Kapitel 86: ṛgvede 10.86 · vi hi sotorasṛkṣata nendraṃ devamamaṃsata
Vṛṣākapi-Lied: Streit um Indras Lieblingsaffen
Dialoglied zwischen Indrāṇī, Indra und Vṛṣākapi (Sprecherwechsel im Text nicht markiert); Refrain: viśvasmād indra uttaraḥ, Indra ist höher als alles. Stark derb-erotische Sprache und Sprachspiel; viele Wörter (Vers 5-8, 13, 18, 22-23) sind unsicher, die Sprecherzuweisung bleibt Deutung.
vi hi sotorasṛkṣata nendraṃ devamamaṃsata / yatrāmadadvṛṣākapiraryaḥ puṣṭeṣu matsakhā viśvasmādindrauttaraḥ
Denn sie haben sich zum Pressen auseinandergemacht [?], den Gott Indra beachteten sie nicht, wo Vṛṣākapi, der Herr unter den Wohlgenährten, sich berauschte, mein Rauschfreund [?]; Indra ist höher als alles. [Anm.: Refrain in allen Versen.]
Wort für Wort
vi
auseinander (Präverb)
hi
denn (Partikel)
sotoḥ
zum Pressen (Dat. Inf.)
asṛkṣata
haben losgelassen, freigegeben (3. Pl. Aor. Med.) [?]
priyā taṣṭāni me kapirvyaktā vyadūduṣat / śiro nvasya rāviṣaṃ na sugaṃ duṣkṛte bhuvaṃ viśvasmādindrauttaraḥ
Meine lieb gefertigten (Dinge) hat der Affe entstellt, sichtbar verdorben; seinen Kopf will ich abschlagen [?]; nicht leicht gangbar (mache ich es) dem Übeltäter; Indra ist höher als alles.
Wort für Wort
priyā
lieb (Akk. Pl. n.)
taṣṭāni
gezimmert, gefertigt (Part. Pass. Akk. Pl. n.)
me
mir (Gen./Dat. Sg. enkl.)
kapiḥ
Affe (Nom. Sg.)
vi-aktā
sichtbar, offenkundig (Part. Pass. Akk. Pl. n.)
vi
auseinander (Präverb)
adūduṣat
hat verdorben, geschändet (3. Sg. Aor.)
śiraḥ
Kopf (Akk. Sg.)
nu
jetzt (Adv.)
asya
seinen (Gen. Sg. enkl.)
rāviṣam
will abschlagen, zerschlagen (1. Sg. Aor. Konj.) [?]
na mat strī subhasattarā na suyāśutarā bhuvat / na matpraticyavīyasī na sakthyudyamīyasī viśvasmādindrauttaraḥ
Keine Frau ist schöner im Sitz [?] als ich, keine wird schneller [?] sein als ich; keine ist kräftiger im Gegenstoß, keine hebt den Schenkel höher; Indra ist höher als alles. [Anm.: Wörter bezeichnen wohl erotische Vorzüge; genaue Bedeutung unsicher.]
uve amba sulābhike yathevāṅga bhaviṣyati / bhasan me ambasakthi me śiro me vīva hṛṣyati viśvasmādindra uttaraḥ
Ich gebäre [?], Mutter, Leichtgewinnbare, wie es, mein Lieber, sein wird: mein Hinterteil, Mutter, mein Schenkel, mein Kopf, (alles) regt sich gleichsam; Indra ist höher als alles. [Anm.: Sinn und Sprecher unsicher.]
Was (willst du), Schönarmige, Schönfingerige, Breitzopfige [?], Breithüftige, was, Heldengattin, setzt du uns (dem) Vṛṣākapi zu? Indra ist höher als alles.
Zum gemeinsamen Anruf ging vor alters die Frau, oder zur Festversammlung; die Ordnerin des Ṛta, die Heldenreiche, Indras Gattin, wird hoch geehrt; Indra ist höher als alles.
