Kapitel 99: ṛgvede 10.99 · kaṃ naścitramiṣaṇyasi cikitvān pṛthugmānaṃ vāśraṃvāvṛdhadhyai
Indra als Bezwinger der Feinde und Öffner der Pferche
Schwieriges Indra-Lied voller Anspielungen auf Mythen (Trita, Kutsa, Śuṣṇa, Pipru, Ṛjiśvan, Vamra/Vamraka) und mit Rätselbildern (Vers 4, Soma-Pressung?). Viele Wörter sind selten oder Eigennamen; die Übersetzung gibt nur das, was sich aus den Wortformen ableiten lässt, und markiert das Übrige.
Welchen Wunderbaren wirst du für uns, wissend, antreiben, den Weitschreitenden, den Brüllenden, damit er erstarkt? Was [soll] dieses Gebers der Kraft beim Aufleuchten des Morgens [?] — er zimmerte den Keil, den Vṛtra-Bezwinger, er ließ [ihn] anschwellen. [Anm.: dātu und kat tasya ... unsicher; der ganze Vers hat mehr als eine Lesart.] [?]
sa hi dyutā vidyutā veti sāma pṛthuṃ yonimasuratvāsasāda / sa sanīḷebhiḥ prasahāno asya bhrāturna ṛtesaptathasya māyāḥ
Denn er geht mit Glanz, mit Blitz dem Sāman entgegen; in den weiten Schoß hat er sich mit Herrschermacht gesetzt. Er, mit den Nestgenossen überwältigend — nicht ohne den Bruder [gelten] die Zauberkünste des Siebten. [Anm.: sāma = Gesang oder Besänftigung; die Schlusszeile ist rätselhaft.] [?]
sa vājaṃ yātāpaduṣpadā yan svarṣātā pari ṣadatsaniṣyan / anarvā yacchatadurasya vedo ghnañchiśnadevānabhi varpasā bhūt
Er, auf der Fahrt zum Preis, mit fehlerlosen Füßen gehend, hat sich, gewinnen wollend, bei der Gewinnung des Lichts ringsum niedergelassen. Unangefochten [war er], als er den Besitz des Hundert-Türigen [erlangte], die Śiśnadevas erschlagend hat er sie an Pracht überragt. [Anm.: śiśnadeva wörtlich „die das Glied zum Gott haben“, als feindliche Gruppe, Deutung unsicher; svarṣātā = Gewinnung der Sonne/des Lichts.] [?]
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
vājam
Preis, Kraft, Kampfpreis (Akk. Sg.)
yātā
auf dem Wege, als Fahrender [?] (Nom. Sg.)
apaduḥ-padā
mit fehlerlosen Füßen, ohne Fehltritt [?] (Instr. Sg.)
Er, der Renner, gießt zu den jungen Strömen unter den Rindern hin [?]; er, der Fließende, in den Preiskämpfen. Wo die Fußlosen, Anschirrbaren, Wagenlosen, [wie] Rosse im Trog, das Schmalz [oder] Wasser in Bewegung setzen. [Anm.: Rätselbild; möglich ist ein Bild der Soma-Pressung (plausibel, aber nicht sicher).] [?]
Er, mit den Rudras, der geschickte Abwehrer der Schmähung, ist, das Gut verlassend, fern von Tadel gekommen. Vom Vamra, meine ich, hat er die beiden Gepaarten geöffnet; er trat zur Speise hin und ließ [ihn] weinen, [sie] raubend. [Anm.: Bedeutung von Vers unsicher: Vamra oder Vamraka ist Eigenname, wörtlich Ameise; die Handlung bleibt dunkel.] [?]
sa id dāsaṃ tuvīravaṃ patirdan ṣaḷakṣantriśīrṣāṇaṃ damanyat / asya trito nvojasā vṛdhāno vipāvarāhamayoagrayā han
Ja er, der Herr im Haus, bezwang den Dāsa, den Weithin-Brüllenden, Sechsäugigen, Dreiköpfigen. Dessen Trita, nun durch Kraft erstarkt, erschlug in Begeisterung den Eber mit der Eisenspitze. [Anm.: patir dan = Hausherr; varāha = Eber, vielleicht Bild für einen Dämon; vipā unsicher.] [?]
