Kapitel 81: ṛgvede 10.81 · ya imā viśvā bhuvanāni juhvad ṛṣirhotā nyasīdatpitā naḥ
Viśvakarman, der Alleswirkende, und die Frage nach dem Standort der Schöpfung
Schöpfungslied auf Viśvakarman (‚der alles Wirkende‘): Ein Seher und Rufer setzt sich als Vater nieder (V. 1), die Frage nach dem Halt der Schöpfung (V. 2 und 4), das Bild des allseits gewandten Gottes (V. 3), Bitte um Beistand (V. 5-7). Die Deutung der ‚Darbringung‘ des Gottes an sich selbst (V. 1, 5, 6) ist schwierig.
ya imā viśvā bhuvanāni juhvad ṛṣirhotā nyasīdatpitā naḥ / sa āśiṣā draviṇamichamānaḥ prathamachadavarānā viveśa
Der, der all diese Welten darbringend, als Seher und Rufer sich niedergelassen hat, unser Vater: er ging, mit Segenswunsch Gut begehrend, die Ersten verhüllend, in die Späteren ein. [Anm.: juhvat 'darbringend'; ob Selbstopfer des Schöpfers oder Ritualbild - plausibel, nicht fest. prathamacchat unsicher.]
Wort für Wort
yaḥ
der (Nom. Sg.)
imā
diese (Akk. Pl.)
viśvā
alle (Akk. Pl.)
bhuvanāni
Welten, Wesen (Akk. Pl.)
juhvat
darbringend, gießend (Nom. Sg. Part.)
ṛṣiḥ
Seher (Nom. Sg.)
hotā
Rufer, Anrufer (Nom. Sg.)
ni
nieder (Präverb)
asīdat
setzte sich (3. Sg. Impf.)
pitā
Vater (Nom. Sg.)
naḥ
unser (Gen./Dat.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
āśiṣā
mit Segenswunsch (Instr. Sg.)
draviṇam
Reichtum, Gut (Akk. Sg.)
icchamānaḥ
begehrend (Nom. Sg. Part.)
prathama-cchat
die Ersten verhüllend, als Erster bedeckend (Nom. Sg.) [?]
Was war wohl der Standort, was der Ansatzpunkt, welcher war es, und wie war es, aus dem Viśvakarman, die Erde erzeugend, den Himmel durch seine Größe aufdeckte, der Allsehende?
Allseits Auge und allseits Mund, allseits Arm und allseits Fuß: er bläst mit den Armen, mit den Flügeln zusammen, Himmel und Erde erzeugend, der eine Gott. [Anm.: dhamati = blasen/schmieden, Bild des Schmieds plausibel.]
kiṃ svid vanaṃ ka u sa vṛkṣa āsa yato dyāvāpṛthivīniṣṭatakṣuḥ / manīṣiṇo manasā pṛchatedu tad yadadhyatiṣṭhad bhuvanāni dhārayan
Was war der Wald, welcher war der Baum, aus dem sie Himmel und Erde herausgezimmert haben? Ihr Weisen, fragt mit dem Geist nur danach, worauf er stand, als er die Welten trug.
Deine Stätten, die höchsten, die untersten und die mittleren, Viśvakarman, und diese hier: lehre sie den Freunden bei der Opfergabe, Selbstmächtiger; weihe selbst deinen Leib, dich stärkend. [Anm.: yajasva mit Akk. hier 'weihen'; Selbstweihe des Gottes plausibel.]
Viśvakarman, durch die Opfergabe erstarkend, weihe selbst Erde und Himmel. Die anderen Leute ringsum sollen sich verwirren; hier soll unser Gönner, der Maghavan, Herr sein. [Anm.: sūri = Gönner/Herr, kann auch der 'Sänger/Weise' sein.]
vācas patiṃ viśvakarmāṇamūtaye manojuvaṃ vāje adyāhuvema / sa no viśvāni havanāni joṣad viśvaśambhūravasesādhukarmā
Den Herrn der Rede, Viśvakarman, den Gedankenschnellen, wollen wir heute im Wettstreit zur Hilfe anrufen. Er soll alle unsere Anrufungen gern annehmen, alles Heil bringend, gut im Wirken, zum Beistand.