Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 16: bhīmasenavākyam śokatyāgopadeśaś ca Bhīmasenas Mahnrede: Das Trauern beenden und die Herrschaft antreten

Bhīma tadelt Yudhiṣṭhira, erläutert das Wechselspiel von körperlichem und geistigem Leid, erinnert an erlittene Schmach und drängt ihn, den inneren Kampf zu bestehen, zu herrschen und das Rossopfer zu vollziehen.

vaiśaṃpāyana uvāca; arjunasya vacaḥ śrutvā bhīmaseno 'tyamarṣaṇaḥ; dhairyam āsthāya tejasvī jyeṣṭhaṃ bhrātaram abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Als Bhīmasena die Rede Arjunas gehört hatte, faßte der überaus ungeduldige, strahlende [Held] Mut und sprach zu seinem älteren Bruder:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
arjunasya vacaḥ śrutvā
Arjunas Rede gehört habend (Gen./Akk./Abs.)
bhīmaseno 'tyamarṣaṇaḥ
Bhīmasena, überaus ungeduldig (Nom.)
dhairyam āsthāya
Standhaftigkeit ergriffen habend (Akk./Abs.)
tejasvī
strahlend, energiegeladen (Nom.)
jyeṣṭhaṃ bhrātaram abravīt
zum ältesten Bruder sagte er (Akk./Impf. 3.Sg.)

rājan viditadharmo 'si na te 'sty aviditaṃ bhuvi; upaśikṣāma te vṛttaṃ sadaiva na ca śaknumaḥ

König, du kennst das Recht; nichts auf Erden ist dir unbekannt. Dein Verhalten nehmen wir uns stets zum Vorbild, doch können wir es [dir] nicht gleichtun.

Wort für Wort
rājan viditadharmo 'si
König, du bist einer, der das Recht kennt (Vok./2.Sg.)
na te 'sty aviditaṃ bhuvi
nichts ist dir unbekannt auf Erden (Lok.)
upaśikṣāma te vṛttaṃ
wir lernen von deinem Verhalten (1.Pl.Präs./Akk.)
sadaiva
stets
na ca śaknumaḥ
und wir vermögen [es] nicht (1.Pl.Präs.)

Die zweite Vershälfte ist knapp; das Objekt zu śaknumaḥ (dir nachzueifern) ist ergänzt.

na vakṣyāmi na vakṣyāmīty evaṃ me manasi sthitam; atiduḥkhāt tu vakṣyāmi tan nibodha janādhipa

„Ich werde nicht sprechen, ich werde nicht sprechen“ – so stand es in meinem Sinn. Aus allzu großem Schmerz aber werde ich sprechen; vernimm das, Herr der Menschen.

Wort für Wort
na vakṣyāmi na vakṣyāmi
ich werde nicht sprechen, nicht sprechen (1.Sg.Fut.)
ity evaṃ me manasi sthitam
so war es in meinem Geist fest (Lok./Part.)
atiduḥkhāt tu vakṣyāmi
aus allzu großem Leid aber werde ich sprechen (Abl./Fut.)
tan nibodha
das vernimm (Imp. 2.Sg.)
janādhipa
Herr der Menschen (Vok.)

bhavatas tu pramohena sarvaṃ saṃśayitaṃ kṛtam; viklavatvaṃ ca naḥ prāptam abalatvaṃ tathaiva ca

Durch deine Verwirrung ist alles in Zweifel gezogen worden; auch Verzagtheit und Schwäche haben uns ergriffen.

Wort für Wort
bhavatas tu pramohena
durch deine Verwirrung aber (Instr.)
sarvaṃ saṃśayitaṃ kṛtam
alles ist zweifelhaft gemacht worden (Part.Pass.)
viklavatvaṃ ca naḥ prāptam
und Verzagtheit ist uns zuteil geworden (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
abalatvaṃ tathaiva ca
und ebenso Kraftlosigkeit (Nom.)

kathaṃ hi rājā lokasya sarvaśāstraviśāradaḥ; moham āpadyate dainyād yathā kupuruṣas tathā

Wie nur kann ein König, der in allen Lehrbüchern bewandert ist, aus Kleinmut in Verwirrung fallen wie ein [gewöhnlicher] schlechter Mensch?

