichen wurde gesagt (Gen.Du./Part.Pass.)
tvayā yad api kāraṇam
von dir, was auch immer an Grund (Instr./Nom.Sg.n.)
tad api asthirabuddhitvāt
auch das wegen der Unstetigkeit des Verstandes (Abl.Sg.n., Abstraktum)
vidyāvidye ca bhagavann akṣaraṃ kṣaram eva ca; sāṃkhyaṃ yogaṃ ca kārtsnyena pṛthak caivāpṛthak ca ha
Auch Wissen und Nicht-Wissen, Erhabener, das Unvergängliche und eben das Vergängliche, Sāṃkhya und Yoga vollständig, [sowie] als getrennt und als ungetrennt.
Wort für Wort
vidyāvidye ca bhagavan
Wissen und Nichtwissen, Erhabener (Nom./Akk.Du.f./Vok.)
akṣaraṃ kṣaram eva ca
das Unvergängliche und eben das Vergängliche (Akk.Sg.n.)
sāṃkhyaṃ yogaṃ ca kārtsnyena
Sāṃkhya und Yoga vollständig (Akk.Sg.n./Instr.Sg.n. adverbial)
pṛthak ca eva apṛthak ca ha
sowohl getrennt als auch ungetrennt fürwahr (Adv.)
ekāgratā ca manasaḥ prāṇāyāmas tathaiva ca; prāṇāyāmas tu saguṇo nirguṇo manasas tathā
[Nämlich] Gesammeltheit des Denkens und ebenso Atemlenkung; die Atemlenkung aber ist mit Eigenschaften [versehen], ebenso die des Denkens ohne Eigenschaften.
Wort für Wort
ekāgratā ca manasaḥ
Einspitzigkeit des Denkens (Nom.Sg.f./Gen.Sg.n.)
prāṇāyāmaḥ tathā eva ca
und ebenso die Atemlenkung (Nom.Sg.m.)
prāṇāyāmaḥ tu saguṇaḥ
die Atemlenkung aber ist mit Eigenschaften (Nom.Sg.m.)
nirguṇaḥ manasaḥ tathā
ohne Eigenschaften ebenso die des Denkens (Nom.Sg.m./Gen.)
Der Vers ist knapp; die Zuordnung von saguṇa/nirguṇa ist sinngemäß ergänzt [?].
mūtrotsarge purīṣe ca bhojane ca narādhipa; trikālaṃ nābhiyuñjīta śeṣaṃ yuñjīta tatparaḥ
Beim Harnlassen, beim Stuhlgang und beim Essen, Herrscher der Menschen, soll man sich zu den drei Zeiten nicht [darauf] verlegen; die übrige [Zeit] soll man sich hingebungsvoll [dem Yoga] widmen.
Wort für Wort
mūtrotsarge purīṣe ca
beim Harnlassen und beim Stuhl (Lok.Sg.)
bhojane ca narādhipa
und beim Essen, Herrscher der Menschen (Lok.Sg./Vok.)
trikālaṃ na abhiyuñjīta
zu den drei Zeiten soll man nicht üben (Adv./Opt.3.Sg.Med.)
śeṣaṃ yuñjīta tatparaḥ
den Rest soll man üben, darauf gerichtet (Akk.Sg.n./Opt.3.Sg.Med./Nom.Sg.m.)
trikālam: „zu den drei Zeiten“ (Zeiten der drei genannten Verrichtungen), Bezug leicht unsicher [?].
Der Weise soll mit dem Denken die Sinne von den Sinnesobjekten zurückziehen, [dabei] mit den zehn oder zwölf, darüber hinaus dann mit den vierundzwanzig.
Wort für Wort
indriyāṇi indriyārthebhyaḥ
die Sinne von den Sinnesobjekten (Akk.Pl./Abl.Pl.)
nivartya manasā muniḥ
zurückziehend mit dem Denken, der Weise (Abs./Instr.Sg./Nom.Sg.)
daśadvādaśabhiḥ vā api
mit zehn oder zwölf oder auch (Instr.Pl./Part.)
caturviṃśāt param tataḥ
über die Vierundzwanzig hinaus dann (Abl.Sg./Adv.)
