Kapitel 100: ṛgvede 10.100 · indra dṛhya maghavan tvāvadid bhuja iha stutaḥ sutapābodhi no vṛdhe
Bitte um Ganzheit und Aditi, mit Kehrvers
Bittlied an Indra, Savitṛ, Vāyu, Bṛhaspati und Andere; die Verse 1 bis 11 enden auf den Kehrvers „ā sarvatātim aditim vṛṇīmahe“ (etwa: wir erbitten uns Ganzheit und Aditi, Unversehrtheit). Mehrere Stellen (Vers 2 zweite Zeile, 4, 5, 11, 12) sind schwierig und teils nur vermutungsweise wiedergegeben.
Indra, sei fest, Gabenreicher; gerade für einen wie dich ist [dieser] Genuss. Hier gepriesen, Somatrinker, achte auf uns zum Gedeihen. Savitṛ soll uns mit den Göttern fördern, den Erhörten. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: dṛhya und die Funktion von śrutam unsicher.] [?]
bharāya su bharata bhāgam ṛtviyaṃ pra vāyave śucipekrandadiṣṭaye / gaurasya yaḥ payasaḥ pītimānaśa āsarvatātimaditiṃ vṛṇīmahe
Dem Darbringer tragt gut den zeitgemäßen Anteil zu, dem Vāyu, dem Lauteren-Trinker, dem Brüllenden [?] zum Wunsch. Der den Genuss der Milch des Gaur erreicht hat — um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: krandad-iṣṭaye und gaurasya payasaḥ unsicher.] [?]
Der Gott Savitṛ soll uns Lebenskraft zuführen, dem Aufrichtigen, dem Verehrer, der presst, damit wir die Götter [wie] Schlichte [?] verehren. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher.
Wort für Wort
ā
her, zu uns (Präv.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
savitā
Savitṛ (Nom. Sg.)
sāviṣat
er soll anregen, zuführen (3. Sg. Aor. Konj.)
vayaḥ
Lebenskraft (Akk. Sg.)
ṛju-yate
dem Geradewegs-Strebenden, Aufrichtigen (Dat. Sg.)
yajamānāya
dem Verehrer, dem Weihehandlungs-Ausrichter (Dat. Sg.)
Indra soll uns alle Tage wohlgesinnt sein; König Soma soll sich um unser Wohlergehen kümmern, so wie sie [die Götter] die Freundschaftsbündnisse zusammenfügen. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: mitradhitāni unsicher.] [?]
Wort für Wort
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
asme iti
uns (Dat. Pl.)
su-manāḥ
wohlgesinnt (Nom. Sg.)
astu
er soll sein (3. Sg. Imp.)
viśvahā
alle Tage (Adv.)
rājā
König (Nom. Sg.)
somaḥ
Soma (Nom. Sg.)
suvitasya
des Wohlergehens (Gen. Sg.)
adhi
bei, darüber (Präv.)
etu
er soll gehen, sich kümmern (3. Sg. Imp.)
naḥ
uns (Dat./Akk. Pl.)
yathāyathā
so wie, wie immer
mitra-dhitāni
Freundschaftsbündnisse, von Mitra Gesetztes [?] (Akk. Pl.)
Indra hat sich durch Lobrede und Kraft als Fülle eingesetzt [?]; Bṛhaspati, du bist Verlängerer des Lebens. Die Verehrungs-Weihehandlung, Manu, [unsere] Vorsorge, ist ja unser Vater — zum Wohl. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: paruḥ dadhe unsicher.] [?]
Wort für Wort
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
ukthena
durch Lobrede (Instr. Sg.)
śavasā
durch Kraft (Instr. Sg.)
paruḥ
Fülle, Gelenk [?] (Nom./Akk. Sg.)
dadhe
er hat sich eingesetzt, gesetzt (3. Sg. Perf. Med.)
Nun [rühme ich] Indras gut Gemachtes, die göttliche Kraft; Agni im Haus, den Preiser, den Weisen, den Seher. Die Verehrungs-Weihehandlung wurde in der Versammlung lieblich, sehr nah. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher.
na vo guhā cakṛma bhūri duṣkṛtaṃ nāviṣṭyaṃ vasavodevaheḷanam / mākirno devā anṛtasya varpasa ā sarvatātimaditiṃ vṛṇīmahe
Nicht haben wir euch gegenüber im Verborgenen viel Übles getan, noch offen, Vasus, Zorn der Götter [erregt]. Nicht [soll uns] etwas von Unwahrheit in Erscheinung [treffen], Götter [?]. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: Vers-Ende (mākir naḥ ... varpasaḥ) syntaktisch unsicher.] [?]
Weg mit dem Übel! Savitṛ soll [es] nach unten wegtreiben, [uns] weiteren Raum [schaffend]; es sollen die Presssteine [es] fortstoßen, dort, wo der Presstein, der Honig-Presser, laut angerufen wird. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher.
ūrdhvo grāvā vasavo 'stu sotari viśvā dveṣāṃsi sanutaryuyota / sa no devaḥ savitā pāyurīḍya ā sarvatātimaditiṃ vṛṇīmahe
Aufwärts [erhoben] sei der Presstein, ihr Vasus, für den Presser; alle Feindschaften haltet im Verborgenen fern. Er, unser Gott Savitṛ, der Hüter, der Verehrungswürdige. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher.
Kraft, ihr Rinder, auf der Weide esst ihr, Fettes; die ihr im Sitz der Ordnung im Kasten euch salbt. Der Leib selbst sei dem Leib das Heilmittel. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: go = wörtlich Rind; die Rede von Milch/Schmalz als Heilmittel ist plausibel; kośe aṅdhve unsicher.] [?]
Der willensfördernde Preiser, die Hilfe der Ewigen [?], Indra ist ja die gute Vorsorge der Somapresser. Voll ist das himmlische Euter, zu dessen Ausgießung [?]. Um Ganzheit, um Aditi bitten wir hierher. [Anm.: Satzbau der ersten Zeile und Bezug von yasya siktaye unsicher.] [?]
Glänzend ist dein Strahl, willenserfüllend deine Hilfe; da sind [deine] Wettstreiter, lobeserfüllend, unangreifbar. Auf der geradesten Bahn eilt der Verehrende dem Vieh und dem Rind zu, ringsum zum Vordersten hin. [Anm.: Vers ohne Kehrvers; Sinn der Schlusszeile unsicher; go wörtlich Rind.] [?]