Wort für Wort
kathaṃ hi rājā lokasya
wie denn [kann] ein König der Welt (Nom./Gen.)
sarvaśāstraviśāradaḥ
in allen Lehrschriften bewandert (Kompositum, Nom.)
moham āpadyate
in Verwirrung gerät er (Akk./3.Sg.Präs.Med.)
dainyāt
aus Kleinmut, Elend (Abl.)
yathā kupuruṣas tathā
wie ein Schlechtling, so [er] (Nom.)

āgatiś ca gatiś caiva lokasya viditā tava; āyatyāṃ ca tadātve ca na te 'sty aviditaṃ prabho

Kommen und Gehen der Welt sind dir bekannt, Herr, ebenso Zukunft und Gegenwart; nichts ist dir unbekannt.

Wort für Wort
āgatiś ca gatiś caiva
sowohl Kommen als auch Gehen (Nom.)
lokasya viditā tava
der Welt, dir bekannt (Gen./Part.)
āyatyāṃ ca tadātve ca
sowohl in der Zukunft als in der Gegenwart (Lok.)
na te 'sty aviditaṃ prabho
nichts ist dir unbekannt, Herr (Vok.)

evaṃ gate mahārāja rājyaṃ prati janādhipa; hetum atra pravakṣyāmi tad ihaikamanāḥ śṛṇu

Da es so gekommen ist, großer König, Herr der Menschen, will ich hinsichtlich der Herrschaft den Grund dafür darlegen; höre also hier mit gesammeltem Geist zu.

Wort für Wort
evaṃ gate mahārāja
da es so gekommen ist, großer König (Lok.abs./Vok.)
rājyaṃ prati janādhipa
in Bezug auf das Königtum, Herr der Menschen (Vok.)
hetum atra pravakṣyāmi
den Grund hierin werde ich darlegen (Akk./1.Sg.Fut.)
tad ihaikamanāḥ śṛṇu
so höre hier einsgerichteten Geistes zu (Nom./Imp. 2.Sg.)

dvividho jāyate vyādhiḥ śārīro mānasas tathā; parasparaṃ tayor janma nirdvaṃdvaṃ nopalabhyate

Zweifach entsteht Krankheit: körperlich und geistig. Voneinander geht ihre Entstehung aus; getrennt voneinander findet man sie nicht.

Wort für Wort
dvividho jāyate vyādhiḥ
zweifach entsteht die Krankheit (Nom./3.Sg.Präs.Med.)
śārīro mānasas tathā
körperlich und ebenso geistig (Nom.)
parasparaṃ tayor janma
gegenseitig ist der Ursprung beider (Gen.Du.)
nirdvaṃdvaṃ nopalabhyate
ohne das Paar [des anderen] wird nicht gefunden (Pass.)

nirdvaṃdvam wörtlich „ohne Paarigkeit, getrennt“; Sinn: die eine tritt nicht ohne die andere auf.

śārīrāj jāyate vyādhir mānaso nātra saṃśayaḥ; mānasāj jāyate vyādhiḥ śārīra iti niścayaḥ

Aus der körperlichen Krankheit entsteht die geistige – daran ist kein Zweifel; aus der geistigen entsteht die körperliche Krankheit – so ist es gewiß.

Wort für Wort
śārīrāj jāyate vyādhir
aus der körperlichen entsteht die Krankheit (Abl.)
mānaso nātra saṃśayaḥ
die geistige; darüber besteht kein Zweifel (Nom.)
mānasāj jāyate vyādhiḥ
aus der geistigen entsteht die Krankheit (Abl.)
śārīra iti niścayaḥ
die körperliche: so ist die Gewißheit (Nom.)