Der Vers ist elliptisch; die Zahlen sind ohne Bezugswort überliefert [?].
taṃ codanābhir matimān ātmānaṃ codayed atha; tiṣṭhantam ajaraṃ taṃ tu yat tad uktaṃ manīṣibhiḥ
Ihn [den Geist] soll der Einsichtige dann mit Antrieben zum Selbst hin antreiben, [zu dem], das dasteht, unalternd, von dem die Weisen gesprochen haben.
Wort für Wort
tam codanābhiḥ matimān
ihn mit Antrieben, der Einsichtige (Akk./Instr.Pl./Nom.Sg.)
ātmānaṃ codayet atha
das Selbst soll er antreiben, dann (Akk.Sg./Opt.3.Sg./Adv.)
tiṣṭhantam ajaraṃ tam tu
das Dastehende, Unalternde, jenes aber (Part.Präs.Akk./Akk.Sg.)
yat tat uktaṃ manīṣibhiḥ
was jenes, gesagt wurde von den Weisen (Rel./Part.Pass./Instr.Pl.)
Syntax des Verses unsicher: tam ist ggf. der Geist, ātmānam das Ziel des Antriebs [?].
Und durch diese [Antriebe] ist das Selbst stets zu erkennen; so haben wir es gehört. Denn [der Stoff] ist für den, dessen Geist nicht schwindet, nicht anders; das ist die Gewissheit.
Wort für Wort
taiḥ ca ātmā satataṃ jñeyaḥ
und durch diese ist das Selbst stets zu erkennen (Instr.Pl./Nom.Sg./Adv./Gerundiv)
iti evam anuśuśruma
so, in dieser Weise haben wir nachgehört (1.Pl.Perf.)
dravyaṃ hi ahīnamanasaḥ
denn der Stoff für den mit unvermindertem Geist (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
na anyathā iti viniścayaḥ
nicht anders, so [lautet] die Gewissheit (Adv./Nom.Sg.m.)
dravyam hier unsicher (Stoff/Mittel/Gegenstand); der Vers ist syntaktisch dunkel [?].
sthirīkṛtyendriyagrāmaṃ manasā mithileśvara; mano buddhyā sthiraṃ kṛtvā pāṣāṇa iva niścalaḥ
Nachdem er die Schar der Sinne mit dem Denken zur Ruhe gebracht hat, Herr von Mithilā, [und] das Denken mit der Erkenntnisfähigkeit gefestigt, [sei er] unbewegt wie ein Fels.
Wort für Wort
sthirīkṛtya indriyagrāmaṃ
festmachend die Sinnesschar (Abs./Akk.Sg.m.)
manasā mithileśvara
mit dem Denken, Herr von Mithilā (Instr./Vok.)
manaḥ buddhyā sthiraṃ kṛtvā
das Denken mit der Buddhi fest gemacht habend (Akk./Instr./Abs.)
Wie ein Pfahl soll er unerschütterlich sein und wie ein Berg unbewegt; dann nennen die Kundigen, die die Regeln und Vorschriften kennen, ihn „vereint“.
Wort für Wort
sthāṇuvat ca api akampaḥ syāt
wie ein Pfahl auch unerschütterlich soll er sein (Adv./Opt.3.Sg.)
girivat ca api niścalaḥ
und wie ein Berg unbewegt (Adv./Nom.Sg.m.)
budhāḥ vidhividhānajñāḥ
die Kundigen, Kenner von Regel und Vorschrift (Nom.Pl.)
tadā yuktaṃ pracakṣate
dann nennen sie [ihn] den Vereinten (Adv./Akk.Sg.m./3.Pl.Präs.Med.)
na cābhimanyate kiṃ cin na ca budhyati kāṣṭhavat; tadā prakṛtim āpannaṃ yuktam āhur manīṣiṇaḥ
Er bildet sich auch nichts ein und erkennt nichts, [er ist] wie ein Holzscheit; dann nennen die Weisen ihn den in seinen Urzustand Gelangten, den Vereinten.
