Kapitel 1: ṛgvede 10.1 · agre bṛhannuṣasāmūrdhvo asthān nirjaganvān tamasojyotiṣāgāt
Agni erscheint am Morgen und wird zum Anrufer der Götter
Lied an Agni: Aufgang mit den Morgenröten, Geburt in Erde und Pflanzen, Viṣṇu-Bezug (Vers 3, rätselhaft), Bitte an den Anrufer, die Götter zu bringen. Vers 1 beginnt mit 'agre' im Saṃhitā-Text, der Padapāṭha hat 'agne' (Textproblem).
Am Anfang [PP: 'o Agni'; Text unsicher, [?]] stand der Hohe aufrecht vor den Morgenröten, aus dem Dunkel herausgegangen kam er mit Licht; / Agni, mit glänzendem Strahl, schön gliedrig, / kaum geboren, füllte er alle Sitze.
Wort für Wort
agne
am Anfang (SA agre) / o Agni (PP agne; [?])
bṛhan
hoch, hoher (Nom. Sg.)
uṣasām
der Morgenröten (Gen. Pl.)
ūrdhvaḥ
aufrecht (Nom. Sg.)
asthāt
stand (3. Sg. Aor.)
niḥ-jaganvān
aus dem Dunkel herausgegangen (Nom. Sg. Part. Perf.)
sa jāto garbho asi rodasyoragne cārurvibhṛta oṣadhīṣu / citraḥ śiśuḥ pari tamāṃsyaktūn pra mātṛbhyo adhikanikradat gāḥ
Du, der Geborene, bist der Keim der beiden Welthälften, o Agni, / lieblich verteilt in den Pflanzen; / bunt, als Kind, brüllte er rings durch die Finsternisse, durch die Nächte, / hin zu den Müttern, die Rinder [?].
Viṣṇu, der so dessen höchstes [Wesen] kennt, / geboren, schützt der Hohe das dritte; / wenn sie seine Milch mit dem Mund bereiten, / einmütig preisen sie [ihn] hier. [Anm.: rätselhaft; kosmisch-mythologisch (plausibel): Agni und Viṣṇu als Träger der drei Räume]
ata u tvā pitubhṛto janitrīrannāvṛdhaṃ prati carantyannaiḥ / tā īṃ pratyeṣi punaranyarūpā asi tvaṃ vikṣumānuṣīṣu hotā
Von da an [gehen] dir die Erzeugerinnen, die Nahrung des Vaters tragend, / den Nahrungswachsenden mit Speisen entgegen; / diese gehst du wieder an, in anderer Gestalt; / du bist unter den menschlichen Stämmen der Rufer.
Den Rufer mit buntem Wagen, das Banner jeder Weihehandlung des Adhvara, / den Leuchtenden, den Gegenstück jedes Gottes / an Größe: dich, Agni, / mit Glanz, den Gast der Menschen [rufen wir].
sa tu vastrāṇyadha peśanāni vasāno agnirnābhāpṛthivyāḥ / aruṣo jātaḥ pada iḷāyāḥ purohito rājanyakṣīha devān
Dieser Agni, Gewänder und Schmuck / anlegend, Nabel der Erde, / rötlich geboren an der Stätte der Iḷā, / als Vorangesetzter, o König, verehre hier die Götter.
ā hi dyāvāpṛthivī agna ubhe sadā putro na mātarātatantha / pra yāhyachośato yaviṣṭhāthā vaha sahasyehadevān
Du hast ja, o Agni, beide Welthälften, wie ein Sohn die Eltern, stets erfüllt [?]; / fahre los zu den Begehrenden, o Jüngster, / und bringe dann herbei, o Kraftvoller, hier die Götter.