śārīramānase duḥkhe yo 'tīte anuśocati; duḥkhena labhate duḥkhaṃ dvāv anarthau prapadyate

Wer über körperliches und geistiges Leid, das vergangen ist, trauert, der erlangt durch Leid [neues] Leid und gerät in zwei Übel.

Wort für Wort
śārīramānase duḥkhe
körperliches und geistiges Leid (Akk.Du.)
yo 'tīte anuśocati
wer über Vergangenes trauert (Lok./3.Sg.Präs.)
duḥkhena labhate duḥkham
durch Leid erlangt er Leid (Instr./Akk.)
dvāv anarthau prapadyate
zwei Übel betritt er (Akk.Du./3.Sg.Präs.Med.)

śītoṣṇe caiva vāyuś ca trayaḥ śārīrajā guṇāḥ; teṣāṃ guṇānāṃ sāmyaṃ ca tad āhuḥ svasthalakṣaṇam

Kälte, Hitze und Wind sind die drei aus dem Körper entstehenden Eigenschaften; das Gleichgewicht dieser Eigenschaften nennt man das Kennzeichen der Gesundheit.

Wort für Wort
śītoṣṇe caiva vāyuś ca
Kälte und Hitze und Wind (Nom.)
trayaḥ śārīrajā guṇāḥ
drei körperentstammte Eigenschaften (Nom.Pl.)
teṣāṃ guṇānāṃ sāmyaṃ ca
und das Gleichmaß dieser Eigenschaften (Gen.Pl./Nom.)
tad āhuḥ svasthalakṣaṇam
das nennt man das Merkmal der Gesundheit (Perf. 3.Pl.)

teṣām anyatamotseke vidhānam upadiṣyate; uṣṇena bādhyate śītaṃ śītenoṣṇaṃ prabādhyate

Wenn eine von ihnen überwiegt, wird eine Behandlung angegeben: Durch Hitze wird Kälte bezwungen, durch Kälte wird Hitze bezwungen.

Wort für Wort
teṣām anyatamotseke
beim Überwiegen irgendeiner von ihnen (Lok.)
vidhānam upadiṣyate
eine Vorschrift wird gelehrt (Pass.Präs.)
uṣṇena bādhyate śītam
durch Hitze wird die Kälte bedrängt (Instr./Pass.)
śītenoṣṇaṃ prabādhyate
durch Kälte wird die Hitze bezwungen (Pass.)

ubhābhyāṃ vadhyate vāyur vidhānam idam ucyate

Durch beide wird der Wind bezwungen; diese Vorschrift wird genannt.

Wort für Wort
ubhābhyāṃ vadhyate vāyuḥ
durch beide wird der Wind niedergeworfen (Instr.Du./Pass.)
vidhānam idam ucyate
diese Vorschrift wird gesagt (Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

sattvaṃ rajas tamaś caiva mānasāḥ syus trayo guṇāḥ

Sattva, Rajas und Tamas – dies sind die drei geistigen Eigenschaften.

Wort für Wort
sattvaṃ rajas tamaś caiva
Sattva, Rajas und Tamas (Nom.)
mānasāḥ syus
geistige sollen sein (Opt. 3.Pl.)
trayo guṇāḥ
drei Eigenschaften (Nom.Pl.)

rajasā śāmyate sattvaṃ rajaḥ sattvena śāmyati

Durch Rajas wird Sattva beruhigt, durch Sattva wird Rajas beruhigt.

Wort für Wort
rajasā śāmyate sattvam
durch Rajas wird Sattva besänftigt (Instr./Pass.)
rajaḥ sattvena śāmyati
Rajas durch Sattva kommt zur Ruhe (Instr./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe.

harṣeṇa bādhyate śoko harṣaḥ śokena bādhyate

Durch Freude wird Kummer bedrängt, und durch Kummer wird Freude bedrängt.