Wort für Wort
na ca abhimanyate kiṃcit
und er hat keinen Eigendünkel irgendwie (3.Sg.Präs.Med./Indef.)
na ca budhyati kāṣṭhavat
und er erkennt nicht, wie Holz (Adv.)
tadā prakṛtim āpannaṃ
dann in den Urzustand gelangt (Akk.Sg.f./Part.Perf.Pass.)
yuktam āhuḥ manīṣiṇaḥ
den Vereinten nennen sie, die Weisen (Akk.Sg.m./Perf.3.Pl./Nom.Pl.)
prakṛti hier vermutlich „Urzustand/natürlicher Zustand“; Bezug zur Sāṃkhya-Prakṛti nicht auszuschließen [?].
nivāte ca yathā dīpyan dīpas tadvat sa dṛśyate; niriṅgaś cācalaś cordhvaṃ na tiryaggatim āpnuyāt
Und wie eine Lampe an einem windstillen Ort hell brennt, so wird er gesehen: ohne Regung und ohne Wanken, aufwärts [gerichtet]; er möge keinen Weg seitwärts einschlagen.
Wort für Wort
nivāte ca yathā dīpyan
und wie am windstillen Ort leuchtend (Lok.Sg.n./Part.Präs.)
dīpaḥ tadvat sa dṛśyate
die Lampe, so wird er gesehen (Nom.Sg.m./Pass.3.Sg.)
niriṅgaḥ ca acalaḥ ca
regungslos und unbeweglich (Nom.Sg.m.)
ūrdhvaṃ na tiryaggatim āpnuyāt
aufwärts; keinen Seitwärtsgang möge er erlangen (Adv./Akk.Sg.f./Opt.3.Sg.)
tadā tam anupaśyeta yasmin dṛṣṭe tu kathyate; hṛdayastho 'ntarātmeti jñeyo jñas tāta madvidhaiḥ
Dann soll man ihn erblicken, bei dessen Erblicken man sagt: ‚der im Herzen weilende innere Selbst‘, [so] ist der Wissende, mein Lieber, von Leuten wie mir zu erkennen.
Wort für Wort
tadā tam anupaśyeta
dann soll man ihn erblicken (Adv./Akk./Opt.3.Sg.Med.)
yasmin dṛṣṭe tu kathyate
bei dessen Erblicken aber gesagt wird (Lok.abs./Pass.3.Sg.)
hṛdayasthaḥ antarātmā iti
‚im Herzen weilend, inneres Selbst‘, so (Nom.Sg.m.)
jñeyaḥ jñaḥ tāta madvidhaiḥ
zu erkennen ist der Wissende, Lieber, von Meinesgleichen (Gerundiv/Nom./Vok./Instr.Pl.)
Anführungszeichen-Gliederung sinngemäß; jñeyo jñaḥ ist wörtlich „der Erkennbare, der Wissende“.
Durch den Stoff der Erkenntnis, durch die Lampe des Denkens ist er zu sehen, der Weltenschöpfer; jenseits des großen Dunkels, mein Lieber, verweilend, unverdunkelt.
Wort für Wort
buddhidravyeṇa dṛśyeta
durch den Stoff der Erkenntnis möge er gesehen werden (Instr.Sg./Pass.Opt.3.Sg.)
manodīpena lokakṛt
durch die Lampe des Denkens, Weltenschöpfer (Instr.Sg./Nom.Sg.m.)
mahataḥ tamasaḥ tāta
des großen Dunkels, Lieber (Gen.Sg./Vok.)
pāre tiṣṭhan atāmasaḥ
jenseits stehend, nicht dunkel (Lok.Sg./Part.Präs./Nom.Sg.m.)
sa tamonuda ity uktas tattvajñair vedapāragaiḥ; vimalo vitamaskaś ca nirliṅgo 'liṅgasaṃjñitaḥ
Er wird von den Wahrheitskundigen, die den Veda zu Ende gegangen sind, „Dunkelvertreiber“ genannt; makellos, frei von Finsternis, ohne Merkmal, „Merkmalloser“ genannt.