Indrāṇī habe ich unter diesen Frauen als die Glückseligste gehört; denn nie stirbt ihr Gatte, auch später nicht, an Altersschwäche; Indra ist höher als alles.
Frau des Vṛṣākapi, Reiche, Gutsöhnige, dann auch Schwiegertochter-Gute: Indra soll deine Stiere verzehren, die liebe Spende, die (jemand) macht [?]; Indra ist höher als alles.
vṛṣabho na tigmaśṛṅgo 'ntaryūtheṣu roruvat / manthastaindra śaṃ hṛde yaṃ te sunoti bhāvayurviśvasmādindrauttaraḥ
Wie ein Stier mit scharfem Horn brüllt er mitten unter den Herden; ein Mantha-Trank sei dir, Indra, wohltuend fürs Herz, den dir der Gedeihenwollende presst; Indra ist höher als alles.
Der vermag nichts, dessen kapṛt (Glied) zwischen den Schenkeln herabhängt; der vermag es, dessen behaartes (Glied), wenn er sitzt, sich streckt; Indra ist höher als alles. [Anm.: Derbe Bildrede, wörtlich; kapṛt = männliches Glied.]
Der vermag nichts, dessen behaartes (Glied), wenn er sitzt, sich streckt; der vermag es, dessen kapṛt zwischen den Schenkeln herabhängt; Indra ist höher als alles. [Anm.: Umkehrung von Vers 16.]
Dieser Vṛṣākapi, Indra, fand den (Parasvant) erschlagen [?]: ein Messer, eine Schlachtstelle, einen neuen Kessel und dann einen mit Brennholz beladenen Wagen; Indra ist höher als alles. [Anm.: Parasvant vermutlich Name oder Tier; unsicher.]
Wort für Wort
ayam
dieser (Nom. Sg. m.)
indra
Indra (Vok. Sg.)
vṛṣākapiḥ
Vṛṣākapi (Nom. Sg.)
parasvantam hatam
Parasvant, Name/Bezeichnung [?] (Akk. Sg.) und erschlagen (Part. Pass. Akk. Sg.) [zwei Wörter in einem PP-Token]
Ich gehe da, umherschauend, den Dāsa und den Ārya sondernd; ich trinke vom (Trank) des schlicht Pressenden [?]; auf den Weisen habe ich hingeblickt; Indra ist höher als alles.
dhanva ca yat kṛntatraṃ ca kati svit tā vi yojanā / nedīyāso vṛṣākape 'stamehi gṛhānupa viśvasmādindrauttarah
Steppe (Trockenland) und Schneidefeld [?]: wie viele wohl sind diese Wegstrecken auseinander? Zu den näheren, Vṛṣākapi, komm heim, zu den Häusern; Indra ist höher als alles.
punarehi vṛṣākape suvitā kalpayāvahai / ya eṣasvapnanaṃśano 'stameṣi patha punarviśvasmādindrauttaraḥ
Komm wieder, Vṛṣākapi, wir beide wollen das Wohlergehen einrichten; du, der da, Vertreiber des Schlafs, gehst auf dem Weg wieder heimwärts; Indra ist höher als alles.
Als ihr nordwärts, Vṛṣākapi, zum Haus, Indra, gekommen wart: wo war dieses pulvagha-Wild [?], wohin ist es gegangen, der Menschen-Verwirrer [?]? Indra ist höher als alles.
Parśu [?] (PP: paśuḥ), so heißt es, eine Tochter Manus, hat zugleich zwanzig geboren; Glück (Heil!) ward jener zuteil, deren Leib krank war; Indra ist höher als alles. [Anm.: SA parśuḥ (Name), PP paśuḥ (Vieh) — Lesung unsicher.]
Wort für Wort
paśuḥ
Vieh (PP; SA parśuḥ: Parśu, Name) [?] (Nom. Sg.)
ha
wahrlich, bekanntlich (Partikel)
nāma
Name (Akk. Sg.)
mānavī
Manu-Tochter, weibliche Nachfahrin des Manu (Nom. Sg. f.)