Wort für Wort
harṣeṇa bādhyate śokaḥ
durch Freude wird Kummer bedrängt (Instr./Pass.)
harṣaḥ śokena bādhyate
Freude wird durch Kummer bedrängt (Instr./Pass.)

kaś cit sukhe vartamāno duḥkhasya smartum icchati; kaś cid duḥkhe vartamānaḥ sukhasya smartum icchati

Mancher, der im Glück lebt, will sich des Leids erinnern; mancher, der im Leid lebt, will sich des Glücks erinnern.

Wort für Wort
kaś cit sukhe vartamānaḥ
mancher, im Glück befindlich (Lok./Part.)
duḥkhasya smartum icchati
des Leids sich zu erinnern wünscht er (Gen./Inf.)
kaś cid duḥkhe vartamānaḥ
mancher, im Leid befindlich (Lok./Part.)
sukhasya smartum icchati
des Glücks sich zu erinnern wünscht er (Gen./Inf.)

sa tvaṃ na duḥkhī duḥkhasya na sukhī ca sukhasya ca; na duḥkhī sukhajātasya na sukhī duḥkhajasya vā

Du aber bist weder im Leid [und denkst] an Leid, noch im Glück [und denkst] an Glück; weder bist du leidend wegen des aus Glück Entstandenen, noch glücklich wegen des aus Leid Entstandenen.

Wort für Wort
sa tvaṃ na duḥkhī duḥkhasya
du also [bist] nicht leidend wegen des Leids (Nom./Gen.)
na sukhī ca sukhasya ca
und nicht glücklich wegen des Glücks (Nom./Gen.)
na duḥkhī sukhajātasya
nicht leidend wegen des aus Glück Geborenen (Gen.)
na sukhī duḥkhajasya vā
oder nicht glücklich wegen des aus Leid Geborenen (Gen.)

Der Vers ist knapp und in der Auffassung schwierig; Wiedergabe wortnah, Genitive als Bezugsgrund gedeutet [?].

smartum arhasi kauravya diṣṭaṃ tu balavattaram; atha vā te svabhāvo 'yaṃ yena pārthiva kṛṣyase

Du solltest daran denken, Nachkomme der Kuru, daß das Schicksal stärker ist. Oder aber: Das ist eben deine Wesensart, durch die du, Fürst, [so] hin- und hergezogen wirst.

Wort für Wort
smartum arhasi kauravya
du solltest dich erinnern, Kaurava (2.Sg.Präs./Inf./Vok.)
diṣṭaṃ tu balavattaram
das Schicksal aber ist stärker (Nom./Komp.)
atha vā te svabhāvo 'yaṃ
oder dies ist deine Naturanlage (Nom.)
yena pārthiva kṛṣyase
durch die du gezogen wirst, Fürst (Instr./Pass. 2.Sg./Vok.)

dṛṣṭvā sabhāgatāṃ kṛṣṇām ekavastrāṃ rajasvalām; miṣatāṃ pāṇḍuputrāṇāṃ na tasya smartum arhasi

Als du Kṛṣṇā [Draupadī] in der Versammlung sahst, mit nur einem Gewand, in ihrer Monatszeit, vor den Augen der Pāṇḍusöhne, [da] solltest du daran nicht [mehr] denken?

Wort für Wort
dṛṣṭvā sabhāgatāṃ kṛṣṇām
Kṛṣṇā gesehen habend, in die Versammlung gekommen (Abs./Akk.)
ekavastrāṃ rajasvalām
mit einem Gewand, menstruierend (Akk.)
miṣatāṃ pāṇḍuputrāṇām
vor den Augen der Pāṇḍusöhne (Gen.abs.)
na tasya smartum arhasi
daran solltest du nicht denken [?] (Gen./Inf.)