Wort für Wort
sa tamonudaḥ iti uktaḥ
er wird „Dunkelvertreiber“ genannt (Nom.Sg.m./Part.Pass.)
tattvajñaiḥ vedapāragaiḥ
von den Wahrheitskennern, Veda-Vollendeten (Instr.Pl.)
yogadarśanam etāvad uktaṃ te tattvato mayā; sāṃkhyajñānaṃ pravakṣyāmi parisaṃkhyānidarśanam
Diese Schau des Yoga ist dir von mir der Wahrheit gemäß dargelegt; das Sāṃkhya-Wissen werde ich [nun] verkünden, die Darlegung der [Prinzipien-]Aufzählung.
Wort für Wort
yogadarśanam etāvad
die Yoga-Schau [ist] so weit (Nom./Akk. Sg. n.; Adv.)
uktaṃ te tattvato mayā
dargelegt dir der Wahrheit gemäß von mir (Part. Perf. Pass.; Dat./Gen.; Abl.-Adv.; Instr.)
sāṃkhyajñānaṃ pravakṣyāmi
das Sāṃkhya-Wissen werde ich verkünden (Akk. Sg. n.; 1.Sg. Fut.)
parisaṃkhyānidarśanam
die Darlegung der Aufzählung (Akk. Sg. n.; Kompositum)
Das Ich-Bewusstsein aber [ist] das Dritte nach dem Großen, so haben wir gehört; die fünf Elemente [entstehen], sagen die Sāṃkhya-Kundigen, aus dem Ich-Bewusstsein.
Wort für Wort
ahaṃkāras tu mahatas
das Ich-Bewusstsein aber, vom Großen [her] (Nom. Sg. m.; Abl./Gen. Sg. n.)
tṛtīyam iti naḥ śrutam
[ist] das Dritte, so von uns gehört (Nom. n.; Part. Pass., Gen./Instr. der 1.Pl.)
pañca bhūtāny ahaṃkārād
die fünf Elemente aus dem Ich-Bewusstsein (Nom. Pl. n.; Abl. Sg.)
āhuḥ sāṃkhyānudarśinaḥ
sagen die, die das Sāṃkhya durchschauen (3.Pl. Perf.; Nom. Pl. m.)
In [aufsteigender] Ordnung entstehen sie, in umgekehrter lösen sie sich auf; die Guṇas [entstehen und vergehen] beständig in den Guṇas, wie die Wellen des Meeres.
Wort für Wort
anulomena jāyante
in gerader Ordnung entstehen sie (Instr. Sg.; 3.Pl. Präs.)
līyante pratilomataḥ
lösen sich auf in umgekehrter Ordnung (3.Pl. Präs.; Adv.)
guṇā guṇeṣu satatam
die Guṇas in den Guṇas beständig (Nom. Pl.; Lok. Pl.; Adv.)
sāgarasyormayo yathā
wie die Wellen des Meeres (Gen. Sg.; Nom. Pl. f.; Adv.)
sargapralaya etāvān prakṛter nṛpasattama; ekatvaṃ pralaye cāsya bahutvaṃ ca yadāsṛjat; evam eva ca rājendra vijñeyaṃ jñeyacintakaiḥ
Erschaffung und Auflösung der Urnatur sind nur so viel, bester der Fürsten: Einheit in ihrer Auflösung, und Vielheit, wenn sie erschuf; ebenso, König der Könige, ist es von den über das Zu-Erkennende Nachsinnenden zu erkennen.