sa druhvaṇe manuṣa ūrdhvasāna ā sāviṣadarśasānāyaśarum / sa nṛtamo nahuṣo 'smat sujātaḥ puro 'bhinadarhandasyuhatye
Er hat dem Druhvaṇa, dem Manuṣa [?], aufrecht Gewinnender, dem Arśasāna den Pfeil geschickt. Er, der männlichste, der Nahuṣa, wohlgeboren unter uns, spaltete, würdig, die Burgen in der Dasyu-Tötung. [Anm.: druhvaṇe manuṣe und arśasānāya sind vermutlich Namen; Deutung unsicher.] [?]
so abhriyo na yavasa udanyan kṣayāya gātuṃ vidan no asme / upa yat sīdadinduṃ śarīraiḥ śyeno 'yopāṣṭirhantidasyūn
Er, gleichsam der Wolkenbürtige, nach Wasser strebend wie bei der Weide, fand uns einen Weg zum Wohnen. Wenn der Falke, mit eiserner Ferse, sich mit [seinen] Körpern zum Tropfen setzt, erschlägt er die Dasyus. [Anm.: indu = Tropfen, Soma; Śyena der Falke, der Soma bringt, plausibel.] [?]
sa vrādhataḥ śavasānebhirasya kutsāya śuṣṇaṃ kṛpaṇeparādāt / ayaṃ kavimanayacchasyamānamatkaṃ vo asyasanitota nṛṇām
Er hat durch seine kräftigen [Taten] Śuṣṇa dem Kutsa dahingegeben, den Elenden [?]. Dieser führte den gepriesenen Seher, das Gewand [?], der ihm Gewinner ist, und [ebenso] der Männer. [Anm.: vrādhataḥ, kṛpaṇe, atkam unklar; der Bezug ist mythisch (Indra, Kutsa, Śuṣṇa).] [?]
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
vrādhataḥ
des Vrādhat [?] (Gen. Sg.)
śavasānebhiḥ
mit den Kräften, durch Stärkewirkungen (Instr. Pl.)
Dieser hier dient mit männlichen Kräften den Göttern, der Wundertäter, wie Varuṇa ein Zauberkundiger. Dieser, der Jüngling, der Wahrer der Zeiten, wurde erkannt; er maß den Araru, den Vierfüßer [?]. [Anm.: araru und catuṣpāt unklar; Deutungen von Vers uneins.] [?]
Wort für Wort
ayam
dieser hier (Nom. Sg.)
daśasyan
dienend, gebend (Nom. Sg. Part.)
naryebhiḥ
mit männlichen Kräften (Instr. Pl.)
asya
dessen (Gen. Sg.)
dasmaḥ
Wundertäter, Kraftvoller (Nom. Sg.)
devebhiḥ
mit den Göttern, den Göttern gegenüber (Instr. Pl.)
asya stomebhirauśija ṛjiśvā vrajaṃ darayad vṛṣabheṇapiproḥ / sutvā yad yajato dīdayad gīḥ pura iyāno abhivarpasā bhūt
Durch dessen Preislieder hat der Auśija Ṛjiśvan den Pferch gespalten, mit dem Stier, [den Pferch] des Pipru. Nachdem er gepresst hatte, [leuchtete] der Verehrende, das Lied flammte auf, er ging auf die Burgen zu und überragte sie an Pracht. [Anm.: Ṛjiśvan ist im Ṛgveda Helfer Indras gegen Pipru; Pferch = eher Burg der Feinde als Viehstall (plausibel).] [?]
So ist Vamraka, großer Asura, dir zum Erstarken auf [seinen] Füßen zu Indra hingekrochen. Er, kommend, wirkt ihm Heil, Labung, Kraft, gute Wohnstatt — alles hast du herbeigebracht. [Anm.: Vamraka wörtlich Ameisenkind (?), hier Eigenname; Subjekt der letzten Zeile unsicher.] [?]