Die Schlußzeile ist elliptisch; als rhetorische Frage bzw. Vorwurf aufgefaßt (Sinn: wie konntest du es vergessen) [?].

pravrājanaṃ ca nagarād ajinaiś ca nivāsanam; mahāraṇyanivāsaś ca na tasya smartum arhasi

Die Vertreibung aus der Stadt, das Wohnen in Antilopenfellen und der Aufenthalt im großen Wald – daran solltest du nicht [mehr] denken?

Wort für Wort
pravrājanaṃ ca nagarāt
und die Verbannung aus der Stadt (Nom./Abl.)
ajinaiś ca nivāsanam
und die Kleidung in Fellen (Instr.Pl./Nom.)
mahāraṇyanivāsaś ca
und der Aufenthalt im großen Wald (Kompositum, Nom.)
na tasya smartum arhasi
daran solltest du nicht denken [?] (Gen./Inf.)

Wie in Vers 20 elliptisch, als Vorwurf gedeutet.

jaṭāsurāt parikleśaṃ citrasenena cāhavam; saindhavāc ca parikleśaṃ kathaṃ vismṛtavān asi; punar ajñātacaryāyāṃ kīcakena padā vadham

Die Bedrängnis durch den Dämon Jaṭā, [die Bedrängnis] durch Citrasena im Kampf und die Bedrängnis durch den Saindhava [Jayadratha] – wie hast du [das] vergessen können? Und ferner [den] Fußtritt des Kīcaka während des unerkannten Lebens.

Wort für Wort
jaṭāsurāt parikleśaṃ
die Bedrängnis durch den Asura Jaṭā (Abl./Akk.)
citrasenena cāhavam
und im Kampf durch Citrasena (Instr./Akk.)
saindhavāc ca parikleśaṃ
und die Bedrängnis durch den Saindhava (Abl./Akk.)
kathaṃ vismṛtavān asi
wie hast du vergessen (Part.Perf.Akt.+2.Sg.)
punar ajñātacaryāyām
ferner im unerkannten Wandel (Lok.)
kīcakena padā vadham
Schlag durch Kīcaka mit dem Fuß (Instr./Instr./Akk.)

Die Konstruktion von āhavam (Kampf) und vadham (Schlag, Angriff) ist verkürzt; Wiedergabe sinngemäß [?].

draupadyā rājaputryāś ca kathaṃ vismṛtavān asi

Wie hast du Draupadī, die Königstochter, vergessen können?

Wort für Wort
draupadyā
Draupadī betreffend (Gen./Instr.)
rājaputryāś ca
und der Königstochter (Gen.)
kathaṃ vismṛtavān asi
wie hast du vergessen (Part.Perf.+2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe; Kasus von draupadyā unsicher, Sinn: das ihr Angetane.

balavanto vayaṃ rājan devair api sudurjayāḥ; kathaṃ bhṛtyatvam āpannā virāṭanagare smara

Wir sind stark, König, selbst von Göttern nur schwer zu besiegen; wie wir in Knechtschaft gerieten in der Stadt Virāṭas – denke daran!

Wort für Wort
balavanto vayaṃ rājan
wir sind stark, König (Nom.Pl./Vok.)
devair api sudurjayāḥ
selbst von Göttern sehr schwer zu besiegen (Instr./Nom.Pl.)
kathaṃ bhṛtyatvam āpannāḥ
wie wir in Dienerschaft gelangten (Part.Perf.Pass.)
virāṭanagare smara
in Virāṭas Stadt: gedenke (Lok./Imp. 2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; āpannā im Text ist Pl.

yac ca te droṇabhīṣmābhyāṃ yuddham āsīd ariṃdama; manasaikena te yuddham idaṃ ghoram upasthitam

Und der Kampf, den du mit Droṇa und Bhīṣma hattest, Bezwinger der Feinde: Dieser [neue] furchtbare Kampf ist nun mit deinem Geist allein zu dir gekommen.