Wort für Wort
sargapralaya etāvān
Erschaffung und Auflösung [sind] nur so groß (Nom. m.; Kompositum)
prakṛter nṛpasattama
der Urnatur, bester der Fürsten (Gen. Sg.; Vok. Sg.)
ekatvaṃ pralaye cāsya
und Einheit in der Auflösung dieser (Nom. n.; Lok. Sg.; Gen. Sg.)
bahutvaṃ ca yadāsṛjat
und Vielheit, wenn sie erschuf (Nom. n.; Konj.; 3.Sg. Impf.)
evam eva ca rājendra
und eben so, Fürst der Könige (Adv.; Vok. Sg.)
vijñeyaṃ jñeyacintakaiḥ
ist zu erkennen von den über das Erkennbare Sinnenden (Ger., Nom. n.; Instr. Pl.)
adhiṣṭhātāram avyaktam asyāpy etan nidarśanam; ekatvaṃ ca bahutvaṃ ca prakṛter anu tattvavān; ekatvaṃ pralaye cāsya bahutvaṃ ca pravartanāt
Als Vorsteher [gilt] das Unmanifeste; auch für dieses [Vorstehen] ist dies ein Beleg: Einheit und Vielheit [gehören] der Urnatur [an], der Wahrheitskundige [erkennt es] gemäß [?]; Einheit in ihrer Auflösung und Vielheit durch das Hervortreten.
Wort für Wort
adhiṣṭhātāram avyaktam
als Vorsteher das Unmanifeste (Akk. Sg. m.; Akk. Sg. n.)
asyāpy etan nidarśanam
auch für dieses ist dies ein Beleg (Gen. Sg.; Nom. Sg. n.)
ekatvaṃ ca bahutvaṃ ca
Einheit und Vielheit (Nom. n.)
prakṛter anu tattvavān
der Urnatur gemäß [?], der Wahrheitskundige (Gen. Sg./Abl.; Präp.; Nom. Sg. m.)
ekatvaṃ pralaye cāsya
Einheit in der Auflösung dieser (Lok. Sg.; Gen. Sg.)
bahutvaṃ ca pravartanāt
und Vielheit durch das Hervortreten (Abl. Sg. n.)
Die Halbverszeile „ekatvaṃ ca bahutvaṃ ca prakṛter anu tattvavān“ ist syntaktisch knapp und unsicher.
Vielfach [wirkend] würde das Selbst die Urnatur, deren Wesen das Gebären ist, hervorbringen [?]; und diesem Feld steht das große Selbst als Fünfundzwanzigster vor.
Wort für Wort
bahudhātmā prakurvīta
vielfach das Selbst, würde hervorbringen (Adv.-Kompositum; Nom. Sg.; Opt. Med.)
prakṛtiṃ prasavātmikām
die Urnatur, die zeugende (Akk. Sg. f.)
tac ca kṣetraṃ mahān ātmā
und dieses Feld, das große Selbst (Akk. Sg. n.; Nom. Sg. m.)
pañcaviṃśo 'dhitiṣṭhati
als Fünfundzwanzigster steht vor (Nom. Sg. m.; 3.Sg. Präs.)
„Vorsteher“, so wird er genannt, König der Könige, von den besten der Asketen; weil er den Feldern vorsteht, [heißt er] Vorsteher der Felder, so haben wir gehört.
Wort für Wort
adhiṣṭhāteti rājendra
„Vorsteher“, so, Fürst der Könige (Nom. Sg. m.; Vok. Sg.)
procyate yatisattamaiḥ
wird genannt von den besten Asketen (3.Sg. Pass.; Instr. Pl.)
adhiṣṭhānād adhiṣṭhātā
durch das Vorstehen [ist er] Vorsteher (Abl. Sg. n.; Nom. Sg. m.)
kṣetrāṇām iti naḥ śrutam
der Felder, so von uns gehört (Gen. Pl.; Part. Pass.)
anyad eva ca jñānaṃ syād anyaj jñeyaṃ tad ucyate; jñānam avyaktam ity uktaṃ jñeyo vai pañcaviṃśakaḥ
Ein anderes ist das Wissen, ein anderes wird das Zu-Erkennende genannt; das Wissen ist, so heißt es, das Unmanifeste, das Zu-Erkennende aber der Fünfundzwanzigste.
Wort für Wort
anyad eva ca jñānaṃ syād
und ein anderes ist das Wissen (Nom. n.; Opt.)
anyaj jñeyaṃ tad ucyate
ein anderes, das Zu-Erkennende, wird genannt (Nom. n.; Ger.; 3.Sg. Pass.)
jñānam avyaktam ity uktam
das Wissen ist das Unmanifeste, so gesagt (Nom. n.)
jñeyo vai pañcaviṃśakaḥ
das Zu-Erkennende fürwahr der Fünfundzwanzigste (Ger., Nom. Sg. m.)
tattvāni ca caturviṃśat parisaṃkhyāya tattvataḥ; sāṃkhyāḥ saha prakṛtyā tu nistattvaḥ pañcaviṃśakaḥ
Nachdem die Sāṃkhya-Anhänger die vierundzwanzig Prinzipien der Wahrheit gemäß samt der Urnatur aufgezählt haben, [gilt] der Fünfundzwanzigste [als] ohne Prinzip.
Wort für Wort
tattvāni ca caturviṃśat
und die Prinzipien, vierundzwanzig (Akk. Pl. n.; Zahlwort)
parisaṃkhyāya tattvataḥ
nachdem sie aufgezählt haben, der Wahrheit gemäß (Abs.; Abl.-Adv.)
sāṃkhyāḥ saha prakṛtyā tu
die Sāṃkhyas samt der Urnatur (Nom. Pl. m.; Instr. Sg.)
Der Fünfundzwanzigste, [solange] sein Selbst nicht erwacht ist, gilt als „Erwachender“; wenn er aber sich selbst erkennt, wird er dann zum Alleinen (kevala).
Wort für Wort
pañcaviṃśo 'prabuddhātmā
der Fünfundzwanzigste, mit nicht erwachtem Selbst (Nom. Sg. m.; Bahuvrīhi)
budhyamāna iti smṛtaḥ
gilt als Erwachender (Part. Präs. Med.; Part. Pass.)
yadā tu budhyate 'tmānaṃ
wenn er aber das Selbst erkennt (Konj.; 3.Sg. Präs.; Akk. Sg.)
tadā bhavati kevalaḥ
dann wird er allein/abgelöst (Adv.; 3.Sg. Präs.; Nom. Sg. m.)
Die rechte Darlegung, so genannt, und ebenso die unmittelbare [Erkenntnis] der Urnatur: dies sind die Guṇa-Prinzipien; anders als sie wäre [dann] der Gunalose.
Wort für Wort
samyaṅ nidarśanaṃ nāma
die rechte Darlegung, mit Namen (Nom. n.; Adv.)
pratyakṣaṃ prakṛtes tathā
die unmittelbare [Erkenntnis] der Urnatur ebenso (Nom. n.; Gen. Sg.)
guṇatattvāny athaitāni
Guṇa-Prinzipien, nun dies (Nom. Pl. n.; Pron.)
nirguṇo 'nyas tathā bhavet
der Gunalose [ist] ein anderer, ebenso wäre (Nom. Sg. m.; Nom. m.; Opt.)
na tv evaṃ vartamānānām āvṛttir vidyate punaḥ; vidyate 'kṣarabhāvatvād aparasparam avyayam
Für die aber, die so verfahren, gibt es keine Wiederkehr mehr; es gibt [sie] [?] wegen der Unvergänglichkeitsbeschaffenheit: nicht wechselseitig [?], unvergänglich.
Wort für Wort
na tv evaṃ vartamānānām
nicht aber für die so Verfahrenden (Neg.; Adv.; Part. Präs., Gen. Pl.)
āvṛttir vidyate punaḥ
Wiederkehr gibt es wieder (Nom. Sg. f.; 3.Sg. Pass.; Adv.)
vidyate 'kṣarabhāvatvād
es gibt, wegen des Zustands der Unvergänglichkeit (3.Sg. Pass.; Abl. Sg. n.)
aparasparam avyayam
nicht wechselseitig [?], unvergänglich (Adv./Nom. n.)
Die zweite Zeile (vidyate 'kṣarabhāvatvād aparasparam avyayam) ist unsicher, evtl. verderbt.