Wort für Wort
yac ca te droṇabhīṣmābhyāṃ
und was dir mit Droṇa und Bhīṣma (Instr.Du.)
yuddham āsīd ariṃdama
Kampf war, Feindebezwinger (Impf./Vok.)
manasaikena te yuddham
mit dem Geist allein dein Kampf (Instr.)
idaṃ ghoram upasthitam
dieser furchtbare ist eingetreten (Nom./Part.)

yatra nāsti śaraiḥ kāryaṃ na mitrair na ca bandhubhiḥ; ātmanaikena yoddhavyaṃ tat te yuddham upasthitam

[Der Kampf,] in dem man weder Pfeile noch Freunde noch Verwandte braucht, in dem man mit sich allein kämpfen muß: Dieser Kampf ist dir bevorgestanden.

Wort für Wort
yatra nāsti śaraiḥ kāryam
wo es keinen Nutzen durch Pfeile gibt (Instr./Gerundiv)
na mitrair na ca bandhubhiḥ
weder durch Freunde noch Verwandte (Instr.Pl.)
ātmanaikena yoddhavyam
durch sich allein ist zu kämpfen (Instr./Gerundiv)
tat te yuddham upasthitam
dieser Kampf ist dir zugefallen (Part.)

tasminn anirjite yuddhe prāṇān yadi ha mokṣyase; anyaṃ dehaṃ samāsthāya punas tenaiva yotsyase

Wenn du in diesem unbesiegten Kampf das Leben verlierst, wirst du, in einen anderen Körper eingegangen, gerade mit diesem [Gegner] wieder kämpfen.

Wort für Wort
tasminn anirjite yuddhe
in diesem nicht besiegten Kampf (Lok.abs.)
prāṇān yadi ha mokṣyase
wenn du die Lebensatem freigibst (Akk.Pl./Fut. 2.Sg.)
anyaṃ dehaṃ samāsthāya
einen anderen Körper angenommen habend (Abs.)
punas tenaiva yotsyase
wieder mit eben diesem wirst du kämpfen (Instr./Fut.)

tena bezieht sich auf den inneren Gegner (Kummer/Geist); Wiedergabe mit „diesem“ ist ergänzend.

yo hy anāḍhyaḥ sa patitas tad ucchiṣṭaṃ yad alpakam; bahv apathyaṃ balavato na kiṃ cit trāyate dhanam

Wer nicht wohlhabend ist, der ist gefallen; das ist ein Rest, was wenig ist; vieles Unbekömmliche [gibt es] für den Starken – nichts rettet [dann] den Reichtum [?].

Wort für Wort
yo hy anāḍhyaḥ sa patitaḥ
wer nämlich nicht reich ist, der ist gefallen (Nom./Part.)
tad ucchiṣṭaṃ yad alpakam
das ist Überrest, was gering ist (Nom.)
bahv apathyaṃ balavataḥ
vieles Unzuträgliche [ist] für den Starken (Nom./Gen.)
na kiṃ cit trāyate dhanam
nichts rettet, [auch] Reichtum [?] (3.Sg.Präs./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbter oder unklarer Zusatzvers; Zusammenhang und Konstruktion unsicher, die Übersetzung ist ein Versuch.

tasmād adyaiva gantavyaṃ yuddhasya bharatarṣabha

Darum mußt du noch heute in den Kampf ziehen, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
tasmād adyaiva
darum gerade heute (Adv.)
gantavyaṃ yuddhasya
ist zu gehen [in] den Kampf (Gerundiv/Gen.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)

pāram avyaktarūpasya vyaktaṃ tyaktvā svakarmabhiḥ; tasminn anirjite yuddhe kām avasthāṃ gamiṣyasi

Zum jenseitigen Ufer dessen, dessen Gestalt unoffenbar ist, [gelangt man], wenn man das Offenbare durch eigene Taten verlassen hat [?]. Wenn dieser Kampf unbesiegt bleibt, in welchen Zustand wirst du gelangen?

Wort für Wort
pāram avyaktarūpasya
das jenseitige Ufer dessen, dessen Gestalt unmanifest ist (Nom./Gen.)
vyaktaṃ tyaktvā svakarmabhiḥ
das Manifeste verlassen habend durch eigene Taten (Abs./Instr.)
tasminn anirjite yuddhe
wenn in diesem Kampf nicht gesiegt ist (Lok.abs.)
kām avasthāṃ gamiṣyasi
in welchen Zustand wirst du gehen (Akk./Fut. 2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile mit unsicherem Bezug der ersten Hälfte; Übersetzung vorläufig [?].

etaj jitvā mahārāja kṛtakṛtyo bhaviṣyasi

Wenn du diesen [Kampf] gewonnen hast, großer König, wirst du deine Aufgabe vollendet haben.

Wort für Wort
etaj jitvā mahārāja
diesen besiegt habend, großer König (Abs./Vok.)
kṛtakṛtyo bhaviṣyasi
einer, der sein Werk getan hat, wirst du sein (Nom./Fut. 2.Sg.)

etāṃ buddhiṃ viniścitya bhūtānām āgatiṃ gatim; pitṛpaitāmahe vṛtte śādhi rājyaṃ yathocitam

Fasse diesen Entschluß, [bedenke] das Kommen und Gehen der Wesen, und regiere das Reich, wie es sich gebührt, nach dem Brauch der Väter und Ahnen.

Wort für Wort
etāṃ buddhiṃ viniścitya
diesen Entschluß gefaßt habend (Akk./Abs.)
bhūtānām āgatiṃ gatim
der Wesen Kommen und Gehen (Gen.Pl./Akk.)
pitṛpaitāmahe vṛtte
im Verhalten der Väter und Großväter (Lok.)
śādhi rājyaṃ yathocitam
beherrsche das Reich, wie es angemessen ist (Imp. 2.Sg./Akk.)

diṣṭyā duryodhanaḥ pāpo nihataḥ sānugo yudhi; draupadyāḥ keśapakṣasya diṣṭyā tvaṃ padavīṃ gataḥ

Zum Glück ist der sündige Duryodhana samt seinen Gefolgsleuten in der Schlacht erschlagen worden; zum Glück hast du den Weg [der Rache] an Draupadīs Haarschopf erreicht.

Wort für Wort
diṣṭyā duryodhanaḥ pāpaḥ
zum Glück [ist] Duryodhana, der Böse (Instr./Nom.)
nihataḥ sānugo yudhi
erschlagen mit Gefolge im Kampf (Part./Lok.)
draupadyāḥ keśapakṣasya
von Draupadīs Haarpracht (Gen.)
diṣṭyā tvaṃ padavīṃ gataḥ
zum Glück bist du zum Pfad gelangt (Part.)

padavīṃ gataḥ mit Gen.: den Weg (der Vergeltung) für Draupadīs Haar gegangen; sinngemäß.

yajasva vājimedhena vidhivad dakṣiṇāvatā; vayaṃ te kiṃkarāḥ pārtha vāsudevaś ca vīryavān

Opfere mit dem Rossopfer, regelrecht und mit [reichlicher] Opfergabe. Wir sind deine Diener, Sohn der Pṛthā, und [auch] der tapfere Vāsudeva.

Wort für Wort
yajasva vājimedhena
opfere mit dem Rossopfer (Imp. Med./Instr.)
vidhivad dakṣiṇāvatā
regelgerecht, mit Opfergabe (Adv./Instr.)
vayaṃ te kiṃkarāḥ pārtha
wir sind deine Diener, Sohn Pṛthās (Nom.Pl./Vok.)
vāsudevaś ca vīryavān
und Vāsudeva, der Tapfere (Nom.)

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